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Full text of "Archäologische Zeitung"

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ARCHÄOLOGISCHE ZEITUNG 



HERAUSGEGEBEN 



ARCHÄOLOGISCHEN INSTITUT DES DEUTSCHEN REICHS. 



JAHRGANG XLII. 

1884. 



REDACTEUR: Dr. MAX FRANKEL. 



BERLIN, 

DRUCK UND VERLAG VON GEORG REIMER. 
1885. 



INHALT. 

Spalte 

H. Blümner Die Speisetisclie der Griechen (Textabbildungen) 179 (285) 

A. CoNZE Goldschniuc'k kieinasiatisclier Fundorte (Tafel 7 und zwei Textabbildungen) 89 

Siegelring- aus Cypern (Textabliildung) 165 

R. Engei.mann Drei Bronzen (Tafel 2) 21 

A. Fi'RT\vÄN(iLEK Arcliaisclier Goldschmuck (Tafel 8. 9. 10 und zwei TextabbiidungenJ 99 

P. Hartwig Neue Unterweltsdarstellungen auf griechischen Vasen (Tafel 18. 19 und Textabbildungen) 253 

F. HuLTscH Ein antiker Massstab (Textabbildungen) 191 

F. Kopp Herakles und Alkyoiiens (Tafel 8. 4) 31 

G. KöKTE P^truskischer Krater aus Caere (Tafel 5. G) 81 

K. Lange Zur Fartlienos 129 

G. I^ösciicKE Tgäns'Cai (2 Textabbildungen) 93 

M. Mayer Ein Theseus-Sarkopiiag (Textabbildung) 271 

P. J. Meiek Beiträge zu den grieclüsebeu Vasen mit Meistersignaturen (Tafel 15. 16. 17 und Text- 
abbildungen) 237 

K. K. MiJLLKR Relieffragment mit Darstellungen aus dem IlivaS des Kebcs (Textabbildung). Mit 

einem Zusatz von C. Robert 115 

C. Robert Die Ostnietopen des Parthenon 47 

0. Rossbach Die dreizehnte Siidnietope des Parthenon 57 

Sculpturen von llion (Tafel 14 und zwei Textabbildungen) 223 

0. Schröder Zu den Webstühlen der Alten (Textabbildung) 169 

F. Studniczka Zur Eule der Parthenos 161 

K. Wernicke Orestes in Delphi (Tafel 13) 199 

F. Wolters Eros und Psyche (Tafel 1 und zwei Textabbildungen) 1 

— Beiträge zur griechischen Ikonographie. I. Anakreon. II. llermarchos. III. Antiochos Soter. 
(Tafel 11. 12 und Textabbildung) 149 

MISCELLEN. 

H. Bi.ümnek Noch einmal die „Monoknemos" des Apelles 133 

R. Engelmann Noch einmal zu Tafel 2,2 209 

M. Fränkel Der Halm auf Grabsteinen 139 

W. Helbu; Zur Parisaniphora Archäol. Zeitung 1883 Tafel 15 141 

0. Puchstein Die ,Schlangentopfwerferin' im pergamenischen Altarfries (Textabbildungen) . . 213(293) 

C. Robert Zu Tafel 2,2 137 

A. VON Sallet Zur Athena Parthenos 61 

F. Studniczka Zum Ostgiebel des Zeustempels in Olj'uipia 281 

P. Wolters Inschrift einer Vase aus der Krim (Textabbildung) 209 

BERICHTE. 

Erwerbungen der königlichen Museen im Jahre 1883 

I. Sammlung der Sculpturen und Abgüsse (A. Conze) 63 

II. Autiquarium (A. FrKTwÄN(iLEK) 65 

Erwerbungen des Britischen Museums im Jahre 1883 143 

Sitzungen der archäologischen Gesellschaft zu Berlin im Jahre 1884 69. 145. 219 

Festsitzung des deutschen archäologisclien Instituts in Rom 67 

Chronik der Winckelmaunsfeste (.\then. Rom. l'erlin. Bonn. Kiel) 287 

Berichtigung zu 1883 S. 321 77 

Nachtrag zu Seite 17i)fi' . 285 

zu S. 213 293 

Bericht über die Thätigkeit des kaiserlich deutschen archäologischen Instituts vom 1. Ajiril ^HHH bis 

I.April 1884 (A. Conze) 79 



IV Inhalt. 

ABBILDUNGEN. 

Tafel 1. Eros und Psyche, Bionzerelief im Herliuci- Museum. 

2. Bronzen: 1. 2. im British Museum, 3. in Edinburgh. 

3. Heralvles und Alkyoneus, Schale in Corneto. 

4. Herakies und Alkyoneus, Amphora in Paris. 

5. 6. Marsyas-Krater aus Cervetri. 

7. Goldschmuck, gefunden am Golf von Elaia. 

8. 9. 10. Archaischer Goldschmuck. 

- 11. Anakreon. 

- 12. Antiochos Soter. 

- 13. Orestes in Delphi, Hydria in Berlin. 

- 14. Metopen von liion. 

- 15. Amphora des Amasis. 

- 16. Schalen des Pamphaios und Euphronios. 

- 17. 1. Vase des Epilykos. 2. Fragmente aus Vulci. 3. Schale des Hieron. 

- 18. Unterweltsvase Santangelo. 

- 19. Fragmente einer Unterweltsvase in Karlsruhe. 

Spalte 18. Eros und Psyche, Gemme. 

20. Ecos und Psyche, Marmorgruppe aus Aphrodisias im Berliner Museum. 

92. Ornament eines goldenen Diadems aus Kleinasien. 

93. Goldenes Diadem aus Abydos (nach Teirich's Blättern für Kunstgewerbe). 

97. Reitende Selene von einer Oinochoe in Florenz (nach Heydemann, Mittheilungen aus Italien). 

98. Keitende Selene von der Basis der Lonormant'schen Copie der Parthenos. 
107. Tödtung des Minotauros, Thonrelief in Corneto. 

113. Form einer Goldplatte im Museo Gregoriano. 

115. Relieffragmeut mit Darstellungen aus dem JJiva^ des Kebes. 

153. Büste des Hermaich in Athen. 

165. Siegelring aus Cypern mit Athena Parthenos. 

166. Aegyptischer Webstuhl (nach Lepsius' Denkmälern). 
181 ff. 19 Abbildungen antiker Tische. 

193. Antiker Massstab in Dresden. 

209. Inschrift einer Vase aus der Krim (nach Stephan! Conipte rendu 1877 S. 275). 

213. Der Schlangentopf im pergamenischen Altarfries. 

235. Gusscanal an einer Platte des pergamenischen Altarfrieses. 

249. Inschriften der Iliupersis-Vase des Brygos. 

272. Orpheus, schwarzf. Vasenbild. 

273. Theseus-Sarkophag in Rom. 



EROS UND PSYCHE. 



(Tafel 1.) 



Das Rejief aus getriebener Bronee, welches auf 
Tafel 1 nach einer Zeichnung von Max Lübke ab- 
gebildet ist, befindet sich seit dem Jahre 1882 im 
Berliner Antiquarium. Als Fundort wird Epirus 
genannt'). Die Erhaltung ist eine sehr gliiekliehe; 
die wenigen fehlenden Theile ergeben sich aus der 
Abbildung, sonst hat das Relief nur durch einen 
Bruch Schaden gelitten, welcher durch das linke 
Handgelenk und die linke Hüfte des Eros geht, 
sich längs der inneren Seite des linken Beines bis 
zur Wade fortsetzt, und den unteren Theil des Un- 
terschenkels ziemlicli stark entstellt. Auch der 
rechte Unterschenkel ist gebrochen, doch ohne dass 
seine Formen dadurch beeinträchtigt würden, wie 
auch ein Bruch hinter dem Kopf des Mädchens 
ohne grösseren Einfluss auf die gesammte Erhal- 
tung geblieben ist. Die untere Spitze des Flügels 
rechts ist etwas verbogen. 

Diese Entstellungen sind in der Abbildung nicht 
berücksichtigt. Hiretwegen ist anstatt der sonst 
vielleicht wünschenswerthen Photographie nach dem 
Original die Wiedergabe nach einer Zeichnung ge- 
wälilt worden^); leider war es nicht möglich, im 
Drucke die Weichheit zu erreichen, welche das 
Original auszeichnet, besonders die Köpfe erschei- 
nen dort voller, runder und jugendlicher in den 
Formen. Die Oberfläche der Bronee ist von auf- 



') Jahrbuch der k. preussisehen Kunstsammlungen IV S. VII. 
Arch. Ztg. 1883 S. 271. 

•) Ein schlecht gelungener Lichtdruck nach dem Original 
ist von Lucy JI. Mitchell in den ■^elections from ancient scu/p- 
Iure Taf 12,2 veröfl'entlicht: vgl. auch ihre History oj ancienl 
sculpture S. 529. 

Arcbiiolog Ztg. Jahrgang XL.U. 



fällig guter Erhaltung, noch ganz glatt, gleich- 
massig mit dunkelbrauner Patina überzogen und 
kaum an einer Stelle von Host angegriffen. So 
lässt sieh die sorgfältige Gravirung noch genau 
verfolgen , mit welcher besonders die Fittige und 
Haare bis ins Einzelne ausgearbeitet sind. 

Ueber die ehemalige Bestimmung ist es schwer 
etwas sicheres zu sagen, da die Rückseite keine 
Spuren der Befestigung mehr aufweist; aber ob- 
schon manche andere Verwendung denkbar ist, 
erscheint die zum Schmuck einer Spiegelkapsel der 
ganzen Form wie des Gegenstandes wegen am 
Wahrscheinlichsten. 

Dargestellt sind zwei prächtig geflügelte Gestal- 
ten, ein Jüngling und ein Mädchen. Der Jüngling, 
den wir unbedenklich Eros nennen dürfen, steht 
mit dem linken Arm auf einen Fels gestützt in jener 
sanft bewegten Stellung, die wir zuerst bei den Ge- 
stalten des Praxiteles finden. Aufli'allend ähnlich 
ist die Haltung des sogenannten Narkissos {Monu- 
menti 1856 Taf. 21), man ist versucht an eine Ent- 
lehnung zu denken. Auf welcher Seite dann die 
Abhängigkeit wäre, ist klar; in unserer Gruppe 
wirkt der Fels, der steif aufgestützte Arm störend, 
er trennt gewissermassen die Gruppe, die doch eine 
enge Einheit bilden soll. Aber mag nun der Künst- 
ler unseres Reliefs durcli ein anderes Werk angeregt 
worden sein, mag er ganz frei gestaltet haben, die 
eben berührte Härte der Composition, durch welche er 
die gefällige Stellung seines Eros erkaufte, zeigt, 
wie viel Werth er eben hierauf legte. Und in der 
That gehört der weiche, fliessende Urariss, den er 
dem Körper des Eros gegeben hat, zu dem Gelun- 
gensten der ganzen Darstellung. 

1 



P. Wolters, Eros und Psyche. 



An Eros' Seite, die .Reclite vertraulicli auf seine 
Schulter gelegt, stellt ein gleich ihm geflügeltes 
Mädchen, hekleidet mit dem ziemlich hoch gegür- 
teten Chiton und einem Mantel, der um den linken 
in die Seite gestemmten Unterarm sowie den Un- 
terkörper geschlungen ist. Das rechte Bein ist über 
das andere geschlagen. Sie wendet deu Kopf etwas 
von Eros weg, während dieser schmeichelnd mit 
der Rechten nach ihrem Kinn zu greifen scheint. 

Dass die Gruppe so wie sie uns vorliegt durch- 
aus als Relief, und zwar als Relief in abgegrenztem, 
fast kreisförmigem Räume gedacht ist und nicht 
anderswoher entlehnt sein kann, beweisen die Flü- 
gel. Durch diese den Raum auszufüllen und von 
diesem Hintergrunde die Gestalten sich abheben zu 
lassen, war der Gedanke, den der Künstler ver- 
folgte und erreichte. 

In dem Jüngling haben wir Eros erkannt, 
das Mädchen demnach Psyche zu benennen liegt 
zu nahe, als dass darüber Worte zu verlieren 
wären. Auch ich habe diese Bezeichnung in der 
Ueherschrift gewählt, wie ich auch jetzt keine 
bessere vorzuschlagen habe, aber ich bin mir dabei 
bewusst, den Namen mehr für unser modernes Ge- 
fühl zu geben, als dass ich dafür stehen möchte, 
der antike Künstler habe ihn gegenwärtig gehabt. 
Eros und Psyche sind für uns sehr geläufige He- 
griffe, und unbesehen taufen wir jedes Mädchen, 
das in Eros' Gesellschaft erscheint, auf den Namen 
Psyche; vorsichtiger Weise müssen wir die vielen 
ungeflügelten, die sterblichen Mädchen bei Seite 
lassen, mit denen der Liebesgott so oft tän- 
delnd dargestellt ist. Dass mit der geflügelten 
Genossin des Eros ein bestimmtes Wesen gemeint 
sei, dürfen wir behaupten. Aber wie ist es zu 
nennen? Das Mädchen Psyche, die Geliebte des 
Eros, kommt in der Litteratur überhaupt nirgends 
vor bis auf Apuleius — denn den Aristophonles Alhe- 
naeus und seine Dijsareslia die uns Fulgentius') 
als zweite Behandlung des Märchens aufbinden 
will, wird man besser nicht geltend machen — , und 
da auch Lukios von Patrai für das Märchen sicher 

ä) Mylholoijicon III ß; vgl. U. Jahn, Archäologische Beiträge 
.S. 123,3. 440, L. Frieilländer, Sittengeschichte* I S. 481, 1. 



nicht als seine Quelle gelten darf*), so sind wir 
auf jenen späten Schriftsteller als einzige Quelle 
angewiesen, was um so bedenklicher scheint, als 
seine Psyche, die offenbar ohne Flügel gedacht wird, 
wenig mit der beflügelten Genossin des Eros zu thun 
hat. Allerdings glaubte 0. Jahn (Leipziger Berichte 
1851 S. 156) in einigen Epigrammen dieselbe Vorstel- 
lung zu finden, aber trotz des Beifalls, welchen diese 
Ansicht fast allgemein gefunden hat, vermag ich 
sie nicht für richtig zu halten. In der ganzen 
griechischen Anthologie ist kein einziges Ge- 
dicht zu finden, welches die Vorstellung der Seele 
sei es als Schmetterling, sei es als Mädchen, klar 
ausspräche. Stephani, der im Conipte-rendu 1877 
S. 68 für die übrigen von Jahn benutzten Epi- 
gramme jene Beziehung mit Recht abweist, glaubt 
nur in dem des Meleagros Anth. Pal. XII l?yJ 
Psyche unter dem Bilde des Schmetterlings zu fin- 
den, weil das ähoaei, l^w nvxva ngoamTaiitevi] 
nur auf dies Thier, nicht etwa auf die Seelen, wie 
sie die ältere Kunst gebildet habe, passe. Diese 
alten eYöcola werden wir besser aus dem Spiel lassen; 
es ist sehr zu bezweifeln, dass sie der Phantasie 
des Dichters irgendwie vorgeschwebt haben, zumal 
sie sich als Bild der liebenden Seele nirgends 
nachweisen lassen, und so höchstens für das an 
sich nahe liegende Motiv der Beflügelung wirksam 
gewesen sein könnten. Dass die angeführte Stelle 
aber durchaus nicht zwingt, au einen Schmetterling 
zu denken, ist ohne weiteres klar, wenn wir uns 
vergegenwärtigen, wie oft die Epigrammatiker von 
dem l^og reden, der den Verliebten an den Gegen- 
stand seiner Neigung fessele^); dass es sogar 

■*) Diiss Luliios sowohl dem ^/<ivxiog ij ovo; als den Metamor- 
phosen des Apuleius zu Grunde liege, ersterem verkürzt, letztereiu 
erweitert, und dass zu den Einschiebseln gerade das Märchen 
gehört, glaube ich mit Goldbacher (Zeitschrift für die österrei- 
chischen Gymnasien XXIII 1872 S 323. 403) annehmen zu 
müssen. Den alten Sagenstotl' des Märchens hat L. Friedländer 
(Sittengeschichte ' I S 4(JS) nachgewiesen; dass die Namen Eros 
und Psyche willkürlich gewählt sind, ist danach erst recht 
orten liar. 

^) Vgl Anth. l'al. V 96 liöi- i/tig jo tf{).)]fiu. 100 //r,- 
od'iili' tliifitiaiv /|6i' ^/a)i'. XII 92 fv t^iii Kvn()iäfi(; 6ifOcii/Joi 
ßijttudjtx ynii/.itvoi. 93 (üf ?i'(;5 roOro (ro ofiftit) nntiaa^Tif- 
ytrai. Ein ähnlicher Gedanke V 56 ykfjiui anl.äyxVMV ri,iit- 
ifowv (UxTvic z«) nuylütc:. \b.> HrnyiiU Ti'Hrjni ).lvu. 



P. Wolters, Eros iiiul I'sydie. 



ü 



uuniüg'licli ist, sich den Schmetterling vorzustellen, 
zeigen die Worte tö ttieqÜ aov didexsv, denn die 
Flügel eines Falters zu binden, möchte zu den 
schwierigeren Aufgaben gehören °). Aber auch an 
das Mädchen Psyche dürfen wir nicht denken: 
schon das ivl dea^ioig anatQeig gäbe dann ein liäss- 
liches, das xal a eni nvg iozijas ein ganz uner- 
trägliches Bild. Die Vorstellung des Dichters von 
der Seele ist niclit so konkret; sie ist ihm ein ge- 
flügeltes Wesen, das Eros einfängt und quält, — 
lieiss und kalt wird es ihr, auch Thräueu kostet 
es, denn Liebe bringt Leid — aber weiter denkt 
er nicht'). 

Wenn ich trotzdem glaube, dass wir fortfahren 
dürfen, die Genossin des Eros Psj^che zu nennen, 
so baue icli weniger auf die Autorität des Apu- 
leius — obwohl er wenigstens zeigt, dass zu seiner 
Zeit das Paar Eros und Psj^che bekannt war — 
als auf den Umstand, dass die Schmetterlingsflügel, 
welclie Psyclie meistens zeigt, doch nur dem Spiel 
mit dem Worte xpi'xrj, das sowohl Seele als Schmet- 
terling bedeutet, ihre Entstehung verdanken können, 
und das.s dies Mädchen mit Schmetterlingsflügeln 
auf späteren Werken") offenbar zur Darstellung 
der Seele, ganz ohne Beziehung auf Eros, verwen- 
det worden ist. Aber seit wann diese Bezeichnung 
gebräuchlich war, wage ich ebensowenig zu be- 
stimmen, als etwa einen Namen, den wir in der 
älteren Zeit dieser Gefährtin des Eros beilegen 
dürften. Dass Psyche nicht der ursprüngliche sei, 
glaube icii annehmen zu müssen, denn der Ge- 
danke, die Seele als Geliebte des Eros hinzu- 
stellen, ergiebt sich durchaus nicht von selbst. Er 
hat unzweifelhaft etwas Künstliches, und ich kann 
mir kaum denken, dass er ohne Einfluss der Pla- 

^) Stephani S. 71 erklärt die Worte allerdings: Eros 'halte 
die ipu/i] über brennendes Feuer, indem er sie an den Flü- 
geln erfasst habe'; wie das in denselben liegen könne, ist 
mir nicht ersichtlich. 

'') Aus dieser allgemeinen V'orstellung heraus miiss auch 
das Pompejanische Bild (Heibig, WandgemüMe 854; vgl. O. Jahn, 
Archäologische Beiträge S. 181, Leipziger Berichte 1851 S. 161. 
Compte-rendu 1ST7 S. 74) verstanden werden, wo Psyche zugleich 
mit Feuer und Wasser gequält wird. 

') Es genügt, hierfür auf den berühmten Sarkophag im Ca- 
pitol mit Prometheus und der Erschaffung des Menschen zu ver- 
weisen. 



tonischen Dialoge, besonders des Gastmahls, ent- 
standen sei. Er ist dort nicht so ausgesprochen, 
er findet .so überhaupt keine Stelle in dem System 
Platonischer PhilosopLie; er gehört zu den Gedan- 
ken, welche aus der Lektüre des nicht als Denker, 
sondern als Dichter geleseneu Plato in das Publi- 
kum gedrungen sind,, ohne mit ihm eigentlich mehr 
zuthuu zu haben als etwa die Platonische Liebe, die 
wir im Munde füliren. Es ist schwer zu denken, 
dass ein Künstler diesen etwas gesuchten Ge- 
danken gefasst und verkörpert hätte; viel eher 
möchte man hier eine Benennung erkennen, die einer 
von der Kunst geschaffenen Gestalt in litterarisch 
gebildeten Kreisen beigelegt wurde und endlich 
so populär ward, dass sie die Kunst selbst beein- 
flusste. Die ältesten sicheren Beispiele der Schmet- 
terlingsflügel bei dem Mädchen, und damit des 
Namens Psyche bieten die pompejanischen Bilder, 
bei denen aber die VogelflUgel auch noch ganz 
gewöhnlich sind. Doch muss der Name Psyche 
schon früher erfunden sein: eben diese Bilder zei- 
gen uns Eros mit den Flügeln des Schmetterlings, 
offenbar doch schon eine weitere spielende Ver- 
wendung der auf den Namen Psyche hin üblich 
gewordenen Beflügelung. Wir müssen also schon 
deshalb etwa bis in die vorchristliche Periode 
zurückgreifen, und noch iiöher hinauf zu gehen 
zwingt uns das Bild einer praenestinischen Cista 
(MoniimentiX Taf. 4b), welches Furtwängler Ati- 
iiali 1877 S. 189 richtig in diesem Sinne ver- 
wendet hat. Da Eros hier bereits mit den Flügeln 
eines Falters ausgestattet erscheint, so müssen wir 
wohl annehmen, dass schon im dritten Jahrhundert 
Psyche ihren Namen und ihre Schmetterlingsflügel 
trug. 

Ueber die Davstellungen der Psyche ist sehr 
viel geschrieben; die ältere Litteratur findet sich 
in den bekannten Aufsätzen Otto Jahns') angeführt, 
in neuerer Zeit sind besonders zwei umfangreiche 
Behandlungen des Gegenstandes erschienen, Col- 
lignon's Essai siir les monuments grecs et ro- 
mains relalifs au mythe de Psyche und Stephani's 

') Archäologische Beiträge S. 121 und Leipziger Berichte 
1851 S. 153. 

1* 



P. Wolters, Eros und Psyche. 



8 



schon angeführter Aufsatz im Coiiipte-rendu 1877 
S. 53—219. Collignou's Arbeit hat die Untersuchung- 
nicht wesentlich gefördert, und sich meist begnügt 
eine Darstellung der landläufigen Ansichten in etwas 
weitschweifiger Form zu geben. Das beigefügte 
Yerzeichniss der Kunstwerke ist leider wenig voll- 
ständig und schlecht angeordnet, auch ist vieles 
Unsichere aufgenommen '"). Etwas mehr werde 
ich mich mit der zweiten Arbeit zu befassen haben, 
da ich ihre mit vieler Sicherheit vorgetragenen Er- 
gebnisse fast durchgängig für verfehlt halten muss, 
und bei einer Darlegung meiner Ansichten die Be- 
streitung der entgegenstehenden nicht ganz ver- 
meiden kann "). 

Stephani ist auf die ganze Frage von einer Seite 
her gekommen, die ihm keinen freien Ueberblick 
gestattete. Er unternahm den Beweis, dass die 
Darstellung eines Schmetterlings vor der Mitte des 
dritten Jahrhunderts v. Chr. eine Unmöglichkeit sei, 
um so den mykenischen Funden ihr hohes Alter 
abzustreiten. Indem er so eigentlich nur die Dar- 
stellungen des Insekts verfolgte, verrückte er den 
Stand der ganzen Untersuchung '"'). Er geht von 

'") Als Beweis für diese Behauptung mag der Umstiind die- 
nen, dass von allen pompejanischen Bildern nur sechs (3 — S) an- 
geführt werden, dass die erste Abtheilung, die monuments ila- 
hlissants ies dates extremes des reprisenlations de Psycho ausser 
diesen nur vier Monumente enthält: die Spiegelkapsel Gerhard 
I Taf. 20, 10, die ganz ohne Grund ins zweite Jahrhundert v.Chr. 
gesetzt und als ältestes Stück behandelt ■«■ird, den Spiegel Ger- 
hard IV Taf. 331, 2, dessen Deutung auf Psyche den grössten 
Bedenken unterliegt, die Wandgemälde, welche im Bulküino 
1853 S. 149 erwähnt und in die Zeit der Antonine gesetzt wer- 
den, und eine Münze von Nikomedia. Welcher Gesichtspunkt 
bei dieser Auswahl angewandt sei, vermag ich nicht zu sehen. 
Weshalb -z.B. die als llö aufgeführte schwarztigurige Vase 
(Arch. Ztg. 1869 Taf. 15) lieber unter die geschnittenen Steine 
als hierher gesetzt worden ist, sehe ich nicht ein. Oder sollte 
eine solche niclit ein etwas sichereres Mittel zur Datirung sein, 
als jene Spiegelkapsel? (;ollignon hält die Vase für echt, sonst 
hätte er sie nicht anführen dürfen, ohne wenigstens das Gegen- 
theil zu bemerken; wie er aNo darauf kommt sie nicht zur Da- 
tirung zu benutzen, begreife ich nicht. Dass sie allerdings eine 
Fälschung ist, hätte er aus Kekulä's Bemerkungen Arch. Ztg. 
1869 S. HC erfahren können. 

") Dass ich auf die zahllosen Gehässigkeiten, mit welchen 
Stephan! auch diesen Aufsatz verunziert hat, in keiner Weise 
Rücksicht nehme, wird niemand missbilligen. 

'■') Ich bemerke nebenbei, dass sich zu der Darstellung einer 
Clikadenlarvc, von der Stephani S. 28 ausgeht, um diese ganze 
Untersuchung über Schmetterlinge und Psyche zu führen, eine 



der Behauptung aus (S. 57), dass die Alten von 
den frühesten bis in die spätesten Zeiten Menschen, 
Thieren und Pflanzen eine besondere Lebenskraft, 
ii!v%ri^ zugeschrieben hätten; diese Lebenskraft habe 
sich für die Alten besonders im Schmetterling mit 
seiner dreifachen Verwandlung gezeigt, und ihn habe 
man deshalb gewissermasseu als beste Verkörpe- 
rung der Lebenskraft betrachtet, ihn kurzweg \pvxi] 
genannt, und dann natürlich später auch als Bild 
der menschlichen Seele benutzt. Er behauptet wei- 
ter, dass keine Erwähnung des Schmetterlings in 
der Litteratur über die zweite Hälfte des vierten, 
keine Darstellung in der Kunst über die zweite 
Hälfte des dritten Jahrhunderts zurückreiche, und 
dass die Gewohnheit, die Seele als Falter zu den- 
ken, erst dem letzten Jahrhundert v. Clir. angehöre, 
auch überhaupt nicht vor der allgemeinen Erschüt- 
terung des alten Glaubens möglich gewesen sei. 
Als jene Auffassung geläufig gewesen sei, habe 
man endlich die Seele sogar als Mädchen mit 
Schmetterlingsflügeln gedacht und dargestellt (S. 79); 
dies könne nicht vor dem ersten vorchristlichen 
Jahrhundert geschehen sein, und in der That seien 
die Bilder aus Pompeji die ältesten Denkmäler 
dieser Auffassung. Dass demnach die berühmte 
Gruppe Eros und Psyche frühestens um den An- 
fang unserer Zeilrechnung entstanden sein könne, 
liege auf der Hand (S. 176), und dieser Ansatz 
bleibe sogar dann richtig, wenn ursprünglich in 
iiir nur gewöhnliche Kinder gemeint gewesen seien, 
da erst vom zweiten Jahrhundert v. Chr. an 'der 
Ideenkreis einer Kinderwelt' in der Kunst ausge- 
bildet worden sei. 

Ich vermag diesen Aufstellungen in keinem 
Punkte zu folgen. Wäre wirklich der Name \pv%rj 
für den Schmetterling so zu erklären, wie Stephani 
will, so ständen wir sofort vor dem Räthsel, wie 
es möglich gewesen, dass die Griechen zwar die 
Lebenskraft, d. ii. die Seele, in dem Schmetterling 
geradezu verkörpert gesehen, trotzdem aber nun 
diese von ihnen sogar im Namen ausgesprochene 
Verkörjicrung erst Jahrhunderte später angewendet 

Wiederholung ebenfalls aus Gold in einem sardinisehen Grabe 
gefunden hat; vgl. Bulleltino Sardo III S. 21. 



9 



P. Wolters, Eros und Psvche. 



10 



liättcu. Aber diese Anualimc einer iptr/jj in allen 
organischen Wesen ist durchaus nicht allgemeine hel- 
lenische Anschauung''), us ist philosophische, spe- 
ciell peripatetische, Lehre, und es fällt schon mit 
dieser Erkeuntniss die ganze Aufstellung in sich 
zusnmmen. Auch die Behauptung, die Griechen 
hätten den Schmetterling nicht vor 350 gekannt, 
ist irrig, der Vers des Aischylos (Nauck, Fragm. trag. 
280) öfönixcc /.luiQov xagra Tiiwavatnv /iiogov zwingt 
uns sofort ein Jahrhundert und mehr zuriickzugehn, 
denn der Dichter verwendet hier den Schmetterling 
schon durchaus sprichwörtlich. In der rein grie- 
chischen Kunst dagegen scheint sich bis jetzt aller- 
dings keine über das dritte Jahrhundert zurück- 
gehende Darstellung des Schmetterlings gefunden 
zu haben"). Schliesslich — denn alles Uebrige 
wird sich unten von selbst erledigen — möchte ich 
bemerken, dass die Berufung auf die 'Kinderwelt' 
keine l'-eweiskraft hat. Es handelt sich gar nicht 
um Kinder iu dem Alter, wie sie in jener spielen- 
den Kiuderwelt auftreten, und auch wenn dies der 
Fall wäre, würde nichts daraus folgen. Oder weshalb 
hätte die Kunst nicht eine Scene aus dem Kinder- 
leben bilden können, ehe sie sich gewöhnt hatte, 
alle möglichen llaudlungeu und Ereignisse durch 
Kinder parodistisch ausgeführt darzustellen'*)? 

'3) Die von Stephani S. 57, 1. "2 zusammengebrachten Stellen 
können lUis durchaus nicht beweisen: Hesiod lAnn'i^V. 172 und 
Xenophon Jirrrjyfnxnt; 13, 14 helfen gar nichts, da hier i^c/i? 
'Leben' hcisst, auch ja nur von Thieren die Rede ist; die in 
dem Scholion üu Aristophanes' Wolken 712 vorgetragene Lehre 
ist die peripatetische, zu der Zeller, Philosophie der Grie- 
chen^ II. 2 S. 479. 4ns. 500 zu vergleichen ist; bei Seneca Brief 
58 zeigt schon das place! das philosophische ^j/aci'dim an, und 
in den gespreizten Betrachtungen des Plinius NH. 17,153. 31,3 
dürfen wir den Einfluss desselben ebenfalls voraussetzen; die 
Etymologie endlich, die der Scholiast zu Oppian 11 1(54 vorbringt, 
enthält gar nichts hierher Gehöriges und ist überdies nach Pla- 
ton's Knitylos S. 399 D und den Bemerkungen von E. Dummlur 
S. 57 der Exercilationis i/riimmalicae specimina des Bonner Se- 
minars unbedenklich für Antisthenisch, d. h. für stoisch zu 
halten. 

'■') Stephani hält den Sardonyx Compte-rendu 1S80 Tat". 3, 9 
für die älteste Darstellung eines Schmetterlings (vgl. 1877 S. 62. 
1880 S. 20. 78), Eurtwängler, Sammlung Sabourotfll zu Taf. 135 
das Ohrgehänge Antiquitis du Bosphore Chiimirien Taf. 7 , 8 
S. LXV, 51; der Unterschied ist unbedeutend, und für uns, wie 
sich zeigen wird, gleichgültig. 

'^) Ich wüsste keinen besseren Ausdruck für diese Ait der 
Darstellung al.- den von Jahn, .Vrch. Beitrage S. 194 glück- 



Otto Jahn ist bei seiner Besprechung der Psyche 
(Arch. Beiträge S. 128) von den ältesten Darstellun- 
gen der menschlichen Seele, den kleinen, geflügel- 
ten oder ungeflügelten sYdiola ausgegangen, die 
wir auf Vasenbildern finden, und darin sind ihm 
die meisten gefolgt. Aber icli meine, es liegt auf 
der Hand, dass diese Schatten verstorbener Men- 
schen, die nach homerischer Vorstellung umherflat- 
tern, wesenlos und luftig, nichts zu thun haben mit 
jener Darstellung der von Eros geliebten Seele. 
Hier ist weder eine begriffliche Entwicklung der 
einen Gestalt aus der andern möglich, noch eine 
formale. Jene Schatten und die Geliebte des Eros 
haben nichts gemein als etwa den Namen ; erst in 
viel späterer Zeit hat die Gespielin des Eros auch 
zur Bezeichnung der vom Körper geschiedenen 
menschlichen Seele dienen müssen. Aus jenen flat- 
ternden sYdiola entwickeln sich die würdigeren 
Bilder der Schatten wie das eXdioXnv AlijTnv (Alil- 
lin, Tombeaux de Canosa Taf. 7), welche die ehe- 
malige Gestalt des Menschen wiedergeben, und nur 
irgendwie die Schattenhaftigkeit seines Wesens an- 
zudeuten versuchen; für unsere Psyche ist ein eige- 
ner Ursprung anzunehmen"). Es lag nahe, den 

lieh gewählten der 'Parodie', trotz des heftigen Widerspruches 
von Stephani S. 193. Er ereifert sich sehr darüber, dass man 
durch diesen Ausdruck das Princip jeuer Darstellungsart 'in den 
lächerlichen und komischen Charakter' verlege. Als ob jede 
Parodie komisch sein müsse! Wir bezeichnen allerdings mit- 
unter auch die Travestie ungenau mit jenem Wort; in genauem 
Ausdruck können und sollen wir beide Begriffe sondern. Sie 
beziehen sich natürlich ursprünglich nur auf die Dichtung. Die 
Parodie behält die äussere Form eines Werkes bei, ändert aber 
den Inhalt, die Travestie giebt denselben Inhalt in komischer 
Form. Die Travestie ist immer komisch , die Parodie kann 
es sein. Wollen wir die beiden Begriffe auf die Kunst anwen- 
den, so ist dies nicht ohne eine kleine Umdeutung möglich, aber 
offenbar werden wir mit Fug und Recht eine Darstellung, welche 
in der äusseren Form Apollo und Marsyas, in Wahrheit Eroten 
zeigt (Gerhard, Antike BiMwerke Taf. 91, 1), eine Parodie nen- 
nen so gut wie den von Affen dargestellten Auszug des Aeneas 
(Heibig, Wandgemälde 1380). Wollte man das Wort Travestie 
auf die Kunst anwenden, so könnte man damit nur die burleske 
Darstellung ernsterer Begebenheiten bezeichnen. Panofka's Auf- 
satz Parodieen und Karikaturen (Abhandlungen der Berliner 
Akademie 1851 S. 1) nützt in dieser Frage nichts. 

"■) Dass man die Seele auch als Vogel mit Menschenkopf 
oder einfach als Vogel dargestellt habe, wie noch Collignon 
(Ket'ue archiologifjue N. S. XXX 1875 S. 203. Mijlhe de Psi/ch(f 
S. 298) meint, ist eine höchst problematische Annahme; vgl. 
0. .Jahn, Arch. Beiträge S. 137, GG. Das Epigramm Anth. 



11 



P. Wolters, Eros und Psvdie. 



12 



Gott der Liebe selbst iu Liebesverhältnissen dar- 
zustellen und ihm eine Genossin zu geben, damit 
doch nicht einzig er allein sei. Die Entstehung 
dieses weiblichen Gegenstückes zu Eros wird sich 
kaum in der Litteratur vollzogen haben; es scheint 
fast ein Bedürfniss der künstlerischen Ausdrucks- 
weise, dem dadurch genügt wurde. Es war die 
Kunst, welche den weiblichen Kentauren schuf, 
welche zum Pan die Paniske gesellte"), die Kunst 
hat auch zu Eros dieses gleich ihm geflügelte 
Mädchen gefügt, von dem die Litteratur schweigt. 
Kach Vorbildern brauchte sie nicht lange zu suchen : 
die geflügelte Iris und Nike boten sich von selbst 
dar, nur nuisste ihr Alter dem des Knaben Eros 
angenähert werden. So schuf die Kunst das ge- 
flügelte Mädchen, das wir jetzt Psyche nennen. 
Wann dies geschehen, vermögen wir nicht mit 
Sicherheit zu sagen, doch führen die Analogien 
aufs vierte Jahrhundert. Auch den Namen, wel- 
chen man dem Mädchen zuerst beigelegt, wissen 
wir nicht. Wie es gestaltet war, zeigt uns unsere 
Bronce'''), die wir als seine älteste erhaltene Dar- 
stellung ansehen müssen. Eine genaue Datirung 
derselben ist freilich nicht möglich, doch wird man 
sie kaum für jünger halten können als den Anfang 
des dritten Jahrhunderts. 

Wir besitzen eine unverhältnissmässig grosse 
Reihe von Denkmälern, die Eros und Psyche in 
traulichem Zusammensein zeigen, Stephani hat S. 160 
deren fünfundneunzig aufgeführt, und auch wenn 
wir die unsicheren Beii^piele") ausscheiden, wird 

Pal. Vn 62 zeigt, dass die Deutunt; des Adlers 1111!' die Seele 
l'latons etwas ganz alleinstehendes ist; vgl. VII 161. 

"} Vgl. die Zusammenstellung bei Heydemann, Terrakotten 
aus dem Museo nazionale zu Neapel S. 15. 

'8) Dieselbe ältere Gestalt der Psyche mit Vogelflügeln 
bieten uns ausser den pompejanischen Bildern besonders die un- 
ten genauer zu besprechende Terrakotte Sabouroff, die im Be- 
sitze von Lambrus befindliche (Frohner, Terms cuites d'Asie mi- 
neure Taf. 21), und eine dritte, die im Comple-rendu 1877 S. 5 (vgl. 
S. 166,67) abgebildet ist. Es ist also keine Spielerei, welche 
Psyche diese Flügel gab, wie Stephani S. 147 meint. Nachdem 
man sich gewohnt hatte, bei Psyche beide Arten von Flügeln 
ohne Unterschied zu verwenden, war es allerdings fast .selbst- 
verständlich, auch Eros an dieser Mannigfaltigkeit Tlieil nehmen 
zu lassen. 

") Besonders 73. 74, aber auch üU und IJS. Das 'Fragment' 
aus Durand's Sammlung (70) ist vollständig und zum Anheften 



die Zahl sich doch mindestens auf dieser Höhe 
halten , da weitere Exemplare neu hinzugekommen 
sind (z. B. durch Matz-Duhn), und wir auch die hin- 
zufügen müssen, welche die beiden Gestalten neben 
einander stehend, nicht gerade sich umarmend zei- 
gen, und die Stephani (S. 182) vergeblich auszu- 
sondern versucht hat, denn beide Darstellungen ge- 
hen zu oft in einander über. Leider steht der 
Werth der Denkmäler in keinem Verhältniss zu 
ihrer Zahl; die meisten entstammen römischen Sar- 
kophagen uud Grabuiälern und ilire Zusammen- 
stellung hat eigentlicii nur statistisches Interesse. 
Sie erscheinen durchgehends als etwas leere uud 
ungeschickte Nachklänge jener berühmten Gruppe 
vom Capitol. Man darf kühn behaupten, dass diese 
mit ihren Repliken uns die vollendetste Darstellung 
von Eros uud Psyche — die Richtigkeit dieser Be- 
nennung vorausgesetzt — bietet, und es läge nahe, 
in ihrem Original jene erste Schöpfung der Kunst 
zu suchen, aus welcher die ganze Vorstellung von 
Psyche herzuleiten ist. 

Brizio hat Bidlettino 1874 S. 7 den Versuch ge- 
macht, die Gruppe auf den jüngeren Kephisodot 
zurückzuführen, ohne zwingende Gründe. Gern wird 
man, zumal in dem Eros, jene Freude an weich 
geführten, sanft bewegten Umrissen wiedererken- 
nen, die in Praxiteles gelebt haben muss, aber auch 
spätere Künstler konnten dies Ideal verfolgen. Der 
sichere Termin, welchen uns eine unter Caracalla in 
Öerdike geprägte Münze (Stephani 86; abgebildet 
in Sallet's Zeitschrift für Numismatik VIII Taf 1,26 
vgl. dazu Riggauer S. 94) giebt, lehrt uns nichts 
neues. WerthvoUer wäre schon die Bestätigung 
einer von Cavedoni Annali 1860 S. 289 gebrachten 
Notiz, nacli welcher Denare der gens Vibia die etwa 
86 v.Chr. geprägt sind, unsere Gruppe als Bei- 
zeichen hätten. Leider vermag ich so wenig wie 
Riggauer (S. 95) einen solchen nachzuweisen, und 
bin gegen die Nachricht etwas skeptisch geworden, 

an eine Unterlage bestimmt; e» zeigt den Oberkörper eines Mäd- 
chens, das sich zurückbeugt, um sich von einem hinter ihm er- 
scheinenden Jüngling küssen zu lassen. Es schliesst sich also 
den anderen Monumenten nur sehr lose an, zumal jede Spur 
von Beflügeinng fehlt; vgl. Kekule, Die antiken Terrakotten II 
Taf. 49,2. 



13 



P. Wolters. Eros inul Psvchc. 



14 



da ich an mir selbst erfahreu habe, wie leicht auf 
geringeren Exemplaren der ganz gewöhnliche Kranz 
eine täuschende Aehnlichkeit mit der fraglichen 
Gruppe bieten kann. Bessere Dienste leistet uns 
eine Terrakottagruppe aus Ephesos, etwa dem zwei- 
ten Jalnhundert angehürig, die Furtwäugler, Samm- 
lung Sabouroffll Taf. 135 verüffentlicht hat=°). Sie 
ist unmöglich ohne Beziehung mit der capitolini- 
schen Gruppe zu denken, dazu ist die Ueberein- 
stimmung in den Einzelheiten der Gewandung, 
Stellung und Armhaltung viel zu gross. Aber ob- 
wohl Eros und Psyche sich hier eng umschlungen 
halten, küssen sie sich doch nicht, sondern blicken 
beide geradeaus. Furtwängler glaubt hierin eine 
besondere Feinheit erblicken zu dürfen: noch trenne 
ein ungewiss zögerndes Gefühl die Beiden von der 
höchsten Seligkeit des Kusses, und wäinend Eros 
mit schmeichelnder Hand ihr Gesicht dem seinen 
zu näiiern suche, wende sie sich sträubend ab. Die 
Darstellung des Kusses selbst dagegen scheint ihm 
eine Steigerung in's Atfektvolie, die den Reiz na- 
türlicher Einfalt und zurückhaltender Unschuld auf- 
gegeben habe. Ich vermag nicht, mich diesem Ur- 
theil anzuschliessen. Etwas Zögerndes und Zurück- 
haltendes liegt deutlich und schön in der eapitoli- 
nischen Gruppe ausgesprochen, besonders in der 
Stellung des Eros; man spürt in jeder Bewegung 
den Zwang der Leidenschaft, welche alle Scheu 
und alles Zögern überwältigt. Wenn aber Psyche 
den Geliebten so innig umschlingt, was soll da ein 
scheues Abwenden des Kopfes? Das wäre keine 
zurückhaltende Unschuld, das wäre berechnete Sprö- 
digkeit. Auch würde Eros natürlicher Weise doch 
sein Gesicht zu Psyche wenden müssen, wenn er 
sie küssen will. Ich kann demnach in der Haltung 
der Köpfe nur ein Ungeschick des Formers sehen, 
dem eine genaue Nachahmung der capitolinischen 
Gruppe allerdings schwer geworden sein w'ürde. 
Auch die veränderte Haltung der rechten Hand der 
Psyche wie der linken des Eros, mit denen im 
Original jeder den Kopf des andern an sich drückte, 

-") Abgesehen von dieser ist das älteste sicher datirbare 
Momiiiieiit i]ie kleine Gruppe aus Pompeji bei Kekule, Die an- 
tiken Terrakotten I Tal'. 43, 3 wozu die Uemerkunycn Rohden's 
S. .i4 zu vergleichen jind. 



stammt daher. Es ist nicht wahrscheinlich, dass 
die charakteristischen Bewegungen der Gruppe vom 
Capitol schon vorhanden gewesen seien, ehe diese 
selbst ihnen den wahren Sinn verlieh, ich muss 
darum annehmen, dass ihr Original schon im 
zweiten Jahrhundert nicht nur existirte sondern 
sogar nachgeahmt wurde, und eine dieser Nach- 
ahmungen ist die Terrakotte aus Ephesos. 

Aber wie haben wir uns jenes Original zu den- 
ken':* Ich kenne in Zeichnungen'") oder Original 
acht Wiederholungen jener Gruppe, zwei in Be- 
schreibungen, eine elfte ist verschollen"). Von die- 
sen sind die Gruppe vom Capitol, die in der Samm- 
lung Hope CMichaelis, Ancient marhies S. 287,22) 
und die beiden in Dresden (Hettner, Die Bildwerke 
der Antikensammlung zu Dresden* S. 103, 185. 
75, 7(i) ziemlich genaue Copien desselben Origi- 
nales, und sämmtlich ohne Beflügelung-'). Am 
nächsten steht diesen das Exemplar in Florenz 
(Dütschke, Bildwerke in Oberitalien III .508), das 
sich besonders durch die Umkehrung der Com- 
position und die hier zuerst angebrachten Flügel 
unterscheidet. Allen diesen Wiederholungen ge- 
meinsam ist die kunstvolle und ausdrucksvolle Grup- 
pirung, die wir natürlich ebenso bei ihrem Original 
voraussetzen müssen. Die anderen Repliken haben 
diese durchdachte Anordnung und damit einen 
grossen Theil der Schönheit aufgegeben. Hierher 
gehören zunächst zwei Exemplare, die beide nicht 
veröffentlicht sind, eines in Berlin, das andere im 
Museum Torlonia (P. E. Visconti, 3ruseo Torlouia 
S. 92, 174), ersteres ist mir im Original, letzteres 
durch eine Skizze F. Dümmler's bekannt"). Eros 

-') Zur Uebersicht bequem ist die Zusammenstellung in 
Clarac's Musee de scu/pture IV Tal'. 652. 653. 

'-'-) Bracci, Memorie degli incisori II S. 251. Siephani 7. 
Es wäre dagegen ein wunderbarer Zufall, wenn die beiden von 
Bracci als nach England verkauft genannten Gruppen nicht mit 
denen in Sammlung Hope und Lansdowne identisch wären. — 
Der von Slilchhiifer, Athenische Mittheilungen IV S. 126,4 be- 
schriebene Rest unserer Gruppe ist zu unbedeutend, um beson- 
dere Aufmerksamkeit zu verdienen. 

"') Der zweiten Dresdener Grujipe hatte man Flügel ange- 
setzt, die jetzt wieder entfernt sind; auch die etwas abweichende 
Stellung der Psyche ist Folge der Ergänzung. 

'-'*) Als ergänzt bezeichnet er beide Köpfe mit den daran 
liegenden Händen, auch don rechten Unterarm der Psyche, den 



15 



P. Wolters, Eros und Psyche. 



16 



und Psyche stehen sich etwas steif gegenüber, so 
dass der Beschauer sie im Profil siebt; Eros links 
stehend, ruht auf dem rechten Beiue, seine Eechte 
liegt auf Psyches Schulter, ihre Linke an seiner 
rechten Seite; mit den beiden vom Beschauer ab- 
gewaudten Händen fasst jeder den Hinterkopf des 
anderen, doch küssen sie sich nicht, vielmehr sind 
die Gesichter noch ziemlich weit von einander ge- 
trennt: ein recht ungeschicktes Motiv. Der einzige 
grössere Unterschied zwischen beiden Gruppen, die 
sonst sogar bis auf die Stütze an Eros' rechtem 
Bein übereinstimmen, scheint die Stellung von des- 
sen linkem Bein zu sein, das in der Berliner Gruppe 
über das andere geschlagen, in der römischen ein- 
fach vorgesetzt ist; da aber im ersteren Fall die 
Unterschenkel ergänzt sind , so wird hierin wohl 
die Gruppe Torlonia für uns massgebend sein kön- 
nen ^^). Die Beflügelung ist in beiden Fällen sicher. 
Offenbar sind diese decorativen Arbeiten nicht mehr 
als freie Gruppen gedacht, ihre ganze Anlage 
zwingt, sie vor einer Wand aufzustellen und sie 
mehr als Relief wirken zu lassen. Jede andere 
als die reine Vorderansicht ist ungeschickt. Noch 
geringer an Kunst und noch etwas ärmlicher in 
der gesammten Anlage ist das Exemplar aus Argos 
(Revue archeologique N. S. XXX 1875 Taf. 22), doch 
scheinen die Abweichungen mehr Ungeschick als 
Ueberlegung zu verrathen; im Ganzen würde dies 
Exemplar sich den eben besprocheneu anschliessen, 
wie auch das Bi-uchstück in Venedig (Dütschke, 
Bildwerke in Oberitalien V 198) liierher gehören 
möchte. Ueber die Gruppe in Hannover (Stephani 
S. 160, 6) lässt sich niclits Sicheres sagen, als dass 
sie die gewülinliche Beflügelung zeigt und von 
geringem Werthe ist. 

Von den acht Wiederholungen der Gruppe also, 
die wir in Betracht ziehen können, ist nur eine, die 
florenfinische, bei genauerem Festhalten der Compo- 

lechten aus zwei Stücken bestehenden Arm des Eros, sowie sei- 
nen linken Flügel. Unter den Knieen ist die Gruppe gebrochen, 
doch scheint hier nur Altes wieder zusammengesetzt, ebenso wie 
am rechten Flügel des Eros. 

-^) Dieselbe Form der Gruppe bietet die Münze von Ser- 
dike, und auch die mannigfach wechselnden Gruppen der Sar- 
kophage scheinen von dieser Gestaltung ausgejrangen zu sein. 



sition mit Flügeln versehen"), die drei letztgenann- 
ten weichen zu sehr vom Original ab, um eine Ent- 
seheidun? zu brinaen. Für das Original dürfen wir 
danach kaum die Flügel voraussetzen, um so weni- 
ger als diese offenbar einen grossen Theil des Reizes, 
den die Composition durcii den vornehmen, geschlos- 
senen Umriss ausübt, zerstören und zerstören müssen. 
Daraus ergiebt sich zunächst, dass wir in dem Ori- 
ginal dieser Gruppe nicht die erste Schöpfung der 
Psyche annehmen dürfen, denn diese konnte der 
Flügel nicht entbehren; und da doch auch unsere 
ßronce nicht für dies einflussreiche Kunstwerk gel- 
ten darf, sie auch nicht von der Gruppe abhängen 
kann, da ja ihre ganze Anlage die Flügel vor- 
aussetzt, so werden wir auf eine allen diesen voi-- 
ausliegende Schöpfung geführt, von der die Kunst 
diesen fruchtbaren Gedanken empfing. Man könnte 
allerhand Gründe dafür anführen, dass es ein Ge- 
mälde gewesen sei; wir werden besser thun, uns 
mit unserer Unkenntniss zu begnügen. 

Steht nun aber — und dies ist der zweite 
Punkt — für das Original der Gruppe der Mangel 
von Flügeln fest, so scheint auch die Deutung auf 
Eros und Psyche hinfällig zu werden. Ich gestehe, 
dass ein zwingender Grund für dieselbe fehlt, aber 
meine doch, dass sie einen hohen Grad von Wahr- 
scheinlichkeit beanspruchen darf. Denn welchen 
Knaben und welches Mädchen sollen wir sonst in 
der Gruppe erkennen? Beliebige, namenlose? Da- 
gegen spricht doch die Traciit der Psyche. Und 
das Alterthum hat siclier in jener Gruppe recht 
früh schon jenes vorbildliclie Liebespaar erkannt, 
das zeigt die Terrakotte Sabouroff, das zeigen die 
Repliken mit Flügeln, besonders die in Florenz, das 
scheint auch die Gruppe Lansdowne zu zeigen, deren 
Deutung nicht zu bezweifeln ist (Michaelis, Ari- 
cienl marhles S. 456, 70) und deren Eros wenigstens 
unserer Gruppe entlehnt ist. Dass die zahlreichen 
Sarkophage mit ihrer ständig wiederkehrenden 
Gruppe diese Deutung unterstützen, braucht kaum 
bemerkt zu werden. 

Ich glaube also diese Entwicklung annehmen 

^'') Audi die oben Anni. 20 genannte Terrakotte :ius Pom- 
peji cntlic'brt der Flügel. 



17 



P. Wolters, Eros und Psrche. 



18 



zu müssen: zu Eros gesellte die Kunst ein gleich 
ilini mit Vogelflügeln begabtes Mädchen, sein 
weibliches Gegenbild; ob ihr gleich anfangs der 
Name Psyche beigelegt wurde ist ungewiss, ja un- 
wahrscheinlich, aber im dritten Jahrliundert bereits 
scheint ihr dieser Name und in Folge davon mit 
spielender Anlehnung an die Bezeichnung des Fal- 
ters, yjvxrj, auch die Befiügelung des Schmetterlings 
gegeben zu sein, die dann immer allgemeiner be- 
liebt wurde. Ob die Darstellung der .Seele als 
Schmetterling diesem selben etymologischen Wort- 
spiel seine Entstehung verdankt oder aus der fer- 
tigen Vorstellung der Psyche sich entwickelt hat, 
ist kaum zu entscheiden, doch macht die Ver- 
bindung, in welcher der Schmetterling zu Eros steht, 
das letztere wahrschcinlicli. Auch dies Bild hat 
dann später die Kunst ergriffen , um die mensch- 
liche Seele ganz ohne Beziehung auf Eros auszu- 
drücken. 

II. 
Unter den vielen Wiederholungen des sich um- 
armenden und küssenden Paares Eros und Psyche 
findet sich auch eine ziemliche Anzahl geschnittener 
Steine. Leider ist hier die der modernen Fäl- 
schungen wegen bei Geramen überhaupt herr- 
schende Unsicherheit besonders gross, da bei den 
modernen Künstlern die Gruppe sehr beliebt ge- 
wesen sein muss; als Beispiel statt aller anderen 
mag die Gemme mit der Inschrift <I>HAIH dienen, 
in der man schon lange ein Werk des Felix 
Barnabö erkannt hat"'), die aber doch noch 
von CoUignon Mythe de Psyche S. 391, 83 unbedenk- 
lich benutzt ist. Stephani hat in sein Verzeichniss 
deshalb nur zehn Steine aufgenommen; vgl. Comple- 
reiidii 1877 S. 1G8, 76—85. Unter diesen Umstän- 
den wird die folgende Vermehrung unserer Denk- 
mäler besonders angenehm sein. Die hier in dop- 
pelter Grösse des Originales abgebildete Gemme 
hat Ludwig Otto im September 1875 in Bari gezeich- 
net, als sie dem dortigen Muscu miinicipale zum 
Kauf angeboten wurde; ich verdanke die Zeichnung 

'-') Vgl. Köhler, Gesammelte Schiifien III S. 289. Raspe, 
A descriptive vatalogue of ancient and modern engraved gems 
.S. 417, 7181 Taf. 43. Stephani, Comple-rendu 1877 S. 168,2. 
Archiiolog. Zt?. Jahrgang XLU. 




der Freundlichkeit Reinhard Kekule's. Der Stein, 
ein Karneol, hat unten rechts eine Beschädigung 
erlitten, wie die Abbildung zeigt. An seiner Echt- 
heit ist Zweifel nicht möglich: er befand sieh an 
dem Thcil einer mittelalterlichen Armatur, deren 
Schmuck er mit anderen Gemmen gebildet hatte, 
doch war eine Anzahl derselben bereits ausgebrochen. 
Wo sich der Stein jetzt befindet, weiss ich nicht. 
Die Gemme bedarf keiner Erklärung; die Anmuth 
ihrer Composition ist ebensp offenbar, wie dass 
sie nicht in nahe Beziehung zu der gewöhnlichen 
Gruppe gesetzt werden darf, deren Grundgedanken 
sie frei und eigenartig gestaltet darbietet. 

IIL 
Ein Gegenstück zu der von Eros gefesselten 
und hart gepeinigten Psyche bildet der gebundene 
Eros. Die Darstellung ist sehr beliebt gewesen: 
wir finden sie in Statuen , geschnittenen Steinen 
und Epigrammen; über die genauere Deutung kann 
Zweifel herrschen. 0. Jahn hat in den Leipziger Be- 
richten 1851 S. 153, besonders gestützt auf einen 
nur in der Zeichnung des Pighius erhaltenen, von 
ihm dort Taf. 5 bekannt gemachten Sarkophag, 
die Auffassung durchgeführt, dass die gequälte 
Psyche sich hier ihres Peinigers zu bemei.steru 
gewusst und ihn so unschädlich gemacht habe. 
Dagegen hat Stephaui Compte-rendu 1877 S. 125. 185 
darzulegen gesucht, diese Deutung Verstösse gegen 
alle Logik, da wohl die Seele von der Liebe, aber 
nie die Liebe von der Seele Schoierzen erfahren 
könne, und wir demgemäss anzunehmen hätten. 



19 



P. Wolters, Eros uud Psyche. 



20 



Eros sei von Aphrodite oder Nemesis gefesselt, und 
Psyche, wenn sie überhaupt dargestellt sei, wünsche 
ihn zu befreien. Auf diese verstandesmässige Er- 
örterung würde ich nicht viel geben: die Vorstel- 
lung, dass Eros von Psyche gefesselt wird, ist um 
niclits unlogischer als die, dass ihm dasselbe von 
einem Menschen widerfährt, und doch hat Melea- 
gros (Anth. Pal. V 179) gedichtet 

rj yäg aev za noörjya nö&Cüv wxvmSQa xnipag. 
XaXxndsTov acpiy^io aolg negl nooal neörjv. 
Uebrigens ist Stephani's Deutung nicht neu; schon 
Winckelmann erkannte auf den Gemmen 852 — 54 
der Sammlung Stosch Eros gefesselt von Aphrodite; 
seine Meinung allerdings, dass dies die Strafe für 
Eros' Liebe zu Psyche sei, stammt noch aus Apu- 
leius. Kichtiger hat deshalb Böttiger (Ideen zur 
Kunst-Mythologie II S. 474) diese letztere Beziehung 
aufgegeben, spricht es aber deutlich aus, dass 
Psyche den Eros zu befreien wünsche. Die bis 
jetzt bekannten Denkmäler gestatten keine sichere 
Entscheidung; wir können es dem gefesselten Eros 
nicht ansehen, wer ihn gefesselt, ebenso wenig wie 
der bei ihm stehenden Psyche, ob sie die Bande 
lösen oder schürzen will, und was ein an der Säule, 
an die Eros gebunden ist, hinaufkriechender Schmet- 
terling bedeuten soll, ist erst recht nicht zu sagen; 
vielleicht ist er mehr als Symbol denn als Darstel- 
lung der Psyche geraeint. Die einzige grössere 
Darstellung ist der Sarkophag, auf dem Jahn die 
Fesselung des Eros und die Vernichtung seiner Waifen 
durch zwei Psychen erkannte, während Stephani 
S. 185 das genaue Gegeutheil behauptet. Ob Eros 
gefesselt oder gelöst werde, ist schwer zu entschei- 
den, die Zeichnung würde für das letztere sprechen; 
aber dass die zweite Psyche nicht im Begrifi' stehe, 
Eros seine Waffen zurückzugeben, dass hier ein 
dem Eros feindlicher Akt vorgenommen werde, ist 
aus der deutlich dargestellten Angst und Entrüstung 
seiner Genossen klar. Können wir also überhaupt 
diese Zeichnung benutzen, so müssen wir sie nach 
Jahn als Rache der Psyche an Eros erklären; dass 
ich diese Auffassung durchaus für möglich halten 
inuss, ist bereits gesagt. 

Aber auch die entgegengesetzte Auffassung ist 



in Kunstwerken zum Ausdruck gekommen, das lehrt 
uns die hier nach einer Zeichnung Max Lübke's 




zum ersten Mal abgebildete Marmorgruppe, die sich 
seit 1873 im Berliner Museum befindet. Sie ist in 
Aphrodisias gefunden, ergänzt ist nur ein Theil 
der Unterschenkel des Knaben, doch ist die Stel- 
lung vollkommen sicher. Eros steht mit gefessel- 
ten Händen greinend da, der Ausdruck seines Ge- 
sichtes ist bis zur Karikatur drastisch. Mitleidig 
ist Psyche liinter ihn getreten, mit der Linken fasst 
sie seinen linken Oberarm; die Rechte, mit welcher 
sie das Ende der Fessel hält, legt sie auf seine 
rechte Schulter. Das Mitgefühl des Mädchens ist 
deutlich genug ausgedrückt; den kleinen Gefange- 
nen zu befreien scheint ihr nicht möglich, da ver- 
sucht sie wenigstens ihn zu trösten. Die Arbeit 
der Gruppe ist flüchtig und gering, die Erfindung 
weist auf ein besseres Vorbild hin. Der Gegensatz 
zwischen dem heulenden Buben und dem mit- 
leidig dreinschauenden Mädchen ist offenbar be- 
absichtigt und mit sichtlichem Humor, wenn auch 
mit einiger Uebcrtreibung ausgefUiirt. 

Dass wir trotz des Mangels von Flügeln das 
Paar Eros und Psyche nennen müssen, ist über 
allen Zweifel erhaben. Der Eros entspricht ganz 



21 



R. Engelmann. Droi Hron/.cn. 



22 



genau den anderen Darstellungen des gefesselten 
Liebesgottes (Leipziger Berichte 1851 S. 163), und 
wenn auch diese formale Uebereinstinmiung die 
Deutung nicht sicliern könnte, so ist sie ihr doch 
immerhin günstig. Sicher ist die Deutung schon 
deshalb, weil die Annahme gewöhnlicher Kinder 
— und etwas Anderes bliebe uns doch in keinem 
Falle übrig — eine ganz unverständliche Gruppe 
ergäbe. Was ein gefesselter Knabe und ein mit- 
leidig daneben stehendes Mädchen sollen, wenn es 
nicht eben Eros und Psyche sind, ist nicht abzu- 
sehen. 

Und so hätten wir also in dieser kleinen Gruppe 



zum ersten Male deutlicii den Gedanken ausge- 
sprochen, dass Eros von einer fremden Macht ge- 
fesselt ist, und dass Psyche trotz ihres Mitgefühls 
ihn nicht zu befreien vermag. Aber ob dieser Ge- 
danke darum nun in allen Kunstwerken liegt, die 
den gebundenen Eros zeigen, ist zweifelliaft; der 
Sarkophag des Pighius enthält einen ganz anderen, 
und zwischen diesen beiden Autfassungen bei den 
einzelnen, undeutliclien Werken zu entscheiden, wird 
kaum möglich sein. Wir werden uns begnügen 
müssen, die Möglichkeit beider einzugestehen. 
Berlin, im Januar 1884. Paul Wolters. 



DREI BRONZEN. 



(Tafel 

Bei meiner Anwesenheit in London im Jahre 
1877 Hess ich durch Mr. Webb uuter Anderem zwei 
Bronzen des britischen Museums zeichnen, die mir 
in hervorragendem Maasse die Aufmerksamkeit 
zu verdienen schienen. Gründe, die ausser mir 
liegen, haben bis jetzt die Publication der Zeich- 
nungen verhindert, und so hat es sich gefügt, dass 
wenigstens für eine der beiden, No. 1, die Priorität 
uns genommen ist; sie findet sich, wenn man von 
der schon früheren Veröffentlichung in der 9. Ausg. 
der Eucyclop. Brilan. s. v. Archaeolngy absieht, die 
wegen iiirer Kleinheit kaum mitzählen darf, bei 
Murray liislonj of greek sculpture II S. 345 und bei 
L. M. Mitchell history of ancient sculpture S. 529 
(Selcclions pl. 12) publicirt und besprochen. Indess 
wird unsre mit drei litliographischeu Platten vor- 
treiflich hergestellte Abbildung, wenn sie gleich 
spät kommt, doch nicht ohne Nutzen sein; denn 
sie verdient vor den beiden oben citirten offenbar 
den Vorzug. Die Bronze soll in Tareut gefunden 
sein, doch wird an der Genauigkeit dieser Angabe 
gezweifelt. Man sieht einen halb sitzenden Jüngling, 
dessen Schenkel von Gewand umkleidet sind; er 
hat den Oberkörper etwas nach vorn und zugleich 
nach dem linken Arm hin gebeugt; das noch etwas 



2-) 

stärker nach vorn geneigte Haupt folgt im All- 
gemeinen in seiner Richtung derjenigen des Ober- 
körpers; die Augen scheinen über die rechte 
Hand fort nach einem etwas ferneren Punkte zu 
blicken. Das Haar ist kurz und kraus, wie bei 
einem im Gymnasien heimischen Jüngling üblich; 
auch die Bildung des Körpers, die schwellenden 
Muskeln der Arme verrathen tüchtige gymnastische 
Bildung. Der rechte Arm ist nach unten mit leich- 
ter Biegung ausgestreckt; die Hand ist leider ab- 
gebrochen, doch ergiebt sich mit Sicherheit aus der 
Gestaltung der Muskeln, dass der Daumen zur 
Hüfte gewandt war. Eine noch schwerere Beschä- 
digung hat der linke Arm erlitten, er ist bis auf 
den Schulteransatz verloren gegangen; doch lässt 
die Haltung der Figur die ursprüngliche Richtung mit 
Wahrscheinlichkeit verniuthen: der Arm war zu- 
nächst senkrecht nach unten gerichtet, um dann 
vom Ellenbogen an sich über den Leib zu strecken. 
Der rechte Fuss tritt mit der ganzen Sohle auf 
einen nach vorn sich etwas senkenden Terraiu- 
ausschnitt, während der linke nur auf den Zehen 
ruht; dadurch wird das linke Bein etwas stärker 
gekrümmt, so dass der Schenkel mit dem unteren 
Theil einen Winkel von wenig über 90 Grad bildet. 



23 



R. Entjelmann, Drei Bronzen. 



24 



Zu beiden Seiten der Beine ist das Gewand mit 
je einem kleinen Loch verseben, ein deutlicher 
Beweis dafür, dass die Figur einst an irgend einem 
Gegenstande befestigt war; dasselbe lässt auch 
die Hinterseite erkennen, denn während der obere 
Theil frei ausgearbeitet (gegossen) ist, zeigt die 
untere Partie, soweit der Körper vom Gewand be- 
deckt ist, eine deutliche Ansatzfläche. Die Klein- 
heit und die Zahl der Löcher zwingt uns anzuneh- 
men , dass die Figur an einem bronzenen Hinter- 
grund ausass, so dass die Lötliung zur Erreichung 
einer sicheren Verbindung mithelfen konnte; auch 
niusste die Fläche leicht gekrümmt sein, wie die 
ganze Anordnung der Figur beweist, und für 
die Füsse musste ein schräg nach unten verlau- 
fender Vorsprung vorhanden sein. Es leuchtet 
ein, dass danach die Annahme von L. Mitchell, 
es handele sich um die Verzierung eines Spie- 
geldeckels, hinfällig ist; die verhältnissmässig 
schwere Figur wäre auch als Verzierung einer so 
kleinen und dünnen Fläche wenig geeignet. Eine 
bestimmte Entscheidung, wenn sie überhaupt mög- 
lich ist, lässt sich nur angesichts des Originals 
treffen ; nur um den Kreis zu bezeichnen, innerhalb 
dessen man meiner Ansicht nach suchen muss, be- 
merke ich, dass man an eine seitliche Anordnung 
neben dem Henkel eines Gefässes denken könnte. 
Katürlich müsste unserer Figur dann eine einiger- 
massen symmetrisch angeordnete zweite auf der an- 
deren Seite entsprochen haben; beider Füsse würden 
ungefähr an der Verbindungsstelle des Henkels mit 
dem Körper des Gefässes aufgesessen haben, wo es 
an einem entsprechenden Vorsprung nicht fehlt. 

Dass unsere Bronze mit einer zweiten Figur zu- 
sammen gruppirt war, dafür lassen sich allerdings 
auch andere, aus dem Monument selbst genommene 
Gründe anführen. Die nach rechts (vom ßescliauer 
aus) gedrängte Körperhaltung, die fast ein Ueber- 
fallen nach dieser Seite hin befürchten lässt, die 
Abgeschlossenheit die.ser selben Seite, die in zwei 
Biegungen, des linken Armes und Schenkels, endet, 
im Gegensatz zur andern, wo alles offen verläuft, 
ferner die Richtung des Kopfes, des Oberkörpers 
und der beiden Arme, ja selbst die nicht ganz 



klare Gewaudpartie an der rechten Hüfte, alles 
weist darauf hin, dass unsere Figur links eine 
Ergänzung fand. Ein gleiches Resultat wie bei 
der Betrachtung der Linienführung erhält man 
auch, wenn mau die Bedeutung der Figur ins 
Auge fasst. 

Der Juugling ist halb stehend, halbsitzend, oder 
vielmehr sich anlehnend gebildet, eine Stellung, 
welche besondere körperliche Anstrengung (man 
könnte leicht au einen Diskuswerfer denken) aus- 
schliesst. Auch die Haltung der Füsse spricht 
gegen gewaltsame Bewegung; der fest aufgesetzte 
rechte Fuss genügt, um deu Körper iu der etwas 
unsicheren Stellung zu erhalten; der lose aufgesetzte 
linke dient nur dazu das Gleichgewicht herzustellen. 
Und doch zeigt die ganze Haltung des Jünglings 
höchste Erregung und Spannung, die weder in der 
Figur selbst noch auch in einem unbestimmten Et- 
wat- ausser ihr die Lösung findet, die aber sofort 
klar wird, wenn wir sie mit einer andern symme- 
trisch componirten zusammengestellt deuken. Dass 
unmittelbare Berührung jedoch ausgeschlossen ist, 
brauche ich nicht noch besonders hervorzuheben. 

Eine bestimmte Antwort auf die Frage, was die 
Bronze dargestellt habe, vermag ich nicht zu ge- 
ben, doch will ich eine Verniuthung, die wenig- 
stens die Sachlage erläutert, uicht zurücklialten. Es 
scheint mir, dass man bei unserer Figur und ihrem 
vorausgesetzten Gegenstück am besten an zwei 
Morraspieler denken könnte, die mit der einen 
Hand (hier der linken) nach der antiken Weise 
einen Stab gefasst halten, während sie die andere 
blitzschnell vorstrecken und zugleicii die Zahl der 
ausgestreckten Finger zu errathen suchen. Die 
Haltung des ganzen Körpers, auch der Hände und 
Füsse, wäre damit völlig und zur Genüge erklärt, 
doch verhehle ich nicht, dass mir der Ausdruck 
des Gesichts etwas zu ruhig für ein derartiges 
iille Leidenschaften des Südländers erregendes 
Spiel scheint. Ich hebe deshalb nochmals hervor, 
dass meine Vermutiiung mehr bezweckt, die 
Körperhaltung verständlich zu machen als das 
Räthscl endgültig zu lösen. Eine einigermassen 
mit unserer übereinstimmende antike Figur, die 



R. Engclmann, Drei Bronzen. 



26 



iiian zur \'crgleicliuiig- lieranzielicu könnte, ist mir 
nicht bekannt. 

Die Bronze ist nicht uur gegenständlich, sondern 
auch stilistisch von iiohcm Interesse, und hat nach 
dieser Seite iiin bei Murra}' sowohl wie bei L. Mitchell 
die verdiente l'eaclitung- gefunden. Indessen ist das 
Urtiieil beider nicht das gleiche; während die letz- 
tere Aehnlichkeit mit dem Hermes des Praxiteles 
findet'), zögert der erstere nicht, sie auf die Schule 
des Lysippos zurückzuführen'). Ich kann nicht um- 
hin mich der letzteren Meinung anzuschliessen; auch 
mir scheint der Charakter peloponnesischer Kunst- 
übung, speciell des Lysippos, in den Formen des 
Körpers deutlieh ausgeprägt zu sein. Unzweifelhaft 
wohl gehört die Bronze erst der zweiten Hälfte des 
4. Jahrhunderts an; ihre Entstehung dürfte vor dem 
.\po.\yomenos kaum wahrscheinlich sein. Das ist 
auch die Ansicht von A. Flasch, dem ich die Ab- 
bildung vorgelegt habe; ob jedoch die Arbeit aus 
einer pclnponnesischen oder einer attischen Werkstatt 
stamme, das, meint er, lasse sich nicht feststellen. — 

Unter No. 2 ist eine kreisförmige Platte abge- 
bildet, die im British Museum als Neretis willi fe- 
male deilies bezeichnet ist; sie stammt angeblich 
aus Macedonien. Wie der Band erkennen lässt, 
war sie einst eingesetzt, so dass der äussere Rand 
unter der Einfassung verborgen war; die Grösse 
der drei Löcher, die zur Befestigung der Platte auf 
ihrer Unterlage dienten, lässt vermuthen, dass 
die letztere nicht aus Bronze, sondern aus einem 
andern Material, z. B. Holz oder Elfenbein, bestand. 
Es liegt am nächsten, an den Deckel einer runden 
Büchse zu denken (der weit vorgestreckte linke 
Ellenbogen des Gottes würde beim Oeffnen gleich- 
sam als Handhabe haben dienen können), doch 
sind natürlich auch andere Verwendungen niclit 

') Tliere is a ntar kinship lo ihe /ealures of Praxiteles' 
Hermes, hut « greater slenderness of bodi/ , and a less massive 
build of face. 

-) The leiiffth of the limbs and expression of the face are 
heyonä all iiiislake. white the shape of the head is no less evidenlly 
that of the school of Poli/kleitos , with a lendency Iowards the 
rounder craniitm of Ihe Attic sculptors which Li/sippns cuuld hardly 
have esiaped. But il is in the largeness of style, in the bodily 
forms and in the treatment of the drapery , that we are inclined 
lo discoier a chararterintic nf Lysippos. 



ausgeschlossen. Das Relief, mit welchem die Platte 
verziert ist, gehört mit zu dem Reizendsten, was 
uns aus dem Alterthum erhalfen ist. Man erblickt 
den Kopf und die Brust eines Seegottes, dessen 
Hinterkopf, wohl in Nachahmung des Gei)rauchs 
der Seeleute, die auch heute noch durch wasser- 
dichte Kapuzen sich gegen die Uberspritzende 
Fluth sichern, mit einer dicht anliegenden und 
bis zum Nacken hinabreichenden Kappe bedeckt 
ist. Das Gesicht ist von zahlreichen, nach der Art, 
wie sie sich selbst auf die Kappe auflegen, wohl 
als wasserschvver zu denkenden Locken umrahmt; 
der Schnurrbart und der Haaransatz unter der Un- 
terlippe zeigen den Uebergang zur vegetabilischen 
Bildung, wie bei dem bekannten Kopfe des Museo 
Pio-Clementino; darunter fällt der Bart noch in 
langen Locken bis zur Mitte der Brust herab. Der 
Gott schaut mit weit geöffneten Augen in die 
Ferne; gleichsam sifch selbst und seine nähere Um- 
gebung vergessend, legt er die linke Hand an den 
Hals unter die Kapuze, so dass der Ellenbogen 
stark aus dem Grunde vorspringt; der rechte Arm 
ist nicht sichtbar. Die Gestalt ist vou zwei Delphi- 
nen eingerahmt, die unten spielend mit dem Rachen 
einander fassen, während sie lustig ihre Schwänze 
über die Schultern des Gottes herüber hinter seinem 
Haupte emporschlagen lassen; auf den Delphinen 
haben weibliche Seegottheiteu sich niedergelassen. 
Links sitzen zwei ; die eine (e. f.) streckt das linke 
Bein vor und zieht das rechte etwas zurück, so 
dass das Gewand zwischen den Füssen sich etwas 
spannt, ihre Brust ist unverhüllt, indem das Gewand 
vom linken Arme aus sich hinter dem Rücken entlang 
zieht; auf ihrem Schoosse, bequem nach rechts ge- 
lagert, sitzt die zweite Nereide, von hinten sicht- 
bar, bis auf das von der linken Schulter über den 
Rücken hin hängende Gewand ganz unbekleidet. 
Auf dem andern Delphin ruht, lässig nach links 
hingestreckt, eine dritte Nereide; sie hat das Ge- 
wand um ihren linken, auf den Delphin aufgestütz- 
ten Arm geschlagen. Alle drei zeigen das Haar 
hinten in einen Knoten zusammengebunden; alle 
drei richten ihre Blicke auf das Gesicht des in das 
Weite schauenden Gottes; da dieser gar nicht wie- 



27 



R. Engelmann, Drei Bronzen. 



28 



der gewillt scheint, aus den Fernen, wohin sein 
Blick schweift, zu seiner Umgebung zurückzu- 
kehren, zupft ihn die rechts gelagerte Nereide mit 
der rechten Hand an einer seiner Bartlocken , um 
seine Aufmerksamkeit zu erregen. Ein Bild voll 
gemüthlichen Humors, dem ich nichts Aehnliches an 
die Seite zu setzen wUsste. — 

No. 3 ist die auf die Hälfte verkleinerte Abbil- 
dung einer Bronze des Edinburgher Museums nach 
einer Photographie, welche ich der Freundlichkeit 
des Herrn A. S. Murray verdauke. Ein, so viel 
ich mich erinnere, genau damit übereinstimmendes 
Exemplar findet sich im British Museum (Bronze 
Boom, case D); es stammt aus der Sammlung Castel- 
lani; ein drittes Exemplar fand ich in Verona (Mu- 
seo Civico), woher es stammt, war mir nicht mög- 
lich zu erfahren. Es ist eine gorgonenähnliche 
Maske mit Flügeln im Haar; neben den Flügeln 
kommen an Stelle der sonst üblichen Schlangen- 
köpfe zwei andere Köpfe zum Vorschein, in denen 
man im British Museum offenbar Hundeköpfe er- 
kennt (daher die Deutung auf Scylla), die aber in 
dem Edinburgher Exemplar, nach der Photographie 
zu urtheilen, durch den Hörneransatz und die ganze 
Gestaltung der Formen deutlich als Kalbsköpfe 
charakterisirt sind; inwieweit das Londoner Exem- 
plar in Wirklichkeit davon abweicht, vermag ich 
nicht anzugeben. Unter dem Hals sind an Stelle 
der Schlangen Fischleiber mit Delphinschwänzen 
zusammeugeknotet; da jedenfalls die oben hervor- 
ragenden Köpfe als an diesen Fischleibern ansitzend 
gedacht werden sollen, so sind demnach an Stelle 
der bei Gorgonen üblichen Schlangen hier Seekäiber 
zur Einfassung des Gesichtes verwendet. Auf das 
Meer und seine Wellen deutet auch die Form der 
das Gesicht umkränzenden Locken, sie sind förm- 
lich als Wellcnornament stilisirt. Die Augen zeigen 
oflene Augensterne, auch der Mund ist geöffnet; 
er erhält durch die herausgestreckte, in unserem 
Exemplar jedoch ausgebrochenc Zunge ein schreck- 
licheres Aussehen. Besonders neben dem Munde 
zeigt die Epidermis den Uebergang zu vegetabi- 
lischer Gestaltung; bei der Darstellung von See- 
wesen scheinen derartige Umbildungen von den 



alten Künstlern fast regelmässig vorgenommen wor- 
den zu sein. 

Es würde höchst interessant sein, die Um- und 
Weiterbildungen des Gorgonenhauptes, zu denen man 
besonders durch ornamentale Bedürfnisse genöthigt 
wurde, eingehend zu verfolgen; da eine derartige 
Untersuchung jedoch eine grosse Zahl von Abbil- 
dungen erforderlich machte, so begnüge ich mich 
hier nur kurz darauf hinzuweisen, dass die Zahl 
derselben sehr gross ist uud dass sie für die man- 
nigfachsten Götterweseu beliebt worden sind. Auch 
für Seewesen sind derartige Bildungen schon mehr- 
fach bekannt; am meisten ähnelt wohl unserer Fi- 
gur die von Brunn in den Moii. deW Inst. VHI 
T. 12, 3 veröffentlichte und Amiali 1864 S. 378 be- 
sprochene Bronze. Hier ist der Hinweis auf das 
Meer noch strenger durchgeführt, insofern als die 
Flügel flossenartig gestaltet sind und den Ohren 
die von Tritonen her bekannte Auszackung gege- 
ben ist; hinter den Flügeln kommen die Schwänze 
zweier Delphine zum Vorschein, welche unter dem 
Kinn sich mit ihren Köpfen berühren; die Epider- 
mis des Gesichtes ist in vegetabilische Bildungen 
aufgelöst; dazu hat der Künstler unter dem Kinn 
noch eine Jluschel gefügt, und Muschel und Del- 
phine durch einen seine Arme nach oben und seit- 
wärts ausstreckenden Polypen vereinigt. Auch 
No. 10 derselben Tafel kann zur Vergleichung her- 
angezogen werden (eiu Delphin hält im Rachen 
einen mit Blättern rings umsäumten Kopf); wie hier 
wird ein derartiger Kopf gerade oft verwendet, um 
einen Henkel am Bauche des Gefässes zu befesti- 
gen, vgl. auch Mus. Borh. XIII T. 27, V T. 43. 
Overbeck Pompeji 4. Aufl. G19, Fig. 316, c. (Dieser 
Kopf ist noch dadurch besonders interessant, dass 
liier der Gorgonentypus, der durch die Schlangen 
bezeichnet wird, mit dem des Seewesens, der in 
den Delphinen zum Ausdruck kommt, vereinigt ist.) 
Für unsern Kopf ist natürlich eine derartige technische 
Verwendung ausgeschlossen; dagegen spricht einmal 
die Grösse der Bronze, vor allen Dingen aber die Aus- 
höhlung der Augensterne und die Oefi'nung des Mun- 
des; denn dass derartige Eigenthümlichkeiten nicht 
zwecklos angebracht sind, bedarf keines Nachweises. 



29 



R. Engelmann, Drei Bronzen. 



30 



Sucht mau für unsere Bronze nach Analogien, 
so wird man 7Ainächst an eine Klasse von Mouu- 
nienten erinnert, deren Hauptvertreter die soge- 
nannte bocca della verilä in S. Jlaria in Cosmedin 
ist. Sie sind mit Recht zuletzt von Heibig {Bullett. 
1871 S. 22) als Abflusstiguren bezeichnet worden, 
aber eine solche Verwendung bei unserer Bronze 
vorauszusetzen hindert nicht sowohl ihr kleiner 
Maassstab, denn man könnte sie ja am Grunde 
eines entsprechenden Gelasses angebracht den- 
ken, als die ganze Gestaltung der Oberfläche: die 
Flüssigkeit würde, da die Lücher ziemlich hoch 
stehen, nicht völlig ablaufen können. Viel weniger 
noch kann man eine Ausflussfigur erkennen wollen, 
das verbietet die Zahl der Oeffnungen. Dagegen em- 
pfieidt es sich, das Kelief als Schmuck einer Lampe 
aufzufassen, wo die grössere Oeffnung des Mundes 
zum Eingiesseu des Oels, die beiden kleineren zum 
Vorwärtsschieben des Dochtes benutzt werden konn- 
ten, besonders spricht dafür eine von Beger nach 
Ik'llori lucernae ceterum III Taf. 35 veröffentlichte 
Lampe; sie ist mit einem bärtigen, entschieden in 
die Reibe der Seedämouen gehörigen Kopfe ver- 
ziert, der zwei Hörner trägt und zu dessen beiden 
Seiten je ein nicht genau zu bestimmender, einiger- 
massen pferdeähnlicher Kopf vorspringt; vom Barte 



aus nach den beiden Lampeuöffnungen ziehen sich 
zwei Delphine mit sichelähnlichem Schwänze. Auch 
hier sind die Augen und der Mund, ausserdem aber 
auch die beiden thierisch gebildeten Ohren zum 
Eingiesseu des Oels durchlöchert. Ob für die hier 
publicirte Bronze und für ihr Londoner und Vero- 
neser Seitenstück dieselbe Verwendung Statt ge- 
habt hat, muss eine Untersuchung der betreffen- 
den Stücke leicht ergeben. 

Einen bestimmten Namen für das dargestellte 
Seewesen (Scylla heisst es in London; Brunn 
schlägt Medusa del mare vor) wage ich nicht an- 
zugeben; je grösser die Freiheit und Willkür ist, 
mit welcher die Alten gerade bei solchen ornamen- 
tal zu verwendenden Figuren verfahren sind, um 
so bedenklicher ist es für uns, durch bestimmte 
Namengebung den Kreis, innerhalb dessen sie lie- 
gen, zu verengen. 

Vor den ähnlichen Figuren, die ich anführen 
konnte, scheint mir übrigens der hier veröffentlichte 
Typus vermöge der Einfachheit der Anlage und 
der Grossartigkeit seiner Linien entschieden den 
Vorrang zu verdienen; seine Erfindung geht ohne 
Zweifel in eine recht gute Zeit zurück. 

R. Enuelmann. 



31 



32 



HERAKLES UND ALKYONEÜS. 



(Tafel 3. -1.) 



Wir besitzen eiue Anzahl Vasenbilder, sowohl 
der schwarzfigurigen als der rotbfigurigen Technik, 
auf denen Herakles dargestellt ist, wie er, meist im 
Beisein der Atbena oder des Hermes, mit gezückter 
Waffe auf einen am Boden liegenden Kiesen los- 
geht, über welchem sich öfters, sei es kauernd sei 
es schwebend, eine kleine Flügelfigur befindet'). 

Vergebens würden wir bei Dichtern und Mytho- 
graphen nach dem Abenteuer suchen, das hier dar- 
gestellt sein könnte: manchen Kiesen hat Herakles 
bewältigt, von keinem aber wird berichtet, dass er 
im Schlaf überrascht worden sei, wie das die Vasen- 

') Otto Jahn (Berichte der sächsischen Gesellschaft fl. W. 
1853 S. 135 ff.) zählte acht Vasen auf: A. .-ichwarzfigurige: 1) 
München 1180, abgebildet bei Jahn Taf. V 2. 2) Tischbein III 
20, wiederholt bei Jahn Taf. VII 2. 3) Lekj'thos aus Nola, un- 
publicirt. vgl Annali V p. 311f. 4) British Museum 462. iin- 
publicirt. B. rothfigurige: 1) München 401, abgebildet bei Jahn 
Taf. V 1. 2) München 605, abgebildet bei Jahn Taf. VII 1. 

3) Museo Gregoriano II 16, wiederholt bei Jahn Taf. VIII 2. 

4) Schale, einst beim Herzog von Luynes, unpublicirt, vgl. Re- 
vue archdologique 1844 II p. 655, 1. Stephani {Panrga arcliaeo- 
logica XV = Mglanyes grgco-rumains I S. 586 ft'.) fügte zwei Jahre 
t-päter noch zwei schw^r/.tigurige hinzu: 5) Petersburg 221 1, ab- 
gebildet Äntif/uiMs du Bosphore Cimm^rien pl. 63a 1. 6) Peters- 
burg 234, abgebildet in Stephani's Aufsati S. 588. Seitdem 
sind, wenn mir nichts entgangen ist, noch folgende bekannt ge- 
worden: A. schwarzfigurige: 7) Amphora einst bei Campana 
{Calaloghi Gl. I Ser. IV ff. Sala A n. 17) jetzt in Paris, erwähnt 
im Bullettino d. I. 18o9 p 30, in '/s der Originalgrösse abge- 
bildet nach einer im Apparat des archäologischen Instituts be- 
findlichen Zeichnung auf unserer Tafel 4. 8) Schale im Museum 
zu Corncto, beschrieben im Bullettino d. I. 1877 p. 61, 3, in '•'/^ 
der Uriginalgrösse abgebildet nach einer Zeichnung de Santis', 
die ich der gütigen Vermittlung Körte's verdanke, auf unserer 
Tafel 3. 9) Nicht ganz sicher ist, ob hierher gehört eine Amphora 
der Sammlung Lunghini in Sarteano, die im Bullettino d. I. 1859 
p 30 mit folgenden Worten boschrieben wird: ' Motta analogia 
von ijuesta (nämlich der gleich zu nennenden rotbfigurigen Vase 
derselben Sammlung) oß're la rappresentnn:a di un anfora n 

fig. n. Ercote munito di gonnella e parnzonio, avendo deposto la 
ciawa(!) e la Jaretra per terra, tien afferato pei oapelli un uomo 
barbato, che cade supino, minacciato dalla ctava (!) vibrata daW 
eroe nella d. Una donna fugge rarvolgendosi coli' espressione di 
lamento'. B. rothfigurige: 5) V<iso a colonnette der Sanmiluiig 
Lunghini in Sarteano, beschrieben im Bullettino d. I. 1859 p.30. 



bilder alle mehr oder weniger deutlich darstellen. 
Die Inschriften zweier Vasen scheinen das Räthsel 
zu lösen, indem sie uns den Namen des Riesen 
nennen, aber sie geben uns mit diesem Namen nur ein 
neues Räthsel auf: der Riese soll Alkyoneus sein"). 

Alkyoneus war ein Gigant; die pseudo- apollo- 
dorische Bibliothek nennt ihn neben Porphyrion als 
den furchtbarsten Gegner der Götter in der Giganto- 
machie. Auch der Scholiast zur Hesiodischen Theo- 
gonie zählt ihn neben Enkelados, Porphyrion u. A. 
unter den Giganten auf, und derselben Ueberliefe- 
rung folgte Nonnos, da er in seiner Giganlomachie 
des Dionysos, die ganz nach dem Vorbild der alt- 
berühmten vielbesungenen Gigantomachie des Zeus 
gedichtet ist, dem Alkyoneus die erste Rolle gab '). 
Wie man betreffs des Schauplatzes der Giganten- 
schlacht, in späterer Zeit wenigstens, schwankte 
zwischen den phlegraiischen Feldern von Pallene 
und denen Campaniens, so war auch Alkyctaeus 
sowohl hier wie dort zu Hause ^). 

Aber nicht zu jeder Zeit war die Sage vom Siege 
des Herakles über Alkyoneus mit dem Mythos von 
der Gigantomachie verflochten gewesen. Wie man 
von einem Kampfe des Zeus gegen Typiioeus, einem 
Kampfe gegen Aigaion-Briareus erzählte, ehe diese 
beiden Riesen als Theilnehmer an der Giganto- 
machie galten, so erzählte man auch von dem Siege 
des Herakles über Alkyoneus, che man diesen zum 

'■') Otto Jahn konnte sich nur auf die Schale des l'hiltias 
und Deiniades (B 1) berufen; aber auch auf der Amphora A 7 
sind die Namen beigeschrieben: Eyctxleo. .■Dxvnvto. 

•'') Im Gigantenverzeichniss des Hygin (p. 10 ed. Schmidt) hat 
SchefTer den Namen des Alkyoneus aus dem überlieferten alemone 
herstellen wollen, Muncker schrieb 'Alemon', Schmidt vermutheto 
'Palaemon' oder 'Almops'. Jetzt könnte man :nich anl-llJ.ijxjuxi 
denken, wenn so der verstümmelte Gigantenname des pergame- 
nischen Altars von Keydemann (Sechstes Uallischcs Winckel- 
manns-Programm S. 1 1 n. 46) richtig ergänzt ist. 

') Vgl. Claudian, de raplu Proserpinae IH 184 f. Philostra- 
tos, Jhroikos p.671 (II p. 140 ed. Kays. Lips.). 



33 



F. Koepp. Herakles und Alkyoncus. 



34 



Genossen des Mimas und Eiikolados und des Por- 
pbyrion niaclite. Wenn iiiclit alle, so doch die mei- 
sten Giganten geboren ursprUuglicU localen Sagen 
an und sind erst mit der Zeit, als die Dicliter die 
Sage von der Gigantensehlaclit immer mehr aus- 
bauten , in diese übernommen worden. Bei den 
meislen ging dann die Kunde von ilirer ursprüng- 
lichen Bedeutung, die locale Sage, verloren: nur 
die Namen erinnern noch zuweilen an die Heimat 
dieses oder jenes Giganten^). Bei Alkyoneus ist 
uns die Localsage erhalten. Diese, sollte man mei- 
nen, würde mit der Tradition der Vasenbilder über- 
einstimmen. Aber das scheint keineswegs der Fall 
zu sein. 

Pindar erzälilt an zwei Stellen von dem Kampfe, 
den Herakles, mit seinem Waifengefäbrteu Telamon 
von Troia zurückkehrend, gegen den berghoben 
Rinderhirten Alkyoneus bestand'^). Die eine Stelle 
zwar könnte mau mit der Darstellung der Vasen- 
bilder vereinigen; denn da beisst es nur (Isthm. VI 
(V) 32 ff.): 

xai znv ßovßöiav ovqe'i i'aov 

OXfyQaiaif eIqiov ^i.xvnvij atpSTsgag nv (peiaaTO 

y_£Qaii' ßaQV'fünyynin reiigäg. 
So könnte der Dicliter sehr wohl vou der Bewälti- 
gung eines Schlafenden sprechen. Aber an der an- 

*) Ich denke hier an Pallaneus (Chvudian, Gig. lal. 108 ff.) 
und Mimas. Vielleicht gehört :iuch Akrathos hierher. Auf 
einem etruskischen Spiegel nämlich (Gerhard LXVIII) ist dem 
Gegner der Athena der Name f\KPf\06 beigeschrieben. Man 
hat den Giganten Akralos genannt , wie nach Pausanias I 2, 5 
ein äalfiioi' itäv äfj(i'i ^tiovvauv hiess; ich glaube eher, dass 
er Hxiiiu'toi; hiess als Localgigant des Vorgebirges am Strymo- 
nischen Meerbusen (.Strabon VII fr. o2 p. 330). Auch der Athos 
liatte ja seinen Giganten, wie Stephanos von Byzanz {u.'^Hois) 
berichtet Ueberhaupt dachte man sich diese Riesen besonders 
gern an stürmischen Vorgebirgen : deshalb wurden auch am Si- 
geischcn Vorgebirge Gigantengebeine gefunden (Plülostratosfler. 
p. G69; II p. 138 ed. Kays. Lips.). 

') Auch in den Hymnen wird Pindar an der Stelle, wo er 
nach Quintilian VIII G. 71 und Strabon VII fr. 58 (Bergk fr. 50 f.) 
den Zug gegen Troia und die Meroper erwähnte, des Alkyoneus 
gedacht haben Eine dieser Stellen hat der Scholiast zu Apol- 
lonios' Argonautika I 1289 im Auge. Schon Pindar nannte, 
wenn ihm wirklich das fragmentum adespoton 84 gehört, den Al- 
kyoneus r'iyut'TMt' Tiofnßiimor. Auf das von Pindar berührte 
Abenteuer beziehen sich vermuthlich auch die Stellen des Sido- 
nius Apollinaris, an denen derselbe unter den Gegnern des He- 
rakles auch den „gigas^ aufzählt: 1X92, XIII 11. XV 141. 
Archäolog. Ztg. Jahrgang XLU. 



deren Stelle (Nem. IV 25 ff.) sagt er ausdrücklich, 
Herakles habe den Alkyoneus überwunden 
ov zETQanQiag ye nglv dvwdexa nsTqit) 
ijgojng t eTT£i.ißeßaöJtag Innndä^invg flev 
ölg xnanvg. 
Wie soll man das mit dem heimlichen Ueberfall 
vereinigen? Auch abgesehen von der ausführlichen 
Erzählung des Kampfes, welche der Scholiast giebt, 
lässt sich von dem Felsen schleudernden zu dem 
schlafenden Alkyoneus schlechterdings keiil Ueber- 
gang ersinnen; ebensowenig aber ist es denkbar, 
dass nach der den Vasenmalern vorliegenden Sage 
der Riese beim Naben des Herakles erwaclite und, 
sieb aufraffend vom Schlafe, den Gegner angriff, 
der sclion im Begriff war, den Pfeil von der Sehne 
zu schnellen. Es ist weder wahrscheinlich, dass 
es eine Sage gegeben habe, die so die beiden ein- 
ander ausschliessendeu Motive des heimlichen Ueber- 
falls und des Kampfes verbunden hätte, noch ist 
es glaublich, dass die Kunst, wenn es eine solche 
Sage gegeben hätte, gerade das vorübergehende 
und ganz bedeutungslose Motiv zur Darstellung ge- 
bracht haben würde'). 

Otto Jahn hat, als er vor nunmehr dreissig Jah- 
ren die Alkyoneus-Vasenbilder besprach, sich be- 
gnügt zu constatiren, dass die bildende Kunst hier 
Traditionen gefolgt sei, die uns nur zufällig ander- 
weit nicht überliefert seien (a. a. 0. S. 137). Natür- 

') Wenn auf einigen Vasenbildern (A 1, 5 und 6) der Riese 
inj Erwachen dargestellt zu sein scheint, so könnte das lediglich 
auf Rechnung der Ungeschicklichkeit oder Flüchtigkeit des Ma- 
lers zu setzen sein; aber es ist zu bemerken, dass gerade auf 
diesen Vasenbildern die Flügelfigur nicht fehlt, während umge- 
kehrt da wo dieselbe fehlt, wie auf A 7, B 1 und 2, das Schla- 
fen (trotz der offenen Augen bei B 2) sehr deutlich zum Aus- 
druck gebracht ist. Nur A 3 zeigt den Alkyoneus wach und in 
lebhafter Bewegung, ohiie dass die Flügelfigur anwesend ist; 
aber dieses Gefäss, das in jeder Hinsicht aus der Reihe der 
übrigen herausfällt, ist sicherlich etruskisches Machwerk, das 
nur von ferne in einigen Zügen — man vergleiche z. B. den 
Kopf des Alkyoneus mit den Kentaurenköpfen Annati d. 1. 1863 
luv. E — an chalkidische Vasen erinnert. — Dass Jahn irrte, 
als er (a. a. 0. S. 143 f.) die Darstellung auf der Rückseite der 
einen Münchener Schale (B 2) und die auf einer s. f. Amphora 
des Museo Borbonico (abgebildet bei Jahn Tafel IX) auf den 
Alkyoneus-Mythos bezog und so auf die von den übrigen Vasen- 
bildern dargestellte Scene noch einen Ringkampf folgen liess, 
hat bereits Stephani (a. a. O. S. 592 ft.) und neuerdings wieder 
Klein (Euphronios S. 53f) bemerkt. 

3 



35 



F. Koepp, Herakles und Alkyoneus. 



36 



lieh verstand Jahn unter diesen Traditionen solche 
die „ausserhalb des Kreises der Künstler entstan- 
den" waren, d. h. eine andere Version des Mythos. 
Denn der Künstler, welcher diese Sage zuerst dar- 
stellte, konnte durchaus nicht, wie Stepliani (a. a.O. 
S. 590) raeint, 'einen solchen Zug' — nämlich das 

Motiv des heimlichen Ueberfalls — Mn seine Auf- 

• 

fassung aufnehmen, ohne dass er ihn ausdrücklich 
überliefert fand'. Wo wäre je ein griechischer 
Künstler, sei es der grösste sei es der geringste, so 
willkürlich mit den überlieferten Mythen umgegan- 
gen dass er aus einem gewaltigen Kampfe einen 
heimlichen Ueberfall hätte machen können? Ein 
Dichter konnte wohl eine alte Sage umbilden, wie 
Pindar den Pelops-Mythos, Stesichoros die Helena- 
Sage, niemals ein Künstler, der vielmehr höchstens 
kleinere Züge ändern durfte, wenn er nicht darauf 
verzichten wollte, verstanden zu werden. 

Aber die Sache liegt nicht so einfach. Pindar 
selbst scheint an den beiden in Rede stehenden 
Stellen nicht eine und dieselbe Tradition vor Augen 
gehabt zu haben. Denn so gut sich die erste der- 
selben mit der Darstellung der Vasenbilder ver- 
einigen lässt, so wenig gestattet sie uns meiner 
Ansicht nach, an einen gewaltigen Kampf zu den- 
ken, wie ihn die zweite Stelle schildert. Auch der 
Scholiast weiss nichts von einem solchen Kampfe. 

Pindar selbst giebt uns, meine ich, des Räthsels 
Lösung. 'Den furchtbaren Alkyoneus', sagt er an 
jener Nemeen-Stelle, 'überwanden Telamon und He- 
rakles vereint, nicht bevor er ihnen zwölf Vier- 
gespanne zerschmettert mit einem Felsblock und 
doppelt so viel reisige Helden; 

insiQo/itüxcxc hov xs (favslrj 

Xnynv n (.ir^ ^vvtsig' snei 

QfCoi'Ta XI xal nnttüv snixev. 
Was soll dieser Zusatz? 'Ettci ^rjziüg ovx E^ijyysilsv 
6 nlrdagog, erklären die Scliolien, ort h'ixÖTo n 
'H(>axlr^S, all' a/.iffißnl(i)g avtn TfMQSÖr'jlwasv o /Uj} 
avruig %nv%n o )Jyo), cfr^alv, ort o' Hgcxl/jg iXslcfd-i], 
aneiQng fxäyrjg av el'/j oviog. In der That, nicht 
nur 'kampfcsunkundig' wäre derjenige, welcher des 
Dichters Worte nicht so verstehen würde, auch ohne 
besonders aufmerksam gemacht zu werden. Man 



hat deshalb den Worten noch einen tieferen Sinn 
geben wollen: sie sollen andeuten, dass auch Ti- 
masarchos, der Held dieses Siegesliedes, erst nach 
einer Niederlage den Sieg errang. Das ist nicht 
wahrscheinlich, und warum sollte der Dichter, wenn 
es der Fall gewesen wäre, auf diese Niederlage 
anspielen? Ich glaube vielmehr, dass Pindar von 
der geläufigen Sage abwich, weil er den ruhmlosen 
Sieg über einen Schlafenden seines Helden unwür- 
dig erachtete: sntl QeLovzä ri xal 7xa!)elv l'nixev. 
Der allbekannte Mythos, welcher dem Pindar vor- 
lag, und dem er auch an jener anderen Stelle folgt, 
war kein anderer als der, welcher auch der Dar- 
stellung der Vasenbilder zu Gi'unde liegt; zur Ehre 
seines Helden hat der Dichter aus dem unrühm- 
lichen Ueberfall eines Schlafenden einen gewaltigen 
Kampf gemacht. Wohl musste er da den Hörer 
aufmerksam machen : anaiQnfxäxag f^v xe q>avsit] 
knynv o urj ^vrieig. 

Es bleibt die Frage: hat Pindar diesen Kampf 
ganz erfunden, oder hat er damit nur eine weniger 
bekannte Sage ans Licht gezogen? Für letzteres 
könnte zu sprechen scheinen, dass der Scholiast 
von dem Kampfe ausführlicher zu erzählen weiss. 
Nur sieht diese Erzählung müssiger, aus den Wor- 
ten des Dichters herausgesponuener Scholiasten- 
erfindung zu ähnlich, soweit sie nicht einfache Um- 
schreibung der Pindarischen Worte ist"). Einzig 
die Worte xal q>rjai ((paai'?) xeia&ai tov liitnv iv 
Tiö 'lodfiiii könnten Vertrauen erwecken zu der 
W^eisheit des Scholiasten. Wenn sie nur nicht 
eigens zu diesem Zweck hinzugefügt sind! Jeden- 
falls weiss Pindar von jenem Kunststück des He- 
rakles nichts, so wenig als die Schollen zu der 

*) Ovjoq 6 l4kxvorevs (i? rüir Fiyarjoiv Kytitu nfQ\ i6)' 
'laft/JÖv itjc KonlvO^ov (soll heissen: iijq ]lttkki')vriq) avußiß)]- 
xivai 'jlgaxXu, ov in? ßnv; 'H()ay.i.i]g t'i 'Eovlntitg ncint'iletvrf 
xitl lijg ,uß/i)C ciuTti ttUCu iy^vtjo rij ßovXy tov Jiog' noXi- 
fxioq yäo ijj' 70h rCyaaiv. Ol) TtoöttQOV o<3i', tfrjad', tiviTXt rov 
l/tXy.vovia '/iQctxXijs, JtQiv ic Houttia ttvioii V7i6 Toü HXxvo- 
v(os ßXi]!)fivai ■ ,uf rr< yctQ i6 awinnpitt nvTOv ätoilxit KQfjaia 
xui tXxooi Tfaanijag ävägm Xi'Hiit ufyinjoi t6 TlXtvTctioi' xaj' 
ttvjov 7ÖV XCUov iQnnj/iv, ov TW ()07iiiX.o> uTioanaiifiH'og outaig 
unixrtivi lov 'AXxvovftt. xaC (frjai (ifaatl) xiJaliai 761' XlSoy 
Iv KJi 'lait/Aiü. Xfytiui öi TOTt avftnaQtXvai iiö 'lloaxXfl xa'i 
TÖV TlXtc/jiii'a. 



37 



F. Koe])p, Herakles und Alkyonens. 



38 



Istbmicu- Stelle: nv fftlnatn y.EQGi liaQiKiitnyyoio 
vevQÖg sagt dort der Dichter; mehr wissen auch 
die Schollen nicht zu erzählen. 

Einen Rinderhirteu nennt Pindar den Alkyonens, 
schwcrlicli desliall), weil Herakles die Rinder des 
Geryoneus bei ihm vorübertrieb, wie die Schollen 
an der einen Stelle erzählen"), sondern deslialb, 
weil er selbst Rinder hütete, die ii:in Herakles ab- 
naliin: hoq' nü zag^Hluw ßnvg dni'jXaae sagen die 
Scholicn an der anderen Stelle, und in der pseudo- 
apollodorischen Hibliothek lesen wir: oving Ss xat 
rag 'Hki'nv ßi'iag ii. 'Eovtfei'ag IjXaae'"). Jene erste 
Erzählung, nach der Alkyonens den mit der Rindcr- 
heerde des Geryoneus vorüberziehenden Alkiden 
überfiel, ist lediglicli ein Comproiniss zwischen der 
Alkyoneus-Sage und dem bekannteren Geryoneus- 
Mylhos. Aber ein solciier Compromiss verdunkelt 
das wirkliche Verhältniss. Beide Sagen gehen ne- 
ben einander her. Alkyoneus ist ein alter Doppel- 
gänger des Geryoneus. Beide haben die Rinder 
des Sonnengottes geraubt, und Herakles, der Held 
des Lichts, nimmt sie ihnen wieder ab"). Es ist 
bedeutungsvoll, dass Herakles den Alkyoneus schla- 
fend trifi't; Pindar freilich wusste nicht, wie unrecht 
er dem Jlythos tliat, da er ihn dieses ciiarakteristi- 
schen Zuges entkleidete"). 

') Dieselbe Erzälilung hatte auch der Scholiast im Sinne, der 
zur aeliten Pythischen Ode (V. ]7), indem er Porphyrion und 
Alkyoneus verwechselt, die weise Bemerkung macht : to dt /ktÜ 
ßlag ityöfmni' ■/■.(ni.'iiiq «ii om/tüI' fnii, minü il't finff uii Itoij- 

tci'i'iv. 

">) Hercher hat diesen Satz als Interpolation aus dem Text 
entfernt. Der Alkyoneus, der mit den Giganten gegen die Göt- 
ter kämpt'tu, war freilich nicht mehr der Kinderhirt. Aber es 
triö"t sich liier, dass die Interpolation — wenn wir überhaupt 
in diesem Buch, zu dem die verschiedensten Zeiten beigetragen 
haben, von Interpolation reden dürfen — älter ist als ihre Um- 
gebung: sie stammt aus der alten Alkyoneus-Sage Was sonst 
der Mythograpb von Alkyoneus zu berichten weiss^,^ scheint von 
Antaios auf jenen übertragen zu sein. 

") Plew (zu Preller's Mythologie II S. 204, -J) hat mit Un- 
recht bestritten, dass auch die Kinder des Geryoneus als ur- 
sprüngliches Eigenlhum des Helios zu denken und eine Entfüh- 
rung derselben durch den Riesen anzunehmen sei. Der Sinn 
des Mythos fordert es, und die Analogie iler Alkyoneus-Sage 
erhebt es über allen Zweifel. 

'') Preller, Griech. Mythologie 11' S. 207 Dilthey niacht 
mich auf die Analogie der Gorgonen-Sage aufmerksam: auch 
die .Medusa wird ja von Pcrseus schlafend angetroft'en. 



Ein Rinderhirt war Alkyoneus auch nacli der 
Tradition, welcher die Vasenmaler folgten. Das 
konnte Otto Jahn noch nicht wissen; denn die Va- 
senbilder, welclie ihm bekannt waren, zeigen ausser 
Herakles und dem Riesen nur zuweilen Athena 
(A 2 und 4; B 4) oder Hermes (B 1 und 3) und zur 
Hälfte die kleine FlUgeltigur, von der alsbald die 
Rede sein soll (A 1 — 3; B 4). Jetzt aber besitzen 
wir die ausführlichere Darstellung der Schale aus 
Corneto (A 8), die auf unserer Tafel 3 zum ersten 
Male publicirt wird'^). 

Wie die Geryoneus- Schale des Euphronios, 
gleichfalls einzig in iiirer Art, uns auf der einen 
Seite den Kampf des Herakles, auf der anderen 

") Durchmesser der Schale 0,28; HShe 0,11. Die Zeich- 
nung ist üusserst flüchtig. Weisse Farbe ist ziemlich reichlich 
angewandt; gelb sind die Gürtel der Wagenlenker. 

A. Unter einem Rebstock, der seine traubenschweren Zweige 
weithin ausbreitet, ist Alkyoneus in der gewohnten Weise auf 
einem Felsen gelagert. Der Kopf des Schlafenden ist auf die 
linke Schulter herabgesunken, wie auf der einen Miinchener 
Schale (B 2) und der Pariser Amphora (A 7). Die Rechte hält 
die Keule auch noch im Schlafe fest; auf dem linken Arme 
scheint die Last des Körpers zu ruhen, die linke Hand ist unter 
den Rücken gCM-hoben. Ueber der r. Schulter des Kiesen kauert 
die kleine FlügelHgur, die so flüchtig gemalt ist, dass man 
kaum mehr als Flügel und Kopf deutlich erkennen kann. Von 
links tritt Herakles weit ausschreitend heran, bekleidet mit dem 
Löwenfell, dessen Rachen über den Kopf gezogen ist, in der 
vorgestreckten Linken den Bogen, in der gesenkten Rechten, 
die gleich zum todtlichen Streiche ausholen wird, die Keule. 
Ihm folgt ein bärtiger Mann, bekleidet, wie es scheint, mit Chi- 
ton und Panzer, den Helm auf dem Haupte, über dem linken 
Arm die Chlamys statt eines Schilden, in der Rechten das 
Schwert, das in der Scheide steckt: so tritt er dem Herakles 
zur Seite, nicht zum Angriff, sondern zur Vertheidigung ge- 
rüstet, bereit, wenn der Riese erwachen sollte, den wuchtigen 
Hieb seiner Keule zu pariren. Zu Häupten des Alkyoneus tritt 
Athena von rechts heran, bekleidet mit Chiton und Himation, 
am Helm kenntlich; sie streckt die Rechte vor, die Linke soll 
wohl die Lanze halten, die nur aus Nachlässigkeit des Malers 
weggelassen zu sein scheint. Rechts von Pallas schreitet ein, 
wie es scheint, jugendlicher Mann von der Scene hinweg, indem 
er sich umblickt und beide Arme erhebt; um den Kopf trägt 
er eine Binde, über dem einen Arm (man kann nicht sehen, ob 
es der rechte oder der linke sein soll) hängt die Chlamys. 

B. Unter Rebzweigen fahren zwei Viergespanne von rechts 
nach links. Auf den Wagen befindet sich je ein Lenker in 
langem gegürteten Chiton, eine Binde im Haar, in der Hand 
das Kentron; der vordere Wagenlenker ist bärtig. Neben jedem 
Gespann galoppirt ein Stier, ein dritter folgt dem zweiten Wagen. 

I. Bärtiger Dionysos, ganz in seinen Mantel gehüllt und 
bekränzt, auf einem Klappstuhl nach rechtshin sitzend, in der 
vorgestreckten Hand ein Trinkgefäss haltend. Im Grunde Zweige. 

3* 



39 



F. Koepp, Herakles und Alkyoneus. 



40 



die Wegtreibung der Rinder vorführt, so sehen wir 
auf der Cornetaner Schale einerseits die gewohnte 
Darstellung des Alkyoneus-Abenteuers, andererseits 
die Entführung der Heerde durch die Gefährten 
des Herakles. Durch die beiden Schalen wird so 
die Parallele der beiden Mythen gewissermassen 
illustrirt. Zugleich aber wird die Uebereinstimmung 
der Vasen-Tradition mit der Pindarischen in einem 
wichtigen Punkte erwiesen, was für die Beurthei- 
lung der vorgetragenen Vermuthung über die Be- 
handlung unserer Sage seitens Pindars nicht gleich- 
giltig ist. 

Mit der Schale aus Corneto kann sich die Pa- 
riser Amphora, deren Bild auf Tafel 4 veröffent- 
licht wird (A 7), an Bedeutung nicht messen. In- 
dessen bat sie vor jener eine sorgfältige Zeichnung 
und die beigeschriebenen Namen voraus'*). Sie 
führt uns nur die beiden Hauptpersonen vor: unter 
einem Baum, der seine Zweige weit ausbreitet, die 
Riesengestalt des Alkyoneus, auf einem Felsen ge- 
lagert, und dem Riesen gegenüber Herakles im 
Chiton und Löwenfell, Köcher und Schwert an der 
Seite, eben im Begriff aus nächster Nähe den Pfeil 
abzuschiessen. 

Die Alkyoneus -Vasen gehören, soweit sich ur- 
theilen lässt, alle der späteren schvvarzfigurigen 
oder der früheren rothfigurigen Technik an; keine 
brauclit meiner Ansicht nach älter, keine jünger 
als das fünfte Jahrhundert zu sein. Von dem etrus- 
kiscben Gefäss (B 3) müssen wir natürlich absehen. 
Die Reiiie der sebwarzfigurigen Vasen chronologisch 
zu ordnen, ist bei der grossen Verschiedenheit in 
der Sorgfalt der Ausführung nicht wohl möglich. 
Die Pariser Amphora und die Münchener Oinochoe 
(A 7 und 1) sind von einer ganz anderen Mache 
als die roh und flüchtig gemalten beiden Peters- 
burger Gefässe (5 und 6) oder die Schale aus Cor- 
neto (8). Von dem Stil des Vasenbildes A 2 kön- 
nen wir uns nach der Tischbcin'sclieu Zeichnung 
überhaupt keine Vorstellung machen; die übrigen 

'■') Das Schlafen ist besonders deutlich zum Ausdruck ge- 
bracht, nicht nur durch den seitwärts geneigten Kopl' mit dem 
geschlossenen Auge, sondern auch durch die schlali' herabhän- 
genden Arme; die Keule steht neben dem Kiesen angelehnt. Ueber 
die Namen vergleiche man Anmerkung 2. 



sind nicht publicirt. Die rothfigurige Technik wird 
stattlich repräsentirt durch die beiden Mflnchener 
vSchalen, die eine von Pliiltias gemalt, dessen Zeit 
und Standpunkt durch die drei erhaltenen Gefässe 
hinreichend fixiit ist, die andere einer um einige 
Jahrzehnte jüngeien Zeit angehörig. 

Allen Vasenbildern gemeinsam ist die Gruppe 
des Herakles und Alk3'oneus, deren Darstellung in 
den Hauptzügen unter dem Banne einer festen Tra- 
dition steht. Immer tritt Herakles von links auf 
den Riesen zu, der stets in der Richtung von rechts 
nach links (d. h. mit dem Kopf nach rechts) ge- 
lagert ist, fast immer auf einem Felsen, der nur 
auf der Schale des Philtias nicht sehr passend 
durch ein Kissen ersetzt ist, während er auf dem 
Tischbein'schen Vasenbild (A 2) weggelassen ist, 
so dass der schlafende Riese sich in sehr unwahr- 
scheinlicher Weise nur auf seine Hand stützt. Im- 
mer, ausser auf demselben Tischbein'schen Vasen- 
bild, hat Alkyoneus das rechte Bein angezogen, 
das linke ausgestreckt'*). lu der Kleidung und 
Bewaffnung des Herakles variiren die Vasenbilder. 
A 1, und vielleicht A 5, weicht in der Kleidung 
von der Gewohnheit der Vasen schwarzfiguriger 
Technik ab, indem hier Herakles nackt erscheint, 
das Löwenfell nur zum Schutze des vorgestreckten 
linken Armes benutzend; so zeigt ihn auch von den 
rothfigurigen Vasen 2 und 4, während er auf der 
Schale des Philtias (B 1) und der Vase in Sarteano 
(B 5) noch nach der alten Weise bekleidet ist'"). 

Das sind mehr oder weniger geringfügige Va- 



'^) Eine Keule hält er in der Hand auf A 2; 4; 8, vielleicht 
auf A 5, im Arm auf B 2; sie ist neben ihm angelehnt auf A 7 
und vielleicht auf A5; sie fehlt ganz auf A 1 und G, wie auf 
B 1, 4 und 5. 

'6) Auf B 2 und A 1 hält er in der Rechten das Schwert, 
aber B4 (und A 5) beweist, dass auch bei dieser Art der Be- 
kleidung die Keule vorkommt. Das Schwert führt er auch auf 
A4, die Keule dagegen auf A5; 6; 8, wie auf Bl; 4 und ü. 
Mehrmals (auf A 5 und 8, B 2 und 5) hält er in der vorgestreck- 
ten Linken den Bogen, auf A 4 hat er Bogen und Köcher über 
den linken Arm gehängt, während die Keule zu seinen Füssen 
liegt. Den Bogen gebraucht er auf A2 und 7; dabei trägt er 
das Schwert, im letzteren Falle auch den Kocher, an der Seite. 
Auf A 9 (wenn hier wirklich das Alkyonens-Abentener darge- 
stellt ist) Süll Herakles den Kiesen mit der Linken bei den Haa- 
ren gefasst haben, während er in der Rechten die Keule schwingt. 



41 



F. Koppp, Herakles und Alkyonciis. 



42 



rianteii. Wichtiger könnte scheinen, dass Alkyo- 
neus, wie ich bereits erwähnt iiabe (s. Anmer- 
kung; 7), auf einigen Vasenbildeni im Erwachen 
dargestellt zu sein scheint. In der Tliat Hess sich 
Otto Jahn durch diesen Umstand zu der Annahme 
verleiten, es sei auf den Ueberfall noch ein Kampf 
gefolgt, und auch Stephaui liat demselben noch zu 
grosse Bedeutung beigemessen, da er ihn zum Prin- 
cip der Gruppirung machte"). Es ist zu bemerken, 
nicht nur dass auf den am sorgfältigsten gemalten 
Bildern, unter den schwarzfigurigen der Pariser 
Amphora (A 7), unter den rotlifigurigen denen der 
beiden Müncheuer Schalen (B 1 und 2), das Schlafen 
unzweifelhaft deutlicli zum Ausdruck gebracht ist, 
sondern auch dass auf denjenigen Bildern, auf 
welchen Alkyoneus erwacht und in Bewegung zu 
sein scheint, besonders auf A 1 und A 6, die Flü- 
geitigur anwesend ist, die ohne Zweifel das Vor- 
haben des Herakles begünstigt '"). 

Diese Flügelfigur finden wir auf allen schwarz- 
figurigen Gefässen ausser der Londoner H3'dria 
(A 4), der Pariser Amphora (A 7) und der Amphora 
Lunghini (A 9), wenn anders diese letztere über- 
haupt hierher gehört. Dagegen finden wir sie auf 
keiner der rothfigurigen Vasen ausser der einzigen 
Pariser Schale (B 4), die deshalb in hohem Grade 
interessant ist ''). Man hat in der Figur bald das 

") Stephani unterscheidet nach zwei Gesichtspunkten vier 
Gruppen: 1. 'Alkyoneus schläft, die kleine FlügelHgur ist nicht 
beigegeben' (A4; Bl u. 2); U. 'Alkyoneus richtet sich eben 
vom Schlafe auf; die Flügelfigur ist nicht beigegeben' (nur B3, 
das für mich nicht in Betracht kommt); III. 'Alkyoneus richtet 
sich eben vom Schlafe auf, während eine kleine FlügelHgur über 
seinem Knie oder Haupt schwebt' (AI; 5 und 6); IV. 'Al- 
kyoneus hat sich aufrichten wollen, wird aber von einer kleinen 
Flügelfigur niedergedrückt' (A 2, s. hierüber die folgende An- 
merkung). 

'*) Deutlich ist das Schlafen auch auf der Coruetaner Schale 
(A 8) und, der Beschreibung nach, auf der Londoner Hydria 
(A 4) und der Vase Lunghini (B 5). Bei A 5 kann man zwei- 
feln (obgleich Stephani die Vase zur dritten Gruppe gerechnet 
hat), bei B4 lässt uns die Beschreibung im Unklaren; bei beiden 
fehlt die Flügelfigur nicht. Auf A 2 hat Alkyoneus die Kopf- 
haltung eines Schlafenden ; es ist nur die Flüchtigkeit des Ma- 
lers, der den Felsen vergessen hat, welche zu dem Irrthum füh- 
ren konnte, der Riese richte sich eben auf. Von B 3 war schon 
die Kede. 

") Hätten wir diese letzte, leider noch unpnblicirte Vase 
nicht, so würden wir annehmen, dass die Flügelfigur nur den 
Vasen der älteren Technik eigen sei, sicherlich ist es aber kein 



Schattenbild {sl'öiülnv) des Alkyoneus, bald die Ker 
oder Tlianatos, bald Hypnos erkennen wollen. Die 
richtige Deutung kanu nur eine einheitliche für alle 
Vasenbilder giltige .sein; eine solche hat Stephani 
mit Kecht gefordert (a. a. 0. S. 590f.). Das Tisch- 
bein'sche Vasenbild (A 2) ist von den übrigen nicht 
zu trennen, wenn auch die Flügelfigur hier in leb- 
hafterer Bewegung erscheint; wie auf den anderen 
Vasenbildern ist sie auch hier sicherlich männlich °°), 
das beweist hier wie sonst die schwarze Farbe der 
nackten Körpertheile, während die Anordnung der 
Haare bei einer Tischbcin'schen Zeichnung nichts 
dagegen beweisen kann. An die Ker ist deshalb 
in keinem Falle zu denken"'). Die Deutung auf 

Zufall, dass sie auf diesen sich so viel häufiger findet als auf 
den rothfigurigen Ich werde hierauf zurückkommen. Auf A 1 
hat Benndorf den bekannten unheilvoll hemmenden Gestus' des 
'Binders' durch die über dem Knie gefalteten Hände erkannt 
(Griech. und Sicil. Vasenbildcr S. 89); der Verfertiger des vor- 
liegenden Vasenbildes scheint freilich den Gestus nicht verstan- 
den und deshalb undeutlich zum Ausdruck gebracht zu haben. 
Auf A 2 sehen wir allerdings die Flügelfigur in ungewöhnlich 
lebhafter Bewegung, bemüht, wie es scheint, den Kopf des schla- 
fenden Riesen niederzudrücken. Von A3 wissen wir nur, dass 
die Flügelfigur sich dort über dem Schenkel des Alkyoneus be- 
findet. A 5 dagegen zeigt sie auf dem Kopf des Riesen sitzend, 
wodurch am deutlichsten ausgesprochen wird, dass Alkyoneus 
sich in der Gewalt dieses Genius befindet — man wird erinnert 
an die Worte des Properz (11,4): et caput impositis pressil 
Amor pedibus. Auf A 6 wiederum scheint die kleine Figur, 
diesmal in einen Mantel gehüllt, auf dem Knie des Riesen zu 
sitzen, während sie auf der Cornetaner Schale (A 8) auf seiner 
Schulter kauert. Auf der rothfigurigen Schale endlich soll sie 
über seiner Brust schweben. 

2°) Dies hat Heydemann hervorgehoben (Drittes Hallisches 
Winckelraannsprogramm 1879 S. 80, n. 206) und Robert mit 
Unrecht bezweifelt (Thanatos S. 17 n. 8). Auch Brunn hat die 
Figur jetzt für männlich erklärt (Troische Miscellen III S. 188), 
während sich Benndorf a. a. 0. für die Ker entschieden hat. 

'") Es ist mir sehr zweifelhaft, ob wir überhaupt eine Dar- 
stellung der Ker besitzen : sie müsste doch einigermassen der 
Beschreibung entsprechen, die Pausanias beim Kypseloskasten 
giebt, und einer Gorgo ähnlicher sehen als unserer Flügelfigur; 
über das von Klein (Euphrouios S, 53, 4) angeführte Schalen- 
fragnient in Palermo, das angeblich 'eine gesicherte Darstellung 
der Ker' bietet, lässt sich freilich nach Klein's Beschreibung 
nicht urtheilen. Sicherlich ist die Flügelfigur auf der schwarz- 
figurigen Lekythos bei Benndorf, Griech. und Sicil. Vasenbilder 
Tafel XLII 2 keine Ker, wie Benndorf S. 89 und Robert, Tha- 
natos S. 17 meinen. Sie ist mänulich und darf methodischer 
Weise nicht anders gedeutet werden als dieselbe Figur auf den 
gleichartigen Darstellungen der Amphora Piot (Robert, Thanatos 
S. 8, 1) und der Neapeler Vase (ebenda S. 16); auf diesen beiden 
Gefässen ist sie aber deutlich als Eidolon charakterisirt. 



43 



F. Koepp, Herakles und Alkyoneus. 



44 



das Eidoloii des Alkyoneus hat Otto Jahn selbst 
a. a. 0. S. 140{'. zurückgewiesen, nachdem er sie 
früher (Arch. Beiträge S. 131), in Uebereinstimraung 
mit de Witte (^«wa/i V S. oliff.)' gebilligt hatte. 
Es bleibt also nur die Wahl zwischen Thanatos 
und Hypnos. 

Stephani Hess die Frage offen, ob die Ker oder 
Thanatos dargestellt sei; dass es eine Todesgottheit 
sei, hielt er für sicher. Für die Ker entschied sich 
ausser Benndorf und Robert auch Julius Lessing 
{de Mortis ajutd veleres fignra p. 51), für Thanatos 
Heydeniann (a.a.O. und, wenngleich hier bereits 
zweifelnd, Ainiali dcll' Iiislilnto 1880 S. 97). In 
Wahrheit ist an Thanatos so wenig zu denken wie 
an Ker. Julius Lessing und Robert haben gelehrt, 
wie selten und in welcher Gestalt die griechische 
Kunst und die Vasenmalerei insbesondere den Tha- 
natos darstellte: wer heute noch die kleine Flügel- 
figur der Alkyoneusbilder für Thanatos hält, hat 
die Resultate ihrer Arbeiten nicht beherzigt wie sie 
es verdienen'''). Sichere Darstellungen des Thana- 
tos haben wir nur auf den Sarpedon -Vasenbildern 
und den von diesen abhängigen attischen Lekythen. 
Als Jüngling erscheint Thanatos allerdings sowohl 
auf der Amphora Piot als auf der Pamphaios-Schale 
— von dem Krater Cauipana können wir nicht 
reden, da hier die entscheidenden Theile ergänzt 
sind — , aber der Beruf, welcbfer dem Thanatos 
nicht nur hier, sondern wo immer er auftrat, in der 
Alkestis-, in der Sisyphos-Sage, obliegt, würde es 
dem Künstler verboten haben, ihn als einen kleinen 
Flügelknaben darzustellen, wie wir ihn auf den 
Alkyoneusbildern sehen. Ja noch mehr! Ich halte 
es nicht für zufällig, dass auf der einzigen Vase, 
auf der in der That Memnon, wie sonst Sarpedon, 
von Hypnos und Tlianatos getragen wird, auf der 
schwarzfigurigen Schale in Athen (Robert, Thana- 
tos S. 17), wie dann auf den Lekythen, Thanatos 

■■") Heydeniann hätte auch bei den beiden geflügelten Knaben 
der Cornetaner Pani|)haios-Schale Mon. d. I. XI t XXIV (1880) 
nicht an Hypnos und Thanatos denken sollen (^Annali S. 97). 
Es sind vielinclir Eroten, deren Dar.<tellung gerade um diese 
Zeit in der Vasenmalerei recht in Schwung kam, und die des- 
halb öfter in der Mehr/uhl, und auch da wo sie mit der Dar- 
stellung nicht in Beziehung stehen, auftreten. 



bärtig erscheint, während er auf den Sarpedon- 
bildern gleich Hypnos als Jüngling dargestellt ist. 
Weil Homer an jener Stelle der Ilias Hypnos und 
Thanatos Zwilliugsbrüder nennt, stellte auch der 
Künstler sie als solche und natürlich jugendlich 
dar; als dann aber die Kunst diese Darstellung, 
in welcher sie weit mehr als gewöhnlich von der 
Diclitung abhängig war, von Sarpedon auf Memnon 
und gar auf sterbliche Menschen übertrug, da eman- 
cipirte sie sich von der Homerischen Vorstellung 
und bildete den Thanatos so wie er in der Phan- 
tasie des Volkes lebte und ohne Zweifel nicht nur 
im Alkestis- und Sisyphos-Mythos sondern in zahl- 
reichen Mährchen erschien. Wir wissen freilich nur 
von diesen beiden, aber wir kennen ja auch fast 
nur diejenigen Sagen, welche die Dichter behandelt 
haben: für uns haben in Wahrheit 'Homer und He- 
siod' die Götter der Griechen geschaffen; als He- 
rodot das von den Griechen selbst sagte, da waren 
die Homerischen Vorstellungen, so weit sie auch 
verbreitet waren und so tief sie wurzelten, doch 
nur ein Theil dessen, was in der Phantasie des 
Volkes lebte und webte. 

Ich kehre somit zu der Deutung Otto Jalm's 
zurück, die auch u. A. Furtwängler (Eros S. 13) und 
Klein (Euphronios S. 53) angenommen haben: nur 
darin weiche ich von Jahn's Ansicht ab, dass ich 
die Deutung auf das Tischbein'sehe Vasenbild (A 2) 
auszudehnen wage. Jahn hat bereits einige Monu- 
mente beigebracht, welche die Darstellung des Hyp- 
nos als eines geflügelten Jünglings oder Knaben 
sicher stellen. Heute kann man auf die näher lie- 
gende Analogie der Sarpedonbilder und besonders 
der Lekythen verweisen. Und wenn auch Hypnos 
da, wo er einen Todten zu Grabe trägt, in ent- 
sprechender Grösse gebildet werden musste, so 
steht doch nichts der Annahme im Wege, dass er 
sonst auch als kleiner Genius dargestellt wurde, 
was von Thanatos durchaus unglaublich ist. 

Im Schlaf wird Alkyoneus von Herakles über- 
rascht, der Schlafgott selbst ist anwesend und lie- 
fert den Riesen in die Gewalt des Alkiden, ja er 
hilft thätig mit, ihn zu verderben. Wenn die Sage 
berichtet hätte, dass Alkyoneus beim Nahen des 



45 



F. Koepp, Herakles und Alkyoncus. 



46 



Herakles erwaclit sei, so könnte auf den Vasen- 
bildern, wo dieses Erwachen vorgefiilnt ist, Hypnos 
nur im Eiitwciciien dargestellt sein. Aber er er- 
wachte nicht: Hypnos hindert ihn daran, sei es durch 
seine blosse Anwesenheit, sei es durcli den hemmen- 
den Gestus, wie auf A 1, sei es durch thätiges Ein- 
greifen, wie auf A 2, wo er den Kopf des Kiesen, 
wie zu tiefcrem Schlafe, niederzudrücken scheint. 
Deshalb fehlt, wie ich mehrfach hervorgehoben habe, 
gerade auf denjenigen Vascnbildern, auf welchen 
Alkyoncus erwacht zu sein scheint, die Flügelfigur 
nicht. Es ist doch hier in gewissem Sinne richtig, 
was Jahn (S. 142) sagt, dass 'die ältere Kunst 
durch eine symbolische Figur das auszudrücken 
sucht, was die freier entwickelte durcii die leben- 
dige Darstellung der Situation selbst erreicht'. Man 
darf freilich die Analogien zu diesem Hypnos nicht 
in den Tersonificationen psychologischer Affecte' 
finden, die in der späteren Kunst uns so häutig 
begegnen , sondern vielmehr in Figuren wie dem 
Eros, der den Zeus bei der Verfolgung des Gany- 
medes mit dem Kcntron stachelt, auf der scliwarz- 
figurigen Lekythos Aiinali delC Inst. 187() laß. cTagg. 
A (vgl. Koerte S. 49 ff.), oder der Eris, die öfters 
auf Kampfdarstellungen älterer Vasen zwischen den 
kämpfenden Parteien dahineilt. 

Doch es ist nicht allein die Anwesenheit des 
Hj'pnos, die dem Herakles den Sieg verbürgt. Auf 
mehreren Vasenbildern begleitet den Helden seine 
Schutzgüttin Pallas, so auf A 2; 4; G; 8 und auf 
B 4. Auf B 1 eilt von rechts, den rechten Arm 



vorstreckend, in der Linken das Kerykeion, Her- 
mes herbei: offenbar nur der Symmetrie zu Liebe 
auf dieser Seite und in dieser Haltung, die uns 
fast zu dem Irrtliiim verleiten könnte, der Gott 
wolle den Herakles in seinem Vorhaben hindern. 
Nur auf der Cornetaner Sciiale sind noch andere 

Personen anwesend: hinter Herakles der Genosse 

• 

in voller Rüstung, den wir trotz Pindar eher lolaos 
als Telamon nennen können, wenn wir ihm über- 
haupt einen Namen geben wollen; hinter Athena 
ein .Jüngling, von dem nicht einmal klar ist, ob er 
zu den Heglcitern des Herakles gehört; endlich auf 
der Gegenseite die Gefährten zu Wagen. Auf der 
Londoner Hydria (A 4^ erinnert noch eiu Vier- 
gespann an diesen Wagenzug. 

Nachdem wir in der Flugelfigur der Alkyoneus- 
bilder den Schlafgott selbst erkannt haben, nach- 
dem wir gesehen haben, dass auf mehreren der- 
selben Athena iliren Scliützling begleitet, so dass 
über das Gelingen seines Anschlags kein Zweifel 
sein kann, darf ich zum Schiuss noch einmal 
hervorheben, was diesen Vasenbildern ihr hervor- 
ragendes Interesse verleiht: dass nach der Tralition, 
welche ihrer Darstellung zu Grunde liegt, Herakles 
den Alkyoncus im Sciilaf erschlagen haben niuss, 
weil auf den von den Vasenbildern dargestellten 
Moment unmöglich ein Erwachen und ein Kampf 
gefolgt sein kann. 

Biebrich am Rhein. 

Fkiedkich Koepp. 



47 



48 



DIE OSTMETOPEN DES PARTHENON. 



In der Darstellung der Gigantomachie bezeichnet, 
wie in der Geschichte der bildlichen Typen über- 
haupt, die Mitte des fünften Jahrhunderts einen be- 
deutungsvollen Wendepunkt. Wer sich ernsthaft 
mit der Entwicklungsgeschichte dieser Darstellung 
beschäftigt, über die wir bis jetzt eine Eeihe brauch- 
barer Vorarbeiten, aber noch keineswegs eine ab- 
schliessende Untersuchung besitzen, wird hier un- 
mittelbar vor die Frage gestellt, inwieweit die 
monumentalen Schöpfungen dieser höchsten Blüthe- 
zeit ihren Reflex auf die Arbeiten des Kunsthand- 
werks werfen. Bei attischen Werken, namentlich 
den Vasen, wird man unwillkürlich an die Einwir- 
kung jener Darstellung der Gigantomachie glauben, 
mit der Pheidias die Innenseite des Schildes seiner 
Parthenos geschmückt hatte, und eine so gross- 
artige Schöpfung, wie die der aus dem Boden auf- 
steigenden, für das Leben ihrer Söhne flehenden 
Erdgöttin, die uns zuerst auf der Schale des Ari- 
stophaues und Erginos entgegentritt und dann, 
von späteren Vasendarstellungen abgesehen, auf 
dem so vielfach attischen Einfluss verratbenden 
Altar von Pergamon wiederkehrt, müclite man 
gern keinem Geringeren zutrauen. Doch die hier 
angedeutete Frage lässt sich nur im Zusammen- 
hang der ganzen Entwicklung des Typus behandeln, 
und selbst dann werden die für die Composition 
des Schildes sich ergebenden Resultate sehr pro- 
blematische sein. Um so grössere Beachtung ver- 
dient aber darum eine ungefähr gleichzeitige Dar- 
stellung, an der Pheidias, wenn er auch nicht ihr 
eigentlicher Schöpfer sein sollte, doch sicherlich durch 
seinen Rath einen wesentliclien Antheil gehabt haben 
wird; ich meine die Ostmetopen des Parthenon, die 
einzige vollständig erhaltene monumentale Darstel- 
lung der Gigantomachie aus dem fünften Jahrhun- 
dert. Wenn diesem Werke bisher nicht die Wich- 
tigkeit beigemessen worden ist, die ihm gebührt, 
so ist der Grund dafür wohl vorzugsweise darin 
zu suchen, dass wir uns für die Erklärung und Be- 
urtheilung desselben auf eine höchst unzuverlässige 
Grundlage, nämlich auf zwei von unten ohne Leitern 
und Gerüst angefertigte Zeichnungen und auf eine 
Anzahl von Beschreibungen, die unter ebenso un- 
günstigen Umständen gemacht worden sind, ange- 
wiesen sehen. Nur von einer, der VII. Metope, 



existirt ein Gipsabguss. Die übrigen Platten schienen 
bei ihrer sehr weit vorgeschrittenen Zerstörung die 
Mühe und Kosten des Abformens nicht zu lohnen. Bei 
dieser Sachlage werden die folgenden Darlegungen 
nothwendiger Weise sehr problematisch sein; möchte 
es mir nur gelingen die Ueberzeugung zu erwecken, 
dass die hier vorliegenden Fragen wichtig genug 
sind, um nicht ewig Problem zu bleiben, sondern 
durch genaue Feststellung des Thatbestandes der 
endgültigen Lösung entgegengeführt zu werden 
verdienen, ehe es zu spät ist, sei es auch mit grossem 
Aufwand von Mühe und Kosten. Ein Gleiches gilt 
natürlich von den Westmetopen und ganz besonders 
auch von den noch am Gebäude befindlichen Me- 
topen der Nordseite. Compositionen, die unter Phei- 
dias' Augen entstanden sind, mögen sie auch noch 
so trümmerhaft sein, durch Abgüsse oder wenig- 
stens durch Zeichnungen, die aus unmittelbarer 
Nähe mit Hilfe von Gerüsten herzustellen wären, 
uns in gewissem Sinne wieder zu erwerben und 
den künftigen Geschlechtern zu erhalten, lohnt sich 
wahrlich der Mühe. 

Solange wir aber solcher sicheren Grundlage 
entbehren, sind wir auf folgende Hilfsmittel ange- 
wiesen: 

1) Die Zeichnungen bei Stuart. 

2) Die in Laborde's Auftrag angefertigten und 
von ihm veröffentlichten Zeichnungen (L.). 

3) Die von dem Zeichner Robert für Michaelis 
gefertigten Zeichnungen, bei denen Laborde's 
Publikation benutzt worden ist (M.). 

4) Die Beschreibungen und Notizen von Leake, 
Stephani, Cockerell u. A. 

Auf dieser Basis sind bisher nur zwei Erklä- 
rungsversuche der ganzen Composition unternommen 
worden, von Michaelis und Petersen. Die Resultate 
derselben zeigt die folgende vergleichende Tabelle: 



Michaelis. 



I. 



II. Dionysos. 

III. Ares. 

IV. Hera (oder Demeter oder Artemis). 
V. Wagen des Poseidon? 

VI. Poseidon? 

VII. Athena auf dem Wageu des Zeus? 

VIII. Zeus? 



49 



C. Kobt'i-t, Ostnietopen des Parthenon. 



50 



IX. Apollon? 

X. Aitemi.s auf dem Wageu des Apollon? 
XI. — 
XII. Demeter (oder Artemis). 

XIII. — 

XIV. — 

Petersen. 
I. Hermes (oder Ares). 
II. Dionysos. 

III. Poseidon? 

IV. Athena. 

V. Nike auf dem Wagen der Athena. 
VI. Herakles. 

VII. Iris auf dem Wagen des Zeus. 
VIII. Zeus. 
IX. Hera. 

X. Leto auf dem Wagen des Apollon. 
XI. .\pollou. 
XII. Artemis. 

XIII. Ares. 

XIV. Nyx? 

beide Erklärer kommen also nur bei II (Dio- 
nysos) und VIII (Zeus), sowie, abgeselicn von der 
Benennung der Wageuleuker, bei VII und X zu 
demselben Resultat. 

Zweifellos ist zunächst die Deutung von II auf 
Dionysos, der durch Pautiier und Schlange bestimmt 
ist. Mit nicht geringerer Sicherheit aber scheint 
mir Michaelis auf III Ares erkannt zu haben. Die 
beiden Schilde sind sowohl bei L. wie bei M. ganz 
deutiicli, und dadurcli die Deutung auf Ares völlig 
gesichert, weil Athena so entfernt von der Mitte 
unmöglich ihren Platz gehabt liaben kann, die 
andern Götter aber den Schild nicht führen. Ebenso 
gewiss scheint mir die zuerst von Petersen vorge- 
schlagene Deutung von I auf Hermes. Die Chlamys, 
der ^'ergleicil mit der Berliner Schale (Gerhard 
Griech. u. etr. Trinkschalen X, Overbeck Kunstmyth. 
Atlas IV 12) sowie der Vase von Melos, endlich der 
für Hermes besonders passende Platz am Ende der 
Darstellung unterstützen diese Ansicht in hohem 
Grade. 

So fänden wir an der linken Seite drei Söhne des 
Zeus die Composition abschliessend. Allein der 
eigentliche Kernpunkt der Frage liegt in der Auf- 
fassung und Erklärung der Metopen VI, VIII, IX, 
wo wir erwarten dürfen, die Ilauptkämpfer zu finden. 
Fast alle Zeugen stimmen darin überein, dass auf VI 
drei Figuren zu erkennen sind, also ein Gott und 
zwei Giganten, von denen der eine rückwärts nieder- 
gesunken den linken Arm wie Gnade flehend empor- 

Arcliiiolojr. Ztg. Jahrgang XLU. 



streckt, während sein neben ihm stehender Genosse 
noch Widerstand zu leisten seheint. Auf keiner 
andern Metope kämpft ein Gott mit zwei Gegnern. 
Gewiss also haben wir hier eine bestimmte Absicht 
des Künstlers zu erkennen; er will den Gott be- 
sonders hervorheben und vielleicht gewissermassen 
dafür entscliädigen , dass er ihm nicht den vor- 
nehmsten Platz auf VIII gegeben hat. Den Gott 
besclireibt Michaelis folgendermassen: „Eine nackte 
Gestalt mit fliegendem Mantel und ausgestrecktem 
Arm befindet sich links halb knieend auf einem 
ziemlich hohen Fclsblock"; er benennt ihn zweifelnd 
Poseidon. Petersen schreibt: „Von links .... stürmt 
eine nackte männliciie Figur über am Boden lie- 
gende Gegenstände weg, auf die er mit stark ge- 
bogenem Knie seinen linken Fuss setzt, mit dem 
linken Arm älinlich wie Zeus vorgreifend nach 
Kopf oder Nacken seines Gegners, gegen den die 
Rechte den Streich führen musste"; er denkt an 
Heiakles, bei dem aber doch sicher das Löwenfell 
nicht fehlen wurde. Aus einer vergleichenden 
Prüfung beider Zeichnungen und Erwägung der Be- 
schreibungen scheint sich mir vielmehr für den Gott 
folgende Stellung zu ergebeu: das liuke Knie setzt 
er auf den gefallenen Gegner, während er gleich- 
zeitig die linke Hand dem noch wider.strebenden 
Gegner entgegenhält'); das rechte Bein muss nach 
links ausgestreckt, der rechte Arm erhoben gewesen 
sein: im Rücken flattert der Mantel. Es ist eine 
ungemein stolze, siegesbewus:ste Bewegung, und 
ich brauche es wohl kaum auszusprechen, dass ich 
hier Zeus erkenne; die Rechte hielt natürlich den 
Blitz, die Linke führte entweder wie auf den Vasen 
das Scepter oder war wie auf dem pergamenischen 
Altar in die Aegis gewickelt. 

Abweichend von der hier vorgeschlagenen Deu- 
tung erkennen Michaelis und Petersen vielmehr auf 
VIII Zeus, aus keinem anderen Grunde, als weil die 
Figur männlich sei und an diesem vornehm>teu 
Platze nur der höchste Gott dargestellt sein könne. 
Allein, so weit ich sehe, spricht für die Männlich- 
keit der Figur nur der scharf hervortretende Con- 
tur des rechten zurückgesetzten Beines, und die- 
ser könnte sich bei dem mächtigen Ausschreiten 
auch durch den Chiton hindurch ebenso scharf 
abzeichnen; man vergleiche nur die Göttin auf 
XII. Ueberdies zeigt die Zeichnung zwischen 
den lieineu sehr charakteristische Reste, die straff" 

') Möglich, ila.<s dieser ein Felsstück schwaiij,', woran auch 
Petersen denkt. Die Aehnlichkeit und somit Abliängigkeit der 
pergamenischen Zeu.-gruiijie ergiebt sich von selbst. 



51 



C. Robert, Ostmetopen des Partlienon. 



52 



gespannten Steilfalten täuschend ähnlich sehen, 
und ebenso glaubt man am unteren Eande Spuren 
des Gewandsaumes zu erkennen. Der deutlich sicht- 
bare Schild wird bei L. von dem Giganten gehalten, 
während ihn bei M. der Gott oder die Göttin am 
linken Arm trägt. Die Zeichnung des letzteren 
mit dem nyamv wirkt unmittelbar überzeugend; 
sie trägt die Gewähr der Richtigkeit in sich selbst. 
Auch ist es kaum denkbar, dass ein Gott in so 
derber Weise den Schildraud des Gegners anpackt, 
wie wir es bei L. sehen. Das ist barbarische 
Kampfweise, wie sie allenfalls für einen Giganten 
sich schickt. Michaelis, der wie billig sich dafür 
entschieden hat, dass der Schild dem Gotte gehört, 
und doch an der Benennung Zeus festhält, verweist 
auf den behelmten und beschildeten Zeus der 
ionischen Vase M. d. I. VII 78. Jetzt lässt sich 
auch der Zeus aus dem Giebelfeld des Megarer- 
schatzhauses zum Vergleich heranziehen. Allein 
diese Beispiele aus dem 6. Jahrhundert sind für 
die Zeit des Pheidias schwerlich beweiskräftig: 
Chiton und Schild scheinen mir hinlänglich charak- 
teristisch, um in der Gestalt Athena und zwar in 
der Stellung der Promachos erkennen zu lassen, 
die so an den ihr gebührenden Platz in der Mitte 
kommt. Wie der Künstler es verstanden hat, den 
nun nothwendig an die zweite Stelle kommenden 
Zeus durch Verdoppelung des Giganten hervorzu- 
heben, haben wir oben gesehen. 

Weit grössere Schwierigkeiten macht die Deutung 
von IX. Der langen flatternden Haare wegen be- 
nennt Michaelis die Figur Apollon, Petersen Hera, 
wobei „das starke Hervortreten der Beine" und 
„das unweibliche Heben des linken Beines" durch 
die Hypothese motivirt wird, dass „die Bewegung 
der Figur keine freiwillige" und „die Hebung des 
linken Beines durch Anpacken und Zerren des 
Gegners (Porphyrion) bewirkt sei". Abgeselien 
davon, dass eine Hera mit solchem frei herabhän- 
genden Haar sich schwerlich nachweisen lässt, 
darf man wohl die Frage aufwerfen, ob eine solche 
Scene, Porpliyrion die Götterkönigin am Schenkel 
fassend, überhaupt möglich sei. Es müssten starke 
Gründe sein, jedenfalls stärkere als die bisher vor- 
gebrachten, die uns zu der Annahme einer solchen 
die aldiog und die evaeßeia ebenso sehr, wie den 
künstlerisciien Geschmack verletzenden Situation, 
und noch dazu an heiligster Stätte, bewegen könnten. 
Man vergleiche die Darstellungen von Leto und 
Tityos, ja selbst die lascive Satyrvasc des Brygos, 
ob dort auch nur etwas annähernd Aehnliches sich 



findet. Gegen die Deutung auf Apollon liegen so 
schwere Bedenken nicht vor; doch hiergegen er- 
innert Petersen (S. 216 Aum. 1) mit Recht, dass 
Locken in solcher Länge für einen Apollon un- 
erhört wären. Aber sind es überhaupt mensch- 
liche Haare, setzen sie dafür nicht viel zu tief im 
Rücken an? Ich kann in diesem Reste Nichts 
anders sehen , als die flatternde Mäiine eines 
Lövvenfells, dessen Protome der Gott über den 
Kopf gezogen hat, und kann also diesen nur für 
Herakles halten; auch über der rechten Schulter 
und zwischen den Beinen scheint das Löwenfell 
sichtbar zu sein. Sonst lässt sich nur noch er- 
kennen, dass der linke Arm gesenkt war. Freilich 
verhehle ich mir nicht, dass auch bei dieser Be- 
nennung noch gar Vieles räthselhaft bleibt; vor 
Allem ist das hohe Auftreten des vorgestellten Fusses 
und weiter die darunter sichtbare Gewandmasse 
(nach Michaelis der zum Boden geglittene Mantel 
des Apollon) mir völlig unverständlich. 

Sollte es mir gelungen sein, meine Ansicht über 
diese drei Haupt-Scenen zu einem gewissen Grad 
von Wahrscheinlichkeit gebracht zu haben, so er- 
giebt sich die richtige Benennung der übrigen 
Götter fast von selbst und ist auch in den meisten 
Fällen schon ausgesprochen worden. In der Göttin 
auf IV werden wir jetzt unbedenklich mit Michaelis 
Hera erkennen. Sie nimmt den ihr gebührenden 
Platz zwischen ihrem Gatten Zeus (VI) und ihrem 
Sohne Ares (V) ein. Den Gott auf XI findet Michae- 
lis einem bogenschiessenden nicht unähnlich, Peter- 
sen benennt ihn direkt Apollon. zweifellos richtig. 
Daraus ergiebt sich ohne Weiteres, dass die Göttin 
der Nachbarmetope XII, die über den 1. vorgestreck- 
ten Arm die Chlamys geworfen, mit erhobener Rech- 
ten zum Stoss ausholend vordringt, Artemis ist, ein 
Schluss, der sciion von Petersen gezogen ist. 

Es bleibt nun noch die sehr zerstörte Gestalt 
auf XIII übrig, von der sich nur soviel erkennen 
lässt, dass sie die gesenkte Linke in ein Gewand ge- 
wickelt und die Rechte erhoben hatte. Michaelis 
lässt die Figur unbeuannt, Petersen räth zweifelnd 
auf Ares. Wir dürfen nun schon die Frage so 
stellen: welcher Gott kann in einer Darstellung 
der Gigantomachie am Parthenon unter keinen 
Umständen gefehlt haben? Die Antwort kann nicht 
zweifelhaft sein: Poseidon. Dafür spricht ebenso 
die grosse Rolle, die Poseidon von Alters her in 
dem Gigantenkampf spielt, wie die hohe Bedeutung, 
die sein Cuit gerade für die Akropolis hat. Dem 
gegenüber können die Ansprüche des Uepiiaistos, 



53 



C. Robert, Ostiiictopen des Parthenon. 



54 



des einzigen noch übrigen liervoriagenden Gigan- 
tenkämpfers , nicht in Betracht kommen. Dazu 
stimmt vortrelflicii, dass auf der folgenden Metope 
XIV ein Gespann ersclieint, unter dem duicii Fische 
Wasser angedeutet ist. Petersen meint, der siegreiche 
Gott von XIII könne nicht vvoiil sclion auf dem eben 
auftauciienden Wagen gekommen sein. Aber taucht 
der Wagen wirklich erst auf? Ist es niciit denk- 
bar, dass das Gespann des Poseidon im Wasser 
stehend dargestellt war und die Pferde sich, auf- 
geregt durch das Geräusch des Kampfes empor- 
häumeu, gerade wie das Gespann des Poseidon 
im Westgiei)el, das auch sonst manche Verglei- 
chungspunkte liietet? Auf dem Wagen stand uatüi- 
lich Aniphitrite. 

Dies fuhrt uns weiter zu der bisher noch nicht 
berührten Frage, welchen Göttern die Wagen in 
der Mitte auf V, VIT, X gehören. Die griechische 
Kunst pflegt zwar im Allgemeinen die Streitwagen 
den Kämpfenden zugewendet zu stellen, wie im 
Westgiebel des Parthenon, doch fehlt es auch nicht 
an Beispielen für das umgekehrte Verfahren, wonach 
der Wagen den Kämpfern zunächst, und die Pferde 
abgewaudt stehen; so auf der Kyknosvase des Pam- 
phaios (M. d. I. XI 24). Ein festes Princip lässt 
sich also nicht bestimmen. Michaelis sucht in 
allen Fällen die Besitzer vor den Pferden; so 
gehört nach ihm V als Gespann des Poseidon zu 
VI, das Flügelgespann auf VII mit Athene als 
Wagenlenkeriu dem „Zeus" aufVIII; das Gespann 
auf X zu „Apollon" auf IX. Petersen hingegen 
stimmt zwar hinsichtlich VII, abgesehen von der 
Benennung der Wagenlenkeriu, mit Michaelis über- 
ein, nimmt aber tür V und X das umgekehrte 
Princip an, in dem er ersteren der „Athena'" auf IV, 
letzteren dem „Apollon" auf XI zutheilt. 

Prüfen wir zunächst X. Nach der übereinstim- 
menden Ansicht von Michaelis und Petersen hätten 
wir hier das Gespann des Apollon vor uns, nur dass 
beide Interpreten den letzteren auf verschiedenen 
Metopen suchen. Die Wagenlenkeriu hält Michaelis 
flir Artemis, diese haben wir aber nach Petersen's 
Vorgang auf XII constatirt. Mit dieser Deutung 
fällt aber überhaupt die Möglichkeit fort, die Figur 
unter der erwähnten Voraussetzung zu benennen; 
denn ein anderer Wagenlenker für Apollon als Arte- 
mis ist nicht denkbar. Petersen's Deutung auf Leto 
ist nichts als ein Nothbehelf. Da auch nach unsrer 
Ansicht auf XI A))ollo dargestellt ist, so können 
auch wir unter der Voraussetzung, dass X zu XI 
gehört, mit dem Wagenlenker nichts anfangen. 



Ziehen wir aber X zu IX, so hätten wir den 
Wagen des Herakles vor uns, vielleicht mit loiaos, 
der den langen Chiton der Wagenlenker trägt. 

Wenn wir nun V der Hera auf IV zutheilen 
würden, so müsste entweder Zeus oder Athene ohne 
Wagen sein, was beides gleich unmöglich ist. Ich 
erkenne daher auf V den Wagen des Zeus, etwa 
mit Iris oder Nike als Lenkerin; auf VII in dem 
Flügelgespann den Wagen der Athena; war doch 
auch der Helm der Partiienos, wie wir jetzt 
wissen, mit Flügelrossen geschmückt. In der Wagen- 
lenkerin würde man am Liebsten Nike erkennen, 
aber von Flügeln zeigt dir Abguss keine Spur. 
Ungeflügelt erscheint auch Athenas Wagenlenkeriu 
in dem Westgiebel bei Carrey; doch ist hier freilich 
die Möglichkeit eines Versehens nicht ausgeschlossen 
(vgl. Michaelis S. 184). Endlich finden wir auch 
auf der FranQoisvase auf demsell)en Gespann mit 
Athena eine ungeflügelte Göttin, deren Namens- 
beisehrift aber leider verloren ist. Die für diese 
letzte Figur vorgeschlagene Deutung als ungeflügelte 
Nike, also als Athena selber, ist eine mythologische 
Ungeheuerliclikeit, die einer Widerlegung nicht 
bedarf. Mir sciieint unzweifelhaft, dass die Göttin 
Themis ist, die als eigentliche Urheberin der Hoch- 
zeit von Peleus und Thetis im Götterzuge schwerlich 
fehlen und keinen passenderen Platz erhalten konnte 
als neben Athena. Aber diese Deutung darf schwer- 
lich auf die Wagenlenkeriu der Metope übertragen 
werden. Möglich wäre hingegen, dass Aglauros 
gemeint ist, diejenige von den drei Kekropstöchtern, 
in der die kriegerische Seite der Burggöttin, deren 
Hypostase sie ist, am stärksten hervortritt, wenn 
ich auch kein Zeuguiss dafür gefunden habe, das 
sie mit der Kossezucht in Verbindung bringt. 

Wir sind also der Hauptsache nach zu dem- 
selben Resultate gekommen, wie Michaelis, dass 
nämlich die Gespanne nach einem einheitlichen 
Princip stets dem kämpfenden göttlichen Besitzer 
zugewandt dargestellt sind. Dieses Ergebniss wird, 
wie ich hofl'e, eine sehr gewichtige Bestätigung 
erhalten, wenn wir jetzt die Composition als Ganzes 
in's Auge fassen. Icli stelle zunächst die vorge- 
schlagenen Deutungen übersichtlich zusammen: 

I. Hermes. II. Dionysos. III. Ares. IV. Hera. 
V. Wagen des Zeus mit Nike oder Iris. VI. Zeus. 
VII. Wagen der Athena mit Aglauros. VIII. Athena. 
IX. Herakles. X. Wagen des Herakles mit lolaos. 
XI. Apollon. XII. Artemis. XIII. Poseidon. XIV. 
Wagen des Poseidon mit Amphitrite. 

Aus dieser Uebersicht ergiebt sich sofort, dass 

4* 



55 



C. Robert. Ostmetopen des Parthenon. 



56 



die Metopen paarweise zusammengeliören. Es folgen 
sich von links nach rechts 1) Hermes und Dionysos 
2) Hera und ihr Sohn Ares 3) Zeus und sein 
Wagen 4) Atliena und ihr Wagen 5) Herakles 
und sein Wagen 6) die Letoiden 7) Poseidon und 
sein Wagen, und zwar sind es stets die über 
demselben Intereoluninium befindlichen Metopen- 
paare, die in dieser Weise zusammengefasst wer- 
den; die Säule markirt den Abschnitt, und hierin 
liegt zugleich die RechtCertigung für dies so oft 
getadelte Verfahren, welche freilich den The- 
seionmetopen nicht zu Statten kommt, wo die 
beiden Geryoneus- Metopen sich aurdas IV. und 
V. Intercolumnium vertheilen. Dieses Compositions- 
princip wird aber zerrissen wenn mau mit Petersen 
IV mit V und X mit XI verbindet. Auch bei 
den Metopen der drei andren Seiten finde ich das- 
selbe Princip mehr oder minder streng festgehalten. 
Sehen wir uns zunächst nach weiteren Darstellungen 
von Streitwagen um, so finden wir auf der Süd- 
seite XV den Wagen des auf XVI befindlichen 
Kriegers; auch hier stehen beide Metopen über 
demselben lutercolumuium; dass auf der Nord- 
seite der Wagen von I zu einer Figur auf II 
gehört, versteht sich von selbst. Es ist ferner doch 
schwerlich zufällig, dass auf der Westseite, soweit 
sich die Darstellungen erkennen lassen, immer zu 
Pferd und zu Fuss kämpfende Amazonen abwechseln, 
so dass sich auch hier I und II, III und IV, 
IX und X, XI und XH, XIII und XIV, also 
jedesmal die über einem Intercolumnium ste- 
henden Metopen gruppenweise zusammenordnen. 
Auf V war sicher, auf VIII vielleicht eine Reiterin 
dargestellt, aber da VI und VII fehlen, lässt 
sich nicht entscheiden, ob das Princip auch in der 
Mitte festgehalten war. Bei den Kentaurenkämpfen 
der Nordseite war nach der Natur des Gegenstandes 
eine strikte Durchführung des Princips ausge- 
schlossen. Wenn Michaelis (S. 127), wie ich nicht 
zweifle, mit Recht XXI zu den Kentaurenkämpfen 
zieht, so schliessen beiderseits je 12 Bletopen mit 
Kentaurenscenen 8 Metopen mit andern Darstellun- 
gen ein; der Abschnitt fällt also auf beiden Seiten 
wieder über eine Säule. Von den acht Metopen 
der Jüttc aber gehören wenigstens 6 wieder paar- 
weise zusammen, nämlich XV und XVI, XVII 
und XVIII, XIX und XX, und für das noch 
übrige Paar XIII und XIV ist dasselbe minde- 
stens wahrscheinlich. 

Kehren wir nochmals zur Ostseite zurück, so ist 
klar, dass die drei mittleren Metopenpaare eng zu- 



sammengehören; hier finden wir Zeus, Athena und 
Herakles, jenen göttlichen Dreiverein, der, seit der 
Nationalstolz der Derer ihrem Stammheros einen 
hervorragenden Platz in der Gigantomachie ange- 
wiesen hat, zunächst in der peloponnesischen und 
dann unter deren Einfluss bald aucli in der attischen 
Kunst fast typisch den Mittelpunkt des Giganten- 
kampfes bildet. Von älteren Darstellungen sei hier 
an den Giebel des Megarerschatzhauses in Olympia, 
die schwarzfigurigeu Vasen bei Gerhard A. V. I 25, 
und Overbeck Kunstmyth. Atlas IV 3. 6. 9, endlich 
an die Berliner Schale strengen rothfigurigen Stils 
(Gerhard Trinkschalen X — Overbeck Kunstmyth. 
Atlas IV 12) erinnert. Von Monumenten, die jünger 
sind als der Parthenon, genügt es die Pariser Gi- 
gantenvase zu nennen •). 

Auch darf es bei dieser Gelegenheit einmal mit 
Entschiedenheit ausgesprochen werden, dass der- 
selbe Dreiverein auch für die Mitte der Ostseite des 
pergamenischen Altars postulirt werden muss, und 
dass dort Herakles wahrscheinlich links neben Zeus 
gekämpft hat. Die untergeordnete Stelle, die man 
bis vor kurzem dem Herakles neben niederen Göttern 
(den Kureten oder Deimos und Phobos) angewiesen 
hat, steht weder mit dem festen Typus des Gigan- 
tenkampfes im Einklang, noch entspricht sie dem 
Range, den Herakles gerade in Pergamon als 
Vater des Stadtgründers Telephos einnimmt. Jetzt 
ist zum Glück durch eine neue Zusammensetzung 
von Freres endgültig festgestellt worden, dass der 
vermeintliche Herakles ein Gigant ist (Beschreibung 
der pergamenischen Bildwerke 6. Aufl. S. 14). Der 
alte Typus zeigt Zeus, Athena und Herakles, alle 
drei von demselben Wagen herab kämpfend. Der 
Künstler der Metopen konnte dies Motiv natürlich 
nicht brauchen und gab daher jedem der Kämpfer 
seinen eigenen Wagen. Athena stellte er, wie es 
ihr an ihrem eigenen Tempel zukam, in die Mitte 
und gruppirte zu beiden Seiten streng symmetrisch 
Zeus und Herakles. An dieses Centrum von drei 
Metopenpaaren schliessen sich dann zu beiden Sei- 
ten je zwei Metopenpaare mit den übrigen Gigan- 
tenkämpfern an. 

Die hier vorliegende Composition ergiebt sich 
so natürlich aus der gestellten Aufgabe, dass ich 
ein, allerdings seltsames, ZusammentrefiVn für zu- 
fällig halten muss. Wir finden nämlich auf dem 
Ostfries diejenigen Götter, welche der Fries mit 
den Metopen gemein hat, liis auf Poseidon in der- 

- Vgl. Overbeck Kunstniylholoyie Illj.531'. 



0/ 



0. Rossbach, 13. Südmetope des Parthenon. 



58 



selben Reihenfolge dargestellt, wie auf den Me- 
topen. 

Auf dem Fries folgen : 

Hermes, Dionysos, Demeter, Ares, Hera, 
Zeus, Athena, Hepliaistos, Poseidon, Apollon, 
Artemis, Aplirodite. 



Auf den Metopen : 

Hermes, Dionysos, Ares, Hera, Zeus, 
Athena, Herakles, Apollon, Artemis, Po- 
seidon. 

Berlin. Juli 1883. 

C. Robert. 



DIE DREIZEHNTE SÜDMETOPE DES PARTHENON. 



Von den 32 Metopen der südliclien Längsseite 
des Parthenon sind die mittleren 14 in Zeich- 
nungen von .1. Carrey überliefert '). Nacli dem Ge- 
genstande ist es sofort klar, dass von der west- 
liehen Ecke an 12 Metopen, von der östlichen an 
11 Scenen eines Kampfes zwischen Lapitlien und 
Kentauren sind , während in den 9 mittleren kein 
Kentaur vorkommt. Leider gehöien aber die letz- 
teren gerade zu denen, welche nicht im Original 
erhalten sind, und bieten auch saciilich so viele 
Schwierigkeiten, dass man weder weiss, ob sie 
alle zu einem Mythos gehören-), noch was sie 
darstellen. Nur einen Schritt ist man in der 
Erklärung derselben weitergekommen. Michaelis 
hat nämlich (Parthenon S. 135) vermuthet, dass 
noch Jletope 21 zu dem Keutaurenkampf zu ziehen 
sei und Petersen (Kunst des Pheidias S. 219tf.) hat 
diese Vermuthung, auf welche er unabhängig von 
Michaelis gekommen war, zur Gewisslieit erhoben. 
Beide haben besonders auf die grosse Aehnlichkeit 
mit der Schlussgruppe des Frieses von Bassai hin- 
gewiesen, wo zwei Frauen, die ein Kentaur an- 
greift, gleichfalls bei einem alterthiimlichen Cijytter- 
bilde Schutz suchen. Ausserdem konnte noch ein 
rothfiguriges , nach Stil und Buchstabenform einer 
Beischrift der Uebergangszeit aus der strengeren 
in die freiere Manier angehöriges Vasengemälde 
(Archäol. Ztg. 1883 T. 18 = Laborde rases de 
Lamberij I 25. 26 = Passeri pict. Elr. I 11. 12 = 
Inghirami pill. di vasi Etr. I 91ff. ^) angeführt wer- 

') Xiir die 1-'. Metope ist 1833 wiederjjel'umien worden. 

-) Nainenilich stöiend wirkt unter den anderen friedlichen 
Gruppen die Küinpfscene von 16, mit welcher sich höchstens 
das Zweigespann mit Wagenlenker von 15 verbinden lässt. 

^) Das bei Inghirami tav. 93 abgebildete, auftauend ähn- 
liche, aber etwas kleinere Vasenbild wage ich nicht heranzu- 
ziehen, da es wegen einiger Details, welche last den Eindruck 
machen, als ob sie denen der grösseren Darstellung missver- 
ständlich nachgebildet wären, mindestens einer starken Restau- 
ration verdächtig erscheint. .So sitzt z. B. ein Lapith statt auf 
einem gestreiften Kissen auf einem Schild mit drei Griften, und 



den, wo dieselbe Scene sich bei einem Altar und 
der ThUr eines Thalamos abspielt. Die in die- 
sen Darstellungen hinzukommenden Personen des 
Angreifers und Vertbeidigers hatten in der Me- 
tope natürlich keinen Platz und werden durch die 
beiden vorhergehenden Reliefs genügend repräsen- 
tirt, in welchen ein Kentaur eine Frau in der Rich- 
tung von der Gruppe fortschleppt (12) und einem 
anderen, der aul' sie zusprengt, ein Lapith entge- 
gentritt (23). 

In ähnlicher Weise kann mau nun, wie ich 
glaube, auch Südmetope 13 erklären,, welche auf 
die letzte einen Kentauren mit einer geraubten 
Frau darstellende Metope des westlichen Theiles 
der Südseite folgt und zu den fremden Darstellun- 
gen gerechnet wird, trotzdem kein Grund vorliegt 
sie auch nur mit 14 in Zusammenhang zu brin- 
gen'). Wir sehen (Laborde Parth. T. 11 Fig. 13 
= Bröndsted Reisen und Untersuchungen Gr. II T.47 
Fig. 13 = Michaelis T. 3 Fig. 13) neben einander 

ein geöffnet daliegender Kranz der grösseren Vase ist auf der 
kleineren als eine Art Henkel mit einem Sitz verbunden. — 
Gleichfalls nach einem Altar flüchtet eine Frau in dem Kentan- 
renkampf eines glockenförmigen Kraters freien Stils (Benndorf 
Gr. u. sie. Vasenb. T. 35); nach einem im Hintergrund befind- 
lichen Tempel streckt auf der ähnlichen D.ir.-tellung einer Bronze- 
münze des Antoninus Pius eine von einem Kentauren geraubte 
Frau den Arm aus (Decamps setect. nwnm. t. 25 ^- Miliin ffal. 
mytk. pl. CV 437). Nebenbei will ich noch bemerken, dass die Be- 
nennung des Angreifers in der Gruppe von Bassai als Theseus 
auf sehr schwachen Füssen steht, da das an dem Baum hängende 
Fell ebensogut dem mit ihm kämpfenden Kentaureu gehören kann. 
Denn Stackeibergs Einwand (Apollotempel zu Bassae S. 75), dass 
hier alle Lapithen ein 'Schutzgewand' hätten, erweist sich als 
nichtig, s. T. 21. Auch wird das betrcflende Fell ein Panther- 
und kein Löwenfell sein, da es keine Spur von einer Mähne hat; 
Faniherfelle tragen aber die Kentauren auf Vasen, s. Conze 
VorUgebl. IV 4, Inghirami nm^. Chius. tav. 80. Die Deutung 
des Protagonisten im Amazonenfries als Theseus hat wegen der 
Löwenhaut, Keule und Bogen Klügmann Amazonen S. 61 
Anni. 9S mit Recht angezweifelt und ihn Herakles genannt. 
*) Die Wendung des Kopfes der 1. Gestalt gilt der r. 



59 



0. Rossbach. 13. Siidmetope des Partlienon. 



60 



stehend zwei lauggewandete Gestalten. Die linke ist 
entschieden eine Frau, welche ihren Chiton in Busen- 
höhe aufnimmt. Sie ist in einer Bewegung begrifi'en, 
welche Michaelis (S. 133) als Fortgehen deutet, erhebt 
den linken Arm und wendet den Kopf einer rechts 
neben ilir stehenden, schon zu Carreys Zeit kopf- 
losen Figur zu. Dieselbe hat den Rücken ge- 
krümmt, wodurch sie nur scheinbar kleiner wird 
als die andere, und hält ihr Gewand, welches den 
Oberkörper frei lässt, mit beiden Händen fest. Bis 
jetzt liegt, soviel ich weiss, nur eine Erklärung 
vor, die von Bröndsted (S. 209). Er legt das 
Hauptgewicht darauf, dass die Gewänder beider 
Gestalten in einen Bausch zusammengenommen 
sind, und dass die rechte nach den Formen der 
Brust auf der Carreyschen Zeichnung ein Mann zu 
sein scheint. Deshalb sieht er in der Darstellung 
'Demeter, welche ihren Zögling Triptolemos im Säen 
der milden Frucht unterriciitet'. Doch ist ihm schon 
selbst (S. 211) aufgefallen"), dass man statt dieser 
Scene der Triptolemossage die andere, namentlich 
auf Vasen derselben Zeit so unendlich oft darge- 
stellte erwarten sollte, wie er auf dem geflügelten 
Schlangenwagen sitzt und entweder in Gegenwart 
der Göttinnen kurz vor der Abfahrt ein Trankopfer 
bringt") oder schon durch die Lüfte fahrend die 
göttliche Gabe verbreitet'). Hierüber setzt er sich 
jedoch hinweg, indem er auf einige, wie er meint, 
der von ihm angenommenen Deutung entsprechende 
Monumente verweist*). Aber die Aehnlichkeit des 
Pariser Onyx ist nur gering, dann sind auch 
die anderen von ihm herangezogenen Denkmäler 
aus viel späterer Zeit, und selbst wenn man bessere 
Beispiele fände, so wäre unsere Metope doch niclit 
so zu erklären. Denn zunächst würde die linke 
Gestalt bei der für einen derartigen Zweck höchst 
ungeschickten Lage des xnlring. die Saatkörner ver- 
schütten. Misst man aber die Schuld hiervon dem 
Zeichner bei, so ist nocii immer die Haltung des 
rechten Armes derselben Frau beim Säen unmög- 
lich, und noch mehr das Gewandmotiv der kopf- 
losen Gestalt. Wird nämlich wie hier der obere 
Theil des Gewandes völlig abgenommen, um darin 
die Körner zu tragen , so gleitet es vom Rücken 

') Vgl. Petersen S. 228. 

«) Conze Vorlegebl. IV 7. 

') Gerhard A. V. 143 ff., Lenormant et de Witte äite ci- 
rumnijr. III 65, 67. 

") Monge/, iconogr. rom. pl. XXIV 3 ^= Miliin r/al. myth. 
pl. 48, 220, Montfaiicon aut. expl. I. XLV, Zocga bassiril. ant. II 
94 = Miliin gal. myth. pl. 26, 92. 



herab und hindert nicht nur die vorschreitende 
Bewegung, sondern die ganze Function. Die rich- 
tigere und viel einfachere Haltung beim Säen ist 
vielmehr die, dass das auf dem Körper befindliche 
Gewand in einen weiten Bausch zusammengenom- 
men wird, wie z. B. auf der von Bröndsted selbst 
angezogenen Gemme Triptolemos seine Chlamj^s 
verwendet'). Ist es jedoch wirklich so sicher, dass 
die rechte Figur der Metope weiblich ist? Michaelis 
drückt sich mit Recht darüber sehr vorsichtig aus'°). 
Hätte man nämlich z. B. in Metope 22 nicht noch 
andere Kriterien, so würde man nach Carreys 
Zeichnung aus den Formen der Brust, die denen 
der Figur in der 13. Metope ganz ähnlich sind, 
kaum auf ein Weib schliessen können. Und wie 
leicht ähnliche L'rthümer bei schleclit erhaltenen 
Darstellungen vorkommen können, zeigt Stuarts 
Verzeichnung bei der Demeter im Fries und die 
des Anonymus im Westgiebel bei der Aphrodite''). 
Aber noch ein zweiter Umstand spricht dafür, dass 
die Figur weiblich war. Unter den von Newton 
bei Michaelis (S. 141) beschriebenen Metopenfrag- 
menten ist das unter 305 aufgeführte 'ein rechter 
weiblicher Unterarm vom Ellenbogen bis fast an 
den Knöchel, quer an einem theilweise bekleideten 
Stück von der rechten Seite des Körpers liegend'. 
Das ist ein Gewandmotiv, wie es unter der ganzen 
Reihe verlorener Südmetopen bei keiner anderen 
vorkommt als der unsrigen, und deshalb sagt Newton 
mit Recht, es scheine zu der Figur rechts auf Südmetope 
13 zu gehören. Auchmüsste man, um das Stück einer 
verlorenen Metope einer anderen Seite zuschreiben 
zu können, bei seiner genauen Uebereinstimmung 
mit der Zeichnung eine völlig ähnliche Situation 
voraussetzen. 

Zu einer richtigeren Deutung kann man nun, 
wie ich glaube, gelangen, wenn man die Haltung 
des Gewandes der beiden Gestalten schärfer fasst. 
Mir scheint sie bei beiden Figuren der in Metope 21 
sehr ähnlich zu sein, namentlich ist die Lage des 
linken Armes der beiden links stellenden Frauen 

^) Bekanntlich wird entweder auf diese Weise gesUt oder 
aus einem zweihenkligen, an dem einen Arme hängenden Korb, 
wie es die Nikosthenesschale des Berliner Aiitiiiuariums dar- 
stellt Panofka Bilder ant. Lebens T. 14, G. 

'") Er sagt S. 133: 'Eine grosse vollständig bekleidete Figur 
mit (drohend ? verwundert?) erhobener K. wendet im Fortgehn 
ihr Gesicht nach einer kleineren, etwas gebückten Figur mit 
nacktem Oberkörper, die nach den Formen der Brust — der 
Kopf fehlt — männlich zu sein scheint.' 

") Ueber eine andere Verzeichnung Carrej's s. Robert 
Archäol. Ztg. 1875 S. 101 Anm. 3. 



61 



A. V. Sallc't, Zur Athciia Tarthenos. 



62 



fast die gleiche. Ich selie deshalb hier wie dort 
ein Aul'uehuieii der auf der Flucht in Uuorduung 
gerathenen Gewänder"). Dann ist auch der erhobene 
Arm der linken Frau viel eher die Geberde des 
Htilt'efleliens oder der Furcht als der Verwunderung 
oder des Droiieiis. Ferner drückt die Bewegung 
der Flüsse kein Fortgehen oder Vorschreiten aus, 
sondern nur die Unruhe nach der Flucht. In der 
Nachbildung des Labordeschen Facsimile bei Mi- 
chaelis ist dieselbe nieiit treu genug wiedergegeben. 
Auch die Beugung des Körpers der rechten Gestalt 
ist für das Uebernehmen eines Gewandes charak- 
teristisch. Ferner erhalten wir durch diese Erklä- 
rung eine gute Respousion mit Metope 21, indem 
so beide Seiten der Kentauromacliie gegen die frem- 
den Mitfelscenen iiin durch je zwei geflüchtete 
Frauen begrenzt werden. Ganz identisch konnten 
freilich beide Darstellungen nicht sein und deshalb 
fehlt hier das Götterbild, aber der Künstler konnte 
namentlich für eine Zeit, welche ein unmotivirtes 
Entblössen des weiblichen Körpers in bildlichen 
Darstellungen noch nicht kannte, die Situation nicht 
besser charakteiisiren als durch die in Unordnung 
gerathenen Gewänder, welche auch für die anderen 
Meto|)en mit frauenraubenden Kentauren typisch 

'-) .Vuch Michaelis a. a. O. sagt von der v. Figur, sie 
'fasst (las GewanJ an, als ob sie es über die .Schulter werfen 
wollte'. 



sind. Daher war auch keine Gefahr vorhanden 
dass ein antiker Beschauer, dem noch dazu der 
Gegenstand der Mittelscenen bekannt war, sie zu 
diesen zielien konnte. 

Die 32 Äletopen vertheilen sich also jetzt in 
der Weise, dass links 13, rechts 12 Metopen der 
Kentauroniachie 7 fremde Sceneu cinschliesson. Das 
ist allerdings keine völlige Symmetrie, und die 
andere Eintheilung, welche 8 fremdartige Metopen 
annimmt, gewinnt auf beiden Seiten je 12. Aber 
das darf uns von unserer Deutung nicht zurück- 
schrecken. Die Symmetrie, welche wir auf jene 
Weise erreichten, wäre immer nur eine Zahlen- 
symmetrie , die in Kunstwerken herauszufinden 
allerdings recht interessant ist, die man aber 
nie hineintragen soll. Dem Auge des Beschauers 
konnte es an der sich weithin erstreckenden Längs- 
seite kaum auffallen, dass auf der einen Seite 12, 
auf der anderen l3 Metopen der Kentauromaehie 
angehörten, und einem Entsprechen der blossen 
Zahlen ist doch wohl der gleiche Abschluss, wel- 
chen wir auf beiden Seiten gewonnen haben, vor, 
zuziehen. Ebenso finden wir auf der Nordseite keine 
völlige Regelmässigkeit, indem von 12 und 11 aus 
anderen Mythenkreisen entlehnten Scenen 9 Ken- 
taurenmetopen eingeschlossen werden "). 

Berlin. Orro Rossbach. 

'■■) Bröndsted II 274, l'eiersen S. 230. 



MI S GELLEN. 



ZUR ATHENA PARTHENOS. 



Herr Th. Schreiber sagt im 41. Jahrgang der 
Archäol. Ztg. S. 282 von der ciliciscben Münzcopie 
der Athene des Phidias, über die ich (Zeitschr. f. 
Num. X. S. l.')2) gesprochen: „man kann sich den 
Baum" (der nämlich der stützenden Säule des Mar- 
morfigürchens genau ents])richt) „als an der Seite 
der Göttin freistehend" u. s. w. „denken" . . . „eine 
Uebereinstimmung mit der Stütze am athenischen 
Marmorbilde liegt also nicht vor". Wer sich die 
photographischen Abbildungen der Münze (Imhoof, 
momiaies grecques pl. G, XV) und der Marmor- 



tigur (Mitth. des archäol. Inst. VI Taf. I) ansieht, 
wird sofort bemerken, dass beide Figuren bis 
ins kleinste Detail völlig identisch sind, dass die 
Säule der Marmorfigur nur durch das Bäumchen 
der Münze, das gewiss nicht frei steht, ersetzt ist 
und dass die Uebereinstimmung beider Figuren nur 
dann möglich war, wenn der im „weit entlegenen" 
Cilicien wohnende Stempelschneider die Figur des 
Phidias oder eine Nachbildung derselben gesehen und 
genau copirt hat. 

A. V. Sallet. 



63 



64 



BERICHTE. 



ERWERBUNGEN DER KÖNIGLICHEN MUSEEN IM JAHRE 1883. 
I. Sammlung der Skulpturen und Abgüsse. 



Mit Berufung darauf, dass die im Jalirbuclie der 
k. preussischen Kunstsammlungen zum Drucke ge- 
langenden Vierteljahrsberichte eine Uebersicbt über 
die gesammte Thätigkeit bei der Abtheilung ge- 
währen, verzeichne ich hier die gemachten Erwer- 
bungen. Dieselben beschränkten sich zumeist auf 
Gipsabgüsse. 

An Originalen wurde im Pariser Kunsthandel 
das Bruchstück einer bemalten attischen 
Grab Stele aus dem 5. Jahrhundert, mit dem Kopfe 
eines Jünglings, angekauft. 

Sonst sind nur die Originaiproben zu nennen, 
welche von der im Auftrage der k. Akademie der 
Wissenschaften nach Kurdistan unternommenen 
Reise der Herren Humann, Puchstein und von Lu- 
sehan heimgebracht wurden. Das anselmlichste 
Stück darunter ist das Relief assj^risirenden 
Stils, eine Löwenjagd darstellend (vgl. Puchstein, 
Sitzungsberichte der preuss. Akad. d. Wiss. 1883, 
I S. 3U), aus Saktschegözü (zwischen Amanus und 
Euphrat gelegen). 

Unter den Gipsabgüssen verdienen obenan 
genannt zu werden die gleichfalls von der ge- 
nannten Expedition hierhergeschalften Abgüsse einer 
Anzahl von Skulpturen, zum Theil mit Schrift- 
zeichen, aus Nordsyrien und namentlich einiger 
Hauptstücke der Kolossalskulpturen am Grab- 
male des Königs Antiochosl. vonCommagene 
auf dem sog. Nemrud-dagh (veigl. Puchstein a. a. 0. 
S. 44ff.). Dem k. Museum wurden alle diese Ori- 
ginalstUcke und Abgüsse von der k. Akademie der 
Wissenschaften überwiesen. 

Eine andere ansehnliche Erwerbung waren die, 
so weit Formen gemacht sind vollständigen. Ab- 
güsse der durch die österreichische Expedition nach 
Wien gebrachten Reliefs vom Grabmale zu Giöl- 
baschi (Benndorf, Archäol.-epigr. Mitth. aus Oester- 
reieh VI, 188i^ S. 185 flf.). 

Aus Kleinasien gingen uns ferner als Geschenk 



des amerikanischen archäologischen Instituts einige 
Abgüsse der neugefundenen Tempelreliefs aus 
Assos zu. 

In Athen wurden angekauft die Abgüsse zweier 
thessalischer Grabstelen (Mitth. ath. Inst. VII, 
Taf. I. II), eines Reliefs im Museum des Piraeeus 
(a.a.O. VII, Taf. XIV), des Plutosknaben aus 
der Gruppe des Kephisodotos (a. a.O. VI, Taf.XIlI, 1) 
und eines jüngst im botanischen Garten ge- 
fundenen Grab reliefbruch Stücks. 

Aus dem britischen Museum wurden folgende 
Abgüsse angeschafft: Todtenmahl mit gefälschter 
lateinischer Inschrift, Grabrelief des Arztes la- 
sen (Panofka 91us. PourL Taf. XXVI), römischer 
Portraitkopf (Anc. m. XI, Taf. XXXI). 

Durch Tausch bekamen wir den Abguss des 
Niobekopfes Yarborough (Michaelis anc. m. in 
Gr.-Brit. S. 227). 

Von andern Einzelerwerbungen verdienen ge- 
nannt zu werden Abgüsse ausgewählter Stuck- 
reliefs aus dem Farnesinischen Hause zu 
Rom, ferner zweier Köpfe griechischer Her- 
kunft, ein Geschenk des k. k. Österreich. Museums 
für Kunst und Industrie, eines Kybelereliefs 
(Treu Rat. der Sammlung der kais. Kunstakademie 
in Petersburg (russ.) n. 382), des Panskopfes 
Borghese (Braun Ruinen u. M. Roms S. 537, n. 10), 
auch eines Militärdiploms Domitians in Pesth, 
Geschenk des Herrn Mommsen, endlich eines 
männlichen Kopfes vom kleinen pergame- 
nischen Friese, dessen Original sich im Besitze 
des Herrn Hofrath Fiedler in Dresden befindet. 

Welche von diesen Abgüssen zugleich in Formen 
für das k. Museum erworben, also bei demselben 
käuflich sind, darüber giebt ein im Herbst 1883 
ausgegebener Nachtrag zum Verzeichnisse der im 
k. Museum käuflichen Gipsabgüsse Auskunft. 

CONZE. 



65 



66 



II. Antiq 
A. Grabfunde. 
Fund aus einem Grabe bei Vulci {lomba a cas- 
soiie): eine prachtvolle goldene Fibel und zwei 
feine kleine goldene Spiralen mit menschlichen 
Masken au den Enden; ferner eine Anzahl Vasen, 
welclie der italisch -geometrischen, protokorinthi- 
schen, italiseh-protokoriutliischen und italisch -ko- 
rinthisclien, der altkoiiuthischen und der Bucchero- 
Gattung angehören (in meinem neuen Vasencatalog 
die No. 234. 235 a. 246 a. 338 a. 996. 1054a. 1082 a. 
1138a. 1201. 1210a. 1222. 1222a. 1273. 1274. 1503). 
— Fund aus einer tomba a ziro bei Chiusi: grosser 
Thronsessel aus Bronzeblech mit gepressten Relief- 
figuren von geflügelten Stieren, Spliinx u. a.; nie- 
derer Tisch aus Bronzeblech mit vier Füssen; 
Aschenurne aus Brouze, die auf dem Thron stand; 
eine zweite grosse Bronzevase; kleine Bronzekanne 
anscheinend griechischer Fabricatiou; Bronzetibeln 
mit geometrischen Ornamenten; zwei Augen von 
Hörn mit Pupille von Bernstein; FibelstUcke aus 
Glasfluss; eiserue Lauzenspitzen und Messer; Klei- 
nigkeiten aus Bronze (zahlreiche kleine Ringe und 
Knöpfe von einem Gewände u. a.); Schüsseln aus 
schwarzem und rothem Thon. 

B. Bronzen. 
Wangenschirm eines Helmes, aus Griechen- 
land, getriebenes Bronzerelief auf einer Unterlage 
von Blei: wahrscheinlicli Piiiloktet darstellend (vgl. 
die Münze von Lamia Arch. Ztg. 1871, S. 79, No. 1), 
freilich fehlen sowohl Wunde als Bogen. Auf einem 
Felsen der bärtige Held, mit schmerzvollem Aus- 
druck die R. an die Stirne legend und hinaus- 
blickend; vorzügliche Arbeit, an Schönheit den 
Siris Bronzen in London zu vergleichen. — Urne 
aus Capua, beschrieben Bull. d. I. 1871, p. 118, 5, 
mit einem Hornbläser und drei Pferden auf dem 
Deckel. — Schwebende weibliche Figur, mit wallen- 
dem Gewand, wie es scheint bogenschiessend (Ar- 
temis?), Statuette. Rom. — Statuette eines Jünglings, 
den Discus auf der R. Etrurien. — Hündchen. Rom. — 
Herakles-Statuette und Stempel in Form einer Fuss- 
sohle mit: ZHNCÜNOCI6P6GÜC. Constantinopel. 
— Drei Löwenmasken rohen Stiles, wolil von Thüren 
(zwei grosse, eine kleine). Syrien. 

C. Terracotten. 

Kleinasien. Eine Anzahl wahrsclieinlicli aus 
der Necropole von Myrina stammende Stücke: das 
schönste ist eine grössere Gruppe von Pan und einer 

Archäolug. Zt^' .lahrgang XLU. 



uar ium. 
Nymphe (abgebildet bei Fröliner, calal. de la coli. 
Leciiyer, 1883, pl. 18 und coli. Lecinjer pl. X'). — 
Sehr interessante und schöne Reliefplatte mitCharon, 
Hermes und einem (verstorbenen) Mädchen. — Knabe 
auf einer Bank neben kleinem Altar, mit Früchten 
und Hahn. — Knabe mit Traube sitzend, eine Gans 
würgend. — Silen mit FülUiorn. — Bogenspannendcr 
Eros (Motiv wie bei den Statuen). — Eilender Sklave 
mit Maske der Komödie, Schwert, Feldflasche und 
Reisesack tragend; ziemlich gross und von trefflicher 
Ausführung. — Herakleskopf archaischen Stiles, als 
Gefäss verwendet; in der Technik ganz wie die übri- 
gen Terracotten dieser Reihe (abg. coli. Leciiyer, 
pl. K^). — Karikatur des Herakles (abg. coli. Le- 
cuyer, pl. K'). — Sitzende Frau am Grabe (abgeb. 
bei Furtwängler, S. Sabouroff, im Text zu Taf. XV). 

— Frau das Trigonon spielend. — Vortreffliche kari- 
kirte Maske. — Sitzender bärtiger Schauspieler(?). 

Griechenland. Archaische Frau aus Böotien; 
stehend, Krotalon in der Hand. — Sitzendes weib- 
liches Idol; Farben gut erhalten. — Mehrere we- 
niger bedeutende Statuetten aus Athen und Böotien. 

— Kleine massive Figuren: Gruppe vou zwei Ka- 
rikaturen; tragische Frau. — Schönes Relief (von 
einem Gefässe?) mit dem auf einem Bocke reiten- 
den Eros, dem Papposilen vorangeht (Replik im 
Louvre, abg. Heuzey, fig. de terrecuite, pl. 38, 4). — 
Kleiner Thronsessel „mykenischer" Technik. — 
Sitzender Affe in ein Mäntelchen gehüllt. 

Tarent. Sehr schöner fast lebensgrosser Jüng- 
lingskopf mit kurzen Haaren, aufschauend, etwa 
aus dem 4. Jahrh. — Weiblicher etwa halblebens- 
grosser Kopf strengeren Stiles. — Stirnziegel mit 
gehörntem Kopf mit Ohrringen und Halsband, freier 
Stil. — Zwerg mit grossem Wasserkopf. — Treff- 
licher Porträtkopf eines älteren bartlosen Mannes. 

D. Vasen. 
Kanne in Form eines weiblichen Kopfes mit der 
Inschrift des Charinos (in meinem Vasencat. No.2190). 

— Archaischer Teller aus Kameiros mit dem Bilde 
des bartlosen laufenden Perseus (abg. bei Salzmanu, 
tiecrop. de üamirus T. 55, 2). — Archaischer Teiler 
korinthischer Fabrik ebenfalls vou Kameiros, mit ei- 
nem geflügelten härtigen Dämon. - Kleinere schlanke 
Amphora von Kameiros, mit Zickzack- und anderen 
linearen Ornamenten; eigene rbodisch-kleinasiatische 
Gattung. — Altattische Anii)hora mit Ringergruppen 
aus Etrurien. — Aitattisclio Lekytiios mit Amazonen- 
kampf aus Athen (eine Schlange aus dem Schilde 

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Sitzungsberichte. 



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des Griechen berausspringend). — Eine Anzahl 
Scherben sog. prähistorischer Art, mit verschiedenen 
Ornamenten, aus Dimini und Sesklo in Thessalien. 
Geschenk des Herrn Dr. LoUing. — Grosse Schüssel 
aus Korinth mit Lotos und Palmetten aussen und 
einem Pferde innen (Vasencat. No. 1661). — Meh- 
rere Gefässe des spärteren local-böotisehen Stiles 
aus Böotien. 

E. Gemmen und Edelmetalle. 
Schönes goldenes Armband mit Gazellenkopf am 
Ende. Griechenland. — Bommeln aus verziertem Gold- 
blech mit rotheu Steinen. Griechenland. — Silberner 
Teller mit dem Flachrelief der auf einem Hirsche rei- 
tenden Artemis. Kom. — Onyx-Cameo, in Hannover 



gefunden, spätrömischen Stils, zwei wohl weibliche 
Brustbilder darstellend mit auf Land und Wasser 
bezüglichen Attributen. — Fünf Siegelsteine primi- 
tiver Art aus Nordsyrien (von der Expedition nach 
dem Nemrud-dagh mitgebracht). — Carneolgemme 
mit einem Löwen und indosassanidischer Inschrift. 
— Abgüsse von sog. Inselsteinen aus den Samm- 
lungen zu Breslau und Kopenhagen. 

F. Varia. 
Bleiplatte aus dem Lech bei Augsburg: byzan- 
tinisches Kaiserpaar unter einem grossen Kreuz, 1. 
Obelis!;, r. Schlangensäule; darunter ungelesene 
Inschrift. — Mehrere gläserne Siegel; kleine bunte 
Glasköpfe. A. Furtwängler. 



SITZUNGSBERICHTE. 

Festsitzung des deutschen archäologischen Instituts in Kom. 



In der am 25. April 1884 zum Gedächtniss der 
Gründung Roms abgehaltenen Sitzung sprach Herr 
Professor Jordan (Königsberg) über das in der 
Zeit vom October 1883 bis März 1884 aufgedeckte 
alriuin Vestae, und zwar erörterte er zuerst die 
Frage der Erbauungszeit an der Hand der zahl- 
reichen noch in situ befindlichen Ziegelstempel, 
welche er gemeinsam mit Herrn Dr. Dressel ge- 
sammelt und letzterer abgeschrieben und chrono- 
logisch bestimmt hat. Das Ergebniss ist, dass die- 
selben sämmtlich entweder sicher oder mit grösster 
Wahrscheinlichkeit derZeitHadrians zuzuweisensind. 
Im Gegensatz also zu den bisher ausgesprochenen 
Vermuthungen, das Gebäude sei von Severus und 
Julia Domna gebaut, ist der Bau desselben in die 
Regierungszeit dieses Kaisers zu setzen, und so — 
aber auch nur so — erklärt es sich denn auch, dass 
die Gebälkinschrift der an der Seite des Eingangs 
angebrachten gleichzeitigen Kapelle {senatus popnlus- 
que roniariii[s] | pecimia publica faciendam curavil) 
spätestens in der Zeit Iladrians geschrieben worden 
ist. Die Veranlassung des gewaltigen Neubaues 
ist wahrscheinlich der Bau des Tempels der Venus 
und Koma. — Der Vortragende erklärte weiter- 
hin die Einrichtung des Peristyliura. In der Mitte 
desselben ist ein Kreis von legolini (welche holli 
der nachdiocletianischen Zeit tragen und also einer 
Ausbesserung angehören) und um diesen ein durch 
Radien mit ihm verbundenes Achteck von Mauer- 



werk erhalten. Innerhalb des Kreises haben tasti 
keine Spur von Mauerwerk ergeben: man wird hier 
eine Baumpflanzung anzunehmen haben. Ein in 
der Nähe befindlicher lacus mit Abfluss und stark 
geneigter Grundfläche wird, da ein Brunnen oder 
Wasserleitungsrohr nirgend in der Nähe zu finden 
ist, zur Aufnahme der aus den Quellen entnommenen 
aqua iugis vel quaelibel praelerqnam quac per ßslulas 
venil (Fest. 158. 160) gedient haben. Der Vortragende 
schloss mit dem Hinweise auf die einstweilen noch 
unlösbare Frage nach der Existenz der regia und 
sprach die Hoffnung aus, dass die Niederreissung 
der Kirche S. Maria Liberatrice die Entscheidung 
bringen werde. 

Herr Stevenson hatte einen Vortrag über Dar- 
stellung der Stadt Rom und römischer Monumente 
auf Zeichnungen, Siegeln und Gemälden des Mittel- 
alters und der Renaissance vorbereitet. Da er jedoch 
als Vertreter der römischeu Conimission bei der 
Eröffnung der Turiner Ausstellung festgehalten war, 
hatte Herr Gatti es übernommen, denselben zu 
verlesen. Nachdem er über einige Darstellungen 
gesprochen, welche ein Bild der Stadt gewähren 
sollten, wie man sie sich im 14. Jahrhundert dachte, 
zählte er diejenigen Abbildungen einzelner Gebäude 
auf, welche auf späteren Gemälden vorkommen. 
Der inhaltreiche Vortrag, welcher sich nicht wohl 
im Auszuge mittheilen lässt, wurde durch eine an- 
sehnliche Reihe von Photograpliien erläutert. 



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Sitzungsberichte. 



10 



Archäolog;ischc G 
Sitzung vom 15. Januar. Naelulem der 
Kassenbericht ev.xtattct und der vorjälirige Vorstand 
wiedergewälilt war, legt der Vorsitzende an ein- 
gegangenen Schriften vor: Lucy M. Mitchell, 
Hislory of aucieiit sciilpliirc ; Scliliemann, Troja; 
U. Nissen, Italische Landeskunde I; Ditten- 
b erger, Sylloge inscriptionnm graecarum ; Gil- 
bert, Topographie der Stadt Koni im Alterthum; 
K. R. Rhangabe, Häusliches Leben bei Uoiner; 
W lese 1er, GesciinitteneSteine des IV. Jahrb. n.Chr.; 
V. Head, Cobis of Aeltia and Zaukle; Loeschcke, 
Die Euncakrunosepisode bei Pausanias. — Herr 
Couze sprach über die Ergebnisse der seit Mai v. J. 
wieder aut'genomnieueu Ausgrabungen in Per- 
gamon. Da Herr Huniann den grösseren Theil 
des Sommers hindurch von der Expedition nach 
dem Nemrud-dagh in Anspruch genommen war, 
leitete in seiner Abwesenheit Herr Bohn die Ar- 
beiten unter Assistenz des Herrn Fabricius, wel- 
cher insbesondere die Copie der Inschriften be- 
sorgte. Der Vortragende hatte im November per- 
sönlich au Ort und Stelle von den Ergebnissen 
Kenntniss genommen und hob drei Hauptresultate 
der topographisch-monumentalen Untersuchung her- 
vor: 1. die sehr geförderte Aufklärung über die 
MauerumfassuDgen der Stadt in den verschiedenen 
Perioden ihres Bestehens, 2. die Nach Weisung der 
Lage der Agora oben am Stadtberge , und 
3. in der Nähe derselben am Westabhange unter 
dem Athenaheiligthume die Entdeckung des Tiieaters 
der Köuigs/eit. Hand in Hand hiermit wurden zwar 
keine Skulpturen selbständiger Bedeutung, wohl 
aber sehr zahlreiche Ergäuzungsstücke zu den be- 
reits hier im Museum betiiullichen Bildwerken ge- 
funden; noch kurz vor der jetzigen Winterunter- 
brechung der Arbeiten am 12. December die Figur 
eines jungen hinten überfallenden Giganten aus dem 
grossen Altarrelief. Die epigraphische Auslieute 
wurde nicht nur durch die Ausgrabung selbst, sondern 
auch durch Umschau in der modernen Stadt und 
der Umgegend beieiciiert. — Herr Kobert legte 
die Schrift von Milani vor: / frontoni di iin lempio 
luscatiico scoperti in Lnni, ferner eine von Eicliler 
gefertigte Zeichnung des im Garten von Pal Caß'arelli 
befindliehen Sarkophags, auf den zuerst v. Duhn 
aufmerksam gemacht hat (Ant. Bildw. inRom II2401). 
Der \' ortragende stimmte v. Duhn bei, welcher 
dieses Exemplar für den ältesten römischen Mar- 
morsarkophag erklärt. — Herr Hübner sprach 



esellschaft in Berlin. 

über die in den letzten sechs Jahren gemachten Fort- 
schritte unserer Kenntniss des röm ischen Grenz- 
walls und der römischen Niederlassungen 
und Strassen in Deutschland. Seit Kieperts 
grosser Karte des Limes ist der bairische und 
württenibergische Abschnitt desselben genau ver- 
zeichnet und in der Feststellung der zwischen Mitten- 
berg am Main und Hanau liegenden Strasse und 
der älteren Befestigungslinie auf badischem Gebiet 
ein erheblicher Fortscliritt gemacht worden. Für 
die Taunusstrecke wird v. Cohausens demnächst 
erscheinendes Werk neue Ergebnisse bringen; für 
Erforsciiung der Strasseuzüge längs beider Ufer des 
Stroms ist J. Schneider in Düsseldorf, für die rechts- 
rheinischen Fortsetzungen der Strassen und der 
Brücken E. aus'm Weerth, für Untersuchung der 
Verbindungen rheinischer Strassenzüge mit den 
Städten Galliens General v. Veith in Bonn und für 
Erforschung der eigenthümlichen Cultur desTreverer- 
Landes Hettner in Trier unausgesetzt thätig. Auch 
in den grossen Städten schreitet die Aufdeckung 
der römischen Bauten vorwärts: in Mainz sind ausser 
bedeutenden Resten der röm. Brücke Inschriftsteine 
in ziemlicher Zahl zum Vorschein gekommen (zu- 
sammengestellt in Kellers Nachfrag zum Becker- 
schen Katalog); in Regensburg und Köln (durch 
Mertz) ist die ursprüngliche Maueranlage nach- 
gewiesen. An zusammenfassenden Arbeiten besprach 
der Vortragende besonders K. Bissinger's Ueber- 
sicht über Urgeschichte und Alterthümer des badi- 
schen Landes und die für englische Leser bestimmte 
Schrift von Hodgkin in Neweastle: The Pfahlgraben 
u. 8. w., welche Veranlassung gab, auf die eifrige 
DurchforschuDg des römischen Walles in England 
hinzuweisen. 

Sitzung vom 5. Februar. Eingegangen waren: 
Steffen, Karten von Mykenai; ^Eifrjftegis Öqx III 'i\ 
Treu, Sollen wir unsere Statuen bemalen?; Hirsch- 
feld, Ausflug in den Norden Kleinasiens. ■ — Herr 
Jacobsthal sprach über die Entwickelungsge- 
schichte einer griechischen Ornamentform, 
welche weniger durch Grösse oder feine Ausbil- 
dung als (iurcJi die Häutigkeit ihrer Verwendung 
auffällt und in der römischen Kunst, der Re- 
naissance, ja selbst dem Mittelalter zu ornamen- 
talen Bildungen eisten Ranges Anlass gegeben hat. 
Das Ornament zeigt in seiner einfachsten Gestal- 
tung eine meist ausgebuchtete, auch wellige oder 

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71 



Sitzungsberichte. 



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zackige Blattscheide, die oben sich ausbreitend den 
Hintergrund für eine von dem untern Theil der 
Scheide umfasste Bliithen- oder Frucbtähre bildet. 
Der Vortragende gab zunächst an der Hand einer 
reichen Sammlung von Zeichnungen einen Ueber- 
blick über die allmälige, immer mannigfaltigere 
Ausgestaltung dieses Ornamentes in der antiken 
Plastik und Malerei, das schliesslich in der arabisch- 
mittelalterlichen Kunst zu dem sog. Grauatapfel- 
muster geführt hat, und wies dann in der Pflanzen- 
familie der Araceen, namentlich in der Blütben- 
und Knospenbildung des in den Oelwäldern Griechen- 
lands verbreiteten und im Kephisosthale zu enormer 
Höhe aufschiessenden Dracanculus vulgaris das 
unmittelbare Vorbild des Ornamentes nach. — Herr 
W. M. Ramsay legte in Abbildungen eine Reihe 
von Denkmälern kleinasiatischer Kunst vor, 
die er auf seinen Reisen entdeckt hat, darunter ein 
Relief aus Ibriz (beiC^'bistra-Heracleia inLykaonien), 
welches einen Gott mit Aehren und Trauben in den 
Händen (15' hoch) und ihm gegenüber einen reich 
gekleideten anbetenden Priester (9' hoch) darstellt, 
und ein Felsmonument in der Nähe der Strasse 
von Kutaya nach Kara Hissar. Ein isolirter Felskegel 
aus weichem phrygischem Gestein, 80' hoch, ist auf 
3 Seiten behauen. Die Vorderseite, oben mit einem 
Kreuz- und Mäandermuster teppichartig bedeckt, 
zeigt am Sockel zwei einander zugewandte Sphinxe, 
die Ostseite einen aufgerichteten Löwen, die West- 
seite einen schreitenden Greif. Den Hintergrund 
der Kammer, zu welcher ein schmaler Durchgang 
auf der Vorderseite führt, nimmt ein 8' hohes Bild 
der Kybele zwischen zwei aufrecht stehenden 
Löwinnen ein, die ibre Vordertatzen auf die Schulter 
der Göttin legen. Zum Schluss legte der Vortragende 
noch zwei kleinere griechische Denkmäler in Zeich- 
nungen vor: einen kleinen weiblichen Kopf, 1820 in 
Olympia gefunden, jetzt im Universitätsmuseum zu 
Aberdeen, und ein kleineres in Smyrna in Privatbesitz 
befindliches, in Pergamon gefundenes Relief, dar- 
stellend in bekanntem Typus die Adoration des 
reitenden Heroen, mit der interessanten Inschrift: 
delc« ldnoX).\iüi'inv veioxÖQog ^&rj\väg Nixt](fÖQ\ov 
r^QUJi IleQyä^Kt). — Herr H ü b u er besprach einen dem 
Kronprinzen auf seiner spanischen Reise geschenk- 
ten und von diesem dem köuigl. Museum über- 
lassenen römischen Bleibarren (ca. 40kg. 
schwer), welclier im Hafen von Carthago Nova ge- 
funden ist und die in Charakteren der augusteischen 
Zeit in die Gussform eingegrabene, auf dem Barren 
also erhaben ersclieinende Inschrift trägt: M. BAI . 



RVFI (Stempel mit Caduceus) FER, in welcher M. 
Raius Rufus den Besitzer des Bergwerks bedeutet, 
während das nicht sicher zu deutende FER (Ferox?) 
vielleicht den Aufseher desselben bezeichnet. — 
Zum Schluss gab Herr Engelmann von der 
Cornetaner Vase {Eon. delV Inst. 1881 T. 33), die 
von Körte auf Meleagers Auszug gegen die Ku- 
reten gedeutet ist, unter Herbeiziehung der Inschrift- 
vase Atmali 1860 T. J die Deutung auf Neopto- 
lemos' Auszug nach Troja: vergebens sucht ihn 
seine Mutter Deidameia zurückzuhalten, vergebens 
klagen die anderen Lykomedestöchter. Artemis 
ist als Beschützerin des jagdliebeuden Helden 
zugegen, wenn nicht vielleicht der Maler jener 
Sage gefolgt ist, welche Neoptolem zum Sohn der 
unter Artemis' Schutze stehenden Iphigeneia macht. 
— Das Vasenbild W^iener Vorlegebl. C 2 bezog der 
Vortragende auf den von Homer (II. II 305) ge- 
schilderten Vorgang in Aulis, wo eine Schlange das 
Opfer der Griechen störte: auf dem Bilde erscheinen 
Schlange und Platane in Stein verwandelt, nicht 
bloss wie bei Homer die Schlange. 

Sitzung vom 4. März. Eingegangen waren: 
Holm, Das alte Syrakus; Studuiczka, Ver- 
mutbungen zurgriechischenKunstgeschichte; Brunn, 
Pausanias und seine Ankläger; Soutzo, Sysihmes 
monetaires de l' Asiemineure et de la Grece ; der Auktions- 
catalog Collection Alessandro Castellani u. A. — 
Herr Trendelenburg sprach über das Verliält- 
uiss der Laokoon.gruppe zum Gigantenfriese 
des pergamenischeu Altars, indem er sich besonders 
gegen die von Kekule geltend gemachte Auffassung 
wandte, dass die Figur des Laokoon aus Motiven 
des Frieses abgeleitet, die Gruppe also jünger sei 
als der Altar. Einerseits sei die Uebereinstimmung 
der Motive in der Figur des Laokoon und des 
Athenagegners keineswegs eine so vollständige, wie 
sie auf den ersten Blick erscheine, da der Kopf, 
die Haltung der Beine und Arme, die Schlangen- 
wiuduugen, vor allem aber die Stelle des Bisses 
und sein Verhältniss zur Kopfneigung uiciit nur 
verschieden, sondern zum Theil entgegengesetzt 
seieu; andererseits sei die Haltuug des Laokoon, 
namentlich das von K. für unerklärlich gelialtene 
Herumwerfen des Kopfes, eine unumgängliche, der 
Natur mit bewunderungswürdigem Scharfblick ab- 
gelauschte Folge des Flankenbisses der Schlange, 
da jeder intensive Schmerz in der Seite eine Zu- 
sammenziehung des Körpers au dieser Stelle und 
als natürliche Folse davon eine Dehnung der Gegen- 



73 



Sitzungsberichte. 



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Seite bewirke, die ilirerscits wieder den Kopf zu 
einer Neig;ui]g nach der verwundeten Flanke hin 
zwinge: ein Verhältniss, welches beim Giganten ins 
Gegentheil verkehrt sei, insofern hier der Kopf nach 
der linken Seite gerissen werde, die Wunde da- 
gegen auf der rechten sich befinde. Könne unter 
diesen Umständen eine Ableitung des Laokoon 
aus Motiven des P'rieses nicht angenommen werden, 
so werde damit auch die hierauf gegründete öchluss- 
folgerung K's. über die Entstehung der Gruppe 
nach dem Altar hinlällig, eine Folgerung, die auch 
durch eine Vergleichung beider Werke in Bezug 
auf ihren künstlerisciien Charakter ausserordentlich 
unwalirseheiulich gemaclit werde. Wenn zwischen 
beiden ein Zusammeniiang existirc, was anzunehmen 
ein zwingender Grund durchaus nicht vorhanden 
sei, so könnlon nur die in Verarbeitung fremder 
Jlotive nicht eben wählerischen Verfertiger des Altar- 
frieses als Entlehnende angesehen werden; man 
miisste denn gerade zu der Annahme sicii verstehen 
wollen, dass in diesem einen Falle die Copie an 
lichtvoller Composition und strenger Beobachtung 
aller der Plastik eigentlüimlichen Gesetze dasOriginal 
ebensoweit übertrefl'e, wie sonst Copien hinter dem 
Original zurückzustehen pflegen. — Herr Dessau 
sprach über den Ursprung und die Bedeutung des 
von Dionys von Ilalikarnass (V 61) gegebenen 
Verzeichnisses der 30 altlatinischcn Bun- 
desstädte, von welcliem Niebuhr glaubte, dass 
es einer alten Urkunde (vielleicht dem von Sp. Cassius 
mit den Latinern abgeschlossenen Bündnissvertrage) 
entnommen sei, gegen welche Annahme von seinen 
Gegnern die auf antiken Denkmälern sonst nicht nach- 
zuweisende alphabetische Anordnung geltend gemacht 
worden ist. Nun giebt es aber mindestens noch ein bis- 
her überselienes Beispiel alphabetischer Reihenfolge 
auf einem öfi'eutlichen, zu Anfang der Kaiserzeit in 
Caere von den etruskischen Bundesstädten errichteten 
Denkmal, von welchem ein Fragment sich im Lateran 
befindet {An7tali 1842 tav. C). liier erscheinen die 
Schutzgottheiten dreier Städte nebeneinander in der 
Reihenfolge Tarquinii, Volci, Vetulonia, wofür nur 
die alphabetische Anordnung als Grund angesehen 
werden kann. Indess dürfen aus diesem der Kaiser- 
zeit angehörigen Denkmal nicht zu weitgehende Fol- 
gerungeu für die ältere Zeit gezogen werden. — Herr 
Hühner legte den Berieiit des Herrn F. Schneider 
in Mainz über „die Krypta des H. Paulinus in 
Trier" vor und besprach sodann einige amHadrians- 
wall in England neu gefundene inschriftliche 
Denkmäler, welche, von einer germanischen 



Völkerschaft herrührend, neue Namen germanischer 
Gottheiten kennen leinen, deren Deutung Prof. 
Scherer gegeben hat. Die Gottheiten sind Mars 
Thingsus fvon lliitig) und zwei weibliche, Alaesiagne 
genannt (und zwar mit den Invidualbczeiclinungen 
Beda und Fimmilena)\ die Weihenden nennen sieh 
Tuihanli (das sind, wie Scherer sah, die Bewohner 
der holländischen Landschaft Twentc) cires Germani 
ex cuneo Frisionim Severiatii Alexandriuni. Auf dem 
einen der Altäre und auf einem halbkreisförmigen 
Relief, welches wahrscheinlich die Front einer 
Aedicula schmückte, sind die Gottheiten in haud- 
werksmässiger Ausführung dargestellt. 

Sitzung vom 1. April. Nach Verkündigung 
der Aufnahme der Herren Graf Perpoucher und 
Dr. M. Schmidt legte der Vorsitzende u. A. vor: 
Salinas, Sigilli di crela rinremiii a Se/*«M«/e (Siegel, 
welche in Thon gedrückt und an Urkunden an- 
gehängt waren ; die Urkunden sind im Brande unter- 
gegangen, die Thonsiegel dagegen hart gebrannt 
und mit iiiren zum Theil sehr anmuthigen Gruppen 

— z. B. Aphrodite den Eros schiessen lehrend — 
nur um so besser erhalten); ders., Ricordi di Seli- 
nunte Crisüaua; Pottier, Elnde sur les lecijlhes blancs 
altiques; de Molin, De ara apiid Graecns ; Höpken, 
De thealro Allico saeculi a ehr. quinti; W ernicke. 
De Pausa7iiae sludiis Ilerodoleis ; Berliner, Beiträge 
zur Geographie und Ethnographie Babyloniens im 
Talmud nndMidrasch; Röscher, Lexikon dergriech. 
und röm. Mythologie Lieferung 1. 2. Ausserdem legte 
Herr Engelmann die 1. Lieferung des „kulturhisto- 
rischen Bilderatlas" von Th. Sciireiber vor, welchen 
er als willkommenes Hilfsmittel zur Kenntniss der 
kulturhistorischen Seite des Alterthums bezeichnete. 

— Herr Seh rader berichtete über eine von Mr. 
Ramsay in Cai)padocien aufgefundene Relief- 
darstellung, über deren fünfzeiliger Keil-Inschrift 
man das Bild der Sonnenscheibe sieht, rechts und 
links davon je einen Kopf im Profil und darunter 
einen thronenden Fürsten, welchem ein Staatsbeamter 
flehend die Hände emporhebende Männer, offen- 
bar Kriegsgefangene, vorführt. Hinter dem Für- 
sten stehen zwei Wedel haltende Eunuchen. Die 
untere Darstellung eriuneit an die bis in Einzelheiten 
hinein genau übereinstimmende auf dem Sanherib- 
Relief aus Kujjundschick-Niniveh und geht also auf 
diese ninivitische oder eine analoge assyrische 
als ihre Vorlage zurück, wogegen die Protilköpfe 
an die Darstellungen griechisch - römischer Kunst 
mahnen, ein Doppelcharakter, wie ihn allerdings 



75 



Sitzungsberichte. 



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auch kj'prisclie, pränestinisclie u. a. Denkmäler 
zeigen. Ohne auf die Frage der Aechtheit des 
Denkmals näher einzugehen, wies der Vortragende 
noch darauf hin, dass der assyrische Typus der 
unteren Darstellung dasselbe sehr bestimmt von den 
unter dem älteren babylonischen Einfluss ent- 
standenen Schöpfungen der sogenannten hethitischen 
Kunst unterscheide. Im Anschluss hieran gab der 
Vortragende einen Ueberblick über Hormuzd Eassam's 
Ausgrabungen zu Abu Habba in Xordbabylonien, 
dem babylonischen Heliopolis (Sipar-Sepharvaim in 
der Bibel)- Er wies insbesondere auf die Dar- 
stellung der Cella des Sonnengottes und einer die 
Verehrung des Sonnengottes veranschaulichenden 
Scene hin. welche nach der Inschrift in die Zeit 
des babylonischen Königs Nabu-pal-iddin, eines 
Zeitgenossen des assyrischen Königs Asur-nasir- 
abal (885—860 v. Chr.), gehört. — HerrRhangabe 
besjjrach zuerst die neuerdings in Samos auf- 
gegrabene Wasserleitung, deren Herodot III 60 
als eines der grössten Bauwerke Griechenlands er- 
wähnt: ein Tunnel von 3' Breite, '60' Höhe und 
4200' Länge, wahrscheinlich eines der von Aristoteles 
dem Tyrannen Polykrates zugeschriebeneu Werke. 
Er berichtete sodann auf Grund seines im December 
v.J. ausgefüiirten Besuches von Eleusis über die dort 
von der archäologischen Gesellschaft zu Athen vor- 
genommenen Ausgrabungen. Am S.O.-Abhang des 
eleusinischen Berges befindet sich ein 220' breiter, 
178' tiefer viereckiger Einschnitt, dessen drei 
Wände unten in 9 aus dem Felsen gehauene 
Sitze auslaufen. Der innere Raum ist mit 4 Reihen 
von je 7 dorischen Säulen besetzt, aus gelblichem 
Porös ohne Kanelierungen oder sonstigen Schmuck 
roll gehauen und nicht bestimmt , bei Tages- 
licht gesehen zu werden. Es war dies also die 
Kryi)ta zu dem von Iktiiios hcrriilireiiden Oberbau, 
zu welchem aussen an beiden Seiten oberhalb der- 
selben Stufen hinaufführten. Dass der Tempel hoch 
lag, beweist auch das oben auf dem Felsen ge- 
fundene Stück eines dorischen Marmorgesimses und 
die vonPlutarch erwähnten „oberen" Säulen. Oestlich 
stiess an das unterirdische Gemach die von Demetrios 
von Phaleron zugesetzte Säulenhalle, die in ihrer 
ganzen Breite aufgedeckt ist. Gewaltige polygone 
Substructionsmauern, die gleiclifalls aus Licht ge- 
zogen sind, gehören dem alten, von den Persern ver- 
brannten Tempel an. — Zum Schluss erläuterte 
Herr Curtius das von Herrn Gurlitt im Saale aus- 
gestellte, von Herrn Ast gearbeitete Thonmodell 
einer aus Myrina stammentlen und jüngst für das 



königl. Museum erworbenen Terrakotta: Zeus als 
Adler eine jugendliehe Gestalt entführend. 
Es ist der Typus des Ganymedesraubes, wie er in 
der venezianischen Gruppe und der Sabouroff'schen 
Spiegelkapsel vorliegt, nur dass das lang herab- 
fliessende Haar, die weichen üppigen Formen und 
das weite, lange Gewand die ganze Gestalt noch 
mehr ins Weibliche gezogen erscheinen lassen. Die 
Terrakottagruppe ist ihrer ganzen Autfassung nach 
von der des Leochares bestimmt unterschieden, da 
hier eine zärtliche Liebes-Umarmung dargestellt ist, 
während Leochares den Adler nur als Diener des 
Zeus aufgefasst hat. 

Sitzung vom 6. Mai. Der Vorsitzende Herr 
Curtius legte zunächst die eingegangenen Schriften 
vor: Wiedemann, Winckelmanns Urtheil über die 
aegyptische Kunst; R. Förster, Aualekteu zu den 
Persephonedarstellungen und berichtete dann ans 
einer Nummer der ^cpaiqa über die Auffindung eines 
Dionysostempels im Peiräeus, wobei eine ßeihe 
von Inschriften zu Tage gekommen ist. Die inter- 
essanteste darunter ist eine Weihinschrift an Dio- 
nj'sos in drei Distichen. — Herr Weil bringt den 
unlängst ausgegebenen 14. Band des 'E?.Xi]riKdg 
ifikoloyixng avlloyog in Constantinopel zur 
Vorlage, der in einem Beiheft eine Aufnahme der 
von Constantin errichteten , dann unter Tlicodosius 
und Heraklius verstärkten Landbefestigung Con- 
stautinopels enthält. Für die Geschichte des an- 
tiken Mauerbaus ist diese Arbeit von hervorragen- 
der Bedeutung, indem hier ein Beispiel der drei- 
fachen Ummauerung vorliegt, welche nach dem Be- 
richt des Appian auch bei der im Alterthum so viel 
gerühmten Befestigung Kartliago's angewandt war. 
Sodann behandelte Herr Weil den im vorigen Jahre 
bei Karystos auf Euboia gemachten Müuzfund, der 
ein bis dahin unbekanntes athenisches Tetradrach- 
mon enthält, auf dem neben dem AHE des Stadt- 
namens statt des zu erwartenden Magistratsnameus 
AEMOii; beigefügt ist. Da in dem Fund aucii die 
im mithradatischen Krieg vorkommenden Reihen 
athenischer Münzen vertreten sind, kann das Te- 
tradrachmon frühestens geprägt sein, als Sulla im 
Winter 86 — 85 zum zweiten Mal seinen Aufenthalt 
in Athen nahm, und in Folge dessen eine Re- 
stauration des athenischen Gemeinwesens eintrat. 
Von Wichtigkeit ist der Fund auch darum, weil 
er die bisher noch immer bestrittene Annahme, dass 
Athen seine Silberprägung über die Zeit des mithra- 
datischen Kriegs hinaus sich bewahrt habe, bestätigt. 



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Sitzungsberichte. 



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— Herr Fiirtwiliigier niaclitc Mittlieiluugeii über 
seine wegen der Auction der Sammlung- AI. Ca- 
stellani nach Rom unternommene Heise. Er be- 
dauerte die dureli die Umstände hervorgerufene ge- 
ringe Zuverlässigkeit des Cataloges in Bezug auf 
Provenienzen; für die sehr bedeutende Sammlung 
architektonisch verwendeter Terracotten hob er die 
untcrsclieidenden Kriterien der aus Caere, der aus 
Carapanicn und der aus Tarent stammenden her- 
vor. Als gesciiickte Fälschung, die ihren Be- 
sitzer selbst getäuscht hat, erklärte er nament- 
licli den bekannten angeblich aus Sicilien stam- 
menden grossen weibliclien Marmorkopf. — Herr 
Robert legte die Photographie eines im vorigen 
Jahre in der Nähe von Rom gefundenen Sar- 
kophags mit Darstellungen aus dem Theseus- 
mythus vor, auf dessen linker Seite das typische 
Schema der Abschiedsscene in nicht allzu glücklicher 
Weise auf Theseus und Aigeus (oder Minos?) über- 
tragen ist, während die rechte Hälfte zwei Scenen : 
Theseus Ariadne verlassend und Theseus nach ße- 
siegung des Minotauros enthält. Sowohl Theseus 
wie Ariadne tragen PorträtzUge. Der Sarkophag 
gehört etwa in die Mitte des 3. Jahrhunderts. Dann 
macht der Vortragende einige Mittlieilungen über 
Farbenspureu, die sich an den beiden im Besitze des 
Advokaten Aquari in Rom befindlichen Sarkophagen 
erhalten haben. Herr Trendelenburg sciilug für 



zwei Scenen des Theseussarkophages eine abwei- 
chende Erklärung vor. In der Eckgruppe rechts, 
welche aus Theseus (mit den Porträtzügeu des Ver- 
storbenen), Hermes und einem bärtigen, iiandwerker- 
mässig gekleideten Mann mit eigentliümlich wildem 
Gesichtsausdruck besteht, und welche Herr Robert 
auf das Minotauros- Abenteuer bezogen hatte, er- 
kannte er Charon, Hermes Psychopompos und den 
Verstorbenen, der zögernden Sclirittes jenen beiden 
folgt; die Abschiedsscene aber deutete er allegorisch: 
der unter Tlieseus Bilde dargestellte Verstorbene 
entscheidet sich bei der Wahl zwischen 'Hdnvrj und 
^QEtrj für letztere. Jene wird angedeutet durch 
Aphrodite, welche die Entscheidung erwartend den 
Finger ans Kinn legt, und Eros, welcher den Jüng- 
ling auf seine Seite zu bringen trachtet; diese durch 
die bekannte Figur der Virtus , durcii Athena und 
die mit einem Lorbeerkranz geschmückte Personi- 
fikation des Ruhmes. Die Entscheidung ist durch 
die Handbewegung des Jünglings veranschaulicht: 
er nimmt von seinem Vater Abschied, um der 
Virtus zu folgen. Herr Robert glaubte diese Deu- 
tungen als im Theseusmythus nicht begründet ab- 
lehnen zu müssen, wogegen Herr T. geltend machte, 
dass die mythische Darstellung hier nur dazu 
diene, Ereignisse aus dem eigenen Leben des im 
Sarkopiiage Beigesetzten unter dem Bilde des 
Theseus zur Anschauung zu bringen. 



Berichtigung. 



Jahrgang XLI (1883) Sp. 321, 31 ist nach 'er- 
hoben' folgender Satz ausgefallen: 'In 16 (Quarz, 
Dm. 0,027, Taf. 16, 7) ist derselbe Typus durch 
Doppelung zu einer wappenartigen Scene auf einem 



rundenSteinevereinigt'. EbendaZeile26 ist'Taf. 16, 7' 
zu streichen. Ferner ist Sp. 336, 14 'am unteren 
Rande' und Zeile 21 'den oberen Rand' zu lesen; 
ebenso Sp. 341, 22 'neben dem 1. Hinterbein'. 



79 



SO 



Bericht 

über die Thätigkeit des kaiserlich deutschen archäologischen Instituts vom 1. April 1883 bis 1. April 1884. 



Von Eom aus bereiste im abgelaufenen Rech- 
nungsjahre Hr. Heibig behufs arciiäologischer Er- 
kundung die Maremmengegend und nahm Aufent- 
halt in Corneto und Chiusi, desgleichen Hr. Mau 
für eine längere Zeit behufs eingehender Bericht- 
erstattung in Pompeji. Von Athen aus wurde eine 
Bereisung von Sanios durch Hrn. Fabricius veran- 
lasst, Hr. Dörpfeld auf Wunsch der Direction der 
dortigen Ausgrabungen auf kurze Zeit nach Perga- 
mon entsandt, Hr. Lolling mit Leitung von Ausgra- 
bungen am Arteniision auf Nordeuböa beauftragt. 

Die periodischen Publikationen des Instituts 
in Rom, Athen und Berlin haben ihren regelmässigen 
Fortgang genommen, von der Epliemeris epigraphica 
ist das erste und zweite Heft des 5. Bandes er- 
seliieuen. 

Von den sogenannten Serienpublikatiouen ist in 
diesem Jahre erschienen nur das 1. Heft der Fort- 
setzung der Gerhard'schen etruskischen Spiegel 
von den HH. Klügmann und Körte. — Für die 
Sammlung der römisciien Sarkophage beginnen 
wir wenigstens mit einer Anzalil fertig gestellter 
Probetafeln der Herausgabe näher zu treten ; nach 
der Anordnung des Hrn. Robert sind diese Tafeln 
von Hrn. Eiehler und in der kaiserlichen ßeichs- 
druckerei hergestellt. — Der Vollendung nahe ist 
der 2. Band der antiken Terrakotten von Hrn. 
Kekule unter künstlerischer Mitwirkung des Hrn. 
Otto. — Gefördert ist die Fortsetzung der Heraus- 
gabe etruskischer Asehenkistenreliefs durch 
Hrn. Körte. — Neu auf sich genommen hat das 
Institut die Sorge für Fortfüiirung der Sammlung- 
griechischer Grabreliefs, deren attischen Theil 
die kaiserliche Akademie der Wissenschaften in Wien 
zu veröfifentlichen im Begrifle ist. — Auch das Reper- 
tori um, mit besonderer Richtung auf die Vorarbeiten 
zur Herausgabe der antiken Statuen, ist von Hrn. 
Michaelis weitergeführt worden. — Von den atti- 
schen Karten sind nach früherem Erscheinen der 



ersten vier Blätter unter Leitung der HH. Curtius 
und Kaupert sieben neue, davon fünf fast vollendet, 
zur Herausgabe vorbereitet, drei andere werden ge- 
zeichnet, andere drei aufgenommen. — Die Technik 
der Herren vom grossen Generalstabe ist, wie diesen 
Karten, so auch den in diesem Jahre von Hrn. 
Steffen unter Mitwirkung des Hrn. Lolling heraus- 
gegebenen Karten von Mykenai und Umge- 
gend zu Gute gekommen. 

In Erfüllung testamentarischer Verpflichtung 
haben wir das 6. und 7. Heft der Darstellungen 
aus der heiligen Geschichte von Alex. Iwanoff 
erscheinen lassen. 

Die Plenarversammlung der Centraldirection 
wurde vom 9. bis 12. April 1883 abgehalten. Den 
erwählten HH. Fabricius, Kroker, Meier, Wolters 
und Moritz wurden durch das auswärtige Amt die 
fälligen Stipendien verliehen. 

Auch eine grössere Anzahl von Mitgliedern 
wurde dem Institute in diesem Jahre wiederum zu- 
gesehrieben. Es wurden zu Ehrenmitgliedern 
gewählt Seine kaiserl. königl. Hoheit der Erzherzog 
Rainer von Oesterreich und Seine Durchlaucht der 
regierende Fürst Johann von und zu Liechtenstein; 
zu ordentlichen Mitgliedern die Herren Sidney 
Colvin (London), R. Mowatt (Paris), F. Barnabei 
(Rom), ü. Semitelos (Athen), W. Goodwin (Athen), 
E. Graf von Vasonikeö (Wien), N. Dumba (Wien), 
Leblant (Rom); zu correspondirenden Mit- 
gliedern die Herren E. Fabricius (Athen), G. Wis- 
sowa (Breslau) J. Undset (C^hristiania), A. Tardieu 
(Herment), G. Tooilescu (Bukarest), L. Revon 
(Amecy), F. Baumgarten (Athen), G. Soteriu (Samos), 
Sophus Müller (Copenhagen), R. Koldewey (Ham- 
burg), A. von Doniaszewski (Wien), A. de Lorenzo 
(Reggio), Ch. Waldstein (Cambridge), D. Philios 
(Athen), L. Hauser (Wien), F. Bulic' (Spalato), 
A. Klitsche Baron de la Grange (Civitavecchia), 
L. Viola (Taranto), E. Pais (Caliari). Conze. 



ETRUSKISCHER KRATER AUS CAERE. 



(Tafel 5. 6.) 



Der Krater, dessen Darstellungen ich auf Wunsch 
der Redaction, für einen andern Bearbeiter ein- 
tretend, kurz /AI erläutern unternehme, wurde im 
Jahre 1877 von mir für das Antiquarium des kgl. Mu- 
seums 7-u Berlin erworben. Er stammt aus Cervetri, 
dem alten Caere, und gehört seiner Technik, Form 
und Decorationsweise nach zu jener Gattung von Ge- 
fässen etruskischen Fundortes, welche von A. Furt- 
wängler in den Atmali dell Itislitufo 1878 S. 80if. 
ausführlich besprochen und als theils von Athen aus 
importirt, theils in Etrurien selbst in Nachahmung 
attischer Gefässe verfertigt erwiesen sind. Derselbe 
hatte die Güte, mir bezüglich des vorliegenden 
Exemplares noch besonders zu bestätigen, dass es 
nach seiner Erinnerung dem von ihm in den Mon. 
d. Inst. X. 51 publicirten Krater von Nazzano nahe 
verwandt sei '). 

Die Darstellung der Vorderseite besteht ge- 
mäss dem speciell für Krater dieser Vasenclasse 
üblichen Schema aus zwei Reihen von Figuren, von 
denen die eine vielfach in die andere übergreift; 
die Mittelfigur, weichein einem beträchlich grösseren 
Maassstab gehalten ist als die übrigen, nimmt fast 
die ganze Höhe des Bildstreifens ein. Dem Ge- 
brauche dieser Gefässe entsprechend sind alle Figuren 
ausser der mittleren mit Perlenschnüren (theils mit 
nur einer, theils mit zwei sich kreuzenden) oder mit 
angehäugten Verzierungen ähnlicher Art um die Brust 
geschmückt, die Gewänder meist mit reich ornamen- 
tirten Rändern und eingestickten kleinen Kreisen 
verziert. 

') Furtwängler's Güte verdanke ich auch folgende Angaben 
überdasGefäss; Inv. No. 2583. H. 0,425 ; Durchm. 0,465. Eigen- 
thümlicher, glatt glänzender, doch nicht tiefschwarzer Firniss. 
Thon blttssröthlich, viel (meist verblasstes) Weiss aufgesetzt. 
Arcbiiolog. Zt^. Jahrgang XLll. 



Den Mittelpunkt des Ganzen bildet ein nach 
linkshiu sitzender, unterwärts mit dem Himation 
bekleideter, bärtiger Mann, der die L. an die Be- 
krönung eines Scepters gelegt hat (die R. ruht im 
Schoosse) und den Kopf einem rechts oben sitzen- 
den Satyr zuwendet. Dieser ist bärtig, kahlköpfig 
und nur mit einem am Halse zusammengeknoteten 
Fanther-Fell bekleidet. Ueber seinem Kopf kommt 
eine eigenthümlich gezackte Ranke zum Vorsehein, 
welche von einem Kranze herzurühren scheint, von 
dem an der Vorderseite nichts zu sehen ist. Er 
spielt mit den Fingern der Linken in den Saiten 
einer Schildkrötenleier {ipülleiv), während er in 
der R. das Plektron zum Schlagen derselben [xqoveiv) 
hält. Sein Blick ist nach linkshiu gerichtet, einem 
links von der Mittelfigur ihm gegenüber stehenden, 
unterwärts mit dem Himation bekleideten Jüngling 
zu. Derselbe ist von auffallend weichlichen Formen 
und hat langes Haar mit mehreren zierlich ge- 
ringelten, in den Nacken und an den Schläfen 
herabfallenden Locken ; vorn am Kopf sieht man das 
Ende eines Lorbeer-Kranzes. Er setzt den 1. Fuss auf 
eine (nicht angedeutete) Erhöhung des Bodens und 
streckt, den Oberkörper vorbeugend, den erhobenen 
rechten Arm und den auf dem Knie ruhenden 1. 
Unterarm gegen den Satyr aus, als sei er unge- 
duldig, die Leier aus der Hand desselben zu em- 
pfangen, um nun seinerseits seine Kunst zu zeigen. 
Es folgt auf derselben Seite ein nach linkshiu 
sitzender Satyr, wie sein Genosse nur mit einem 
Fell bekleidet, der den Kopf nach jenem zurück- 
wendet und mit der R. eine Flöte gegen ihn erhebt, 
als wollte er ihn auf dieselbe aufmerksam machen, 
während er in der L. eine zweite Flöte hält; vor sei- 
nem Kopfe ist ein (Epheu-?) Blatt von einem Kranze. 

6 



83 



G. Körte, Krater aus Caere. 



84 



Ihm entspricht auf der rechten Seite hinter dem 
die Leier spielenden ein dritter Satyr, der ganz 
nackt, beliränzt, den r. Fuss auf eine Bodenerhö- 
hung setzt und die Rechte mit nicht völlig klarer 
Geberde (des Beifalls oder der Besorgniss?) erhebt. 
In der unteren Reihe sieht man zwischen diesem 
und dem ersten Satyr einen Jüngling, welcher ste- 
hend nach oben hinschaut, als verfolge er auf- 
merksam den dort sich abspielenden Vorgang. Er 
ist bekränzt und mit der Chlamys bekleidet, an seiner 
1. Schulter lehnen zwei Speere. Es folgt zwischen 
ihm und den Füssen der Mittelfigur ein (ursprünglich 
mit aufgesetzten Farben gemalter) Eros, der mit 
dem einen Bein am Boden knieend zu spielen 
scheint — ein aus zahlreichen Vasendarstellungen 
des „schönen" Stils bekanntes Motiv. Weiter links, 
auf der anderen Seite der Mittelfigur sitzt auf einer 
felsigen Erhöhung des Bodens nach rechtshin eine 
mit dem Doppelchiton bekleidete Frau, welche sich 
in einem Spiegel beschaut, den sie in der L. hoch- 
hält, während die Rechte nach hinten ausgestreckt ist. 
Rechts von dem Jüngling endlich sieht man ein Reh ^ 
(nach rechtshin). Dasselbe schnuppert hinauf nach 
zwei Lorbeerzweigen, die ihm ein über dem rechten 
Henkel des Gefässes mit den Beinen nach aussen 
sitzender, mit grossen entfalteten Flügeln versehener 
und bekränzter Eros hinreicht. Ihm entspricht über 
dem 1. Henkel ein Kentaur, von ähnlicher Gesichts- 
bildung wie die Satyrn, welcher im r. Arme ein 
grosses Füllhorn trägt. Er liebt mit stark über- 
triebener und naturvpidriger Bewegung den linken 
Vorder- und den Hinterfuss derselben Seite und 
weist mit dem gleichfalls erhobenen Arm nach der 
Mitte hin. Ehe wir an eine Deutung dieser Dar- 
stellung gehen, wird es gut sein, zunächst die 
Rückseite zu betrachten. 

Die Mitte nimmt ein bärtiger nackter Manu 
ein, der auf einem untergebreiteten Gewand nach 
linkshin sitzt. Das Haar, welches in zwei zier- 
lich gedrehten Locken auf die Schultern herabfällt, 
schmückt ein Kranz aus Epheublättern, die 1. Hand 
liegt an einem an der Schulter lehnenden Scepter, 
dessen Bekrönung ähnlich ist wie an dem von der 
Mittelfigur der Vorderseite gehaltenen, dessen Schaft 



jedoch aus einer Narthexstaude besteht. Auf dem 
Zeigefinger der vorgestreckten Rechten balaucirt er 
einen Blitzstrahl. Die gewellten Linien, welche 
oben und in der Mitte zu beiden Seiten hinauf- 
laufen, sollen offenbar loderndes Feuer darstellen ^). 
Vor ihm steht eine Bacchantin in langem Chiton 
mit Ueberschlag, welche auf beiden in Brusthöhe er- 
hobenen Händen je ein Tympanon hält und den 
Blick der Mittelfigur zuwendet. Von ihrem 1. Arm 
hängt eine lange Tänie herunter. Von der anderen 
Seite naht sich in tanzender Bewegung ein Jüng- 
ling, der bis auf ein über die Arme herabhängendes 
Gewand nackt ist. Wie die Mitteifigur so trägt 
auch er zwei sich kreuzende Perleuschnüre um die 
Brust. Das Haar ist ebenfalls in mehrere zierlich 
gedrehte Locken geordnet, der hörnerartige Gegen- 
stand über der Stirn wird als das Ende eines Kopf- 
schmuckes oder Kranzes zu fassen sein; der An- 
nahme, dass wirkliche Hörner gemeint seien, wider- 
streitet die Form und Gabelung der fraglichen Linien. 
Die Mittelfigur, nach deren Bedeutung wir zu- 
nächst fragen, vereinigt in merkwürdiger Weise die 
Attribute des Zeus und des Dionysos. Diesem 
gehört das Narthexscepter und der Epheukranz im 
Haar und auch die ganze Art wie die Figur auf 
dem untergebreiteten Mantel sitzt, erinnert sehr an 
Darstellungen des jugendlich gebildeten Dionysos 
in der jüngeren Vasenmalerei. Dabei balaucirt die 
Figur in geradezu spielender Weise das Attribut des 
höchsten Gottes auf dem Zeigefinger der Rechten. 
Weist uns schon dieses Motiv darauf hin, dass wir 
es mit einem Product etruskischer Kunst zu thun 
haben, so wird diese Annahme bestätigt durch die 
Art der Kränze, welche die Mittelfiguren beider 
Seiten tragen. Dieselben bestehen otfenbar aus 
Blättern, die an einen Faden gereiht sind, und 
solche coronae sutiles ') kommen in der griechischen 
Vasenmalerei, soweit meine Beobachtung reicht, 
nicht vor, während sie auf etruskischen Vasen und 
Spiegeln häufig sind. 

'') Aelmlich auf Spiegeln, /,. 15. Gerhard Tal'. Sl, 2; 284, 
1; 325; 346; auch auf Vasen wie der r. f. llvdria aus Gela. 
ArehUol. Zeitg. 1870, Tat". 31, no. 23. 

3) Vgl. Uecker, Gallus III-, S. 319 fif. 



85 



G. Kürte, Krater aus Caere. 



86 



Es fragt sich nun, ob unsere Figur als Zeus mit 
Attributen des Dionysos oder als Dionysos mit dem 
Blitze des Zeus aufzulassen sei. Die Frage wird 
dadurch complicirter, dass in der etruskischen Vasen- 
malerei, natürlich der des Verfallstils, Dionysos 
zwar gewöhnlich unbärtig, jedoch auch bärtig dar- 
gestellt wird^), und zwar, wie es scheint, mit An- 
lehnung an den Dionysostypus der streng rothfigu- 
rigen Vasen, dem, wenn auch in freierer Weise, 
die künstlich gedrehten Locken entnommen sind, 
welche zu dem im Uebrigeu mehr als freien Stile 
dieser späteren Vasen in entschiedenem Gegensatz 
stehen*). Andererseits wird auf etruskisciien Spie- 
geln, wo Dionysos (Fufluns) stets unbärtig er- 
scheint*), mehrfach Zeus in Verbindung mit dem 
dionysischen Thiasos gesetzt oder iu seiner äusseren 
Erscheinung dem Dionysos augenähert. So ist Ger- 
hard 81, 2, wo Zeus eine Lasa umarmt '), ein kleiner 
Satyr mit Flöten zugegen; ein Narthexscepter hält 
er, ebenfalls einer Lasa gegenüberstehend, auf 
Taf. 281; mit dem Epheukranz ist der unbärtige 
Tinia geschmückt Taf 74. Ebendahin gehört es, 
wenn auf den von mir publicirten Vasen aus der 

■*) Mo», d. Inst. X, 51; Annali d. Inst. 1878 tav. d'agg. 
H; Geihaid, Trinkschalen u. Gef. 11, 29; I, 10, 3 (von G. 
irrig als Ikarios und Erigone erklärt, offenbar Dionysos und 
Ariadne; der Technik nach etruskisches Localproduct). — Uebri- 
gcns dürfte die liärtigkeit des Dionysos auf Vasen dieser 
Gattung kein sicheres Kriterium etruskischen Ursprungs sein; 
auch auf sicher griechischen findet sich Dionysos bärtig darge- 
stellt. Hierher gehört der aus Böotien stammende Kantharos im 
Varvakion (Collignon n. 563), welcher nach meinen vor dem Ori- 
ginal gemachten Bemerkungen ganz den Charakter dieser späteren 
Vasen zeigt, namentlich einen gelblichen Thon imd theils mit 
breitem theils mit ganz feinem l'iusel (die Anwendung der Feder 
in der Vasenmalerei halte ich nach den Aussagen eines sehr ge- 
schickten Nachahmers griechischer Vasen in Corneto nicht für 
wahrscheinlich) ausgeführte Zeichnung. Auch Cowpte-rendu 
1861, 4 und Arch. Zcitg. 1873, 14 sind hier zu nennen. 

') Dies ist auch in unverkennbarer Weise auf dem Krater 
von Nazzano, .Wo», d. I. X, 51 der Fall; besonders auffällig ist 
der Contrast Gerhard Trinksch. u. Gef. II, 29. Auch für die 
in der vorigen Anmerkung angeführten griechischen Vasen gilt 
die Beobachtung. 

') Die einzige Ausnahme Gerh. Taf. 305 ist nach Klügmann's 
Bemerkung von verdächtigem Aussehen, und die.<er Verdacht wird 
zur Gewissheit durcli die Thatsache, dass die Zeichnung der 
Taf. 87 fast genau (im Gegensinn) entspricht, nur dass dort Fufluns 
unbärtig ist. 

') S. Etrusk. Spiegel V Taf. 1 — 3. S. 10 f. 



Gegend von Orvieto °) Hades ein Scepter führt, 
welches völlig die Gestalt eines Thyrsos hat. 
Nicht als ob diesen äusserlicheren Annäherungen 
des Zeus und Hades an den Typus des Dionysos 
tiefe mythologische Gedanken und Bezüge zu Grunde 
lägen: vielmehr führte wohl das starke Hervor- 
treten bacchisciier Darstellungen in dieser jüngeren 
etruskischen Kunst die Künstler mehr unbewusst zu 
einer Uebertragung bacchischer Züge auf andere 
Göttergestalten '). Während aber in allen diesen 
Darstellungen die walire Bedeutung des betreffenden 
Gottes klar erkennbar ist, so bleibt in unserem Falle 
dieselbe zunächst zweifelhaft. 

Wenden wir uns, bevor wir eine bestimmte Ent- 
scheidung versuchen, wieder zu der Hauptdar- 
stellung zurück. Dieselbe erinnert in ihrer Gesammt- 
heit auf den ersten Blick au Darstellungen des 
bacchischen Thiasos mit dem jugendlich gebildeten 
Dionysos als Mittelpunkt '"). Die Mehrzahl der 
Figuren gehört dem bacchischen Kreise an, dem 
auch Aphrodite und Eros (die Erstere dürfen wir 
ohne Weiteres in der sich spiegelnden Frau er- 
kennen) nahe stehen. Stellt aber die Mittelfigur 
wirklich den Dionysos dar? Bei näherer Betrach- 
tung wird man diese Frage entschieden verneinen 
müssen. Allerdings führt Dionysos auch sonst ge- 
legentlich das Scepter (z. B. Man. d. I. X, 51), aber 
nicht ohne durch anderes, ihm ausschliesslich eigen- 
thümliches Beiwerk näher bezeichnet zu sein. Sol- 
ches fehlt hier durchaus, während es dem Künstler 
ein Leichtes gewesen wäre, dem Gott z. B. einen 
Kantharos in die freie Hand zu geben. Dies hat 
er nicht nur unterlassen, sondern diese Gestalt an- 
scheinend mit Absicht von der bacchischen Um- 
gebung unterschieden. Sie allein trägt keine Perl- 
schnüre um die Brust, ihre Haltung ist majestätisch 
und ebenso wenig für einen Dionysos passend, wie 
es das den ganzen unteren Theil des Körpers um- 
hüllende Himation ist. Ist aber nicht Dionysos, so 

8) Mon. d. Inst. XI, 4. 5. 

') Dies ist der Sinn der Anmerkung Ann. d. I. 1879. 
p. 303, 1, deren zweiter Theil durch uncorrecte Wiedergabe 
meines Manuscripts das Gegenthcil zu besagen scheint, wodurch 
die ganze Anmerkung sinnlos wird. 

'») Vgl. z. B. Mon. d. Inst. X, 3; Denkm. d. a. K. I[. 585. 

6» 



87 



G. Körte, Krater ans Caere. 



88 



kann nur Zeus gemeint sein, den das Seepter als 
König der Götter genügend cliaraiiterisirt. 

Schon oben haben wir aus der Beschreibung der 
einzelnen Figuren gesclilossen, dass eine bestimmte 
Handlung dargestellt sei. Der Satyr rechts und der 
Jüngling links von Zeus wetteifern im Leierspiel, 
die Gegenwart des Zeus verbietet, an eine gelegent- 
liche Uebung innerhalb des dionysischen Thiasos 
zu denken. So drängt sich die Deutung auf 
Apollo und Marsyas unwillkürlich auf. Erst bei 
dieser Deutung findet die Geberde des Satyrs zur 
Linken, welche so offenbar einen besonderen Sinn 
hat, eine genügende Erklärung. Er scheint seinem 
Genossen zuzurufen: das ist unser Instrument 
(die Flöte nämlich), warum versuchst du dich im 
Wettstreit auf einem fremden (der Leier), in dem 
du unterliegen musst! 

Es ist wahr, dass auf einem anderen etruski- 
schen Monument, dem Spiegel Gerh. Taf. 308, beide 
Instrumente in Gegenwart des Dionysos und der 
Ariadne (?) "), von je einem Satyr gespielt werden 
in einer Weise, dass man an eine Art Wettstreit den- 
ken kann. Wer aber beide Darstellungen mit ein- 
ander vergleicht, wird der grossen Verschiedenheit 
derselben leicht inne werden und erkennen, dass auf 
der Vase nicht nu einen Wettstreit zwischen den 
beiden Satyrn mit Leier und Flöte zu denken sei. 
Die übrigen Figuren fügen sich leicht der gegebe- 
nen Deutung. 

Der Jüngling in der Chlamys, welcher mit so ge- 
spannter Aufmerksamkeit den Vorgang verfolgt, ist 
Olympos, des Marsyas Schüler"). Aphrodite und Eros 
sind auch auf der Vase von Ruvo Arch. Zeitung 1869 
Taf. 17 bei dem Wettstreit zugegen. Als Richter 
fungirt Zeus selbst, wie er auf der oben citirten 
ruveser Vase in der Mitte der oberen Reihe zu- 
gegen ist. Ihn erkenne ich auch in dem bärtigen 
Manne mit Seepter, der von Stephani Comple rendu 
1862 Taf. VI, 2 publicirten Vase, welchen der 

") Gerhard meint, dass die Frau geflügelt sei; mir scheint 
eher, dass sie die L. innerhalb eines Obergewandes erhebe. 

''•') Ohne phrygische Mütze oder sonstiges Kennzeichen des 
Asiaten erscheint derselbe auch auf den Vasen Mon. II, 37 und 
Arch. Zeitg. 18ÜM, Taf. 18, sowie auf mehreren pompejanischen 
Wandgemälden. 



Herausgeber als einen „Bewohner von Nysa" deutet 
(S. 116) "). Dass der Mythus den etruskischen 
Künstlern nicht unbekannt war, zeigen die Spiegel 
Gerhard Taf. 295 und 296, welche die Vorberei- 
tung zur Schindung des Marsyas darstellen. 

Zugegeben werden muss freilich, dass der von 
uns als Apollo gedeutete Jüngling vom Künstler 
nicht völlig deutlich als solcher gekennzeichnet ist, 
wenn auch das Aeussere desselben zu dieser Deu- 
tung recht gut stimmt. Ihn etwa als Olympos zu 
deuten, verbietet der Jüngling links unten, welcher 
dann unerklärt und überflüssig bliebe. Auch glaube 
ich, dass durch die Gegenwart des Zeus und durch 
die Motive der übrigen Figuren die Deutung auf den 
Wettstreit zwischen Apoll und Marsyas genügend 
gesichert ist. Unter den übrigen Darstellungen 
dieses Mythos steht der unsrigen die Vase Mon. d. 
Inst. VIII, 42 am nächsten. Michaelis '^) hat er- 
kannt, dass es sich dort um einen Wettkampf auf 
der Leier zwischen Apoll und Marsyas handele. 
Unsere Vase gewährt ein zweites Beispiel dieser 
von der gewöhnlichen Ueberlieferung abweichenden 
Darstellung des Mythos. Dass diese auf einer be- 
sonderen Form der Sage beruhe, wonach Apollo 
von dem Satyr eine Probe im Leierspiel verlangt 
habe, glaube ich freilich nicht. Vielmehr scheint 
mir die Abweichung von der gewöhnlichen Sagen- 
form lediglich auf Rechnung des Künstlers zu setzen, 
dem nur im Allgemeinen die Vorstellung von der 
Künstlerüberhebung des Marsyas und seiner Gegner- 
schaft gegen den Gott des Leierspieles vorschwebte 
und dem die nicht seltenen Gestalten leierspielender 
Satyrn geläufig waren. Es scheint mir, dass diese 
Auffassung durch den etruskischen Ursprung un- 
serer Vase an Wahrscheinlichkeit gewinnt. 

Was endlich die Deutung der Rückseite betrifft, 
so werden wir in der Mittelfigur auch hier den 
Zeus zu erkennen haben. Die Verschiedenheit 
seiner äusseren Erscheinung von dem Zeus der 
Vorderseite erklärt sich durch den verschiedenen 
Cliarakter beider Darstellungen und die verschiedene 

") Die Abbildungen einer anderen von Stephani citirten 
Vase mit einer ähnlichen Gestalt (Gerhard, Ant. 15ild\v. 27; 
lil. (;&. II. t)4) sind mir nicht zur Hand. 

'*) Arch. Zeitg. 1869, S. 42. 



89 



A. roiizo, Goldsclinmok. 



90 



Rolle, welche Zeus dabei spielt. Dort ist er der 
Richter in einem wichtigen und denkwürdigen Wett- 
streit, hier der fröhliche Genosse baccliischer Lust. 
Ob diese Gegenüberstellung vom Künstler beabsich- 
tigt sei, lassen wir dahingestellt sein; dass er den 
Zeus auch auf der Rückseite darstellen wollte, 
scheint doch der Blitz zu beweisen; denn sichere 
Beispiele der Ucbertragung dieses Attributes auf 
andere Götter, ausser auf die im Gigantenkampf ge- 
dachte Athene, sind mir nicht bekannt ' ■■). Auch diese 



") Auf dem Rande eines Spiegels von Palestrina, im Besitze 
des Herrn Dutuit in Ronen {Gaz. urchiol. 1878, pl. 17. 18), 
sieht man in der oberen Hallte ein Gelage von 5 männlichen 
Figuren, von denen 4 unbärtig sind; einer der Zecher trinkt aus 
einer Phiale, so dass die untere Hälfte des Gesichts verdeckt ist. 
Er hält im 1. Arm den Blitzstrahl. Was man vom Gesicht 
sieht und die Umgebung würde eher zum Dionysos als zum 
Zeus passen. Am 1. Ende der Darstellung bläst eine jugend- 
liche, ganz nackte männl. Figur die Doppelflöte, ihr Kopf scheint 
vorn kahl. Wahrscheinlich ist es ein jugendlicher Satyr. 



Darstellung gehört also unter die oben angeführten 
Beispiele der Annäherung des Zeus und Hades an 
den Dionysos ^ für das umgekelirte Verfaiiren fehlt 
es eben an Beispielen. In dem tanzenden Jüngling 
zur Rechten möchte ich den Gott des Weines selbst 
erkennen; an sich istesaucli möglich, einen mensch- 
lichen Thiasoten in demselben zu sehen. 

Schliesslich möchte ich darauf hinweisen, dass, 
wenn der vorstehende Deutungsversuch in manchen 
Punkten der völligen Sicherheit entbehrt, dies eben 
in dem etruskischen Ursprung des Gefässes seinen 
Grund hat. Ist es schon an sicii schwer, in dem 
Bestreben, den Gedanken der Künstler nachzu- 
gehen, die richtige Grenze inne zu halten, so gilt 
dies besonders von den etruskischen Erzeugnissen, 
deren Verfertiger sich den Gestalten- und Gedanken- 
kreis einer fremden Kunst in mehr äusserlicher 
Weise angeeignet haben. 

Rostock. G. Körte. 



G0LD8CHMUCK KLEINASIATISCHER FUNDORTE. 



(Tafel 7.) 



Wir haben auf Tafel 7 nach Zeichnungen Karl Hu- 
manii's die Abbildung eines Goldschmucks gegeben, 
welcher sich im Jahre 1882 noch vollständig im 
Besitze des Herrn Lawson in Smyrna befand, nach 
dessen Angabe er am Golf von Eläa gefunden ist. Im 
Winter 1883 sah ich nur noch das Diadem bei Herrn 
Lawson und konnte so die Zeichnung Humann's, 
zu deren Controle auch noch eine Photographie auf- 
genommen wurde, mit dem Originale vergleichen. 
Mit den übrigen Gegenständen war das nicht mehr 
möglicli; sie waren bereits in anderen Besitz, un- 
nachweisbar wohin, übergegangen. 

Es kann keinem Zweifel unterliegen, dass das 
Ganze aus einem Grabe als Schmuck einer weib- 
lichen Verstorbenen stammt. Leichte Waare, zum 
Gebrauch im Leben ungenügend, eigens für den 
Todtenschmuck augefertigt, hat es diesem Zwecke 
über Jahrtausende hin entsprochen. 



Das Diadem (n. 1) ist aus dünnem Goldblech ge- 
macht. Es hat an jedem Ende einen Schlitz zur Durch- 
fuhrung eines Bandes und zur Befestigung am Kopfe 
der Todten. Das zierliche Palmettenornament ist 
von der Rückseite eingepresst; es wiederholt sich 
nach beiden Seiten hin symmetrisch, doch mit 
derjenigen Freiheit, welche das griechische Orna- 
ment vor Langweiligkeit bewahrt. Auf den bei- 
den Seitenvoluten der Mittelpalmette sitzen, ein- 
ander entsprecliend, nach aussen gekehrt, zwei 
geflügelte weibliche Wesen; von ihrer Bekleidung 
mit einem langen Chiton sind Spuren an den 
Beinen noch eben kenntlich. Sie hatten eine jede, 
das eine Mal in der rechten, das andere Mal in der 
linken Hand, eine brennende Fackel mit breiter 
Manchette, ein Geräth, über welciies wir ßötticher 
eine Zusammenstellung in dieser Zeitung XVI, 1858, 
Taf. CXVII, S. 199ft". verdanken. Den Ursprung 



91 



A. Coiize, Goldschnmck. 



92 



dieser hier ornamental verwendeten Gestalten möchte 
ich im dionysischen Kreise mit Bezug- auf dessen 
nächtliche Feiern suchen. 

Als aus noch dünnerem Goldbleche wie das 
Diadem gearbeitet bezeichnet Humann die neun 
viereckig eingerahmten Plättchen, n. 2 — 7 unserer 
Tafel, von denen n. 5 doppelt, n. 7 dreifach vor- 
handen war; Huniann meinte, dass auch n. 2 und 4 
Wiederholungen aus derselben Form sein könnten. 
Unregelmässig eingeschlagene Löcher dienten offen- 
bar zum Aufheften dieser Plättchen auf irgend- 
welches Kleidungsstück, ein Verfahren, für welches 
uns die südrussischen Gräber so besonders zahl- 
reiche Belege geliefert haben (vergl. z. B. Compte 
rendu pour fannee 1864, S. 181 f. zu Taf. V, 6 — 9. 
1865, S. 49 zu Taf. II, 7—9). Von den eingepressten 
Köpfen erkennt man n. 5 und 7 leicht als tra- 
gische und komische Maske, n. 6 vielleicht als 
Silen, während ich n. 2 und 4 wie n. 3, zumal 
allein nach der Zeichnung, nicht zu bestimmen 
wage. 

Den Schmuck der Todten vervollständigte ein 
Halsgehänge, von welchem die unter n. 8—12 ab- 
gebildeten runden Goldplättchen herrühren, welche 
mit einer Oese zum Aufreihen auf einer Schnur ver- 
sehen sind. Humann giebt an, dass sie etwas 
stärker als die Plättchen n. 2 — 7, und dass ihrer 
neun waren; er bezeichnet diejenigen nicht, welche 
von den fünf abgebildeten etwa wiederholt vor- 
handen waren. Audi hier bildet jedes Mal ein eiu- 
gepresster Kopf oder vielmehr ein Brustbild den 
Zierrath, kenntlich n. 9 als Helios, n. 10 anschei- 
nend als Athena, n. 12 als Eros. 

N. 13a und 13b sind ersichtlicher Weise die 
Ohrringe, in der Zeichnung anders gestellt, als sie 
im Ohre hängen würden. Nacii Humann's Angabe 
waren auch sie von Gold und in den dünnen 
Theilen massiv, in den phantastischen Tiiierköpfen 
hohl gearbeitet. 

Endlich n. 14 zeigt einen massiv goldenen Finger- 
ring, auf seiner Platte erhaben einen Athenakopf 
mit dreibuschigem Helme. 

Das Diadem ist auf unserer Tafel ein wenig 
verkleinert; es misst 0,33 M. in der Länge, inmitten 



in der Höhe 0,075 M. Die übrigen Stücke sind in 
ihrer wirklichen Grösse abgebildet. 

Ausser diesem allem Anscheine nach zusammen- 
gehörigen Schmucke sah ich im Besitze des Herrn 
Lawson noch vier kleine Diademe, etwa 0,15 bis 
0,19 M. lang, mit Löchern an beiden Enden zur 
Befestigung, wohl von Kinderleichen lierrtthrend. 
Dem dünnen Blatt ist jedes Mal etwa dasselbe ein- 
fache Epheuornament eingepresst, wie es hierneben 
skizzirt ist. 




Wir haben die Gelegenheit benutzt, mit die- 
sem Lawson' sehen Goldschmucke, den Humann's 
Zeichnungen noch gerade vor seiner Zerstreuung 
als ein Ganzes bewahrt haben, ein ähnliches 
Todtendiadem der Aufmerksamkeit der Archäo- 
logen näher zu rücken. Es wurde in der Samm- 
lung Calvert an den Dardanellen, als aus Abydos 
herrührend, von Stark bemerkt (Nach dem griech. 
Orient S 379), von Alois Hauser daselbst im Jahre 
1873 gezeichnet und von ihm in Teirich's Blättern 
für Kunstgewerbe B. V, Heft 4 herausgegeben. Da- 
nach ist untenstehende Abbildung verkleinert herge- 
stellt. Hauser's Zeichnung ist in natürlicher Grösse 
gehalten, 0,285 M. lang, in der Mitte 0,06 M. hoch; 
Stark giebt die Länge auf 0,29, die Höhe auf 0,03 
an. Das in das Blech eingepresste Ornament zeigt 
reiche figürliche Bestandtheile. Wie ich bei dem 
grösseren Lawson'schen Diadem nur vermuthen 
konnte, wozu aber auch der Epheuschmuck der 
kleineren Diademe daselbst passt, sind hier die 
Haui)tfiguren deutlich dem an Beziehungen zum 
Todtenkultus ausgiebigen bacchischen Kreise ent- 
nommen. Dionysos und, um einen geläufigen Namen 
zu gebrauchen, Ariadne, beide, er in seiner rechten, 
sie in ihrer linken Hand mit dem Thyrsos, neben ihm 
der Pantlier, sitzen auf dem Blattkelch in der Mitte, 
in ornamentalem Sichentsprechen gru])pirt, nicht 
ganz unähnlich wie die beiden Mittelgestalten auf 
dem Sarkopliage Casali (Matz-Duhn, n. 2344, jetzt 



93 



ü. Löschcke, TganiZm. 



94 



in Kopenliagener Privatbesitz). Jederseits sitzen 
weiterhin auf dem Ranivenwerk entlang in etwas 
einförmiger Anordnung- vier weibliche Gestalten, 
alle musicirend, je drei auf dem Trigonon, je eine 
auf der Kithara. Von der Rolle zum mündlichen 



Vortrage, welche nach Stark's Angabe je eine beider- 
seits halten soll, sehe ich nichts. 

Die Si'immtlichen hier zusammengestellten Todten- 
schmucksachen rühren gewiss aus hellenistischer Zeit 
her; dafür spricht die Formenbildung. 

A. C. 




TPAPEIAI. 



Die einzigen Grabmäler, die Demetrios von 
PhaleroL gestatten wollte, waren nach Cicero 
Legg. II 26, 66: „eine kleine Säule, nicht höher als 
3 Ellen" oder „ein Tisch" oder „ein kleines Becken." 
Die columellae müssen entsprechend den columnae^ 
von denen unmittelbar vorher bei der solouischen 
Gesetzgebung die Rede ist, als kleine aifjXai ge- 
fasst werden, also schmale Platten, deren Höhe auf 
3 ni]X£ii:, knapp l'/, Meter, beschränkt wird. 

Was sind aber tnensae und laheUa? 

Ich nehme als selbstverständlich an, dass De- 
metrios keine neuen Formen für Grabmäler erfunden, 
sondern die Anwendung der vorhandenen auf die ein- 
fachsten und deshalb — trotz allem Luxus — ohnehin 
schon verbrfeitetsten I)eschränkt hat. Es ist daher zu 
erwarten, dass mensae und labeltu in unserm Vorrath 
sepulcraler Sculpturen des IV. Jahrhunderts einen 
breiten Raum einnehmen. 

Becker-Goel 1 ') erklären die mensae für Würfel 
oder andere viereckige Steine, die oben eine glatte 
Fläche darboten, während an den Seiten sich vielleicht 
Reliefs befanden. Uebereinstimmend hiermit glaubt 
sie Herr St. Kumanudes'O iu oblongen, kasten- 
oder tischartigen Grabaufsätzen mit Sockel und Sims 
wiedererkennen zu dürfen, wie sie mehrfach bei 

') Charikles 111 S. 147. 

■) 'fCTiiyn. (jtnvußioi \<. XVI. Ein Exemplar ist abgebildet 
Curtius u. Kaiipert, Atlas von Athen Bl. IV hinter 111. 



Hagia Triada ausgegraben worden sind^). Aber 
bei seiner Inventarisirung der Antiken Athens hat 
L. V. SybeP) nur 11 derartige Monumente vor- 
gefunden, und diese vertheilen sich nach Ausweis 
der Inschriften auf drei Jahrhunderte; drei von 
ihnen gehören überdiess derselben Familie an. Jene 
tisch artigen Aufsätze sind also nur eine vereinzelt 
auftretende Form des Grabmals, was sich bei ihrem 
schwerfälligen , lastenden Charakter leicht erklärt. 
Ja ursprünglich waren sie, wie es scheint, nicht ein- 
mal als selbständiger Grabschmuck gedacht, sondern 
dienten nur als Untersatz für marmorne Grabvasen. 
Bei den Nummern 3348 — 50 Sybel's sind die Füsse 
dieser Vasen noch auf der Oberfläche erhalten, bei 
2486, 2502, 2514 ist als Ersatz für die nie auf- 
gestellte Vase an der Seite eine Amphora in Contur 
eingerissen. Andere, künstlerisch mehr selbständige 
Reliefs finden sich an diesen Monumenten nie: sie 
machen einen fast ärmlichen Eindruck. 

Dies Alles steht nicht im Einklang mit dem was 

^) Stark und B lii mn er zu Uerniauns Lehrbuch d. Griech. 
Privatalterthümer S. 3S;3 verweisen auf Becker, Kumanudes und 
V. Sybel, ohne Eigenes zu bieten. Blass, Att. Beredsamkeit II 
S. !)1 denkt an Tische oder tafelförmige Untersütze mit Statuen. 
Aber dann wären doch die Statuen die Hauptsache und man 
würde das Ganze nicht iitiinfLai, mensae genannt haben. Ziemlich 
das Richtige steht bei Cavedoni, Bullet, dell' Inst. 1857 [). 140 
und in l'assows Wörterbuch s. v. 

*) Skulpturen z. Athen S. XI. 



95 



G. Lösehcke, Toänt'Cat. 



96 



wir sonst über rgänsCat als attischen Grabsclimuck 
wissen. Wir sind darüber verliältnissmässig gut unter- 
richtet durch die kostbaren Bruchstücke der vielleicht 
vonPolemon revidirtenGräberperiegese des Diodoros, 
die sich in den Lebensbeschreibungen der 10 Redner 
erhalten haben. Aus ihnen ergiebt sich, dass die 
TQaneCa, wie ich schon aus dem Gesetz des De- 
metrios glaubte folgern zu müssen, wohl die ver- 
breitetste Form des Grabmals im IV. Jahrhundert 
gewesen ist. Männer- undFraueu-, Staats- und Privat- 
gräber sind damit geschmückt, und manche wohl- 
habende und gebildete Familie wählt sie ausschliess- 
lich als uvfj^ta für ihre Angehörigen. So standen 
zgäne^lai auf den Staatsgräbern des Lykurg und 
seiner Söhne '^), sechs zgänsCai auf den Gräbern 
der Angehörigen des Isokrates, und auch dessen 
Grab hatte eine eigene rganeCa, obgleich es ausser- 
dem noch durch die Säule mit der Sirene aus- 
gezeichnet war'^). Figürlicher Schmuck war an 
ihnen häufig. Die auf den lykurgischen Gräbern 
aufgestellten heissen a. a. 0. nsnmtjintvai „kunst- 
voll gearbeitet", und welcher Art die Darstellungen 
waren, zeigt das schon erwähnte Grabmal des 
Isokrates, auf dem man den Redner sah umgeben 
von den hellenischen Dichtern und von seineu 
Lehrern — unter diesen Gorgias auf eine Himmels- 
kugel blickend — , also den Verstorbenen im Eiysium 
in Mitten seiner Geistesverwandten, genau wie wir 
ihn in Mitten seiner Blutsverwandten auf den uns 
erhaltenen Grabreliefs dieser Epoche zu sehen ge- 
wohnt sind'). 

Ich brauche es wohl kaum auszusprechen, dass 
ich in diesen Grabreliefs, speciell den von minder 

5) Vit. X. or. p. 842 E. 

6) a. a. 0. p. 838 C. 

') Mit mehr Recht als auf die Vase der Myrrhine, die 
Benndorf in den Mitth. d. Inst. IV S. 183 schön erklärt hat, 
hätte sich Ravaisson für seine Annahme, dass die attischen 
Grabreliefs Scenen im Eiysium darstellen, auf die rgecTif^« des 
Isokrates berufen können und auf die Dichterstatuen beim Grabe 
des Theodektes (Vit X. or. 837 D). Aber gerade diese Dar- 
stellungen auf den Gräbern von „Geisiesheroen" des IV. Jahrhun- 
derts, charaktcrisiren sich als Ausnahmen von altattischer An- 
schauung und Vorläufer hellenistischer Denkweise. Auch in for- 
meller Beziehung scheint sich das Grabrelief des Isokrates von den 
gewöhnlichen, an phidiasischer Tradition festhaltenden Grabreliefs 
unterschieden und einen für seine Zeit modernen, dem hellenisti- 
schen sich nähernden Charakter getragen zu haben. Wenigstens er- 
innert die Darstellung der o(/ «('yn iimi>oXoyiyt.ij unmittelbar an das 
hellenistische Relief aus ScherschelArch. Zeit. 18G2 Taf. CLXVI, 1. 
Ob der Umstand, dass Isokrates, wie es scheint, in Eleusis ge- 
weiht war, auf den Schmuck seines Grabes von Einfluss gewesen 
ist, lässt sich noch nicht sicher entscheiden. 



gestreckter Form im Gegensatz zu den schlanken 
an^lni die Denkmälergattung sehe, die Demetrios 
und die Periegeten als TganeCai bezeichneten und 
der auch wir diesen Namen wiederzugeben haben. 
Fast möchte es selbstverständlich scheinen, dass 
ein Schmuck, der — ein Höchstes in seiner Art — 
uns noch heute durch stillen Zauber die Metoiken- 
gräber an der Piräischen Strasse weiht, dem vom 
Volke geschmückten Hügel eines Eteobutaden nicht 
gefehlt hat. Aber auch wer für solche Argumentation 
unzugänglich ist, wird durch die bezeugte weite 
Verbreitung der TgänsLai und durch die Art ihres 
Bildschmucks gedrängt, sie mit jenen Reliefs zu 
identificiren. Und ihre Benennung igansl^vti d. h. 
nicht, wie Cicero übersetzt hat, metisae sondern 
iabulae, nicht „Tische" sondern „Tafeln", steht damit 
in bestem Einklang. Denn neben den Tischen 
älterer Form mit vier hohen Füssen, verwendete 
man in Athen auch starke oblonge Platten, die un- 
mittelbar auf den Fussboden gelegt wurden, als 
Tische*). Brauchte man sie nicht, so standen sie 

') Ein gutes Beispiel aus dem IV. Jahrhundert bietet der 
Deiuos der Sammlung Saburoff, herausgegeben von A. i'urt- 
waengler Taf. LVII. Vergl. auch die Kindertischchen bei 
Ileydemann G. Vb. XII 9. 10. Für frühere Zeit wird diese 
Form des Tisches bezeugt durch die Gestalt des Altars auf der be- 
kannten Lekythos Mi Hingen, Arte, mied, mon. pl. 29 = Welcker, 
A. D. III Taf. XVII, 1 : Nike mit Scepter und Aphlaston in den 
Händen vor einem ganz niedrigen Altar stehend, auf dem als 
Opfergabe ein Apfel liegt. Ich glaube übrigens, dass dieses 
Vasenbild uns über die Form des Altars der Athena-Nike auf 
dem Pyrgos belehrt. Der Apfel weist deutlich auf die Cultstätte 
dieser Göttin hin (Kekule, die Reliefs a. d. Balustrade d. Athena- 
Nike S. 25) und ein höherer, mehr würfelförmiger Altar würde 
den ohnehin so beschränkten Raum vor dem Tempel noch mehr 
beengt haben. Da die Nike in ihrer abgeschlossenen Composi- 
tion und mit ihren ungewöhnlichen Attributen ganz den Ein- 
druck macht nach einem statuarischen AVeihgeschenk für einen 
Seesieg gezeichnet zu sein, so legt es der Stil des Bildes nahe 
als Vorbild an die eherne Nikestatue zu denken, die nach 
Paus. IV 36, 6 die Athener zum Andenken an die Land- und 
Seekämpfe bei Sphakteria auf die Burg weihten. Sollten die 
sinnlosen Buchstaben an dem Altar: KO0V^ (der fünfte 
ist unsicher) durcheinander geworfene Elemente des Namens 
KiiQvij i'iaiov sein? Gelegentlich mag noch an eine andere Vase 
erinnert werden, auf der eine Figur der Grosskunst copirt zu 
sein scheint: die Florentiner Oenochoe mit der reitenden Selene, 
publicirt von Ileydemann, Mittheil. a. d. Antikensammlungen 
in über- u. Mittelitalien Taf. III, 2. Das Vorbild war hier die 
Selene in der Pandorageburt an der Basis der Parthenos, deren 
Pferd, nach Ausweis der Lenormant'schen Statuette, ganz wie es 
das Vasenbild zeigt, den Kopf bis zur Erde neigte. Dies schöne 
Motiv, das die Composition so leise ausklingen lässt, löst die 
Schwierigkeit, Selene nicht scheinbar gegen den seitlichen Rand 
anreiten zu lassen, in einer des Phidias würdigen Weise und 
vollendet die Responsion mit dem steil aufsteigenden Gespann 



97 



G. Lösclickc, l\jdntZ(u. 



98 



vcrniutlilicli, g-anz wie es bei eutspreclienden Tiscb- 
platten aucli licute in Griecbenlaud landesüblich ist, 
auf der sclinialen Kante gegen die Wand gelehnt und 
forderten in dieser Aufstellung den Vergleich mit 
den Iteliefiilatfen der Griiber gleichsam heraus. 
Zuerst wird man die Grabsteine mit horizontalem 
Abschluss, wie dasKeliefdessalaminischenJüngliugs, 
der mit Katze und Vogel spielt (v. Sybel 7()) oder 
das Gemälde auf dem Grabe des Agathon (Curtius- 
Kaupert Atlas Bl. IV, VI), als iqämtai bezeichnet 
haben. Aber auch bei den mit flachem Giebel ab- 
schliessenden Steinen, von Hegeso und Dexileos 
bis Demetria, ist die Grundform doch so ausge- 
sproclien tafelförmig, dass man leicht versteht, wie 
sie unter den Namen iQam'Cai einbegrifi'eu werden 
konnten. Es ist nun ganz unglaublich, dass Demetrios 
die Grabreliefs gestattet, die noch anspruchsloser 
auftretenden Grab v äsen verboten haben sollte. 
Vielmehr scheinen sich diese unter den von Cicero 
erwähnten /n6e//a zu verbergen. Becken und Schüsseln 
sind nie als häutiger Schmuck auf die Gräber gestellt 

des Helios. Wir haben am Fusse dieses Axifsatzes die Figur der 
Oenochoe, nach Ileydemanns Publikation verkleinert, und die ent- 
sprechende der Lenormant'schen Basis, nach dem Berliner Gips- 
abguss neu gezeichnet, zum Vergleich nebeneinander gestellt. 
Ueber Darstellungen der reitenden Selene vergl. ausser Heyde- 
mann a. a. O. Furtwängler, Sammlung Saburoff Taf. XLIIl. 
und Tirocinium philoloi/um sod. sein. Bonn. (1883) S. 71, wo der 
auch von Furtwängler besprochene Londoner l'yxisdeckel von 
F. Winter herausgegeben ist. 



worden, sonst müssten sie sich in unserni Denk- 
mälervorrath finden''). Es bleibt also wohl nur die 
Annahme übrig, dass Cicero ebenso wie bei den 
mensae ungenau übersetzt hat. Bedenkt man, dass 
ihm die Namen griechischer Gefässe schwerlich so 
geläufig waren wie dem modernen Archäologen, so 
dürfte die Annahme doch vielleicht nicht zu gewagt 
erscheinen, dass im Gesetz XnvxQocpnqoi als Grab- 
schmuck erlaubt wurden, Cicero diese aber als 
labella auffasste, als Gefässe, die zum Invead^ai 
dienten. Vielleicht findet ein Anderer eine gefälligere 
Lösung der Schwierigkeit; so viel scheint mir aber 
schon jetzt deutlich, dass Demetrios, weit entfernt 
von dem Versuche in bilderstürinerischer Barbarei 
die schönen Grabreliefs und Grabvasen des IV. Jahr- 
hunderts unterdrückeu zu wollen, sie im Gegen- 
theil neben einfachen Stelen als würdigsten Schmuck 
empfohlen hat. 

Dorpat. G. Loeschcke. 

^) Ein zerbrochener, beckenartig ausgehöhlter Block, der bei 
Hag. Triada liegt und wohl gelegentlich dort als lahellum ge- 
zeigt wird, kann in seiner Vereinzelung nichts beweisen. Von 
den bei L. v. Sybel a. a. 0. S. X aufgezählten Schalen sind keine 
nachweislich auf einem Grabe, drei sicher am Südabhang der 
Akropolis gefunden worden. 

'") Dass die loviijoifonoi thönerne, später auch in Marmor 
nachgeahmte Amphoren waren, hat A. Milchhoefer erwiesen 
in den Mitthl. d. Inst. V S. 176. Vergl. auch Herzog, A. Z. 
1882 S 131 ft'. und Furtwaengler, Sammlung Saburoff zu 
Taf. LVni und LIX. 





Archjiolog. Zt^'. Jahrgang XLH. 



99 



100 



ARCHAISCHER 

(Tafel 

Die drei vorliegenden Tafeln enthalten eine 
Eeihe von Goldsacheu, die ich wegen ilirer hohen 
Alterthümlichkeit und der grossen Seltenheit ver- 
wandter Gegenstände habe zusammenstellen lassen; 
sie stammen alle bis auf den grossen Brustschnmck 
Tat". 10,2 aus Griechenland und befinden sich 
mit Ausnahme von Taf. 9,5 und der dem kgl. Mu- 
seum zu Kopenhagen gehörigen Stücke Taf. 9,1.2 
im kgl. Antiquarium zu Berlin. 

Die auf Taf. 8 vereinigten Stücke wurden zu- 
sammen erworben als aus einem Funde in einem 
Grabe bei Korinth stammend. Sie bestehen aus 
gelbem Golde. 

No. 1 ist ein ganz dünnes Goldblech mit ein- 
gestempelten Figuren. Die Abbildung ist wie die 
der säuimtlichen Stücke dieser Tafel in Original- 
grösse ausgeführt. Zu oberst läuft ein etwas un- 
regelmässiges Zickzackband. Dann folgt ein Fries 
mit der Richtung nach links. Zunächst 1. drei Ken- 
tauren mit Menschenbeinen; das Original ist hier 
sehr zerknittert ; die Abbildung giebt nur das völlig 
Sichere. Sie halten Baumäste in den Händen. Es 
folgen zwei Reiter; der Hinterkopf des ersten ist 
mit einem Busch ausgestattet, den wir bei den fol- 
genden Figuren noch mehrfach finden werden, und 
der doch wohl einen Helmbuseh bedeuten soll. 
Dann kommen wieder zwei Kentauren mit Baum- 
ästen; dieselben haben indess pferdeförmige Vor- 
derbeine, bei der Kleinheit und primitiven Ausfüh- 
rung freilich mit minimalem Unterschied von den 
menschlich gestalteten. — Es folgt nun ein langer 
Zug von Menschen, die, das eine Bein etwas he- 
bend, alle nach 1. schreiten und sich die Hände 
auf die Schultern zu legen sclieincn, oder wohl eher, 
obwohl dann die Arme sehr kurz gerathen wären, 
sich die Hände reiclien, wie zu einem Chorreigeu 
verbunden; sie haben, soweit kenntlich, alle jenen 
Busch am Hinterkopf. Der vorderste I. trägt eine 
Lanze, der fünfte einen Gegenstand, der ein Bogen 
sein dürfte. Unterbrochen wird der Zug an einer 



GOLDSCHMUCK. 

S. 9. 10.) 

Stelle von einer Gestalt, die ein gehörntes Thier 
mit langem Schwänze herbeiführt und in der an- 
deren Hand etwas hält, das ein gekrümmtes Messer 
sein könnte. Eine Gestalt r. davon ist nach r. ge- 
wandt wie ein Anführer der folgenden Zugabthei- 
lung. Es scheint ein Opferfest gemeint zu sein. 
Zur Füllung dient über dem Thiere ein kurzer Stab 
mit zwei Aesten. — Dasselbe Motiv dient auch 
auf dem folgenden, unteren Friesstreifen zur Fül- 
lung. Er wird eröffnet zur Linken durch zwei 
Reiter nach r. ; dann folgt ein Mann, der sein Ross 
nach r. am Zügel führt; ein Busch am Hinterkopf 
ist gezackt. Ihm entgegen kommen zwei Reiter; 
dann ein Mann mit einer Lanze, der wieder ein 
gehörntes Thier führt, hinter dem ein Mann mit 
Buscli sehreitet, wenn er nicht, wie es eher scheint, 
darauf reitet. Die Füllung des Raumes ist ausser 
durch das obengenannte Motiv auch durch ein Ha- 
kenkreuz und einen fliegenden Vogel (?) hergestellt. 
Nun folgt wieder ein langer Zug von Gestalten, der 
in zwei Theile zerfällt: voran acht Figuren, die sich 
wieder wie die oberen gegenseitig an den Händen 
fassen und den Busch tragen, der vorderste hat eine 
Lanze; dann 16 Gestalten, welche den einen Arm an 
die Hüfte des Vordermanns legen und den anderen 
hoch erheben. Sie tragen keinen Busch; vielleicht 
sind hier Frauen gemeint im Gegensätze zu den 
bewaffneten Männern. Sämmtliche Figuren heben 
den einen Fuss etwas und sind im Schreiten, oder 
besser wohl im Tanze begriffen. 

Ueber die Bedeutung des Ganzen, das sich etwa 
als Leichen-Feier und -Opfer ansehen liesse, wird sich 
schwerlich etwas Sicheres sagen lassen. Besonders 
interessant ist gewiss das Vorkommen der Kentau- 
ren, die mit den Reitern ') gemischt erscheinen. Sie 
tragen den Ast, der in ältester Kunst ihr gewöhn- 
liches Attribut ist. Dass die Kentauren in der Ty- 
pik der aus abgeprägten Formen hergestellten älte- 

I) Kelter auch aul der Viise lios späteren „l)i|i_vl(iiistiles" 
Jjerlin 56 (t'iirtw.). 



101 



A. Furlwängler, Arcliaisclier Goldselimuck. 



102 



stcn Relief'kuiist besonders zu Hause sind, liat Milcli- 
liüfer nacliscwiescn"). Das vorliegende Stück tritt 
als Bestätigung hinzu; es wirft ebenso ein Licht 
auf die Herkunft der in den sog. Buccherogefässen 
erscheinenden Typik; denn die Verwandtschaft un- 
seres Reliefs mit den ältesten gepressten Flachreliefs 
der Buccherotechnik ist unverkennbar; mehr frei- 
lich noch die mit den gepressten Tiionreliefs von 
Rhodos''). Indess hat der Stil unseres Reliefbandes 
noch bestimmtere nähere Analogien auf griechischem 
Boden. Das sind die geometrischen sog. Dipylon- 
vasen; die eigenthüralicli schematische Autfassung 
des menschlichen und des Pferdekörpers ist hier 
wie dort diesell)e, und wir dürfen das Relief jenem 
grösseren Kreise von Metallarbeiten griechischer 
Provenienz zuzählen, die jenem so ausgeprägten 
Stile folgen. — 

Wir schliessen hier gleich die Besprechung von 
Taf. 9, 1, dem einen der in Kopenhagen befindlichen 
Stücke, an, da dasselbe in genau demselben Stile ge- 
halten ist. Es stannnt aus Athen und soll in einem 
jener ältesten Grälter am Dipylon gefunden sein. 
Es ist ein dünner Streif von Blassgold. Zwei Dar- 
stellungen sind auf dem erhaltenen, indess theil- 
weise lückenhaften Stücke je zweimal abgestempelt, 
mit einander abwechselnd; jede ist von der anderen 
durcli ein l)reites lineares Ornamcntbaud getrennt. 
Die eine Darstellung zeigt 1. zwei mit den Köpfen 
einander zu-, mit den Beinen, wie es scheint, ab- 
gewandte Männer, die sich in derselben Weise wie 
in dem vorigen Relief die eine Hand zu reichen 
scheinen und in der anderen einen an der einen 
Seite gezackten Stab, wohl einen Ast, halten. Dann 
folgt ein springendes Ross mit lose herabhängen- 
dem Zügel; über seinem Rücken erscheint der Ober- 
körper eines Mannes mit Helmbusch nach r., der 
eine Waffe erhebt; ein stehender Mann sticht von 
r. mit der Lanze nacii seiner Hüfte. Offenbar ist 
gemeint, dass ein Reiter von hinten verwundet 
wird, die Zügel verliert und sich nach dem Gegner 
umwendet: ein auffallend complicirtes Kampfmotiv, 

-) Anfüiige il. Kuiibt S. Tu f. 

^) Srtlzmann, ti^cro//. de Caminis pl. "27; Milcliliiiler, Anfänge 
.S. 7:!l. 



das hier freilich in primitivster Weise ausgedrückt 
ist. Bei der Wiederholung dieser Gruppe r. am Ende 
folgt nicht das Ornament, sondern ein den Speer 
werfender Reiter; doch ist das Vordertheil des Rosses 
nicht mitabgepresst, ein Beweis von Nachlässigkeit, 
wie er in dieser mechanischen Kunstthätigkeit nicht 
auffallen darf. — Die andere Darstellung zeigt einen 
Kentauren mit menschlichen Vorderfüssen und mit 
dem Aste in der einen, einem kürzeren Zweige in 
der anderen Hand. Dann eine beide Male frag- 
mentirte Männergruppe. Als Füllung tritt hier wie 
im vorigen Relief der kleine Stamm mit zwei Sei- 
tenästen auf Dass die beiden Stücke aus einer 
Fabrik stammen, ist nicht zu bezweifeln. — 

Taf 9,4 zeigt in Originalgrösse ein aus Athen 
stammendes kleines Diadem von gelbem Golde; 
die Ornamentation besteht nur aus drei Reihen 
eines unregelmässigen Zickzackbandes. Die völlige 
Uebereinstimmung mit Taf 8, 1 in Zeichnung und 
Ausführung weist das Stück demselben Kreise 
zu. — 

Eine etwas verschiedene Gattung von gepress- 
ten Bändern finden wir durch Taf. 9,2 repräsentirt. 
Es ist ein Diadem, im Museum von Kopenhagen 
befindlich, das ebenfalls aus Athen stammt und aus 
etwas blassem, doch gelberem Golde besteht als 
Taf. 9, 1. Die Enden sind in der Abbildung weg- 
gelassen, da sie nur die Fortsetzung des eigenthüm- 
lichen Mäanderbandes enthalten, das die ganze Breite 
des Streifens füllt; dasselbe besteht aus drei über- 
einander gesetzten einfach gebrochenen Mäander- 
linien; die drei Reihen sind aber durch kurze Quer- 
stäbchen untereinander verbunden, was dem Gan- 
zen den Anschein des Complicirten giebt. Unter 
No. 5 derselben Tafel habe ich noch ein anderes 
Diademband aus blassem Golde abbilden lassen, das 
ebenfalls aus Athen stammt und im Privatbesitz 
befindlich ist; es gehört wohl derselben Fabrik 
an. Es zeigt in zwei Reihen das einfache Mo- 
tiv ^1 ; durch Querstäbchen sind die Reihen 
verbunden. Das Diadem ist vollständig (die Abbil- 
dung giebt nur das r. Ende wieder) und hat die 
Länge von 0,37; an beiden Enden je ein Loch. — 
Doch zurück zu dem Kopenhagener Stück, das 

7* 



10c 



A. Furtwängler, Archaischer floldsehmnc 



104 



iu der Mitte eine bildliche Darstellung aufweist. 
Dieselbe wiederholt sich zweimal mit geringen Va- 
rianten. Ein Löwe hat mit seinem Rachen den 
Kopf eines waffenlosen Mannes erfasst, der sich 
vergebens wehrt, indem er das eine Vorderbein des 
Löwen und die Schnauze desselben erfasst; ein 
zweiter Löwe kommt von r. und setzt ihm die 
Tatze auf den Eücken. Die Scene ist durch ihre 
Neuheit und Originalität in ihrem Kreise sehr über- 
raschend. Sie schliesst sich an keinerlei geläufigen 
Typus an; sie will einen wirklichen Vorgang wie- 
dergeben, den Ueberfall eines wehrlosen Mannes, 
etwa eines Hirten, durch zwei Löwen; aber die Dar- 
stellung ist ungeschickt und hat wenig Wahrschein- 
lichkeit; denn es sieht fast aus, als ob der Mann 
den Kopf absichtlich in den Rachen des Thieres 
stecke. Indess ist die Gruppe doch nicht völlige 
Neuschöpfung, sondern schliesst sich offenbar an 
den Typus an, der statt des Menschen einen Stier 
zeigte, der sich mit den Hörnern gegen den einen 
Löwen wehrt, während ein zweiter ihn von hinten 
anfällt. Im Jahrgang 1883 dieser Zeitschrift Taf.10,2 
habe ich eine archaische griechische Lekythos mit 
diesem Typus veröffentlicht und zugleich (S. 159 ff.) 
Einiges über die Darstellung von Kämpfen zwischen 
Löwen und Menschen in ältester griechischer Kunst 
gesammelt, worauf ich hier verweisen kann. 

Die anderen mir bekannten, dem vorliegenden 
gleichartigen Goldbänder, die man am leichtesten 
an der constanten Einfassung aus kleinen Stäbchen 
erkennt, und die alle denselben etwas weichlichen 
breiten Stil zeigen, bringen keine menschlichen Fi- 
guren, sondern nur Friese von Thieren, namentlich 
Löwen und Hirschen. Von einigen derselben ist 
es sicher constatirt, dass sie in den ältesten Grä- 
bern mit den geometrischen Vasen am Dipylon bei 
Athen gefunden wurden*). — 

•*) Gemeint ist das aus zwei Stücken bestehende Band aus 
Blassgold in Berlin, bei Curtius, d. arch. Bronuerelief (Abb. d. 
Akademie 1879) Taf. III, 4. 5 abgebildet (Hirsche und löwen- 
oder pantherartige Thiere nach r.); ferner das im Louvre s. 
Uaremberg, dirA. de l'unliqu. p. 788 No. 933 und vgl. Annali d. I. 
1880 p 130 (Furtw.); zur Auffindung Annali 1872 p. 136. 154 
(Ilirschfeld). — Ein hierher gehöriges Band besitzt mich das 

British Museum (mit der Be/.eichnung 3,4); es zeigt vier löwen- 



Einen durchaus in diese Gattung gehörigen 
Goldstreifen, eine neue Erwerbung des Berliner An- 
tiquariuins aus Athen '*), publiciren wir auf Taf. 10, 1. 
Es ist ein vollständiges Diadem, an beiden Enden 
mit einem kleinen Loche zum Umbinden versehen. 
Das Merkwürdigste an dem Stück ist die fabrik- 
mässige Rohheit der Herstellung, in die es einen Ein- 
blick gewährt. Es ist nämlich geschnitten aus einem 
grösseren, mit abgedrückten Stempeln bedeckten 
Goldbleche, fast ohne Rücksicht auf die bildlichen 
Darstellungen, die mehrfach durchschnitten werden. 
Zunächst sehen wir einen schmalen Fries, iu dem 
Löwe und Hirsch nach r. abwechseln; darüber und 
darunter erscheinen aber Reste des nächsten Strei- 
fens mit Kreisornaraenten. Dann folgt ein kleines, 
in der typischen Weise umrahmtes Feld mit einer 
rohen Figur, die wohl ein Greif sein soll. Gegen- 
über im nächsten Felde sitzt eine ebenso rohe 
Sphinx nach 1.; beide haben die vom Kopfe aus- 
gehende ornamentale Locke, die auf den ältesten 
Sphinxdarstellungen in Griechenland ") selten fehlt. 
Der Greif hat offenen Schnabel ; Ohren sind nicht 
angedeutet. Beide, Greif und Sphinx, sind flügel- 
los, worauf bei der Rohheit der Darstellung indess 
kein Gewicht zu legen ist. Unter diesen Feldern 
sind wieder Stücke der darunter folgenden zu se- 
hen; 1. unter dem Greif erkennt man den Obertheil 
einer Antilope. Es folgen dann ganz nachlässig und 
schief geprägte Stücke eines längeren Frieses nach 
1., anscheinend wieder Löwe und Hirsch. — 

In den Kreis der „geometrischen" Decoration 
gehören noch einige andere Stücke unserer Tafeln. 
Vor allem die zwei kreisrunden Scheiben aus Ka- 
meiros Taf. 9,6.8, die mit einem von einem Loche 
durchbohrten Ansatzstück zum Anhängen versehen 
sind. Sie bestehen ebenfalls aus ganz dünnem 
Blech, und zwar von blassem Golde. Die Abbil- 

artige Thiere, je zwei einander gegenüber mit gehobenen Schwän- 
zen; dazu ein Feld mit Spiralornanienten, zwei unter sich ver- 
bundene Reiben, in der Art wie auf den mykenischen Grabsteinen 
(Schliemann, Mykenae Fig. 140), nur loser auseinandergezogen: 
ein interessantes Factum, da sonst nur die eckig gebrochenen Or- 
namentmotive in dieser Gattung erscheinen. 

■■■) Invent. No. 7901. Länge 0.25. Höhe 0,03. 

'') V(,'l ■/.. B. das Glaspl'attchpn aus Mcnidi: Kuppclgr. bei 
Meuidi Taf. V, 44 u a. Später mit Lotosblütbe am Knde. 



105 



A. Fiirtwiiniiler. Archaischer (lohlschinuck. 



106 



düng zeigt sie stark verkleinert"), doch i.st ihre 
Ornanicntation deutlich; cinCacii ist No. G; reicher 
No. 8, wo die ölitte von einem radförniigen Motiv 
eingenommen wird ; der Streif von kleinen Stäb- 
chen der dies umgiebt, ebenso wie die Kerbungen 
auf dem einen Streifen des das Ganze umschliessen- 
dcn Fieclitbandes, sind ganz gleich dem typischen 
Kahmenmotiv der soeben besprochenen Diademe. 
Es folgt nun ein Streif von primitiven Wasser- 
vögeln nacli r. ; der Raum über ilirem Rücken ist 
je durch eine Kugel ausgefüllt; dann Zickzack und 
das Flechtband. Verwandt ist die Decoration der 
Scliilde aus den Gräbern Italiens vom Typus Re- 
gulini-Galassi (Mvs. Gregor. I. 18, 2; 19, 2); docli un- 
serer No. G ganz besonders ähnlich ist eine Silber- 
scbeibe aus einem Grabe dieses Typus in Prae- 
neste; dieselbe zeigt auch das gleiche Ansatzstück, 
und war mit anderen ähnlichen Scheiben zu einem 
Halsbande vereinigt (Archaeologia ro/. 41, pl. 8,4; 
vgl. 12,2). — Zusammen mit diesen No.6 und 8 ward 
Ko. 7 in Kameiros gefunden, das in Origiualgrösse 
abgebildet ist, ein kleines Anhängsel in der als 
Amulet bekannten Form des Halbmondes. Zweifel- 
los gehörten die drei Stücke zu dem Halsbande 
einer Leiche von Kameiros. — 

Die darunter wiedergegebene Fibel No. 3 ge- 
hört ebenfalls noch in diesen Kreis. Sie ist aus 
schönem gelbem Golde gehämmert und vorzüglich 
erhalten. Sie kam mit anderen archaischen Gold- 
sachen aus Athen , ohne genauere Provenienz- 
angabe "). Die Abbildung ist in Originalgrösse. Die 
Oberfläche ist auf beiden Seiten in ganz gleicher 
Weise mit feiner Gravirung verziert. Zwei Fibeln 
desselben Typus, doch aus Bronze, sind von mir frü- 
her publicirt worden; die eine aus Olympia mit rei- 
cher gravirtcr Verzierung iu schematisch linearem 
Stil (Bronzefunde v.Oiympia, Abh.d. Akad. 1879, Taf. 
No. 7; S. 36); die andere aus Theben {Annali d. I. 
1880, lau. d'agg. G; p. 122if.); letztere ist sehr gross 
und auf der einen Seite mit einem Pferde iu „geo- 
metrischem" Stile geschmückt; die Dreiecke in der 

') Im Berliner Antuiuaiium, Inv. No. 6486 u. 87. Höhe 0.08. 
Dm. 0,06. 

*') Berl. Antiiiiuiriuni, Inv. No. 7902. 



Ecke nach dem Bügel zu stimmen mit denen auf 
unserem Exemplare genau überein. Ausser diesen 
sind noch einige Beispiele aus Olympia bekannt 
(a. a. 0. erwähnt); docli ausserdem meines Wissens 
keine, und obwohl ich inzwischen viele Museen be- 
sucht habe, kann ich kein anderes Exemplar zu 
den damals von mir genannten hinzufügen. Die 
Herkunft des Typus bleibt noch zu erforschen. 



Wir wenden uns jetzt einem anderen ent- 
wickelteren Kreise von Goldarbeiten zu, in dem 
bereits Darstellungen griechischer Sage erscheinen. 
Wir kehren wieder zu dem Goldfunde aus Korinth 
auf Taf. 8 zurück. Wir sehen hier eine Reihe von 
viereckigen, überaus dünnen Goldplättcheu, die wohl 
auf die Gewänder des Todten gelegt waren; Lücher 
zum Aufnähen sind indess nicht zu bemerken. Von 
jeder Darstellung sind mehrere Exemplare erhalten. 
Das interessanteste Stück ist No. 3 mit Theseus, 
der den Minotauros ersticht; es sind vier ganze und 
ein halbes Exemplar erhalten. Theseus fasst mit 
der Linken den Gegner an dem einen Home (ein 
zweites ist nicht dargestellt) und sticht ihm mit der 
Rechten das Schwert in die Brust. Der Minotaur 
fasst in das Schwert und fällt dem Helden in den 
linken Arm, doch vergeblich. — Dieses Schema 
ist von demjenigen, das wir bisher für das älteste 
für jenen Kampf feststehende ansehen durften'), 
von dem der chalkidischen und altattischen Vasen, 
wesentlich verschieden. Zwar der nach r. schrei- 
tende und mit dem Schwerte stechende Theseus 
ist in der Hauptsache gleich, doch der Minotaur 
steht dort nicht aufrecht, sondern ist in mehr 
oder weniger heftiger Bewegung in das eine Knie 
gesunken und dem Helden entweder zu- oder ab- 
gewandt gebildet. Auch die Bekleidung des Theseus 
ist hier noch nicht Chiton und Fell wie dort, son- 
dein das eigenthümliche Schurzgewand, das wir 
besonders deutlich an einer altkretischen Bronze ken- 
nen {Annali d. I. 1880, /ni\S) und das in der ältesten 

') Vgl. über denselben zuletzt Conze, Theseus unJ Minotaui . 
Berl. Winekelmannsprogr. 1878, S. 8. Die chalkidische Vase i>t 
Mon. d. I. VI, 15 abgebildet. 



107 



A. Fiirtwänder. Arcbaiscber Goldschmuck. 



108 



griechischen Zeit weiter verbreitet war'"); der Mino- 
taur hat nur jenen breiten Gurt um, der eine 
Verkürzung der Schurztracht zu sein scheint. Ob 
Theseus auf unserm Kelief bärtig gedacht ist (wie 
er es auf den aitattischen Vasen immer ist, die aber 
hier nichts beweisen), kann bezweifelt werden; denn 
das weit vorspringende Kinn zeigen auch die 
Fraueuprofile von No. 2, und eine andere Andeu- 
tung fehlt, wogegen die langen lose hei'abfallenden 
Haare deutlich sind. Hinter Theseus steht nach 
dem auch späterhin lange festgehaltenen Typus 
seine Beschützerin Ariadne in langem gestreiftem 
Gewände. Sie erhebt die Linke, scliwerlich um 
Theseus zu bekränzen "), sondern wohl nur um ihn 
zu ermuntern. In der Rechten aber liält sie deut- 
lich den runden Knäuel, der den Weg durch das 
Labyrinth weist. 

Unser Relief ist indess nicht das einzige, das 
diesen alterthiimlichen eigenartigen Typus des Kam- 
pfes mit dem Minotauros zeigt; ich kenne wenigstens 
noch eines, das als abgestempeltes Relief auch tech- 
nisch in diese Reihe gehört, freilich nicht aus Gold, 
sondern aus grobem Thone. Das Museum von Cor- 
neto nämlich besitzt ein grosses Thonbecken mit drei 
Löwenfüssen und zwei Henkeln. Auf dem oberen 
Theil der Füsse befindet sich je ein quadratisches 
Feld mit Relief''); auf zweien ist ein Kentaur ab- 
gestempelt mit menschlichen Vorderbeinen, der einen 
Ast schultert, an welchem ein Reh hängt. Das dritte 
Feld aber ist das mit Theseus und dem Minotaur, 




'») Vgl. was ich hierüber in der Archäol. Ztg. 1882, S 329 f. 
gesaminelt. 

") So fasste es Milchhüfer auf, der diese Darstellung An- 
fänge der Kunst S. ISSAnin. erwähnt. 

'-■) Die Reliefs sind mit weiss-gell'er Farbe bedeckt, darauf 
sind einige rothe Details gesetzt (Punktros^tten u. dgl.). 



wie es vorstehende flüchtige Skizze veranschaulicht, 
die nur die Hauptconturen andeuten und nur die 
Stelle einer Beschreibung, nicht einer Publication 
vertreten soll. Der Minotaur scheint ungehörnt. 
Theseus ist auch hier anscheinend bartlos; er hebt 
im Angriffe das 1. Bein; so wird unten Platz ge- 
wonnen für das merkwürdigste Detail dieser Dar- 
stellung, den grossen Garnknäuel, dessen Faden 
Ariadne in der Rechten hält, eine recht naive Deut- 
lichkeit. 

Gleiche Grosse und gleiche Umrahmung hat 
No. 4 unserer Tafel, in fünf Exemplaren erhalten. 
Die Darstellung ist einfach und nicht mythologisch; 
ein Zweigespann von Rossen schreitet nach 1.; der 
Lenker im langen gegürteten Gewände beugt sich 
etwas vor und hält die Zügel und den Stock. Der 
Held steht hinter ihm mit dem Rundschilde und 
dem Helme; letzterer ist freilich nur durch den he- 
rabfallenden Busch und einen vorn eniporstehenden 
federartigen Schmuck angedeutet. Die tiefe Ein- 
senkung des Wagenrandes oben in der Jlitte ist 
als Besonderheit zu beachten; auf den altkorinthi- 
sclicii Thontäfelchen der Berliner Sammlung ist die- 
ser Rand, wie sonst gewöhnlich, horizontal. 

Ferner sind noch drei etwas kleinere Compo- 
sitionen ebenfalls auf quadratischem Felde erhal- 
ten: No. 2 zeigt einen Chor von Frauen, die 
sich bei den Händen fassen; zwei blicken nach 1. 
und zwei nach r.; ihre langen gegürteten Gewän- 
der sind reich verziert und haben unten einen brei- 
ten Saum. Es sind zwei Exemplare erhalten. 

No. G, in zwei, jedoch sehr zerstörten Exem- 
plaren vorhanden, stellt einen Zug von drei ge- 
rüsteten Kriegern nach r. dar; man erkennt nur 
Spuren der Köpfe mit langem Haare; die Beine 
sind nackt. 

Einen nicht unbekannten Typus finden wir auf 
No. 5, wovon ebenfalls zwei Exemplare da sind. 
Es ist der Mann, der die zwei Löwen bändigt, die 
in wappenhaft strenger Symmetrie sich zu beiden 
Seiten aufbäumen. Der Typus stammt bekanntlich 
aus der orientalischen Kunst, wo er sehr häufig 
ist, namentlich auf den geschnittenen Steinen; immer 
sind die Tliiere hoch aufgerichtet, doch nicht immer 



109 



A. Kurtwänirler. Arcliaisclier Goldsclimiu'k. 



110 



sind es Löwen, auch Hirsche, Sphingen u. a. dä- 
monische Ungeheuer. Ein anderer und wie es 
scheint älterer Typus ist der, dass der Mann nur 
einem aufgerichteten Löwen gegenüber ist, den er 
mit dem Schwerte ersticht; dieser ist von der grie- 
cliischen Kunst nicht aufgenommen worden, wohl 
aber jener andere, der ein decorativ so treffliches 
Schema bot. Der Mann ist auf' unserem Relief oliue 
alles Charakteristische, bartlos, in kurzem Gewände. 
Eine Wiederholung dieser Darstellung mit geringen 
Varianten finden wir auf No. 7, wo die Köpfe der 
Löwen niciit ab-, sondern zugewandt, und die 
Schwänze statt gehoben gesenkt sind. Die Figur 
dieses auf den Hinterbeinen stehenden Löwen ward 
von der archaischen Metallindustrie auch einzeln 
wiedergegeben; so ersclieint sie auf einem Brouze- 
relief Olympia's'^) und mehreren anderen aus den 
italischen Gräbern des Typus Regulini- Galassi'*). 
No. 7 ist das Stück eines längeren Frieses und zu 
beiden Seiten sind noch Reste der folgenden qua- 
dratischen Felder erhalten, jedes mit einem Zuge 
beschildeter Krieger. Als fortlaufende Einfassung 
oben und unten ist ein Spiralband benutzt. 

Im Privatbesitze in Athen sah ich 1882 meh- 
rere Goldstreifen , die aus demselben Funde bei 
Korinth herrühren sollen wie die unsrigen ; darun- 
ter war namentlich ein längeres Stück, das in der 
Mitte eine Rosette zeigt, r. und 1. davon in ein- 
gerahmtem Felde je eine Frau ohne Attribute, in 
langem verziertem Gewände, das jedoch das eine 
Bein nackt heraustreten lässt; dann folgen wieder, 
durch einen Rahmen getrennt, auf jeder Seite drei 
Krieger mit Schilden, auf denen je eine Rosette 
ist; sie tragen spitze, pilosartige Helme ohne Busch. 
Der Stil schien mir noch alterthUmlicher als der un- 
serer Reliefs. 

Der Stil der letzteren ist jedenfalls ein sehr 
eigenthUmlicher; besonders auffallend sind die Pro- 
file der Gesichter. Zu dem Stile der altkorinthi- 
schen Vasen und Thontäfelchen findet keinerlei 
nähere Beziehung statt; ja ich weiss für jene Pro- 

■ä) Ausgr. V. Ulympia II, Tat'. 31. 

'*) S. Furtwäiigler, Bronzelunde v. Olympia (Abh. d. AkaJ. 
1879) S. 69 unten. 



file keine andere Analogie zu nennen als das kre- 
tische Bronzerelief, das in den Aimali d. I. 1880, 
tav. T abgebildet ist, wo der Steinbockträger dem 
Typus unserer Reliefs überraschend ähnlich ist; 
ein bedeutsamer Wink für die Herkunft der Sachen 
oder wenigstens ihres Stiles. 

Schliesslich erwähne ich noch die mitgefuude- 
nen Kleinigkeiten: No. 8 ist ein vollständiges klei- 
nes Band mit Zickzack, an Taf. 9, 4 erinnernd, 
doch viel regelmässiger; au beiden Enden ist je 
ein kleines Loch zum Aufnähen. No. 9 und 11 sind 
verbogene Golddrähte mit Scheiben an den Enden, 
auf denen ein eingeritztes Kreuz zu bemerken. 
No. 12 sind die gebrochenen Hälften eines gleichen 
doch längeren Exemplares. Vermuthlich war es 
Schmuck für die Haare. — No. 10 ist eine Rosette 
aus Goldblech mit aufgelöthetem gekerbtem Draht. 



Auf den Höhepunkt archaischer Goldtechnik 
führen uns die beiden prächtigen Gehänge, die auf 
Taf. 9, 9. 10 in Origiualgrösse wiedergegeben sind. 
Sie stammen von Melos") und sind beide in 
blassem Golde gearbeitet. No. 10 ist vollständiger, 
indem auch an 9 oben eine Scheibe zu ergänzen 
ist, auf deren Rückseite sich wie an 10 der Haken 
zum Anhängen befand; es sind trotz der Grösse 
offenbar Ohrgehänge. Der Typus ist bereits von 
Rhodos bekannt; Salzmann hat in seinem Werke 
necropole de Caminis pl. I zwei Exemplare abgebil- 
det, die aber viel einfacher sind als die unsrigen. 
Ein ebenfalls recht einfaches Exemplar unbekann- 
ten Fundortes befand sich in der Sammlung Ales- 
sandro Castellani und ward 1884 in Rom ver- 
steigert"'); auf den horizontalen Scheiben war eine 
Rosette und in der Mitte ein Apfel aufgesetzt. 

Die besondere EigenthUmlichkeit der Technik 
dieser Stücke besteht darin, dass alles Detail aus 
aufgelötheten feinen Goldpünktchen besteht, die frei- 
lich die Feinheit der etruskischen Arbeiten noch 
nicht erreichen. Die Greifenköpfe von No. 9 sind 

'■'■) Tülken, Leitfaden lür die Sammlg. antiker Metallarbeiten, 
1850, No. 61 und 63. 

"') Im Auctionscatalog No. 820; blässliches Gold. 



111 



A. Furtwängler. Archaischer Goldschmnck. 



112 



getrieben iiiul hobl; die Zuuge und die Ohren sind 
besonders angesetzt; ebenso natürlich der Knopf 
oben, der sehr fein granulirt ist. Der Typus des 
Greifs ist der beliannte archaisch griechische''). 
Zwei ähnliche Greifenköpfe aus Blassgold besitzt das 
British Museum aus der Sammlung Blacas. — Auf 
der einen der Scheiben ist ein Zickzackornament, 
auf der anderen nebeneinandergestellte Rauten aus 
feinen Pünktchen gebildet. 

An Ko. 10 ist der Stamm viel reicher, spiral- 
förmig gedreht") und doppelt gebogen. Die hori- 
zontalen Scheiben sind mit einer Rosette geziert, 
über der sich eine zweite kleinere Rosette erhebt, 
aus deren Mitte ein Granatapfel steigt; an kleinen 
Kettchen hängen an mehreren Stellen kleine Gra- 
natäpfel herab. — 

Derselben Zeit und demselben Stile gehören 
die beiden Stücke aus Delos an, No. 11 und 12'^); 
sie sind aus gelbem Goldblech gearbeitet, die Köpfe 
aus Formen gepresst mit aufgesetztem Detail von 
feinen Pünktchen; die Rosetten sowie die Ränder 
sind aus geflochtenem Draht aufgesetzt. No. 11 ge- 
hörte zu einem grcssen Gehänge; oben befindet sich 
eine Oese und unten sind Reste von Kettchen er- 
halten, auch eine verbogene Bommel. Man ver- 
gleiche das aus dem ältesten Theil der Nekropole 
von Kameiros stammende Gehänge in der Revue 
archeol. 1863, n. s. vol. 8, pl.X, wo eine selir ähn- 
liche rechteckige Scheibe, die mit zwei Köpfen ge- 
ziert ist, den oberen Theil des Gehänges bildet, 
an dem wiederum wie an unserer No. 10 Granat- 
äpfel mehrfach verwendet sind; ein zweites Gehänge, 
das ebendort abgebildet ist, zeigt ausser den mensch- 
lichen auch Greifeuköpfe wie unsere No. 9 und wie- 
der Granatäpfel. Die Technik dieser Stücke ist 
durchaus dieselbe wie die der unsrigen. Der mensch- 
liehe Kopftypus ist jener ägyptisirende, über dessen 
Herkunft und Verbreitung ich in 'Die Bronzefunde 
von Olynijjia' S. 71 Einiges bemerkt habe. — Das 
Museo civico von Bologna besitzt'""') noch eine hier 

'0 Vgl. Kurtwängler, Uronzefunde S. 51. 
'*) In der AMnlJuny sind die Windungen zu rnndlicli ge- 
rathen. 

''■>) Beil. Antiquar. No. 3473. 3474. 
™) Aus der Samml. Palagi, No. :,01. 



erwähnenswerthe grosse Breche, die durchaus der- 
selben Fabrik angehört wie das soeben Besprochene; 
das Ganze hat die Form einer von oben gesehenen 
rosenartigen Blüthe; auf dem äusseren Kreis von 
kreisrunden Flächen wechseln je eine Rosette und 
jener menschliche Kopf ab. 



Es bleibt uns noch ein Stück zu betrachten 
übrig, das einem ganz verschiedenen Kreise, dem 
der altitalischen Kunst, angehört. Es ist der grosse 
goldene, mit reicher gestanzter Decoration versehene 
Brustsclimuck etruskischer Herkunft Taf. 10, 2. Der- 
selbe gehurt dem alten Bestände des Berliner An- 
tiquariums an; er war in mehrere Stücke zer- 
brochen, und diese Stücke waren einzeln getrennt 
aufgestellt; Tölkeu"') beschrieb dieselben als Frag- 
mente eines Harnisches, „Bedeckung der 1. Achsel 
mit Schnalle" u. s. w. Der Versuch, die Stücke zu- 
sammenzustellen, ergab mir, dass es ein vollstän- 
diges Ganzes sei und nichts fehle. Die Abbildung 
zeigt dasselbe etwas verkleinert; Höhe und Breite 
betragen 0,25. lieber die Herkunft ist Näheres 
nicht bekannt. — Auf der Unterseite des dünnen 
gelben Goldes sind mehrfach die deutlichsten Reste 
einer ehemaligen dünnen Bronzeunterlage erhalten, 
die dem feinen Goldblech als Fütterung gedient 
hatte. Rings sind an allen Ecken kleine Löcher 
zu bemerken, die zur Befestigung des Ganzen ge- 
dient haben. 

Seine nächste Analogie findet das Stück in dem 
aus der sog. lomba del guerriero zu Corneto stam- 
menden, jetzt in Berlin befindlichen, das Man. d.i. 
X, tav. X b, 2 abgebildet ist. Es ist dies eine frei- 
lich nur einfach rechteckige dünne Goldplatte, welche 
die Mitte der Brust des Bestatteten zierte und noch 
auf der .grösseren Bronzeplatte liegend gefunden 
wurde, welche die Brust bedeckte. Auch dieses 
Goldl)lecli hat eine Fütterung \ox\ dünnem Bronze- 
blech; auf der Bronzeplatte lag es lose auf. 

Die beiden Stücke sind sich indess nicht nur 
verwandt, sie sind gleichzeitig und stammen wahr- 



'-') Leitfaden für d. .Saninilg. antiker Metallaibeiten 8. 1, 



No. 1. 



113 



A. Furtwjingler, Archaischer Giildschinuck. 



lU 



scheinlich aus derselben Fabrik, da zum Theil die- 
selben Stempel benutzt sind. Dies ist der Fall bei 
den schwimmenden Enten, die, theils nach r. theils 
nach 1. iiiwaudt, in Reihen auf beiden wiederkehren, 
und bei dem kreuzförmigen Ornament, das hier den 
äusseren Saum ziert. Das Motiv des zwischen die- 
sem und dem Entenfries liegenden Streifens ist da- 
gegen auf unserem Stück etwas grösser und gleicht 
einer vornüber gestürzten menschlichen oder einer 
selir plumpen vierbeinigen thierischen Figur, wäh- 
rend es auf der Coruetaner Platte kleiner ist und nur 
eine Schlangenlinie darstellt. Auch die Kreise sind 
beiden Stücken gemeinsam; dagegen zeichnet sich 
jedes auch durch Ornamente aus, die auf dem an- 
deren nicht vorkommen; so hier die grossen mit 
einer einfachen Rosette gezierten Kreise, ferner das 
Hakenkreuz und vor allem die menschlichen Masken, 
die in der Mittellinie jeweils in die Ecke gesetzt sind. 

Die letzteren geben übrigens zugleich mit der 
Richtung der Enten die beabsichtigte Stellung des 
Ganzen an; die auf unserer Tafel r. unten betind- 
liche Ecke sollte unten die Mitte bilden. Der merk- 
würdige Ausschnitt der gegenüberliegenden oberen 
Ecke soll offenbar der Form des Halses entsprechen, 
an den dieselbe anstiess. Die zinnenartige Aus- 
zackung entspricht durchaus dem Gesanimtcharak- 
ter der Ornamentik. 

Im Miiseo Gregoriano zu Rom notirte ich mir 
eine Reihe von kleinen goldenen Plättchen, die, 
so viel ich weiss, unpublicirt sind; ich gebe ihre 
Form beistehend. Sie sind rings mit Löchern zum 




Befestigen auf dem Gewände versehen. Ihre Form 
mit den Ausschnitten ist der unserer Brustplatte 



überaus verwandt. Bedeckt sind diese Plättchen 
mit unregelmässig vertheilten, gestempelten kleinen 
Kreisen und einem X förmigen Ornament, das dem 
des äusseren Randes unseres Stückes sehr ähnlich 
ist. Dazu gehört eine Reihe ganz klcnner Plättehen 
von der Form ""1 , die nui- mit kleinen Kieisen 
verziert sind. Alles dies stammt wohl aus einem 
Grabe des Typus der lomba del guerriero. — In der 
Auction Castellani zu Rom sah ich ein Kreuz (mit 
gleich langen Armen) aus Goldblech (Catalog No.836) 
mit Vögeln und anderen Ornamenten derselben Art 
bestempelt wie die soeben besprochenen .Stücke. Ein 
kleineres Kreuz dieser Art, auch mit kleinen Löchern 
am Rande, indess sehr einfacii verziert, ward in 
Corneto gefunden ^^). 

Eine Brustplatte wie die unsrige ist mir sonst 
nicht bekannt; überhaupt besitzen wir ja nur ganz 
wenige Proben so grossen Brustschmuckes : in 
Griechenland nur aus ältester Zeit, aus den Myke- 
nischen Gräbern, und in Italien, abgesehen von der 
erwähnten Cornetaner Platte, meines Wissens nur 
das Prachtstück aus dem Grabe Reguliui- Galassi 
{Mus. Greg. I. 82) mit einfach rundem Halsausschnitt 
und einem von dem unseren völlig verschiedenen 
Decorationssystem, sowie ein Stück aus einem Prä- 
nestiner Grabe ungefähr derselben Periode; das- 
selbe ist jedoch viereckig, breiter als hoch, und mit 
einem sehr breiten Halsausschnitte in rechtem Win- 
kel versehen; die Decoration besteht aus grossen 
Kreisen und einfachen linearen Füllungen"'). 

Ich breche hier ab, da es nur meine Absicht 
war, den hier publicirten Gegenständen ihre rich- 
tige Stellung in unserem Denkmälervorrathe anzu- 
weisen, nicht aber die Schlüsse zu ziehen, die sich 
zwar hier und dort aufdrängen, aber besser noch 
zu weiterem Reifen zurückbehalten werden. 

A. FURTWÄNGLEK. 

") Abgebildet bei Fiorelli , Notizie degli scavi 1882, tav. 
XIII bis, 25; p. 190, ungewiss ob aus den Gräbern al pozzo. 
wahrscheinlicher aus den p. 191 beschriebenen etwas .«päteren 
Gräbern. 

-^ Ärihaeolofjia Vol. 41. \A. 13, 1. 



Archiiolo?. Ztg. JiihriTung XLU. 



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116 



RELIEFFRAGMENT MIT DARSTELLUNGEN AUS DEM niNAZ DES KEBES. 




Die hier in Va wirklicher Grösse wiedergegebene 
Zeichnung ist einem Sammelbande des Berliner 
Kupt'erstichkabinets entnommen. Der Band, 
durch Waagen in Italien erworben, enthält „meist 
Zeichnungen des IG. Jahrliunderts, viele Sark()])hage 
und Reliefs, meist dieselben, die auch im Cobur- 
gensis, Pighianus, und den Sammlungen des Cassiano 
dal Pozzo sich finden, doch auch Einiges, was dort 
fehlt; daneben aucli einzelne Statuen, Alles fast nur 
Römisches; nur zwei Sarkophage aus Pisa sind 
darunter. Herr Dr. Schreiber in Leipzig hat sich 
eingehend mit dem Sanmielband beschäftigt, glaubt 
auch den Zeichner zu erkennen, von welcliem die 
meisten der Zeichnungen herrühren, und will die 
Resultate seiner Uutci suchungen veröffentlichen". 

Ich verdanke diese Angaben, wie die Ueber- 
lassung einer Uleistiftbause in Originalgrösse der 
Güte von Herrn Professor C. Robert, von welchem 
aucli die Aufforderung ausging, die Zeichnung hier 
zu besprechen. Herr Robert hat über dieses „wie es 
scheint verschollene Rclieffragment" in der Sitzung 
der Arcliäologischen Gesellscliaft zu Berlin vom 
10. Juni d. J. die Ansicht ausgesprochen „das Bruch- 
stück scheint von einer Rcliel'lafel herzurühren, die, in 



Composition und Stil den lahiilae iliacae verwandt, 
eine Darstellung der Lehre von der Seelenwande- 
rung enthielt" (vgl. D. Lit. Ztg. 1884, 26 Sp. 952 f.), 
nachdem ich aber in No. 29 Sp 1068 f. der gleichen 
Zeitschrift auf den Zusammenhang mit dem unter 
Kel)es' Namen gehenden ///Vai aufmerksam ge- 
macht hafte, diese Deutung anerkannt (ebenda 
Ko. 30 Sp. 1109) und mehrere Briefe mit mir dar- 
über gewechselt. Ich gebe im Folgenden die An- 
schauungen wieder, die ich mir auf Grund der 
Banse, wie jenes Briefwechsels gebildet habe, und 
zwar stelle ich stets den Text der Stellen aus Kebes 
(nach Drosihn's Ausgabe, jedoch mit Aufnahme 
der nach meinen Handschriften-Vergleiehuugen nö- 
thigen Aenderungeu und von Emendatioiien), so- 
weit seine Anführung für die Erklärung nothwendig 
erseheint, v(n-aus. 

1. 2. 3 . . . ntgi'iioXng i^v ff avtiji tyiov nsQtßnlnvg 
öio, luv fie.v (.itiLiü, TOI' de flazzw. //i' di xal nvXrj 
fTii inv rroojiov nsQtßöknv riQne: df ifj nvh] o/Kng 
adöxst >;f-nv nnXvg hfeaidrui . -^ai krdov öe tv ti^) 
Tifoißn?.(i) ■n?.f!löc; ii yvictixt'n' fcagÜTn. gni öe 
[n'i^ ttao()(iii\ T(i{ \TiQiinnv\ nvloirng \xcd nsQißnXov] 
yiyiijf iig f-at-wg ifKfdCiiy fnolei, wg nunatuTiiDV ti 



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K. K. Mnll'^r. Rolieffragiiiciit nach Kcbes. 



118 



-f(;7 cwiövit o"/X(i). — IV, 2. 3 . . . ^Ogära, f(frj. rnv 
TTiulßnXnv xoiiriv . . . xaksliai nvint; o inriog /iing. 
xal o iiylng i> noXvg n naget ti]v nvkr)v ifpsatwg ni 
(.lOXrivriQ stanngf.vea'hd slt; tov Tilnv nvini elaiv. 
n öf: '/tgo>v n avui foit]x<i)g 'iyiuv yagirjv rivu fv T/j 
X^igi- ""t Tfj tTeg<f Saneg ösdcvvidv ii, oviog jJai/tKov 
■/.ttliüiai. — XXX, 1 — XXXI, \ . . . zi Tionaichiei. 
tn Jai(.invinv zn'ig sianngsiwfievnig slg zriv Blnv 
noitlv; — Qaggs'iv. tipr] . . . Ooäze. f'tpr], zi]v yv- 
vaJxa . . ., i/i' xai agzi t'/ih' etnnv, nzi Pvyij xa).e7- 
tat; . . . Tavzrj xeXtVEi, Sfprj, ftr] niazEvsiv. . . Die 
drei bejahrten, hurtigen Gej^talteii links im Vorder- 
gründe stellen den oylng vor; die beiden ers^ten 
führen sieh dem Anscheine nach an der Hand, das 
Verhältniss des zweiten zum dritten ist nicht klar, 
vielleicht legte er die Hand in den reeiiten Arm 
des letzteren. Der Grund für das Führen liegt 
wohl in ihrer Blindiieit; blind aber sind sie darge- 
stellt, weil erst durcii die Erklärung des Jaif^iwv 
ihnen die richtige Erkenntniss zu 'J'heil wird. Dieser 
JaifKov steht rechts vor ihnen, das Gesicht ihnen 
zugewandt, in der erhobenen Rechten den xägzrig 
haltend und zugleich nach der auf der Kugel 
stehenden Figur, wie wir seilen werden, der Tvyri, 
deutend; die Linke reicht er dem ihm zunächst 
stehenden der drei Jlänner, welcher ihm ebenfalls 
seine linke Hand entgegenstieckt. Oline diese letz- 
tere Geste würde man, wegen des ausgestreckten 
Zeigefingers, annehmen können, dass der JalfKov 
seine linke Hand wie erklärend ausstreckt. Unter- 
halb, docli so dass sich dieselbe auf den gleich zu 
erwähnenden Trinkenden mitbezieht, steht die bis 
auf ISION (statt BION) vom Zeichner richtig ge- 
lesene, deutliche Insclirifr. Hinter der Gruppe er- 
scheint der ntglßnlog mit der nvlrj^ dargestellt als 
hohe Mauer und durch die Inschrii't über dem Thore 
als Bing ausdrücklich bezeichnet. Die bildliche Dar- 
stellung hält sich also im Allgemeinen an die Worte 
des Textes; nur die Blindheit der ElanngEvni.ii.voi. 
und die Aendcrung im Standpunkte des JaifKov 
stammt vom Künstler hei-. 

V, 1 — 3 . . . Ogäg Oliv [einej naga tr^v nvXr/v 
■^gnvnv zivcc xti^iaint' xaid znv znnnv, xalf^' nv 
slanngsiizai o ayt.ng, ecp' nv xdi)j]zai yvvi] ns- 
nlaa/iitrr] Zi~ i]'>Et xai ntt^arrj q^aivo/.iivi], (tj) xai 
Iv tjj y,Etgt t%Ei notrjginv ii; . . . J/näzt] xulelvai 
. . . Toig EianngEvofiivovg Eig znv Biov nnziCsi zrjv 
£ai'r/;c övvauir . . . zi iazi zn noznv; FlXdvng, scpr], 
xai ^yrnict . . . llinvzEg zovzo nngsvovzai Ecg zov 
Binv. Rechts vor dem Thore ausserhalb des negi- 
ßo).og sitzt Andzt], der Schilderung im Texte ent- 



sprechend gebildet'), gekennzeichnet auch durch 
die unter ihr angebrachte, jetzt veistüiiimelte In- 
schrift. Sie reicht mit der Rechten eine Schale, 
das nnzrjginv, einem ihr zugewandten, gerade vor 
dem Eingange stehenden Jünglinge, der, im Begrifi'e 
daraus zu trinken, die Schale ebenfalls mit der 
Rechten erfasst. .\n diesem Trinkenden fällt die 
jugendliche Bildung gegenüber den drei ix'jahrten 
Gestalten links auf; ohne Zweifel liegt hier, wie 
Herr Robert bereits in seiner ersten Besprechung 
erkannt hat, eine Bezugnahme auf die Scelenwande- 
rung — Verjüngung durcli den Trank — vor; dazu 
stinunt, dass auch innerhalb des Tieglßnlng die 
Menschen stets als kleine, jugendliche Gestalten 
erscheinen, neben ihnen aber sie bedeutend fiber- 
ragende Figuren, in welchen wir stets eine Per- 
sonifikation zu erkennen haben. Die linke Hand 
der .kndzT} könnte man bei flüchtiger Betrachtung 
als nach den zwei rechts stehenden Figuren ausge- 
streckt auffassen; allein bei genauerem Zusehen er- 
giebt sich, dass sie auf einer Stütze ruht. Vl^elcher 
Art diese Stütze ist, lässt sich nicht deutlich er- 
kennen; am passendsten wäre jedenfalls ein Spiegel, 
aber die Form der Linien spricht nicht hiel'ür, son- 
dern eher für eine Tafel; an eine Lehne des i^gövog 
i.st wohl kaum zu denken. Der Text des Kebes 
giebt keinen AnlialtNpunkt in dieser Beziehung. 
Ich wende mich nun zu der nächsten sicher er- 
kennbaren Gruppe. 

\ II, \. 2 . . .'H öi yvvi) fxtivrj zig iaiiv rj wansg 
TV(ph) [xai finirnttfi't]] rig tirai dnxninu xai eazrj- 
xina F.nl Xii^nv ztvng azgoyyvXnv; — xaXEnat 
(.liv, e'cpri, Tvyq- iaii ös nv (.irnnv zv(fl>]. alld xai 
^iaivnf.ievrj xai xcoq'rj . . . IlaginnoEvezai naizaynv . . . 
VIII. 1. 2 ÖS [zäjv avi)^gi6nwi'\ noXvg nyXog 
nvzng n nsgi avzi]v sazrjxwg . . . tivsg xaXnvvzai ; . . . 
^TignßnvkEvzni . . . d).).' ni ftev avzwv önxnvai 
yalgeiv, ni ös aO^v/iinraiv exzszaxnzag zag ytlgctg; — 
Ol fi fi' öoxnvi'tic, i'cfi]. yalgtiv xai yEkäv avzwv n't 
EilrjipnxEg zi nag avzr^g eiai)' . . ., n'i de öoxniivTEg 
xXals(v \xai txiEiaxniEg] Eiai nag i'jv arfsikezo, 
a öeäojxE ngöztgnv . . . Die oben angeführten letz- 
ten AVorte von Kap. V, 3 führten uns bereits in 
den Bing-., mit Kap. VII befinden wir uns also im 
ngüjzng neglßnlng. Dem entsprechend erblicken wir 
rechts oberhalb der Andzi] die (wie der Kaigng 
des Lysipp) auf einer Kugel stehende, nach rechts- 
hin sich bewegende Tvyjj mit fliegendem Gewände 

') Vgl, Dio Clirysost. Oc. IV, 114 (p. 177 U.). Koerte, 
Personitikationen ]jsychol. Affekte in der späteren griech. Vasen- 
malerei .S.o. 8 ff. 4Gff. soff, iinl die dort angeführte Litteratur. 



119 



K. K. Müller. Relieffragment iiacli Kebes. 



120 



und durch die starke Bewegung enthlüsstem Beiue. 
Links hinter ihr drei Gestalten, mit ausgestreckten. 
Händen bemüht, sie an ihrem Gewände festzu- 
halten; rechts vor ihr zwei ruhig liegende Figu- 
ren: die crsteren jedenfalls die dnxovvTsg xXalsiv, 
die letzteren wohl die doxovvzeg yalgsiv. Das 
Obertheil der Tv^t] ist nicht mehr erhalten; ob 
und wie der Künstler also die im Texte ihr bei- 
gelegten Eigenschaften ausgedrückt hatte, ob sie 
mit den Händen ihre Gaben ausstreute und w.ie 
diese charakterisirt waren (vgl. VIH, ?>. 4 Tlva nvv 
saviv, a öldioaiv . . . ; TJXovtoq örjlnvöti xal ön^ct 
xni Evyeveia xal tlxva xal xv^aviideg xal ßaai- 
).elat xal zd'f.Xa oaa tnvioig noQaih'ioia, vgl. auch 
XXXVI, 1): darüber giebt uns die Zeichnung keine 
Auskunit. Im Uebrigen deckt sich die Darstellung 
des Künstlers mit der bei Kebes"). 

Soweit ergiebt sich die Deutung der einzelnen 
Gruppen und Figuren von selbst aus dem Ver- 
gleiciie der Zeichnung und des Textes. Aber die 
nächste, links hinter der Tvxi] befindliche Gruppe 
giebt zu verschiedeneu Erklärungen Anlass. Die 
Hauptperson ist eine ruhig stehende Figur, von 
welcher ebenfalls nur noch die untere Hälfte er- 
halten ist; was sie that, entzieht sich also unserer 
Kenntniss. Herr Eobert hält dieselbe für männlich 
und nimmt mit Bezug auf die darunter stehende 
Inschrift an, dass sie eine Persouiiikation des Blog 
sei. Mir machen die Formen der Figur eher den 
Eindruck von weiblichen; dazu kommt, dass wir 
nach den AYorten des Textes „xakeizai ovzng n zn- 
nng Ding'' eine persönliche Darstellung des Blog 
nicht unbedingt erwarten dürfen. So wenig ich 
leugnen will, dass der Künstler den Inhalt des ihm 
vorliegenden Textes weiterbildend eine neue Figur 

') ^^is^' l*iicuviuä bei lihetor. ad Herenn. II, 22, ot). Scaen. 
Rom. poes. Jragm. sec. cur. recens. Ribbeck I S. 124 ft". R i b - 
beck, Riim. Tragödie il. Republ. S. 251 f. l'lutarch, De Fort. 
Rom. IV. Dio Chrysost Or. LXIII, 7. LXV, 12 (II p. ,327. 
.345 R.). Galen. n(H,7()f77T. ;.(i;'. II ir. (I S. 3 rt'. Kühn). Ar- 
temidor , Onirocril. II, 37. Isidor. Peius. I. 3 epist. 153 
(cf. Broukhiiys (!(/ TibuU I, 6,34 lesp. 5,70). Ovid., ex Ponio 
IV, 3, 31. 2Vii7, V, 8, 7. O Müller, Handb. § 398. Köhler, 
Descriplion ä'un Camie 1810 S. 41ff. = Ges. Schriften V S. 63ff. 
Zoegii, Abhandl. S. 3Gft', .Jahn, Ber. d. sächs Ges. d. \V. V 
(18.53) S. 56. Anlichith di ErcoL, Bronzill S. 91ff. Müller- 
Wiese 1er, Denkm. II, 924. Kngelhard, De personi/icalionibus 
quue in poesi alijue arte Romanor. inveniuntur (<jOtt. 1881. Diss.) 
S Uff. 43. 48. (JO f. Krsch und Gruber, .v. v. Fortuna. 
Schul/., Aiinali d. Inst. XI (1839) S. 120. Rhode, Griech. 
Roman S.276ff. — Bei Ilclbig, Wandgem. findet sich keine der- 
artige Darstellung; s. No. 17—19. 73—75. 78 79. 942— 943b; 
vgl, 453. 471. 



frei erschaffen konnte, so sciieint es mir, mit Rück- 
' sieht auf die sonstige Treue in der Nachbildung — 
kleine Aenderungen an gegebenen Figuren ausge- 
nommen — doch nothwendig, zunächst an die bei 
Kebes bereits vorhandenen Personifikationen sich 
zu halten. Ehe wir jedoch unter diesen nach einer 
entsprechenden suchen, müssen die jene Figur um- 
gebenden Gestalten betrachtet werden. Rechts von 
ihr erscheint eine nur mit dem Oberkörper über die 
Mauer hervorragende Gestalt; der rechte erhobene 
Arm stützt den Kopf; auf dem linken, dessen unterer 
Theil flach ausgestreckt ist, ruht der Körper: es 
ist die Haltung eines beschaulicher Ruhe pflegen- 
den Menschen. Auf der linken Seite zeigen sich 
zunächst der stehenden Gestalt drei Köpfe über 
oder hinter einander, von denen der unterste und 
der oberste vielleicht den Blick nach aufwärts 
richten. Daran reiht sich eine knieende, wie sänimt- 
liche übrigen kleinen Gestalten — soweit sieh dies 
unterscheiden lässt — gänzlich unbekleidete, aber 
wohl weibliche Figur; dieselbe hält ihren rechten 
Ann vor dem untersten der drei Köpfe nach unten 
zu, wie um die Hand dieser Gestalt zu ergreifen; 
den linken Arm streckt sie liinter den gleichen 
Kopf aus, vielleicht um damit die Hand des Fol- 
genden zu erfassen, oder auch um den Hals der 
erstgenannten Gestalt von hinten zu umfassen. Be- 
trachtet man diese Gruppe, so fällt sofort in die 
Augen, dass sie das Pendant zu der Gruppe rechts 
ist: jedesmal eine über die anderen liervorr:igende 
Hauptfigur, zu beiden Seiten umgeben von zwei 
unter sich verschiedenen Gruppen. Wie dort Tv^ri, 
so ist hier die noch unbestimmte stehende Figur 
der Mittelpunkt für die rechts und links vertheilteu 
Gestalten, Nimmt man nun an, diese Figur stelle 
den Bing vor, so fällt sie bei der Erklärung der 
um sie gruppirten Gestalten vollständig hinweg; 
für den Beschauer behält sie ja immerhin jene Be- 
deutung, Hält man sie aber für weiblich, so muss 
sie nicht bloss äusserlich nach der Auffassung des 
Künstlers, sondern schon nach der .\bsiclit des 
Schriftstellers auch innerlich den Mittelpunkt der 
Gruppe bilden. 

Wir haben bisher gesehen, dass der Künstler, 
soweit möglich, an den Text sich anschloss; man 
wird also auch hier zunächst das gleiche Verhält- 
niss vorauNset/.en. Nun fehlt zwischen Änairj 
(Kap. V) und Tvxrj (Kap. VII. VIII) der Inhalt von 
Kap. VI, der sich ja der Reihenfolge nach gut hier 
einfügen würile: . . . ezi di nix ^Q^S tvdnv zFjg 
nvXqg nXrjiJng zi yvi'aixiüv [izSQCOv] narznöanag 



121 



K. K. Miillci-. l?clieffra}:meiit nach Kebes. 



122 



uoQCfdi; fxnvGÜiv ; . . . Aviai tntviiv Jn^at x«t 
'Errt'h'fiiai xal Hönval xaXnvvzat. mav nvv 
tlannoivtjzai h öx^ng, avanr^öiüaiv avzai xal nXs- 
xoviai ngng "xuainv, eita anaynvai . . . .Ii tiiv 
f:ig To aioteaOai, e(frj. ai de stg tn äuöf.hiai/ai . . . 
liier ist finc iiauptpcixm nicht gegeben; die Deu- 
tung der steheuden Figur als Bing Hesse sich also 
mit dieser Stelle wolil vereinigen. Allein — ab- 
geseiieu davon, dass icii die Kiguv als weiblich au- 
nebnie — scheint mir auch die Darstellung wenig 
den Worten des Textes zu entspreelien. Sowohl 
die eine Figur rechts, wie jedenfalls die beiden 
unteren der drei Köpfe machen den Eindruck von 
Menschen; so bliebe für die Jo'Eiai, 'Eni^vfitai, 
'Hdmai nur die eine knieeude Gestalt übrig. Die 
Bewegung derselben kann man ja als nki-xsaiyai 
nqng iiva auliassen; aber der weitere Inhalt der 
Worte wäre gar nicht angedeutet. Dass aber der 
Künstler eine der vom Schriftsteller völlig gleichge- 
stellten JnSai, 'EniÜvfiicti^ 'Hdnrai zur Hauptti:;ur 
(gleich der stehenden) erhoben hai)en sollte, will mir 
wenig wahrscheinlich dünken. Dazu konnnt ein, 
allerdings ausserhalb dieser Gruppe liegender An- 
stoss. Die Tvyjj wendet sich nach rcchtshin, also von 
denen ab, welche von den Jn%ai u. s. w. — angenom- 
men, dass die linke Gruppe diese darstelle — zu ilir 
kommen würden; ich würde erwarten, dass sie diesen 
entgegengeht. Ausserdem befinden sicli rechts vor 
ihr die dozoriTtg yaiqeiv, links hinter iiir die ön- 
xni'i'isg xlaluv, welchen sie gegeben und bereits 
wieder genommen hat; also wäre doch, was früher 
vorgegangen ist, eigentlich auf der rechten Seite zu 
suchen. Sieht man sich nun, unter Berücksich- 
tigung der eben erörterten Punkte, bei Kebes wei- 
ter um, so iiietet sich vollkommen ungezwungen 
Kaj). IX dar. 

IX, 1 — 4 ^Ogüg . . . allnv neoißolov xal 
yvi'aixag e^co zov nsQißnXnv iozrjxinag xexoaf^irj- 
fiavag oianeg eialgai euod-aai; . . . fj f.isv ^xgaaia 
xaXtlzai, f] Si ^acozla, i) di Änkrjazia, i] de Kola- 
xsla ■ . . Ilaqazr^Qnvaiv , s(pi], znvg eilrjrfozag zi 
nagd zrjg Tv'/rjg . . . ^taniiöcüai xal GVfinltxnvTai 
avxolg xai xnXaxevnvai . . . edv nvv zig netat^f] vn 
avzüiv elaeXiWiv slg tfv' Hdvuüiteiav, (.iiygi fiivzivng 
Tjöe'ta önxtt tivui rj öiazgißi) . . . '('nav avaliüorj 
näi'za, '(loa tlnßs nagd zfjg TvyiiQ, ctva; xatszai 
zaizaig taig yvfaiSi dnvXsvsiv . . . Danach iiätten 
wir in der grossen Stehenden Gestalt die 'i;/()i'.Tay£i« 
zu erkennen, in der knieenden links eine der yvval- 
xeg, in dem ruliig sitzenden Meusclien rechts das 
Stadium der Glückseligkeit, in den Gestalten links 



das der Knechtschaft. Allein auch gegen diese 
•Anschauung lässt sich geltend machen, dass nur 
eine der ywalxeg, in dem erhaltenen Stücke wenig- 
stens, mit Sicherheit nachzuweisen w.'ire. Vielleicht 
iulirt uns die Erörterung eines Punktes, welchen 
ich bisher absichtlich überging, zu einer befrie- 
digenden Lösung der Schwierigkeit. 

Zwischen den Füssen der stehenden Figur er- 
scheinen einige gerade Linien, die kaum zu dem 
Gewände gehören; was bedeuten diese? Auf die 
Gegenübeistellnng der beiden Gruppen innerhalb 
des negißnlng lialie ich i)ereits aufmerksam ge- 
macht. Sollten wir nicht diese Gegenüberstellung 
im Aeu.sseien auch auf den Inhalt beziehen dürfen? 
Dann würden auch jene geraden Linien ihre Be- 
deutung erhalten. Ich denke an Kap. XVIII, 1. 2: 
Ovxnvi' nagd zrjv nvhjv riQÖg, e'rpt], ort yvvrj zig 
fozl xaA/j xal xad^eazijxvla zö rrgoaionnv, (.liarj 
de xal xEXQii.iivq rjdrj zfj rjXixia, azo).ijv de eynvaa 
anlr^v te xal dxaX?.(ümaznv ; eazrjxs öe nvx snl 
azgnyyvlnv Xid^nv, ulf' enl zszgaycuvov, dacpalwg 
xEt/.ievnv xal /.tsza zavtrjg alXai övn elal Üvya- 
zf'geg ttvic doxnvaai ehai . . . /; i^tev ev zw /^leaoj 
Ilaideia iazlv, rj de ^Xtj^tia, rj de Tleti^tö. Aller- 
dings steht die hiernach als flaideia anzusprechende 
Figur nicht auf dem Xilrng zezgäycovng, der durch 
jene Linien angedeutet wäre, sondern dieser liegt 
zwischen ihren Füsseu. Allein dies scheint mir 
darin begründet, dass der Künstler auf den Raum 
Rücksicht nahm; sie hätte sonst zu weit in die 
obere Relieftläche hineingeragt. In der kleineren, 
knieenden Figur könnte mau eine der ^vyaiegeg 
erblicken wollen; aber die zweite fehlt, und dann 
ist im Texte gar nichts davon gesagt, dass jene 
zwei d^vyazegeg irgendwie in die Handlung ein- 
greifen. Jene knieende Figur im Bilde ist aber 
mit einer oder zwei der übrigen Gestalten völlig 
beschäftigt. Ziehen wif den Inhalt der voraus- 
gehenden Kapitel bei, dann ergiebt sich auch hie- 
für eine meines Erachtens annehmbare Vermuthung: 
XV, 3 — XVI, 4 Ovxnvv xal ßovvng zig vifjTjX.og . . . 
xal dväßaaig azevfj nävv xal xgrjfivovg eynvaa . . . 
ßa&elg . . . ^iizt] znivvv eazlv rj ndng, ecpt], rj 
ayovaa ngng t)]v aX.rjitivrjV Tlaideiav . . . enl zov 
ßnvvnv ogcig nezgav zivd fieydXrjv xal vifjrjX^v xal 
xvx?.(i) dnnxgi'i^ii'ni'; . . . 'Ogüg nvV xal yvvaixag 
di'o fazrjxinag enl zijg nezgag Xinagdg xal evexznv- 
aag rü aioi.iazi, lug ixzszoxaai zag yelgag ngnitv- 
(XMg . . . 'H ,M6i' Eyxgäziia xaXtlzai. e(pr]. rj de 
Kagzegia . . . llagaxdlnviuv . trprj. znvg naga- 
yiyvo/nevnvg . . . !/aggeh' . . . nidg avaßannvciiv; ngiä 



12c 



K. K. Müller. Reliefframiieiit nach Kebes. 



124 



yao ndnv (pionvaav nvd£,i(iav sn' nvxäg. — ^vzai 
unn znv xgrjivov ngoxaraßannvai, xal f'?.xovaiv 
avrnig aiio . . . Die Thätigki-it der knieendeu 
Fi.sur läs^t sich ja voilkoninien als flxetv bezeich- 
nen, wir hätten in ilir also entweder 'Eyxoaveia 
oder KttQzEoia zu sehen, die mit jeder Hand einen 
Menschen auf den i^oiii/og lieraufzieht; ob der dritte 
Kopf, der eine ziemlich unerklärliche Haltung liat, 
vielleicht der anderen jener yvvalxtg angeliört, 
lässt sich kaum bestimmen. Auf diese beiden 
yvvaixsg und ihre Charakterisirung als siexrovaag 
T(ü oiü^icai würde auch die bildliche Darstellung der 
kuieenden Figur in voller IS'acktheit'') sehr gut 
passen. Die ruhig: sitzende Gestalt rechts würde 
entweder ein bei der 'Eyxgäzaia und Kaozegia aus- 
ruhender Mensch sein (vergl. XVI, 4 eiza xelevnvaiv 
avTovg diavanaiaaa&ai), oder eher ein zur Ilai- 
öela bereits vorgedrungener, der schon die sni- 
on\i.tr} xov ^trjöiv av tzots dsivov naitslv sv tcjj 
Bi(o (XVIII, 4) von ihr empfangen. 

So würde sich Alles befriedigend erklären lassen; 
aber — nach Kebes ist die Tlaidtiu erst im drit- 
ten, nicht im ersten nsQißolng. Dürfen wir 
glauben, dass der Künstler so weit von seiner 
litterarischen Vorlage al)wich? Ich wies schon oben 
bei dem Jalua'v darauf hin, dass der Künstler seine 
Motive theilweise aus Kap. XXX entnommen habe. 
Wie, wenn derselbe sieh überhaupt wesentlich an 
die Kap. XXXff. gegebene Rekapitulation des haupt- 
sächlichsten Inhalts gehalten und aus der vorher- 
gehenden ausführlichen Darstellung nur die zum 
Verständnis« des Ganzen nothweudigen Gruppen, 
sowie die Charakterisiruug im Einzelnen entlehnt 
hätte? Die eben angeführten Kapitel handeln zu- 
nächst von Jai/iinviov und Ti'x';, gehen dann aber 
sofort zur üaiöila über (Kap. XXXII) und er- 
wähnen die Jn^ai u. s. w. gar nicht, die 'Hdimn^'^sia 
mit ihren Genossinnen, sowie die '■Utvöonaiösia 
nur als Durchgangspunkte, um zur rintdela zu ge- 
langen. Die alartnqsvcftsvoi, der Jalfdov, die Jlnazi] 
und die gleich zu besprechenden übrigen Figuren 
mussten Aufnahme finden, weil ohne sie die ricli- 
tige Entwickelung gefehlt hätte; die Anordnung in 
drei neQ/ßnlni aber war dann nicht mehr möglich, 

3) Vgl. die oben citiiten Stellen V, 1. VI. 1. IX, 1. XVIII. 1 ; 
ferner unten X, 1. X, 3 und XII, 2 yvrri . . . niirv xalhiiiio; y.iu 
ivTaxiOi. XIV, 1 yvraixi; . . . o/.ioitti iiof nixuiuig. XX, "i/oyoj' 
yvvttixiiiv üjg fit/JVrf öoxovniv thcii xiü tinrtxioi xiii nioXIiv 
(iiQiqfoov y.d'i ÜTiXfiv 'i/ovniii . . . oig !in).itnjiii . . . oi'Ja- 
fjiüg xhxuD.wninufrtii . XXI, 3 yvvrj \_xii!ltaiyixviu^ tvnörj-; 
TIS . . . xtxonfi)ju(it] lltvItOjoii XIÜ <<7ifoi^(iyiog 



und nur der erste und grösste, den Bing im 
Ganzen umfassende wui'de dargestellt; höchstens 
konnte der Evdaif.invia für sieh ein besonderer 
Kreis zugewiesen werden (vgl. unten). Es konnnl 
noch etwas Anderes hinzu: konnte der Künstler 
überhaupt die vielen von Kebes vorgefahrten ein- 
zelnen Gruppen — vom Räume ganz abgesehen — 
genügend charakterisirt zur Darstellung bringen? 
Ich möchte dies bezweifeln''). Auffallen könnte nur 
die Auslassung der '^svdonaidsia mit ihren An- 
hängern (Kap. XIII), die ja durch Attribute leichter 
zu kennzeichnen waren. Allein vielleicht waren 
diese hinter resp. oberhalb der Tvxr] dargestellt, 
ebenso hinter der Tlaiöela die 'Eniaztj/m] mit den 
übrigen ^qezai (Kap. XX), so dass auch hier wieder 
zwei sich entsprechende Gruppen dem Beschauer 
sieh darboten. Die Krönung des Ganzen aber bildete 
die Evöatfiofia, welche den zu ihr durchgedrunge- 
nen Menschen als Sieger mit dem Kranze belohnt 
(Kap. XXIff.^). 

Ehe jedoch hierüber mit annähernder Sicherheit 
sich urtheilen lässt, bedürfen die noch nicht bespro- 
chenen Figuren der Erklärung. Rechts neben der 
JinäzT] stehen zwei Gestalten , die grössere leicht 
(oder gar nicht?) bekleidete rechts, über deren Rücken 
ein Band wie von Ringen oder Kugeln sich hinzieht, 
sicher männlich, die andere in ihr Gewand gehüllte 
nicht sicher bestimmbar. Icli hielt dieselben Anfangs 
für die Personifikationen des Trankes der Änäzi], 
nlävng und Jiyvnia, weil ich glaubte, Jlndzi] strecke 
ihre linke Hand gegen sie aus. Allein Herr Robert 
machte mich aufmerksam, dass die Reihe von 
Kugeln, welche die eine Figur auszeichnet, als 
Blumenguirlaude zu fassen sei und diese Bekrän- 
zung i'ür den /ZAavog sich nicht erklären lasse; zu- 
gleich wie.s er darauf hin, dass die von der Evdai- 
(.invia Bekränzten wieder dahin zurückkehren, von 
wo sie ausgegangen waren, um die Schicksale der 
übrigen Menschen kennen zu lernen (Kap. XXIV f.). 
Ich sehliesse mich dieser Deutung vollkommen an 
und sehe dann in der anderen Gestalt einen der 
aazeffävuizoi, welche ebenfalls wieder dahin ge- 
langen (Kap. XXVII f.). In diesem Falle mttsste 
man auch diese Gestalt als männlich betrachten. 
Dass beide Figuren grösser als die Menschen im 

■') '^'s'. hierüber auch: Caylus, Sur le Tableuu de Cibes . . . 
= Hisloire de rAcinl. r. d. Inscript. XXIX (1764) S. I49ff. = Ab- 
handl. /.. Gesch. u. z. Kun.st II S. 184 ff. Böttiger, Hercules in 
hivio S. 20. Kl. Schriften II S. 311. 

■') Liosse sich nicht das bekannte Relief des Arelielaos /.um 
VerL'lciche hier beixiehen? 



125 



K. K. Mal 



l?clieffi-agmeut nach Kebcs 



126 



n£gißn?.ng — aber uiclit so gross wie die Persoui- 
liivatioiicn — dargestellt sind, findet seine genügende 
Eiklüiung wohl darin, dass beide ja bereits an 
das Ziel des Lebens gelangt sind. 

Es erübrigt nocli, die beiden unterhalb dieser 
Grujjpe aui'tauebenden Köpfe zu besprechen. Der 
grössere rechts gchiirt unzweifelhaft einer weib- 
liciien Figur an, dci- kleinere links unten einer 
niäniilichcn. Wo befinden sich diese nach Kebes? 
/^Trar?; mit den zwei anderen (k'stalten nimmt otfcn- 
liar einen erhöhten, gegen das Tlior resp. den l^latz 
(ia\or und gegen den liauni, aus dem jene iieiden 
Köpfe hervorragen, abfallenden Platz ein; die Linie, 
welche untei-halb der Jlnärrj sichtbar ist und hinter 
dem w('il)lichen Ko])fe sieb w(dd fortsetzte, deutet 
die vordere liegrcnzung desselben an. Ebenso füllt 
der Ort, den die tlcnngevö^iemi mit dem Jaificov 
einnehmen, nach rechtshin schroff ab. Jene beiden 
Köpfe resp. die zugehörigen Figuren weilen also in 
einem zwischen diesen Erhöhungen liegenden tiefe- 
ren Jiaunie. Aulfällig könnte nur erscheinen, dass 
dann L4naTTj dem Trinkenden ihr 7Tnxi]Qinv über 
eine Kluft hinüber reicht. Denn dass man diesen 
tief gelegenen Raum auch nach dieser Kichtung 
bin ausgedehnt denken muss, macht das schraffirte 
Stück waluscheinlich, welches Herr Robert für eine 
Tbiir hält. Diese Deutung führt dann auch auf 
die Erklärung des Ortes und der dort befindlichen 
Personen. Von der 'HöviätJEia und ihren fle- 
nossiniien (Kap. IX; vergl. oben) \\ird der Mensch 
der TifKDQin üliergeben: "Oinv nvi- Trärra airni^g 
fnüünfj, TjciQadidnviai i ij Ti/iitjoia 

X, 1 — XI, 1 Tlni'a ÖS iariv avit]; — 'f>Q{<g nnlato 
it, \ttf'y],\ rtincür cnio üantQ th'ginv \/iiixQnr] xai 
znnoi' arsri))' Tiva xai axnrstrni'; Oi'xovv xai yi'- 
rnJxEQ aiayigai xoi gimagal xai qänrj i]f.tififaiüvai . . . 
ytvioi ... 1] fifv xr^v fiönriya eynvna xctleiiat Ti- 
fiioQta . r df xfjv xE(fakr]v ev znlg yniaaiv e'ynvaa 
ytvnrj^ tj ds rag rgr/ag tlllnvaa faiizr^g 'Oövvt] . . . 
n nagtatrixwg avraig dvaeidijg ztg xai Xemog xai 
yi'fifog xai /ist avTo7^ tig . . . ahr/Qu xai Xenzi] . . . 
itsv Oöt'Qiiing . . . ij öf JUfviiia . . . Tnvinig nii 
nagadiöoiai xai fieza znvuor ov/Lißirn ziiicogov- 
ftarng. Ena fvTnv!)a ttciIiv sig zur i'ngor ntxnv 
Qinztzai €ig i if Kaxrtdatitnvli(r xai (uÖE znv himnv 
ßtnv -xaTuaruf^ffei . . . av /.lij i- Mcidinia avim fniTvyij 
\fx rrgoaigfatiDg] avvavzTjOaaa . . . 'ESaigti avinv 
fx z(T)v xaxwv . . . Dass der Kunstler diesen bei 
Kebes hinter und olierhalb der 'Hdvnädeta befind- 
lichen Kaum anderswohin verlegt, darf bei ge- 
nauerer Ueberlegun:;' der Möglichkeiten der Dar- 



stellung kaum Wunder uehmeu; dass dann in der 
Tiefe, also im unteren Theile des Keliefs, der rich- 
tige Platz war, ist ebenfalls klar; liess sich doch 
der Zusammenhang mit dem Biog vermittelst des 
xh'ginr gut herstellen. Die weitere Frage, ob der 
Künstler den nixog der Tifuogia und ihrer Gefähr- 
ten, wie den der Kaxndtti/.tr)vi'a oder nur einen von 
beiden zur Darstellung gebracht hatte, lässt sich 
bei der weitgehenden Verstümnielung nicht ent- 
scheiden; möglich ist ja, dass unterhalb der £tff;ro- 
gainuEvot dieser Kaum sich noch weiter nach links 
erstreckte. In dem männlichen Kopfe hätten wir 
so einen der Tifiwgt'a oder der Kaxodaifinrta ver- 
fallenen Menschen zu erkennen. Wem der weib- 
liche Kopf angehört, ist fraglich; das meiste spräche 
für Mszävnia"), worauf auch Herr Robert hinwies; 
doch kann auch Kaxndai/itnvla in Betracht kom- 
men; bei den übrigen Personifikationen entspricht 
die Charakterisirnng, wie sie in den Worten des 
Textes gegeben ist, nicht der bildlichen Darstel- 
lung. 

So wäre wohl für die noch erhaltenen Theile 
des Reliefs eine im Allgemeinen befriedigende 
Deutung erreicht; dass im Einzelnen Jlanclies frag- 
lich ist, daran trägt der verstünmielte Zustand die 
Schuld. 

Versuchen wir eine Ergänzung des Ganzen, wie 
sich dieselbe nach den vorhergehenden Auseinander- 
setzungen ergiebt, so haben wir im untersten 
Streifen (der gegen unten vielleicht ebenfalls mit 
einer Mauer abgegrenzt war): die Darstellung der 
durch eigene Schuld dem Unglück verfallenen Men- 
schen — eine Art Unterwelt — ; im zweiten 
Streifen: die ^'orstellung des Eintritts in das 
Leben und der diesen begleitenden Umstände; im 
dritten Streifen: die verschiedenen Phasen des 
Lebens; vermuthlich im vierten und letzten 
Streifen: die Bekränzung des an's Ziel gelangten 
Menschen durch die Evöaiiiovta. 

Ich habe das Relief nach den \\'orten des Kebes 
erklärt. Xach den Worten der Einleitung des 
nivai ('Eii'yyavnfitii TTtginarninitg fr zui rni 
Kgnvnv leoiji. f-v uj nnkXa fiev xai a)j.a ava!lrii.iai a 
^ifeiugrivuai ' uvtxtiin df xai nirai ztg . . ., iv w 
fp' yqacpt] ttg . . .) wäre die Frage erlaubt, ob 
nicht der umgekehrte Weg der riclitige sei, ob nicht 
eine künstlerische Darstellung dem Schriftsteller 

') Vgl Lucian. cal. non rem. cred b. Jahn, Ber. d. .<üclis. 
Ges.d.W. V (1853) S 57f Curtius, Arch.Ztg. XXXIU (ISTÜ) 
S. 6. Förster. Uli. Mus. XXXVIIl (1883) S 434. Blümiier. 
De locis l.uciani ml nrlem spertantibus S. 4'-' ff' 



127 



K. K. Müller. Relieffrasment nach Kebes. 



128 



als Vorlage gedieut habe. Die Abweiclmngeu bei- 
der Darstellungen aber lassen keinen Zweifel, dass 
unser Relief wenigstens nicht diese Vorlage war; 
ganz abgesehen davon, dass die allgemeine Ana- 
logie der 'tabiilae iiiacae dafür spricht, dass dort 
eine Fiktion vorliegt') (vgl. auch oben Sp. 124). 

Zum Schluss mache ich noch darauf aufmerksam, 
dass das vorliegende Fragment auch deswegen Be- 
deutung hat, weil die Nachbildung durch die 
Plastik uns zeigt, dass zu irgend einer Zeit der 
unter Kebes' Namen gehende fllvai: eine grössere 
Verbreitung und Anerkennung gefunden hatte. Diese 
Zeit wird wohl von jener der 'labulae iiiacae' nicht 

') Vgl. Jahn, Ber der sächs. Gesellscli. der Wissensch, V 
(1853) S. 58 Anm. Matz, De Philostratorum in describ. imaginib. 
fide p. 5. Brunn, N. Jahrb. f. Philol. 103 (1871) 8.3. Matz, 
Phüulorjus XXXI (1872) S. 59-.>f. 



ferne liegen *). Es ist damit ein Anhaltspunkt ge- 
geben, wann der TllvaS. jedenfalls vorhanden war; 
bekanntlich gehen ja über Verfasser und Zeit der 
Entstehung des Tllvai die Meinungen noch sehr 
auseinander'). Die Behandlung der Frage vom 
archäologischen Standpunkte aus niuss ich Anderen 
überlassen. 



Würzbur"'. 



K. K. Müller. 



8) Vgl. Jahn, Griech. BilderchroniUen S. VI. 78U'. 81 ft'. 
87 ff. Robert, Bild und Lied S. 46ff. 

•') Vgl. Drosihn, die Zeit des IlCvai Keßrijog. (Neustettin 
1873.) Zeller, Philos. d. Griech. II, V S. 206. Sauppe, Gott, 
gel. Anz. 1872 S. 777. Wilamowitz - Möllendorl'f, Anti- 
gonos V. Karysl. S 293 f. Kord'vir);, 'F.<fr}ufi)ii lojj' (fiXofjn,'lii)r 
XXVI (1878) S. 183fr. Ceb.Tab.bi/ Jerram (Oxf. 1878): Intro- 
duction. 



Herr Müller hat mir freundlichst gestattet die- 
jenigen Punkte, über die eine Eiuigung zwischen 
uns nicht erzielt worden ist, hier gleich im An- 
sehluss an seine Besprechung zu formuliren. 

1) Der Jai'^uov reicht nicht dem Vordersten der 
ins Leben Eintretenden die Hand, sondern erhebt 
sie mit ausgestrecktem Zeigefinger; es ist der 
charakteristische Gestus des nqngiaTxeiv (l 2, 3; 
XXX 1: log ngogTävTcuv tt. ti nqni^iäxTEi zö Jai- 
növiov). Der Künstler ist von dem Texte des Kebes 
insofern abgewichen, als er den Daimon nicht mit 
der einen Hand die Rolle halten, mit der anderen 
zeigen, sondern mit der erhobenen Rolle zeigen 
lässt; dadurch gewinnt er die Möglichkeit, die 
andere Hand für den Gestus der Belehrung zu 
verwenden. Ein schlagender Beweis dafür, wenn 
es dessen bedürfte, dass das Relief nach der Schrift 
gearbeitet ist und nicht umgekehrt. 

2) Die über dem Thor stehende Figur kann ich 
nach wie vor nur für den personificirten Biog hal- 
ten. Jede andere Benennung setzt sich in zu star- 
ken Widerspruch nicht nur mit dem Wortlaut, 
sondern auch mit der Tendenz der illustrirten 
Schrift, da dann die EigTtoQSvöi.i£voi nicht zuerst 
in die Gewalt der Tvyjj, sondern einer anderen, von 
Kebes erst später namhaft gemachten Macht ge- 
rathen würden. Den Bing aus eigener Erfindung 
personificirt einzuführen lag dem Künstler sehr 
nahe, und es w-ar fast nothwendig, wenn, wie wir mit 
Wahrscheinlichkeit voraussetzen dürfen, an der ent- 
sprechendi'M Stelle über dem Eingang des zweiten 



Peribolos die Wevdnnaiöela, üljcr dem des diitten 
die Ilaidela dargestellt war. 

3) Ueber der Mauer des IIsQißokog des Bing 
erscheinen, den ins Leben Eingehenden auflauernd, 
die Jo'^ai, 'Erji9v/.nai und 'Hdnvai, als kleine 
nackte Weiber gebildet. Zu diesen rechne ich die 
über dem Thorbogen rechts neben dem Blog und 
die beiden rechts neben der Tv^ri erscheinenden 
Gestalten. Alle drei lehnen den linken Arm in 
bequemer Stellung auf die Mauerbrüstuug; zwei 
derselben erheben den rechten Ann, wie man 
der Zeichnung glauben möchte, um das Haupt zu 
stützen, nach der Absicht des Künstlers wohl, um 
den ins Leben Eingehenden zuzuwinken. Endlich 
gehört in dieselbe Kategorie wohl auch die knieeude 
Figur ganz links, welche einen der ins Leben Ein- 
getretenen an sich heranzieht {avanrjd(üaiv amai 
xal nlixnvtai TiQog tKaaxnv). Die von der Tv^'? 
mit Geschenken Bedachten (o/ dnxnvvrig %aiQeu) 
denke ich mir weiter oben rechts über den beiden 
gelagerten 'Enii^vfitai dargestellt, 

4) Was endlich die schwer zu deutenden Figuren 
an der rechten unteren Ecke des Fragments be- 
trifft, so bin ich nach vielfachem Schwanken jetzt 
zu der Annahme gelangt, dass sich hier der Künst- 
ler eine Erweiterung der bei Kebes gegebenen Be- 
schreibung insofern erlaubt hat, als er auch das 
Jenseits in den Kreis seiner Darstellung gezogen 
hat. Vielleicht hat er die Motive aus dem 10. Buch 
der Platonischen nnlitsia entlehnt, und wir dürfen 
in dem nach rechts gewandten, mit einem Schleier 



129 



K. Lange, Zur Partliciios. 



130 



geseliniiicktcn Fraueiikopf den der Jlvnyxii oder der 
y/äxsatg erkenuen, vor der die zur Rückkehr ins Da- 
sein bestimmten Seelen standen. Dann liätten wir 
liier den Ausgangspunkt der ganzen Darstellung: 
von hier aus wandeln auf gewundenem Felsen- 
pfad die Menschen zum Thore des Lebens. Nur die 
drei vordersten des langen Zuges sind erhalten 
und von einem der hintersten (ganz unten) der nach 
Jiväyyir) zurückgewandte Kopf. In derselben Schlan- 
genlinie setzte sich vermuthlich die Bewegung über 
die ganze Tafel fort. Von rechts nach links 



schreitend, dann wieder nach reciits umbiegend, 
gelangen die slgnogsunfAsini zum Tliore des Lebens; 
hier gerathen sie, nach rechts weiter gehend, in die 
Gewalt der Tiyj]-, dann umkehrend wenden sie sich 
nach links zur 'Hdtmä!/tta, die also etwas ober- 
halb des Bi'og am linken Rande der Relieflafel dar- 
gestellt war, und so fort. Ich gebe diese Recon- 
structiou natürlich nur als Möglichkeit, glaube aber, 
dass wenigstens an der Darstellung der drei Fltol- 
ßnloi durchaus festgehalten werden muss. 

C. ROBEKT. 



ZUR PARTHENOS. 



Es ist nicht meine Absicht, die Polemik Über 
die Athena Parthenos des Phidias hier von neuem 
aufzunehmen und in der Ausführlichkeit, mit der sie 
Schreiber beliandelt'), fortzusetzen. Wenn Schreiber 
die Methode meiner Parthenosstudien der seinigen 
in lebhaften Ausdrücken gegenüberstellt, so kann 
ich mich darüber trösten: der Werth einer Methode 
bestimmt sich nach den Resultaten, die durch sie 
•erzielt werden, und diese haben, soviel ich sehe, 
für die meinige entschieden. In der Annahme, 
dass die Handstütze dem Original angehöre, stim- 
men so viele Faebgenossen mit mir überein, 
dass ich mich in dieser Beziehung durchaus nicht 
in der Defensive fühle. Ich halte es darum keines- 
wegs für nöthig, die theil weise recht seltsamen 
GegengrUnde, die Sehr, neuerdings gegen dieselbe 
vorbringt, näher zu beleuchten. Auch hinsichtlich 
der hohen Bedeutung, die ich der Varvakion- 
copie beigelegt habe, fühle ich mich mit Allen, die 
das Original kennen, in vollkommener Uebereiu- 
stimmung: ist doch auch durch die stilgerechte 
Publikation der Goldmedaillons der Eremitage'^) 
meine Ansicht in viel höherem Grade bestätigt 
worden, als ich selbst geglaubt hätte. Dieselbe 
Publikation hat auch wieder einmal deutlich gezeigt, 
dass die Minercc au coliier im Louvre, die Schrei- 
ber bei der Reconstruction des Helmschmuckes der 
Parthenos vorzugsweise zu Grunde legt, hierfür 
vollkommen gleichgiltig ist, und dass vielmehr die 
jüngeren attischen Tetradrachmen und die Aspa- 
siosgemme diejenige Wichtigkeit in dieser Frage 

') Schreiber, Neue rartbenosstiidien, Arcli. Ztg. 1883 S. 
193 ft". u. 277 ff. 

'■') Mitlh. des arcli. Instit. 1S83 Taf. XV (Kieseritzky). 
Arcliilolog. Ztg. .fahrgani; XLU. 



haben, die ich ihnen gleich von vornherein beilegte. 
Damit wären die drei wichtigsten Punkte, in de- 
nen unsere Ansichten von einander differiren, erledigt, 
üeber die anderen weniger wichtigen ist das Ma- 
terial, wie mir scheint, jetzt so vollständig zusam- 
mengetragen, dass man die Entscheidung rnliig dem 
Leser überlassen kann. Nur um einer gewissen 
Verwirrung vorzubeugen, die in der polemischen 
Behandlung der Parthenosfrage einzureissen droht, 
sei es mir gestattet, einige Fälle aufzuzählen, wo 
Schreiber meine Ansicht sehr energisch bekämpft, 
wo ich aber durch einfaches Citiren meiner Worte 
nachweisen kann, dass icii vielmehr mit ihm voll- 
kommen übereinstimme. 

Zu den Worten des Pausanias II. 27, 2: xäl>ijai 
de (^axlrjnidg) int DqÖvdv ßaxTtjQiav xquimv be- 
merkt Schreiber:') „Es ist seiner vorgestreckten 
Hand eine Stutze untergestellt, würde man mit 
Lange intei'pretiren müssen." Wo icii diese Inter- 
pretation vorgeschlagen haben soll, ist mir uner- 
findlich. Sehr, scheint die Stelle nur so weit gele- 
sen zu haben, wie er sie ausschreibt, sonst hätte 
er daran unmittelbar anschliessend die Worte ge- 
funden: T^'v öi eiägav tüv xeiQwv hnsQ xefpalrjg 
eyji inü ÖQciy.nying. Auf diese bezog sich meine 
Bemerkung, dass der Asklepios in Epidauros „ob- 
wohl er offenbar in der ausgestreckten rechten 
Hand nur eine Schale hielt, doch eine Schlange als 
Stütze unter derselben hatte". Und ich glaube 
damit den Pausanias ebenso aufgefasst zu haben, 
wie ihn alle Archäologen, und wohl auch Schreiber 
selbst, bisher auffassteu. 

■') Abb. (1 kyl. siicbs. Ges. d. Wissensch. VIII S. G17. 

9 



131 



K. Lange, Zur Partheiios. 



132 



Mein Uitlieil über die Copien der Pavtlienos 
hatte ich (Mitth. d. arcli. Inst. VI. S. 61) so forniu- 
lirt: „Neben der Varvakionstatuette (A), der Lenor- 
niantschen im Cultusministerium (B) und dem Torso 
im Akropolismuseum (C) haben jetzt besonders die 
iHhierce au collier im Louvre (D), die Atliena des 
Antiochos in der Villa Ludovisi (E) und die in 
Jladrid (F) eine erhöhte Bedeutung- bekom- 
men, die man bisher, offenbar wegen des Fundorts 
von BC, diesen gegenüber etwas unterschätzt 
bat." Es ist räthselhaft, wie Schreiber gegenüber 
diesen vollkommen unzweideutigen Worten behaup- 
ten kann (Arch. Ztg. 1883 S. 199): „Lange hat 
die Keibe der römischen Copien als untergeord- 
net und nichts beweisend bei Seite gescho- 
ben." 

Indem ich die Copien je nach ihrer Wichtigkeit 
theils mit grossen, theils mit kleinen lateinischen, 
theils mit griechischen Lettern bezeichnete und diese 
Gruppirung ausführlich durch den Nachweis der 
den einzelnen Copien gemeinsamen von dem Origi- 
nal entlehnten Züge rechtfertigte, glaubte ich dasje- 
nige gethan zu haben, was in einem solchen Falle 
getlian werden muss. Und darin kann mich nur 
die Beobachtung bestärken, dass die erste Classe 
der Copien, die Schreiber aufstellt, genau die- 
selben Exemplare enthält wie die von mir 
an die Spitze gestellte Gruppe, vermehrt um 
diejenigen römischen Exemplare, die Schreiber neu 
publicirt hat, und die ich nur summarisch anführen 
konnte, da sie bisher nirgends abgebildet waren. 
Trotzdem ist Schreiber über mein unmethodisches Ver- 
fahren sehr aufgebracht und meint unter anderem, 
„aus welchen Gründen er diese und die übrigen von 
ihm neu publicirteu Statuen unter die sicheren Re- 
pliken verwiesen habe, sei mir nicht klar geworden" 
(Anm. 6) oder gar ..ich scheine seine Aussonderung 
einer Gruppe eigentlicher Copien jetzt adoptirt zu 
haben!" (Anm. 21). Die Belehrung, dass die ganz 
freien Repliken der Parthenos, die ich nach dem Vor- 
gang von Overbeck und Michaelis unter der dritten 
Classe mit aufgeführt hatte, keine eigentlichen Copien 
seien, war überflüssig, da dies meines Wissens Nie- 
mand behauptet, und auch keiner sie neuerdings zur 
Reconstruction des Originals verwerthet hatte. Auch 
hier stimmen wir also vollkommen ttberein. 

Nur in der Werthschätzung der einzelnen Copien 
dieser ersten Classe weichen unsere Ansichten 
von einander ab. Während ich nämlich die Var- 
vakioncopie, da sie aus Athen stammt und noch 
dazu aus hadrianischer Zeit, unbedingt als Codex A 



betrachte — was sich wie gesagt jetzt vollkommen 
bestätigt hat — rangirt Sehr, diese genaueren Co- 
pien nach der Grösse. Denn er ist der Jleinung, 
dass „die Copien, je mehr sie sich in der Grösse 
dem Original annähern, auch um so mehr Einzel- 
zOge desselben enthalten können, und umgekehrt 
je kleiner, um so unvollständiger, auszugartiger sein 
werden" (Abb. d. sächs. Gesellsch. VIII. S. 585). 
Schon die unbestimmte Formulirung dieser Regel 
zeigt, wie es um ihre Richtigkeit steht. Es ist 
kaum nöthig, hinzuzufügen, dass das vorliegende 
jMaterial ihr stricte widerspricht: die Lenormantschc 
Statuette ist die kleinste aller vorhandenen Copien 
und hat, obwohl unvollendet, doch eine Andeutung 
der Schildreliefs, die Varvakionstatuette, die bei- 
nahe dreimal grösser ist, obwohl vollendet, einen 
(bis auf die Gorgone) vollkommen glatten Schild. 
Trotzdem führt Sehr, beide Beispiele zur Begrün- 
dung seiner Regel an. 

Dass die Varvakionstatuette auch in Bezug aut 
den Helmschmuck der Göttin unvollständig sei, 
hatte ich ausführlich nachgewiesen. Mit Entschie- 
denheit hatte ich betont, dass die jüngeren attischen 
Tetradrachmen und die Aspasiosgemme mit ihren 
zahlreichen als Helmschmuck angebrachten Thieren 
auf die Athena Parthenos zurückzuführen sind. Diese 
Zurückführung, die wie gesagt jetzt vollkommen 
bestätigt ist, hatte ich mit den Worten begründet: 
„Denn was in aller Welt sollte einen Stempel- und 
Gemmenschneider veranlassen, diese reichen Details 
in seinem kleinen Maasstabe zu geben, wenn das 
Original sie nicht hatte?" Und nach Aufzählung- 
aller mir bekannt gewordenen Spuren derartiger 
Thiere an den Köpfen der erhaltenen statuarischen 
Copien kam ich zu dem Schlüsse: „Das ist eine 
Uebereinstimmung, der gegenüber die Einfachheit 
unseres Helmes nicht in Betracht kommt." ^) 
Ich denke , das ist deutlich genug. Dennoch be- 
hauptet Sehr. (Arch. Ztg. 1883 S. 199): „Dieser 
ganzen Schlussfolgerung stellt L. nun freilich die 
Autorität der Varvakionstatuette entgegen, in wel- 
cher der vordere Stirnschmuck nicht dargestellt ist. 
Was in der athenischen Figur nicht vorhan- 
den, soll auch im Original nicht vorausge- 
setzt werden dürfen, der neue Fund als eine 
Musterleistung hadrianischer Plastik in jeder Be- 
ziehung Urkunde für uns sein." Auch hier kann 
ich vielmehr nur vollkommene Uebereinstimmung 
meiner Ansicht mit derjenigen meines verehrten 

') Mitth. d. arcli. Inst. VI. S. S3. 



133 



II. 



Die ..Monokucmos" des Apclles. 



134 



Gegners constatircu. Nur das ausgeprägte Streben 
desselben, neue Resultate an die Stelle der meini- 
geu zu setzen, macht seinen Irrtluun erklärlich, 
(las als das seinige zu betrachten, was im wesent- 
lichen schon von mir gefunden war. Und so ist 
denn auch nicht zu verwundern, wenn er am 
Schlüsse seiner Auseinandersetzung glaubt, in Be- 
zug auf den Ilehnschnnu'k „die Reconstruction 
der Parthenos einen kleinen Scliritt gefördert zu 
haben." Das einzige, was in dieser Richtung noch 
zu tliun war, die Vergleichuug der schon früher 
publicirteu Medaillons in der Eremitage, hat auch 
Sehr, nicht gethan; dagegen ist es ihm gelungen, 
durch die ausfiibrliciie Behandlung der Mhierce au 
Collier im Louvre und der nach ilir angefertigten 
Zeichnungen die ganze Frage gründlich zu verwirren. 
Die Form und Katur dieser ornamentalen Tliiere 
ist jetzt durch die Goldmedaillons vom Koul-Oba 
entschieden: Die Göttin trug auf der Mitte des 
Helmes eine Sphinx und zu ihren Seiten zwei Flü- 
gelpferde, wie ich schon, ehe der Helmschmuck 
der Varvakioucopie vollständig gefunden war, mit 
Bestimmtheit behauptet hatte. Auf ihren Backen- 
klappen waren in Relief springende Greife darge- 
stellt, wie ich ebenfalls — auf Grund einer verein- 
zelten Tetradrachme und in Folge mehrerer anderer 
Erwägungen — • vermuthet hatte. Die Thiere au 
ihrem Stirnschikl, deren Natur ich vorläufig dahin- 



gestellt sein liess, weil die Münzen iiierfür nicht 
ausreichten, haben sich als Greife, mit denen Rehe 
abwechseln, erwiesen; und die Eule, die ich bei 
Athena nicht gern missen wollte, ohne sie doch an 
einer bestimmten Stelle unterbringen zu können, 
hat sich auf der linken aufgerieliteten Backenklappe 
sitzend gefunden. Ferner sind auch die Ohrringe 
und das Halsband, die ich beide nach den Münzen 
auch am Original voraussetzte, von neuem bestä- 
tigt worden. Zum Ueberfluss hat sich endlich in Be- 
treff des Speeres die Meinung von Michaelis, der aucli 
ich mich mit neuen Gründen angeschlossen hatte,'') 
dass derselbe nämlich nur au die Schulter gelehnt, 
nicht von der linken Hand gehalten gewesen sei, 
vollkommen bestätigt. Am erfreulichsten musste mir 
aber der neue Nachweis sein, dass das runde breite 
Gesicht und der ernste Ausdruck des Mundes, die ich 
beide als charakteristische Eigenschaften argivischer 
Kopftypen (ich erinnere nur an die Amazone und den 
Doryphoros) auffasse, auch der Parthenos niclit 
gefehlt haben. Denn die Tradition von Phidias' 
Schülerschaft bei Ageladas, die man neuerdings 
mit Unrecht verwirft, fand dadurch eine willkom- 
mene Bestätigung. 

Jena. K. L.\nge. 

*) Siehe dagegen die abweichende Ansicht bei Schi'eiber, 
Abb. der süchs. Gesellsch. VIII. S, 596 f. 



MISCELLEN. 



XOCn EINMAL 

DIE „MONOKNEMOS" DES APELLES. 



Franz Studniczka ist in seinen „Vermu- 
thungcn zur griechischen Kunstgeschichte" (Wien, 
1884) S. 370'. wieder einmal auf dies berüchtigte 
Bild zurückgekommen, um zunächst die wirkliche 
Existenz des Gemäldes gegen v. Wilamowitz» 
Möllendorft', welcher dieselbe (Archäol. Ztg. 1875 
S. 1G9) bestritten hatte, zu vertheidigen und andrer- 
seits für die Identität des Bildes mit der Anadyo- 
mene einzutreten. So vollkommen ich ilnn in dem 
ersten Punkte beistimmen muss, so wenig kann ich 
mich der zweiten Ansicht, obgleich dieselbe sehr 
verbreitet ist, anschliessen. 



Die in Frage kommende Stelle bei Petron c. 83 
lautet bekanntlich in den Handschriften: iam vero 
Apeliis, quam Graeci monocremon appellanl, etiam 
adoraci. Abgesehen von einigen ohne weiteres ab- 
zuweisenden sind vornehmlich drei Eraendations- 
versuche zu der Stelle gemacht worden: 1) mo- 
nochromon, laut Bücheler's Anmerkung schon in 
einer Margiualnote der Ausgabe von Joannes Tor- 
naesius (Leyden 1575); nach ßöttiger, Archaeo- 
logie der Malerei S. 171, rührt diese Conjectur von 
Gonzalez her. Gebilligt haben sie Dati, Vile tlvi 
pittori p. 33, Böttiger a. a. 0., Sillig, Calalog. 

9* 



135 



II. Bliimner, Die „Monoknemos" des Apelles. 



136 



ailif. p. 74; vou Neueren meines Wissens niemand. 
2) movoc7iemon emendirte Jos. Scaliger; diese 
Eniendafion, die aucli B Li cheler aufgenommen, bat 
die meiste Zustimmung gefunden. 3) monoglenon 
conjicirten Wustmann (Apelles S. 107 Anm. 14) 
und Schreiber (Arcbäol. Ztg. f. 1875, S. 108 ff.); 
doch ist diese Vermuthung von niemandem weiter 
gebilligt worden, und mit Recht. Auch die erste 
kann nicht mehr in Frage kommen; vgl. Brunn., 
Griech. Klinstier II. 205. 

Indessen auch bei Annalime der zweiten 
Emendation gehen die Meinungen über das Bild 
auseinander. Die einen halten es für identisch 
mit der. Anadyomene: dieses Bild war nach Plinius 
XXXV. 91, nachdem Augustus es den Koern abge- 
kauft und im Tempel des Caesar aufgestellt hatte, 
in den unteren Theilen schadhaft geworden, und da 
niemand gewagt, es zu restauriren, so auch geblieben; 
daher stamme der Name ^wvöxrr^ftng. So Brunn 
a. a. 0. und Studniczka bemerkt weiter, dass, da 
nach der gleichen Quelle unter Nero, also zur Zeit 
des Petron, das schadhafte Gemälde aus dem Cae- 
sartempel entfernt und durch eine Copie von der 
Hand des Dorotheos ersetzt worden war, dasselbe 
sich offenbar eine Zeit lang im Privatbesitz eines 
Günstlings des Nero mit anderen Kunstwerken auf 
dessen cumanischer Villa befunden habe, wo es der 
petronische Encolpius sah. — Zu einer andern An- 
sicht ist Brunn gelaugt in seinem Artikel „Apelles" 
in Meyer's Künstlerlexikon II S. 167. Hier identifi- 
cirt er die ^lovö-AVT^iiog mit der vollendeten zweiten 
kölschen Aphrodite des Apelles, an welcher nur 
der Kopf und die oberen Theile der Brust ausge- 
führt waren; da die Anlage {praescripta l'meamenta 
Plin. XXXV. 92) theilweise in Untermalung, theil- 
weise in blosser ümrisszeichnung bestehen mochte, 
so seien die Worte des Petron wahrscheinlich auf 
diese Aphrodite zu beziehen, an welcher der eiue 
Unterschenkel vielleicht noch nicht einmal unter- 
malt war. Der Beiname der „Einschenkligen" 
habe dann zugleich gedient, um diese zweite 
Aphrodite von der allgemein unter dem Namen 
..Anadyomene" bekannten mit einem Worte be- 
stimmt zu unterscheiden. 

Treten wir zunächst der ersten der beiden 
Ansichten näher. Da haben denn Wustmann und 
Schreiber sicherlich Recht, wenn sie einwenden, die 
Anadyomene könnte jenen Beinamen doch erst in 
Rom erhalten haben, während das griechische Wort 
und der Ausdruck Graeci appellant bewiesen, dass 
er schou sehr frühzeitig, als das Werk noch in 



Griechenland war, aufgekommen sein müsse. 
Studniczka wendet dagegen ein, dass gerade Pli- 
nius am besten lehre, dass mit solchen Ausdrücken 
durchaus nicht immer die anerkannte öffentliche 
Jleiuung der griechischen Kunstwelt, oft nur die 
Angabe eines einzigen griechischen Gewälirsmannes 
wiedergegeben werde. Allein es ist doch ein 
Unterschied, ob Plinius, der seine griechischen 
Quellen excerpirt, daraus einen griechischen Ter- 
minus herübernimmt, oder ob Petron, der nicht auf 
Quellen sich stützt, eine griechische Bezeichnung 
eines Kunstwerkes anführt; es liegt auf der Hand, 
dass letztere unmöglich eine vereinzelte Bezeichnung 
sein kann, sondern ein allgemein bekannter und an- 
erkannter Name sein musste. Und kann man es 
wirklich wahrscheinlich finden, dass der zufällige 
Umstand der Beschädigung der unteren Theile eines 
Bildes den allbekannten und verbreiteten Namen 
verdrängt nud jene seltsame Bezeichnung der 
„Einsehenkligen" hervorgerufen haben sollte? — 
Hätte nicht Plinius, der jenen „Spitznamen", als 
welchen Studniczka den Namen fiov6xi.ir]^iog auf- 
fassen will, eben so gut kennen musste wie Petron, 
darauf Rücksicht genommen? 

Ferner: die Verletzung der unteren Hälfte des 
apelleischen Bildes war nicht die Veranlassung, 
weshalb mau es aus dem Tempel des Caesar ent- 
fernte; diese Verletzung hatte das Bild vielleicht 
schon auf dem Transport nach Rom oder irgendwann 
sonst erhalten. Aber: consennit haec tabula carte, 
aUamque pro ea suhstiluit Nero, sagt Plinius; das 
Gemälde war verblasst, war überhaupt undeutlich 
geworden, und darum wurde es beseitigt, bis sich 
unter Vespasian doch ein Maler fand, der es unter- 
nahm, das Bild zu restauriren; ob er sich damit 
begnügte, die Farben der sonst wohlerhaltenen 
Theile wieder aufzufrischen oder ob er auch die 
zerstörte untere Partie wieder renovirte, können 
wir nicht wissen. In der Zwischenzeit, d. h. von 
der Beseitigung durch Nero bis zur Restaurirung 
unter Vespasian, wird das Gemälde irgendwo auf- 
bewahrt, aber schwerlich in der Gemäldegalerie 
eines neronischen Günstlings gewesen sein; zumal 
es sich doch in einem offenbar sehr ruinösen Zu- 
stande befand, in dem es gegen die anderen 
Schätze jener Sammlung, die Zenxldos manus noti- 
diim vetustatis inhiria viciae, die extremilales ima- 
ginum tanla sublililate ad similitudiitem praecisae 
etc. so bedenklich abgestochen hätte, dass zum 
mindesten Encolpius, wenn er trotzdem „anbetete", 
diesen Zustand des Gemäldes hervorheben und 



137 



C. I!<ibcrt. Zu TalVI •_'. 2. 



138 



iiiclit bloss, wie Htudniczka will, diircli das blosse 
Nennen des Reinamens hätte eiratlien lassen müssen; 
es war ja ein um so lioheier Triumph des Künst- 
lers, wenn selbst seine ganz verblasston Gemälde 
noch so zur Hewunderung reizten. 

Was die zweite Bruun'sche Vermuthung an- 
langt, so wäre hinsichtlich des Aufkommens einer 
derartigen griechischen Benennung nichts eiu/u- 
wenden, da die Bezeichnung ja scheu früh in 
Griechenland selbst entstanden sein könnte. Aber 
undenkbar ist, dass bei einem Gemälde, welches 
zum Theil schon vollendet war, dessen Umrisse 
(liiieame7ila) angegeben waren, gerade der eine 
l'nterschenkel noch gar nicht einmal angelegt ge- 
wesen sein sollte. War derselbe auch noch nicht 
untermalt, so waren die Umrisse doch jedenfalls vor- 
handen; das sagt ja Plinius ausdrücklich, und das 
entsj)richt ja auch der Praxis der modernen Maler, 
die erst die ganze Figur entwerfen, ehe sie an die 
Ausführung der Einzelheiten gehen; und war die 
Figur in den Umrissen vollständig da, dann konnte 
sie nicht „einschenklig" genannt werden, denn 
das Fehlen der Untermalung bewirkte noch immer 
kein Fehlen des Schenkels selbst. 

Ich bin etwas ausführlich gewesen, um zu be- 
gründen, warum ich trotz des Vorhandenseins einer 
von den meisten gebilligten Emendation eine neue 
vorschlage. Ich gehe dabei nicht darauf aus, das 
petronische Gemälde auf ein uns sonst bekanntes 



zuriickzuluhreu. Warum wäre das auch nnthigV 
Apelles hat gewiss noch viele andere Bilder gemalt 
als die, welche Plinius und unsere sonstigen Quellen 
uns anfülireu; und dass gerade eines der berühm- 
teren, allbekannten in einer Privatgalerie sich befun- 
den haben sollte, ist nicht einmal wahrscheinlich. 
Es handelt sich also lediglich darum, eine leichte 
und passende Verbesserung des verdorbenen Wortes 
zu finden; und eine solche bietet sich uns, wie ich 
glaube, in dem Worte /nofOKQrjnida. Die Emen- 
dation sieht schwerer aus, als sie ist; nimmt mau 
die Uebertragung in lateinische Buchstaben an, so 
entfernt sich das handschriftliche monocremon nur 
wenig davon, indem aus pida leicht nion werden 
konnte, sobald erst einmal die naheliegende Ver- 
derbniss von pi in m eingetreten war. 

Was wäre das aber für ein Bild gewesen? — 
Natürlich nicht lason, der bei Find. Pyth. IV 75 
so beisst, sondern ebenfalls ein Aphroditeubild, und 
zwar in dem uns aus statuarischen Nachbildungen 
so bekannten Typus der Saudaleulüserin; ein Vor- 
wurf, der sonstigen apelleischen Motiven durchaus 
verwandt ist. War die Göttin, im Begriff sich zum 
Bade zu entkleiden, so dargestellt, wie sie die 
Statuetten zeigen, den einen Fuss bereits ganz von 
der Sandale befreit, während sie eben vom andern 
dieselbe löst, so konnte sie recht gut den Beinamen 
l-iniöxgrjntg erhalten. 

Zürich. H. Blümner. 



ZU TAFEL, 2 2. 



Im vorigen Heft dieser Zeitung hat R. Engel- 
mann ein Bronzerelief des Brit. Mus. verötfentlicht, 
das, wie er mit Piccht rühmt, zu dem Reizendsten 
gehört, was uns aus dem Altertimm erhalten ist; 
eine mächtige Okeanosbüste — diese individuelle 
Benennung ist der von dem Herausgeber gewähl- 
ten allgemeinen Bezeichnung als Seegott entschie- 
den vorzuziehen und durch die gewaltigen Propor- 
tionen und den majestätischen Gesichtsausdruck 
hinlänglich gesichert — ist in äusserst glücklicher 
Weise in das Rund der Bronzeplatte hineincompo- 
nirt; zwei Delphine, deren Köpfe vor der Mitte seiner 
Brust zusammenstossen und den unteren Abschluss 
der Büste markiren, heben in kühn geschwungenen 
Wellenlinien die Schwänze, deren Ende hinter dem 
Kopf des Okeanos verschwindet, und rahmen. 



wie Engelmann richtig sagt, die Büste gleichsam 
ein. Vor oder richtiger an der Brust des Okeanos 
erscheinen auf den Delphinen gelagert drei Mäd- 
chen, zwei in enger Gruppirung, die eine im Schoosse 
der anderen, zur Linken; die dritte rechts allein: 
Nereiden nach der Meinung des Herausgebers, der 
in der ganzen Darstellung .,ein Bild voll gemüth- 
lichen Humors" erkennt und glaubt, dass die rechts 
gelagerte Nereide den Seegott an einer seiner Bart- 
locken zupfe, um seine Aufmerksamkeit zu erregen; 
auf der Publikation ist nur zu erkennen, dass sie 
den rechten Arm erhebt und die Hand durch den 
Bart des Okeanos verdeckt wird. Befremdlich ist 
bei dieser Autfassung die ruhige feste Stellung 
der sitzenden Mädchen, die so gar nicht im Cha- 
rakter der Nereiden ist und vielmehr an Lokal- 



139 



M. Fränkel, Hahn auf Grabsteinen. 



140 



gottlieiten erinnert, befremdlich der gewaltige Un- 
terschied in den Proportionen des Seegottes und 
der Nereiden; sonderbar auch die Wahl von nur 
drei Nereiden, die sich zu einer symmetrischen 
Composition schlecht genug zusammenfügen. Auf 
Piiehtigkeit kann nach meinem Dafürhalten nur 
eine Deutung Anspruch machen, die der Dreizahl 
der Mädchen wie ihrer charakteristischen Grup- 
pirung, ihrer Stellung wie ihrem Platz in gleicher 
Weise Eechnung trägt. Drei Mädchen, die an der 
Brust des Okeanos liegen, kann ich nur für die 
Personificationeu der drei den Alten bekannten 
Erdtheile halten. Der Künstler denkt sich die 
Bronzeplatte als die Erdscheibe; dieselbe wird ganz 
von dem Okeanos eingenommen, dessen die Erde 
umfiiessenden Strom die Windungen der Delphine, 
die gleichsam aus seinen nassen Locken hervor- 
wachsen, symbolisiren; an seiner Brust trägt er die 
drei Erdtheile, und zwar ihrer geographischen Lage 
entsprechend gruppirt, rechts die Libye, links die 
Europa im Schooss der Asia. Es wäre leicht, noch 
weitere symbolische Bezüge in der Darstellung zu 
finden, z. B. darin, dass Libye ihren rechten Arm 
nach Asia hin ausstreckt, während ihre FUsse sich 
mit denen der Europa berühren, darin, dass die 
Windungen des Delphins zur Rechten und der linke 



Arm des Okeanos vollständig sichtbar sind, wäh- 
rend sein rechter Arm ganz, und die Windungen 
des Delphins zur Linken theilweise von der Gruppe 
der Europa und Asia verdeckt sind. Allein ich bin 
nicht sicher, dass wir nicht damit willkürlich dem 
Künstler Feinheiten unterschieben, an die er selbst 
nicht gedacht hat. Vor der bisher allein bekann- 
ten Darstellung der drei Erdtheile, dem pompeja- 
nischen Bilde aus der casa di Meleagro (Heibig 
No. 1113), hat unser Bild die ungleich grossarti- 
gere Auffassung voraus. Wenn das Bild sich ein- 
seitig auf die Wiedergabe der culturhistorischen 
Stellung der Welttheile beschränkt, gibt uns das 
Relief ein gewaltiges Naturbild mit Verzichtleistuug 
auf alles äussere Beiwerk, wie Charakterisirung 
der einzelnen Erdtheile durch Gesichtstypus, Ge- 
wandung oder Attribute. Die Darstellung gehört 
demselben Gedankenkreise an, wie die Antiocheia 
des Eutychides, der vatikanische Nil und in ge- 
wissem Sinne aucli die beiden pompejauischen Land- 
schaftsbilder aus dem Hause des Cornelius Eufus 
(Heibig 1018. 1020), aber die Aufgabe ist eine un- 
gleich grossartigere, und die Lösung derselben eine 
so glückliche, dass man dem Monument in der 
That Weniges an die Seite setzen kann. 



Berlin. 



C. Robert. 



DER HAHN AUF GRABSTEINEN. 



In den Ernst Curtius zu seinem 70. Geburtstage 
gewidmeten „historischen und philologischen Auf- 
sätzen" S. 154 veröffentlicht Ludwig Gurlitt eine 
Grabstele mit dem aufgemalten Bilde eines Hahnes 
neben einem Sterne. Es ist eine Idee von nicht 
geringer Wichtigkeit, die der Herausgeber aus dieser 
einfachen Darstellung zu erkennen vermocht hat. 
„Deutlicher", sagt er ,,(als der Sinn der Schlange 
auf Gräbern) ist die Symbolik unseres Hahnes, der 
durch den beigefügten Stern zum Träger einer tief- 
religiösen Anschauung wurde. Der LichtverkUnder 
auf dem Grabe dient ihm nicht zum Schutze allein, 
sondern weist auch hin auf das Fortleben der Ver- 
storbenen .... Der Ruf des Hahnes weckt die 
Verstorbenen, gleich den Posaunen des jüngsten 
Gerichts. So erscheint uns jetzt das Bild fast wie 
eine Anticipation späterer christlicher Ideen, der 
Hahn gleichsam als Verkünder des höheren Lichtes, 



das fast ein Halbjahrtausend später den Menschen 
aufleuchtete.'- 

Wer den Stern zum Verkündiger des neuen 
den Abgeschiedenen im Jenseits aufgehenden Tages 
macht, kann unmöglich Widerspruch erheben, wenn 
wir hier den Morgenstern erkennen wollen. 
Durch welche Gründe Gurlitt aber zu der Ansicht 
veranlasst worden ist, dass in der Vorstellung der 
Alten der Morgenstern einen Hahn zum Ausdruck 
so grosser Dinge befähigt habe, verschweigt er 
gänzlich, obwohl es von selbst gar nicht einleuchten 
will. Denn es scheint doch, dass die Griechen dem 
Morgenstern neben dem Hahne, dem öf/Ogtog und 
ai.iE()r)(fiovng, auch ohne an Auferstehung zu glau- 
ben, einen recht passenden Platz einzuräumen meinen 
konnten. 

Dass der Hahn allein sich zum Träger einer 
tiefreligiösen Anschauung schicke, behauptet Gurlitt 



141 



W. llolliig. Zur Parisami)Uoi'a. 



142 



zwar uicbt; er führt aber den bekannten Aus- 
spruch des Sokrates an, als ob dieser seine Deutung 
stützen könne. Aber durch den Tod zu gesunden 
meint Jeder, der das Leben gering achtet, mit Un- 
sterblichkeitsglauben und ohne denselben: wenn 
also ein Sterbende)' dem Ootte der Gesundheit aus 
Dankbarkeit einen Halm zu opfern befiehlt, so thut 
er dies, weil er vom Leben erlöst wird, nicht weil 
er unsterblich zu werden hofft. 

Wenn wir erkennen wollen, wie die Griechen 
ein Sj'mbol gedeutet haben, so wird es zweck- 
mässig sein, sie vor allen Dingen selbst zu fragen, 
da unser Scharfsinn geschichtliche Thatsachen höch- 
stens eombiniren, sie hervorbringen niemals kann. In 
unserem Falle machen die Alten, wenn man sich nur 
an sie wendet, aus ihrer Anschauung kein Geheimniss. 

Antipater Sidonius hat die Grabschrift einer 
Frau gedichtet (Anthol. Pal. VII 424), auf deren 
Denkstein ihr Mann unter anderen Symbolen einen 
Hahn hatte meisseln lassen — 
T«i' fiFv aviyQOjiievav fie nnx eioia vvxisqog oqvig 

avöaasL 
sagt die Verstorbene: also daran, dass die Frau 
mit dem Hahnenschrei ihr Tagewerk zu beginnen 
gewohnt gewesen ist, sollte der Hahn auf ihrem 
Grabe erinnern, und der Dichter verräth keine 



Kenntniss, dass diesem Thiere noch eine tiefsin- 
nigere Grabessymbolik beigewohnt habe. Ebenso- 
wenig Meleager, als er dem Verfasser des vorigen 
Epigrammcs, auf dessen Ruhestätte gleichfalls ein 
Hahn gebildet war, eine Grabschrift widmete (eben- 
da 428); hier soll, sagt er, der Hahn auf den tönen- 
den Gesang des Dichters deuten: 
oQvig d' oxxi yEyiDvog ct^fJQ^ ^f"' ^'^v nsgl Kvngiv 

ngärng x/'jv Movaatg nnixiXng vfivnDtxag. 

Da nicht immer ein berühmter Dichter zu be- 
graben war, werden wir uns vorzustellen haben, 
dass unser Hahn eine fieissige Hausfiau, als sie 
lebte, zu ihrer häuslichen Thätigkeit zu erwecken 
bestimmt war, nicht als proleptische Posaune des 
Gerichtes die Todten. Diese Deutung gewinnt da- 
durch noch an Sicherheit, dass auch die antike 
Traumauslegung sich genau der gleichen Vorstellung 
vom Hahne bediente: sie Hess ihn nach Artemidor 
(p. 147, 15 Hercher), da er das Gesinde zur Arbeit 
wecke, den Herrn oder den Verwalter des Hauses 
bezeichnen. Wie passend diese Symbolik ist und 
wie trefflich sich für sie die Beigabe des Morgen- 
sterns schickt, liegt auf der Hand; war dem Bilde 
ehemals ein Epigramm hinzugefügt, so bot jenes 
demselben einen sehr angemessenen Inhalt. 

Max Fränkel. 



ZUR PARISAMPHORA ARCHAEOL. ZEITUNG 1883 TAFEL 15. 



Die in der Archäologischen Zeitung XLI (1883) 
Taf. 15 i)ublicirte Parisamphora stammt nicht aus 
Athen, wie daselbst S. 307 angegeben wird, sondern 
ist im Jahre 1880 bei Corneto in den Ausgrabungen 
der Gebrüder Marzi gefunden. Sie wurde von mir 



unmittelbar nach ihrer Entdeckung in Corneto 
untersucht und beschrieben: Bu/I. delt Inst. 1880 
p. 50 f. In dem Erwerbungsberichte Arch. Zeitung 
1881 S. 257 ist der Fundort richtig angegeben. 
Rom. W. Helbig. 



143 



144 



B E E I C H T E. 



ERWERBUNGEN DES BRITISCHEN MUSEUMS IM JAHRE 1883. 

Auszutr aus C. T. Neivton's Bericht sin das Parlament. 



Sechs Wandgemälde: 1) Pluto Proserpina in 
einem Viergespann entführend, 2. 3) Zwei Gruppen 
je aus einer männlichen und einer weiblichen Figur 
bestehend, 4) Geflügelte Frau einen Zweig haltend, 
5) Mann einen Calathus haltend, 6) eine Blume. — 
Diese Malereien, welche ursprünglich das 1674 in 
der Via Flaminina entdeckte Grab der Nasonen 
schmückten, waren länger als ein Jahrhundert ver- 
schollen, bis sie von Herrn George Kichmond auf 
einer Versteigerung angekauft wurden. Sie sind 
merkwürdig durch ihre freie und kraftvolle Zeich- 
nung und durch ihr reiches und zartes Colorit. 
Sie bildeten einen Theil der von Bartoli in den 
Pitture unliebe del sepulcro dei Nasoni (veröffentlicht 
1680) gestochenen Zeichnungen. — Fragment eines 
Wandgemäldes, ausgegraben im Colosseum zu Rom. 

Cyprisehe AlterthUmer, entdeckt durch Aus- 
grabungen des Herrn Ohnefalsch Richter: Eine Eeihe 
von Terracotta-Statuetten aus verschiedenen Perio- 
den, zusammen in einem alten Bauwerk zu Achna 
bei Salamis gefunden und wahrscheinlich Göttinneu 
oder Priesterinnen darstellend. Folgendes sind die 
hauptsächlichsten Typen: 1) Weibl. Figur, gegen den 
Busen in der R., 2) in der L. einen Vogel haltend, 

3) Aehnliche Figur, zu deren Seite ein Hirsch steht, 

4) Figur, in der L. ein Stück Wild haltend (s. Cesnola 
Salamitda p. 223), 5) Figur, in der L. eine Leier 
haltend (ebenda p. 193), 6) Figur, eine Frucht 
oder Granatenblüthe haltend, 7) Figur, eine Hand 
auf eine der Brüste haltend (ebenda p. 202), 8) 
Sehr archaischer Typus, bei dem die Arme als 
blosse Stümpfe angedeutet sind. Die Stelle, an 
der diese Statuetten gefunden sind, mag ein Maga- 
zin gewesen sein, in welchem die in einen Arterais- 
tempel geweihten Gegenstände niedergelegt wur- 
den; sie sind bemerkenswerth durch das Licht, 
welches sie auf die Einzelheiten der weiblichen 
Kleidung in Cyperu werfen. — Eine Reihe von 
Thonvasen und allerlei andern Gegenständen von 
Thon aus demselben Fundort; das wichtigste ist 
das kleine Modell eines Altars mit einer Weili- 
inschrift (s. Ancienl Gr. inscriptions in the Bril. Mus. 
II 382). — Eine Reihe verschiedener Gegenstände 
aus Stein, Glas, Blei und Silber. — 4 Fragmente 



griech. Inschriften, das eine aus Achna, die andern 
drei aus Larnaka, nahe dem Bamboula-Hügel (a.a.O. 
No. 394, ,398 b. c. d.) 

Marmor. Fragment eines Armes, der irgend 
einer Figur vom Friese des Maussoleums angehört 
habeu mnss. — Männl. Kopf, offenbar von einer 
dem s. g. Apollo Choiseul-Gouffier ähnlichen Figur. 
Gefunden auf der Insel Wight. — Kleiner Sarko- 
phag, mit einer Widmung des öempvonius Servan- 
dus. Aus Norris Castle (Insel Wight). — Kopf 
eines Hirsches, aus Malta. 

Bronze. Statuette des Eros, aus Athen. — 
Jugendl. männl. Büste, vielleicht den Kaiser Nero 
darstellend. — Delphin, aus Constantinopel. — 
Hodeusack und Theil eines 1. Fusses, Reste einer 
Statue, die an derselben Stelle gefunden sein soll 
wie der Castellani'sche Bronzekopf einer Göttin im 
brit. Museum. 

Terracotta. Helle auf dem Widder, Relief. — 
Statuette der Artemis Polymastos, aus Ephesos. — 
Grotesker Kopf eines Zwerges. — Zwei dreieckige 
Tafeln, auf der einen Seite den Abdruck einer den 
Eros darstellenden Gemme zeigend, auf der an- 
dern in Relief ein aus P, .A und F zusammenge- 
setztes Monogramm. — Form einer Blume und eines 
Blumenornamentes, dieses angebl. aus Smyrna. — 
Archaische Statuette eines Pferdes, bemalt mit geo- 
metrischen Mustern. — 6 Formen von Münzen, aus 
einer Serie von 262 Stück, in Fayoum gefunden, 
4 von Münzen Licinius' I, 2 von Münzen Con- 
stantin's I. 

Vasen. Archaische Lekythos, von dem ver- 
storbenen Lord Lyons in Korinth erworben: Nessos 
Deianeira entführend und von Herakles verfolgt. — 
15 Gefässe der frühen braunen glasirten Waare, 
wie sie besonders nahe dem Albanersee in Etrurien 
gefunden wird. Angeblich zwischen Albano und 
Marino, eingeschlossen in einer grossen jetzt in 
Rom aufbewahrten Vase, gefunden. 

Geschnittene Steine. 11 Steine mit archai- 
schem Intaglio, aus Griechenland. 

Geräthe. Bronzene Situla aus Offida in Mit- 
tel-Italien, merkwürdig durch Grösse, Erhaltung 
und Schönheit der Zeichnung. Sie ruht auf drei 



140 



Sitziiiiüsberichtc. 



14G 



L()\v(Mil rissen, auf deren jedem sich eine Gruppe 
des Herakles mit dem Ncnieer Lüwen befindet; den 
Körper der Situia umgeben zwei Reihen eines Geiss- 
blatt-Ornamentes; unter dem Hcnkciansatz ist an 
jeder Seite eine Harpyie, welche mit der liechten 
einen von ihrer Linken cmporgehaltenen Jüngling 
packt. — Zwei bronzene Kchnelhvagen, die eine, 
beschrieben Bl^PJOXfOY, mit den Markirungen 
von 4 Tlieilzeicben verselien, die der Ptolemäischcn 
Mine entnommen zu sein scheinen, aus Smyrna; 
die zweite beschrieben /\, mit 3 Theilzeichen, deren 
Einheit wahrsciieinlicli die Eümisctie Libra ist, aus 



Sardes. — Bleigewicht, die Kyzikcnische Mine dar- 
stellend; auf der einen Seite in Kelief die Inschrift 
KYZT 1\1N^. — Rronzehclm mit Wangenschirmen, 
über dem Stirnthcil mit einem Satyrko))fe in Relief 
verziert, aus Athen. — üundes Ornament und Haar- 
nadel, beides ans Bronze, die Haarnadel auf dem 
Felsen von St. Trifon, Canton Vaux in der Schweiz, 
gefunden. — Halbkugelförniiges Marmor-Gewicht, 
auf dem Grunde eingeschrieben: |+; durch den 
oberen Theil ein Bronzering zum Aufhängen, aus 
]Jom. — Bronzegewicht, Zwölfdrachmenstück, zu 
Korinth erworben. 



SITZUNGSBERICHTE. 

Archä oloffische Gesellschaft in Berlin. 



Sitzung vom 10. Juni. Herr Professor Droy- 
sen, dessen seitdem erfolgten Heimgang die Wissen- 
schaft beklagt, hat seinen Austritt angezeigt. Ein- 
gegangen sind u. A.: Röscher, Mythol. Lexikon 
Lief. i3; Förster, Physiognomik der Griechen; 
Trendelenburg, Die Laokoongruppe und der per- 
gamenische Gigantenfries; Curtius, Eleusinion und 
Pelargikon; Lange, Die Königshalle in Athen; 
Partsch, ]5eitriige zur Kliniatologie Griechenlands. 
— Herr Robert legte zuerst einen Aufsatz von 
jNIorvat über eine Bronzebüste des Jlcrcur vor, 
an welcher sieben Glocken als Apotropäa befestigt 
sind, lind besprach dann zwei Handzeiehnun- 
gen des Berliner Kupferstichkabinets, von 
denen die erste eine vor den Ergänzungen genom- 
mene Abbildung des Pariser Pasiphae-Sarkophages 
ist und die Zugeliörigkeit der im Louvre (Clarac 
112, 242) und in der Villa Borghese (Nibby IG) be- 
findlichen Reliefs zu diesem Sarkophage beweist. 
Ueber die zweite s. oben S. 115. Endlich gab der 
Vortragende die oben S. 137 abgedruckte Erklärung 
von Archäol. Ztg. 1884 Tat". 2, 2, gegen welche Herr 
Engelmann eine Reihe von Einwendungen machte, 
die sich theils auf die Zahl der Erdtheile, theils 
auf die Lage der drei Mädchen und die Gleich- 
artigkeit ihrer Erscheinung bezogen. Der Vortra- 
gende konnte sich von der Stichhaltigkeit dieser 
Einwendungen nicht überzeugen und hielt seine 
Deutung aufreeh*. — Herr Trendelenburg unter- 
zog die Figur der ,.Schlangentopfwerferin-' 
des pergamenischen Altarcs einer Besprechung 
und kam zu dem Resultate, dass dieselbe dem Kreise 

Archiiolog. Zt;.'. Jiitirfr.ang XLIl. 



der Heilgötter angehören müsse. Dahin führen die 
Attribute: die Haarbinden, der Steinmörser, welchen 
sie als Waffe führt, die grosse Schlange, welciie ihr 
im Kampfe beisteht, und vor allem die Schlange, 
welche sich um den Mörser ringelt und durch 
ihre Kleinheit als eine dem Asklepios heilige zu 
erkennen giebt, wie sie in den Heiligthümern die- 
ses Gottes gehalten zu werden pflegten. In der 
Schilderung des Asklepieions, welche Aristojjhanes 
im I'lutos giebt, werden alle diese Attribute der Reihe 
nach erwähnt. An die jungfräuliche Hygieia bei 
dieser Figur zu denken, verbieten die niatronale 
Gewandung (Kopfsehleier) und die ungewöhnlich 
vollen und kräftigen Arme derselben, deshalb bleibt 
nur die Deutung auf Asklepios' Gemahlin Epione 
übrig, welche im Friese ihre Gegenbilder an den 
ähnlich wesenlosen Gestalten einer Dione, Asteria, 
Enyo und Tliemis findet. — Zum Schluss sprach 
Herr Curtius über eine zu Olympia gefundene 
Inschrift mit dem argiviseiien Künstlerpaar An- 
dreas und Arisfomachos, in welcher er ein Zeug- 
niss des Wiederauflebens des Erzgusses nach Olym- 
pias 156 erkannte, von dem Plinius 34,8 spricht. 
Denn die ars slnluaria könne an dieser Stelle nur 
auf den Erzguss bezogen werden, der aus Mangel 
an Nachfrage iu Abnahme gerathen sei, weil die 
Errichtung von Siegerstatnen nach Alexander viel 
seltener wurde. Erst seitdem Italien mit Hellas 
in engere Verbindung trat, sei auch für die olym- 
pischen Ehren ein neues Interesse erwacht, und die 
Firma Andreas und Aristomachos bezeuge den 
neuen Aufschwung der argivischen Ateliers. 

10 



147 



Sitzunfrsberiohto. 



148 



Sitzung vom 1. Juli. Zur Vorlage kam der 
Prospect des grossen Werkes über die Alterthü- 
mer von Pergamon, herausgegeben im Auftrage 
des Preuss. Cultusministeriums; Heibig, das ho- 
merische Epos aus den Denkmälern erläutert. — 
Herr Furtwängler legte eine Serie von 44 Folio- 
Tafeln vor, die demnächst, von einem Textbande 
begleitet, unter dem Titel: „Jlykenische Vasen, 
vorhellenische Thongefiisse aus dem Gebiete des 
Mittelmeeres" im Auftrage des archäologischen In- 
stituts erseheinen werden, und schied an der Hand 
der Abbildungen die Hauptgruppen, in welche diese 
Gattung zerfällt. Die zur Decoratiou der Gefässe 
benutzten Elemente sind vorwiegend der organischen 
Katur entlehnt, aber in merkwürdiger Weise um- 
gebildet worden. Diese Vasengattung ist Trägerin 
einer ganz originalen überaus reichen vorgriechi- 
schen Decoration, deren Entwicklung sich fast in 
allen Stadien genau verfolgen lässt. Für die Fra- 
gen nach der Zeit, der Herkunft und den Trägern 
der gesammten „Mykenischen" Cultur verwies der 
Vortragende auf das demnächst erscheinende Werk 
selbst. — Herr Trendelenburg sprach zunächst 
über die Anwendung von Farben im pergameni- 
schen Gigantenfries und erläuterte die Gründe, 
welche ihn zu der Annahme bestimmen, dass das 
Hochrelief der Gigantomachie in gewissem Sinne 
polychrom gewesen sei. Der Umstand, dass sich 
an verschiedenen Stellen dieses Frieses Löcher zum 
Einsetzen bronzener Ornamente finden, dass die 
Augen des Zeusgegners ausgehöhlt, also zur Auf- 
nalmie farbiger Steine bestimmt sind, dass bei den 
andern unverletzten Köpfen die Augentiächen ver- 
schieden starke Corrosion zeigen, also ein Theil 



der Fläche gegen Verwitterung besser geschützt 
war als der andere, alles das berechtige zu der 
Schlussfolgerung, dass Farbenwirkuug auch bei 
diesen Reliefs nicht ausgeschlossen war. Diese 
Wahrnelimungen sind nun durch eine ganz kürz- 
lich erfolgte Entdeckung bestätigt worden, da sieh, 
wie der Vortragende einer Mittheilung des Herrn 
Couze entnalim, an einem nocli in Pergamon be- 
findlichen Kopfe deutlich — selbst auf einer hierher 
gesandten Photograpliie sichtbar — die Spur des 
gemalten Augensternes gezeigt hat. Sodann legte 
der Vortragende die sechste Tafel aus dem bei 
E. Wasmuth demnächst erscheinenden Werk über 
den Gigantenfries vor und knüpfte daran eine 
Besprechung der beiden hier dargestellten Göttin- 
nen, deren Zugehörigkeit zur Hekategruppe er im 
einzelnen nachzuweisen suchte. Die eine derselben 
ist als eine untergeordnete Gottheit und mehr als 
Repräsentantin einer ganzen Klasse subalterner Dä- 
monen denn als selbständige Persönlichkeit cha- 
rakterisirt, weshalb er für diese den Namen Ge- 
netyllis vorschlug, einer Gottheit aus dem Gefolge 
der Hekate- Artemis, welcher der — im Friese sie 
begleitende — Hund heilig war. Die andere ist eine 
an Hera erinnernde matronale Erscheinung, die iu 
auffallender Weise mit der Hekate selbst überein- 
stimmt und deshalb nach der Meinung des Vor- 
tragenden als Mutter derselben aufgefasst und mit 
dem Namen Asteria belegt werden kann, der un- 
ter den Altarinschriften erhalten ist. ■ — Herr Weil 
machte Mittheilungen über die jüngst hierher ge- 
langte Münzsammlung, welche die Doubletten der 
bei den Ausgrabungen in Olympia gefundenen 
Münzen bilden. 



BEITRAEGE ZUR GRIECHISCHEN IKONOGRAPHIE. 



(Tafel 11. 1-2.) 



I. Anakreon. 

Die auf Tafel 11,1 nach dem Gipsabguss des 
l^erliner Museums abgebildete Marmorstatue ist 
1835 bei Monte Caivo im Sabiniscben zugleicli mit 
einer anderen, die einen sitzenden Dichter darstellt, 
gefunden worden und befindet sieb jetzt in Villa 
Borghese. Die Erhaltung ist eine verhältnissmässig 
glückliche, nur die Arme und ein Theil des rechten 
Beines sind ergänzt, und zwar ohne Zweifel richtig. 
Die einzige Beschädigung, welche der Kopf er- 
litten hat, betrifft die Augen, die ehemals beson- 
ders eingesetzt, jetzt, wie so oft, verloien sind. 

Als Emil Braun über den Fund berichtete 
(Bnllettino 1836 S. 9), war für diese Statue noch 
keine Deutung versucht, später wurde sie, es ist 
ungewiss von wem, als Tyrtaios bezeichnet. An 
Stelle dieser Benennung, zu welcher wirklich kein 
Grund vorhanden ist, wie in der Beschreibung der 
Stadt Eom III, 3 S. 247, 1 richtig bemerkt wird, 
suchte Braun später (Biillelthw 1853 S. 20. Archäol. 
Ztg. 1852 S. 241* Ruinen und Museen Roms S. 549, 
23) die auf Alkaios zu setzen, an welcher auch Heibig 
(Bullettino 1867 S. 135. Avchäol. Ztg. 1867 S. 53*) 
gegenüber dem inzwischen von Brunn (Biillellino 
1860 S. 3. Archäol. Ztg. 1859 S. 131*) vorgeschlage- 
neu Namen Piudar festhielt. Wir sind jetzt in der 
glücklichen Lage die sichere Deutung geben zu 
können: der Dargestellte ist Anakreon. Aller- 
dings glaubte man bis jetzt, als das Bild des Ana- 
kreon das zugleich mit der fraglichen Statue gefun- 
dene eines sitzenden Dichters erkennen zu müssen. 
Die Vermuthung, die gleich Anfangs aufgestellt 
wurde (Bnlletliiio 1836 S. 11), hat zuerst Braun 
(Ruinen und Museen Roms S. 543, 15) dadurch zu 

Archiioloj:. Ztir. Jahrgang XLIl. 



beweisen versucht, dass er die schon von F. Jacobs 
mit einer von Rausanias erwähnten Statue in Ver- 
bindung gesetzten Epigramme des Leonidas von 
Tarent und das diesen nachgeahmte des Eugenes 
(Anth. Pal. XVI 306—308) auf diese Statue bezog 
und annalim, dass wir in ihr jenes von Pausanias 
und den Epigrammatikern beschriebene Werk be- 
sässen. Brunn ist ihm in seiner feinen Besprechung 
der Statue {Annali 1859 S. 155) gefolgt. Aber wir 
müssen uns gegenwärtig halten, dass zunächst 
die Identität der von Pausanias und von Leonidas 
berührten Statue nicht zu beweisen und Welckers 
Zweifel daran (Kleine Schriften I S. 258) nicht un- 
begründet ist. Weiter aber ist schon von Meineke 
{Deleclus poelarum anthologiae graecae S. 121) richtig 
bemerkt, dass der Anakreon der Epigramme un- 
möglich gesessen haben könne, und 0. Jahn (üeber 
Darstellungen griechischer Dichter auf Vasenbildern, 
Abhandlungen der k. Sächsischen Gesellschaft der 
Wissenschaften VIII S. 726) hat das genauer aus- 
geführt. Meinekes Ansicht allerdings, es handele 
sich in den Epigrammen um ein Relief, ist trotz 
der Dunkelheit gerade der betreffenden Stelle sicher 
zu widerlegen: das vnegi^E ll!>ov (XVI 306, 2) 
lässt sich doch nur von einer Basis verstehen. Ob 
allerdings dem Leonidas ein wirklich existirendes 
Kunstwerk vorgeschwebt habe, ist mir zweifelhaft. 
Es ist bei den Epigrammatikern nur allzusehr be- 
liebt, die Verse auf berühmte Männer, besonders 
auf litterarische Grössen, scheinbar an das Grab 
oder eine Bildsäule des Betreffenden anzuknüpfen, 
und die Auffassung, die sich hier bei Leonidas zeigt, 
entspricht zu genau der, welche sich in den 
Epigrammen Anih. Pal. VII 23 — 33 findet. Zu 

11 



151 



P. "Wolters, Beiträge zur griechischen Ikonographie. 



152 



vergleichen ist auch XVI 309. Auf keinen Fall 
bieten uns die Epigrauime eine äussere Bestätigung 
der Benennung Auakreon. Ein glücklicher Fund 
der jüngsten Zeit zwingt uns nun, sie völlig aul'zu- 
geben. 

Im Januar 1884 wurde bei einer von Lanciani 
geleiteten Ausgrabung in den Resten eines antiken 
Gebäudes in Trastevere eine 0,55 hohe Büste aus 
penteiischem Marmor gefunden, welche durch die 
Inschrift als Bildniss des Anakreon gesichert wird. 
Die Büste, welche sich jetzt im Capitoliuischen 
Museum befindet, ist im Biillettiiio della commissione 
arclieologica cotnunale di Borna XII Tat". 2 8. 25 
phototypisch abgebildet und von C. L. Visconti be- 
sprochen worden. Eine Zeichnung, die nacli jener 
Abbildung gefertigt ist, findet sich auf unserer 
Tafel 11,2. Die Inschrift heisst nach der Abschrift 
im Bulleltino ANAKPeCüN AYPIKOC; der uu- 
gleichmässigeu Vertheilung der Buchstaben und 
der Analogien wegen ist man aber versucht anzu- 
nehmen, sie habe ursprünglich Idva-xqkov h hwi-Aog 
gelautet. 

Visconti glaubt, dass die neu gefundene Büste 
die hergebrachte Bezeichnung für den sitzenden 
Dichter in Villa Borghese bestätige; zwar liege ein 
etwas verändertes Original zu Grunde, doch sei die 
Aehnlichkeit beider Köpfe beweisend. In der That 
zeigt die Büste, wie sie Visconti abbildet, einige 
Verwandtschaft mit dem Borghesischen Sitzbilde: 
das ist zunächst die Folge davon, dass beide Bild- 
nisse Schöpfungen derselben Zeit, vermuthlich sogar 
desselben Meisters sind; dazu kommt noch, dass 
man zur Ergänzung der bei der Büste verlorenen 
Nase eben die jener anderen Statue benutzt hat. Es 
würde nielit schwer sein, manche Unterschiede zwir 
sehen beiden Köpfen nachzuweisen. Die Büste ist 
offenbar Replik des stehenden Dichters aus Villa Bor- 
ghese; ein Vergleich mit dem Taf. 11,1a noch ein- 
mal grösser abgebildeten Kopfe dieser Statue zeigt 
das unwidersprechlich. In jenem stehenden Dichter 
haben wir also Anakreon zu erkennen, nicht in dem 
sitzenden. Denn zu dem Auskunftsmittel können 
wir nicht greifen, beide Statuen l'ür verschiedene 
Auffassungen und Darstellungen derscU)cn Berson 



anzusehen. Wir dürfen zwar nicht erwarten, über- 
haupt ein anderes Bild des Anakreon z,u besitzen, 
als ein in späterer Zeit entstandenes, günstigsten 
Falles an irgend eine wirkliche oder vermeintliche 
ältere Darstellung des Dichters anknüpfendes Pro- 
dukt der künstlerischen Phantasie, aber selbst bei 
solchen erfundenen Bildnissen werden die einmal ge- 
schaffenen Züge als Grundlage jüngerer Schöpfun- 
gen beibehalten sein. Vor allem widersprechen 
aber jener Annahme die Fundumstände der beiden 
Statuen, die offenbar als Theile eines geschlossenen 
Kreises gearbeitet waren, wie sich auch aus der 
gleichartigen Technik bei den Augen ergiebt; wir 
müssen also zwei verschiedene Personen in ihnen 
voraussetzen. Die der zweiten durch Vermuthung 
zu bestimmen, wage ich niclit. 

Auch über das Original dieser Statue des Ana- 
kreon vermögen wir nicht zur Gewissheit zu kommen. 
Auf den Münzen von Teos findet sich häufig ein 
sitzender, die Leier spielender Mann, in dem man 
mit Recht Anakreon erkennt. Auf eiuer anderen 
Münze (Numismala antiqua, collegit Thomas Pem- 
brockiae et Motitis Gomerici comes II Taf. 80, da- 
nach bei Jahn, Darstellungen griechischer Dichter 
Taf. 8,7; vgl. Mionuet, Descriplion des niedailles 
antiques III S. 2()I, 1489) ist Anakreon unserer 
Statue sehr ähnlich dargestellt. Wo sich diese 
i\Iünze jetzt befindet, vermag ich nicht anzugeben. 
An ihrer Echtheit ist um so weniger zu zweifeln, als 
der auf ihr genannte Stratege Verecundns sich auch 
sonst findet: vgl. Imhoof-Blumer, Monnaies grecques 
ö. 297, 133a. Jahn glaubte auf zwei verschiedene 
Statuen in Teos schliessen zu müssen: zwingend 
ist der Schluss durchaus nicht. Dass sich aller- 
dings ein Bild des Anakreon in Teos befunden 
habe, dürften wir auch ohne die Autorität Theokrits 
(Anth. Pal. IX 599) annehmen, aber es liegt kein 
genügender Grund vor, die Münztypen auf ein 
statuarisclies Vorbild zurückzuführen. Von der 
Statue auf der Akropolis zu Atiien aber wissen 
wir nichts anderes, als was Pausanias sagt, sie 
zeige einen wie im Rausche singenden Mann. Um 
unsere Statue auf dieses Original zurückzuführen, 
müssten wir also mindestens bei Pausanias einen 



153 



P. Wolters, Beiträge zur griechisclien Ikonugraijliie. 



154 



ungenauen und übertreibenden Ausdruck voraus- 
setzen. Ist dagegen unsere Auflassung richtig, dass 
wir in den beiden Dicliterstatuen der Villa Borghese 
die Reste eines grösseren, von einem oder mehreren 
Ktinstlern gemeinsam geschaffenen Statuenvereines 
— etwa der grossen Lyriker — besitzen, so wer- 
den wir jene Beziehung bestimmt ablehnen müssen; 
denn Tansanias spricht nur von dem einen Anakreon, 
und die Annahme, ausser diesem hätten sich auch 
andere Lyriker auf der Burg befunden, würde ganz 
willkürlich sein. Irgend etwas aber über das Ver- 
hältniss der Statue von der Akropolis zu dem 
Original der erhaltenen zu niuthmassen, wäre eitle 
Mühe. 

II. Herniarchos. 




Gl, sc. 



Die trefflich erhaltene, hier zum ersten Mal ab- 
gebildete Büste aus parischem Marmor ist nach 
einer Mittheilung von Stamatakis beim königlichen 
Marstall in Athen, nordwestlieh vom Scbloss ge- 
funden. Die Zeichnung hat Ludwig Otto nach einer 
vom Original genommenen Photographie gemacht, 
geschnitten ist sie in Dresden unter der Leitung 
von Professor Bürkncr. Ich benutze ausserdem 
den Gipsabguss des Berliner Museums. Heydemann 
(Die antiken Marmorbildwerke zu Athen N. 742) 
und Sybel (Katalog der Skulpturen zu Athen N. 375G) 
beschreiben den Kopf als in der Epliorie der Alter- 
thümer befindlicli; jetzt ist er im lünften Saale des 



Patissiaitiuseums aufgestellt. Der einzige Scliaden, 
welcheu er erlitten hat, ist eine geringe Verletzung 
des linken Ohres. Die Büste ist ganz ausgearbeitet, 
aber unterhalb des Bruststückes ist noch eine etwa 
0,10 m. dicke roh bearbeitete Platte stehn geblieben, 
die eine AufstiUung des Kopfes ermöglicht; einen 
eigentlichen Büstcnfuss hat derselbe nie gehabt. 

Heydemann und Sybel haben keine Bestimmung 
des Dargestellten versucht, neuerdings gilt die Büste 
als Bildniss des Epikur und so wurde auch ihr Abguss 
im BerlinerMuseum bezeichnet (Arch.Ztg. 1S83 S.96). 
Irre ich nieiit, so stammt diese Deutung von Milehhöfer 
(vgl. Die Museen Athens S. 44. Literarisches Central- 
blatt 1881 S. 1G()0). Eine gewisse Verwandtschaft 
mit dem Bilde jenes Philosophen ist offenbar, aber 
es finden sich Unterschiede, welche die Deutung 
unmöglich macheu. Ich bediene mich zum Ver- 
gleiche eines Gipsabgusses des Ancient marbles II 
Taf. 34 abgebildeten Marmorkopfes im Britischen 
Museum. Zunächst ist das Gesicht bei diesem 
schmaler, die Wangen etwas eingefallen, während 
die des athenischen Kopfes eine gesunde Fülle zei- 
gen. Charakteristisch verschieden ist die Gestalt 
des oberen Randes der Augenhöhle. Bei unserem 
Kopf ist die Wölbung desselben ganz regelmässig, 
beim Epikur erreicht er viel näher den Schläfen 
seinen Höhepunkt und senkt sich dann nach der 
Nase zu, indem er zugleich etwas überhängend 
einen Theil der Augenhöhle verdeckt. Der Ausdruck 
des Epikur wird dadurch weit ernster, strenger; 
man sieht die Stirnhaut, wie wir es wohl bei inten- 
sivem Denken thun, heraI)gezogen, so dass sie sich 
an der Nasenwurzel zu Falten zusammenschiebt. 
Das Auge ist bei beiden Köpfen schmal, aber das 
des Epikur liegt tiefer und ist von mehr Falten 
umgeben. Ein bedeutender Unterschied zeigt sich 
in der Gestaltung von Stirn und Nase. Die Stirn 
des athenischen Kopfes ist ziemlich glatt, kaum 
mehr belebt als die des Praxitelischen Hermes, 
au welchen ihr ganzer Bau erinnert. Nur eine 
leichte Falte zeigt sich da, wo der untere vor- 
gewölbte Theil derselben beginnt. .Auch die Nase 
ist regelmässig und schön gebildet. l>ei Epikur 
finden wir dagegen eine von Falten durchfurchte 

11* 



155 



P. "Wolters, Beiträge zur griechischen Ikonographie. 



156 



Stirn und eine starke, auflallige Hakennase. Au 
der Londoner Büste ist dieser Tlieil ergänzt, aber 
richtig-, wie z. B. die sicheren Bildnisse des Epikur 
bei Comparetti und De Petra, La villa Ercolanese 
Taf. 12,5 — 7 lehren können. Endlich ist das Haar 
bei dem athenischen Kopf weit lebendiger, frischer, 
krauser als das schlichte, schlaffe Haar des Epikur. 
Ich halte es danach für unmöglich, dass mit dieser 
Büste Epikur gemeint sein könne, aber ein Epikureer 
ist es, Hermarchos, der Schüler und Nachfolger des 
Epikur. 

Wir kennen sein Bild aus der schönen Bronce, 
welche zuletzt Comparetti und De Petra, La villa Er- 
co/a«ese Taf. 12, 8 abgebildet haben ; vgl. S. 263, 16. 
Mit dieser stimmt unsere Büste so völlig überein, dass 
kein Zweifel an der Identität möglich scheint. Sicher 
werden sich unter den uns erhaltenen antiken Bild- 
nissen noch andere Exemplare dieses Porträts er- 
kennen lassen. Ein weiteres nachzuweisen bin ich 
schon jetzt im Stande: es ist ein Marmorkopf un- 
bekannter Herkunft im Berliner Museum, der im 
neuen Katalog als N. 306 besprochen wird. Seine 
Uebereinstimmung mit dem athenischen Kopf ist so 
gross, dass wir beide sogar auf dasselbe Original 
zurückführen müssen. 

Die grosse Verwandtschaft der beiden Köpfe 
des Epikur und Hermarch ist iu die Augen sprin- 
gend, erst genauere Betrachtung Hess uns die Un- 
terschiede finden. Auch das Bildniss des Metrodor, 
das wir aus mehreren Büsten kennen (Visconti, 
Icouographie yrecque Taf. 25,4 I S. 214. Comparetti 
und De Petra Taf 12,2. S. 263,18) ist ganz ähn- 
lich. Aber auch hier werden sich Unterschiede im 
Einzelnen nachweisen lassen. Die Gleichheit der 
Zeit, vor allem die der Lebensgewohnheiten, und 
nicht zum mindesten die des Stiles, in welchem die 
Künstler dieser Bildnisse arbeiteten, erklären die 
Aehnlichkeit zur Genüge; innerhalb dieser allerdings 
ist auch der ganze Ausdruck, in dem wir am 
ersten das Wesen der Person erkennen können, 
durchaus unterschieden. Man kann diese Verschieden- 
heit kaum besser illustriren alsdurcii einen Ausspruch 
Epikurs, den uns .Scneca (Brief 52,3) aufbewahrt hat: 
Quosdam ail Epicurus ad cerilatem sine ulliiis adiiilorio 



exisse, fecisse sibi ipsos riani. Hos maxime laitdat, 
(jilibiis ex se impetiis füll, qui se ipsi prutulerunl. 
Quosdam iudigere ope aiieiia, non iluros, si nemo 
praecesseril, sed bene secutiiros. Ex his jtlelrodorum 
ail esse: egregiiim hoc qiioqne, sed secuiidae sortis 
Ingenium. . . . Praeter haec adlmc invenies genus 
aliud hominum ne ipsum quidcm faslidiendiim eorum, 
qui cogi ad rectum compellique possuiit, quibus non 
duce tantum opus sit, sed adiutore et, ul ita dicam, 
ruaclore. Hie tertius color est. Si quaeris hnius 
exemplar, Hermarchum ail Epicurus talem fuisse. 
Mit dem Bilde, das wir aus diesen Zeilen gewinnen, 
stimmt der Eindruck der Bü.sten genau. Einen tiefen, 
energischen Denker suchen wir nicht in Hermarch: 
diese glatte, weiche Stirn zeigt keine Spuren auf- 
reibender Arbeit, und die weichmüthige Neigung 
des Kopfes, der wohlwollende, milde Ausdruck ver- 
räth wenig Energie. Das ist der Schüler, den der 
Lehrer zur Wahrheit zwingen musste. Anders ist 
schon der Ausdruck des Metrodor: seine festeren, 
energischeren, wenn auch nicht sehr geistreichen 
Züge lassen uns den Mann ahnen, der die einmal 
beschrittene Laufbahn unverrUckt verfolgte, dem 
man nur den Weg zu zeigen brauchte. Mit dem 
dritten, dem glücklichst ßeanlagten, der aus innerem 
Drang sich der Wahrheit widmet, hat Epikur natür- 
lich sich selbst gemeint; ich denke dass dieser oder 
ein ähnlicher Ausspruch es gewesen ist, der dem 
späteren Alterthum die Handhabe zu der immer 
wiederholten Verläumdung bot, Epikur habe be- 
hauptet, ohne Lehrer zu seiner Philosophie gelangt 
zu sein, während doch der Einfluss seiuer Vorgän- 
ger so ofi'en daliegt. Nicht die Unabhängigkeit 
der Gedanken hat Epikur für sich in Anspruch 
genommen, sondern die des Triebes nach Wahrheit. 
Dieser brauchte nicht erst durch Andere geweckt 
zu werden, ihn trug er in sich. Sowohl im Aus- 
druck der selbstbewussteu Festigkeit als dem der 
angestrengten geistigen Kraft überragt das Bildniss 
des Epikur die seiner Schüler, wie er auch im 
Leben hoch über ihnen stand. Für uns aber wird 
dies Verhältniss ganz besonders durch einen Ver- 
gleich dieser drei merkwürdigen Bildnisse klar und 
anschaulich. 



157 



P. Wolters, Beiträge zur griechischen Ikonograiihic. 



158 



III. Autiochos Soter. 

Der schöne, auf Tafel 12 in zwei Ansichten ab- 
gebildete Kopf aus griechiseheni Marmor befindet 
sich in der Münchener Glyi)tothek. Eine Aufnahme 
nacli dem Original, welche durcli Brunn's freund- 
liche Vermittelung angefertigt wurde, gelaug leider 
der ungünstigen Aufstellung wegen nicht recht; die 
Abbildung mnsste deshalb nach dem Gipsabguss des 
Berliner Museums hergestellt werden. Bisher ist 
der Kopf nur in BernouUi's Römischer Ikonographie 
I S. 85 in ungenügender Weise abgebildet, und 
nach älterer Vermutliung neben zwei ganz verschie- 
denen anderen Bildnissen als Marius behandelt, ein 
Name, auf den alle drei Köpfe gleich viel, das heisst 
gar keinen Anspruch haben. Brunn (Beschreibung 
der Glyptothek + S. 220, 172) bespricht den Kopf 
als den eines Römers aus dem vorletzten Jahr- 
hundert V. Chr. 

Ergänzt ist an dem Kopf ausser der etwas plump 
gerathenen Nase nur Weniges an dem linken Augen- 
knochen und der linken Wange. Seine Herkunft 
ist nicht mit Sicherheit anzugeben. Urlichs (Die 
Glyptotliek S. 52), welchem Brunn folgt, giebt an, 
diese Büste des Marius sei 1815 aus Palast Bar- 
l)erini erworben ; das ist eine Verwechselung, wie 
die von Urlichs selbst angeführte Abbildung des 
Causeus beweist. Der berühmte Marius Barberini, 
'die Krone des barberinischen Museums', wie ihn 
Wagner nennt, ist nicht selten abgebildet, vgl. 
Causeus de la Chausse, Romanum museum ^ (174G) 
I, 2 Taf. 55. Tetius, Aedes Barberinae S. 201. 
Gronov, Thesaurus graecarum auliquitatum III zu 
Blatt 00. E. Q. Visconti, Icottograplde Romaine I 
S. 70: es ist der neuerdings von BernouUi, Rö- 
mische Ikonographie I S. 82 ebenfalls als Marius 
abgebildete Kopf N. 216 der Glyptothek. Auf 
diesen muss sich die Notiz des Bar])erinischen 
Inventars vom Jahre 1738 (Doaimenli itiediti per 
servire alla sloria dei miisei d'Ilalia IV S. 21) be- 
ziehen ebenso wie der mehrfache Widerspruch 
Winckelmanus gegen die grundlose Benennung 
(vgl. Geschichte der Kunst XI, 1 § 23). Ueber den 
Kopf N. 172 vermuthet Urlichs an anderer Stelle 
(Die Glyptothek S. 10), er sei identisch mit einem 



angeblich aus Palast Ruspoli erworbenen Kopfe, 
der für Sulla galt; es scheint, dass uns die Mög- 
lichkeit entzogen ist, diese Vermuthuug zu wider- 
legen oder zu eriiärten , und dass wir uns also 
bescheiden müssen , die Herkunft dieses Kopfes 
nicht zu kennen. Das Wahrscheinlichste ist und 
bleibt natürlich Rom. Brunn hielt den Kopf für 
den eines Römers. Gesprächsweise wies er mich 
dafür auf die Aehnlichkeit mit dem schon genann- 
ten Barberinischen Kopfe N. 216 bin, und diese 
Aehnlichkeit ist unleugbar vorhanden. Für den 
letzteren wird man eine Entstehung in der Zeit 
Cicero's gerne zugeben, auch dass der Dargestellte 
Römer von Geburt sei, wird kaum Widerspruch 
finden, obschon wir zugeben müssen, dass zwischen 
dem Bifdniss eines Griechen und eines Römers der- 
selben Zeit sich nicht immer tiefgehende Unter- 
schiede werden nachweisen lassen. Zu einem Ver- 
gleich mit dem unsrigen ist der Barberinische Kopf 
auf jeden Fall seiner äusserlichen Aehnlichkeit 
wegen sehr geeignet, aber dieser Vergleich scheint 
mir zu zeigen, dass der erstgenannte bedeutend 
älter ist. Mit Recht hebt Brunn bei ihm eine 'mit 
der Wirklichkeit wetteifernde Behandlung des 
Fleisches, der Hautfalteu, der Augenbrauen hervor, 
aber im Vergleich mit dem Barberinischen Kopfe 
erscheint er noch fast stilisirend. Allerdings ist der 
Versuch gemacht, die Runzeln der Stirn natürlich 
darzustellen, aber während wir bei dem Barberini- 
schen Kopfe den harten Knochen zu spüren glau- 
ben, über welchem die runzliche Haut sich zu Falten 
zusammenschiebt, schneiden hier die Falten in eine 
im übrigen glatte und scheinbar feste Oberfläche 
ein. Aehnlich steht es mit dem Haar, das bei 
unserm Kopf in einzelne grössere, flächenhaft und 
fast hart begränzte Locken mit geringer Angabe 
der kleinereu Einzelheiten aufgelöst und übersicht- 
lich gegliedert ist, während es sich bei dem Bar- 
berinischen Kopfe aus einer grossen Menge kleiner 
und kleinlich gearbeiteter Löckchen zusammensetzt. 
Doch könnte dieser Vergleich ungerecht scheinen, 
da der letztere einen Mann mit spärlichem, ver- 
schwindendem Haarwuciis darstellt, ersterer ein 
starkes, üppiges Haar zeigt. Sicherer ist folgender 



159 



P. Wolters, Beiträge zur griecliisclien Ikonographie. 



160 



Punkt. Die Augen des besproelienen Kopfes sind 
von ganz besonderer Grösse, sie sind ungewöhnlich 
weit geöffnet, al^er im Verhäitniss dazu nicht der 
Katur entsprechend gewölbt, vielmehr sind sie in 
der Gegend des eigentlichen Augensternes etwas 
abgeplattet. Durch diese, bei älteren Köpfen durch- 
aus nicht seltene Behandlung erhält der Blick 
scheinbar eine bestimmte Richtung, das Auge 
Leben; selbst auf unserer Tafel hebt sich für ge- 
nauere Betrachtung der Augenstern durch seine be- 
sondere Beleuchtung vom übrigen Auge ab. Diese 
stilisirende Behandlung ist bei dem Barberinischen 
Kopfe schon durch eine ganz natürliche Wölbung 
des Augapfels ersetzt. Alles das spricht für die 
frühere Entstehung unseres Kopfes. 

Dass wir in diesem Kopfe das Bildniss eines 
ungewöhnlich bedeutenden Mannes besitzen, leuchtet 
von selbst ein. Schon seit langer Zeit glaube ich 
die Person des Dargestellten erkannt zu haben, es 
ist Antiochos I. Soter. Um die Prüfung meiner 
Verrauthung zu erleichtern, habe ich auf Tafel 12 
das Bildniss des Königs nach drei Münzen des 
Berliner Kabinets neben dem Kopfe wiederholen 
lassen. Die oben abgebildete scheint mir für die Er- 
kenntniss der Identität die wichtigste, sie giebt von 
allen Münzen die ich sehen konnte das charakte- 
ristischste Bildniss, und ihr schliesst sich die über- 
wiegende Mehrzahl der andern an, während die 
beiden andern, unten abgebildeten, gewissermassen 
Varietäten darstellen. Vergleichen wir die beiden 
Bildnisse, so finden wir zunächst eine übereinstim- 
mende Haltung des ganzen Kopfes : erregt, spähend 
ist er etwas vorgebeugt. Das hochgewölbte Auge 
kehrt bei beiden Köpfen wieder; es ist allerdings 
allen Herrscherköpfen der ersten Diadochenzeit, 
aber, so viel icli sehe, vornehmlich dieser gemein. 
Das Haar ist uiclit sorgfältig geordnet, frei fällt es 
über die Stirn heral) und verdeckt sie zum grossen 
Theil, vor dem Ohr hängt ein kleineres Haar- 
büschel. Der Rand der Augenhöhle ist sehr stark 
ausgedrückt, deutlich setzt sich die unten etwas 
vorgewölbte Stirn von der Nase ab. Die Form der 
Käse selbst, die bei der Büste ergänzt ist, lässt 
sich nicht vergleichen. Die Oberlippe ist ziemlich 



gross und in der Profilansicht merkwürdig gerade 
gebildet, das Kinn ist klein, die Muskeln um den 
Mund sehr stark ausgeprägt. Aber alles dies sind 
Einzelheiten, mit denen sich eine Aehnlichkeit nicht 
demonstriren lässt. Ist die Uebereinstimmung bei- 
der Köpfe, die ich zu sehen glaube, vorhanden, so 
wird man auch den Namen des Antiochos für den 
Münchener Kopf in Anspruch nehmen dürfen; 
täusche ich mich, und ist es nur die Aehnlichkeit 
der Naturauflfassung, so bliebe wenigstens als Er- 
gebniss des Vergleiches eine annähernde Datirung 
übrig. Ich niuss diesen Zeitansatz um so mehr für 
richtig halten, als auch ein Vergleich mit anderen 
Werken der Plastik auf denselben führt. Zum 
Vergleiche sind wir allerdings auf Werke wesent- 
lich anderen Gegenstandes angewiesen, die sich 
aber ohne Gefahr verwenden lassen, so lange wir 
uns dieses Unterschiedes nur bewusst bleiben, ich 
meine die Skulpturen der älteren pergamenischen 
Kunst. Von den Figuren des Attalischeu Weihge- 
schenkes lässt sicli der Perser aus Aix (Athenische 
Mittheilungen I Taf. 7) für die eigenthümliche, die 
Theile des Gesichtes scharf sondernde und fast von 
einander trennende Bildung des Kopfes, besonders 
der Stirn, vergleichen; der rückwärts nieder- 
stürzende Gallier {Monumenli IX Taf. 18, 1) bietet 
genau dieselbe Bildung der Augenbrauen und des 
oberen Augenhöhlenrandes dar, auch die scharfe 
Eintheiluug der Stirn durch vertiefte, eingerissene 
Linien finden wir hier. Ja, man kann in dem 
Kopf des sterbenden Galliers, in der harten, etwas 
äusserlich durchfurchten Stirn, sogar in der Haar- 
behandlung und vor allem in der Darstellung und 
Führung der Augenbrauen Verwandtschaft mit un- 
serem Kopf finden. 

Es könnte auffällig scheinen, dass der Kopf 
eines Herrschers des Abzeichens königlicher Würde, 
des Diadems, ermangele. Ich glaube nicht, dass 
dieser Umstand unserer Deutung im Wege steht. 
Bildnisse anderer griechischer Könige besitzen wir 
ausser auf Münzen kaum; diese zeigen natürlich 
das Diadem durchgehends, da bei ihnen eine Be- 
tonung der Herrschermacht geboten war. Die Köpfe, 
in welchen die herkulauisclien Akademiker eine 



161 



F. Stiuliiiezka, Eule der Partlicnns. 



162 



Reihe von Ptolemäern zu erkennen glaubten (Com- 
paretti und De Petra, La villa Ercolatiese S. 264), 
sind (luicliaus nicht siclicr, so dass uns nur Alexan- 
der der Grosse bliebe. Und bei dessen einzigem, 
ganz sicherem Bildniss, der Herme Azära's, ist zwar 
eine Rinde im Haar vorauszusetzen, aber ob diese 
etwa aus Hronce gearbeitete Hinde nun die langen, 
auf die ydiultern herabfallenden Enden, das Kenn- 
zeichen des Diadems wie der Siegerbinde, gehabt 
habe, können wir nicht mehr erkennen. Eine Ent- 
scheidung darauf hin ist natürlich unmöglich. Aber 
wir besitzen aus späterer Zeit eine lange Reihe von 
Herrscherbildnissen, die der römischen Kaiser. Dass 
man auch in Rom das lang in den Nacken herab- 
hängende Baud als Abzeichen königlicher Macht 
kannte und betrachtete, ist durch Sallet's Beobach- 
tung [Commeiilaliones philologac in honorem Tlieodori 
Mommseni scriptae S. 93), dass man diese Schleife 
auf den Münzen Caesars vermieden hat, bewiesen. 
Zu bemerken ist auch, dass sovvolil Ptolemaios von 
Mauretanien {Revue archeologicjne XIV Tafel 317) 
als sein Vater Juba II (Annali 1857 Taf E,2; vgl. 



1861 S. 412) die königliche Binde mit langen En- 
den tragen. Und doch möchte wohl kein Kaiser 
sein, von dem es nicht Büsten mit völlig uube- 
decktem Haupte gäbe. Ausserdem wissen wir 
nicht, ob der Ko])f ursprünglich als Büste gedacht 
war, bei einer Statue aber konnten die verschie- 
densten Gründe die Anbringung der Binde verbieten. 

Zufällig haben wir Kenntuiss von einem Bildniss 
des Antiochos Soter. Johannes Malalas erzählt 
(S. 276,5 der Bonner Ausgabe), dass Trajan im 
Theater zu Antioehieu die Tyche der Stadt aus 
vergoldetem Erz aufstellte, welche von den Königen 
Seleukos und Antiochos bekränzt wurde. Die 
Tyche war eine Kopie des Werkes von Eutychides, 
vgl. Malalas S. 201,1; ob die Statuen der Könige 
auch, vermögen wir nicht zu entscheiden. Da 
Antiochos bei der Gründung von Antiochia noch 
ein junger Mann war, kann diese Büste keinesfalls 
auf jenes Werk des Eutychides zurückgeführt wer- 
den. Den Vater Seleukos hatte Bryaxis porträtirt, 
wie wir aus Plinius N. H. 34,73 wissen. 

Berlin, im August 1884. Paul Wolters. 



ZUR EULE DER PARTHENOS. 



An dem ausgeführten Bilde, das wir seit dem 
Fund beim Varvakion von der Parthenos des Phei- 
dias zu entwerfen in der Lage sind, vermisste man 
mit Befremden eines der Hauptattribute der Göttiu. 
Alle anderen Thiere, die in irgend einer Beziehung 
zu ihr stehen, sind iu dem reichen Helmschmuck 
vereinigt, die Burgschlange ringelt sich neben dem 
Schilde hervor, und die Eule sollte gefehlt haben? 
Das dürften wir heute füglich als undenkbar be- 
zeichnen, auch wenn das Gegentheil nicht ausdrück- 
lich überlielcrt wäre. Denn wenn Dio Clirysostomos') 
sagt: xal rrj^ ye Weidiov Tfxv>]g naQ Idd-rjvainig 
arv/sv (ij yXav^) nvx anttS.uöaavxog avifjv avy- 
xal^id Qvaai ifj v/scT, avi'dnxnvv xtü ö/jfio)' flegi- 
yckea ds xal (xvxnv XaOiov enoirjosv, äg cpaair, snl 

') r.>, G; vergl. Michaelis, der l'iirthenou S. 2G9, 28; 271 
Anni. 1. 



tr^Q aaniöng, so durfte man diese Eule nur zu einer 
Zeit als von dem Tcmpelbilde unabhängiges Weih- 
geschenk denken, da für ihre Verbindung mit demsel- 
ben keine annehmbarere Vermuthung vorlag, als 
die von Böttiger, Ross und Stark ^), Pheidias habe 
den hässlichen Vogel mit dem formlosen Kopfe 
in ganz kolossaler Bildung unter die Rechte 
Athenas auf einen Felsblock gesetzt. Heute wissen 
wir zum Ueberfiuss, dass dieser Raum von der Säule 
eingenommen wurde. 

Die scharfsinnige und eingebende Besprechung, 
welcher neulich Kieseritzky das Goldmedaillon der 
Ermitage unterzogen hat"), ergiebt eine ebenso über- 
raschende als anmuthige Lösung der Streifrage. Mit 

'-) Die Nachwfisungen bei Michaelis S. 271 Anm. 
'j Mittheilungen des arch. Iiu>t. in Athen VIU S. 291 ff., 
besomleis 304. 



163 



F. Studniczka. Eule der Partlienos. 



164 



dem gleicben naiven Naturalismus, mit dem der 
Meister eine der Aigissclilaugen zum Festlialten des 
Speeres an der Scliulter verwandte^), setzte er die 
Eule auf deu einen von den aufgerichteten Backen- 
seliilden am Helm der Göttin, in der Natur ganz 
nalie kommender Kleiniieit, wie wenn eines von 
den zaliUosen Käuzchen, welche auf der Burg ihr 
Wesen trieben"), vertraulich auf dem Haupte der 
Beschützerin Platz genommeu hätte, ähnlich, wie 
sich ein solches in dem bekannten Votivrelief auf 
den Rücken ihrer gesenkten Hand gesetzt hat''). 
So discret angebracht kann dieser, wenn man so 
sagen will, scherzende Zug den grandiosen Ernst 
des Werkes ebenso wenig beeinträclitigt haben, als 
der überreiche Schmuck die Schlichtheit der Ge- 
sammtaulage. Mau könnte ihn etwa mit einer 
untergeordneten heiteren Episode einer Tragödie 
vergleichen. Die alten Einwände gegen das Vor- 
handensein der Eule überhaupt verlieren hier ihr 
Gewicht: dieses im Verhältniss zum Ganzen win- 
zige Käuzchen an dieser Stelle konnte Pausanias 
noch leichter übersehen, als die Flügelrosse, wenn 
nicht vielmehr die Lücke in seiner Beschreibung 
eine darauf bezügliche Notiz verschlungen hat; 
die statuarischen Eepliken durften auf seine schwie- 
rige Wiedergabe verzichten. Ich sehe also keinen 
Grund, der ältesten und treuesteu Nachbildung des 
Parthenoskopfes gerade in dieser ganz singulären 
Einzelheit den Glauben zu versagen. Wenn Kiese- 
ritzky's hübsche Entdeckung dennoch auf Misstrauen 
stösst'), so dürfte es nicht unzeitgemäss sein, auf 
zwei bisher, so viel ich weiss, nicht herangezogene 
Aristophanesstellen aufmerksam zu machen, welche 
geeignet scheinen, sie zu stützen. V. 1092 ff. der 
Kitter erzählt der Wursthändler, nachdem Kleon 
desgleichen gethan hat, dem alten Demos eineu 
Traum : 

xat /.lovdöxei tj d^eng avxt) 
sx nölsiog eld-eiv xai ylav^ avxfj 'nixuxf^ijaitai, 
eIto xataanävdeiv kutu zq<i xerpairjc o:Qvßa/.)ji) 



*) Vergl. Kieseritzky a. a. O. S, 308. 

^) Vergl. Aristoph. Lys. V. 760. 

'') Bei Schöne, Griech Rel. Nr. 87. Nach dem bekannten 
Scholion zu den unten besproclienen Ver.'-en in den Vögeln 
des Aristophant'S trug auch das Agalma der Athena Archegetis 
eine Eule auf der Hand Vergl. dazu Müller-Wieseler, Denkiu. 
d. A. K. IP T. XX N. 219, 219a und S. 155 ff. 

') Oeffentlich ausgesprochen ist es meines Wissens bisher 
nur von Furtwaengler in lioschers Lexikon der Mythologie lid. I 
S. 689, jedoch ohne Kegriindung. [Zustimmend äusserte sich 
inzwischen K. Lange, oben S. 134.] 



aßßQoaiav %aia aoü, xaid zovzov (Kleon) de oxogn- 

Dass hier ?; ^sog, von der liurg kommend, nur in 
Gestalt der Parthenos gedacht sein kann, wird 
Niemand in Abrede stellen, der sich die übermäch- 
tige Herrschaft vergegenwärtigt, welche das ge- 
waltige Werk, zumal so kurze Zeit nach seiner Er- 
richtung, über die Phantasie des attischen Volkes 
ausüben musste, von der ja auch die Urkunden- 
reliefs vielfach Zeugniss ablegen"). Auch ist etwas 
später (V. 1169) in ganz ähnlichem Zusammenhange 
von trjg i)^Eov zf] yßiQi zijlecfaviiiri und von der 
kolossalen Grösse ihrer Finger die Rede, in deu 
Vögeln von dem reichen Goldschmuck der IlaQDarog 
(V. 670). Nuu vermag ich wenigstens mir keinen 
Grund zu denken, weshalb Aristophanes eine 
lebende Eule auf der Göttin sitzen lassen könnte, 
die mit der Handlung gar nichts zu schaffen hätte. 
Da eben durch diese Handlung für die Anbringung 
des Vogels die Hände ausgeschlossen sein dürften, 
so bleibt hierfür nicht viel Anderes übrig als was 
das Medaillon zeigt; er könnte höchstens noch auf 
einer Schulter gesessen haben. Nehmen wir aber 
einmal die Anordnung des Goldreliefs für das 
Tempelbild au, dann ergiebt sich eine durchaus be- 
friedigende Erklärung der Stelle. Wenn Kleon 
prahlt, ihm sei t] ^edg avzi] erschienen, so muss 
Agorakritos ihn auch darin übertrumpfen uud seineu 
Traum noch weiter ausschmücken : ihm ist die 
Göttin, um mit Epicharm zu sprechen, tti avzozäoa 
avTtjg erschienen, sogar die kleine Eule konnte er 
erkennen, die oben auf ihr sitzt; kein Zweifel, sie 
war es leibhaftig, wie sie droben auf der Burg zu 
sehen ist. 

Unter deu Spuren der einstigen Weltherrschaft 
der Vögel führt Peithetairos (V. 514 ff.) auch dies 
an: 
o ds dsivözazov y iozlv anaviiov, o Zevg yap o rvv 

ßaaiXevwv 
ccEZOV OQViv "azrjxsv syiov snl zTjg x£(fairjg, ßaaiksvg 

itiv , 
fj d' av ■D^vyazrjQ yXavx , 6 d'ldnoXkwv waneg i)^£Qa7iwv 

isQttxa. 
Gewiss sind Statuen des Zeus, der Athena uud des 
Apollon mit ihren heiligen Vögeln auf den Köpfen 
— denn Eni zfjg xeq>ah~]g auf Zeus zu beschränken, 
halte ich für unzulässig — für unser kunstmytholo- 
gisches Wissen befremdliche Erscheinungen. Aber 
dass wir deshalb berechtigt sind, die von deu 

°) Vergl. die Darlegung Schöne's, Griech. Reliefs S. 22. 



165 



A. Conze. Siegelring aus Cypeni. 



166 



(hier ^uiiz liiUloseu) Scliolien bczeuiite Lesart zu 
ändern, wie die meisten Herausgeber des Dicliters 
vorselilag'en"), kann ich jetzt noch weniger glauben 
.als l'riilier. 

Für denjenigen, den die Uebereinstininnnig der 
besprochenen Zeugnisse von der Dichtigkeit der 
Folgerung Kieseritzky's überzeugt hat, ergielit sich 
noch eine weitere von selbst. Unter den vermuth- 
lich recht zahlreichen Eulenbildcrn auf der Akro- 
polis '") kann nicht wohl ein zweites so ausge- 
zeiciinet und populär, keines so scbr geeignet 
gewesen sein, im Volksniunde sprichwörtlich zu 
werden, wie dieses, und so werden wir es getrost 
«nls die bekannte yXav^ iv nölei") in Anspruch 
nehmen, welche unsere Ueberliel'erung vno 0aLÖQnv 
oder Oaldov geweiht sein lässt, worin schon Meur- 
sius eine Corruptel des Künstlernamens vermuthete. 

") Nach Beiitlcy auch Kock, Meinekc, Blaydes; zuletzt noch 
Sittl, Adler und Weltkugel als Attribut des Zeus, XIV. Suppl. 
der Jahrb. f. l'hilol. .S. 15. 

>») Vergl. Ross, Arch. Aufs. I S. 205, 207 Taf. XIV. 

") Die Stellen bei Koss; Michaelis, Der Parthenon S. 282 
Nr. 29; Pnusan. descr. arcis von Jahn und Michaelis p 10. 



Auch für die sonderbare Geschichte, die Ausonius ") 
von einer magischen, die Vögel anlockenden und 
verderbenden Eule des Iktinos auf der Burg der 
Minerva zu crzäiilen weiss, wird sich seliwerlicli 
ein wahrscheinlicherer Ausgangspunkt denken lassen. 
Wie leicht mag sich — erst sclierzhaft, später, wie 
so mancher attische Spass, ernstlich geglaubt — die 
Sage gebildet haben, die Goldeule sei von Pheidias 
auf Anrathen des Architekten an der Parthenos 
angebracht zum Anlocken und Einfangen der lästi- 
gen geflügelten Gäste, denen die Tempelhüter auch 
sonst allerhand Nachstellungen zu bereiten pflegten, 
offenbar, weil sie die Reinhaltung der Heiligthümcr 
sehr erschwerten ''). Dass man sich in der That 
der Eulen zum Vogelfang bedient, führen Erklärer, 
des Ausonius an. 

Prag, August 1884. 

Franz Ötudniczka. 

'-") Mosella 308 ff. : rel in arce Minervae 
Iclinus niagico cui noctua perlita fuco 
Allicit 07nne genus volucres perimitque tuendo. 

'"') Veryl. Aristoph. Vögel 525 ff. und 1115. 



SIEGELRING AUS GYPERN. 




Der hier abgebildete Ring befindet sich im Be- 
sitz des Chef-Ingenieurs von Cypern, Herrn Samuel 
Brown, mit dessen gütiger Erlaubniss Herr Ohne- 
t'alsch-Hichter Zeichnung und Al)druck nahm und 
uns zur Verfügung stellte. Herr Richter hat den 
Ring etwa ÖOO Schritt vom Ostthore der Stadtruine 
Kurioii in einem Grabe gefunden, welches ausser 
gemeinen Thongefässeu ohne Bemalung und sehr 
einfachen Thonlampen noch einen silbernen Ring, 
mehrere silberne Armspangen, darunter ein Paar mit 
Schhingeuköpfen, ein silbernes Becken mit elegant 
geschwungenen Henkeln und einen Kandelaber aus 
Eisen und Bronze, dessen Füsse in Pferdehufen 

Arcliiiulog, Zt^'. .Iahr''anL: XLll. 




endigen, enthielt, dabei sehr zerstörte Knochen von 
mehreren Leichnamen. Der Ring ist von Silber, je- 
doch sehr sclilecht erhalten; eine Angabe über das 
Material des darin ursprünglich drehbar befestigten 
Steines fehlt. 

Die Figur der Athena, welche als Siegelbild 
vertieft in den Stein geschnitten ist, beruht auf 
freier Benutzung der Athena Parthenos des Pliidias. 
Wie populär dieses grosse Werk war, wie sich 
Nachklänge desselben bis in die untergeordneten 
Kunstarbeiten verbreiteten, davon haben erst kürz- 
lich wieder die Bleimarken, welche im Bulletin de 
corr. hell. 1S83, Taf. II, 38. 48. IV, 111 zusammen- 

12 



167 



A. Conze. Siegelring aus Cypern. 



168 



gestellt sind, und die, welche v. Sallet in der Zeit- 
schrift für Numismatik X (1883) S. 152 niittheilte, 
einen Beleg geliefert. 

Auf dem Ringsteine von Cypern ist die Haltung 
der ganzen Figur ziemlich so wie sie am Vorbilde 
war geblieben; die linke Hand ruht auf dem Schilde, 
und der Speer, obwohl vom Gemmenschneider nur 
wie hinter dem Schilde hervorkommend angegeben, 
erinnert genugsam an seine ursprüngliche Lage im 
linken Arme. Die Schlange ist unter dem Schilde 
weg zu besserer Sichtbarkeit auf die rechte Seite 
der G()ttin gerückt. Die Hauptveränderung ist mit 
der rechten Hand vorgenommen, welche, stärker ge- 
hoben, statt der Nike ein cKilaoinv liält. Es ist 
ein der attischen Göttin in gewissen Zeiten wohl 
anstehendes Attribut, und der Ring kann auch viel- 
leicht noch aus einer Periode stammen, in welcher 
Athen zur See etwas bedeutete, aber bei dem pri- 
vaten Charakter solcher Siegeisteine sind der mög- 
lichen Beziehungen ailzuviele. 

Wie viele andere Wiederholungen der Parthenos 
des Phidias, so hat auch diese kaum einen Wertli 
für die noch kürzlich wieder in dieser Zeitung 
(XLI, 1883, S. 277 ff. Schreiber) erörterte Recon- 
struction des Originals. Sie bringt nur einen neuen 
Beleg für die Celebrität des Tempelbildes und für 
die Freiheit, mit welcher man bei dessen Benutzung 
im Kunsthandwerk verluhr. 

Finden wir eine Variation der Erfindung des 
Phidias im Privatbesitze nach Cypern getragen, so 
erinnern wir uns des Nachweises von v. Sallet und 
Imhoof-Blumer (Z. f.Numism.X, 1883, S. 152ff. Mon- 
tiaies grccques S. 372 ff. Taf. G, 15. Archäol. Ztg. 
XLII, 1884, S. 61 f.), dass eine kilikische Stadt eine 
solche Variation als Münztypus benutzte. Oertlich 
noch näher liegt es aber, an das Bild der Athena 
des Phidias, und zwar wahrscheinlich ein Nachbild 
derParthenos, zu erinnern, welclie nach dem Zeugnisse 
einer Inschrift ein Athener auf Cypern selbst weihte. 



Die Inschrift (Kaibel 794) ist lückenhaft erhal- 
ten, und es ist auch dem letzten Bearbeiter (Stud- 
niczka, Vermulhungen zur griechischen Kunstge- 
schichte S. t5ff.) nicht gelungen, eine durchaus 
sichere Ergänzung zu tinden. Herr Ohnefalsch- 
Richter hat auf meine Bitte den Stein wieder auf- 
gesucht; er hat ihn auch der Angabe von Ross ent- 
sprechend in Neupaphos noch vorgefunden und 
Abschrift und Abklatsch genommen; es hat sich 
aber aufs Neue gezeigt, dass einer Copie von Ross, 
die nach dessen ausdrücklicher Versicherung mit 
möglichster Genauigkeit gemacht war, durch Nach- 
vergleichung Etwas hinzuzufügen schwer ist. Herr 
Richter hat sogar in Folge inzwischen vorgekom- 
mener Beschädigung einige Buchstaben weniger als 
Ross gefunden. Nur das Eine ergiebt sein Ab- 
klatscii, dass am Schlüsse der Zeile 1 zwischen 
dem (von dem freilich der Abklatsch nur O er- 
kennen lässt) und dem deutlichen /\ kaum für 
mehr als zwei Buchstaben, danach also unter den 
vorgeschlagenen Ergänzungen höchstens für fy[eia]a 
Platz ist. Jedoch sprechen die vorhandenen schwa- 
chen Spuren bestimmt gegen ein E an erster Stelle 
in der Lücke. In einer Hinsicht nehmen wir es heute 
freilich als mit etwas für das lebendige Verständ- 
niss der epigraphischen Denkmäler Wesentlichem 
genauer als zu Ross' Zeiten, nämlich mit der Be- 
achtung der tektouischen Form der Inschriftsteiue. 
Unsere Inschrift, welche den Buchstabenformen 
nach, unter denen das geschwänzte R vorkommt, 
um den Anfang unserer Zeitrechnung zu datiren 
ist, steht auf dem Abacus eines profilirten, 0,3810 
tiefen, 0,G35 breiten, 0,3429 hohen Blockes, der das 
Kapitell einer Basis, auf welcher das Bildwerk ge- 
standen haben wird, gewesen zu sein scheint. Ob 
auf der Oberfläche des Steins noch Einsatzspuren 
erhalten sind, liabe ich nicht in Erfahrung gebracht. 

A. C. 



169 



170 



ZU DEN WEBSTÜHLEN DER ALTEN'). 



Die \\'cl)crei der Alten ist schon t'rüli Ijcliandelt 
worden. Salmasius^) machte den Anfang. Schnei- 
der Saxo^) folgte mit einer .«ehr gründlichen, für 
lange Zeit abschliessenden Untersuchung. Ein Er- 
cigniss war 1872 A. Conze's') \'eröftcntlicliung- der 
chiusinischen Va.sc mit dem Webstuhl der Penelope. 
Endlich sind Marquardt^), Bliimner'^) und 
.\hrens') /u nennen, jene mit den betreffenden 
Abschnitten ihrer Handbücher, dieser mit einem eige- 
ncuAufsatz „über die Webstühle der Alten". Ahrens 
arbeitete, aufiallend genug, ohne Kunde von seinen 
beiden letzten Vorgängern zu haben. Seine Ergeb- 
nisse wichen denn auch von Marrjuardt und Blüm- 
ner in wesentlichen Punkten ab, und es Ulsst sich 
bis Leute nicht behaupten, dass der rechte Aus- 
gleich zwischen ihnen gefunden sei, obgleicli da- 
nach wenigstens Blümner") und Marquardt") 
noch einmal das \\'ort genommen haben. 

Leicht einigt man sicli über einige Vorbegrifie. 
Das Weben ist ein Flechten'"). In den Aufzug 
(oder die Kette) parallel ausgespannter Fäden wird 
der Einschlag seitwärts eingefiochten, d. h. ab- 
wechselnd von lechts und von links so eingeführt, 
dass er das eine Mal vor den geradzahligen und 
hinter den ungeradzahligen Aufzugsfäden hinläuft, 
das andre Mal umgekehrt. Auf diese Weise ent- 
steht ein glattes, nngemustertes (iewebe („Lein- 
vvandbiudung"). Ueberspringt der Einschlag regel- 
oder planmässig mehrere nebeneinander liegende 
Kettenladen, so kommen Muster oder Figuren zu 
i Stande. 



') Ich bekenne mit Freuden, dass, so wie ich die Anrejjung zu 
dieser kleinen Untersuchung meinem Freunde Hugo Magnus 
verdanke, der sich bei seinen Üvidstudien vor die alte Sphinx, 
die Scliilderung des Webens im 6. Buche der Metanioriibosen 
gestellt »ah, ich auch unttr fortwährendem Meinunjisausiausch 
mit ihm zu meinen Resultaten gelangt bin. 

-') Ad scrijif. Iiixl. Aug. p. 177ft". 

') Im Index Script, r. r. s. v. tela. 

■■) Ann. d. Insl. 1872 p 187. ü/on. IX /<«•. XLII 

■') Hiiui. l'riv;italt. II S. 85 rt'. Vgl. unten Anni. ',». 

'^) Technologie I S. 120 ö'. 

') Philologus XXXV S. 38ÖH. 

*) Bursians Jahresbericht 1877 Abih III S. '-'37. 

'■') Privatleben der Römer S 500 tt". 

'"') Daher im ältesten Sprachgebrauch schwer zu unterschei- 
lien (s. Victor Hehn, Kulturjjfi. u. Hausth.^ S. 460, U. Schrader, 
Sprachvergleichung und Urgeschichte S. 400). 



Ancii über die älteste Form des antiken Web- 
stuhls ist kein Zweifel. 15ei dem homerischen 
ebenso wie bei dem altnordischen hing der Aufzug 
an einem auf zwei Pfosten ruhenden Querbaum; 
straff gezogen wurde er durch kleine Gewicht- 
steine. Als Weberschiffchen diente eine lange Na- 
del ans Holz oder Knochen oder Metall, auf die 
der Einscblagfadeii entweder wie auf eine Spindel 
oder wie auf eine moderne Filetnadel aufgewickelt 
war. Das Herandrücken des Durchschusses, das 
dem Gewebe F'estigkcit giebt, geschah in ältester 
Zeit mit einem Scheit (anäi/r]) aus Holz. 

Aber wie geschah die Sonderung der Ketten- 
fäden? Musste der AVebende sie jedesmal ab- 
zählen ? Oder gab es schon im Alterthum etwas 
unseren „Schäften" und unserem „Geschirr" Ver- 
gleichbares, „wo ein Tritt tausend Fäden regt, — 
ein Schlag tausend Verbindungen schlägt"? 

Marqnaidt hat es aus dem homerisclien Gleicli- 
niss 'F7()U wahrscheinlich gemacht, dass bereits den 
homerischen Griechen eine mechanische Vorrichtung 
zur Heraushebung abwechselnd der geraden und der 
uugeraden Kettenfäden bekannt war. Sie bestand 
darin, dass zwei Schäfte durch Schleifen mit je 
einer Hälfte der Kette verbunden waren. Bei dem 
äg3'ptischen aufrechten Kahnieuwebstuhli wir kennen 
ihn leider nur aus einer Wilkinson'schen Ver- 
öffentlichung {manners and cnsloms of ihe ancient 
£(/(//)<. (1S78) II 171 nr. 387; danach bei Blümner I 
]39), scheinen solche Schäfte am oberen Querbanm 
aufgehängt gewesen zu sein. Wichtiger ist, dass 
auch der isländische Webstuhl, der eine tela pen- 
dula ist (die Kette durch Gewichtsteine gespannt), 
mit zwei Schäften versehen ist. 

\\'as Mar(|uardt weiter aus der Iliasstelle be- 
weisen will und auf Plin. n. h. VIII U'G anwendet, 
dass ttlrng das „Geschirr" heisse, pnlymiia also auf 
eine grosse Zahl von Schäften schliessen lasse, 
scheint mir unhaltbar. Wenn filiog „bei späteren 
Schriftstellern" (Blümner, Technol. I, 131) der Fa- 
den heisst, so ist diese Bedeutung doch zweifellos 
nicht aus der Bedeutung „Schlinge", „Geschirr" ent- 
standen, sondern sie ist die ursprüngliche. Und 
was bedeutet es denn bei Homer? Die Weberin 
zieht den Einschlag heraus nagen ftanv = an der 
„Schleife", an dem „Geschirr" vorbei? Warum und 



12' 



171 



Schröder. Zu den "Webstulilcii der Alten. 



172 



lieisst hier iiatiirlicli „aus den Kettenfaden, aus der 
Kette". Und bei Plinius werden die alexaudrini- 
scben polymila, plurijnis liciis textet, bunt gemusterte 
Gewebe, bei denen eine grosse Auswahl von Fäden, 
Einscblags- wie Aufzugsf'äden, erforderlicli war, den 
geniäldeartigen babylonischen Buntstiekereien ent- 
gegengesetzt (Babylonos picta superbae Texta Semi- 
ramia quae variatiliir aca sagt Martial). 

Die Annahme complicirter Geschirre verbietet 
sieh aber schon aus rein praktischen Gründen. 
Wenn Helena Schlachtenbilder, Minerva und Arachne 
Landschaften und Göttergestalten mit täuschender 
Farbenwirkung weben, so ist eine Herstellung sol- 
cher Gewebe durch eine nocli so grosse Zahl von 
Schäften, wie mir von sachkundiger Seite") ver- 
sichert wird, schlechthin unmöglich. Schon um das 
einfachste W'ellenlinienmuster auf mechanischem 
Wege herzustellen, ist eine grosse Zahl von Schäf- 
ten nötbig. Und es liegt auf der Hand, dass zu- 
mal am senkrechten Webstuhl die Zahl der Scliäfte, 
von denen jeder einzeln musstc angezogen werden 
können, ohne einen der anderen uiitzureissen, eine 
sehr beschränkte war. 

Und wie verhalten sich die weitereu Denkmäler 
und Schriftstellerzeugnisse zu dieser Frage? Der 
chiusinische Webstuhl (aufrechte Kette, durch Ge- 
wichtsteine gespannt; bei ßlüninerl S. 357) zeigt ein 
fertiges Stück Gewebe, mit Kandornamenten versehen 
und mit einem Streifen abenteuerlicher Thier- und 
Menschengestalten abschliessend. Dabei entbehrt der 
Webstuhl jeglichen Geschirres. Von dem Querstrich, 
der durch einen Theil der Kette geht, muss ganz ab- 
gesehen werden. Er könnte nur einen Fadenrest oder 
eine Nadel bedeuten. Die beiden untersten Querhölzer 
aber, die noch von Marquardt 1879 als Schäfte 
gedeutet \vorden sind, würden eben nur genügen zur 
Herstellung eines völlig ungemusterten Gewebes, 
wenu man auch davon absähe, dass in der Zeich- 
nung von den unentbehrlichen Schleifen nichts wahr- 
zunehmen ist, dass vielmehr alle Aufzugsfädeu vor 
den Querhölzern heruntergehen. Uebrigens sind es 
ihrer drei; das dritte Querholz ist durch das Ge- 
webe theilweise verdeckt. Wir haben in den drei 
Querhölzern also wohl nichts andres zu selien, als 
eine Art Lehnen für die liängende Kette (Conze) 

") Herr Dr. Max Weigert, Fabrikbesitzer hierselbst, 1.S73 
amtlicher Berichterstatter über Textil- und Bekleidungsindustrie 
auf der Wiener Weltausstellung, auch Verfasser eines Aufsatzes 
,über die Weberei der Alten" (Verhandlungen der polytech- 
nischen Gesellschaft zu Berlin 18Gd/6ü p. 84 — 103) hat mich in 
dankenswevthcster Weise vielfach mit seinem Käthe unler.'tiitzt. 



oder als einfache Querleisten zur Befestigung des 
Gerüstes (Ahrens'*). 

Auch in der ausführlichen Schilderung des We- 
bens bei Ovid (Met. VI 53 ff.) handelt es sich um 
ein kunstvolles, färben- und figurenreiches Gewebe. 
Der Webstuhl entspricht, wie sich weiter unten zei- 
gen wird, im wesentlichen dem chiusinischen. Von 
der Souderung der Kettenfäden aber heisst es sla- 
men secernit harundo. Was bedeutet das"? Die 
Zusammenstellung mit dem kuviÖv des homerischen 
Gleichnisses 'F 760, wo in der Erklärung des Scho- 
liasten wenigstens das Wort xälai-ing richtig sein 
wird, liegt nahe. Allein es besteht ein wesentlicher 
Unterschied. Der xavwv wird angezogen (ov z ev 
l.iäla xtQoi xavvaarf)^ was bei Ovid nicht bezeugt 
wird. Das homerische Gleichniss. dem Alltagsleben 
entnommen, gestattet an ein einfaches, glattes Ge- 
webe zu denken. Hier mögen also in der That 
zwei Schäfte abwechselnd angezogen worden sein. 
Bei Ovid aber würde die Weberin ebenso, wie auf 
der chiusinischen Vase, mit einer Zweizahl von 
Schäften, überhaupt mit „Schäften" in unserem 
Sinne nicht weit gekommen sein. Was ist denn 
ai)er harundo? 

Ein einzelnei-, unbeweglicher Stab zur Spal- 
tung der Kette ist bei dem wagerechten Webstuhl 
der Beduinen in Gebranch (s. Burckhavdt bei Ahrens 
p. o8G); das Gleiche ist bei dem senkrechten Kahmen- 
webstuhl der orientalischen Teppichweber der Fall (s. 
Max Weigert in dem oben (Anm. 11) erwähnten 

'-) Es reizt mich, noch einen Augenblick bei der chiusini- 
schen Vase zu verweilen, um zur Deutung der neun Pflöcke auf 
dem obersten Querholz des Webstuhls einen Vorschlag zu machen. 
Ich halte sie nicht mit Conze und Blümner für Griffe oder 
Schrauben zur Festhaltung des fertigen Gewebes, denn drei von 
ihnen (Nr. 3. 6. 8 von links) enthalten nichts, was einem GriB'e 
oder dergl. ähnlich sieht; auch nicht mit Ahrens für eine Vor- 
richtung zur Verlängerung der Kette, erstens weil ich wiederum 
dann mit Nr. 3, (! und 8 nichts anzufangen weiss, zweitens aber 
weil mir die ganze Annahme einer derartigen Anstückung der 
Kette (zunial einer so fadenreichen Kette durch G bis 9 Knäuel) 
unglaublich scheint. Ich acceptire aber aus dieser zweiten Er- 
klärung die Deutung der sechs runden Gegenstände als Knäuel 
und vermuthe hier eine Art Reservefonds von Einschlagfäden, 
deren Verbrauch ja überhaupt, sowohl was das Volumen als was 
die Länge betrifft, stärker sein musste als der von Aul'zugstaden. 
(Jene hatten des Gewebes Fleisch und Epidermis zu bilden und 
wurden d.aher locker und weich gewählt; diese das Gerippe, ihre 
Feinheit wird gern hervorgehoben: <eHiu's /e/as Verg. Aen. VI! 14, 
gradli stamine Uv. Met. VI 54. Was sich der Centonarius, dem 
wir die Ciris verdanken, v. 17!) bei molles telas gedacht hat, mag 
er selber wissen.) Jetzt erklären sich die drei nicht umwickel- 
ten l^flöcke 3. 6. 8 auf das leichteste. Hier ist eben der Vor- 
rath bereits verbraucht. 



173 



0. Sehriifler, Zu den Wcbsti'ilileii der Alten. 



174 



WienerAusstellungsbeiidit, Biaunscliweig 1874 p.50). 
Hcir ür. Jfax Weigert erklärte mir die Hedeutuug 
dieses Stabes bei geflochteneu Teppieheii, d. h. 
solclicn, bei denen Einschlag und Kette das Muster 
hervorrufen, auf meine Anfrage so, dass durch 
den .stai) die Kette in zwei gleiche Theile (d. i. in 
die geraden und die ungeraden Kettenfäden) getheilt 
werde, um das Abzählen der Fäden, über oder un- 
ter welche der 8chuss eingetragen werden soll, 
ferner das Anknüpfen zerrissener Fäden zu er- 
leichtern. 

Solch eil) Regulator der Kettenfäden mag auch 
der Stab sein, der in dem Rahmenwebstulil der 
Circe (Abbildung des vaticanL^chen Vergilcodex) 
quer durch die Kette gesteckt ist. Und dieses 
scheint denn auch der Sinn der ovidischen harundo 
zu sein. 

(xerade bei kunstreich gemusterten und figureu- 
geschniückten Geweben muss also von einer com- 
plicirteren Gesehirrvorrichtuiig abgesehen werden. 
Jedem Durchzug der Webernadel musste ein müh- 
sames Fädeuabzählen vorangehen, nicht viel anders 
als bei unserm Sticken. 

Man könnte sich hierdurch versucht fühlen das acu 
pingere, namentlich Ov. Met. VI 23, wo .,das Weben 
nicht unerwähnt bleiben konnte", als synonym mit 
ladio caetare (bei Silius Italiens Fun. XIV G58) 
zu erklären. Allein acus scheint nie die Weber- 
nadel zu bedeuten, vielmehr als speeifisches Stick- 
werkzeug dem Webstuhl gegenübergestellt zu wer- 
den. So bei Silius a. a. 0. (ifiO. 

Uns Modernen, nur au wagerechte Webstühle 
(d. ii. mit wagerechtein Aufzug) Gewöhnten, drängt 
sich noch die Frage auf: „Kannte das klassische 
I Alterthum nicht auch schon wagerechte Webstühle?" 
Und hiermit kommen wir zu dem Hauptdifferenz- 
punkt zwischen Ahreus und seinen Vorgängern. 
Ahrens verneint die Frage durchaus. Marquardt 
und Blümner bejahen sie und glauben von Ein- 
richtung und Bezeichnung des wagerechten Web- 
stuhls tler Alten mehr oder weniger sichere Kunde 
zu haben. 

In Ermangelung ausdrücklicher Zeugnisse sind 
wir aul' Vermuthuugeu augewiesen. ludess, wenn 
Artemidor. Oneir. JII 30 von einem ioTÖg "lyO-tog 
spricht, der xivrjaiv xai aTindi]i.ilav atjuaivti (man 
vergleiche das homerische latov F.noiyieaUni und 
l'indars 'laziöv na?uftßäfiovg öönvg Pyth. IX 18) und 
von einem fteQng tatng xatny/^g arjfiaiTixng, 
f.jitidi] xa!f£Lniit£i'ai Iffaivovaif, wenn man dazu 
nimmt die Xachricht bei Festus p. 277, dass die 



tnincae reclae der Bräute und tirones in Rom a slan- 
lihiis et in nlliliidhiem (d. h. vertikal) gewebt wur- 
den, so wird man in Ovids stanles Iclae (Fast. III 
819 und Met. IV 275) kaum ein blosses Epitheton 
ornans selieu dürfen. Ueberall schimmert als Ge- 
gensatz zu dem aufrechten Webstuhl die Vorstellung 
des wagerecbten hindurch. Ja, bei Festus erscheint 
der horizontale als der gewöhnliche, moderne, ge- 
genüber dem nur noch vereinzelt in Anwendung 
kommenden System des vertikalen Webstuhls. 

Der Ausdruck in aUitudinem und unsere Ueber- 
setzung „vertikal" bedarf noch einer besonderen 
Beleuchtung. Denn wie ist es zu verstehen, wenn 
derselbe Festus p. 286 — 289 meldet, die lunicae re- 
gillae würden susutii versum a slanlihus gewebt? 
Ich denke, wenn oben nicht in allilndinem ein durch- 
aus fehlerhafter Ausdruck war, dann darf es auf 
die Frage, ob von oben nach unten, oder von un- 
ten nach oben gar nicht ankommen. Denn in alti- 
tndiiiem heisst ja beides. „Vertikal und von Stehen- 
den gewebt", das allein gehört also nach Festus'^) 
zum Wesen der iuuica re.cla oder regilla; das susum 
versum hat nur den Werth einer Xebenbemerkung: 
„(und so natürlich) von unten nach oben", und kann 
in keiner Weise zur Deutung des Ausdrucks reclus, 
oQ^ing benutzt werden. Aber was bedeutet denn 
„aufwärts weben"? Es soll hier doch wohl (bei 
dem Feierkleid der Bräute und JUuglinge) eine ältere 
Art des Webens bezeichnet werden. Lässt es sich 
nun irgendwie wahrscheinlich machen, was Blüm- 
ner (I 138) annimmt, dass „die ältesten Römer" an 
einem Rahmenwebstubl gewebt, wie die Aegypter? 
Und nun gar aufrechtstehend, während die Aegypter 
bekanntlich sassen? Ich glaube nicht. Die Römer 
webten, ehe sie den wagerechten Webstuhl einführ- 
ten, oline Zweifel gerade so wie die Griechen und 
wie die germanischen Vetteru im Norden, an der 
alten tela pendula (vgl. auch Blümner I S. 122). Bei 
diesem Webstuhl kann aber die Bezeichnung „auf- 
wärts weben" nur nach der Richtung gewählt sein, 
in welcher das Scheit {Gnäiirj) gegen den Einschlag 
geschwungen wurde. Dazu stimmt im Inhalt und 



'■■') ob die von Festus übcrliet'cite Erklärung sachlicb das 
Kicliiige trifft, ist eine andere Frage W. Heibig, das home- 
rische Epos aus den Denkmälern erklärt S. 134, vergleicht das 
homerische iavi<rrf7ii.o; und den öi>!>oait(iSi(ig /timv der Kitha- 
liiden, .denn offenbar war jene Tunica, wie dieser Chiton ein 
nach archaischer Weise straff herabfallendes Ge- 
wand, an welchem Griechen und Römer, wo religiöse Rück- 
sichten in Betracht kamen, vielfach auch noch während der 
späteren Zeit festhielten." 



175 



0. Schröder. Zu den Wcbstiililpii flcr Alten. 



17fi 



Ausdruck die Notiz Herodots (II 35): vtfcdravai 
öe oJ i^uv a).?.oi avw ztji' xonxt]v ioi)i(ivi£g , ^lyv- 
nrini de xäico. Wenn also Alireiis eiu obeu begon- 
ueues Gewebe „aufwärts gewebt" nennt, so bewegt 
er sich damit nur in der antiken Tenuinologie und 
verdient Beifall, nicht aber die Belehrung, die ihm 
Bliimner (in Bursians Jabresber. 1877 Abth.III S. 238) 
zu Theil werden lässt ohne die Sache zu fördern. 
Ein Verseben ist es allerdings, wenn Abrens sagt, 
das (nach antiker Auffassung) „aufwärts" ausge- 
führte Gewebe mehre sich immer uiei:r nach oben 
zu. Ein ähnliches Versehen findet sich 8. 397 sei- 
ner .Abhandlung. Daselbst ist Z. 7 der „ägyp- 
tische'' statt „abendländische'' (Webstuhl) zu lesen. 

Dass also die Alten den wagerechten Webstuhl 
gekannt haben, ist mindestens wahrscheinlich. Auf 
sehr unsicheren Füssen aber steht die am zuver- 
sichtlichsten von Marquardt (Privatleben d. Rom. 
S. 509 f.) ausgesprochene Veimuthung, in der lelu 
iogalis des Cato (r. r. 10, 5 und 14, 2) hätten wir 
die Bezeichnung für den wagerechten Webstuhl. 
Wo ist der Beweis dafür, dass der wagerechte 
Webstuhl der Alten oder auch nur der Aegypter 
zur Aufhängung der Schäfte gerade wie bei uns 
ein besonderes senkrecht auf dem Rahmen stehen- 
des Gerüst gehabt, und dass dies xaz eSo'/fjV inc/mn 
gebeissen? Marquardt ist in der Uebertragung heu- 
tiger Einrichtungen auf die antiken so weit gegan- 
gen, zu dem „Geschirr", das an dem hypothetischen 
iuyum freischwebend angebracht wäre, auch noch 
den „Kamm" zu fügen, der eine Vervollkommnung 
des Holzscheites zum Festschlagen des Durchschusses 
darstellt. Den Weberkamm kennt das Alterthum 
(Ovid Met. VI 58 und Fast. III .S19f.) Aber wie 
sali er aus? 

Das äg'3'ptische Museum zu Berlin besitzt meh- 
rere Kämme aus Holz, etwa eine Spanne bieit, mit 
einem kurzen Stiel. Die Einschnitte gehen in der 
Weise schräg durch das etwa 1 bis 1,5 Cm. dicke 
Holz, dass die Zähne auf der einen Flachseite der 
Kämme länger erscheinen als auf der anderen, ohne 
jedoch irgendwo die Länge von 1 Cm. zu über- 
steigen. Der Handgriff, die schräg durchgehenden 
Einsclinitte, die Kürze der Zähne beweisen, dass 
diese Kämme, wenn es Weberkämme sind ' '), nicht 

") Aul' das Stück Flachs (« jiiece of Imv Wilkiiisun), das 
sieb in den Zähnen eines dieser Kilmine gcl'unden haben soll, 
ist kein Gewicht zu legen. Gebrauchsgegenstände sind diese 
(jräberlun Je wohl kaum gewesen , sondern nur deren (viel- 
leicht verkleinerte) Nachbildungen. Eines aber beweisen diese, 
wie zahlreiche andere Ilol/käninie des ägjjitisclien Museums 



dauernd in den Kettenfäden hingen, sondern ledig- 
lich mit der Hand regiert wurden. Abgeschrägt 
war der Boden der Zahnlücken vielleicht, um die 
Kette beim Heranschieben des Durchschusses nicht 
zu sehr anzugreifen. 

Anders sieht der Kamm aus auf dem Bilde des 
altägyptischeu Webstuhls, das sich in eiuem Grabe 
zu Benihassan gefunden bat: 




Ich gebe das Bild nach Lepsius, Denkm. 
Abth. II Bl. 126, bemerke jedoch, dass die 
Originalzeichnung, in die mir ein Einblick gütigst 
gestnttct wurde, insofern nicht damit überein- 
stimmt, als dort die Kettenfäden nicht, wie hier 
und in den ,, Denkmälern" an einer dem Querholz 
parallel laufenden Leine, sondern au dem Querbolz 
selbst befestigt sind, und die Leine nicht gerad- 
linig, sondern in mehreren Schlingen verlaufend die 
Bestimmung zu haben scheint, das Querholz sammt 
der Kette an die beiden Pflöcke heranzuholen. In 
diesem Punkte stimmt die Abbildung bei Kosellini 
(mo)inm. dell' Egilto e d. Niibia II tav. XLI G [lom. 
II 25]) mit Lepsius' Originalzeichnuug. Die beiden 
kurzen Pflöcke, durch Schlingen mit dem Garn- 
baum verbunden, sind dem wagerechten Webstuhl 
eigentliümlich, wie die weiteren Abbildungen bei 
Rosellini a. a. 0. (vgl. bei Wilkinson II 170 nr. 380) 
deutlich erkennen lassen. 

Wie verhält es sich uun bei diesem wage- 
rechten Webstuhl mit dem KanimeV Von den bei- 
den gleich langen durch die; Kette gehenden Quer- 
hölzern ist bei Lepsius das eine, dem Garnbaum 
zunächst liegende als Kamm gezeichnet. Sehr auf- 
fallend! Erstens da nicht dieses, sondern nur das 
andere, dem Gewebe näher liegende Holz als Knnini 
(soweit er zum Fcstschlagen des Durchseliussiadens 
dient) funktioniren kann, und zweitens, da ein wei- 

jeilenl'alls: üvids insecli (peitine) denies (iUet. VI öS) sind durch 
Kiu.<chneiden hervorgebrachte Hol/.zähne, nicht in das Holz ein- 
gesetzte Uohrsläbchen wie M Haupt wollte, indem er /nininclo 
und peclen identiticirte, und wie auch lilümner anzunehmen 
scheint, wenn er iiiserli zu schreiben vorschlägt (I 147). 



177 



Ü. ScIiWiilcr. Zu den Wrlistiilili'ii (In- Alten. 



178 



teres, doppelt so laiiires Querholz, nach der Hand- 
haltunj;' ijcsondeis der re(;iits hockenden Weberin 
zu urtlieilcn, als anäi^rj diese Funktion des Fest- 
schlajjens zu hal)en scheint. Unsei- Zweifel mehrt 
sicli, weiui wir Roselliiii verg-leiciien, der an Stelle 
des Kammes einen mit Faden umwickelten Stab 
darbietet. Und in der That: die Haltung der lin- 
ken Hand bei der links hockenden Weberin scheint 
die Auflassung- dieses Querholzes als Webernadel 
zu bestätigen. Dagegen spricht aber wiederum das 
zweite zwischen Durchscliuss und Gewebe nur stö- 
rende Querholz, — wenn diesrs nicht etwa eine 
Andeutung der Sehäffe sein soll. 

Denn zwei Schäfte iiat dieser Wel)stuhl zweifellos. 
Wie man sieht, werden sie durch Tritte abwechselnd 
nach unten gezogen, so dass also in Wahrheit 
„ein Tritt tausend Fäden regt". Um sie jedesmal 
wieder nacii oben zu ziehen, niuss die Spannung 
der Kette selbst ausgereicht haben. Denn sie schei- 
nen einfach uiiterhalb der Kette an den Schleifen 
zu hängen. Doch welches immer die Bedeutung 
jener Querhölzer sei: von einem besonderen ober- 
lialb der Kette angebrachten Stulilgestell zur Auf- 
iiängung des Gescliins zeigt selljst dieser mit Tritten 
versehene Webstuhl keine Spur. 

Eine gewisse Stütze schien die besprochene Vor- 
stellung von der tela iogalis, als eines wagerechten 
Webstuhls mit senkrechtem Geschirrstuhl (= iugum) 
in Ovids lelti inyo citicta est zu haben, und beson- 
ders in der Art, wie diese Stelle von Seneca 
citirt wird. 

Seneca (ep. 90, 20) stellt dem alten Webstuhl 
mit senkrechter Kette (rectum s/amen), mit Gewicht- 
steinen (siispensis ponderibus) , mit dem einfachen 
Scheit zum Festschlagen (spatka) — Schaft und 
Webernadel nennt er niclit — den Ovidischen 
(Met. VI 53 fi".) gegenüber und beginnt sein Citat 
aufiallend genug mit den Worten tela iiigu iuncta 
est (so statt rhicta est ob). Allein prüfen wir die 
Ovidische Schilderung genauer. 

Ovid lässt Minerva und Arachnc an ihre Web- 
stühle treten: consislunt . . . Hier stock' ich schon. 
Die Lesart consistiiiil") ist gar niclit die überlieferte: 
constiliiimt ist die Ueberlieferung säinmtlieher Hss. ; 
dazu stimmt des Planudes Uebersetzung laiäcjiv 
und die Variante in den unbekannten codd. Bers- 
uianni coiislilermit, während ronsistnnl sich lediglich 
in dem interpolirten cod. Aniplonianus (als Con- 

"•) Diese Angaben über die Le.-arten beruhen auf Mittliei- 
lunj;en von Hugo Magnus (verf;]. oben Auni, I). 



jekturV) über cimstitiinul übergeschrieben findet. Die 
Ueberlieferung lautet also, wie denn auch jetzt bei 
Merkel und Zingerle gelesen wird: 

— riiiistiliiunl diversis jiartilms ambae 
et ip'acUi (jnninas iiiteudunl stamine telas. 
lelii iuijo viiicta est, stamen secernil harurido. 
Die Verbindung tclam constituere könnte die ho- 
merische Formel laxnv aTi]aatievr] wiedergeben sollen, 
welche das Zurechtstellen ") des Webstuhls bezeich- 
net, doch so, dass darin das Aufhängen der Kette, 
wie ß 94 — 95 zeigen, mit einbegriffen ist. Dann 
hiesse uilendiuil telas „sie ziehen straff" die Ketten'- 
(sei es durch Gewichtsteine, wie es bei dem chiusi- 
nischen Webstuhl der Fall ist, oder durch einen 
zweiten Querliaum, wie bei den ägyptischen Stiililen). 
Aber geminas telas = „beide, Ketten"? und et gra- 
cili geminas Inteudimt stamiiic telas = ..,und schlan- 
ken Aufzugs spannen sie beide Ketten"? tela und 
stamen werden auch Met. IV 275 synonym gebraucht. 
Aber warum ist die adverbiale Bestimmung gracili 
stamine durch die Wortstellung so eng gerade mit 
iriletidiint verknüpft? 

^\'er diese Bedenken nicht »heilt, der hat es be- 
quemer. Er übersetzt (in vollem Einklang mit der 
homerischen Formel): „sie richten auf und spanneu 
straö" die Ketten", und weiter (55) „die Kette ist 
an dem Querbaum befestigt". 

Wer aber mit mir übersetzt: „Die zwei Frauen 
stellen auf zu verschiedenen Seiten und bespannen 
mit schlankem Aufzugsfaden beide Webstühle", 
der steht V. 55 vor einer neuen Schwierigkeit: tela 
iiigo tincta est kann jetzt nur heisseu „der Web- 
stuhl ist durch den Querbaum zusammengefügt". 
(Vielleicht wird mancher Seneca's iuncta est vor- 
ziehen; entscheiden kann hier nur die genaueste 
Keuntniss ovidischen Sprachgebrauchs.) Also eine 
nachträglielie und angesichts des bereits mit dem 
Aufzug bespannten Webstuhls etwas nachhinkende 
Hervorhebung des unentbehrlichsten Theiles an der 
alten tela pendula'. Aber vielleicht haben diese 
Worte nur den Zweck, in zierlicher Epanalepse 
(stamine telas = tela — stamen) die Erwähnung des 
Kohrstabs einzuleiten, der, wie oben beschrieben, 
die Kettenfäden in Ordnung hält (tela iiigo cincta 
est, stamen serernit harnndo). Wie dem auch sei: 
von einem besonderen Stuhlgestell zur Auf- 
h;lngung des Geschirrs spricht Ovid in keinem 
Fnll. 

"'l Der zapfeiiartige Fuss an dem chiusinischen Webstuhl 
lii-st es j,'laul>Iich erscheinen, dass die Pfosten de» Webstuhls vor 
jedem Weben erst in den Fus^bodl,•n yesteckt wurden. 



179 



H. Bliimner. Die Speisetische der firieclien. 



180 



Jetzt beginnt das eigentliebe Weben. Der Durcli- 
schuss wird eingetragen mit der Nadel (iuscritiir 
tnedium radiis subtemen aciitis), Ton der jedesmal 
eine genügende Menge Garns abgewickelt werden 
muss (quod digili expediutit). Es folgt das Fest- 
schlagen des Durchschusses mit dem Kamm (alqne 
inter slamina duciuin percKSso paviunt [so Seneea 
wohl richtig für das ferinnl der Hss.] iiisecli pecline 
dentes). Und diese Verwendung des Kamms an 
Stelle der alten spatha rechtfertigt, denke ich, Se- 
neca's Ausdruck ,,stibtUiiis geniis'' in ausreichender 
Weise. Vielleicht erschien iljm auch die harundo 
als eine Neuerung, und so erklärte es sich denn 
auch, dass er sein Citat gerade mit Vers 55 beginnt. 

Wie der Kamm an dem senkrechten Webstuhl 
gehandhabt wurde, wissen wir nicht. Dass beides 
thatsächlich verbunden gewesen, wird man auf 



Grund der verdächtig genug aussehenden Hesycli- 
giosse ana&azöv to ogd-nv r'fng, anää^tj xsxqov- 
jitei'ov, Ol! JCTevi, uocli nicht leugnen dürfen. Für 
Ovid, der sich Fast. III 8 19 f. ebenfalls ganz unzwei- 
deutig ausdrückt, fällt hier Seneca's gewichtiges 
Zeugniss {poslea inventum) in die Wagschale. Denn 
dass Seneea, der doch zweifellos aucli wird consti- 
iuiinl gelesen und iiigiim richtig verstanden haben, 
den senkrechten Webstuhl nicht sollte erkannt 
haben, ist niclit anzunehmen. Mau vergleiche übri- 
gens den bereits oben (S. 170) erwähnten Wilkinson- 
schen Webstuhl. An dem aufrechten Webstuhl be- 
findet sich dort ein, wie es scheint, auf- und ab- 
sehiebbares Querholz, das recht gut als Kamm ge- 
deutet werden konnte. 



Berlin. 



Otto Schkoeder. 



DIE SPEISETISCHE DER GRIECHEN. 



Ueber die Tische, deren sich die Griechen bei 
ihren Mahlzeiten und Symposien bedienten, finden 
sich in den Handbüchern nur sehr allgemeine und 
ungenügende Angaben, meist nichts weiter, als dass 
dieselben beträchtlich niedriger als die Speisesofas 
waren, entweder viereckige oder runde Gestalt und 
einen, drei oder vier Füsse hatten, wobei man sich 
für letztere Behauptung auf Poll. X, ü9: eSeazi ösTt]v 
zQÜTieKciv, i(p ji ztt exTitüfiaza xazäxsizai, zsiga- 
nnvv T£ zgäniCttv elnsiv xai ^invönow, und ebenda 
§ SO: rj de. inoxEmivrj zolg oxpoig zganeCa xai 
xQiTiovg av xaXoizo beruft. Es ist klar, dass PoUux 
an der ersten Stelle nur die Abaci, die Prunk- oder 
Credenztische im Sinn hat, die wir auf manclien 
Denkmälern mit Trinkgefässen, Mischkrügen und 
dergl. bedeckt dargestellt sehen, an Esstische darf 
dabei nicht gedacht werden; hingegen handelt es 
sich dem Anschein nach an der zweiten Stelle aller- 
dings um solche. Becker im Gharikles I S. 220 (Goell) 
führt Athen. II, 49 A an: zgänetaL fXsqiavzönoösg 
ziöv iniiyr}j.ittTiov fx ttjg xakovfisiTjg ocfEvöäfAvnv 
71 ennitjfisvwv Kgazivng (Frg. 301 Kock)' 

■yavgiüiaai d'ärajutvnvait' oid fnrjylaiai^ilvai 
fuigaxtg (fciidgal zgänt'Cai zgiaxe'/.tlg acpev. 

däfunai, 



und bemerkt dazu: „die dreifüssigen Tische werden 
zwar mit ihrem eigentlichen Namen zginoäeg ge- 
nannt, wofür Athenaeos ebenda Beispiele anführt 
(vgl. Phitarch Kleoni. 13. Poll. VI, 83), aber sie 
heissen nichtsdestoweniger auch zgäneCai". Sieht 
man sich die Belegstellen des Athenaeos näher an, 
so ergiebt sich, dass denn doch zwischen dem drei- 
beinigen Speisetisch und dem zginm>g ein Unter- 
schied gewesen sein nmss, was auch aus Plutarch 
Kleom. 13: dnagi^Ei'arjg de zr^g zoanfX,rjg elaExof.iiCezn 
zginovg xgaztjga yahxovv s'ycov oivnv /nsotöi' etc. her- 
vorgeht. Bei Athen, a. a. 0. heisst es nändich zu- 
nächst weiter: einnvzng zivog xvvixnv zgtnoda riqv 
zgnnstar övaxegaii'ei n nagd zui aofpiazfi Ovkniarog 
xai ksytii zr]/.iegov iyio ngayf.iaza tS,w fs dnga^iag. 
nni/sv ydg zovzti) o zginovg' et fi/] zr)v ^loyevovg 
ßaxzrjgi'av avf xai zio finde agiO^f^iiöv nvzng zgi- 
Ttoöa Tigoatjyngevas, navzwv zgantLag xttknvvzMv 
zavzag zag nagaS^soEig. Also ein Kj'nikcr hat 
die zgäneCa, den Speisetisch, zginovg genannt; 
darüber ereifert sich der eine der Deipnoso- 
phisten , der pedantische Ulpiauus, genannt 
KeiTovxeizng, und bemerkt, ebenso gut könne je- 
mand den Diogenes mit seinem Stock einen zginovg 
nennen; diese nagai^iaetg aber würden von allen 



181 



II. Bliimner, Die Speisetisclie der Griechen. 



182 






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Archaolog. Ztg. Jahrgang XLII. 



13 



183 



H. Blümner, Die Speisetische der Grieclien. 



184 





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TQÜnetai genannt. Nun führt allerdings Athenaeos 
nachher einige Beispiele an, um zu erweisen, dass 
mau dennoch die Tgänsta bisweilen TQtnovg ge- 
nannt habe: Hesiod (Frgm. 105), Xen. Anab. VII, 
3, 21, Fragmente aus Antiphanes, Eubulos, Epicharm 
und Aristophanes. Selbst wenn in allen diesen 
Beispielen ausdrücklich von Speisetischen die Eede 
wäre, so würde sich daraus zunächst nur ergeben, 
dass die Sdariftsteller bisweilen in freierem Ge- 
brauch TQinovg für zoäneCa gesetzt haben, während 
doch immer bestehen bliebe, dass ursprünglich und 
in strengem Sprachgebraucii ein bestimmter Unter- 
schied war, was der genannte Sophist aus seinen 
antiquarischen Studien wissen mochte. Allein wir 
können nicht einmal beurtheilen, ob alle Beispiele 
des Athenaeos wirklich passend gewählt siüd. Das 
hesiodischc Fragment aus Krjvxog yä/iing liegt uns 
nicht vor, wir müssen uns also hier auf die An- 
gabe des Athenaeos verlassen: CHaindng)TQinndaq 
rag TouTttlag (prjai Bei Xcnoph. a. a. 0. werden 
allerdings dieselben Tische, welche er § 21 tglnoöeg 
nennt, gleich nachher § 22 und 23 tgäntCai ge- 
nannt, indessen findet die dort geschilderte Mahl- 
zeit in Thrakien und nach thrakischer Sitte statt, 




man liegt nicht bei Tafel, wie in Hellas, sondern 
man sitzt im Kreise beisammen; bestimmte Folge- 
rungen für griechischen Brauch können wir aus 
dieser Stelle nicht ziehen, denn die Tische, an denen 
man sitzend speiste, waren doch höchst wahrschein- 
lich von anderer Beschaffenheit als die, bei denen 
man gelagert ass. Die Fragmente aus Antiphanes 
und Eubulos nennen nur rglnndeg, ohne dass man 
den Nachweis führen könnte, dass auch wirklich 
Speisetische damit gemeint sind; im Fragment des 
Epicharm möchte man das sogar bestimmt in Ab- 
rede stellen. Die Stelle lautet: 

^. ri de täd' savi; B. öij^aö/] rginoiig. A. %'i 
/.iccv, £y_Ei nodag 

xeTOQttg; ovx tau TQinnvg, akX [saTiv\ oiftai 
xsxQCtnnvg. 

B. Eozi 6 ovoj.1 «vTfÄi TQinovg, xizogäg ys fiäv 
eyßi nödag. 

A. Oldinovg xoi'vvv nox riv, al'viyftä xni rnelg. 
Es wäre gewiss verfehlt, wenn man glauben 
wollte, dass hier von einem simpeln viereckigen 
Tisch mit vier Beinen die Rede ist; es ist doch 
ganz undenkbar, dass man einen solchen jemals 
einen xqinovg genannt haben sollte. Die Unter- 



185 



II.^Blümiier, Die Spoisctische der Grieclien. 



186 



redung gebt vielmehr allem Anseliein nach auf 
einen wirklichen Dreifuss, aber auf einen von jener 
Form, die wir aus zahlreichen Abbildungen kennen 
(man vgl. z. B. das eine Relief der Dresdener 
Basis), bei der abgesehen von den drei am Rande 
angebrachten leichten Beinen noch in der Mitte 
ein das Becken unterstützender dickerer Säulenfuss 
angebracht ist. Einem solchen gegenüber konnte 
jemand reciit gut seine Verwunderung darüber aus- 
sprechen, dass ein Gerütii, welches offenbar vier 
Füsse habe, doch Dreifuss genannt werde; und 
daraus erklärt sich auch die Anspielung auf das 
Räthsel der Sphinx: wie der Mensch mit seinem 
Stabe im Alter auf drei Beinen geht, aber doch 
nur zwei Füsse hat, so ruht jener Dreifuss auf 
vier Stützen, bleibt aber doch immer ein zQtnnvg. 
Was endlich die letzte Stelle, Aristoph. Fragm. 
530 (Kock) anlangt, so ist auch da nicht schlecht- 
weg von einem zglnovs die Rede, sondern der 
Tisch heisst das eine Mal rgänsLa rgs'ig nndag 
(■//^nvaa, das andere Mal loinovg xqaneta. Ich 
glaube, dass hier das punctum saliens der ganzen 
Frage zu suchen ist: man muss uutersciieiden 
zwischen der zgantt,« zQi'nnvg oder tgiaxeltlg, also 
dem eigentlichen Speisetisch, und dem anderen 
Zwecken gewidmeten, schlechtbin TQi'nnvg genann- 
ten Tische. Die Aufklärung geben uns die Denk- 
mäler, vor allem die Vaseubilder. 

Wenn man die Darstellungen von Mahlzeiten 
und Sj'mposien , bei denen sehr häufig Tische vor 
den Ruhelagern mit abgebildet sind, durchmustert, 
so fällt einem die ganz eigenthümliche Art auf, in 
der diese Tische meistens dargestellt sind. Bis- 
weilen allerdings sehen wir niedrige, runde Tisch- 
chen von geringem Umfange, mit drei als Thier- 
beine gebildeten Füssen, wie sie uns auch auf 
römischen Denkmälern begegnen; so z. B. Tischbein 
II Taf. 52 u. 53. Gerhard, apul. Vasenbilder Taf. 15. 
Panofka, Bilder antik. Lebens Taf. 12, 3 u. s. w. ; vgl. 
auch das bekannte Relief mit der Einkehr des 
Dionysos bei Ikarios, ferner Ant. di Ercol. I. p. 79 
u. a. m. Bei weitem häufiger aber ist eine andere 
Form, von der ich hier eine Anzahl Beispiele zu- 
sammengestellt habe. Ich gebe gleich die Orte 
an, wo dieselben zu finden sind. 1) Vasenbild, 
Moinim. d. hisl. VIII, 27; 2) dgl., ebd. VI, 33 
(Welcker, Alte Denkm. V Taf. 15); 3) dgl., Archäol. 
Ztg. 1880 Taf. 12,1 (Wiener Vorlegebl. Ser. C, 
Taf. 8, la); 4) dgl., Archäol. Ztg. IBiJG Taf 206,1 
(.4««. d. bist. 1839 tav. d'agg. F.); 5) dgl., Monum. 
d. Inst. X, 8; G) Etrusk. AVandgemälde, Mus. Gregor. 



1, 101; 7) dgl., ebd. lav. 102; 8) Etrusk. Sarkophag- 
relief, Monum. d. Inst. VIII, 2 ; 9) Vasenbild, Archäol. 
Ztg. 1883 Taf. 4; 10) dgl., Benndorf, Griech. u. sicil. 
Vasenb. Taf. 41,2; 11) dgl., Mus. Gregor. II, 19,1a; 
12) Etrusk. Wandgem., Monum. d. Inst. V, 17, 1; 13) 
Vasenbild, Monum. d. Inst. V, 49; 14) dgl., ebd. X, 
53; 15) dgl., Inghirami, Vasi fitt. II 133; 16) dgl., 
Gerhard, apul. Vasenb. Taf. 7; 17) dgl., Tischbein, 
Vases Hamilton 11,55; 18) dgl., Inghirami IV, 317; 
19) dgl., Archäol. Ztg., 1880 Taf. 12,2. 

Sehen wir uns den Tisch Nr. 1 an, welcher auf 
einer Darstellung von Priamos' Besuch bei Achill 
vor dem gelagerten Achill steht. Hier fällt vor 
allen Dingen in die Augen, dass dieser Tisch nicht 
rund sein kann; er muss eine eckige Platte haben. 
Besonders auffallend aber sind die in Klauen endi- 
genden Füsse; sie zeigen eine Eigenthümlichkeit, 
welche bei der Mehrzahl aller solcher Speisetische 
auf den Vasenbildern und ebenso auf etruskischen 
Denkmälern wiederkehrt: das linke Bein ist im 
Profil gezeichnet, wie die nach aussen gehende 
Thierkralle beweist, das rechte aber en face. Ganz 
unverkennbar ist das gleiche der Fall bei 2, wo 
diese Darstellung des Tisches sich genau ent- 
sprechend noch dreimal wiederholt, bei 3, 4, 5, 6 
(ebenfalls noch dreimal wiederholt); bei 7 (noch 
einmal wiederholt) und 8. Bei 9, dem Innenbild 
einer Schale, lässt es sich nicht so deutlich erken- 
nen, weil das rechte Bein nicht ganz wiedergegeben 
ist; aber die grössere Breite des letzteren, die ab- 
weichende Art, wie dasselbe oben am Tischblatt 
befestigt ist, zeigt, dass hier ganz der gleiche Fall 
vorliegt. Bei anderen Beispielen, wo der Fuss 
unten nicht geschweift oder als Thierklaue ge- 
bildet ist, tritt der Gegensatz nicht so scharf her- 
vor, es lässt sich aber doch in der verschiedenen 
Breite der beiden Füsse oder indem der linke ein- 
fach, der rechte aber als aus zwei Leisten zu- 
sammengesetzt erscheint (wie auch bei 1 und 2 
deutlich, vielleicht auch bei 4), erkennen, dass auch 
bei ihnen der linke Fuss von der Seite, der rechte 
von vorn gesehen wird; so in 10, 11, 12, 19, weniger 
deutlich in 13 (noch viermal so wiederholt). An 
allen diesen Darstellungen sehen wir das im Profil 
stehende Bein auf der linken Seite; in umgekehrter 
Stellung finden wir es auf der Berliner Vase mit 
dem Freiermord, N. 14, wo das von der Seite ge- 
sehene Bein rechts, das von vorn gesehene links 
ist: aber dieser Tisch ist nicht in Function, sondern 
wird von einem Freier als Deckung gegen die 
Pfeile des Odysseus benutzt. Diese einzige Aus- 

13* 



187 



II. Bliimiier, Die Speisetische der Griechen. 



188 



nähme in der Darstellung der Fasse bestätigt also 
die Regel, wie wir andererseits in dem Gegenstand 
der Haiullung selbst den Beweis haben, dass es 
sich auch hier um einen Speisetiseh handelt. — 
Andere Beispiele, welche hier nicht abgebildet sind, 
die aber den Gegensatz des linken und rechten 
Beines ebenfalls mehr oder minder deutlich erkennen 
lassen, sind noch folgende: auf griechischen Vasen 
MonutH. d. Inst. VIII, 51,4; Gerhard, Auserl. Vasenb. 
Taf. 108 (etwas abweichend); ebd. 144 (in dem zum 
Flicken der Vase benutzten Stück); Millingen, Vases 
Coghil pl. 8; ders., Aue. utied. iiiOHiim. pl. 15; Mus. 
Gregor. II, 65; ebd. 79, 1. Von etruskisehen Wand- 
gemälden: Conestabile, Pilhire miirali tav. 7. Monnm. 
d. Inst. IX, 13,1; ebd. 14,1a. Diese Beispiele Hessen 
sich leicht noch beträchtlicb vermehren, mir steht 
hier nur eine beschränkte Auswahl von Vasenwer- 
ken zu Gebote. 

Wie sollen wir uns nun die Gestalt dieser Tische 
denken? — Gewöhnliche vierfUssige Tische mit 
oblonger Tischplatte können es unmöglich sein; 
erstens wäre die verschiedene Stellung der Füsse 
dann ganz unerklärlich, denn wie könnte man an- 
nehmen, dass von den vier Beineu eines Tisches 
^ ^ von der Form abcd zwei Beine, etwa a 

und d, nach der Seite ad gerichtet waren, 

* " das Bein b aber nach ab und das Bein c 
nach cd'} Zweitens aber können die Vasenmaler 
solche vierfüssige Tische recht gut zeichneu, in- 
dem sie dieselben perspektivisch darstellen und 
sämmtliche vier Füsse angeben, oder, wenn 
sie auf die Perspektive verzichten , die beiden 
vorderen Beine allein malen, diese aber ein- 
ander entsprechend in gleicher Ansicht. Man vgl. 
z. B. den Tisch auf der Dariusvase; ferner Ger- 
hard, Auserl. Vasenb. Taf. 15; ebd. 219; den Ar- 
beitstisch des Schusters, Monuni. d. Inst. XI, 29,1; 
oder Mus. Gregor. I, 101 , wo dreimal der oben 
unter G abgebildete Speisetisch vor den Lager- 
stätten dargestellt ist, dagegen an einer anderen 
Stelle, allein stehend, ein regulär vierfüssiger iu 
ganz anderer Art der Darstellung. — Kann man 
demnach vier Füsse für diese Tische nicht anneh- 
men, so bleiben nur drei möglich; dadurch aber 
wird von vornherein die quadratische oder recht- 
eckig- oblonge Platte ausgescidosscn. Wollte man 

^ j, selbst annehmen, der Tisch abcd habe bei 

e \ I o und b keine Füsse gehabt, sondern statt 

* " deren auf dieser Seite nur in der Mitte den 
nach aussen gekehrten Fuss e, obgleich sich gar kein 
l)lausiblcr Grund für eine solche Coustruction denken 



liesse, so wäre damit noch keineswegs erklärt, warum 
dieser eine nach aussen gerichtete Fuss immer auf 
der linken Seite erscheint; denn ein derartig gebauter 
Tisch konnte doch dem Speisenden auch mit der Kante 
cd zugekehrt werden, und dann wäre der Fuss e rechts 
erschienen. — An runde Tische zu denken verbietet 
ebenfalls die Art der Darstellung; wie die Vasenmaler 
runde Tische malen, zeigen die oben angeführten Bei- 
spiele der niedrigen dreifüssigeu Tischchen. Eben- 
sowenig kann man ovale Tischplatten annehmen. 

Es bleiben nun noch zwei Möglichkeiten: Dreieck- 
oder Trapezform. Was die Dreieckform anlangt, 
so ist da von vornherein die Gestalt des gleich- 
seitigen Dreiecks ausgeschlossen. Ein Tisch von 
der Form abc kann, wenn er als Speise- ■. 

tisch dienen soll, derart gestellt werden, V 7 
dass die Kante ab dem Lager parallel steht; \ / 
dadurch würde aber die Spitze des Drei- " 
ecks c mit dem dort befindlichen Fuss gerade 
in die Mitte zwischen o und b fallen, und man 
müsste demnach auf der Zeichnung alle drei 
Füsse, a und 6 in entgegengesetztem Profil, c von 
vorn sehen. Die Stellung abc, wobei bc ■j 

senkrecht zur Kline steht, würde zwar 
eine Ansicht der Tischbeine ergeben, welche 
der oben besprochenen Stellung entspräche; 
aber eine derartige Aufstellung, bei welcher die 
meiste Fläche des Tisches für die Hand des Ge- 
lagerten ganz unerreichbar ist, wäre so unpraktisch 
wie nur möglich. 

Wenn wir nun in Betracht ziehen, dass der 
Speisende den meisten Platz zum Hinstellen von 
Schüsseln, Tellern und dgl. an seinem Kopfende 
braucht, während der Platz zu seinen Füssen in 
der Regel von ihm nicht benutzt wurde, so begreift 
man, dass man für Speisetische eine Form aus- 
findig zu macheu bestrebt war, bei welcher der 
Speisende zu Häupten möglichst viel Kaum hatte, 
während doch andrerseits der Tisch nicht zu viel 
Platz in Anspruch nehmen und den aufwartenden 
Sklaven erlauben sollte, frei zwischen den Speisen- 
den zu circuliren und an jeden Gelagerten möglichst 
nahe heranzutreten. Die Form des Tisches war also 
entweder die eines gleichschenkligen 
Dreiecks abc, wobei die Gruudline bc 
senkrecht zur Lagerstätte zu stehen 
kam; oder, wie ich noch lieber anneh- 
men möchte, die eines Trapezes abcd, 
(Seite ab = cd, und bc parallel ad), "p 
weil diese verschiedene Vortheile bot, £ 
namentlich den, dass man noch auf die 




18i) 



II. 15lümner, Die Speisctisclic der GrieiMien. 



190 



iiussorste linke Seite des Tisciies bei ad etwas 
stellen konnte (und wir seilen in der That einige 
Speisetische auch auf dieser Seite mit Gefässen 
besetzt), und weiterhin auch den, dass die Tisch- 
platte ab dem Speisenden näher blieb, nicht so 
sclinell sieh von ihm entfernte, wie bei der Form 
abc. Mag man nun Dreieck- oder Trapezform an- 
nehmen, auf jeden Fall sind zwei Füsse bei 6 und c, 
und zwar der Fuss b nach der Seite ab, der Fuss c 
nach der Seite cd (beim Dreieck ac) gekehrt; hin- 
gegen hat die Schmalseite ad (resp. die Dreieck- 
spitze fl) nur einen Fuss, welcher seine Vorderseite 
entsprechend nach aussen zu kehrte. Diese Con- 
struction bot zunächst den Vortheil, dass der Spei- 
sende zu seinen Häupten reichlich Platz für Gelasse 
hatte; unten aber konnten die Diener von der 
Seite de sowohl, wie von der Seite ab, zwisciien 
Lager und Tisch, bis dicht an ihn berantreteu. 

Dies Ergebniss unserer Betrachtung wird manchem 
vielleicht sonderbar erscheinen: ein dreiflissiger 
Tisch in Trapezform als griechisches Möbel! Allein 
wir können auf einige Denkmäler hinweisen, welche 
unsere Hypothese sehr wesentlich unterstützen, in- 
dem sie die drei ßeine dieser Tische zeigen. No. 19 
kann dafür allerdings nur theilweise namhaft ge- 
macht werden; immerhin scheint auch hier der 
Zeichner die Absicht gehabt zu haben, das sonst 
für gewöhnlich nicht sichtbare Bein bei b, welches 
auf den meisten Darstellungen durch das Bein bei c 
verdeckt wird, dahinter noch hervortreten zu lassen. 
Dagegen hat der Zeicimer von 15 eine etwas freiere 
perspektivische Zeichnung eines solchen dreifüssi- 
gen Tisches versucht, indem er dafür einen andern 
Augenpunkt wählte, als ihn sonst die Vasenmaler 
nehmen; bei der Tischplatte dagegen brachte er 
eine perspektivische Zeichnung nicht fertig. Recht 
kenntlich tritt auch die Zalil und Stellung der Füsse, 
aber wiederum nicht die Form der Tischplatte, 
hervor in 10 (von Gerhard als Fussbank bezeichnet), 
deren eigenthüniliche in schäger Ansicht gemalte Stel- 
lung sich daher erklärt, dass die dargestellte Scene 
der Kentaurenkampf bei der Hochzeit des Peirithoos 
ist, wobei der dargestellte Speisetisch auf Lokal 
und Veranlassung des Kampfes, seine verschobene 
Stellung auf das Kampfestreiben selbst hindeuten 
soll. — Zweifelhafter bin ich betreffs 17 und 18; 
dass dreifüssige Tische gemeint sind, ist zwar 
auch hier unzweifelhaft, aber das dritte, von hinten 
gesehene Bein ist so direkt in der Mitte zwischen 
den beiden andern gemalt, dass, wenn hier nicht 
eine Entstellung des Originals durch den Zeichner 



oder ein arges Verzeichnen des Malers selbst vor- 
liegt, wir zum mindesten eine andere Aufstellung 
der Tisciie, wenn nicht eine abweichende Gestalt 
derselben annehmen müssen. Fraglich ist auch, ob 
vielleicht bei 1 und 9 die Linien, welche neben dem 
rechten Bein zwischen Platte und unterer Querseite 
sichtbar werden, eine Andeutung des hinteren Beines 
sein sollen; allerdings müssten sie bei richtiger 
Zeichnung unterhalb der Querleiste sich fortsetzen, 
was beide Male nicht der Fall ist. 

Neben der Fülle von Darstellungen, welche für 
die hier dargelegte Hypothese zum Ausgangspunkt 
gedient haben, ist die Zahl der Ausnahmen, wo 
wir andere nicht runde Tische vor den Speisenden 
stehen sehen, sehr klein. Ich führe folgende an: 
Inghirami II, 132; hier sind allerdings die beiden 
vor den Lagern aufgestellten Tische ganz regel- 
mässig mit entsprechenden Füssen gezeichnet. Das- 
selbe ist der Fall bei Gerhard, Ant. Bildw. 71, wo 
die Füsse der beiden Tische je nach rechts und 
links im Protil stehen. Inghirami III, 273 ist ein 
viereckiger Tisch mit ganz plumpen Füssen per- 
spektivisch mit Ansicht der Platte selbst gezeichnet, 
mit allerlei Gerichten und Schüsseln darauf, sowie 
mit zwei Schubkästen: eine ganz singulare Form, 
wie sie mir sonst nie vorgekommen ist. Die Ab- 
bildung, welche nach einer Zeichnung d'Uancar- 
ville's gemacht ist, sieht mir sehr verdächtig aus. 
Immerhin wären Ausnahmen von der oben als das 
gewöiinliche bezeichneten Form der Esstische ja 
sehr wohl möglich. 

Noch auf einige weitere Eigeuthümlichkeiten der 
Speisetische können wir aus den alten Darstellun- 
gen schliessen. Zunächst sehen wir, dass fast regel- 
mässig die Tische unterhalb der Platte Querleisten 
haben, die von Bein zu Bein gehen; eveut. könnte 
man anstatt dieser Querleisten auch eine zweite 
Platte, zum Abstellen von Gefässen u. dg!., anneh- 
men. Sicher kann es nur ein Querleisten sein in 
N. 14, da der Freier sonst nicht mit den Händen 
das Brett umfassen könnte. Diese Platten oder 
Leisten sind ferner in der Regel durch Querhölzer, 
welche häutig Arabeskeuform haben, mit der oberen 
Tischplatte verbunden ; die Andeutung dieser Träger, 
obgleich nicht immer ganz deutlich, fehlt nur selten, 
ist aber meist nur an der linken Seite sichtbar, 
weil sie eben dort, in Folge der Protilstellung des 
linken Fusses, gesehen werden musste, während sie 
am rechten Bein, wo sie unmittelbar hinter dem 
Bein zu liegen kam, in der Regel nicht dargestellt 
ist (vgl. 1. 2. 8. 10. 12. 13). Die Füsse sind häufig 



191 



Fr. Hultsch, Ein antiker Massstab. 



192 



aus zwei Hölzeru zusammeng-esetzt, und die wohl 
zu gleicher Zeit als Verzierung dienenden Nägel 
(am häufigsten drei), durch welche sie an die Tisch- 
platte befestigt sind, lassen sich in den meisten 
Darstellungen erkennen, vgl. 1. 2. 4. 9. 10. 11. 13. 
18. 19: au einigen scheint auch der Nagel ange- 
deutet, durch welchen die untere Querleiste mit 
dem Fusse verbunden ist, vgl. 1. 3. 11. — Eine 
weitere Besonderheit, die sich aber nur vereinzelt 
findet, ist die, dass das Tischblatt an der Seite bc 
ein Stück weiter über die Füsse hinausragt, als an 
der Seite ad (resp. a): vgl. 2. 5. 6. 8. 13. 14. Es 
hatte das jedenfalls auch den Zweck, mehr Raum 
für Teller und Schüsseln zu schaffen, und da die 
beiden, nicht unterhalb der Tischplatte befestigten, 
sondern seitwärts an der schmaleu Kante ange- 
brachten Fasse b und c nicht nach der Seite bc, 
sondern nach den Seiten ab und cd angebracht 
waren, so war eine Verlängerung des Tischblattes 
über bc hinaus sehr gut möglich. 

Kehren wir nun noch einmal zu den Schrift- 
quellen zurück. Ich glaube, dass jener dreieckige 
oder trapezförmige Tisch mit drei Füssen, den wir 
uns aus den Denkmälern reconstruiren, der eigent- 
liche Speisetisch der Griechen und Etrusker (die 
Kömer kommen hierbei nicht in Betracht) ist, die 
eigentliche rgÜTisLa, öder . die rQÜnsta tQlnnvg, 



tQiax£lr>g. Sie diente beim Speisen, wo man Platz 
für allerlei Schüsseln und Teller vor sich haben 
wollte, und mochte wohl manchmal nachträglicli 
auch beim Symposion noch stehen bleiben ; wenigstens 
sind die Darstellungen, auf denen wir sie finden, 
keineswegs bloss Scenen des Mahles, sondern aucli 
des Symposions. Der eigentliche Tisch für das 
Symposion aber, auf welchen man die Zukost zum 
Trinken, die Süssigkeiteu und was man sonst zum 
Wein noch genoss, hinstellte, war jener oben er- 
wähnte kleine, runde, dreifüssige Tisch, der eigent- 
liche XQinovQ. Hierfür brauchte man nicht viel 
Platz, und darum Hess man, wenn es nach der 
Mahlzeit an's Trinken ging, die grossen rgänttai 
wegräumen und dafür die kleinen xQinodeg auf- 
stellen, s. Plutarch a. a. 0. 

Zum Schluss möchte ich noch die Frage auf- 
werfen, ob wir in den eigenthümlich geformten 
Tischen (etwa oblonge Form mit einer abgeschräg- 
ten Ecke), mit denen sich auf der Darstellung des 
Freiermordes am Heroon von Gjölbaschi die Freier 
vertheidigen (Archäol. epigr. Mitth. aus Oesterreich 
VI, Taf. 7 u. 8 oben), etwas ähnliches zu sehen 
haben. Die lange gerade Seite würde die dem 
Speisenden zugekehrte, die abgeschrägte die äussere 
Tischkante bedeuten. 

Zürich. H. Blümner. 



EIN ANTIKER MASSSTAB. 



In den Besitz der Königl. Antikensammlung zu 
Dresden ist zu Anfang d. J. ein antiker Fussmass- 
stab gelangt, welcher einen ziemlich zuverlässigen 
Werth desjenigen Fusses darstellt, welchen wir den 
römischen zu nennen pflegen. 

Der Massstab ist aus Bronze gefertigt und, wie 
nocli näher geschildert werden wird, zum Zusam- 
menklappen eingerichtet, so dass er, in dieser Lage 
nur circa 15 Centimeter lang, von seinem Besitzer 
leicht im Gewände getragen oder etwa nebst an- 
derem Geräth in einem Behälter mitgefUhrt wer- 
den konnte. 

Es findet sich auf dem Massstab weder eine 
Insclirift nocli, abgesclicn von der Ilalbirung, irgend 
eine Spur einer Unterabtheilung des Fussmasses. 
In der Nähe des Scliarniers ist je eine Kante in 



der Ausdehnuug von 26, bez. 17 mm. ein wenig an- 
gefeilt. Diese Stellen erscheinen frei von Rost und 
frisch glänzend; die Feile ist also erst nach Aus- 
grabung des Monumentes angesetzt worden, jeden- 
falls um die Art des Metalls besser beurthcilen zu 
können. Auch drei andere kleine Verletzungen 
neueren Datums, die jedoch etwa nur die Aus- 
dehnung einer Nadelspitze haben und durcliaus nicht 
tief gehen, sind bemerkbar; im übrigen ist der 
Massstab so trefflich erhalten, dass er, wenn vom 
Roste gereinigt, aussehen würde, als sei er eben 
aus der Hand jenes Besitzers gekommen , der ihn 
vor zwei Jahrtausenden benutzt hat. 

Denn offenbar iiaben wir es mit einem Mass- 
stabe zu thun, der einst in praktischer Anwendung 
war. Dem entspricht auch die Art der Auslührung. 



193 



Fr. Hultsch, Ein antiker Massstab. 



194 



Fig.A 



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Fiä C [l] 



F.g B [\^ 

h h n 



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a » w ^ qq 




•Fi& E 




3? 



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Firf.F lij 



Sie ist sauber und soweit genau, als der Gebrauch 
es erforderte, aber weit entfernt von derjenigen 
Aecuratesse, welclie ein Normalmass zeigen müsste. 
Die Kanten an den Enden beider Hälften des Mass- 
stabes sind nur soweit scharf und im rechten Winkel 
zu den Längenkanten gehalten, dass die Nach- 
messung bis auf den halben Millimeter mit eini- 
ger Zuverlässigkeit genommen werden kann. Auch 
die beiden Kanten, an denen die Hälften des Mass- 
stabes, wenn er lang gestreckt ist, oberhalb des 
Scharniers sich berühren, stehen nicht genau normal 
zu den die Längenrichtung bezeichnenden oberen 
Kanten, mit denen sie sich schneiden. Doch schliesst 
der Massstab an dieser Stelle auch heute noch genau 
zusammen, ein Beweis, dass der genaue Schluss 
über dem Scharnier, weicher die Gestrecktheit des 
ganzen Massstabes bedingt, schon bei der ursprüng- 
lichen Anfertigung durch die feine Feile des Mon- 
teurs geregelt worden ist. 

Ueber den Ort, die Zeit und die sonstigen Um- 
stände der Auffindung liegen nur wenige Notizen 



vor, welche Herr Luigi Viola in Tarent gegen Ende 
Februar d. J. niedergeschrieben hat. 

Es sind jetzt dreissig Jahre, sagt dieser Bericht, 
dass in dem Orte Manganecchia bei Tarent mehrere 
sehr reich ausgestattete Grabmonumente aufgedeckt 
wurden. In einem derselben befand sich unser 
Massstab. Zugleich wurden zahlreiche andere Ge- 
genstände aufgefunden und dann von dem Besitzer 
der Localität Herrn Mannarini bei verschiedenen 
Gelegenheiten verkauft, so dass sich jetzt über deren 
Zahl und Beschaffenheit Näheres nicht mehr fest- 
stellen lässt; doch versichert man, dass es sehr 
vverthvoUe Saciien waren. Nach der Meinung des 
Herrn Viola reichten sie vielleicht bis in die Blüthe- 
zeit fö//a ßorente epoca) von Tarent zurück. Ob 
damit die Epoche, während deren Tarent als selb- 
ständiges Gemeinwesen blühte, also etwa das fünfte 
bis dritte Jahrhundert, oder die Blüthezeit unter 
römischer Herrschaft seit dem J. 123 v. Chr., oder 
vielleicht auch beide Epochen zusammen gemeint 
sind, bleibt zunächst ungewiss. Suchen wir aber 



195 



Fr. Hultsch, Ein antiker Massstab. 



196 



die besondere Zeitbestimmung: betreffs unseres Mass- 
stabes zu finden, so weist wolil die Technik der 
Ausführung mit grosser Wahrscheinlichkeit darauf 
hin, dass er der römisciien Zeit angeiiürt. 

Die Stätte der Ausgrabung liegt ausserhalb der 
Umfassungsmauern der alten Stadt nach Osten hin, 
nicht weit von dem Ufer des Mare piccolo. 

Der Massstab ist, wie schon angedeutet, aus 
zwei Stäben zusammengesetzt, deren jeder die Länge 
eines halben Fusses hat (s. die vorstehenden Ab- 
bildungen). Der Querdurchschnitt der Stäbe sollte 
nacli der Absicht des Verfertigers ein Quadrat bilden; 
doch nähert er sich an den beiden äusseren Enden 
mehr einem Rectangel. Legt man den Massstab so 
hin, dass die Axe des Scharniers vertikal steht, so 
liegen die kürzeren Seiten des Rectangel, welche 
die Endabschnitte bilden (Fig. D, ab, cd, Fig. E, 
ep, qf), horizontal, und die längeren Seiten dessel- 
ben Rectangel (Fig. D, ae, df), fetehen vertical. 
Erstere sind nahezu 3,5, letztere 4mm. lang. Kach 
der Mitte hin bis zu der Stelle, wo die beiden 
Hälften durch das Scharnier verbunden sind, nimmt 
die Stärke des Stabes etwas zu '), und der Durch- 
schnitt würde dort fast genau ein Quadrat, dessen 
Seite 5mm. beträgt, ergeben. Das Scharnier ist 
sauber gearbeitet und schliesst noch jetzt vortreff- 
lich (s. Fig. B, C, D). Es ist aus fünf Gliedern ge- 
bildet, deren zwei der Hälfte haeghl (Fig. D), drei 
der Hälfte cdfikm angehören. Bei der Ausgrabung 
war der Massstab zusammengeklappt, also so, wie 
ihn einst der Besitzer bei sich zu tragen pflegte, 
gefunden worden (Fig. F). Begreiflicher Weise war 
das Scharnier eingerostet und deshalb unbeweglich; 
doch ist es Herrn Direktor Treu gelungen, durch 
vorsichtige und über einen Monat fortgesetzte Be- 
handlung mit Petroleum die Starrheit zu lösen, so 
dass der Massstab jetzt wieder wie ursprünglich 
aufgeklappt werden kann (Fig. A). In derselben 
Weise wurde zuletzt auch der Metallstreifen wieder 
beweglich gemacht, welcher, wie aus Fig. B er- 
sichtlich, auf der oberen Seite der Hälfte alige an- 
gebracht ist und um einen vertikalen Stift sich dreht. 
Dieser Streifen ist 5mm. breit, 0,5mm. dick, uud 
zeigt, von oben gesehen, die Form eines Trapezes, 
von dem die eine Langseite 62, die andere 63 mm. 
misst. Zu beachten sind die Einschnitte n uud o 

') UieäC Zunahme ist aus Fig. Eund K ersichtlich. Im übrigen 
bedarf es «ohl kaum einer besonderen Erwähnung, dass die bei- 
gegebenen Abbildungen, so sorgfältig sie auch ausgeführt sind, 
nicht auch die oben erwähnten kleinen Incorrectheitcn , welche 
der wirkliche Massstab zeigt, darstellen konnten. 



(Fig. B), welche, wenn der Streifen um den oben er- 
wähnten Stift herumbewegt wird, sich einfügen in 
die mit Kuppen versehenen Stifte n' und o' der 
anderen Hälfte, so dass dann der Massstab in seiner 
ganzen Länge festgehalten wird (Fig. A). 

Bei der Nachmessung des Massstabes unter- 
stützte mich der Vorsteher des physikalischen Cabinets 
der Kreuzschule zu Dresden, Herr Professor Abend- 
roth. Die ursprüngliche Ausführung des Monumentes 
und die später hinzugekommene Rostkruste ver- 
wehrten es, die Genauigkeit der Ausmessung über 
den halben Millimeter hinaus auszudehnen. Bei 
einer Temperatur von 22,3" C. ergab die Hälfte qfis 
(Fig. E) eine Länge von 148 mm., die Hälfte eprg 
eine Länge von 147,5 mm. Der ganze Stab misst 
demnach 295,5mm., und stimmt somit möglichst nahe 
mit den in Pompeji und Herculanum gefundenen 
Massstäben überein °). Ich unterliess es auch nicht, 
den auseinandergeklappten Massstab unter der Vor- 
aussetzung nachzumessen, dass er in dieser Lage 
zwischen seinen beiden Enden genau eine Strecke 
bilde. Diese Messung näherte sich mehr dem Be- 
trage von 295 mm. als dem vorher ermittelten von 
295,5mm. Ganz natürlich, denn der auseinander- 
gcklappte Massstab weicht in seinem jetzigen Zu- 
stande nach zwei Richtungen hin von der nor- 
malen Strecke ein wenig ab, so dass man das ge- 
nauere Mass nur auf die zuerst bezeichnete Weise, 
nämlich durch die Einzelmessung der beiden Hälften, 
ermitteln kann. 

Zum Schluss ist noch auf den ganz ähnlichen 
antiken Massstab hinzuweisen, welchen Francesco 
de' Ficoroni in seinen Vesligie e raritä di Roma 
anüca , Rom 1744, p. 194 beschreibt'). Er wurde 
kurz vor dem Erscheinen des genannten Werkes 
bei einer Ausgrabung aufgefunden und von Ficoroni 
dem Papst Benedict XIV. als Geschenk für die 
"\'aticanisciie Bibliothek übergeben. Die beigefügte 
Abbildung stellt das Monument in ähnlicher Lage 
dar, wie der Dresdener Massstab in unserer Figur E 
abgebildet ist. Es zeigt sich dasselbe Scharnier*); 
desgleichen finden sich auf derjenigen Hälfte, welche 
in der Abbildung zur rechten Hand erscheint, die 
beiden mit Kuppen versehenen Stifte, und zwar 
auch bei Ficoroni ungefähr au denselben Stellen 

'^ Griechische und riimi-che Metrologie- S. 90. 

•■') Auf diese Publication hat Herr Dr. Max Fränkel, dem 
ich hiermit besten Dank erstatte, mich aufmcrlcsam gemacht. 

*) Ficoroni beschreibt den Massstab als composlo di due 
pezzi i-ongiunti con iloppio perno di metallo ^ che la i-hiudono jjxt- 
litcunetitt. 



197 



Fr. Hnltsch, Ein antiker Massstali. 



198 



wie beim Dresdener Massstab (Fig. A; B, «', o'; E; F). 
Aber weder iu der Abbildung bei Ficoroni noch in 
der Beschreibung (p. 194) erscheint der bewegliclie, 
zur Fixirung des gestreckten Massstabes dienende 
Jletallstrcifen, den wir beim Dresdener Monument 
finden (Fig. B, o, «). Ja, Ficoroni weiss sich die 
beiden Stifte mit Kuppen nicht anders zu erklären, 
als dass sie dazu gedient hätten, den Massstab zu- 
gleich als Zirkel zu benutzen^). Es ist also wohl 
anzunehmen, dass der schliessende Metallstreifen 
auch dem wirkliclien Monumente fehlt, womit nicht 
ausgeschlossen ist, dass bei einer nochmaligen Un- 
tersuchung desselben die Spuren der einstigen Be- 
festigung jenes Streifens sich finden könnten. 

Weiter ist als Abweichung vom Dresdener Mass- 
stab, wenigstens nach Ficoronis Beschreibung, zu 
notircn, dass der Querdurchschuitt der beiden 
Hälften des Massstabes gleichmässig quadratisch 
ist, also nicht etwa die Stäbe nach den Enden zu 
sich verjüngen. 

Uervorzuheben ist endlich noch, dass auf dem 
Vaticanischen Jlassstabe die Eintheilung des Fusses 
in 1(! (ligiii durch Punkte deutlich bezeichnet ist. 

Leider hat Ficoroni es versäumt, das Mass des 
Vaticanischen Monumentes zu bestimmen. Die bei- 
gegebene Abbildung stellt zwei Fusshälften von 
je 145 mm., also einen ganzen Fuss von 290 mm. 
dar; doch ist auf die Nachmessung solcher Abbil- 

') In un lato vi si vedono rüerati due piccoli cajii di me- 
lallo. Onde si vede che gli antichi Architetti se »e sono serviti 
e per 7nisura e per conipasso, come potrebhe servire presentementej 
dopo il corso di tanti secoli, potendosi chiudere e apnre genli- 
lissimaiiicnte. 



düngen bekanntlich kein Verlass, da das Papier 
einst beim Druck angefeuchtet, mithin ausgedehnt 
gewesen ist. Wohl aber dürfen wir der Vermuthung 
Raum geben, dass der genaue Betrag des Ficoroni'- 
schen Massstabes uns durch Barthelemy bekannt 
gegeben ist. Dieser berichtet nämlich am Schlüsse 
seines Memoire siir les aiiciciis monumcns de Rome 
in den Mcnwires de lUliiralnre de rAcadcmie des 
inscriptions u. s. w. , tome 28, Paris 1761, p. GIO 
über einen in der Vaticanischen Bibliothek aufbe- 
wahrten, aus Bronze gefertigten antiken Fussmass- 
stab. Derselbe sei wold erhalten und auf der einen 
Seite in 12 Zoll, auf der andern iu 16 Fingerbreiten 
gctbeilt. Sein Mass habe sich gleich dem Capponi- 
schen Fusse, d. i. gleich 0,2946 m., ergeben (vergl. 
Metrologie ' S. 90). Wenn nun auch Barthelemy 
nichts von einer besonderen Form desjenigen Vati- 
canischen Massstabes, den er in Händen hatte, er- 
wähnt und nicht bloss von einer Eintheilung seines 
Jlassstabes in 16 Fingerbreiten, wie Ficoroni, son- 
dern auch von einer solchen in 12 Zoll Kunde giebt, 
so liegt weder in jenem Stillschweigen noch in die- 
sem Erwähnen einer zweiten Eintheilung ein hin- 
reichender Grund um zu behaupten, der Vaticanische 
Massstab Barthelemy's sei verschieden von dem- 
jenigen, welchen Ficoroni wenige Jahre vorher der 
Vaticanischen Bibliothek geschenkt hatte. Vielleicht 
geben diese Mittheilungen Anlass dazu, dass das 
Ficorini'sche Monument genauer beschrieben werde 
und dadurch zugleich die jetzt noch obwaltenden 
Zweifel ihre Erledigung finden. 



Dresden, im Juli 1884. 



Fr. HuLTScn. 



Archiioloj:. Ztj^. Jahryaug XLII. 



u 



199 



K. Wernickc, Orestes in Delphi. 



200 



ORESTES IN DELrm. 



(Tafel 13.) 



Die Sage, dass Orestes nach dem Muttermorde 
im delphischen Heiligthum vor den Erinyen Schutz 
gesucht habe, dem homerischen Epos und den 
Kosten, wie es scheint, unbekannt, ist erst von 
Stesicboros in seiner Orestie erzählt worden. Aber 
wie dieser auch die Sage gestaltet haben mag (wir 
wissen nicht viel davon'), eine weit nachhaltigere 
und mächtigere Wirkung hat die Form ausgeübt, 
in welche sie Aeschylos gebracht hat. Erst nach 
Aeschylos und von ihm abhängig sehen wir sie in 
die bildliche Tradition übergehen und sich den an- 
deren Typen des troischen Sagenkreises anreihen. 
Orestes in Delphi ist weder von der schwarzfiguri- 
gen noch von der strengen rothfigurigen Vasen- 
malerei dargestellt worden. Und kaum begegnen 
wir am Ende des fünften Jahrhunderts dieser Scene 
auf den Vasenbildern, so verrathen Handlung wie 
Costüm die Abhängigkeit von der Bühne. Es sind 
dabei im wesentlichen drei Momente, welche die 
Vasenmalerei darstellt. 

Die Verfolgung des Muttermörders durch die 
Erinyen ohne besonderen Bezug auf seine Flucht 
nach Delphi finden wir auf einer grossen Pracbt- 
amphora aus der Basilicata, jetzt in Neapel"): 
Orestes stürmt nach r., umblickend und sich mit 
blossem Schwert gegen eine von 1. auf ihn mit 
Schlangen eindringende Erinys wehrend. Aber 
auch vor ihm ist der Weg nicht frei, eine zweite 
Erinys tritt ihm entgegen und hält ihm einen Spie- 
gel vor, in dem man das Antlitz der Klytaemnestra 
erblickt^). Dieselbe Scene, freilich ganz anders, 

') Nur dass Orestes von Ajiollo den Bogen empfing, mit 
dem er sich gegen die Erinyen vertheidigte; vgl. Schol. Eurip. 
Or. 268 (fr. 40 Bergk): ^Trim/ooM knofifvoi; (EvQiniiSris) rof« 
ifrjaii' uviöv (jbv'Onfmrjv) fi).i](fhc(i 7i«(tit'Aji6llc>vos. Aber 
gerade den Bogen finden wir nie und nirgends in den Händen 
des Orestes. 

2) rieydcmann No. 1984. Abgebildet Kaoul - Rochette M. I. 
p/. 36— 37. Overbeck Her. Gall. Tf. XXIX. 2, die Rückseite 
auf derselben Tafel No. 11. 

<•) Mit Unrecht zweifelt Overbeck an dieser Deutung; es 
lässt sich gar keine andere Erklärung für die Spiegelvision den- 



sehen wir auch auf einem unteritalischeu Krater 
der Coghil'schen Sammlung*), dessen Deutung auf 
Orestes Stephaui (Compte Rendu 1863 p. 254) nicht 
hätte abweisen sollen. Orestes, mit flatternder 
Chlamys und Stiefeln bekleidet, eilt nach 1., blickt 
sich um und zückt das Schwert auf die ihn im 
Sturmschritt verfolgende Erinys mit grossen Schul- 
terflügeln, die ihn mit der Kechten zu packen sucht, 
während sie in der Linken Schlangen schüttelt. Sie 
trägt die Stiefel und den kurzen gegürteten, ärmel- 
losen, mit Kreuzbändern verseheneu Chiton des 
Theatercostüms. 

Am zahlreichsten ist aber die Keihe der Vasen, 
welche Orest darstellen, wie er in das delphische 
Heiligthum geflüchtet ist, und Schutz suchend auf 
dem Altar oder auf dem Omphalos selber kniet. 
Meistens ist das delphische Lokal, wo nicht schon 
durch den Omphalos, durch Apollos Anwesenheit 
angedeutet, aber selbst in den Fällen, wo beide 
fehlen, und nur der Altar da ist (es sind deren, 
wie wir gleich sehen werden, nur zwei), genügt der 
Typus der Darstellung, um den nach Delphi ge- 
flüchteten Orestes mit Sicherheit zu erkennen. Und 
wie sollte auch der Vasenmaler darauf kommen, 
ihn an einen beliebigen anderen Altar flüchten zu 
lassen, da als berühmtestes Beispiel die Flucht zu 
dem delphischen Gotte in zahlreichen Wiederholun- 
gen ihm vor Augen stand? Wenden wir uns nun 

ken. Die Rückseite der Vase hat mancherlei Deutungen er- 
fahren. Nach Botticher empfängt Orestes hier von Aiiollo Auf- 
trag und Schwert zum Muttermord; nach R. Rochette und Over- 
beck wird die Mordwaffe von Apollo eiitoühut; weitaus am 
passendsten aber scheint mir die Interpretation zu sein, die, zu- 
erst von Jahn angedeutet, von Stephani und Heydemann aufge- 
nommen ist: Orestes weiht nach der Rückkehr von den Tauriern 
die verhiingnissvolle Waffe dem Apollo. So wird nicht nur zwi- 
schen beiden Seiten der Vase ein schöner Zusammenhang (Be- 
ginn der Irrfahrt und endliche Versöhnung) hergestellt, durch 
die Deutung auf Iphigeneia erhält auch die weibliche Figur der 
Scene ihre Berechtigung, während die Elektra der beiden an- 
deren Interpretationen doch immer etwas gezwungenes hat. 

*) Millingen, Vases Coghil pl. 23, 1. Overbeck Her. Gall. 
Taf. XXIX. ;i. 



201 



K. WtTiiicke, Orestes in Delphi. 



202 



zunäclist zu deu Darstellungeu, in denen Orestes 
zum Omplialos flieht, so sehen wir ihn auf einem 
Ebyton der ersten Hamilton'schen Sammlung'), von 
1. her zu demselben herangeeilt, mit dem 1. Knie 
auf ihm knieen. Er wendet sich um und hat in 
der Rechten das Schwert, in der Linken die Scheide, 
aus der er es soeben gezogen bat. Von beiden 
Seiten stürmen auf ihn zu zwei Erinyen mit Schlan- 
gen im Haar, die ihn mit Fackeln angreifen. Apollo 
ist hier nicht anwesend, ebensowenig wie auf einem 
Glockenkrater der Petersburger Ermitage '), der frü- 
her der Campana'sclien Sammlung angehörte, und 
der direkt den Anfang der Eumeniden illustrirt. 
Wir sehen ein von vier ionischen Säulen getragenes 
Tempelhaus, in dessen Innerem der Omphalos auf 
einer Basis steht. Auf der letzteren sitzt Orestes 
in der typischen Weise, das Schwert in der Rech- 
ten, die Scheide in der Linken, und schlingt den 
linken Arm um den Omphalos. Vor dem Tempel 
schlafen am Boden fünf hässlich gebildete Erinyen; 
rechts aber entflieht mit Angstgeberden die ver- 
schleierte Pythia, die im linken Arm den Tempel- 
schlüssel trägt, von welchem die typische Wollen- 
binde herabhängt. 

Es folgt nun eine Reihe von Vasen, die ausser 
durch deu Omphalos auch durch die Anwesenheit 
des Apollo die Lokalität genauer charakterisiren. 
Apollo ist hier zwar als der rettende, den Erinyen 
wehrende Gott aufgefasst, aber von einer eigent- 
lichen Entsühnung, wie wir derselben später be- 
gegnen werden, ist hier noch nicht die Rede. In 
dieser Klasse ist zuerst zu erwähnen die Copen- 
hagener Vase'). Orestes sitzt mit verstörtem Ge- 
sicht auf den Stufen einer Basis, die den Omphalos 
und dahinter den Dreifuss trägt. Mit der Rechten 
zückt er über dem Kopf das Schwert, dessen Scheide 
ihm von der 1. Schulter herabhängt; links hinter 
ihm der Lorbeerbaum. R. von ihm steht Apollo, 

') Abgebildet bei d'Hancirville II 30. 

^) Stephani No. 349. Compte Rendu 1863 p. 262; Tf. VI, 5. 
Ein Krater in Wien (Arcli. Ztg. 1877 Tf. 4) stellt Orest am 
Omphalos, von der Erinys mit Hunden gehetzt, d.ir; auf der 
Küclcüeite die fliehende Pythia. 

') Abgebildet bei Thorlaclus Vas jiictum italo - graecum, 
Copenhagen 1826. Müller-Wieseler II 13,148. 



die Rechte schützend gegen ihn erhoben, im 1. Arm 
einen Lorbeerstab. Von 1. unten droht eine in 
halber Figur aus dem Boden emporsteigende Erinys 
dem Mörder mit Schlangen, während eine zweite 
im oberen Plan gegen ihn eine Fackel schwingt. 
Ein zweites Beispiel ist ein Krater im Stil des 
Assteas, der früher dem Grafen Paroi in Paris ge- 
hörte und sich dann in Hope'schem Besitz befand. 
Ueber seinen weiteren Verbleib weiss ich nichts an- 
zugeben'). Orestes kniet auf dem Omphalos, hin- 
ter dem sich der mächtige Dreifuss erhebt, und 
blickt nach rechts zurück; er ist bekleidet mit 
Clilamys und Stiefeln, hält in der Rechten zwei 
Speere und in der Linken das entblösste Schwert. 
Ueber dem Dreifuss ist in halber Figur sichtbar 
eine Erinys (Schlaugen im Haar, Aermelchiton mit 
Kreuzbändern), ihn mit einer Schlange bedrohend. 
Rechts steht Athena mit Aegis, Helm') und Lanze, 
mit dem r. Fuss hoch auftretend, in ruhiger Haltung. 
Links steht nach r. gewandt Apollo, der sich nach 
einer schon im Entweichen begriffenen geflügelten 
Erinys umsieht. Ueber ihm ist die Sonne durch ein 
Strahlenrund angedeutet, während man 1. oben die 
Büste des Pylades, r. die der Klytaemnestra erblickt'"). 
In etwas anderer Weise sehen wir dieselbe Scene auf 
drei apulischen Vasenbildern dargestellt, von denen 
sich das eine auf einer in Ruvo gefundenen Pracht- 
amphora befindet"). Der Tempel ist hier durch 
drei symmetrisch vertheilte Säuleu angedeutet, in 
der Mitte steht der Lorbeerbaum und der Omphalos, 
zu dem Orestes in der gewöhnlichen Weise von I. 
her geflüchtet ist. Hinter der 1. Säule hervor schaut 

*) Abbildung bei Milliu Monuments In€dils I pl. 29, auch 
bei Overbeck XXIX. 9. 

ä) Neben dem Helmbusch ist jederseits eine Feder auf den 
Helm gesteckt, wie wir dies z. B. auch bei dem Herakles der 
Assteas- Vase Wiener Vorlegebl. Mon. delV Inst. VIII 10 sehen, 
wo die Federn sogar neben einem dreifachen Helmbusch er- 
scheinen. 

'") Die Overbecksche Interpretation (Apollo — augenblick- 
liche Rettung, Erinysbüste — augenblickliche Verfolgung, Erinys 
— Anklage, Athena — Freisprechung, Pylades — Wunsch nach 
Freisprechung, Klytaemnestra — Wunsch nach Verurtheilung), 
so fein sie an sich ist, scheint mir für solchen Vasenmaler zu 
künstlich. 

") Jetzt in Neapel, Heydemann No. 3249. Abgebildet bei 
Otto Jahn, Vasenbilder Taf. I. 

14* 



20c 



K. Wernieke, Orestes in Delphi. 



20-4 



in halber Figur eine ganz selnvarz gemalte Erinys, 
die ihm mit einer Schlange droht. Ihr tritt von der 
Mittelsäule her Apollo entgegen, während die greise 
Pythia, beide Hände entsetzt erhebend, von ihrem 
Dreifuss nach 1. entflieht. Rechts steht Artemis im 
Jagdeostiim als Zuschauerin, mit der Geberde des 
anoa-KonevEiv, zu ihren Füssen zwei Hunde. Die 
Elemente dei-selben Darstellung finden sich auch 
auf dem Bilde am Halse einer grossen apulischen 
Amphora mit Volutenhenkeln und Schwanenhals in 
Berlin'^): auch hier kniet Orestes von 1. auf dem 
Omphalos in der typischen Stellung, Apollo sitzt 1. 
davon auf dem Dreifuss und weist die geflügelte, 
mit Schwert und Fackel andringende Erinys zu- 
rück. Auf der r. Seite eilen mit Geberden des Ent- 
setzens zwei weibliche Figuren hinweg, von denen 
wir in der anscheinend richtig mit Schleier ergänz- 
ten die Pythia'''), in der mit der Patera auf der 
Hand eine Opferdienerin zu erkennen haben. End- 
lich ist es nicht unwahrscheinlich, dass sich dieselbe 
Darstellung, auf drei Figuren abgekürzt, auf einer 
ruveser Amphora der Sammlung Jatta findet'*). 
Orest, von Erinyen verfolgt, hält den Omphalos 
umklammert, während ihn Apollo'^), gekennzeichnet 
durch Bogen und Lorbeerstab, zu schützen sucht. 

Wir kommen nunmehr zu den Vasenbildern, auf 
denen statt des Omphalos ein einfacher Altar ein- 
gesetzt ist. Ich habe die anderen mit Absicht vor- 
ausgenommen, um erst den Typus festzustellen und 
zu zeigen, wie durchaus an keine andere Lokalität 
als Delphi gedacht werden kann. Denu wenn auch 
auf einer Vase der zweiten Hamilton'schen Samm- 
lung") und auf dem Halsbilde einer apulischen 

'-) Furtwängler No. 3256. Aus Ceglio, mit der Koller- 
schen Sammlung nach Berlin gekommen. Abgebildet bei R. Rö- 
chelte pl. 35 und bei Overbeck a. a. O. Tf. XXIX. 4. 

") So wohl mit Recht Overbeck a. a. 0. p. 711 Anm. 17. 
R. Röchelte und Gerhard Berl. anl. Bildvv. p. 287 wollten die 
Verschleierte Klytaemnestra, die andere Pythia benennen; aber 
Klytaemnestra gehörte auf die Seite der Krinys, nicht auf die 
der Pythia, und sie würde nicht vor Orestes' Anblick ent- 
weichen. 

'^) BuUetlino deW Inst. 183ü p. 117 von Schultz summarisch 
und ungenau beschrieben. 

■■>) Die Stephani'sche Umdeutung des Schultz'schen Pylades 
trifft hier gewiss das Richtige. 

"■') Tischbein III 32. Böttiger, l'urienmaske Tf. 3. Over- 
beck a. a. 0. Tf. XXXI. 10. 



Amphora der Sammlung Jatta '') Apollo fehlt, so ist 
doch der Typus des Orestes, wie er mit einem Knie 
auf den Altar hingesunken ist und mit der Rechten 
das Schwert aus der Scheide, die er noch in der 
Linken festhält, herausgerissen hat, so augenfällig 
derselbe wie auf den vorher besprocheneu Bildern, 
dass schon dies zur Identification der ganzen Scene 
genügen würde. Und nun gar die entsetzt vom 
Altar wegfliehende Priesterin mit dem Tempel- 
schlüssel in der Hand, wie sie auf der Jatta'schen 
Vase gemalt ist, kann niemand anders als die Py- 
thia selbst sein. 

Ganz unzweifelhaft ist aber der Ort der Hand- 
lung Delphi auf vier anderen Vasen dieser Klasse, 
von denen die erste, eine in Berlin befindliche 
Hydria'*) auf Taf 13, auf fast '/, verkleinert, 
nach einer Zeichnung von van Geldern abge- 
bildet ist. Die Vase ist bedeutend älter als die 
meisten vorher betrachteten; sie gehört noch dem 
sogenannten schönen Stil au und wird der Zeit 
nach in das Ende des fünften oder den Anfaug des 
vierten Jahrhunderts zu setzen sein. Die Compo- 
sition ist symmetrisch, aber die Zeichnung wenig 
sorgfältig. Die Mitte nimmt ein niedriger, aus un- 
behauenen Steinen gebildeter Altar ein, auf wel- 
chen Orestes von rechts her mit dem r. Knie nie- 
dergesunken ist. Seine Haare, in denen er einen 
Blattkranz trägt, sind wirr, und aus seinen Zügen 
spricht der Wahnsinn, eine Wirkung, welche durch 
die Stellung des Gesichtes en face in vorzüglicher 
Weise erreicht ist. Mit der Rechten streckt er das 
gezückte Schwert weit von sich ; mit starrem Blick 
schaut er ins Leere und schwingt die Wafl'e wie 
gegen eineu unsichtbaren Feind. Dennoch streckt 
er den mit der Chlamys umwickelten r. Arm ab- 
wehrend nach der r. Seite der Darstellung aus, von 
wo die grausen Verfolgerinnen herannahen. Zwei 
Erinyen sind es, beide ungefähr in gleicher Haltung, 
das r. Bein vorsetzend und mit der Rechten dem 
Frevler eine Schlange entgegenschiittelnd. Auch in 
den gesenkten 1. Händen halten sie eine Schlange; 

1') R. Röchelte pl. 7G, 8. Overbeck Tf. XXIX. 5. 

'*) Hoch 35,5 Cm. Furtwängler No. 2380, aus der Castel- 
lani'schen Sammlung stammend, vgl. den Castellani'schcn Katalog, 
Paris 1866, No. 74. Das Gefäss ist ausserordentlich wohl erhalten. 



205 



K. Weniicke, Orestes in Dclplii. 



206 



um das Haar haben sie eine Schlange als Binde 
geschlungen, die den Kopf hoch über der Stirn 
eni))orreckt, und deren Schwanz aiu Hinterhaupt der 
Eriuys in eine Schleife gebunden ist, von wo er steif 
herabhängt. Das Haar selbst flattert vom eiligen Lauf 
der Verfolgung nach rückwärts. Ikkleidet ist die 
vordere mit kurzem Aernielchiton, darüber hat sie 
ein merkwürdiges faltenloses Kleidungsstück, das 
durch breite, mit verdünntem Firniss gestreifte 
Kreuzbänder und einen Gurt befestigt ist, und von 
welchem zackige Streifen herabhängen (Lederpan- 
zer'?); die zweite trägt einen einfachen ärmellosen 
Chiton mit Ueberschlag. Links von Orestes steht, 
von vorn gesehen, Apollo, bekleidet mit einem 
Himation, das die r. Schulter freilässt; er hat einen 
Blattkranz im Haar; seine geringelten Locken fallen 
auf beide Sclmltern herab. Er hält in der Rechten 
einen Lorbeerstab und wendet den Kopf zu Orestes 
um. Links von ihm sitzt Artemis nach r. auf einem 
Felsen; sie trägt einen Aernielchiton und um den 
Unterkörper geschlungen ein Himation, im Haar 
eine Stephane mit aufrecht stehenden Blättern. Sie 
erhebt beide Hände erstaunt, in der Linken hält sie 
den Bogen. Das Bild ist oben durch einen Strei- 
fen von Epheublättcrn, unten durch einen Mäander- 
streifen abgeschlossen. Die Figuren sind bis unter 
die Henkel fortgeführt, die auf einer Seite über die 
Figur der zweiten Erinys, auf der anderen über die 
der Artemis übergreifen. 

Das Motiv des en face dargestellten Orestes 
findet sich wieder auf einer angeblich aus Keapel 
stammenden grossen Amphora des Vatican'"); er 
kniet wieder in der gewöhnlichen Stellung auf dem 
Altar und wendet das Antlitz dem Beschauer zu. 
Rechts von ihm stellt Apollo, ruhig auf einen Pfeiler 
gelehnt und den Lorbeerstab im Arm. Ihm ent- 
spricht 1. Athena, etwas höher stehend, behelmt, die 
Rechte auf einen Speer stützend; sie erhebt schützend 
gegen Orestes den 1. Arm, über dem die Aegis 
hängt ^''). Ueber Apollo dringt auf zweitem Plan 

I') Ai-ch. Ztg. 1S60 Tf. 137, 4. R. Röchelte pl. 3S. Over- 
beck Tf. XXIX. 8. 

-") Die Monumente, auf denen die Aegis so getragen wird, 
hat R. Kochette .1/. /. p. 191 not. 1 zusammengestellt. Hinzu- 
fügen liesse sich z.B. noch die Kyknos-IIydria des Museum 



nach 1. eine Erinys (als Jägerin gekleidet) mit ge- 
fälltem Speer gegen Orestes vor; über dem letzteren 
sitzt nach I. eine geflügelte weibliche Figur mit ge- 
gürtetem Chiton und Stiefeln, das Himation um die 
Beine geschlungen, im Haar Lorbeerkranz und 
Binde ; in der ausgestreckten Linken hält sie einen 
kurzen Stab (?). Eine befriedigende Deutung dieser 
Figur zu geben ist schwer; man würde zunächst 
eine zweite Erinys erwarten: der Stab könnte ur- 
sprünglich eine Sciilauge gewesen sein, und der 
Lorbeerkranz ein Fehler des Zeichners oder des 
Ergänzers sein; aber das lässt sich nur vor dem 
Original entscheiden^'). 

An dieser Stelle lassen sich noch zwei Vasen 
der ehemaligen Campana'schen Sammlung einrei- 
hen, von denen sich die eine in der Petersburger 
Ermitage'-) befindet, die andere, da sie in Peters- 
burg nicht vorhanden, wahrscheinlich nach Paris 
gekommen ist"). Die letztere, eine Amphora a co- 
lonnette, zeigt Orest in der üblichen Stellung auf 
dem Altar, der hier wie auf der Berliner Hydria 
aus sechs grossen Steinen besteht. Apollo ver- 
scheucht eine geflügelte Erinys, während Athena 
schützend anwesend ist. Die Petersburger Vase 
ist eine Amphora mit Volutenhenkeln und zeigt am 
Halse folgende Darstellung: In der Mitte kniet Orestes 
auf dem Altar, der hier mit zwei aufrecht stehen- 
den Seitenwänden versehen ist; von 1. naht eine 
Erinys mit Fackel und Schlange, hinter der eine 
zweite in halber Figur aus dem Boden aufsteigt. 
Von 1. tritt zum Altar Apollon, der sich umsieht 
und mit der 1. Hand eine abwehrende Bewegung 
macht. Dieselbe gilt der folgenden als Jägerin 
charakterisirten Erinys "') ; auf diese folgt eine nach 

Gregori.inura (II 10. 1, vgl. Bull. deW Inst. 1S39 p. II), wo die 
Stellung des Arms und der Aegis ganz ähnlich ist. 

-') Man hat auf Nike, Themis (dann soll der Stab natür- 
lich ein Brabeutenstab sein!), Dike, auch Nemesis gerathen. 
Aber keine dieser Deutungen ist schlagend oder auch nur so 
einleuchtend, dass man sie den anderen vorziehen kiJnnte. 

--) Stephani No. 523. Abgebildet BuUetino Napolelano II 7 
(Minervini). 

'") Katalog des Museo Campana Ser. IV. No. 16. 

-*) Eine Erinys ist gewiss trotz des Scepters, das wohl durch 
Uebermalung aus einer Fackel entstanden ist, gemeint. Der 
Restaurator hat die Figur offenbar wegen des Jagdkostüms und 
vielleicht auch wegen der Stellung, welche auff;dlend an die der 



207 



K. Wernicko, Orestes in Deli^bi. 



208 



1. auf angedeutetem Terrain sitzende Erinys, die in 
jeder Hand eine brennende Fackel hält. 

Um nun noch kurz den dritten auf Vasenbildern 
dargestellten Moment der Sage zu erwähnen, seien 
die vier Monumente, um die es sich dabei handelt, 
hier mit wenig Worten angefügt. Die Sühnung der 
Blutschuld durch Apollo ist auf folgenden Vasen 
dargestellt: 

1. Vase des Britischen Museums no. 102"^). 
Apollo schneidet mit einer Scheere eine Locke von 
dem Haupte des am Omphalos knieenden Orestes. 

2. Apulischer Krater der Petersburger Ermitage 
no. 1734"). Apollo entsühnt den auf dem Altar 
knieenden Muttermörder mit Lorbeerzweig und Pa- 
tera. Die Verfolgerin, eine geflügelte Erinys, hemmt 
erstaunt den Schritt; nach 1. entflieht die greise 
Pythia. 

3. Oxybaphon desBaronLotzbeck, ausArmento"). 
Orestes sitzt am Omphalos, Apollo .entsühnt ihn durch 
ein Ferkel, das er über seinem Haupte hält. Rechts 
als Zuschauerin Artemis, links eine Gruppe von 
zwei schlafenden Erinyen, die durch Klytaemnestra, 
welche auf Orestes hindeutet, erweckt werden — auch 
hier also direkte Reminiscenz an Aeschylos. Schliess- 
lich, mit halber Figur aus dem Boden aufsteigend, 
eine zuschauende Erinys. Ob endlich ein Vasen- 
bild der zweiten Hamiltou'schen Sammlung") auf 
Orestes bezogen werden kann, ist mir mehr als 
zweifelhaft. 

Artemis von Versailles erinnert, für Artemis gehalten. Aber es 
fehlt jedes charakteristische Attribut, und ferner wäre dann auch 
die sitzende Erinys auf dieser Seite merkwürdig. So gut Orestes 
und Apollo zwischen vier Erinyen sich machen, so merkwürdig 
wäre es, wenn der Kunstler auf die eine Seite des Altars zwei 
Erinyen, auf die andere Aiiollo und Artemis und — eine dritte 
Erinys gesetzt hätte. 

■'') Abgebildet Annali delV Inst. XIX tav. d'agg. X. Over- 
beck a. a. O. Tf. XXIX. 12. Arch. Ztg. 1860 Tf. 137, 3. 

^^) Früher der Pizzati'scheu Sammlung angehörig; abge- 
bildet Stephani Compte Rendu 1863 p. 213. 

^0 Abgebildet Man. deW Inst. IV tav. 48, cf. Annali XIX 
p. 418sqq. (de Witte); Arch. Ztg. 1S60 Tf. 138,2. 

'-'*) Tischbein, Vases d'IIamihon II 10. 



Wir sind am Schluss; dass eine historische Auf- 
einanderfolge von Typen bei diesen Vasenbildern, 
die alle dem vierten Jahrhundert angehören, nicht 
stattfindet, haben wir gesehen. Nur so viel lässt 
sich wohl sagen, dass die Entsübnungsseene doch 
gewiss aus der Darstellung des geflüchteten Orest 
am Omphalos resp. Altar entwickelt ist. Im ganzen 
haben wir nur eine typische Scene gefunden, deren 
Nebenfiguren, wie Atheua, Artemis, die Pythia, be- 
liebig hinzugesetzt oder fortgelassen werden. Das 
Motiv des mit einem Knie auf den Altar hinge- 
sunkenen Orestes kehrt auch auf etruskischen Aschen- 
kisten wieder"), die aber immer die Gestalt des 
Pylades in die Scene einfügen. ^'') 

Berlin. Konrad Wernicke. 



25) Brunn, Urne Etrusche Tf. 81 ff. Zoega Bassirilievil 38. 
Govi Museum elruscum II 151. Inghirami Monumenti etruschi I 
tav. 25 und 59. VI. tav. A2. ühden, über die Todtenkisten 
der alten Etrusker I p. 19 ff. Das Terracottarelief Campana, 
Opere in plastica Tf. 73 (Orest auf dem Omphalos knieend) zeigt 
so viele Seltsamkeiten , dass man versucht ist , es für unecht zu 
halten; jedenfalls wird vor einer erneuten Untersuchung des 
Originals Vorsicht am Platze sein. 

^°) Als ich von der Eedaction dieser Zeitung die Aufforderung 
erhielt, zu der vorliegenden Tafel den Text zu schreiben, war 
sowohl von der Redaction als von mir übersehen, dass die Vase 
bereits von Heydemann Arch. Ztg. 1867 Tf. 222 publicirt und 
S. 49 kurz besprochen war, ein Versehen, das bei dem bisherigen 
registerlosen Zustande der 'Denkmäler und Forschungen' nur zu 
leicht möglich ist. Erst während der Drucklegung kam der 
Aufsatz zu meiner Kenntniss, so dass ich in der vorliegenden 
Arbeit nicht näher auf ihn eingehen konnte. Wer aber die 
Abbildungen vergleicht, wird leicht sehen, dass die unsere nicht 
überflüssig war; denn es kommt in der früheren Publikation 
bei der Art ihrer Anordnung nicht allein die Gruppirung der 
Figuren nicht zur Anschauung, sondern es finden sieh auch 
manche Ungenauigkeiten der Zeichnung. Was den Text be- 
trifft, so hat Heydemann zwar eine Aufzählung aller ihm bekannten 
Darstellungen des Orestes in Delphi gegeben, aber ohne den 
Versuch einer Classificirung zu machen, und er hat sich auf 
die unglückliche Bötticher'sche Idee der drei delphischen 
Theorien des Orestes eingelassen, von denen die sogenannte 
erste auf Vasenbildern nicht vorkommt; denn die li'riederichs'sche 
Deutung zu Arch. Ztg. 1353 Tf. 59 (Praxiteles und die Niobe- 
gruppe S. 112f.) ist völlig aus der Luft gegriffen. 



209 



210 



MISCELLEN. 




INSCHRIFT EINER VASE AUS DER KRIM. 

ii des angeblichen Nachtrages im Wege gewesen 
wäre? Es scheint doch vielmehr, als sei das 
nPÜTIQNOI die Hauptsache, und bedeute ein- 
fach den Besitzer des Gefässes. 

Aber hören wir Stephani weiter: 'Hiernach 
müsste man in OAKH^ den unrichtig gebildeten 
Genetiv von Wä-/ag, Oaxtag oder (Päxog suchen, 
was insofern wenig auifallen könnte, als sich die 
Inschrift überhaupt durcli ungewöhnliche Namen- 
bildung auszeichnet. Denn nur die Namen Kgiiov 
und riQiuTiwv sind allbeisannt. Hingegen sind die 
Namen TQtoyalUov , Zioiing und nciarivrjg meines 



Die vorstehende Abbildung ist deui Compla-renda 
1877 S. 275 entnommen. Die Inschrift befindet sich 
auf der Aussenseite des Bodens eines kleinen ein- 
henkeligen mit schönem schwarzem Firniss über- 
zogenen flachen Gefässes von 0,14 m. Durchmesser 
und 0,04 m. Höhe, welches im Schutte des Mithri- 
datesberges gefunden wurde. Unsere Abbildung 
giebt die Inschrift, die mit einem spitzen Instru- 
ment in den harten Thon eingeritzt ist, in natür- 
licher Grösse wieder. 

Stephani glaubt, die Inschrift nenne die Namen 
von drei Männern, indem sie zu jedem den Namen 
des Vaters im Genetiv hinzufüge. 'Da jedoch für 
den Namen des Vaters des dritten Mannes am Ende 
der Raum fehlte, so ist dieser etwas oberhalb am 
äussersten Rand hinzugefügt.' Dass der Raum un- 
ten für die Buclistaben nPQTiaNO:^ nicht mehr 
gereicht habe, soll zugestanden sein, aber wie kam 
der Schreiber dazu, seinen Nachtrag mit stärkeren 
Strichen einzuritzen als das Uebrige? Und wie wer- 
den wir es erklären, dass das N der ersten Zeile un- 
ter die Linie heruntergezogen ist, als ob das zweite 



Wissens sonst noch nirgends vorgekommen.' 

Diese Erklärung von OAKH^ wird Niemand 
annehmbar finden, der nicht glaubt, Anomalie und 
Gesetzlosigkeit sei dasselbe. Jene fremdartigen 
Namen kenne auch ich nicht; wir dürfen nicht 
hoffen sie je zu finden, wenn nicht etwa ein Ko- 
miker sich den Witz erlaubt haben sollte, seine 
Parasiten oder Köche mit so schönen Namen wie 
'Nachtisch', 'Suppe', 'Graupen' auszustatten. Als 
Spitzname kommt Zomos allerdings vor, vergl. 
Athenaeus VI S. 238 B. 242C. Der ehemalige 
Besitzer unserer Vase hat ausser seinem Namen 
{ngcüTicüvog) noch eine kleine Speisekarte ein- 
geritzt: TqioyaXuov, (faxrjg, xqeÜv, Cco/iiov, ntiaä- 
vTjg. Was er damit bezweckte, weshalb er die 
Speisen im Genetiv nannte, vermögen wir nicht zu 
sagen, da eine ähnliche Inschrift, die Aufschluss 
geben könnte, nicht zu existiren scheint. Vielleicht 
wollte er nur ausdrücken, dass sein Napf zu allen 
Speisen gut und brauchbar sei. 

Berlin, im September 1884. Paul Wolters. 



Auf die Ausführungen C. Roberts (Arch. Zeit. 42 
S. 137), der in den Figuren des brittischen Bronce- 
reliefs Okeanos mit den Personificationen der drei 
Erdtheile erkennen will, möge mir eine kurze Er- 
widerung gestattet sein. So gefällig die Deutung 
an sich auch ist, und so wenig ich die Möglich- 
keit bestreite, dass damit das Richtige getroffen 



NOCH EINMAL ZU TAFEL 2,2. 

ist, als gesichert oder auch nur als wahrscheinlich 



vermag ich sie nicht anzusehen. Am ersten kann 
man noch die bestimmte Benennung des Seegottes 
als Okeanos billigen, obgleich hiergegen sich der 
Umstand gelten machen Hesse, dass der Typus des 
Kopfes oifenbar von dem auf das Meer ausspähen- 
den Schiffer hergenommen ist, ein Typus der für 



211 



E. Engolmann, Zu Taf. 2, 2. 



212 



den Okeanos kaum passend erscheint, wenn man 
bedenkt dass dieser bis zum zweiten Jahrhundert 
immer noch als der allumfassende ausserhalb der 
Schifffahrt liegende Strom betrachtet wurde. Dass 
die sicheren Darstellungen desselben, besonders 
Mosaiken, ihn mit Krebsscheeren und anderen 
derartigen Bildungen ausgerüstet zeigen, kommt 
weniger in Betracht. Schon schwieriger ist es für 
mich, die Thats^ache, dass der Okeanos die Erde 
umrahmt, hier durch die Windungen der Delphine 
ausgedrückt zu finden. Die Delphine wachsen nicht 
„gleichsam aus seinen nassen Locken hervor", son- 
dern ihre Schwänze schlagen munter hinter sei- 
nem von der Kappe bedeckten Haupte empor; 
wollte man annehmen, dass ihre Windungen „den 
die Erde umfliesseuden Strom " symbolisireu, 
so müsste der bärtige Kopf etwas von ihm Ein- 
geschlossenes bedeuten, was doch sicher nicht an- 
geht. Wie die Alten das Umströmen der Erde 
durch Okeanos darstellten, das zeigen mehrere 
allerdings späte Mosaiken, eines im Brit. Museum 
aus Karthago, Mon. d. Iiisl. V 38; das andere aus 
St. Eustice bei Toulouse, Bull. 1834 S. 157, jetzt 
im Museum von St. Germain, leider in sehr frag- 
würdigem Zustand und (1877) nicht aufgestellt: 
dort ergiessen sich zwei oder drei Wasserströme 
aus dem Munde des Gottes, dessen Haupt mit Krebs- 
scheeren und Delphinen im Haar verziert ist. Auch 
die Persouificatiouen der drei Erdtheile vermag ich 
nicht zu erkennen; die drei Gestalten sind unter 
einander in der Haartracht, in der ganzen Bildung, 
auch in dem Mangel an Bekleidung so ähnlich, 
dass für alle die gleiche Deutung nothwendig ist; 
ob dazu der Begriff „Erdtheil" mit Beseitigung 
jedes individuellen Unterschiedes verwendbar ist, 
kann sehr fraglich erscheinen; jedenfalls spricht 
die scharfe Cliarakterisirung, die sonst zur Unter- 
scheidung der Hellas und Asia, oder der Europa, 
Asia und Afrika angewandt wird, nicht dafür, dass 
die Griechen den allen gemeinsamen Begriff' „Erd- 
theil" haben zum Ausdruck bringen wollen. Aus 
der geographischen Lage der Erdtheile Folgerun- 
gen in Bezug auf die Anordnung der drei Frauen 
ziehen zu wollen, scheint mir mehr als bedenklich, 
wie es auch Robert selbst ablehnt. Wie soll man 
z. B. sich erklären, dass die sogenannte Asia über 
den Delphin, d. h. den Okeanos hinaus sitzt? Sie 
hätte doch gleichfalls nach innen angeordnet sein 
sollen. Besonders aber scheint mir gegen die 
Robertsche Deutung die Handlung der rechts sitzen- 
den Gestalt zu sprechen; denn ich glaube daran 



festhalten zu müssen, dass sie den Seegott an einer 
seiner Bartlocken zupft, um seine Aufmerksamkeit 
zu erregen. Herr A. S. Murray, an den ich micb 
mit der Bitte wandte, das Original darauf hin 
genau zu prüfen, ist so freundlich gewesen mir 
folgende Auskunft zu ertheilen: If Prof. Robert is 
right in saying fliat (he hand of the ßgtire sitting 
011 the right is merely coucealed hy the beard, I 
should expect that the artist woiild not have alloioed 
the hand to disarratige the beard, biit would have 
reduced the projection of the arm so as to malte his 
iittentioii clear and allow the beard to fall in its 
natural manner. Instead of that the beard is pushed 
forward by the hand just as it would be pushed if 
the artist meant to indicate that the ßgure was 
engaged iti playing with the beard of Okeanos or 
whoever he onay be. Auch dass die Blicke aller 
drei Figuren auf den Kopf des Gottes gerichtet 
sind, spricht für die engen Beziehungen, die zwi- 
schen dem Gott und den Frauen obwalten. Der- 
artige Beziehungen zwischen den drei Erdtheilen 
und Okeanos anzunehmen, scheint mir nicht recht 
möglich. 

Trotzdem muss ich die Einwendungen, die 
Robert gegen die Benennung „Nereden" macht, 
als richtig anerkennen; auch ich glaube, dass die 
ruhige und feste Stellung der sitzenden Mädcheu 
gegen die Deutung auf Nereiden spricht, und halte 
sie deshalb gleichfalls für Lokalgottheiten, wenn- 
gleich ich mich vorläufig ausser Stande erkläre sie 
zu benennen. Nur um zu zeigen in welcher Rich- 
tung meiner Meinung nacli die Deutung gesucht 
werden muss, weise ich auf Hellas mit der Pelo- 
ponnes einerseits und Kreta andererseits hin; natür- 
lich wäre der männliche Gott dann nicht Okeanos, 
sondern der Pontos oder irgend ein Lokalseegott, wo- 
gegen gewiss nichts einwenden wird, wer sich der 
bekannten Büste der Rotonda erinnert. Dass im 
Alterthum oft genug solche Lokalgottheiten darge- 
stellt worden sind, dafür liefert Philostrat viele 
Beweise; speciell für unseren Fall könnte man noch 
an das Bild von Panainos mit der Hellas und Sa- 
lamis erinnern; vielleicht könnte auch das oben er- 
wähnte Mosaik von St. Rustice angeführt werden, 
wo neben Wassergottheiten sicilianische Ortsgott- 
heiten vorzukommen scheinen, wenn nicht die 
darüber vorliegenden Nachrichten zu dürftig wären. 
Wüssten wir etwas von dem genauen Fundplatz 
oder Fabrikationsort des Reliefs, dann würde es 
wohl nicht schwer sein, sofort die lokalen Be- 
ziehungen zu erkennen. R. Enüelmann. 



213 



214 



DIE ,SCHLANGENTOPFWERFERIN' 

IM rERGAMKNISCIIEX ALTARFKIE8. 




d 



Zu der s*ogenannten Sclilang-entopfwerferin in der 
Gigaiitomachie des perganienischen Altars') wurde 
vor einigeu Jahren die Verniuthung geäussert, dass 
der Künstler auf die eigentluiniliclie Waffe der Göttin, 
das schlangeuuniwundene Gefäss, duroli die lienii- 
nisccnz au eine im Kampfe gegen die Attaliden 
einmal angewendete Kriegslist geführt worden 
wäre'). iSleuerdiugs will mau das räthselhafte 
Gefäss als Apothekermörser bestimmen, der au 
seinem Platze innerhalb des Asklepiosheiligthums 
zufällig von einer der heiligen Hchlangen uni- 
ringelt sei, und danach in der Göttin etwa die 
Epioue, die Gemahlin des Asklepios, erkenuen^). 
Solchen Deulungsversuchen gegenüber müelite ich 
nicht länger zögern an dieser Stelle zum Ausdruck 

') Vergl. Julirl), iler kiinigl pi-euss. Kunstsaimnl. I S. 178. 

'-') W. H. Hoscher in der Beilage zur Aug.il)iirger Allge- 
meinen Zeitung 1880 S. 4571. 

■') A. Trendelenburg im Texte zu den Skizzen zur Wieder- 
herstellung des perganienischen Altars von Alexander Tondeur 
S. •-'!). Vgl, oben S. 14öf. 

ArchSolo". Ztt'. Jahru'iiiii: XLU. 



zu bringen, was seit der öffentlichen Ausstellung der 
Gigantomaehiereliefs angesichts der Schlangentnpf- 
werferiu in gegenseitigem Austausch der Beob- 
achtungen und Ideen von mehreren Seiten festge- 
stellt wurde. Es betrifft das die Form des frag- 
lichen Gefässes in der Hand der Göttin und die 
Auffassung der merkwürdigeu Verbindung von Ge- 
fäss und Schlange. 

Um was es sich bei dem ersten dieser beiden 
Punkte handle, wird am besten durcfh die vor- 
stehenden Abbildungen klar gemacht werden, welche 
von der zuverlässigen Hand des Herrn van Geldern 
herrühren. Da die Axe der oben horizontal ab- 
geschnittenen Vase (siehe Figur a) weder zu der 
senkrechten Stosskante des Reliefs noch zu dereu 
Grunde parallel läuft, sondern sich schräg nach 
der 1. oberen Ecke zu neigt, so entsteht eine un- 
regelmässige und unvollkommene (einem Reib- 
morser wohl ähnelnde) Gefässforra, die nothwen- 
diger Weise ausgeglichen werden musste. Und 
das geschah, wie die obere Durchschuittsfiäche des 

15 



215 



0. Puclistein. Sehlaugcntupfworferiii. 



216 



Gefässes zeigt — dieselbe ist uMiulicli nach der 
gewöhnlichen Art und Weise als Stossfuge herge- 
richtet, indem sie rings am Rande geglättet und 
innen mit dem Spitzeisen ein wenig vertieft worden 
ist — durch ein ursprünglich aufgesetztes, jetzt ver- 
lorenes Stück. Auch die Schlange, deren Leib am 



doch wenig angemessene Fuss (s. Figur c) vortretl'- 
lich ]iasst. Die Zeichnung lehrt, dass bei exacter 
Ergänzung auf die r. Seite des erhaltenen Abschnittes 
glciclifalls ein Theil vom Ansatz des zweiten Henkels 
fällt; dass die entsprechende Ansatzspur im Ori- 
ginal fehlt, kann gewiss nicht allein durch unsorg- 



Reliefrande glatt durchgeschnitten ist, musste nach fältige Arbeit veranlasst, sondern vielmehr wegen 

der Fuge beabsichtigt sein, die sonst den Henkel- 
ansatz mitten durchschnitten hätte. 

Was die Stellung der Schlange an diesem 
hydrienartigen Gefässe betrifft, so liegt sie mit 
ihrem Schwanzende vorn längs des Schulterrandes; 
dann wand sie sich oben einmal um den Hals und 
ringelt sich endlich über die Rückseite nach dem 
Fusse zu, um von hier aus mit erhobenem Kopfe 
gegen den Gegner der Göttin zu züngeln. Sie ist 
also nicht in einseitiger Bewegung von oben nach 
unten dargestellt, als wenn sie aus der Vase kröclie, 
sondern wie über Kreuz um dieselbe geschlungen 
und innig mit ihr verknüpft. Das lässt schwerlich 
den Eindruck einer zufälligen Verbindung von Ge- 
fäss und Schlange aufkommen, vielmehr in dem 
Schlangentopf ein bestimmtes Symbol vermuthen. 
Als solches ist es, wenn auch nur in wenigen Gülten, 
in der That nachweisbar. So spielt eine eigen- 
thüinlich mystische Rolle bei der Procession am 
Isisfeste die Urne, deren charakteristische Gestalt 
aus Münzen') und Reliefs °) sowie vor allem aus 
der genauen Beschreibung des Apuleius (Xletam. 
XI 11) bekannt ist: gerehal alius feliri mio gremio 
siiiiitin siii numinis venevaiidam effigiem, iion pecoris, 
fion avis, noii ferae ac ne hominis qiiidem ipsitis ronsi- 
milem, sed solerti repertu, etiam ipsa jiovilate rece- 
retidam ullioris uicumqiie et magno silenlio tcgeiidac 
religionis argiimeiiluin ineffahile; sed el ad istiini 
platte modiini fiilgetile auro ßgiiralum. Urniila fa- 
herrime cavala, fuudo quam rolundo, miris exlrinse- 
cus simiilacris Aegypiiorum efßyiala; eins orilicium 
iion allinscule levahnn in cntialem porrectnm longo 
rinilo prominehat. Ex alia vero parte tnulti/m rece- 
dens spatiosa dilalione adliaerchal ansa, quam con- 
torto iiodnio siipersedebat aspis squameae cervicis 
striatti liunore sublimis. Da diese Art Situla mit 
dem üräus aus ägyptischer Ueberlieferung bisher 
nicht nachgewiesen und gedeutet worden ist, so 
wäre einstweilen die Vermuthung berechtigt, dass 
sie auf Grund einer ursprünglich griechischen An- 
schauung in den alexandrinischeu Cult eing(dülirt 
wäre. Gleichfalls für ägyptisch hielt F. Lenormant 

■*; Zoi'ga num. aeg S. S n. 30; S. 165 n. 17. 
■') Hcriin Aegypt. Mus. n. S1G4. 



oben hin ergänzt sein, damit die i)eiden jetzt ge- 
trennten Theile derselben für das Auge des Be- 
schauers verbunden wurden. 

Derartige in das Deckgesims liincinragende 
Anstüekungen an der Oberkante der Gigantomaehie- 
reliefs sind übrigens sehr häufig und gewiss von 
vielen Beschauern schon bemerkt worden. Es mag 
daher nur kurz daran erinnert werden, dass z. ß. 
der ganze Schädel der sog. Selene aufgesetzt war, 
ferner auch die Spitze an den Helmen der Athena 
und des jugendlichen neben der Apollogruppe 
aufgestellten Kriegers, der erst durch die letzte 
Sendung aus Pergamon seinen Kopf erhalten hat 
(es ist nebenbei bemerkt derjenige Kopf, an dessen 
Augen bei der Auffindung noch Farbspuren sicht- 
bar waren); beim Gegner der Hekate endlich sind 
noch die Eisenstifte vorhanden, die den oberen 
Theil des geschleuderten Steines festhielten. 

Glücklicherweise gewährt nun der vorhandene 
Abschnitt des Gefässes auch olme die Anstückung 
einer genaueren Betrachtung genügenden Anhalt, 
die ursprüngliche Form desselben annähernd, wenn 
nicht gar sicher zu bestimmen. .-\n der 1. Hälfte 
nämlich, die ja in Folge der sciiiefen Lage des 
Gefässes die grössere ist, läuft rechtwinklig zu der 
Axc und daher die Fuge quer schneidend eine ab- 
gerundete Kante hin, wie sie nicht etwa dem 
Lippenrande entspricht, sondern beim Zusammen- 
stoss von Bauch und Schulterfläche einer Vase 
entsteht; und zwei unmittelbar unter dieser Kante 
befindliche Ansätze, von denen der vordere z. Th. 
durch die Schlange verdeckt wird (vgl. die Ober- 
ansicht Figur b), lassen auf einen kleinen jetzt ab- 
gebrochenen Seitcnhenkel schliessen. Versucht man 
hiernach das vom Künstler bcabsiciitigte Gefäss 
zu reconstruiren, so wäre für den vorhandenen 
Tlieil zu beaciiten, dass durch die Hand der Göttin 
und den Schlangenleib dem flott und sorglos arbei- 
tenden Bildhauer die Symmetrie der beiden Hälften 
gestört worden ist: wenn man diese, wie es in 
unserer Figur d geschehen ist, wiederherstellt und 
Schultern und Henkel vervollständigt, so ergiebt sich 
nicht ein Mörser, sondern eine hydrienf'örmige Vase, 
zu welcher auch der zierliche, hohle, einem Mörser 



217 



0. Piu'Iistoin, Scblanircntiijifwcrfcriii. 



218 



(las Rclilangcnumriiigeltc Gef'üss un (ici- Seite der 
Aplivodite in der bekannten es((uiliniselien Statue'^) 
und sah deshalb in derselbeu eine Darstellung' 
der in Naidviatis angeblich verehrten Rhodopis: 
allein mag aueh die Selilaiige an diesem auffälligen 
Get'äss dem Uräus gleiehen, so wird man ddidi die 
wunderliche Condiination Lcuorniants ahweiseu und 
vorläufig jenes Detail auch in Bezug auf seinen 
synibolisclieu CliaraUter unerklärt lassen müssen. 

Auf griechischem Boden, speciell in Sparta, 
findet sieh nun aber der Schlangentopf im Culte 
dt3r Dioskuieu '). Nicht nur auf lacedämonischcn 
Münzen") entspricht dem Herakleskopfe oder häu- 
figer den beiden Dioskurenköpfcn der Vorderseite 
rückseits die von einem Kranz umrahmte Darstel- 
lung einer (meist zwischen die Pilei gestellten) oder 
zweier Amplioren, die mit einem Deckel versehen 
und in den weitaus zahlreichsten Fällen von je 
einer Schlange umringelt sind, sondern auch Re- 
liefs^) zeigen häufig genug neben den Dioskurcu 
diese beiden Amjjhoren, freilich nur in zwei Bei- 
spielen mit den Schlangen '"); einmal (auf dem 
Veronescr Votivrelief an die Dioskuren") nähert 

<") Abgeb. ßu//. „„wie III Taf. III. IV. Gnz. arch. III 
Taf. 23 vgl. S. 145. 

■) Vergl. Weicker Tiilogie S. 925 Anm. 

*) Eekhel d. n. II S. 270. Mionnet II S. 216, 1 ff. 2-i2ff. 
n. a. Voryl. ilie AbbilJung bei Cun/.c Wiener Vorlegeblättcr 
4. Ser. Taf. IX, 9. 10. 

■') Di-essel- Jlilchhül'er Alittb. il. aib. In,-t. II 8 3SC n. 204 
205. 20S. 

'») A. n O. n. 209. 210. 

") Uütschke 4 n. 538; abgeb. Conze a. a. U. 8. 



sich eine Schlange dem Ampliorcii])aai', während 
ein andermal die zwei Schlangen ohne die Krüge 
dargestellt sind '"). 

Sonst sind mir aus griechischen Monumenten 
noch zwei Beispiele dieses Symbols bekannt ge 
worden. Auf dem sogen. Wiszay'schen Dipty- 
chon") mit' den Darstellungen des Asklepios und 
der Ilygieia steht auf den beiden Pfeilern, welche 
die Figur der Hygieia mit dem Eros einrahmen, 
links ein Knabe, welcher aus der mystischen Cistc 
die Schlange entschlüpfen lässt, rechts Schale 
und schlangenumringelter Prochus. Weshalb hier 
Hygieia vom Eros begleitet, und die Ciste sowie 
der Prochus mit der Schlange hinzugefügt sind, 
hat man bisher nicht erklärt. Endlich ist auf einem 
Relieffragraent ") in Athen leider nur ein Stück 
einer schlangenumringelteu Vase innerhalb eines 
Oelkranzes erhalten; die Form derselben weicht so- 
wohl von der Hydria des pergamenischen Reliefs 
wie der Amphora des Dioskurencults als auch von 
dem Prochus des Diptychons ab. 

Einen Anhalt zur Deutung der Göttin in dei- 
pergamenischen Gigantoniachie vermag ich aus 
diesen Beispielen einstweilen nicht zu gewinnen. 

0. PucnsTEiN. 



'-) Dre.ssel -Milchliöl'er a. a 0. n. 220; abgeb. Biagi inori. 
gr. ei lat. ex Jims. Kanii Rom. 17.S7 S. 73. 

'■■') In Liverpool. Müller- Wieseler II, Gl, 792. Berlin, 
■Verzeiclmiss der Gipsabgüsse n 9711?. 

'■■) Sybel n. 6G25. Berlin,' Verzeichniss iler Gipsabgüsse 
1883 n. 200. 



1.5« 



219 



220 



BERICHTE. 



SITZUNGSBERICHTE. 

Archäologische Gesellschaft in Berlin. 



Sitzung vom 4. Kovember. Zur Aufnahme 
haben sich gemeldet die Herren Graf Seyssel 
d'Aix, Hauptmann Steffen, Dr. Puchstein. 
Eingegangen waren u. A. Kekule, die antiken 
Terrakotten Bd. II (Sicilicn); v. Brunn, Kunstge- 
schichtliche Stellung der pergam. Gigantomachie 
(Jahrbuch der königl. preuss. Kunstsammlungen); 
ders., über tektonischen Stil (Miuicliener Akademie- 
berichte); Lepsius, Längenmasse der Alten; Vir- 
chow, Hissarlik als Feuernekropole; Bücking, 
Lagerungsverhältnisse der älteren Schichten in 
Attika; Herzog, Olympische Göttervereine; Graf, 
Antiopesage; Pervauoglu, orüjine delnome d'ItaHa\ 
Schreiber, Dreifussbasis von Xabulus. — Herr 
Conze legte die akademische Abhandlung des Herrn 
Imhoof-Blumer, Münzen der Dynastie von Per- 
gamon, vor. — Herr Eobert theilte die Ergebnisse 
einer Petersburger Eeise mit, die er im Interesse 
der Sarkophagsammlung unternommen hatte. Der 
Achilleussarkophag im Garten des Grafen Stroganuff 
(bekannt als Sarkophag des Homer) stammt von 
den griechischen Inseln; Oiiiamentik und Gewand- 
bchandlung las.sen ihn früliesteus in das Ende des 
2. Jahrhunderts setzen. Er repräsentirt denselben 
Typus wie der Sarkophag Barilc (Wiener Vorlege- 
blätter C, IX,1). Achill hält liier keinen Speer, 
sondern eine Spindel, die auch Deidamia anfasst; 
neben dieser steht die Amme; die Figur an der r. 
Ecke ist nicht Lykomedes, sondern eine als Gebälk- 
träger fungirende Silcnshcrme; die r. Schmalseite 
zeigt Cueiron, den jungen Achill im Bogenschiesseu 
unterrichtend (so auch auf den Sarkophagen Barile 
und in London); auf der 1. Schmalseite sitzt Achill 
leierspielend unter den Töchtern des Lykomedes; 
auf der Rückseite streng symmetrisch der Kampf 
zweier Kentauren mit Löwe und Löwin. Eine weit 
schönere Iicplik dieses Typus der iVchilleussar- 
kophage ist ein in Kertsch gefundener, sehr ver- 
stümmelter Sarko])liag, der auf den Ilauptseiten 
genau mit dem vorigen übereinstimmte, rcclits die 
kaum noch erkennbaren Reste des Bogenschiessens 
imd links den Abscliied von Lykomedes in der Art 
der psfudogriechischen Sark<ipliage vom Louvre 
und Capitol zeigt. Die Augen des Lykomedes 
waren eingesetzt, was auf weitgeliendc Bemalung 
deutet; auf der Üückseite sind Eroten mit Festons 



dargestellt. Der Vortragende wies ferner auf ein 
Sarkophagfragment mit Darstellung des Freier- 
mordes hin, von welchem eine entschieden moderne 
■Wiederholung in Mautua existirt, und machte über 
einige andere Sarkophage Mittheilungen. — Hierauf 
trug Herr Puchstein die oben S. 213 abgedruckte 
Widerlegung der von Herrn Treudelenburg aufge- 
stellten Deutung der pergamenischen Sehlangen- 
topfwerferin' vor, Herr Engel mann die S. 2U9 
veröffentlichte Erwiderung gegen lleirn Kobirt. — 
Herr Curtius machte darauf aufmerksam, dass der 
Bildhauer Herr Grüttner nach dreijähriger Arbeit 
jetzt so weit sei, dass Anfang December der ganze 
Ostgiebel des olympischen Zeus, iu Original- 
grösse ergänzt, aufgestellt werden krmne. Es sei 
wünschenswerth, dass nun über die Anordnung 
der Giebelfiguren eine feste Ansicht der Sachver- 
ständigen sich bilde. Bisher, führte Herr C. aus, 
gab es zwei von einander abweichende Hcrstellungs- 
versuche, welche beide in der Olympiaausstellung 
zum Vergleich neben einander aufgestellt sind. 
Neuerdings ist dazu ein dritter Versuch gekommen, 
welchen Herr Professor Kekule im Rheinischen 
Museum Bd. 39 S. 481 veröffentlicht hat. K. er- 
kennt die Grnppirung der drei Figuren iu der 
rechten Giebelecke, wie sie Curtius verlangt, als 
unbedingt sicher au, nimmt aber an zweierlei in 
der Curtius'schen Aufstellung Anstoss, erstens daran, 
dass die beiden Zügellialter, und zweitens, dass Mäd- 
chen und hockender Knabe einander nicht so ent- 
sprächen, wie es bei Gegenstücken verlangt wer- 
den müsse. Beide Paare blicken nach derselben 
Seite hin, das sei eine zwiefache Verletzung der 
Symmetrie. 

Gegen diese Einwürfe ist zu erinnern, dass 
der eine nicht zutrifft, denn das Mädchen blickt 
nach links, der entsprechende Knabe nach rechts; 
liier ist Alles in Ordnung. Die Ziigelhalter aber blicken 
beide hinunter. Ihre eigenthümliche Stellung und 
Kopfhaltung ist durch die Gespanne gegeben, 
deren Zügel sie vorsichtig halten. Die Kopfdrehung 
des Myrtilos ist wahrsclieiulich dadurch motivirt, 
dass die Abwendung von Oinomaos ausgeilriickt 
werden soll. Eine Verletzung der i)lastischen Sym- 
metrie ist also auch hier nicht vorhanden. 

Was nun zur Beseitigung der beiden angcb- 



221 



SitzuiK'sbericlit. 



222 



liolieu Uebelstäiule im dritten ^'cl•sll(■lle voige- 
schlag-en wird, führt entwfdci- zu unvcikemibaren 
Uebelständen, oder ist der Kaumverliältiiisse wegen 
uniiiöglicli. T^iipassend ersclieint es, weun 1) das 
Viergespann rechts gar keinen Lenker hat (sol- 
len wir uns die Zügel, deren Bohrlöcher vor- 
liandcn sind, schlaft' zu Bodeu lallend vorstellen?), 
1*) Mj-rtilos als in Gedanken versunkener Greis 
hinter seinen Rossen sitzt, 3) eine Zofe der Ste- 
rope mitten in der Aufstellung der Gespanne un- 
mittelbar vor der entscheidenden Aktion zu den 
Füssen der Königin kauert. Unmöglich aber ist 
es, wie nachher Herr Grüttncr an der im Giebel- 
rahmen aufgestellten Jlodellfigur nachwies, das 
Vorderpferd vom Gespann des Pelops zurückzu- 
schieben und unter demselben einen die Hufe 
untcrsuclienden Diener anzubringen. (Dies Motiv 
war in der von H. Strack und Curtius 1852 verüft'ent- 
lichten Restauration schon versuchsweise in Anwen- 
dung gebracht worden.) 

Seitdem es zum ersten Male vergönnt ist, einen 
Tempelgiebel des fünften Jahrhunderts in voller 
Figurenzalil zur Anschauung zu bringen, ist auch 
die Frage nach den Gesetzen der Symmetrie inner- 
halb der Giebelcomposition in ein neues Stadium 
getreten. Die Frage ist noch coutrovers. Es ist 
noch die Ansicht einiger Gelehrten, dass es sich 



vorzugsweise um eine Symmetrie in den plastischen 
Umrissen und Linien handle, während die Andern 
verlangen, dass die ihrer Bedeutung nach sich ent- 
sprechenden Gestalten auch zur Rechten und Linken 
die entsprechenden Stellen haben müssen. Die 
letztere Ansicht wird durch die Restauration des 
Osfgiebels sowie durch die Beschreibung des Pau- 
sanias als die richtige bezeugt. Die ganze Com- 
position ist ein vollkommen durchdachtes Werk, 
jede Figur steht an ihrer richtigen Stelle. Sieht 
man den einen Rosselenker vor den Rossen, so 
sucht das Auge den andern an derselben Stelle. 
Hätte einer von ihnen hinter den Gespannen ge- 
sessen (wo ihn die Pferde, wenn sie unruhig wur- 
den, sogleich fortgeschleppt hätten), so müsste das 
Zügelwerk an dem ganzen Rumpfe des Vor- 
derpferdes entlang gezogen gewesen sein, und 
davon müssten Befestigungslöcher an demselben 
zu erkennen sein. 

Herr Grüttner sprach sich auf Grund seiner 
dreijährigen Beschäftigung mit den Bruchstellen 
des Ostgiebels, während welcher jede Möglichkeit 
der Ergänzung im Einzelnen erwogen sei, zum 
Sciilusse dahin aus, dass man, von der festen 
Gruppe der rechten Ecke ausgehend, zu keiner an- 
deren Aufstellung der 21 Figuren gelangen könne 
als zu der von Curtius vertretenen. 



Archäolog. Zt';. Jahrgang XLH. 



16 



8CULPTUREN 

(Tafel 

Der Cult und Tempel der iliscben Atliena, 
welche schon in der Ilias und den kyklischen Epen 
eine bedeutende Rolle spielen, treten in der Ge- 
schichte des historischen Uion noch mehr hervor. 
Fast überall, wo die Stadt erwiilint wird, geschieht 
es wegen jenes altehrwördigen Ileiligthunis. Xerxes, 
Mindaros, Alexander, die Diadochen besuchen 
dasselbe und bringen in ihm Opfer dar, und noch 
höher steigt sein Ansehn unter der römischen Herr- 
schaft, als die Hier die Aeneassage zu ihren Gunsten 
beim Senat und später bei den Kaisern geltend zu 
maclieu verstanden. Bis in die Zeit Julians stand 
ein Tempel der Athena Ilias umgeben von einem 
Temenos und waren die Kunstwerke in ilim 
wohl erlialten, während man allerdings an dem 
Gebäude selbst aus Rücksicht auf den religiösen Fa- 
natismus einiges hatte zerstören müssen '). Diese 

') Julian, epist. ed. Henning (Hermes IX S. 258 f. = S. 603 f. 
eJ. Heitlein): ijoioot' (axir ' ExioQng onov ^nixoüg iairixii' «)'- 
tfpiKf h' vi'idxii) ßi>ct);iT, Totrw 701' /.tiyav BVi(mr)aa%' 'Ayillia 

xctrct TÖ vnai'lQOv ßitäi'awfitv, ((fiv, fni io i^S 'Ikiu- 

1)05 HOriviii r(uiros, 6 Jf {}[i]yüoiOi) xni fiiii.n nooOvfjtog 
äni'iyuy^ ue xtä nj'^wff lor vtMV xki ännuj u«i>Tu(iov/.tfro; 
(n^d'ii^^ fioi Tiäi'in nxQißwg nüiu itt üytilfittia .... nf<fr\vt 
yün ovöiv oväuuov jmv itijMV riihxrjxiög (tlrjydaio;) nXriv 
oXlyoiv TiKviänaoi Xiüwv fx xalvfifiaio; (so Hertlein statt 
xnT(t).v/jarog), iva avjiu aiaCcv ^l;j tk loiTtd. Von der Basis 
einer älinliclien Statue wie die Hektors stammt wohl die nach 
der Huchstabenlorni der Kaiserz.eit zuzuschreibende Inschrift 
C.I.a. 3C06: 

lAlEiCTO'' 
nATPION0E 

ov A I NEIAN 

Hektors Statue kann man sich dem auf Münzen von llion dar- 
gestellten weitausschreitenden Hektor ähnlich denken, ebenso 
wie das auf denselben sich findende Bild der Athena in archaisch 
gefälteltem Gewand, mit Polos, Speer und Spinnrocken, oft'enbar 
eine Nachahmung des Cultbildes im Athenatempel (s. Appian 
Mithrid. ä?>, Apollod. HI 12.2,2, Servius zur Aeneis H ICtJ, wo 
zu lesen: dicilui- Finihrtae fjnidcnii liomanus inveutinn indi- 
Arcliiinl,>^.. V.x;. .lalu-im- XLll. 



VON ILION. 

14.) 

Nachrichten der Schriftsteller werden durch die 
beträchtliche Anzahl der Inschriften von llion be- 
stätigt, welclie von der Zeit des Antiochos Soter 
bis in die spätere römische Kaiserzeit liinabgehen 
und zu einem grossen Theile sich auf das Heilig- 
thum der Athena und ihre zwei Feste, die neuen 
und die kleinen Panathenäen, beziehen"). In 
jüngster Zeit ist ilire Zahl durch die Ausgrabungen 
Scliliemanns bedeutend vermehrt worden. Derselbe 
fand 1872 die bekannte schöne Heliosmetope'). 
Sie gehört nach den Maassen zu dem grösseren 
Tempel, dessen Reste Schliemann gleichfalls ge- 
funden liat und den er sicher richtig als den der 
Athena bezeichnet'). Bei der Veröifentlichung der 
Metope bemerkte E. Ctn-tius*), dass wohl noch an- 
dere ähnliche Stücke vorhanden sein würden, und 
diese Vermutlmng wurde bestätigt. Schon in den 
'trojanischen AlterthUmern' waren Ornamentfrag- 
mente aus Marmor als zum 'Minervatempel' gehörig 
bezeichnet und nebst anderen Resten von Iliou 
abgebildet worden*). Gelegentliche Erwähnungen 

casse) ist, und wir der Gruppe des Romulus und Remus unter 
der säugenden Wiiltin sowohl auf den Münzen als auf dem 
im Theater gefundenen Relief in Clipeusforra (Schliemann, 
Troja S. 236) begegnen. Ueber die Münzen s. Schliemann Ilios 
S. 713, wo Abbildungen gegeben sind, und Troja S. 2-45f. 

-■) C.I.G. 3595, 3598, 3599, 3601 — 3605, 3607, 3610, 
3620, 3622. Nachträge zu den Inschriften geben Schliemann 
Ilios S. 699 f., Troja S. 252 f. und Lolling Miltheil. des athen. 
Inst. 1884 S. 69f Die recht zahlreichen Notizen der Schrift- 
steller über llion sind am besten von Böckh zu C. 1. G. 3595 
gesammelt und verarbeitet. Vgl. Schliemann Ilios S. 193 f. 
Noch nicht herangezogen sind die Epigramme anth. Pal. IX 28, 
102—104, 387 und anth. Xa(. 411K. 

3) Schliemann Trojan. Alterth. T. 30 und 31, Ilios S. 695, 
K. Curtius Arch. Ztg. 1872 S. 57 f. T. 64. 

*) Troja S. 227, Ilios S. 35. 

») A. a. Ü. S. 59. 

") Taf. 167, 189. 

17 



225 



0. Rossbach, Sculptiircn von Ilion. 



226 



anderer Sculpturfragniente, auch einer 'unvollen- 
deten' (?) Metope finden sich in dem späteren Werk 
'liios' ')• Jetzt hat Schlicmann in seiner neuesten 
Schrift 'Troja' eine dankenswerthe Nachlese auch in 
dieser Hinsicht gegeben. Wir finden auf S. 221f. 
Abbildungen von vier nach Maassen, Stil und Material 
zu derselben Reihe wie die Heliosdarstellung ge- 
hörenden Metopen*). Architektonisch interessant 
ist der Umstand, dass ähnlich wie die in eine Ecke 
gehörende Heliosmetope mit den zwei an sie an- 
stossenden Triglyphen aus einem Block gearbeitet 
war, auch die anderen Metopen, welche keine Eck- 
stücke bilden, je mit einer Triglyphe verbunden 
waren. Leider genügen die Holzschnitte in der 
jüngsten Schliemann'schen Publikation nicht, um 
ein sicheres Urtheil über den Stil der Sculpturen 
zu ermöglichen'). Ich gebe daher auf Tafel 14 
neue Abbildungen derselben und füge eine kurze 
Beschreibung hinzu. 

Die unter Nro. 1 abgebildete Metope (Breite 
0,78, Höhe 0,608, Dicke 0,328, Relieferhebung bis 
0,08) ist oben uud an der 1. Seite stark beschä- 
digt; auch hat das Relief stark gelitten. Eine 
nach 1. schreitende, kopflose weibliche Figur (Vor- 
deransicht) in langem, flatterndem, dorischem Chi- 
ton mit Gürtel und Ueberschlag hat mit dem 1. 
Arm, an dem sie einen runden Schild trägt (Innen- 
seite sichtbar), einen nach r. zurückgesunkenen Krie- 
ger (Seitenansicht) im Haar erfasst und holt mit 
dem r. ausgestreckten Arm zum Stoss mit der 
Lanze gegen ihn aus. Er ist völlig nackt, trägt 
am 1. Arm einen runden Schild (Ausseuseite sicht- 
bar) und sucht mit dem r. seinen Kopf, der fast 
völlig zerstört ist, von ihrem Griff zu befreien. 

') S. 697. 

*) Die bei Schliemann Troja S. 221 abgebildete Metope, 
welche sich nicht in Berlin befindet, gehört wie die Helios- 
metope auch dem Fundort nach zu dem grösseren Tempel. Die 
übrigen Stücke waren nach verschiedenen Orten verschleppt, 
doch kann ich nach eigener Anschauung versichern, dass Mar- 
mor, Stil und Maasse sich nicht von denen der in Ilion gefun- 
denen Metopen unterscheiden. 

'-^ Nur die Zeichnung der Athenametope (S. 223), wiklie 
übrigens nicht, wie man nach Schliemanns Worten annehmen 
könnte, von R. Schöne herrührt, macht eine Ausnahme, doch 
hat auch sie ofl'enbar durch die Repioiluction an Deutlichkeit 
verloren. 



Trotz des Fehlens der Aegis ist sofort klar, dass 
die weibliche Gestalt niemand anders sein kann 
als Athena. Auch über ihren Gegner wird man 
nicht lange iu Zweifel sein. Denn in welchem 
Kampf wird die Göttin häufiger und gerade in 
Werken der dekorativen Kunst mit grösserer Vor- 
liebe dargestellt als in der Gigantomachie und zwaj- 
mit ihrem speciellen Gegner Enkelados? Dass 
dieser nicht in der für die Giganten der späteren 
Zeit charakteristischen Bildung, mit Schlangen- 
füssen, dargestellt ist, wird nicht befremden, da er 
auf dem grossen Fries des pergamenischen Altars 
als nackter, schöner Jüngling gebildet ist, ebenso 
wie viele andere Giganten. Auch scheint die Bil- 
dung gerade des Enkelados mit Sehlangenfüssen 
erst in der römischen Kunst aufgekommen zu sein. 
Denn dieser sind zwei Reliefs, das eine aus Bronce 
im Museo Kircheriano (abgebildet Journal of hellenic 
stiulies 1883 zu S. 90), das andere aus Terracotta im 
Berliner Antiquarium Nr. 697 (in Unteritalien gefun- 
den) sicher zuzuweisen. Beide haben die Misch- 
gestalt, während sonst der überlieferte Typus der 
ganzen Darstellung nur wenig verändert ist. 

Nur den Rest einer Kampfscene zeigt das als 
Nro. 2 abgebildete Bruchstück eines Metopen- und 
Triglyphenblockes (Metope: Erhaltene Breite 0,45, 
Höhe 0,615, Dicke 0,346, Relieferhebung 0,062; Tri- 
glyphe: B. 0,58, erhaltene Höhe 0,595, D. 0,374, 
Tiefe der Canäle 0,047). Es ist die obere Ecke der 
r. Seite der Metope, von dem Relief jedoch nur wenig 
erhalten. Man sieht den stark bestossenen, behelm- 
ten Kopf, die Schultern und den 1. Oberarm eines 
nackten Kriegers (Vorderansicht). Gegen ihn war 
von 1. ein runder Schild ausgestreckt, von dessen 
Rande noch ein Rest mit dem Porpax und an diesem 
wieder das Fragment einer 1. Hand erhalten ist. 
Zwischen welchen Gegnern der Kampf stattfindet, 
lässt sich nicht entscheiden, da es keineswegs nöthig 
ist, dass alle Kampfdarstellungen der Metopen zu 
einer Gigantomachie gehörten, vielmehr, wie wir 
sehen werden, ein Relief auf einen anderen Kampf 
hinzuweisen scheint. 

Wegen der Aehnlichkeit der Darstellung er- 
wähne ich hier eine Metope, die nicht in Berlin 



227 



0. Rossbaeli, Sculpturen von Ilioii. 



228 



befindlich ist und für welche ich auf die Abbildung 
bei Schlieraann S. 221 verweisen muss. Auch hier 
ist die Metope und die 1. Triglyphe aus einem 
Stück gemeisselt und nur der r. Rand der Metope 
abgebrochen. Das Eelief dagegen ist stark be- 
schädigt: es fehlt der r. Arm der 1. Figur und 
der 1. uud das 1. Bein der r.; ferner hat, soviel 
die Abbildung erkennen lässt, die ganze Oberfläche 
der Körper stark gelitten, namentlich sind die 
Köpfe bis zur Unkenntlichkeit entstellt. Dage- 
gen ist die Darstellung völlig klar. Ein nach 1. 
weit ausschreitender Krieger mit kurzem Chiton 
und Panzer (?) hat einen vor ihm ins Knie ge- 
sunkenen, mit etwas längerem Chiton bekleideten 
Gegner mit der E. im Haar gepackt und bedrohte 
ihn wahrscheinlich mit einer in der L. erho- 
beueu Waffe. Der 1. Arm des Unterliegenden 
scheint auf dem 1. Knie zu liegen, während der r. 
wohl flehend oder abwehrend nach oben ausge- 
streckt war. Beide Krieger sind in Seitenansicht 
dargestellt. 

Grösseres Interesse bietet das unter Nro. 3 abgebil- 
dete Bruchstück der 1. unteren Ecke einer Metope 
(Erhaltene Breite 0,617, H, 0,465, D. 0,255, Relief- 
erhebung bis 0,072). Was von dem Relief erhalten 
ist, befindet sich verglichen mit den bis jetzt be- 
schriebeneu Stücken in recht gutem Zustande und 
zeigt besonders in der Behandlung des Nackten 
eine ähnlich sorgfältige, künstlerisch vollendete Ar- 
beit wie die Heliosmetope. Wir sehen eine nach 
1. zurücksinkende, männliche, bis auf ein an den 
Schenkeln anliegendes Gewand nackte, jugendliche 
Gestalt, deren Unterschenkel und Schultern nebst 
Kopf und 1. Arm fehlen. Das Abnehmen der 
Kräfte ist treff'lich durch den sclilaflf herabsinken- 
den r. Arm und den in seinem oberen Theile etwas 
vorgeneigten Oberkörper ausgedrückt. Diese Ge- 
stalt wird durch eine andere, welche gebückt hinter 
ihr steht und mit kurzem Chiton und Hosen be- 
kleidet ist, unter den Armen unterstützt und vor 
völligem Hinsinken bewahrt. Der Oberkörper der- 
selben ist abgebrochen. Dies Motiv ist namentlich 
durch zwei Gruppen des Frieses von Phigalia be- 
kannt, wo eine Amazone ihre zu Tode getroffene 



Schwester in ganz ähnlicher Weise aufrecht hält 
(Westseite 1 '"), Osfseite 15), doch findet es sich 
auch auf Savkopliagen mit Darstellungen des Todes 
der Niobiden und des Iphigeneiamythos "). Da die 
beiden letzteren Deutungen nicht in Betracht kom- 
men können und die sinkende Gestalt sicher männ- 
lich ist'"), so bleibt nur noch die Möglichkeit einer 
Scene aus einem Kampfe mit Barbaren. Dafür 
spricht vor allem die Trac])t der stehenden Gestalt; 
ein weiteres Argument hoffe ich später beibringen 
zu können'^). Ob durch die Beschädigung der 
Metope eine dritte Figur verloren gegangen ist, 
könnte fraglich erscheinen, doch bin ich nicht ge- 
neigt CS anzunehmen, da die nur wenig gekrümmten 
Beine des Verwundeten den übrig bleibenden, nicht 
gerade bedeutenden Raum genügend füllen. Ausser- 
dem wird aber in unseren Metopen wie nament- 
lich die mit dem knieenden Krieger zeigt, das Ge- 
setz der RaumfUllung nicht so streng wie in älteren 
Kunstwerken befolgt, und ein Angreifer oder theil- 
nahmsvoUer Zuschauer passt nicht zu der Gruppe, 
findet sich auch nicht auf den erwähnten ähnlichen 
Reliefs. Dagegen ist es recht wohl möglich, dass 
diese Metope mit einer der ihr benachbarten in 
Zusammenhang stand, eine Erscheinung, die wir 
schon bei den Parthenon- uud Theseionmetopen 
beobachten. 

Es gilt nun den Sculpturen womöglich ihren 

'") loh iülye der von Overbeck angenommenen Zählung 
K. Langes. 

1') Overbeck, Gallerie heroischer Bildwerke T. XXX 1, 
Stark Niobe und die Niobiden T. IV. 

'^) Ich bemerke dies wegen Scbliemann , welcher ebenso 
wie sein Zeichner sich durch die jugendlichen, etwas weichlichen 
Formen imd einen Bruch in der Brustgegend hat irre leiten 
lassen. Die Spuren des wie bei dem Gegner der Athena abge- 
brochenen Gliedes sind auch in unserer Phototypie, deren 
Aufnahme unter ziemlich ungünstigen Bedingungen erfolgen 
musste, XU erkennen. Auf die weichlichen, runden Formen 
des Kopfes des Helios ist von E. Curtius a. a. 0. S. GO mit Recht 
hingewiesen worden. Auch der ausgestreckte r. Arm desselben ist 
voll und zart gebildet. Uebrigens waren die im Eelief nicht an- 
gegebenen Wagenräder, die Geissei oder die Zügel in der r. Hand 
offenbar in Farbe ausgeführt. Stilistisch sehr ähnlich ist der 
Heliosmetope die von E. Maass (Annali delV inslitulo 1881 iav. 
d'agg. E) herausgegebene Terracottametope von Pästum, welche 
Dionysos und Selene auf einer von Stieren gezogenen Biga 
darstellt. 

'•') S. Anm. 32. 

17* 



229 



0. Rossliach, Sculptiireii von Ilion. 



230 



Platz in der Kunstgeschicbte anzuweisen. Doch 
wird an der Hand von ausschliesslich stilistischen 
Kriterien eine genaue Zeitbestimmung kaum zu 
geben sein. Denn die lebhaften Bewegungen der 
Kämpfer, die flatternden Gewänder, die weich- 
liche Bildung des menschlichen Körpers, der 
schwermüthige, fast schmerzliche Zug des Helios- 
kopfes '*) und die eigeuthümliche Bildung des 
Haares desselben, alles das sind Eigenthümlich- 
keiten, welche der ganzen hellenistischen Kunst ge- 
meinsam sind. Keine genauere Zeitbestimmung 
giebt ferner der doppelte Strahlenkranz des Helios, 
für den E. Curtius auf Münzen von Keos und 
Alexanders I. von Epeiros hingewiesen hat"); eben- 
sowenig auch die architektonischen Beobachtungen 
der Architekten Schliemanns '"). Dagegen darf man 
sich nicht durch Einzelheiten, wie namentlich die 
Bildung der Pferde des Helios, verleiten lassen 
unsere Sculpturen in der erwähnten Kuustepoche 
zu hoch hinaufzurückeu, etwa in eine Zeit, als noch 
starker attischer Einfluss vorhanden war. Denn 
wenn auch, wie E. Curtius treffend bemerkt (S. 58), 
das Vorderpferd einer 'Studie nach dem Parthenon- 
friese' gleicht, so findet sich dieselbe Bildung mit 
dem starken Hals, der kurz geschoreneu Mähne 
und dem gedrungeneu, mächtigen Leibe auf 
beträchtlich späteren Denkmälern ''). Doch ist es 
auch nicht uöthig- trotz der Bemerkungen von Ad- 
ler") über den geraden Abschluss der Triglyphen- 
furcben, welchen er an Denkmälern römischer Zeit 
wiederfindet, bis in diese Zeit hinabzugehn"). 
Schliemann"") setzt nun den Tempel im Anschluss 

'^) S. Conze über den Gesichtsausdnick in der Antike in 
den Preuss. Jahrb. 1S74 S. 36 f., 39f. Es ist derselbe Zug, 
welcher bekanntlich in seiner höchsten Potenz sich in den 
schmerzvoll verzogenen Brauen, der Stirn und dem Mund des 
sogenannten sterbenden Alexander, des Laokoon, mehrerer 
Giganten im grossen Friese von Pergamon u. a. ausspricht 
und wie in der Metope immer mit einer Wendung des Koples 
verbunden ist. 

''•') A. a. O. S 59, vgl. Stephani Nimbus und Strahlenkranz 
S. JOl (461), S. 26 (386). 

'«) Troja S. 220. 

") S. z. B. Monum. deW inst. VI, VII S4, 1. 

'*) Bei Curlius S. 59. 

'••») S. Anm. 32. 

'">) Troja S. 227. 



an Strabo (XIII 593) noch in das vierte Jahrhun- 
dert V. Chr. und lässt ihu von Lysimachos gebaut 
sein. Aber gerade dasjenige, was nach ihm Strabo 
berichtet, dass Lysimachos einen Tempel der 
Athena in Ilion gebaut habe, besagt jene Stelle 
nicht. Ich theile dieselbe, da wir sie noch ander- 
weitig nüthig haben werden, unten in ihrer ganzen 
Ausdehnung mit"'). Zunächst sieht man aus ihr, 
dass zu Alexanders Zeit ein Tempel der Athena 
vorhanden war, den er nicht ausbaute oder durch 
einen neuen ersetzte, sondern nur mit Weihge- 
scheuken schmückte. Auch Diodor (XVIII 4) führt 
unter den von Alexander geplanten, aber von seinen 
Nachfolgern nicht ausgeführten Bauten ausdrücklich 
diesen Tempel auf. Wenn es weiter bei Strabo 
heisst, dass Lysimachos iu der durch Synoikismos 
der umliegenden Ortschaften vergrösserteu und 
mit einer Mauer umgebenen Stadt einen Tempel 
baute, warum soll damit gerade der Tempel der 
Athena gemeint sein? Gerade die unbestimmte 

■-') XIII p. 593 C. § 26 (s. Gaede Demetrii Scepsii quae 
supersimt, Greifsw. 1880, p. 27): irjv äi riüv 'li-ifiüv nokiv iiäv 
vöv T^iog fi'tv xojurji' Hval ifuni 7ü hnov eyovaav jq; Ht'trircii 
fjtixQov y.(u tvjilh, 'AXf^uvdijov öi ävaßävTa fiHÜ t!]V (nl 
riHtvCxo) v(xr]v <tvct!>riuttai re xoG/^itjacti i6 ieyov xai Ttqoaa- 
yOQfCaai nöi-iv xaX oixaiiofticti; ära).nßih' nrioaia^tti roTf 
ini/jikrjrciTi iXfvit^oav je xqTvui xai ciifOQOv • vmtoov öi 
fiiic'i ji]V xeiTnt.vntv KÖi' Iltgadiv iniajoXriv xc<TciTi€/jipcii ifi- 
).c(i'!>o(anoi> vmayvoiiMVOV noXir li Jioiijnni fjfyuXriv xid 
Ifnor IniarjuOTaiüV xia nj'öii'K c'tnoiStQfii' i'fpo'r ■ ,ufT« ä'i 
Trjr (xtivov ifltvjrjV Avaluuyni fiiiXiara jijg nöXtia; Inifte- 
Xt'iDtj xiii vtwv x«itaxtvaot xa'i jsT/oi niQiißdkijo oaov 
TtjittcjcixoiiK oiuöiwv, avvioxia^ ts fig «inj)' t((i; xvxXo> 
TjöXng ttii/«i'«g t'iifr] xexaxoju^rccg. xii, 

p. 094 § 27; xal rö "tXiov (J' o rvv Iml xio/.t6noXig iig 
riv, oit 77OWI0I' Pcuftatoi T/jf Idaing In^ßrjaav xal fifßaXoi' 
'Ariioxov töf ii^yur ix lijs hiög Toij Tca(iov. (/»joi yovv 
^i)fjriT(iing i ^xriiijiiig fJdQiixiov imd'rjfirinttg itg irjv noXiv 
xcir fxfd'ovg Toie xctigoiig oi/tcu? (öXiyioQrjjjfyrjV iiSeiy Tfji' 
xmoixlciv loart ,urjd't xtQajJunüg f/f/v rtis aj^ycig. 'llyi]an'ii'ui 
lU 7oiif raXuiug nfnuKoOf'i'jng (x lijg Evminrig itrtißrjVKi fitv 
fig iijv nöXiv iSto/j^vovg fyvucaog naoit XQrjficc iS' (xXinfh' 
iSiü TO ehii'xiniov • varigov Ö' in av6i>itiaaiv (Oye nok- 
XrjV. th' Ixcixuiaav aviriv nnkiv ot filtä ^pi/jßyCov P(u/iaiot 
Xttßövjig fx noXiOQxittg Iv i(ü MilfQu^inixo) 7ioXf/jm. avvi- 
■n(uii!>t] äi ö 'l'ifißntftg intiro) OinXfoiM •^hXi'ixxif) Tcifiiag tiqo- 
ynnia,')iin (nt xbv ßliUoiJcirrjV xcniimnaidoitg ili xct'i ävf- 
X(br löv vnujor 7tK7f< BiDvvkiV icviog xcniojuOrj xi'fitiog J>ii 
ajocaiug xiü TKjoatXOtov lig "IXiov ov iSeyofi^yojy iiviov nur 
'IXidov lüg X)jairiv ßi'av it {ucU'ti die Hss., von Meineke ver- 
bessert) nttoatfdjti xcä öixccjicCoug ctlgti. xie. 



231 



0. Rossbacli, Sculptureii von Ilion. 



232 



I 



Bezeichnung: — mindestens wäre der Artikel zu 
erwarten — spricht für irgend eine andere Gott- 
heit, etwa den C.I.G. oü'JU erwähnten Zeüt; Uolievg^ 
da sonst der so gut untcrriclitete Strabo die Be- 
merkung nicht unterlassen haben würde, dass das 
alte Heiligthum der Athena durch ein neues ersetzt 
wurde. Aber wer sagt uns, dass ein Neubau 
desselben gar so dringend nöthig war? Wir haben 
ja gesehen, dass es sich, als altberühmter Tempel, 
unter Alexander noch in dem Zustande befand, 
dass es die sicher priiclitigen Weihgescbenke des- 
selben aufnehmen konnte. Nach Lysimachos brach 
eine traurige Zeit über ganz Kleinasien wie über 
Ilion herein (vgl. das Orakel der Phaennis bei Pau- 
sanias X 15,2f.). Um 215 v. Chr. wurde es nach 
Polybios (V 111) von einem Gallicrschwarm belagert. 
Derselbe Gewährsmann weiss allerdings, dass es 
durch die Bewohner von Alexandreia Troas entsetzt 
wurde, aber Hegesianax bei Strabo (S. 594) be- 
richtet, dass die Gallier Ilion in Besitz genommen, 
jedoch bald darauf wieder verlassen hätten, weil 
sie den unbefestigten Platz nicht halten zu können 
glaubten"). Das sind Unfälle, von denen wir 
durch zufällige Ueberlieferung etwas wissen; wie 
sehr aber die Stadt durch die fortwährenden Wirren 
der Diadochenzeit herabgekommen war, das zeigt die 
Nachriclit des Deuietrios von Skepsis, eines Augen- 
zeugen, welchen Strabo hier namentlich citirt, ob- 
gleich er seinen Tgcoixog öiänoofiOi; in dem ganzen 
Abschnitt über die Troas hauptsächlich benutzt"^). 
Demetrios war als Knabe zur Zeit des Krieges 
zwischen Rom und Antiochos nach Ilion gekommen 
und sah die Stadt in so verkommenem Zustande, 
dass sie nicht einmal mehr Ziegel auf den Dächern 

--) Dioysen Gesch. des Hellenismus II 348 Anm. 2 giebt 
dieser Ueberlieferung mit Recht den Vorzug vor der des Poly- 
bios, welche Böckh a. a. O. veithcidigt. Polybios benut«te wohl 
eine Quelle, welche die Sache für die Hier und die Bewohner von 
Alexandreia Troas möglichst günstig darstellte, vielleicht den aus 
der letzteren Stadt selbst gebürtigen Hegesianax. Gerade die 
besondere Hervorhebung der rühmlichen That der Alexandriner 
(oiix eiyurj; 7t(>i(iig) scheint darauf hinzuweisen. Auch eine 
Combination beider Nachrichten ist möglich, wenn man an- 
nimmt, die Gallier hiitten die schlecht befestigte Stadt auf die 
Nachricht vom Anrücken der Alexandriner verlassen 

2'') S. Niese im Rhein. Mus. XXXII S. 86 Anm., Gaede 
Deuietrii Scejjsii quae snpcrs. S. 13 f. 



hatte. Es liegt nicht der geringste Grund vor, 
diese Angabe zu bezweifeln, und eine derartige 
Stadt verdient, selbst wenn sie noch Mauern hatte, 
den Namen xci)/.innnkts, welchen ihr Strabo für 
diese Zeit giebt-'). Der alte Tempel der Athena 
wird aber in einem entsprechenden Zustande ge- 
wesen sein und selbst wenn man die kaum glaub- 
liche Möglichkeit festhält, dass das von Lysimachos 
erbaute Heiligthum der Athena geweiht war, so 
kann auch dies recht wohl in jenen Unglücksjahren 
zerstört oder stark beschädigt worden sein. Weiter 
fährt nun aber Strabo fort: varsgov d' inavÖQ&coaii' 
saxE rroAAryv"). Dies vaT£()ov wird durch den Zu- 
sammenhang auf die Zeit zwischen dem Gallier- 
einfall, beziehungsweise dem Krieg mit Antiochos 
und der Einnahme durch Fimbria beschränkt, also 
auf die Jahre 215, beziehungsweise 190 bis 85. In 
dieser Zeit herrschte aber gerade die reiche, pracht- 
liebende Dynastie von Pergamon (241 — 133), welche 
durch ihr Verhältniss zu Eom, das schon einmal 
einem hellenistischen Herrscher die ihm stammver- 
wandten Hier empfohlen hatte*''), darauf angewiesen 
war für dieselben zu sorgen. Dass Attalos I. (241 — 
197) die Bürger für ihre Treue auszeichnete, wissen 
wir aus Polybios (VTS"'), ""d C.I.G. 3G1G zeigt 

■-'*) ßoeckh a. a. O. hält die Bezeichnung xiouänolig für 
unrichtig, weil bei Livius XXXVII 37 erzählt wird, das Heer des 
L. Scipio habe unter den iVlauern von Ilion gelagert, aber ein- 
mal besagt eine derartige Erwähnung derselben nicht genug, um 
die Annahme zu verbieten, dass wir es nur mit einem gewöhn- 
lichen terininus technicus zu thun haben; und dann ist es auch 
keineswegs unmöglich, dass eine xojuönoln mit Mauern um- 
geben ist, die ja stark beschädigt und nicht vertheidigungsfähig 
sein können. 

'^) Diese Worte machen den Eindruck , als wenn sie an 
Stelle einer längeren Aufzählung des Demetrios ständen. 

-^) Suet. Claud. 2.5: Iliensibus, quasi liomatiae f^enlis 
auctoribus, (Claudius) tributa in perpeluum remisit recitata vetere 
epistula Graeca senatus populiquc Romaui Seleuco regi amicitiam et 
socieiatem ita demum pollicenti, si consanguineos suos Ilimses ab 
omni onere immunes praesiiiisset. 

■'') Dieser königliche Gnadenbeweis wird in's Jahr 21(5 
gesetzt, also noch ein Jahr vor dem Galliereinfall. Doch kann 
man hieran nicht Anstoss nehmen, wenn man erwägt, dass auch 
Strabos Zeitbestimmung nur eine ungelähie ist, und dass jene 
Gunstbezeugung {%i)ij/.itti(aas (fiÄui&ij'j'mios) schon nach dem 
Wortlaut keine grössere Wolilthat, sondern nur ein Ehrendecret 
oder etwas ähnliL-hL's war. Das Fragment eines solchen an die 
Hier von einem hellenistischen Herrscher, in welchem Francke 
(Richter'sche Inschriften S. 437) einen Attaliden vermuthct, und 



233 



0. Rossbeicli, Sculpturen von Ilion. 



234 



die Existenz einer (fvXfj IdixaVis in Ilion, eine 
ausseroi-dentlicbe Elirenbezeugung, welche gewiss 
ihren guten Grund hatte. Nun ist die Vorliebe 
der pergamenischen Herrscher für den Cult der 
Athena bekannt, und wenn Strabo gerade für diese 
Zeit von einer "Wiederherstellung der Stadt spricht, 
welche Vermutliung liegt da näher als die, dass 
sie den Plan des grossen Alexander ausführten und 
an Stelle des alten, jetzt sicher baufälligen oder 
zerstörten Tempels einen neuen würdigeren errich- 
teten oder wenigstens die Hier beim Bau that- 
kräftig unterstützten? 

Zu derselben Annahme nöthigen gewisse Beob- 
achtungen an den Sculpturen. Ich lege weniger 
Gewicht auf manches Stilistische, was uns schon oben 
zur Heranziehung der pergamenischen Reliefs ver- 
anlasste, ebenso wenig auf die bedeutende Aehn- 
lichkeit der Athenametope mit der Athenagruppe 
vom pergamenischen Altar, ein Vergleich, welcher 
sich wohl jedem Beschauer bei dem Anblick jener 
aufdrängt. Trotzdem auch dies nicht zu unter- 
schätzende Beweismoniente sind, so wiegen sie für 
sich allein betrachtet nicht schwer genug, denn die 
Stileigeuthümlichkeiten berechtigen zu keiner ge- 
naueren Datirung, und die Aehnlichkeit der einen 
Scene lässt sich auch durch die so oft zu beob- 
achtende Ueberlieferung des gleichen Schemas für 
die gleiche Darstellung erklären. Wichtiger ist 
schon, wenn wir in der Ausführung des Detail eine 
überraschende Aehnlichkeit finden. So kehrt die 
Innenverzierung des Rundschildes der Athena durch 
Kreise und an dieselben sich anschliessende Kreis- 
ausschnitte nicht nur auf den Reliefs der Giganto- 
raachie''"), sondern auch auf einer Kampfscene des 
'l'elephosfrieses wieder"). Völlig entschieden wird 

worin ein früherer Brief und Wciligeschenko an die Athena Ilius 
erwähnt werden, ist nocli erhalten {C.l.G. 3G05). 

'i*) Athenagruppe (abgebildet im Jahrb. der liünigl. preuss. 
Kunstsammlungen 1: Conze, Ilumann u. s. w., vorläufiger Be- 
richt T. IV = Overbeck Geach. der griech. Plastik '11 Fig. 132 A) 
und die mit 11, K, M bezeichneten Reliefs. Ueber die Verzie- 
rungen der Schilde s. H. Brunn die kunstgeschichtliclie Stellung 
der pergam. Gigantomacbie iui .Jahrb. der königl. jireuss. Kunst- 
sammlungen V (1884) S. 23Gf. 

•") Krwähnt in der Beschreibung der pergamen. Bildw. 
herausg. von der Generalverwaltung der kgl. Museen, 0. Aufl. 
S. 24. 



die Sache durch zwei technische Momente. Ein- 
mal liess sich durch genauen Vergleich an den 
Bruchstellen constatiren, dass die Metopen aus 
demselben ziemlich grobkörnigen, weissen und 
nur ganz wenig ins Blaue spielenden Marmor an- 
gefertigt sind wie der grosse und kleine Fries'"). 
Dann ist aber auch die Art der Vereinigung einer 
Platte mit der anderen völlig übereinstimmend. Be- 
kanntlich spielt in der Architektur der hellenistischen 
Epoche im Gegensatz zu der klassischen Zeit der 
Bleiverguss bei der Verbindung von Werkstücken 
eine grosse Rolle. So finden wir in Perga- 
mon (z. B. au der r. unteren Ecke des Zeusreliefs 
der Gigantomacbie), um eine Platte an der Schmal- 
seite mit dem unter ihr befindlichen Werkstück zu 
vereinigen, das eigeuthümliche Verfahren, dass unten 
an der Stossfläche von der Rückseite aus ein schrä- 
ger Canal hineingearbeitet ist, welcher etwa in der 
Mitte der Dicke der Platte endigt. Von den bei- 
gedruckten Skizzen giebt die grössere eine Seiten- 
ansicht dieses Canals (die glatt erhaltenen Theile 
der Stossfläche sind weiss gelassen, die beschä- 
digten schraffirt), die kleinere einen Durchschnitt 
des Loches, in das er mündet. Durch den Canal 
wurde offenbar das geschmolzene Blei um einen 
Eisendübel herumgegossen. Einen gleichen Canal 
finden wir aber auch an der Athenametope von Ilion 
völlig an derselben Stelle wie an dem Zeusrelief. 

Hierdurch ist, wie ich glaube, der genügende 
Nachweis erbracht, dass die Sculpturen des Athena- 
tempels und mithin er selbst ungefähr derselben Zeit 
angehören wie die Reliefs des grossen Altars von 

'■"') Seine Herkunft ist noch unbekannt; er wird wohl 
in Kleinasien selbst gebrochen sein. Das Material der Helios- 
metope wurde bei ihrer Auffindung für parischen Marmor er- 
klärt, doch ist dieser feinkörniger. Eine zweite gleichfalls in 
Ilion (s. zwei Basen im Schliemann- Museum Inv. 5589, 5590) 
imd l'ergamon vorkommende, stärker ins Blaue spielende und 
deshalb für bessere Sculpturen nicht verwendete Marmorart wurde 
ollenbar schon im Alterthum von der anderen kostbareren unter- 
schieden, da es C. I. G. 3595,55 heisst: tl/.uva XQvatjV Qiv- 
Tio^ov) ((p i'nnov (v toi iiQoi riji 'A!tt]räs If Tw (nitfavtaiuiiit 
Tonoi ini ßi'ifJUTOi roO liuxov ).(llov und 3598,19: ttVetyQci- 
!/'[«( j6(h lü ifi)i(fiOfiu lii atrilui äüo] luv ).tvxov XiSov. Auch 
in der von Schliemann Troja S. 235 veroftentlichten , auf einer 
'weissen Mannorplatte' eingegrabenen Inschrift ist mit Sicher- 
heit: yjji'iltfia^ua (Ig nT>]/.iiv xov [i.tvxoü XtOuv th] TO it»öc 
liyi- ^AShit'üq zu ergänzen. 



235 



0. Rossbacli, Sculptnrpii von Tlion. 



236 





l'ergamon, und wolil auch von Küustlern derselben 
Schule, vielleicht sogar auf Befehl desselben Herr- 
schers, Eunienes II. (197 — 159), angefertigt sind ^'). 
Der spätere Brand des Tempels bei der Eroberung 
Ilions durch Fimbria hat nach Schlieniann's Beob- 
achtungen (Troja S. 226 f.) mehr das Innere und 
die obersten Bauglieder wie die Sima betroffen'^), 
so dass auch der schon an und für sich kaum 
glaubliclien Annahme, der Tempel mit seinen 
Sculpturen sei nach der Fimbrianischen Zerstörung 
errichtet worden, jeglicher Halt entzogen wird. 

Als weitere Reste der Metopen führt Schlie- 
mann") einen Athena- und einen Pferdekopf auf, 

•^') Da auf diese Weise die Sculpturen nahe an die rö- 
mische Zeit herungeiüclft sind, so findet die angeführte Be- 
merkung Adlers ihre Erledigung. Auch ein Barbarenkampf, 
wie «ir ihn in der einen Metope sahen, hat gerade bei einem 
Tempel, welcher in der Zeit der Gallierkämpfe mit Unter- 
stützung eines pergamenischen Fürsten errichtet wurde, seine 
besondere Berechtigung. 

^-') Man sieht hieraus, wie sehr Appian übertreibt, wenn 
er Mithrid. 53 sagt: xed oix6nf<Sov oi'Jh' — ovd' hoov oiiJ' 
<cytc).un ^v. Dagegen spricht Strabo nur von einer Scliiidigung 
der Stadt, ein neuer Beweis für seine Zuverlässigkeit. 

'ä) Troja S. 240 f. 



welche sich wahrscheinlich in seiner Sammlung in 
Athen betinden. Ausserdem besitzt das Berliner Schlie- 
mann-Muscum das abgeschlagene Vordertheil eines 
männlichen, jugendlichen Kopfes (auf unserer Tafel als 
Nro.4 in grösserem Massstabe wie die übrigen Stücke 
abgebildet"), welcher zwar stark beschädigt ist, aber 
nach Stil, Material und Grössenverhältnissen sicher 
zu den Metopen gehört. Der Mund ist so weit ge- 
öffnet und die Oberlippe so sehr in die Höhe gezo- 
gen, dass man versucht sein kann an einen Ster- 
benden aus einer Kampfscene zu denken. Endlich 
sind unter den auf den Tafeln : 119, 120, 136, 137, 
155, 158, 167, 189 der 'trojanischen Alterthümer' ab- 
gebildeten Marinorfragmenten einige, die als Reste 
ilischer Sculpturen einer genaueren Untersuchung 
wohl werth wären, wenngleich keines zu den 
Metopen zu gehören scheint. 

Otto Rossbach. 



^*) Trojanische Alterth. T. 34 nr. 852 wird eine ungenü- 
gende Abbildung gegeben. 



237 



238 



BEITRÄGE ZU DEN 
GRIECHISCHEN VASEN MIT MEISTERSIGNATUREN. 



(Tafel 15. 

Der Besuch niebveier öfifentlicher und privater 
Vascnsaiumlungeu'), sowie die Durchsicht des 
Apparates im archäologischen Institut zu Eom 
setzen mich in Stand, zu der ungemein nütz- 
lichen Zusammenstellung „griechischer Vasen mit 
Meistersignatuven" von Klein (Separatabdruck aus 
Band XXXIII der Denkschriften der Wiener Aka- 
demie) eiue Reihe von mehr oder minder wich- 
tigen Verbesserungen und Ergänzungen zu geben. Ich 
benutze zugleich die Gelegenheit einige der hierher 
gehörigen Vasen zu veröffentlichen. Blosse Be- 
richtigungen zu Kleiu's Angaben sind in kleiner 
Schrift gegeben, die Namen der hier zuerst nach- 
gewiesenen Künstler mit einem Stern bezeichnet. 
Amasis (Klein a. a. 0. S. 20). 

3. Beschrieben von F. v. Duhu im Bull. d. 
Jiisi. 1878 S. 206; Fundort Orvieto; Höhe c. 26 cm. 
Die Vase befindet sich jetzt in der Sammlung 
Bourguignon zu Neapel. Eine eingehende Be- 
schreibung ist angesichts unserer Tafel 15 nicht 
nöthig. Auf A handelt es sich schwerlich, wie Duhn 
meint, um Flucht und Verfolgung, sondern es 
sind in wenig prägnanter Situation zwei ruhig nach 
links gehende Krieger dargestellt, von denen der 
ersterc sich umwendet. Zwischen ilmen steht 
AMA^I^MErOIE^EN 

— Duhn übevsali das ft — ; das Gleiche ist nach 
Analogie von No. 1. 4. 5 auch auf B zu ergänzen. 

— In Feinheit und Fleiss der Zeichnung, sowie 
in Art der Darstellung berührt sich die Vase eng 
mit No. 1. 

Timagoras (Klein S. 23). 

2. Zeichnung im Apimiat des archüol. Instituts zu Koni. 

Nikosthenes (Klein S. 24). 
Es kommen neu hinzu 
71. Kleine sfg. Amphora mit gewöhnlichen Henkeln 

') Es sind besonders folgende: Museo Gregoriano zu Rom, 
Musco Tarquiniese und Saninilung der Gräfin Bruschi zu Corneto, 
Museo Ktrusco zu Florenz, Vasensammlung der arcliäolog. Ge- 
scllschuft zu Athen, Museo nazionale und Sanmilung IJourguignon 
zu Neapel, Vascnsammlung König Ludwigs I. zu München. 



16. 17.) 

in Corneto, Museo Tarquiniese. Dicht unter dem 
Hals 

A. rechts und links von einem Dreifuss ein 
Faustkämpfer. Die Insclirifc 

NIKO^OENE^EPOIE^EN 
ist neben der Darstellung im Bogen geschrieben. 

B. Die gleiche Darstellung ohne Inschrift. Vgl. 
das Bild am Hals von No. 30 und 33. 

72. Efg. Kautharos in Corneto, Sammlung Bruschi. 

A. Oberer Streifen: Dionysos mit rechts ge- 
wandtem Kopf nach links gelagert, hält in den 
Händen Weinreben und Trinkhorn. Unterer Strei- 
fen: Herakles kämpft mit dem Löwen; rechts davon 
kleine Figur mit Pileus, wohl lolaos. 

B konnte ich leider nicht sehen, doch steht 
die Publikation in den Institutsschrifteu bevor. — 
Gewöhnliche Meister-Inschrift am Fusse des Ge- 
fässes. Klein S. 24 und 32 (zu Nr. 68. 69) bezwei- 
felt, dass Nikosthenes bei rothfigurigen Vasen mit 
seinem Namen der Maler sei. Jedenfalls würde er 
sich auf dem Kautharos von einer ganz neuen, vor- 
theilhafteren Seite zeigen. 

Tleson (Klein S. 33). 

14. Zeichnung in Ajjparat des Instituts zu Rom. 

Uebersehen ist 

34. Schale, nur mit Inschrift, im Museo Gre- 
goriano (No. 201). 

Hermogeues (Klein S. 37). 

15. In der Th:it dieselbe Darstellung wie auf P-' und i'S, 
was Klein vermulhete. 

Charinos (Klein S. 40). 

1. Das unter dieser No. beschriebene Gefass befindet sich 
nicht in Berlin, sondern im Museo Tarquiniese zu Corneto. 

Zu den beiden Nummern bei Klein kommen hinzu 
3. 4. Trinkgefässe von gleicher Art wie 1, in 
Berlin und (wie Furtwängler im Berliner Vasen- 
katalog mittlieilt) in Petersburg, fast identisch mit 
einander und zu Vulci in demselben Grabe ge- 
funden. Die Haube des Kopfes ist netzartig bemalt; 
unter der Mündung ein Palmettenstreif. Auf dem 



239 



P. J. Meior, Zu floii Vasen mit Meistersignaturen. 



240 



Henkel ist eingeritzt 

+ APINO^ EPOIE^EN. 
Vgl. llelbig Bull. (l. Inst. 1883 p. IGöf. 
* Chiron (vgl Klein S. 8G). 
Kleine Schale im Museo Gregoriano (No. 229). 
Sic ist nacli Art der Schalen des Tleson 1 — 11 nur 
mit Palnietten au den Henkeln verziert. Auf jeder 
Seite +IPON ETOIE^EN- Das + ist beide Mal 
etwas undeutlich geschrieben und gleicht einem 
^, doch steht die Lesung fest. Vermuthlich ist 
auch auf dem Fragment zu Athen bei Benndorf 
Vasenb. XII f) der erste Buchstabe nicht ein E, 
sondern ein +. 

*Sikelos. 
Panatiienäische Preisamphora im Museo nazionale 
zu Neapel (No. 112, 848) aus Tarent, wohl dem 
5. Jahrhundert angehörig. 

A. Athena zwischen Säulen, auf denen je ein 
Halm sitzt. Links twv 'Ad^rjvi^d^ev a&)Mv^ rechts 
eingeritzt in den schwarzen Firniss 

^\KElO^ EPPAcD^EN. 
Pamphaios (Klein S. 41). 

5. Im Innern ist ebenso wie bei 3 nml 4 ein biirtiges 
Gorgoneion dargestellt. 

8. Gehört zu KIa>se II, da nur die Aussenbilder rotb, das 
Innenbild dagegen schwarz ist. Am Fusse steht PAA'fflAlOS 
MEPOIESEN — Klein be.icbtet das fj nicht — ; doch ist der 
Zweifel über die Zugehörigkeit des Fnsses, der Museo Gregoriano 
p. 13 zu Tafel 64,4 geäussert ist, wohl begründet. 

12. Klein giebt die Inschriften nicht genau wieder: 

I. HO PAIS KAUOS. 

A. Rechts von Herakles AKUES. 

Heibig erkannte {Eatl. d. inst. 1877 p 114) rechts von der 
Flügelfigur auf K_vkno^' Seite OS, was er zu xnlug ergänzte; doch 
steht deutlich <t>OBOS da, der Name des Wagenlenkers, und 
hierdurch wird Heydenianns auf Grund der Berliner Kanne bei 
Gerhard A. V. Tat". V22i. aufgestellte Vermuthung, die Figur sei 
'I'ößoi zu nennen, bestätigt 

25. Der Zeichnung im Ajjparat des Instituts zufolge steht 
auch HEUE NE auf der Amphora. Die Meisterinscbrift lautet 
4>AI<t>AIOS EPOIESEN; der Zeichner hat ein „sie!" dazn- 
geschrieben. 

Neu kommt hinzu 

28. Sfg. Schale älterer Form aus Orvieto, in 
der Sammlung Bourguignon zu Neapel. Die Zeich- 
nung ist mit schwarzem, an den Rändern heller 
werdendem Firniss und rothbrauner Farbe (in 
unserer Publikation, Taf. 1(3,1, schraffirt) etwas flüch- 

Archiiolü!?. Ztjr. .hihr^fang XLII. 



tig auf weissem Pfeifenthou ausgeführt. Der Contur 
ist nirgends gravirt. Der ganze Fuss ist neu. Durch- 
messer 20'/, cm. 

1. Ein bärtiger Reiter mit Petasos, Chlamys und 
zwei Speeren sprengt nach rechts; unter ihm läuft ein 
Hund. Die heller gezeichneten Theile sind von 
einem Vasenrestaurator in S. Maria di Capua sehr 
geschickt mit Bleistift auf der Schale ergänzt. Ueber 
dem Reiter nach Aussen gerichtet die Inschrift 
rANtDA'O^ EPOIE^N (sie!). 

A. B. Jederseits zwei Panther, einander gegen- 
überstehend, die Köpfe dem Bescliauer zugewendet. 
Neben den Henkeln sind Palmetten gezeichnet. — 
Die Schale steht, was Technik und Darstellung 
betrifft, unter den'Gefässen des Meisters einzig da. 

Schalen mit dem Schlagwort snoieaev 
(Klein S. 50). 

7. Auf A EPO ElpSEA/. 

Hinzu kommen 

10. Museo nazionale in Neapel; vgl. Heydemauns 
Katalog 2614. Ein Künstlername hat dort nicht 
gestanden. 

11. Kleine Schale aus Orvieto im ältesten rfg. 
Stil, olme Aussenbilder, Juli 1884 im Kunsthaudel 
gesehen. — Ein Mann sitzt nach rechts auf dem Bo- 
den, fasst mit der Linken an die Scham einer rechts 
von ihm stehenden nackten Frau, welche das linke 
Beiu hoch aufhebt, und hält eine Lampe in der 
Rechten. Links am Rand steht f^l ^EN; sonst 
kann nichts dort gestanden liaben. 

Epilykos (Klein S.51 und 87). 
1. Zeichnung im Apparat des Instituts. Der bärtige Hermes, 
in der Linken (sie!) eine Blume haltend, steht ruhig nach rechts. 
Das S des Meisternamens fehlt. Im Katalog Canipaua IV GG9. 

3. Fragmente eines kleinen becherartigen Ge- 
fässes aus Vulci, jetzt im Berliner Museum, auf 
Tafel 17,1 in natürliclier Grösse publicirt. Es 
Hess sich ermitteln, dass das Gefäss in der Höhe 
der Basislinie, auf welcher die Zeichnuug steht, 
einen Durchmesser von 10,8 cm. hatte. Von der 
einen Seite sind auf vier zusammengehörigen Frag- 
menten vier Figuren, von einer fünften links ein 
Fuss, von einer sechsten rechts der Zipfel eines 
Gewandes erlialten. Links stehen zwei Männer 
einander gegenüber; der Eine trägt in der Linken 

18 



241 



P. J. Meier, Zu den Vasen mit Meistersignaturen. 



242 



au einem Bande einen zerstörten Gegenstand (ein 
Salbfläsehchen"?), in der Rechten zwei Speere, die 
vermuthlicli auf der Schulter auflagen; der Andere, 
über dessen Schulter ein mit Pünktchen verziertes 
Gewand geworfen ist, streckt gegen den Gefährten 
die lechte Hand aus und hält in der liukeu einen 
Krückstock. — In lebhafter Unterhaltung begriffen 
ist aucli das zweite Paar. Einem ruhig dastehenden, 
nackten Jüngling sitzt auf einem Stuhl ein anderer 
gegenüber, der um den Unterkörper ein Gewand 
geschlungen hat. Ein Jeder streckt die eine Hand 
aus und trägt in der andern eine grosse Blume. 
Das Haar der drei erhalteneu Köpfe ist mit einem 
Epheukranz umwunden, die Wange mit spärlichem 
Bart versehen. — Zwischen dem ersten Paar ist der 
Rest des eyQaqa ENj über dem zuletzt beschriebenen 
Jüngling EP t l,\/ xog erhalten, dem vermutblich 
nach Analogie von No. 1 bei Klein ein >ca?.6g resp. 
xalöjg hinzugefügt war. Ob die Sclialen mit 'Eni- 
Xvxog xaXog ohne Verbum, also No. 2 und die S. 87 
nachträglich verzeichneten dem Meister dieses 
Namens angehören oder nur eine Lieblingsiuscbrift 
tragen, ist nicht auszumachen; angesichts der Vase 5 
des Euthymides (vgl. unsere Bemerkungen unten 
S. 252) und No. 12 des Kachrylion ist auch 
Ersteres möglich; jedenfalls bat aber auf No. 1 
und der neuen Vase der Meister sich genannt. 
— Sonst sind nur noch zwei aneinander passende 
Fragmeute mit den Resteu zweier nach links ge- 
wandter Figuren erhalten. Die eine ist in den 
Mantel gehüllt und hält in der Linken vermuthlich 
die Hand eines Gefährten. Hir folgt ein Jüngling, 
der ein Plektron und eine Schildkrötenleier hält. 
Das eine Bein ist weit vorgesetzt, der Oberkörper 
rückwärts gelegt, eine Bewegung, die bei ähnlich 
ausgerüsteten Theilnehmern eines xajfing häufig 
wiederkehrt. Rechts von ihm schliesst eine Palmette 
die Darstellung ab. Da sich zwischen diesen 
Personen die Reste eines zweiten eyga (|)^EN be- 
finden, auch, wie es scheint, hier ein xcüfiog dar- 
gestellt war, so werden wir dieses Stück als Gegen- 
seite des anderen zu Ijctrachten haben. — Die Zeich- 
nung ist noch etwas unbehülHich, aber sehr sauber; 
Details am Körper sind fast gar nicht augegeben; 



die Gesichter mit ihren etwas unförmlichen Nasen 
machen eiuen burlesken Eindruck ■)• 

Jlemnonvasen (Klein S. 52). 

Neu: 

18. Rothfigurige Schale zu Florenz. 

I. Reiter uach links. MEMNON KAUO^- 

A. Quadriga nach links. MEMNON KAUO^- 

B. Zwischen zwei Kriegern, die gegen einander 
losstürmen wollen, befindet sich ein Mann, in Mantel 
gehüllt und mit Lanze versehen, in heftiger Auf- 
regung. MEMNON KAUO^ AMOiDO+O- 

Euphronios (Klein S. 59). 
Derselbe charakteristische Gesichtstypus, wie 
ihn die Figuren des lunenbildes auf der Theseus- 
schale des Meisters und mehrere Panaitiosschalen 
(vgl. unten) haben, findet sich, worauf mich der 
Direktor Milani aufmerksam machte, auf einer rfg. 
Am])hora zu Florenz, welche Heydemann Mittheilnn- 
gen aus den Antikensammluugen S. 92 No. 37 be- 
schrieben hat. Ich stehe nicht an, das vortrefflich 
gezeichnete Gefäss als Werk des Euphronios zu be- 
zeichnen, von dem ja nach Kleins Vermuthung S. 59 
auch eine bezeichnete Amphora existirt, und bemerke 
ferner, dass ähnliche Gefässe (Fig. 63 und 68 in 
Heydemanns Neapler Vasensammlung) existiren, die, 
noch strengen Stils, aber meist flüchtiger Ausführung, 
lebhaft an Darstellungen des Duris oder Hieron 
erinnern, so dass sie wenigstens als Schulgut dieser 
Meister angesehen werden müssen. Dahin rechne 
ich a) Museo Gregor. LVIII 1 («. Diskobol ß. Mann 
mit Mantel und Krückstock); b) ibid. No. 92 (nicht 
publicirt, Fig. 68 bei Heydemann: a. Jüngling mit 
Mantel und siebensaitiger Leier einer auf den Stock 
sich stützenden Mantelfigur gegenüber; dazwischen 

^ Xur in äusseilicher Verbindung mit dem beschriebenen 
Gefäss stehen zwei Fragmente, die wir ebenfalls (auf Tafel 17,2) 
veröffentlichen. Sie gehören einer gleichartigen Vase an, sind 
mit den Epilykos-Fragmenten im gleichen Grabe gefunden und 
belinden sich auch im Berliner Museum, Doch sind die Scher- 
ben viel dünner, und die Darstellung zeigt eine Hand, welche 
bedeutend feiner zeichnen konnte. Beide Stücke bildeten den 
Abschluss je einer Seite, der durch Kanken und Palmetten ge- 
geben ist. Von dem einen Bilde, das palästriscben Inhalts war, 
ist ein bekränzter Jüngling erhalten, der mit beiden Händen 
einen Diskus nach links vorstreckt, von dem andern ein prächtig 
gezeichneter, ebenfalls bekränzter und nach links profilirter 
.Satyr, der vor irgend etwas verwundert zurückfährt. 



243 



P. J Slcicr. Zu den \';iseii mit Meistersigiiatureii. 



244 



Scliwamni und IStriegel, (i. ganz fliiclitige Mantcl- 
ligur nacli recliti?); c) eine Vase in Corntto («. links: 
Mantülfiguf auf Krückstock, rechts: sitzender Epiiebe, 
ß. links: sitzender Mann; rechts: stellender auf 
Stock gestützt und ein Band haltend). 

ünzweifeiliaft geliört dem Euphronios die kleine 
Schale 515 in München an, die demnächst in 
dieser Zeitung' veröffentlicht werden soll. Die 
Gesichtszüge namentlich der Figur des Inuenbildes 
und die Art, wie bei dieser mit grösster Liebe und 
Sorgfalt der Rücken mit allen seinen Muskeln ge- 
zeichnet ist, lassen über die Zuweisung keinen 
Zweifel. — Das Signia der Inschrift innen ist beide 
Mal nur drei-, nicht vierstrichig, wie Jahn angiebt. 

Vasen mit dem Lieblingsnanien l'anaitios 
(Klein S. 62). 

Neu kommt hinzu: 

8. Rfg. Schale aus Orvieto, in der Sammlung 
Bourguignou zu Neapel. Durchmesser 22^1.,, Höhe 
10 cm. Abgebildet auf Tafel 16,2. Der Henkel 
links war bereits im Alterthum abgebrochen und 
mit Metallklammeru befestigt. Die Zeichnung ist 
sehr sorgfältig; die feineren Muskeln sind mit ganz 
hellem, nicht immer deutlichem Firniss, die Kränze 
u. s. w. mit Rothbrauu angegeben. 

I. Ein völlig nackter Jüngling steht nach rechts 
in gebückter Stellung, den linken Arm erhoben, und 
ist im Begriff einen Diskus nach hinten zu führen, 
um ihn dann vorwärts zu schleudern; hinter ihm, 
seine Figur sehneidend, leimen zwei Stangen, links 
hängt Palästritengeräth , Schwamm , Lekythos und 
Striegel. Am Rand entlang liest man PÄNAITIO^ 
KAUO^. 

Auf den Aussenseiten sind je zwei Palästriten 
in Gegenwart eines Aufsehers dargestellt. 

A. Ein Jüngling, dessen Kopf zerstört ist, geht 
nach rechts, in jeder Hand einen Halter vorstreckend. 
Rechts von ihm steckt im Boden eine Spitzhacke, 
links hängen zwei Ilalteren. In der Mitte des 
Bildes sehen wir einen zweiten Jüngling in ähn- 
licher Stellung wie sein Genosse im lunenbild. Doch 
streckt jener den linken Arm nur vor und zeigt 
den Diskus in der Seitenansicht. Jlit diesem 



Palästriten beschäftigt sich der Aufseher, der von 
rechts herbeieilt und mit der Rechten einen langen 
Stab weit vorstreckt; er ist in einen Mantel gehüllt, 
welcher nur die rechte Schulter und Drust frei 
lässt. — Zusammenhängender noch ist die Dar- 
stellung von 

B. Hier sieht der mit der entsprechenden Figur 
des Gegenbildes fast genau übereinstimmende Auf- 
seher einem Jüngling zu, der in kühnem Sprunge 
durch die Luft saust. Die Beine und die Arme mit den 
Halteren sind vorgestreckt, dadurch der Rücken stark 
gewölbt, die ganze Figur in ihrer momentanen Be- 
wegung vortrefflich der Natur abgelauscht und durch- 
geführt. Sie gewährt zugleich eine klare Vorstellung 
vom Gebrauch der Halteren beim Springen. Sie 
erhöhen die Bewegung, indem sie vorgeschleudert 
werden, müssen aber, sobald das Ziel erreicht 
ist, kräftig nach hinten geworfen werden, damit 
der Körper des Springers, der sonst in der 
begonnenen Bewegung beharren würde, fest auf 
dem Flecke stehen bleibt. — Der Sprung ist so 
wohlgelungen, dass der Palästrit links, der gleich- 
falls mit Halteren versehen ist, mit Recht darüber 
erstaunt ist. Er geht nach links, vermuthlieh um 
gleichfalls Anlauf zum Sprunge zu nehmen, wendet 
aber den Kopf und die ausgestreckte Linke zurück. — 
Alle Figuren tragen einen Myrthenkranz im Haar 
und haben auf der Backe einen schwach sprossenden 
Bart. Die Palästriten sind im Gegensatz zu den 
Aufsehern völlig nackt. 

Ich trage kein Bedenken, die Schale dem 
Euphronios zuzusprechen. Den Lieblingsnanien 
Panaitios theilt er freilich mit Duris, uicht aber 
jene Eigenthümlichkeiten der Zeichnung, die nur 
ihm angehören, ich meine ausser der sorgfältigen 
Rückeuansicht des Diskobols vor Allem die öfter 
erwähnten merkwürdigen Umrisse des Gesichtes 
mit der sehr prononcirten Nase und den lebendigen 
Ausdruck desselben. Die Starrheit, welche die Ge- 
sichtszüge auf den älteren Schalen tragen, ist völlig 
überwunden ; andererseits aber der Schematisnms 
auf denen der Durisliguren noch nicht erreicht, 
die schöner, aber weniger ursprünglich und frisch 
sind. 

18* 



245 



P. J. Meier, Zu den Vasen mit Meistersisrnatiiren. 



246 



Duris (Kleiu S. 64). 

ö. 6. 12 un.l 19 publicirt Arch. Zeitg. 1883 Taf. 1 — 3; 
vgl. ebd. S. 1 ff. 

Ausser der Schale mit dem Liebliuu-suamen 

Diogenes bei Gerhard A. V. IV 271, die ich Arch. 

Zeitg. 1883 S. 12 als Werk des Duris bezeichnete, 

siiid ihm mehrere Schalen zuzusprechen, die nicht 

allein im Stil aufFalleud mit Vasen besonders 

der entwickelteren Periode des Meisters iibereiu- 

stimmeu, sondern auch in dem Gegenstande der 

Darstellung. 

Kepliken von No. 7 bei Kleiu sind folgende 
Schalen : 

a) in Florenz, beschrieben bei Heydemann Mit- 
theil. S. 85 Xo. 9. 

b) in München 596; vgl. Jahns Beschreibung. 

c) in der Sammlung Bourguignon zu Neapel, 
„vermuthlich aus Nola." Durehmesser 30, Höhe 
12 cm. Sorgfältige Zeichnung. 

I. Auf einer Kline mit rechter Seitenlehne, vor 
der ein Tisch steht, liegt nach links ein Mann; er 
hält in der Rechten einen Skyphos, in der Linken 
die Schale zum Kottabosspiel bereit. Links von ihm 
bläst ein Jüngling die Doppelfiüte, deren Futteral 
gleichfalls dargestellt ist. Beide sind bekränzt und 
am Unterkörper bekleidet. HAUAI^ und zweimal 
KAUO^. 

A. Rechts liegt auf ähnlicher Kline, vor der ein 
Tisch steht, ein bärtiger Mann, das Gesicht dem 
Beschauer zugewendet, im Haar ein grosses Band 
mit zwei Knoten ; er hält in der Rechten eine Schale 
am Henkel zum Kottabosspiel, in der Linken eine 
gleiche, aber scliwarz gemalte. Sein Unterkörper ist, 
wie bei allen gelagerten Figuren, bekleidet. Links 
liegen auf langer Kline (vor ihr wiederum ein Tisch), 
von der die linke Schmalseife halb in Vorderansicht 
dargestellt ist, zwei Jünglinge. Der zur Rechten 
wendet sich mit seiner Schale dem oben beschrie- 
benen Manne zu; der zur Linken bläst die Doppel- 
flöte und lässt seine Beine auf der sclimalen Seite 
der Kline herabhängen. Beide sind bekränzt, der 
zur Rechten auch mit Tänie versehen. Oben hän- 
gen zwei Körbe, hinter der Kline des Mannes lehnt 
eiii Krückstock. 

HAUOI^ KAUO^. 



B. Zwei Figuren liegen gleichfalls nach links 
auf zwei Klinen (jede mit Tisch, unter der einen 
ein Skyphos); die eine rechts ist jugendlich, und 
fasst mit der Rechten den Fuss einer Sehale, während 
die Linke einen schwarzen Skyphos hält. Die 
andere wendet das bärtige Gesicht rückwärts und 
hält in jeder Hand eine Schale, deren eine wiederum 
schwarz ist. Beide sind bekränzt und tragen ein 
Band im Haar. Hir geöffneter Mund zeigt an, dass 
sie in lebhafter Unterhaltung begriffen sind. In der 
Höhe wieder zwei Körbe. Zwischen beiden Klinen 
geht nach rechts mit zurückgewandtem Kopf ein 
nackter Knabe, im braunen Haare ein röthliches 
Band. Der linke Arm ist ausgestreckt, die gesenkte 
Rechte trägt eine Kanne. Ein zweiter Knabe steht 
links am Ende der Darstellung in Vorderansicht, 
den Kopf nach links, den linken Fuss nach rechts 
gewendet. In den gesenkten Händen hält er Kanne 
und Schöpfkelle. HOTAl KAUO^. Unter dem 
Henkel links von B. HAUOI- — 

An No. 17 bei Klein erinnert auffallend eine 
Schale des .Museo Tarquiniese zu Corueto: Durch- 
messer 27'/., cm. 

I. Ein Krieger, nach links gewendet, doch so, 
dass das linke Bein von vorn dargestellt ist, streckt 
die rechte Hand vor; er trägt Helm, Mantel, der den 
Rücken bedeckt, und runden Schild, auf welchem als 
Zeichen ein schwarzer Vogel mit Band im Schnabel 
nach links angebracht ist. Das Gesicht des Kriegers 
ist sehr fein ausgeführt, der Augapfel nach vorn ge- 
rückt, die Innenzeichnung reichlich; selbst die 
Schamhaare sind angegeben. Der Stil entspricht 
am meisten der Berliner Zweikanipfschale Arch. 
Zeitg. 1883 Taf. 3. Der untere Theil der Beine 
des Kriegers ist fast mit der ganzen Aussenseite B 
abgebrochen. Liuks vom Krieger ist in groben, 
dicken Zügen ^OJAM geschrieben. Das Bild ist 
mit einem Mäander eingefasst. 

A. Fünf Figuren sind im Gespräch mit einander 
begriffen. Die Beschreibung beginnt links: Ein Manu 
mit Himation und langem Stock ist einer stehenden 
gleichfalls bärtigen Mantelfigur, welche die Rechte 
ausstreckt, zugewendet. Zwischeu ihnen ist, zur 
Hälfte sichtbar, ein Schild aufgehängt. Ein Jünglinge 



247 



P. J. Meier, Zu den Vasen mit Meistersignaturen. 



248 



iu das Hiiuatiou gehüllt und mit gekriiiiinitem Stock 
veisciieu, sitzt einer stellenden, bärtigen Manteitigur 
gegeuüber, welclie ihre Rechte auf den Stock stützt. 
Zwischen ihnen hängt wiederum ein Schild. Zum 
Schluss folgt eine stehende Mantelfigur (Vorderan- 
sicht), deren rechter Fuss nach links gerichtet ist; 
der Kopf fehlt. Zwischen ihr und der vorher- 
gehenden ist eine Sturmhaube angebracht. 

15. Erhalten ist nur links das Ende eines Stockes 
und rechts der Untertheil einer Mantelfigur. 

Unter dem Henkel flanken. Unter dem Fuss 
eingeritzt Vü/ 

Abgesehen von einigen Amphoren, die unter 
Euphronios erwähnt sind, stehen unter dem unmittel- 
baren Einfluss des Duris folgende beiden Gefässe: 
a) Schale des Miiseo Gregor. LXXIII 2 (No. 181). 
An Duris und zwar an seine Schale mit Schul- 
sceue (Klein 9) eriuueru besonders die verschiede- 
neu Gerüthe, die zwischen den Figuren in der Höhe 
angebracht sind. Doch ist die Zeichnung nicht 
sehr sorgfältig. Jenes gilt auch von der Schale • 
b) im Museo nazionale zu Neapel, bei Heyde- 
mann 2645 beschrieben. 

Hieron (Klein S. 68). 
Zu deu von Klein aufgeführten 21 Gefässen 
kommen: 

22. Fragmente einer Schale aus Orvieto, jetzt in 
der Sammlung Bourguignon zu Neapel ; abgebildet 
Tafel 17,3. 

Vom Innenbilde sind erhalten die FUsse einer 
nach rechts gewendeten Figur im Mantel (a), der 
ohne Zweifel eine zweite gegenübergestellt war. 

Aussen waren Männer und Jünglinge im Ge- 
spräch mit einander dargestellt. Auf dem grössten 
Bruchstück (A), welches links eine Seite abschloss, 
sind zwei Männer im Mautel erhalten, die sich auf 
ihren Krückstock auflegen; auf einem kleineren (A'), 
an welchem rechts der Henkel sitzt, sehen wir einen 
vielleicht sitzenden Jüngling mit Mantel und Krück- 
stock, der iu der erhobenen Rechten gewiss eine 
Blume hielt. Sonst sind ein bärtiger Kopf nach links 
(A') und Beine einer Mantelfigur nach rechts (A') er- 
halten. Auf dem Henkel ist in den schwarzen 
Firuiss eingeritzt HIEPON EPOIE^EN- Die Ober- 



fläche der Fragmente hat durch Wasser stark ge- 
litten. Die Zeichnung ist völlig frei und unge- 
zwungen. 

23. Bisher selbst von den Museumsbeamten 
gänzlich übersehene Schale im Museo Etrusco zu 
Florenz. Sie stammt aus der Sauunlung Campana 
und ist aus vielen Scherben zusammengesetzt. Der 
eine Henkel ist sicher nicht zugehörig, auf dem an- 
deren, dessen Bruch leider nicht unmittelbar an eine 
Scherbe anschliesst, steht mit braunem Firniss auf 
deu Thon aufgetragen HIEPON EPOIE^EN- Dass 
derselbe zur Schale gehört, schien Milani und mir 
auch der Stil der sorgfältigen Zeichnung zu beweiseu. 
Eine Publikation steht bfvor. 

I. Eine geflügelte Frau, von der nur der obere 
Vordertheil des rückwärts gewendeten Kopfes mit 
Haube, der Theil eines Flügels, der rechte Fuss und 
ein kleiner Theil des unteren bauschigen Gewandes 
erhalten ist, eilt nach rechts. 

A. Zwei Krieger knieeu zu beiden Seiten eines 
niedrigen Postamentes, auf welchem links 5, rechts 
3 Steine liegen, zu denen jene je einen weiteren 
zu legen im Begriff stehen. Von dem Krieger reciits 
ist nur ein Theil der Hand und des linken Beines, 
sowie der hinter ihm befindliche Helm erhalten. 
Jenseits desPostamentes steht Atlieua( Vorderansicht), 
den Kopf nach links gewendet, die Rechte auf eine 
Lanze gestützt, in der Linken einen Schild mit 
Gorgoneion haltend. Rechts davon kämpft ein 
Krieger vermuthlich mit dem Schwert — wenigstens 
fehlt es in der Scheide — gegen einen am Boden be- 
findlichen Gegner, der bis auf den Obertheil seines 
Helmes abgebrochen ist. Links dagegen verlässt die 
Scene ein Krieger, der iu die Trompete bläst und 
bei dieser Thätigkeit, wie wir es auch sonst häufig 
sehen, die Linke in die Seite stemmt. 

B. Sechs Krieger, denen die zuletzt beschriebene 
Figur von A zu folgen scheint, eilen nach links; 
zuerst ein Paar Lanzenschwinger (am Schilde des 
vorderen ein Schurz, und als Zeichen ein schwarzer 
Kentaur mit Baumstamm nach links), dann ein ähn- 
licher Krieger mit Chlamys und oben gewelltem 
Chiton (Schiklzcichen: scliwarzer Mann mit Keule 
nach links eilend), ein vierter, jedoch den Kopf, 



249 



P. J. Meier. Zu den Vasen mit Meistersignaturen. 



250 



über den der Helm mit dem doppelten Bügel gezogen 
ist, von vorn dargestellt, (Schildzeicbeu: schwarzer 
Pegasus nach links), ein fünfter, die Lanze zum Stoss 
bereit haltend (Schildzeiehen: schwarzer Kentaur mit 
Stein nach links), zuletzt ein Krieger in skythischer 
Tracht mit Lanze. 

Mit Eecht schreibt Klein (S. G9) dem Hieron die 
Schale des Museo Gregoriano LXXX, 3 (No. 191) zu, 
um so mehr, als einige Figuren stilisirte Blumen 
halten von einer Form, wie sie nur Hieron malt. 
Jetzt sind sie fast ganz verblasst und deslialb bei 
der Publikation übersehen. 

Ebenso sicher gehört ihm eine unbezeichnete 
Schale an'), die ich im Juli 18S4 zu S.Maria di 
Capua im Kunsthandel (bei dem Advokaten Calli- 
fano) sah: 

L Jüngling im Mantel, auf einen Stock gelehnt, 
mit stilisirter Blume. 

A. Eine Figur nach links mit rückwärts gestelltem 
Kopf; zu beiden Seiten je eine Figur auf Stock, 
die zur Rechten mit Blume. 

B. Jüngling nach rechts; links davon bärtiger 
Mann mit Beutel, rechts Jüngling mit Blume. Beide 
stützen sich auf den Stock. — Sämmtliche Figuren 
von A und B sind in den Mantel gehüllt. 

Brygos (Klein S. 73). 

4. Herr Dr. Purgold hat im Juli 1883 die Aussenseiten 
der Schale revidirt und mir in liebenswürdiger Weise seine 
Notizen zu beliebiger Verwendung gegeben. Die Inschriften 
find nach ihm sehr verblasst, aber sicher echt. 



.Schwer zu deutende Reste, die auf einen Namen auf — ar.'Jri; 
schliessen lassen. Vor dem zurückgewendeten Kopf der entsetzt 
nach links fliehenden Frau vermag ich keine Buchstabenspuren 
mehr zu erkennen, obwohl ich nicht zweifle, dass auch ihr 
Name hier geschrieben war." 



Purgold ergänzt QQaavur'id'rig. Doch zweifelte Hevde- 
mann, der gleichfalls die Schale untersucht hatte, ihm gegen- 
über, dass zwischen O und S. Platz für zwei Buchstaben sei. 



d. 



3 + A /v\ 




V\ 



Purgold ergänzt den vertical geschriebenen Namen zu 
JoQvjÄttXos oder EvQvfta^^Oi. 



A /v /l V T '^ A 



^W 



A /v\ o 




BPVAOSEPOIESEA^ 




•'') Es ist möglich, dass der oben erwähnte Vasenrestaurator 
von S. Maria, der von meiner Vermuthung indirekt geliürt hatte, 
inzwischen das Versäumniss Ilierons nachgeholt und den Namen 
auf den Henkel eingeritzt hat. Man beobachte demnach beim 
Ankauf die nöthige Vorsicht! 




Zur Seite des gepackten Knaben vermochte Purgold nichts 
zu sehen; ebensowenig hat er den Namen nOl-VXSENE 
bemerkt. Von dem Namen des Akamas war nur noch ein A 
erhalten. 

Durch diese Untersuchungen Purgolds sind die Räthsel, 
welche die Namengebung der Figuren bietet, nicht gelöst, aber 
doch wenigstens für jeden Deutungsversuch eine sichere Grund- 
l.tge geschaflen , indem nicht mehr die passend erscheinenden 
Namen verwerthet, die anderen vorhandenen Keste als unsicher 
bei Seite geschoben werden können. 



251 



P. J. Meier. Zu den Vasen mit Meistersignaturen. 



252 



Von uubezeichneten Scbalen möchte Brygos 
München 279 angehören; besonders sjjricht das 
lunenbild dafür, welches in seinem Gegenstand leb- 
haft au das von No. 6 bei Klein erinnert. Uebrigens 
hat jene Schale stark durch Eestaurirung gelitten. — 
Ferner habe icli im Bnlt. d. Inst. 1884 S. 45 das 
Schalenfragment bei Luyues, Vases peinis Taf. 17 
und S. 40tf. eine schöne von der Ermitage in Peters- 
burg neu erworbene Schale dem Brygos zugewiesen 
und dazu bemerkt, dass Kleins Zurückf'ührung von 
Miiseo Gregoriano LXXXV (No. 1G2) auf diesen 
Jlaler, sowie die Chronologie, welche derselbe S. 73 
von den Schalen des Brygos giebt, unrichtig seien; 
vgl. Bull. a. a. 0. S. 40,3 und 45. 

Philtias und Deiniades (Klein S. 78). 

1. München 401. Zu bemerken ist, dass die Namen des 
Tupfers und der Figuren sicher von anderer Hand geschrieben 
sind als die Worte <t>ll.TIAS EPOIESEN- Dort sind die 
Buchstaben gross und grob, hier fein und zierlich wie die 
Zeichnung selbst. Es ist also wahrscheinlich, dass in diesem 
Falle der Maler seine Signatur eigenhändig geschrieben hat, 
das Uebrige jedoch von einem Anderen, vielleicht vom Fabri- 
kanten, hinzugefügt wurde. 

2. Befindet sich im Museo Tar(|uiniese zu Corneto. 

Neu kommt hinzu 

4. Athen, Sammlung der archäol. Gesellschaft 
2786. Kleines Gefäss, dessen Körper in Form einer 
Jluschel gebildet ist; der Hals ist mit glänzend 
schwarzem Firuiss überzogen, der Oberrand da- 
gegen roth gelassen. Um die Mündung ist mit 
schwarzer Farbe aufgetragen 

0INTlA^!EPOIE^E(v 
Der Name Phiutias ist besonders in den Dorischen 
Dialekten des Westens heimisch und entspricht dem 
attischen Philtias, das sich auf 1 findet; vergl, 
Gust. Meyer, Griech. Gramm. S. 158 f. Der Maler 
muss also in Atlien eingewandert sein und das 
attische Alphabet angenommen haben, oline jedoch 



seinen Namen consequent diesem Dialekt gemäss 
zu verändern. Denn ich glaube nicht, dass allein 
aus dem Schwanken der Benennung auf einen ein- 
heimischen und einen fremden Meister zu schlies- 
sen ist. 

Euthymidcs (Klein S. 79). 

2. München 378. Es ist zu lesen auf A: PPIAMOS: 
auf B: EUEA EMOS (auch die beiden letzten Buchstaben 
sind deutlich) und TEUES- 

3. München 374. Rechts von .Ilektors" Figur ist von 
oben nach unten geschrieben : 

H<OPOU>IO 

E<rPA>ffiSEN 

EV0VMIAESES d.h. wohin), wenn nicht Dittographie 
vorliegt. 
Bei GOc'AKION ist auch der Rest des () erhalten. Rechts 
vom linken Bogenschützen liest man MAE . . . A. In der 
Mitte fehlen zwei oder drei Buchstaben. Das Signia von Eutliy- 
bolos' stö.sst an den Schluss von Hotto/IO an und wurde 
deshalb übersehen. 

ü. München 6. 

Jahn liest richtig do; Tiji'df. Der Maler hat auf dieser 
Vase das Sigma durchgehend«, z. B. auch bei xalöq, wie ein 
dickes Iota geschrieben; deshalb ist auch Ev!^v/n((5ri^ zu lesen. 
Ferner steht das M_v meist verkehrt: W , so in dem Worte 
Euthyinides' des Hauptbildes und zweimal in Tlempolemos'. Im 
Hauptbild bezieht sich nicht der Name Euthymides, sondern 
Tlempolemos auf den Jüngling; ersterer bezeichnet vielmehr den 
Meister, dem auf dem Schulterbild ein zn/lo'?, bez. xn}.t!>g bei- 
gegeben ist; vgl. Klein S. öl und 87 unter Epilykos. Die Lesung 
SOI 1 AS ist entschieden falsch. Das Facsimile bei Jahn giebt 
die Züge genügend wieder. 

Hypsis (Klein S. 81). 

Der Palmettenstreifen auf seiner Hydria ist roth auf schwar- 
zem Grund ; nur bei der Einrahmung des Halsbildes ist das Um- 
gekehrte der Fall. NE AI OS beruht auf unsicherer Lesung; 
ferner ist zu lesen ANTIOPEA. 

Hermonax (Klein S. 81.) 

1. Zeichnung im Apparat des Instituts zu Rom. 

4. Jetzt in der Sammlung Bourguignon zu Neapel. 



Braunschweig. 



P. J. Meier. 



253 



254 



NEUE UNTERWELTSDARSTELLUNGEN 
AUF GRIECHISCHEN VASEN. 

(Tafel 18. 19.') 



Die bereits veröffentlichten Darstelhuigeu der 
Luterwelt auf griechischen Vasen zerfallen in zwei 
Gruppen. Die erste wird durch die drei grossen, 
relativ vollständigsten Darstellungen dieses Gegen- 
standes auf den Amphoren von Canosa-München 849, 
Altamura-iS'eapel 3222, und Euvo- Karlsruhe 4 ge- 
bildet'). Die zweite umfasst eine doppelte Anzahl 
abgekürzter und grösstentheils verflachter Darstellun- 
gen auf fünf Amphoren, zwei Xeapler: einer aus 
der Jatta'schen und einer aus der Sammlung Sant- 
angelo Ko. 11, drei Petersburger No. 424, 426, 498 
und einem Oxybaphou der ehemaligen Sammlung 
Blacas^). Ich bin in der Lage, zwei neue Dar- 
stellungen hinzuzufügen: die eine bisher gänzlich 
unbekannte auf zwei Fragmenten einer Vase im 
Museum zu Karlsruhe, deren Zeichnung sich unter 
dem Vorrathe der archäologischen Zeitung befand*), 

') Die frühere Literatur und die rublicationeu: Canosa-M.: 
MiUin, descript. des tombeaux de Canose t. 3 — 6. Braun, Ännali 
1837 (IX) p. 219. luv. d'afjg. I. Welcker, Arch. Ztg. 1S43 
p. 177fr. Gerhard, a. a. U. p. 193f. t. XII. 1. Müller- 
Wieseier, D. a K. I p. 54 t. LVI. O. Jahn, Vasens. zu München 
p. 273. Altamura-N. : Minervini, Bullet. deW Inst. 1S48 
p. 23. A. a. O. 1S51 p. 24 p. 38. Gerhard, Arch. Anzg. 
ISöl p. S9£. U.Köhler, Annal. 1864 p. 283 ff. ilon. delV 
Inst. VIII t. IX. Heydeniann, Vasens. d. Mus. Naz. zu Neapel 
p. SlOff. Ruvo-lC: Braun, annali 1847 p. 209 ff. Mon. II 
t. XLIX. Gerhard, A. Z. 1843 p. 194ff. t. XI Welcker, A. D. 
III p. 105 ff. — Fröhner, Vasen und Terraootten der Gross- 
herzogl. Kunsthalle zu Karlsruhe n. 4. Alle drei Vasenbilder 
neben einander abgebildet und besprochen bei V. Valentin, 
Orpheus u. Herakles in der Unterwelt. Berlin ISGö. 

'-') Literatur und Publicationen; Amphora Jatta, Neapel: 
Gerhard, A.Z. 1S44 t. XV. Santangelo: Jahn, A. Z. 1867 
p. 33 ff. t. CCXXl. Heydemann, V. S. zu Neapel p. C29ff. 
Petersburg 424: Gerhard, Arch. Zeit. 1844 p. 2-25 ff. t. XIII, 
Mystcrienb. 1 - 3. Müller- Wieseler, D. a. K. II n. 863 p. 39. 
Stephani, V. S. d. Kais. Erem. I p. 223fl'. Petersburg 426: 
Stephani, a.a.O. p. 223 ff. Petersburg 498: Gerhard, My- 
sterienb. t. 4 Stephani a. a. 0. p. 256 ff. Blacas'sches Oxy- 
baphon. London?: Gerhard, A. Z. 1844 p. 226 t. XIV. Die 
Citatc Koulez, choix de vases p. 64 und Bull. Arch. Nap. 1854 
t. 3 n. 57 konnte ich leider nicht vergleichen. 

[*) Herr Professor Furtwäugler hatte diese Fragmente der 
liedaction nachgewiesen ; Herr Geheimrath Wagner in Karlsruhe 
hat die grosse Freundlichkeit gehabt, sie nach Berlin zu senden, 
damit sie dort gezeichnet werden könnten, wofür ihm auch an 
dieser Stelle der wärmste Dank ausgesprochen werden ^oll. Ued.] 



die andere auf der Vase Santangelo 709, für deren 
Bause ich Herrn Professor Heydemann zu herz- 
lichem Danke verpflichtet bin. Bei der Besprechung 
werde ich die früher bekannten Darstellungen nur 
da heranziehen, wo es die Vergleiehuug von Figuren 
erheischt oder wo ich neue Benennungen vorschlagen 
zu können glaube und zwar wird die zweite Gruppe 
bei Einzelheiten, die erste auch bei der Frage nach 
der Anordnung des Ganzen sich förderlich erweisen. 
Vorausgeschickt sei noch, dass die Betrachtung 
der schon früher bekannten Unterweltsdavstellungen 
auf Vasen gelehrt hat oder gelehrt haben sollte, 
dass wir dieselben nicht als selbstständige Kunst- 
werke, sondern nur als mehr oder minder geschickte 
Compilatiouen betrachten dürfen. Was die neu 
edirteu Darstellungen zur Klärung dieser Frage bei 
tragen, wird den Schluss dieses Aufsatzes bilden. 



Das auf Tafel 18 in 7^ 



der Originalgrösse ver- 



öffentlichte Vasenbild von einer Amphora mit Voluten- 
henkeln in der Sammlung Santangelo zu Neapel 
(No. 709) ist kurz erwähnt und besprochen von 
E. Gerhard, A. Z. 1843 p. 191 (s. Hyperb. Eöm. 
Stud. I i)ag. 18G), von Panofta, A. Z. 1848 p. 220, 
13, von Vinet, Revue archeol. II. p. 476, von K. 0. 
Müller, D. a. K. I p. 55 und von Heydemann, V. S. 
d. ßlus. Naz. p. 816ff. Die Höhe des Gefässes be- 
trägt 0,91, der Umfang 1,64. Zu deu rothen Figuren 
finden sich Zusätze von weisser Farbe. Die Zeich- 
nung ist sehr flüchtig und nachlässig (Heydemann). 
Der Fundort ist Armentum. 

Die Hauptdarstellung am Bauche der Amphora 
zeigt uns Orpheus und Herakles in der Unterwelt, 
im Grossen und Ganzen in derselben Weise dis- 
ponirt und behandelt, wie auf den Vasen Canosa, 
Altainura und Kuvo, nur dass die Darstellung in 
zwei Keiheu zusammengezogen und, was damit zu- 
sammenhängt, der Palast der Unterweltsgötter weg- 
gelassen i.st. 

Von links oiicn beginnend begegnen wir zunächst 
der Gruppe eines Leier spielenden, lang und reich 



255 



P. Ilnrtwiir. Nene UntenveltsdarstoIInngen auf Vasen. 



256 



I 



Ijekleideteu Wauucs mit phrygist'lier Miii/.c, auf 
welchen von links ein geflügelter Knabe, ihn um- 
armend, zuscliwebt: Orpheus, und einer wciljliciien, 
langgewaudoteu Gestalt, welche von links auf iliu 
zugeseh ritten ist. Ihr mit einem Diadem geschmücktes 
Ilauiit ist iiintiMwärts verschleiert. Mit dem linken 
(stark verzeichneten) Arme lüftet sie den Schleier. 
An der Handwurzel des vorgestreckten rechten 
Armes hält Orpheus sie gefasst. Zu beiden Seiten 
von ihr befindet sieh ein Lorbeerzweig. Orpheus 
selbst ist in der Vorderansicht dargestellt mit 
einer leicliten Wendung nach links im Begriffe 
dahin wegzuschreiten; sein Antlitz dagegen ist nach 
rechts einer zweiten Gru]ipe von drei Figuren zu- 
gewendet. Ihm zunäclist und ihm zugewendet steht 
eine weibliche Gestalt mit einem Pantlier an der 
Seite, in kurzem Chiton, Kreuzbänder über der Brust, 
und in jeder Hand eine Fackel, lieber ihr hängt 
eine von der IJiickseite gesehene Trinkschale (vgl. 
Altamura und Petersburg 498), welche ebenso wie 
die weiter nach reclits hängenden Reifen (vgl. Ca- 
nosa) offenbar ein Ueberbleibsel von dem Palaste 
des Hades ist, der sich im Vorbilde an dieser 
Stelle befand. Dann folgt eine nach rechtshin thro- 
nende, aber nach links blickende, reich bekleidete, 
geschmückte und am Hinterhaupt verschleierte Frau, 
welche in der Linken ein Scepter hält, wälirend 
sie die Rechte mit dem Gestus der Gewährung nach 
rechts ausstreckt. Neben ihr steht mit vorwärts 
geneigtem Kopfe ein bärtiger, unterwärts bekleideter 
Mann, mit der Rechten auf ein Scepter (ohne Vogel- 
bekrönung) sich stützend, die mit dem Gewand ver- 
hüllte Linke in die Seite stemmend. Die Analogie 
der bekannten Unterweltsvasen gestattet uns diese 
ganze Gruppe ohne Weiteres als die Losbittung der 
Eurydike durch Orpheus vor Persephone und Hades 
zu bezeichnen. Abweichend ist jedoch auf unserem 
Bilde zunächst, dass Hades völlig passiv anfgefasst 
ist, während er auf den Bildern aus Canosa und 
Kuvo die Entscheidung fällt, um die sich Persephone 
bittend an ihn wendet. Spielt auch diese in der 
Tradition der römischen Dichter (Ovid. met. X 41 fl". 
Vergil Georg. IV485ff.) — frühere Quellen verstatten 
in diesem Punkte kein Urtheil — bei der Losbittung 

Archii.iloi;. Ztg. Jnhrgnng XLU. 



der Eurydike die Ilaujitrolle, so ist es doch für die 
Composition ohne Zweifel günstiger, wenn Hades 
mit in die Handlung hineingezogen ist. 

In der vor l'erseplione stehenden weiblichen 
Figur kann icli mit Gerhard und Heydemanu nur 
eine dienende Erinys erkennen, die, wie sonst durch 
ein umgehängtes Pantherfell, liier durch einen Pan- 
ther an ihrer Seite als eine der &r]QtvTtti' be- 
zeichnet ist. 

Die Figur links von Orpheus ist bereits von 
Gerhard, Panofka und Heydemann für Eurydike 
erklärt worden. Dass diese, um derenwillen Orpheus 
zum Hades hinabstieg, schon früher auf den be- 
kannten Vasenbildern vermisst und gesucht wurde, 
ist erklärlich'). Dagegen erachtet ^'. Valentin in 
seiner oben citirten , ästhetischen Studie ihre .An- 
wesenheit auf unseren Unterweltsdarstellungen für 
unnüthig, ja sogar unkünstlerisch. Es kommt doch 
aber sehr auf das Wie ihrer Darstellung an. In 
unserem Bilde ist sie allerdings nur zu erklären, 
wenn wir eine Zusammenziehung zweier poetischer 
Momente in einen bildlichen annehmen. Offenbar 
greitt Orpheus nocli mit der Linken in die Sai- 
ten, Hades lauscht gesenkten Hauptes, Persephone 
winkt Gewährung, und schon überredet Himeros mit 
eindringlicher Geberde den ungeduldigen Gatten 
sich nach der Geliebten umzuwenden^), ja der 
Sänger hat sie sogar schon angefasst ydQ snl xagno), 
wie auf dem Albanischen Relief. Dass aber Orpheus 
Eurydike gefasst hätte, ohne sich zuvor nach ihr 
umzuwenden, wäre sonderbar und nicht wohl mög- 
lich. Auch hier, wie in vielen anderen Punkten, 
werden uns die ungleich werthvolleren Karlsruher 
Fragmente einen Wink geben, wie wir uns Eurydike 
im Rahmen des Vorbildes zu denken haben werden. 
Rechts von Hades schliesst die obere Reihe eine 

^) Gerhard glaubte sie in der neben der Danaide mit dem 
Kruge stehenden Frau der Kuveser Vase (A. Z. 1843 p. 201) 
und in der auf der Vase Blacas neben Orpheus sitzenden ein- 
geluillten Frauengestalt zu erkennen (A Z. 1S4-1 p. 226). wo- 
gegen Welclier (A. Z. 1843 p. 189) Widerspruch erhob und 
seinerseits die auf der Vase Petersburg 49S hinter Orpheus 
sitzende Figur, jedoch auch ohne zureichende Gründe. Eurydike 
benannte. 

*) Odit verus amor nee palilur moras, miiiius dum j,roj>trat 
cernere perdtdit Seneca Herc. f. 5S8. 

19 



257 



P. Hartwii;-. Nene Uuterweltsdarstellungen tinf Vasen. 



258 



dritte Gruppe eiuer weiblichen und einer männlichen 
Gestalt, zwischen denen oben im Felde ein Schild 
und ein Schwert aufg-ehängt ist. Sie sind wie im 
Gespräche mit einander begrifien und nehmen au 
der Handlung- der Jlitte keinen Antheil. Die weib- 
liche, langgewandete Figur sitzt nach links im 
Halbprofil, während ihr Antlitz nach rechts dem 
sitzenden Jünglinge zugewendet ist. Ihre Eeehte 
ist bis an die Brust erhoben, in der gesenkten 
Linken hält sie ein Schwert in der Scheide. Eine 
Analogie finden wir auf der Vase von Canosa. Audi 
dort befindet sich, neben der Gruppe eines sitzenden 
und eines stehenden Jünglings, die man der Keulen 
wegen, die sie führen, auf Theseus und Peirithoos 
gedeutet hat, an ent.sprechender Stelle eine sitzende 
weibliche Figur mit einem Schwert in der gesenkten 
Rechten. Man hat dieselbe dort Medea benannt 
(Valentin: Elektra) und als Medea fasst auch unsere 
hier in Frage stehende Figur Heydemann auf (a. a. 0. 
p. 817). Dagegen glaubte Gerhard (A. Z. 1843 p. 191) 
in ihr eine Furie, welche den neben ihr sitzenden 
Jüngling mit dem Schwert bewacht, zu erkennen^). 
Aber hier muss uns der Mangel aller Attribute eiuer 
Erinys zu grösster Vorsicht mahnen, dort bleibt die 
Zusammenstellung der Medea mit Peirithoos und 
Theseus schwer zu erklären. In der weiter nacli 
rechts mit im Rücken geschlossenen Händen auf 
einem Gewandstück sitzenden, unbekleideten Jüug- 
lingsgestalt mit Petasos im Nacken erkennen 
wir zum ersten Male mit voller Sicherheit Pei- 
rithoos. Er ist eine der Hauptpersonen des Tar- 
taros und kann nicht wohl fehlen, denn auch er 
ist gleich Orpheus und Herakles als ein Lebender 
in das Reich der Todten eingedrungen: freilich 
steht er sonst im grellen Contrast zu ihnen, denn 
den einen führten die Götter, den anderen die Liebe, 
diesen ein frevler Uebermuth. 

Pausanias (X 29, 8) theilt uns bei der Be- 
schreibung der Polygnotischen Nekyia zwei Ver- 
sionen der Strafe des Peirithoos für den versuchten 
Raub der Kora mit, erstens die Fesselung (cf. Iloraz 

^) Eine geflügelte Erinjs mit einem Schwert in der Recliten 
findet sich nn ziemlich entsprechender Stelle iiiil' dem Vasen- 
bildc Peterbburg 426, 3. dazu Steph-ini a. a. 0. 



Od. III, 79. IV, 27: cafeiiae, rincula') und zweitens 
das Festwachsen auf einem Felsen, wofür er 
den Panyasis als Gewährsmann anführt (cf. Diod. 
4, 26. Plut. Thes. 35). Auf Canosa und Ruvo hat 
die Peirithoos zu benennende sitzende Figur die 
Arme frei, es kann demnach dort nur an die 
Strafe des Festwachsens gedacht worden sein. 
Unser Vasenbild vereinigt anscheinend beide Mo- 
mente und übertrifft somit in der Charakterisirung- 
dieser Figur alle bisher bekannten Darstellun- 
gen^). Und endlich: Schwerter spielen bereits in der 
Gruppe des Peirithoos und Theseus im Lesche- 
gemälde des Polygnot eine Rolle. . Theseus hält sie 
in Händen: 6 ds {uyßnf.tevog) ig tu ^icprj ßXsncüv 
aaziv 6 nsiQid^ovg (Paus. X, 29, 9). Wenn wir 
nun unseren Peirithoos betrachten, wie er gesenkten 
Hauptes auf das Schwert blickt, welches die Frau 
neben ihm in der Linken hält, erinnert man sich 
da nicht unwillkürlich der Worte des Pausanias und 
ist man nicht geneigt zu glauben, dass hier ein 
Zug des Polygnotischen Bildes in unsere Darstellung- 
übergegangen ist? 

Wir wenden uns nun dem unteren Streifen zu, 
wo links am Anfang zunäclist ein nackter Jüngling, 
mit einem Petasos im Rücken, Schuhen au den 
Füssen und einem Schwert an der linken Seite, nach 
links, jedoch mit nach rechts zurückgewendetem 
Haupte, vorwärts schreitet. Die Rechte ist vorwärts- 
weisend ausgestreckt, die Linke hängt herab. Die 
vorn von einer Spange zusammengehaltene Chlamys 
flattert hinterwärts im Winde. Ihm folgt ein zweiter 
Jüngling in gleichem Kostüm und gleicher Situation, 
nur ist der linke Arm höher gehoben und trug offen- 
bar einen Gegenstand: ein weiss aufgemaltes, aber 
verwischtes Kerykeion ; denn wir können nach der 
Analogie der anderen Unterweltsdarstellungen nicht 
zweifeln, dass diese Figur den Hermes vorstellt. Als 
Dritter endlich schüesst sich Herakles mit dem Ker- 
beros an, bei geringen Abweichungen im Einzelnen 
im Ganzen den bekannten Darstellungen gleich. 

S) Daran, dass jenes unter Teirithoos anscheinend auf dem 
Felsen ausgebreitete Gewandstiick hier, wie auch auf den Vaseu- 
bildern von Canosa und Ruvo, gleiclisam als mitlesigewachseu 
zu denken ist, wird Niemand ernsten Anstoss nehmen wollen. 



259 



P. Hartwig, Neue UiiterweltsdarstelluiiiTeii auf Vason. 



260 



I 



Der erstere der beiden vor Herakles eiulier- 
sclireitenden Jtiiigliuge wurde von Gerhard und 
Heydeinaun ohne nähere Begründung' für Theseus 
erklärt. Selbstverständlieli erwartet man diesen 
zunächst an der Seite des Peirithoos (vgl. Canosa 
und Ruvo), aber offenbar reichte dem Vasenmaler, 
der von der Mitte aus disponirte Raum für drei 
Personen rechts vom Hades nicht mehr zu. Sinn- 
voller strich der Maler von Ruvo, der sich in gleicher • 
Lage befand, die weibliche Figur. Am .\nfang der 
unteren Reihe vor der Gruppe Hermes - Herakles 
hatte unser Maler einen freien Raum, ansclieinend 
nicht gross genug, um, wie die Maler von Canosa, 
Altamura und Ruvo, Sisyphos mit seinem Felsen 
unterzuljringen: dort stellte er seinen Theseus hin, 
ziemlich getreu das Kostüm des Canosischen und 
das Motiv des im Gespräch mit Peirithoos vor- 
gestreckten rechten Armes bewahrend. Freilich ist 
diese Figur neben Hermes ilires gleichen Schemas 
wegen weder künstlerisch erfreulich, noch auch 
an dieser Stelle sinnreich, denn wessen bedarf es 
noch, wenn Hermes geleitet? Es müsste denn sein, 
dass der Gedanke an die Befreiung des Theseus 
durch Herakles, die mit dem Kerberosabenteuer in 
Verbindung gesetzt wurde, uusern Vasenmaler ver- 
anlasste den Theseus in die Nähe des Herakles zu 
rücken. 

Reclits von diesem schliesst sich, ähnlich wie 
auf den Vasen von Canosa ') und Ruvo, eine Eriuys 
in kurzem gegürteten Chiton mit Kreuzbändern an. 
lieber dem linken Arm, in dem zwei Speere ruhen, 
hängt ein Pautherfell, in der ausgestreckten Rech- 
ten hält sie eine Fackel*). Ihr Antlitz ist nach 
links einer zweiten Frauengestalt zugewendet^). 
Diese, lang gewandet, lehnt mit gekreuzten Beinen 
und aufgestütztem linkem Arme an einem Felsen, 

') Dort ist die Figur durch einen Schlüssel bestiniTiiter sils 
Ilekate x).ni!iov/Oi charakterisiit. 

') Vgl. Plato Axioch. p. 372 fi.'/« Ictunaniv fjiniorwg 
jjvQOvufvot llonuty Tiiv/ovTcti sc. Ol' iv 'Aitiov y(iy.ovijyoi. 

'-^ Auf dein Vasenbilde Altamura ist an diese Stelle eine 
auf ciueni Ilippokaunien reitende Frauengestalt getreten. Es ist 
eine ansprechende Verinuthiing eines meiner Freunde, in ihr 
Hyperninestra , neben den bUssenden Schwestern die einzig 
straflose Dauaide, zu erkennen, welche den Weg zu den Inseln 
der Seligen nimmt. 



Während sie mit der erhobenen Rechten einen (ganz 
uumotivirteu) Zipfel ihres Gewandes gefasst hält. 
Rechts über ihr befindet sich ein nach unten spitz 
zulaufendes Gefäss ohne Henkel, links von diesem 
eine lediglich der Raumfüllung dienende, im Profil 
gesehene Schale und unter ihr zwei Blumen: ebenso 
wie die Steine zu Füssen des Herakles eine An- 
deutung der Landschaft, des Acheronufers und der 
Asphodeloswiese. 

Zur Bcurtheilung der Gruppe dieser beiden 
Frauen müssen wir noch einmal auf die vorher- 
gehende zurückkommen. Dort beweist uns die hilf- 
reiche Gegenwart des Hermes, dass unser Vasen- 
gemälde, beziehungsweise sein Vorbild, der älteren, 
durch das Epos vertretenen Version von Herakles' 
Höllenfahrt gefolgt ist, nach welcher er mit Hilfe 
der Oberweltsgütter, wider den Willen der Unter- 
irdischen , dieses schwerste der ä&la vollführt 
(s. II. VIII, 3ÜT ff. Od. XI, G23 ff'. Gerhard, A. V. 
T. 129 — 1.31). Dann erscheint ein Widerstand von 
Seiten der Letzteren geradezu geboten, und wir 
werden mit V. Valentin hier der Vase Canosa den 
unbestrittenen Vorrang lassen , dass der hilfreiche 
Hermes, der gewaltig arbeitende Herakles und die 
mit ihren Fackeln ihn schreckende Hekate eine 
kraftvolle und wohl abgewogene Gruppe geben'"). 

Der Maler unserer Vase zeigt sich auch hier als 
ein wenig denkender Künstler. Ist schon auf den 
Vasen Ruvo-K. und Santangelo 11 der Gehalt dieser 
Gruppe durch gleiehgiltiges, beziehungsweise bereit- 
williges Leuchten der Erinys geschwächt, so ge- 
schielit dies auf unserem Bilde noch empfindlieber 
dadurch, dass sich dieselbe von Herakles abwendet 
und anscheinend im Gespräch mit der rechts von 
ihr stehenden Frau l)egriffen ist. Diese endlich, 

'") Der auf der Vase Canosa zwischen Herakles und Hekate 
befindliche runde Gegenstand, den man für das durchlöcherte 
Fass der Danaiden erklärt hat, ist wohl vielmehr ein am Ein- 
gang des ilüiiin Id'iduivfjü; aufgestellter Altar, wie man ihn 
auf der Oberwelt an den Thüren dem Apollon Itvnaio;, 
Tiooaiair'inios, oder aber der Hekate TiQOnvliita, zu errichten 
und mit einfachen Upfern (hier Kürnern) zu versehen pflegte. 
Auf den Vasen Santangelo 1 1 und Blacas deuten Hermen den 
Eingang zur Unterwelt an. Endlich gleicht der fragliche 
Gegenstand allenfalls einem modernen Fass, aber nicht einem 
antiken niiliii. 

19* 



261 



P. ll.nnwi!.'. Nene Uiiterweltsdarstt'lhinofeu auf Vasen. 



262 



vou Pauofka für eine Quelliiymplic des Styx, von 
Welcher für eine Seele, von Gerbard für Alkestis 
erklärt, werden wir mitHeydemanu aufs Bestimmteste 
Dauaide benennen dürfen. Einmal spriebt dafür 
das Gefäss über ibr, sei es nun eine verzeicbnete 
Hvdria oder ein Pitbos, und andrerseits gleicbt sie 
in ilirer Erscbeinuug- und besonders im Motiv des 
erliobenen recbteu Armes überrasebend der Dauaide 
in der unteren reciiten Ecke des Ruveser Bildes. 
Dies könnte, da diese Figur in der Abbildung- 
(s. A. Z. 1843. T. XI) durch nichts als Danaide cha- 
rakterisirt ist, als eine petitio principii erscheinen. 
Doch liegt (nach einer Mittbeilung J. Overbecks) 
hier ein Fehler der Zeichnung- vor, indem die Figur 
ebenso wie die über ihr stehende Danaide in der 
gesenkten Linken auf dem Originale eine Hvdria 
trägt, deren oberem Theil der Kontur des Gewand- 
stückes, welches sie in der Abbildung- mit der 
Linken hält, in der That auflfällig genug ähnelt. 

Auch diese Figur ist keineswegs glücklich in 
unserem Bilde aufgefasst. Das der Danaide zu- 
kommende Wassertragen ist verdrängt duich das un- 
motivirte Lehnen an einem Felsen, der wohl dem 
Wunsche nach einem Abscbluss der Coniposition 
seine Existenz verdankt und nebenher vielleicht 
eine Reminiscenz an den über Tantalos hangenden 
Felsen ist, der sich auf Canosa in der rechten unteren 
Ecke befindet und merkwürdiger Weise auch im 
pojygnotischen Gemälde diese Stelle einnahm, da 
mit ihm die von links nach rechts fortschreitende 
Schilderung des Pausanias schliesst"). 

Beurtheilen wir nun kurz das Vasenbild Sant- 
angelo in seiner Gesammtheit, so werden wir ihm 
keinen höheren Wertb als den einer unteritalischen 
Fabrikarbeit zuerkennen dürfen. Seine Vorzüge be- 
ruhen auf einem bei einzelnen Figuren engeren An- 

") Eemerkenswerth ist, dass die Danaiden auf Ruvo über 
der rechten Ecke stellen, wo Tantalos, den der Maler offenbar 
des Kaumes wegen aufgeben niusste, hingehört, also auf dem- 
selben Platze wie beim Polvgnot die Gruppe der Wasserträger 
mit dem n/.'/of (Paus. X 31, 1-2. vnö toviio öi tw Tidlo) Tuv- 
luXos). Das Motiv des Wassergiessens aus einer Hydria in 
einen halb in die Erde eingesenkten Pithos giebt eine der Da- 
nnidcn auf dem überhaupt in mehreren Stücken sehr inter- 
essanten Vasenbilde Petersburg 426 wieder (s. Stephani a. a. O. 
p. 23:i). 



Schlüsse an gute Vorbilder, so in erster Linie beim 
Peirithoos, dann auch bei der Figur des frisch vor- 
anschreitenden Hermes (vgl. Canosa und im Gegen- 
satz dazu Altamura und Ruvo) und des den Kerberos 
an kurz gefasster Leine kräftig herunireissenden 
Herakles, wobei allerdings auch das von Valentin 
auf der Vase Canosa gut bemerkte Motiv, dass der 
Höllenhund furchtsam den Schwanz zwischen die 
Beine klemmt, aufgegeben worden ist. Wesentliche 
Figuren werden nicht vermisst''), doch zeigt sich 
überall da, wo der Maler einigermassen selbständig- 
die Figuren mit einander verknüpft, Maugel an 
Verstäuduiss und Empfindung. 

Was das Technische betrifft, so sind starke Ver- 
zeichnungen nicht vermieden und ist eine flaue 
Auffassung der Formen und der Gewandbehandlung 
fast durchgängig zu rügen. Letztere weist die be- 
kannten Merkmale des Bühnenkostüms auf. 

Endlich sei noch auf die merkwürdige Ueber- 
einstimmuug unseres ^'asenbildes mit dem vuve- 
sischen hingewiesen. Diese erstreckt sich nicht nur 
auf die Anordnung- von Figuren (Hekate, Persephone, 
Hades-Hermes, Herakles, Eriuys, Danaide), sondern 
auch auf einzelne Motive, wie den erhobenen rechten 
Arm der Danaide und das über Herakles' linker 
Schulter emporragende Ende des Bogens. 

Das füiirt uns auf die Frage nach den Quellen 
unseres Vasenbildes. Freilich kann es sich bei 
einer so späten Darstellung zunächst nur um 
secundäre bandeln. Der Gedanke an Vorlagen- 
büchlein mit einzelneu Typen und Gruppen, die 
unter den Vasenmalern von Hand zu Hand gingen, 
ist meines Wissens zuerst von Brunn ausgesprochen 
worden. Freilich können hier einzelne Fälle nicht 
eine Entscheidung herbeiführen, sondern sie nur au 
ihrem Theile fördern. Aber mir erscheint im Hin- 
blick auf die Verwandtschaft der Unterweltsvase 
Santangclo mit der aus Ruvo noch ein Zweites, 
nämlich dass uuteritalische Vasenmaler von impor- 
tirten Vasen, vielleicht von mehreren desselben 
Gegenstandes zugleich, copirt haben, nicht aus- 
geschlossen. 

'-) Von dem gewöhnlichen Personale fehlen; Megara und 
Ilerakliden, Todtenrichter, Sisjphos und Tantalos. 



263 



P. Ilartwii', Neue L"iitorwcItsdarstellini''en auf Vasen. 



264 



Die zweite auf Tafel 19 uach einer äusserst sorg- 
fältigen Zeiciniung des Herrn G. van Geldern in 
■'/^ der Originalgrüsse edirte, offenbar niclirreiliige, 
aijer stark fragmentirte Darstellung der Unterwelt 
stammt aus der nur wenige Vasen entlialtenden 
Sammlung des in Freiburg verstorbenen Engländers 
Ciarke, der in den oOer Jahren (zum Theil in Ge- 
meinscliaft mit dem Major Maler) in Italien ge- 
sammelt hat, und wurde 1881 von der grossherzogl. 
Regierung zu Karlsiuhe angekauft. Ihre Provenienz 
und Vorgesehiclite ist leider unbeknnnt. 

Ij. Farben für einzelne Tlieile sind nieht zu unter- 

(■ scheiden, allerdings sind die ötlicke etwas abge- 
rieben. Der Palmettenrand bildet die obere Ein- 
biegung uach dem Halse zu. Allen erhaltenen 
Figuren sind Namen beigefügt. 

Wir betrachten zunächst das grössere Bruchstück a. 
Dasselbe briclit oben mit einer eierstabälinlichen 
Kante ab, derselben, welche unterhalb der l'almetten 
des zweiten Stückes b hinläuft: mithin haben wir 
auch hier den oberen Abschluss der ganzen Bildfläche. 
Oben am linken Rande des Fragmentes befindet sich 
ein kleines Dreieck, ofl'enbar der Rest einer Archi- 
tektur. Schneidet man von den etwas seitlich von 
rechts gesehenen Gebäuden auf den Vaseu Canosa 
und Ruvo die rechte Ecke weg, so erhält man ein 
Dreieck , welches dem unseren nahezu congrueut 
ist. Es ist eine besondere Gunst des Zufalls, dass 
diese kleine Ecke erhalten geblieben ist, denn der 
Palast der Unterweltsgötter ist dadurch auch auf 
diesem Vasenhilde gesichert und zugleich gewinnen 
wir einen festen Anhalt für die Bestimnning von 
rechts und links "l. 

In der oberen Reihe rechts vom Palaste ist die 
Gruppe einer männlichen und einer weiblichen 
Figur, welche durch die Inschriften als neiQidoog 
und ^ixt] gesichert sind, fast vollständig erhalten. 
Ersterer, mit vollem, lockigen Haar, sitzt völlig 

") Die Vorsteilung vom Hause des Hades (vgl. die homeri- 
schen Ausdrücke ttr'Altiuo douoiaiy, Jwfi l-Häno u. s. w.) wurzelt 
so tief iu der hellenischen Phantasie, dass es bei einer bildlichen 
Darstellung der Unterwelt auch für eine frühere Zeit vorauszu- 
setzen ist als die des späten unteritalischen Vasenstiles, der ja 
ein Gebäude als Mittelpunkt des Bildes beinahe zur Regel er- 
hoben hat. 



nackt, die Hände im Rücken geschlossen, nach links 
gewendet, jedoch nach rechts blickend auf einem 
durch zwei Höhlungen deutlich charakterisirten 
Felsblock. An seiner Linken hängt, seitlich nach 
rechts, ein Schwert in der Scheide und ein Gewand- 
stück fällt unterhalb desselben über den Felseu 
herab, während das andere Ende iu schönen Linien 
unter dem rechten Arme emporflattert. Die relativ 
beste Darstellung des Peirithoos auf der Vase Sant- 
angelo TÜU übertrifi't diese einmal durch den auf 
die Strafe des Festwachsens deutenden Felsen, dann 
durch das kräftigere Motiv, dass sein Schwiert, ihm 
so nahe, an der Hüfte hängt, ohne dass er es zu 
zücken vermöciite, endlich aber besonders durcii 
die in der Haltung des Körpers vortrefflich aus- 
gedrückte Spannung niedergehaltener Kraft. In 
den Mienen und der leisen Neigung des Hauptes 
scheint sich auch hier Ingrimm und Trauer auszu- 
drücken. 

Ihm nahe steht Dike, verschleiert, in langem, 
mit Aermeln versehenen Chiton und Mantel; an den 
Füssen trägt sie ansclieinend Schuhe. Sie hat den 
rechten Fuss auf eine Erhöliuug gesetzt (ganz ähn- 
lich wie Theseus in der Vase Ruvo-K.), auf das 
Knie stützt sie den rechten Ellenbogen; die Hand, 
in welcher sie ein entblösstes Schwert seitlich nach 
links hält, ruht am Kinn'^). Der rechteckige Gegen- 
stand , welchen sie in der gesenkten Linken hält, 
ist zweifellos der obere Theil der Schwertscheide, 
die sie seitlich nach rechts abwärts hielt''). 

Dike ist sowohl in der Poesie die strenge Tochter 
des Zeus"'), wie in der bildenden Kunst eine durch 
die ehrwürdige Autorität der Kypseloslade (Paus. V 
18, 2, cf. N. Mein. delV Inst. II t. 4. 4) gesicherte 
künstlerische Personification. Hier steht sie unge- 
fähr auf gleicher Stufe mit den Uoival und der 
von Christ (s. Körte, Personif. psych. Afl'ecte p. 7U) 

'^) Vergl. die Peliade mit dem Schwerte auf dem lateran. 
Medearelief. 

'^) Die in der Mitte oben an der Langseite des Rechtecks 
befindlichen Erhebungen sind keineswegs die Fingerspilzen der 
Hand, sondern kleine Haken, wie sie ähnlich an derselben Stelle 
beim Schwerte des Peirithoos sich finden. 

"^) Jio; (xyeyttviit, Hesiod W. n. T. 356 fi\ Theog. 902. 
Aeschyl. Sept. 645 u. s. w. 



265 



P. Ilartwis. Neue Unterweltsdarstellungen auf Vasen. 



266 



hergestellten Äväyxri der Vase Altamura. deun auch 
sie ist eine ans der Situation der Person, der sie 
beigegeben ist, zum Zwecke grösserer Anseliaulieli- 
keit, heraus entwickelte Figur, aber eigentlich, da 
die doppelte Strafe des Peirithoos zu klarer künst- 
lerischer Anschauung gebracht ist, in unserem Bilde 
ein Pleonasmus. 

Die entsprechenden weiblichen Figuren mit dem 
Schwert auf den Vasen Canosa und Sautaugclo 709 
werden wir, von dieser sicher bezeugten Dike aus- 
gehend, nunmehr als abgeschwächte Darstellungen 
derselben Personification anzusehen haben. 

Von einer zweiten, unteren Reihe von Figuren 
ist Kopf nnd rechte Schulter eines anscheinend uu- 
bärtigen, aber alten, hinterwärts verschleierten und 
auf einem dqövog mit gescliweifter Lehnen in Vorder- 
ansicht mit leichter Ti^enduug nach rechts sitzenden 
ilanues, und rechts von ihm ein zweiter auf einem 
öiqonQ im Profil nach links sitzender, bärtiger 
Mann fast vollständig erhalten. Seine rechte Hand 
mit ausgespreizten Fingern ist erhoben; die linke, 
am Knöchel mit einer Spange geziert, ist, an der 
Bewegung der Rechten theilnelimend, ebenfalls vor- 
gestreckt und ein wenig erhoben. Ein Himation, 
dessen einer Zipfel über die linke Schulter herab- 
fällt, legt sich um die unteren Partien des Körpers, 
ganz ähnlieh wie bei dem sogenannten Apollo des 
Parthenoufrieses (s. Overb. Plastik 1, Nr. 37). 

Die Reste der Namen KOS u"d TRIP würden 
sich ohne Weiteres zu A^crioq und ToinzöXEi.iog 
ergänzen, selbst wenn nicht auf der Vase Altamura 
verwandte Figuren durch TQiomölEf.ioQ und (Padä)- 
l.iavi/vg inschriftlich bezeugt waren. Doch nicht 
genug; auch an derselben Stelle wie auf den Vasen 
Altamura und Canosa befinden sich liier die Todten- 
richter, und gemeinsam sind unserer Gruppe mit der 
Canosischcn die Composition nnd einzelne Motive, 
wie der erhobene reclite Arm, die Anordnung des 
Gewandes und die Form des Sessels bei dem rechts 
sitzenden, die Verschleierung des Hauptes bei dem 
mittleren Todtenrichter. 

Das zweite, kleinere, aber längere'"), der lin- 

") 14,7:18,8. Uie Sehne des inneren liogens der Eier- 
smbkante ist gemessen. 



ken Seite des Vasenbildes angehörige Fragment b 
giebt in seinem oberen Theile ein Palmetten- 
ornament mit je einer Palmette in drei durch 
Blüthenstengel abgetheilten Feldern, welches uuter- 
\\ärts durch die gleiche Kante wie bei dem 
Fragmente a gegen die Bildfläche hin abgegrenzt 
ist. Von dieser ist nur ein schmaler Streifen mit 
drei Beischriften und zwei nur theilweise erhal- 
tenen Köpfen übrig geblieben. Der links be- 
findliche, nur in den oberen vollen Haarpartien 
erhaltene gehörte augenscheinlich einer männlichen 
Figur an, die mit der erhaltenen rechten Hand in 
das Haar an die Gegend des Scheitels fasste, und 
war anscheinend in einer Vierteldrehung nach links 
hin gewendet. Rechts von ihm, in einem Abstände 
von ca. 11 Millimeter stehen in ziemlich weiten 
Intervallen die Buchstaben AlßN- Da vor diesen 
keine Spur von Resten anderer Buchstaben erhalten 
ist, auch der geringe Abstand von dem Kopfe kaum 
für mehr als einen Buchstaben Raum gewähren 
würde, so müssen wir uns mit der Tiiatsache ab- 
finden, dass hier Alcuv als Personification der ewigen 
Zeit dargestellt war. 

Der Poesie ist Aliov als Person nicht ganz fremd. 

Euripides nennt ihn in den Herakliden (v. 900) mit 

BloiQa zusammen als Kgövov nalg, und die orphische 

Kosmogonie Hess ihn als zweites Lebensprincip aus 

dem Okeanos entstehen (vgl. Nonnos Dionys. 7. 10. 

40. 431. YiQiüv TiQiüTotpavyjc, avvTQO'fog). Doch 

scheint er auch hier eine Nebenrolle gespielt zu 

haben, da ihn Aristopbanes in seiner Parodie der 

orphischen Lehren vom Weltaufange (av. G93 ff.) 

nicht mit erwähnt. In der Kunst ist der Alwv ein 

ana^ £lQrjl.Uvnv, jedoch auf unserem Vasenbilde 

neben Jixi^ nicht anstössig. Seine Anwesenheit im 

Tartaros, als dem Sitze ewiger Qual lässt sich 

rechtfertigen, wenn auch der Begriff Ewigkeit in 

dem transcendenten Sinne unserer Zeit dem Hellenen 

wohl fremd war. Was uns von der Figur des Aliöv 

erhalten ist, verstattet keinen sicheren Schluss auf 

seine Charakteristik. Doch scheint er, dem vollen 

Haare nach, nicht, wie wir erwarten könnten, als 

Greis, sondern als Jungling oder Mann aufgefasst 

gewesen zu sein, und die Bewegung der Hand gleicht 



267 



P. Ilartwiti:. Neue üntenveltsdarstellunfren auf Vasen. 



268 



weniger einer Geberde tiefen Naclisinnens, als (lei- 
des Entsetzens oder des Schmerzes "). Flir den 
Namen links vom Haupte des Aeon, von welchem 
die Buchstaben A A ' erhalten sind, lässt sich 
manche Ergänzung denken; bei dem Mangel jedes 
bestimmten Anhaltes ist es aber besser die ver- 
sdiiedcncn Möglichkeiten nicht erst auzuf'iiiireu "). 
Endlich ist nach rechtsiiin, vermuthlicli ganz 
nahe an der linken Ecke des Palastes der Unter- 
weltsgntter, ein im Profil nacli links gewendetes, 
zartes, lockiges, hinterwärts verschleiertes und ein 
wenig geneigtes Köpfchen mit der Unterschrift 

abwärts bis zum Kinn erhalten. Kicht unerwähnt 
darf bleiben, dass uns auf den Vasen Canosa, Alta- 
mura und Ruvo an derselben Stelle ein ähnlicher 
weiblicher Kopf im Profil nach links, der der so- 
genannten Megara, entgegentritt, so auffallend ähn- 
lich, dass der Gedanke an eine ursprüngliche Iden- 
tität der beiden Figuren nahe liegt. 

Die Vase Santangelo und die Karlsruher Frag- 
mente liefern den bisher noch vermissten Beweis, dass 
Orpheus auf den Unterweltsdarstellungen nicht als 
ein Todter vor den Todten im Hades sein Leierspiel 
fortsetzt, sondern dass er zum Hades als ein Le- 
bender um der Eurydike willen hinabstieg: causa 
viae coniunx (Ov. met. X, 23). 

Einen in jeder Beziehung erfreulichen Contrast 
zu dem Vasenbilde Santangelo ergiebt die stilistische 
und inhaltliche Gesammtbetrachtung unserer Bruch- 
stücke. Die Behandlung des Nackten ist vor- 
trefflich. Au Peirithoos sind die Muskelpartien eines 

'") Vgl. die Piiiiagogen beim Raube des Chrjsippos und auf 
der Ai-chemorosvase (Overb. II. Gall. Taf.I 2. IV 3), den Oineus 
und die Olenios zu benennende Figur auf dem Avers der Vase 
Santangelo 11; dagegen aber den trauernden Peleus ebenda. 
(A. ■/.. 1867 T. CCXX.) 

") Zu warnen ist vur der sehr nahe liegenden Vervollstän- 
digung des AlHN zu AKTAII2N und des Nanienfrag- 
mentes links zu MAI PA, unter Anknüpfung an eine Gruppe 
der Polygnotischen Nekvia (li/ lirj; ifi 7»]? Altanäg 'A/tciüov 
(oj'tv 6 llniaiulov , Paus. X 30,5). Doch mangelt für die 
erstere Ergänzung der Raum, und die Bedingung der zweiten, 
die viJlüge Erhaltung der einen, die völlige Zerstörung der an- 
deren Hälfte des My, ist von der äussersten Unwahrscheinlich- 
keit; auch reichte der Raum zwischen den beiden Alpha nicht 
aus. 



heroischen Körpers sicher und bewusst vorgetragen, 
die Hautfalten des eingezogenen Unterleibes sorg- 
fältig wiedergegeben und die Verkürzung des von 
vorn gesehenen linken Fusses ist völlig gelungen, 
während die vollere Brust, die fast weiblich runden 
Arme und die schönen Hände des Triptolenios aus 
dem Cliarakter des von Demeter mit Ambrosia ge- 
nährten eleusinisclien Priesters herausentwickelt 
sind. Die Behandlung des durchgängig lockigen 
Haares ist frei und malerisch, jedoch oline die ins 
Perrückenhafte ausartende Uebertreibung unterita- 
lischer Tecliuik. 

In den Köpfen ist ein psychologisciier Ausdruck, 
jedoch fern von Uebertreibung, erstrebt: in den 
Mienen des Peirithoos Trauer, düsteres Vorsichhin- 
brüten bei Dike, gespannte passive Aufmerksam- 
keit bei dem zuliörenden und active bei dem 
sprechenden Todtenriehter, ohne dass jedoch der 
Mund desselben geöffnet ist. 

Die jedes Zierratlis iiaaren Gewänder folgen bei 
Dike und Triptolemos in klarer Entwicklung der 
Falten den Formen und Stellungen des Körpers. 
Studirt ist jedoch der an der linken Seite des 
Peirithoos auf den Felsen herabfallende eine und 
der unter dem recliten Arme eniporfiatternde, au 
die Gewandbehandlung im Phigaliafriese erinnernde 
andere Zipfel seines Gewandes. Das letztere Motiv 
muss bei einer nicht nur ruhenden, sondern zu 
ewiger Ruhe verdammten Figur lediglich als der 
Eaumfiillung dienend angesehen werden. 

Besonders erwähnt sei noch der schöne, gerad- 
linige, tiefe Sessel des Triptolemos, der eine im 
Parthenonfriese mehrfach auftretende Form des 
öi(fQog aufs genaueste wiedergiebt (vgl. Overbeck 
Plastik I, nr. 22. 25. 36. 37), und endlich aucli das, 
wie die Unregelmässigkeiten zeigen, aus freier 
Hand geführte wundervolle Palmettenornament. 

Die Buchstabenformen verweisen unsere Vasen- 
fragmente mit Sicherheit in das vierte Jahrhundert, 
und ich stehe nicht an, sie als eines der schönsten 
Beispiele des vollendeten malerischen Stiles seiner 
letzten Hälfte anzusehen : einer Zeit, wo die Vasen- 
illustration, an die Fortschritte der Malerei an- 
knüpfend, zwar den ihr zustehenden linearen Cha- 



269 



P. HartwJCT. Neue Untenveltsdarstelluncen auf Vasen. 



270 



rakter preiszugeben beginnt, aber noch einen mass- 
vollen Gebrauch von den reicheren Ausdrucks- 
niitteln macht, welche eine nachfolgende Entwicke- 
lung bald missbrauchen sollte. Unsere Fragmente 
scheinen mir, der ich allerdings nicht in der Lage 
bin an Originalen zu vergleichen, in der Auffassung 
der Formen und dem Ausdruck der Köpfe an 
keine Vasenzeichnung näher heranzukommen, als 
an das kleine bei Overbeck, H. Gall. T. XXXIII, 
21 (nach Welcker, A. D. III. T. 30, 2) publicirte 
Bruchstück aus 5Ir. Stouarts Besitze mit den In- 
schriften Telegonos und Kirke. 

Dass die Fragmente aus italischem Boden stam- 
men, ist nach dem oben Gesagten wahrscheinlich; 
nach dem Stil zu urtlieilen, möchte man sie dem 
attischen Kunsthandwerke zuschreiben. 

Es fragt sich nun, was sich über die Recon- 
struktion des ganzen Vasen bildes ermitteln lässt. 
Es wird mir mitgetheilt, dass die Wölbung der 
Bruchstücke auf ein Gefäss etwa von der Grösse 
und Form der Ruvo- Karlsruher Amphora^"), die 
eine Bildfläche von ca. 45 cm. Höhe und 70 cm. 
Breite aufweist, sehliessen lasse. Die grösste Höhe 
unserer Fragmente in a beträgt ca. 27 cm., also 
nur 70 fJps vorauszusetzenden llaumes. Demnach 
dürfen wir mit Sicherheit auch für unser Vasen- 
bild eine dreireihige Darstellung annehmen. Ferner 
lässt sich daraus, dass auf dem der oberen linken 
Seite der Bildfliiche angehörigen Fragmeute b drei 
Namen erhalten sind, mithin auch drei Figuren da 
waren, sehliessen, dass auch reclits an entsprechen- 
der Stelle eine dritte Figur hinter Dike stand, 
wahrscheinlich Theseus. Dadurch ergiebt sich aucli 
in der zweiten, unteren Reihe, rechts von Tripto- 
lemos, Raum für eine weitere Figur, vielleicht einen 
dritten Todtenrichter. Hier betreten wir jedocli schon 
den Boden der Hypothese. 

Uebertreffen aucli die Karlsruher Fragmente 
weitaus alle bekannten Darstellungen der Unter- 
welt auf griechischen Vasen, so seheu wir doch 
auch hier nur durch einen Spiegel, auch sie sind, 
wie die anderen, eine Compilation. Dass aber 
diese in ihrer Gesammtheit aus Vorlagebüchern 

-'") Höhe 1,19, Dicke Ö3, Umfang 1,85 (Fröhner). 



geschöpft seien, welche einzelne Typen und Grup- 
pen enthielten , ist deshalb nicht wahrscheinlich, 
weil in der immerhin grossen Zahl von erhaltenen 
Darstellungen zu viel Einheitlichkeit der Form und 
des Inhalts herrscht. Andererseits stellt sich der 
Annahme von einem einzigen figurenreicheren 
Originale, welches die Vasenbilder, so wie sie vor- 
liegen, excerpirt wiedergeben, folgendes Bedenken 
entgegen: Die Hadesfahrt des Orpheus und auch 
die des Herakles konnte ein Maler, wie einst 
Polygnot und wohl auch Nikias die des Odysseus, 
benutzen, um die Unterwelt zu schildern, diese mehr 
im epischen Geiste, jene in dem der Lyrik und 
des Dramas, aber beide Abenteuer zugleich auf 
einem Bilde beeinträchtigen gegenseitig ihre Wir- 
kung. Demnach müssen wir entweder annehmen, 
das Original, von welchem sämmtliche Vaseubilder 
abhängig sind, sei in der That mit dem erwähn- 
ten Mangel behaftet gewesen, oder es liege als 
gemeinsame Vorlage eine für die Zwecke der 
Vasenmalerei eigens angefertigte Compilation aus 
mehreren bekannten und berühmten Originalen 
zu Grunde. Dass die Darstellung des Tartaros 
ein beliebter Vorwurf der griechischen Malerei 
war, verbürgt uns eine interessante Stelle aus der 
ersten Rede gegen Aristogeiton ^'). Nach den Na- 
men jedoch der betreffenden Meister zu forschen, 
ist bei der lückenhaften Ueberlieferung ein müssi- 
ges Beginnen. Auf des Nikias Nekyia als Vorbild 
unserer Vasenillustrationen zurückzugeheu verbietet 
einerseits die homerische Auffassung seines Gemäl- 
des (I'lin. 35, 131. Autip. Anth. Pal. IX 792), an- 
drerseits erscheint ein so vorwiegender Colorist 
(vgl. Overbeck S. Q. 1822 — 24) besonders ungeeignet 
Vorbilder für die Vasenmalerei zu liefern. Einen 
Zusammenhang unserer Unterweltsdarstellungen mit 
Polygnot suchte einst Braun (Annali 1837 p. 239f.) 
festzustellen; Welcker (Arch. Ztg. 1843 p. 179) giebt 
ihn schon auf, denn es könne uns nichts dienen 
auf die Unterwelt Polygnots zurückzugehen als des 
grossen Unterschieds in der Hauptidee, in der 

-') 1'». Demostli. 25, 52 (p. 7SG, 13): i^ttlf (if ä'oi iiDyinU/ oi 
i')Vi iint,iffg iv "Aiiiov yijiai ovaiv. f^tin tovkov . . . Tidndjyt- 
711/ ; cf. Plaut, capt. 5. -1. 1 vidi ego multa saejji: picia, ijuae 
Aislieriinti fierent cruciamenta. 



271 



M. Mayer, Tlieseus-Sarkojiliag. 



272 



ganzen Composition und in allen Personen inne zu 
werden. Allerdings könne es nicht überr.asclien, 
wenn die Ueberlieferung- Personen und Gruppen 
aus der Lesclie zu Delphi bis nach Apulieu nud der 
Basilicata getragen hätte. Und in der Tliat erscheint 
dies nicht ausgescldossen. Wir werden uns den Her- 
gang so deuten können: der oder die Künstler, 
von denen unsere Vaseninaler ihre Motive ent- 
lehnten, haben gewiss nach altgriechischeni Kiinstler- 
brauche Motive aus Polygnots Unterweltsbilde, der 
berühmtesten Darstellung dieses Gegenstandes in 
Hellas, übernommen und weiter gebildet, und so 
mag es sich erklären, dass wir noch Spuren po- 
lygnotischcr Auffassung, vielleicht aus dritter oder 
vierter Hand in unseren Vasenbildern wiederfinden.") 
Bautzen. F. Hartwig. 

--) Die mit unserem Thema in keinem inneren Zusiunnien- 
hange stelie'nle Vignette ist in 73 der Grösse des Originals nach 
einer Zeiclinung aus dem Besitze des deut>chen Instituts in 
Rom angefertigt und stellt die sehwarzfigurige Vasenxeichnung 
eines Kitharüden dar, der im Begriffe steht ein ßrjun /.u be- 
steigen. Der Vasennialer hat ihn durch ein beigeschriebenes X"^i.'^ 
'0(>(ftv als den thrakischen Sänger bezeichnet. 




EIN THESEUS- SARKOPHAG. 



Der umstehend nach einer Photograjihie in verklei- 
nertem Maassstab abgebildete Sarkophag zeigt zum 
ersten Male unter der grossen Masse gleichartiger Mo- 
numente an seiner Hauptseite den Theseusmytbus. 
Die Hi])polytos-Sarkophage, woTheseus nur in neben- 
sächlicher Rolle, als bärtiger König auftritt, kommen 
hierbei nicht in Pjctracht, ebensowenig der Alope- 
Sarkopliag, der — falls die Deutung zutrifft — , wenn- 
gleich aut'Kerkyon bezüglich, doch nicht in die Reihe 
der gewöhnlichen Thescusabeuteuer eingreift, sondern 
die Euripideische Tragödie wiedergiebt, wo der Con- 
flikt sich vielmehr um die Tochter des Königs Ker- 
kyon drehte. Eher wäre von zwei Reliefdarstellungen 
des Minotauros-Kampfes zu reden; doch wie dieser 
Gegenstand nun einmal als selbständige Darstellung 
beliebt ist'), bildet das eine Relief nur die Keben- 

') Die Reliefs sind zusammengestellt bei Conze 'Theseus 
und der Minotaur' 38. Berliner Winckelm.-I'rogr. Anm. 8, bis auf 
den hierhergehörigen Herakles-Sarkophag aus Köln, Jahrb. der 
Arclijinlun. Ztj5. Jiihrf^anf; XLII. 



Seite eines sonst den Herakles angehenden Sarko- 
phags, wäiirend das andere^) links, wo es ge- 
brochen ist, eine Fortsetzung in der Art des vor- 
liegenden zulässt und allerdings als Eckstück eines 
Sarkophags bezeichnet wird. Die andere Scene, 
welche uns hier interessirt, Theseus die Ariadne 
verlassend, findet sich auf dem Constantiuoiieler 
Hippolytos-Sarkophag (Arch. Ztg. 1857 Taf. 1U0,2), 
aber auch sie in untergeordneter Stellung, als 



AlterthumstV. im Rheinl. VII Taf. 3, S. 94; die Vordeifldche 
desselben enthält zwei Heraklesthaten; die Nebenseiten zeigen 
ein Mal (r.) Theseus, das andere Mal (1. zwei S_yni|iben. Uebri- 
gens sind, wie ich von Herrn Direktor Conze liöre, mittlerweile 
bereits neue Keliefdarstellungen des Gegenstandes zum Vorschein 
gekommen. 

■-') Frngm. Castellani : Matz v. Duhn Ant. Bildw. II. 2909; 
abgeb.Ber. d. S. G. 1878 Taf.V, 3 vgl. S 146. Der Minotaur 
liegt hier bereits am Boden, und Thebens, von dem nur die 
Füsse erhalten sind, stand siegreich üIjim- ihm, 

20 



273 



M. Meyer, Theseus-Sarkopliag. 



274 




Füllung: einer Schmalseite, der auf der andern ein 
Greif entspricht. 

Zufolge der Noiizie cleyli Scavi 1883 p. 372 ist 
unser Sarkophag im Oktober des Jahres 1883 in 
Castel Giiibileo, dem Orte des alten Fidena, gefunden, 
und zwar auf dem Grund und Boden des Herrn 
ßianchi, in dessen Besitz er sich noch befindet^), 
und durch de>sen Freundlichkeit ich in den Stand 
gesetzt bin, seine nähere Kenntniss den Lesern 
dieser Zeitschrift zu vermitteln. 

Die Hauptfläche dieses aus dem 3. Jahrhundert 
n. Chr. stammenden Sarkophags ist in der Mitte 
durch einen Piiaster getheilt, der oben jederseits 
einen Tiior-Ansatz zeigt, wozwischen die vordere 
Fläche mit einer kleinen stark bewegten Gewandtigur 
geziert ist*), vor der sich noch ein etwas niedrigerer 
Gegenstand, eine Herme scheint es, befindet. Die 
Seite links vom Pfeiler, obwohl sehr figurenreich, 
enthält nur eine Scene, wälireud man rechts, wohin 
wir uns zunächst wenden, sogleich zwei bekannte 
Episoden unterscheidet. Man erblickt hier der 

^ In Korn Piazza della Minerva bei Fratelli Bianohi. Dort sah 
ihn Robert in diesem Frübjahr (s. Sitznngsber. der Arch. Ges. z. Ber- 
lin V. G. Mai, oben S. 77); ihm verdanke ich die Angaben über 
manche uul" der Photographie nicht deutliche Einzelheiten, über 
die ausgebrothenen Stücke, sowie über die Nebenseiten, welche 
übrigens mit der Hauptdarstelliing nichts zu thun haben: rechts 
•zwei Jünglinge mit Sjjeeren nach 1. gewendet, der hintere sich 
umsehend; ganz rechts eine verschleierte Frau den Finger an 
den Mund legend; links zwei Jünglinge mit Schwertern und 
Speeren nach r. schreitend 

■*) Marucchi bezeichnet sie in der kurzen Beschreibung, 
die der Photographie beigegeben ist, als eine gi'flügelte Nike 
mit Kranz und Palme, während sie auf der Photograjibiu mehr 
wie eine tjmpanonschlageude Münade erscheint. 



rechten Ecke nahe Theseus, wie auf dem Castel- 
lani'schen Fragment^), über dem erlegten Minotaur 
stehend, das Schwert an der Seite und die grössten- 
theils weggebrochene Lanze in der Linken, mit mehr- 
fach umgeschlungener Chlamys und Schuhen beklei- 
det. Sein Gesicht, mit unverkennbaren Porträt- 
zUgen, ist gegen die Eckfigur gewendet, einen bär- 
tigen, düster blickenden Mann mit kahler, stark ge- 
furcliter Stirn, der barfuss und nur mit einer Exoniis 
angethan in lebliafter Bewegung nach r. wie zum 
Weggehen begritfen ist, indem sein rechter Arm 
hinter Theseus ausgestreckt ist, als ob er ihn au 
dessen Schulter legte und diesen zum Mitgehen 
bewegen wollte "). Zwischen beiden kommt im 
Hintergrunde der Kopf des Hermes mit Flügelkappe 
zum Vorschein. Das erschlagene Ungeheuer, auf 
dessen rechter Schulter Theseus mit dem einen 
I*"'usse ziemlich unglücklich postirt, ebenso wie der 
darüber hinwegschreitende Kahlkopf, steht, liegt 
mit dem Haupt dem Beschauer zu auf dem Kücken 
durchaus in der Weise, wie auf den Wandgemäl- 
den, unter denen (neben Heibig 1213 — 1215 und Bull. 
1875 p. 235) besonders das von Heydemann Arch. 
Zeitg. 1872 Taf. G7 pubücirte zu vergleichen ist, 
nur dass in unserm Falle statt des einen Armes 
beide in ziemlich coniplicirter Weise über die Brust 
gescldagen sind. In der durchaus übereinstimmen- 

'■>) Nur steht er dort auf dem Boden derart, dass seine 
Füsse vor und hinter dem Leibe des nach links gestürzten 
Gegners zum Vorschein kumuien. 

") Auch wenn ihm (dessen Nase übrigens abgebrochen ist) 
die unter den Fragmenten befimlliche 'rechte Hand einer Figur 
im Ilintergrunile' geliören sollte, würde an diesem Eindruck 
nichts geändert 



275 



M. Mayer, Theseus-Sarkopha;,'. 



276 



I 



den Verkürzung tritt bier der malerische Ursprung 
der Sarliophag-Vorbilder mit seltener Deutlichkeit 
zu Tage. — Hart an diese Scene selilicsst sieh 
links die verlassene Ariadne, von der hinweg 
man links — auch dies der Anlage der meisten 
Gemälde entsjjrechend — den Tlieseus segeln sieht. 
Auch sie, deren Augen hier geöffnet sind, ist, 
wie auf den Ariadne-Sarkophagen öfter, mit stark 
porträtmässigen Zügen ausgestattet und niciit ohne 
Absicht so nahe an den Thcseus der vorigen 
Scene gerückt, dass sie sich auf den ersten An- 
blick fast anzuschmiegen scheint, während ihr in 
Wirklichkeit ein kurzer Pfeiler als Lehne dient. 
Die Gestalt, die durchaus den landläufigen Typus 
der Ariadne - Sarkophage wiedergiebt (vcrgl. z. 15. 
Clarac II 132, 150 und Gerhard Ant. Bildw. 112,3), 
ist am 01)erkürppr nackt und legt die rechte Hand 
in der bekannten Weise über den Kopf, eine Hal- 
tung die, obwohl von der schlafenden hergenom- 
men, hier wo zum ersten Male statt des ankom- 
menden Dionysos Tlieseus selbst, das Sinnbild des 
ebenfalls in dem Sarkophag ruhenden Gatten"), 
dargestellt ist, in anderem Sinne, als Zeichen des 
Schmerzes, verwendet sein könnte, wenn nicht die 
sehr mechanisclie und sinnwidrige Art, wie der 
linke .Arm copirt ist, uns eines Anderen belehrte. 
Diesem, der zwar gebeugt und als aufruhend ge- 
dacht ist, fehlt es, wie schon auf den genannten 
Bakchischen Sarkophagen mehrfach, an jeglicher 
Unterlage, ein Mangel der durch den jninlello, der 
den Ellenbogen mit dem Kiefer des Minotaur ver- 
bindet, in keiner Weise ersetzt wird. 

Man bemerke noch die mehr zierliche als schöne 
Haltung der linken Hand mit den zwei gestreckten 
Fingern, eine Eigenthümlichkeit, die so sehr im 
Porträtgeschmack gewisser Zeiten ist, dass man 
unwillkürlich ein ])aar Kinge an den Fingern 
sucht. — Auf diesen beiden Figuren, der Ariadne 
und ihrem Kachbar, ruhte ersichtlich das Haupt- 
interesse des Bildhauers. Die Figur des zur 
Ariadne-Scene gehörigen Theseus, der im Schiffe 
steht, ist weit untergeordneter in Stellung und Ge- 
wandung, auch in der Porträtiruug minder genau. 
Er blickt wie auf den Gemälden von der \nr- 
lassenen hinweg ins Meer hinaus (dessen Wellen 
sich — wie auch das Schiff und des Theseus Ge- 
wand — über den trennenden Pfeiler hinaus fort- 
setzen), mit einer merklichen, wohl Trauer bedeu- 
tenden Kopfneiguug, ohne dass seine sonstige Be- 

') Vgl. die dazu gehöiige Inschrift Aod'zi'c d. üc. a. :i. 0. 



wegung recht deutlich würde: beide Hände sind 
abgebrochen, und man kann nur von der Linken 
etwa annelunen, dass sie auch hier die Lanze hielt, 
von der man noch den Bruch am Fusse des 
Mastes zu erkennen glaubt. Die Ruderer, deren 
man zwei erblickt, sind, um die Hauptperson nicht 
zu verdecken, in ungewöhnlicher, fast affenartiger 
Kleinheit, dargestellt. — Noch will eine in ihrer 
oberen Hälfte zugleich mit dem Mast und Segel 
weggebrochene Mannsgestalt erwähnt sein, die zwi- 
schen dem Schiff und Ariadne steht, also da, wo 
auf den meisten Darstellungen dieses Mythus Diony- 
sos seinen Platz zu haben pflegt. Man wird in 
dieser ruhig dastehenden mit Cliiton und Mantel 
bekleideten Person, die nach rechts hin gewendet 
die 1. Hand auf den kurzen Pfeiler legt, kaum 
etwas Anderes als einen Gefährten des Theseus, 
etwa — wenn eine Benennung räthlich ist — den 
Phorbas, erkennen'). So unglücklich pflegt nun 
einmal diese Reliefgattung die Scenen ineinander 
zu schieben. 

Schwierigkeiten bereitet, wie gesagt, die Eck- 
figur,s()wie die Anwesenheit des Hermes. Auch hier 
liegt es nahe, einen Gefährten und zwar der unter- 
geordneten Tracht lialber einen Schiffer zu ver- 
muthen, wenngleich das Ungestüm des Mannes so- 
wie die Miene, mit der er den Gebieter anblickt, 
befremden muss. Es ist, rein äusserlich betrachtet, 
eine ganz treffende Charakteristik der Gestalt, 
wenn Trendelenburg') dieselbe Charon benannte, 
nur dass der Fährmann, soweit ich mich entsinne, 
auf Sarkophagen niclit ohne seinen Kahn zu er- 
seheinen pflegt. Aber was könnte Charon wollen 
von dem Bezwinger des Minotaur? An den Weg 
zur Unterwelt, ein Unternehmen, welches sich 
durchaus nicht an das kretische anzuschliessen 
pflegt, ist in solcher Darstellung nicht zu denken. 
Soll man also dem allgemeineren Gesichtspunkte, 
der über das Mythologische hinaus die Persönlich- 
keit des in dem Sarkophage Ruhenden berück- 
sichtigt, soweit Raum geben, um mit Trendelenburg 
das Erscheinen des Cliaron und des Hermes 
Psychopompos auf den Verstorbenen zu beziehen, 
der hier zum letzten Gange abgeholt werde? 
Schwerlich. Wenigstens fehlen für eine solche 
Unterbrechung des mythologischen Zusammenhangs 
so sehr alle Analogien in dieser Monumentenklasse, 

") Der zu dieser Figur gehörige Kopf ist erhalten. — Vom 
Hintertheil des Schiffes geht über Ariadnes Knie hin ein läng- 
licher Gegenstand, dessen Bedeutung ich nicht verstehe. 

'■*) In der Anm. 3 genannten Sii/.ung der Arch. Ges. 

20* 



27' 



31. Mayer. Theseiis-Sarkopbag. 



278 



dass diese Auffassung' scliweren Redenken unter- 
liegt. Die natürlichste Eikläruiio; ergiebt sich bei 
einer Durchmusterung des ßilderkreises, zu welchem 
unser Relief untrennbar gehört. Auf einem Pompe- 
janischen Gemälde (llelbig 1218. Gell, Pompeiana II 
4'J. Zahn Neuentd. Wandg. 21) erblickt man rechts 
von Theseus einen bärtigen Mann in Schiffertracht, 
der jenen anpackt und zur Abfalirt drängt, eine 
Figur, die sich auf dem Coiistantinopeler Sarkophag 
mit geringen Variationen — z. B. liegt die rechte 
Hand nicht wie dort und auf unserm Kelief au 
Theseus' Rücken — wiederholt'"). Allerdings han- 
delt es sich dort um die Abfalirt von Naxos, wo 
denn die Trennung dem Helden schwer wird. 
Allein das kretische Abenteuer gehört mit jenem 
so nah zusammen, und beide mögen, zumal in den 
Musterbüchern der Steinmetzen, so oft neben einan- 
der dargestellt gewesen sein, dass, wo nicht gar 
eine äusserliche Verwechselung vorliegt, die Ueber- 
traguug jenes Zuges sich wohl begreifen lässt. Und 
hier, wo wir uns innerhalb des gegebenen Kreises 
von Personen und Motiven bewegen, wiire es eher 
denkbar, dass eine Beziehung auf die porträtirten 
Persönlichkeiten obwalte; der betrübte Abschied 
von der Gattin, die nicht ohne Absichtlichkeit neben 
den Helden der Nachbarscene gruppirt ist, könnte 
wie links in dem trauernden Gesichtsausdruck des 
Theseus, hier wo in der Bildung der Hauptfigur 
allerdings die Rucksicht auf porträtgemässe Attitüde 
überwiegt, nocii einmal angedeutet sein sollen. 
Aber auch der anwesende Hermes steht dieser Er- 
klärung nicht im Wege, er begünstigt sie vielmehr. 
Die kostbare Schale aus Corneto {Mon. d. I. XI 20) 
mit der Darstellung der verlassenen Ariadne hebt die 
Gegenwart des den Theseus antreibenden Götterboten 
bedeutsam genug hervor; und für diesen Act ist be- 
kanntlich die Rolle des Hermes ausdrücklieh be- 
zeugt: vel consulto vel iiecessiküe vel iiiuniln Mer- 
curii Ariadnen ibi a Theseo derelictam (Serv. Georg. 
I, 222)"). Ein Vergleich mit dem fragmentirten 

'") Der Mann, dessen Hurt bei Ziiliii nicht wiedergegeben 
ist, sicli aber auch dort in dem unförmlich stiirlien Kinn ver- 
räth, steht auf dem Gemälde sowohl wie auf dem Relief be- 
reits iui Schiffe, zu dessen Andeutung es auf unscrni Saikojjhag 
an l'lalz fehlte. 

") Mit diesen beiden Zeugnissen, deren erstes hoch in das 
5. Jahrhundert hinaufgehürt, ist so gut wie ausgesprochen, dass 
in der Kinlührung des Hermes die Dichtung voranging, und 
zwar eine Dichtung, die in Theseus noch nicht den ausschliess- 
lich attischen HcMen sah, wie das 6, Jahrhundert und die folgende 
zeit. .Sonst hätte es nirht fehlen können, dass vielmehr der 
Athena die bezügliche Holle /.uertheilt worden wäre, wie dies 



Relief Castellani, welches in der Anlage verwandt 
ebenfalls an der r. Ecke mit der Minotaurosscene 
begann, sowie mit den Wandgemälden lehrt ohne- 
hin, wie unberechtigt es sein würde, die beiden 
fraglichen Figuren für einen wesentlichen Bestand- 
theil geiade dieser Scene zu halten. 

Zur linken Hälfte des Sarkophags sich vfendend 
erblickt man in der Mitte den Helden, wie er nach 
linkshin einem bärtigen Manne von königlichem 
Ansehen die Hand zum Abschied reicht. Zum Ab- 
schied, inuss man wohl sagen, nicht etwa bei der 
Ankunft; darauf weist ausser der ruhigen Stellung 
des Theseus das nach der entgegengesetzten Seite 
schreitende Ross, der davouspringende Hund und 
besonders die nach derselben Richtung voraneilende 
Virtus. In höherem Maasse als ein hinter dem Kö- 
nig stehender Trabant fesselt unsere Aufmerksam- 
keit ein kleiner fackelschwingender Eros''') im 
Vordergrunde zwischen den beiden Hauptfiguren, 
zwischen denen noch Raum genug bleibt, um die 

auf der bekannten Amphora (Gerhard Etr.-Canip. V. (i) der Fall 
ist, einer Darstellung, die in ihren vier aufrecht nebeneinander- 
gestellten Figuren hinsichtlich der Erfindung und Composition 
nichts Interessantes bietet, während die Cornetaner Sehale darin 
so sehr überrascht und erfreut, dass man sich schwer enthält an 
monumentale Vorbilder zu denken. Das Gegenbild der Schale 
zeigt als wohlgewähltes Pendant (s. Keknie' Ann. d. 1. ISSO 
S. 154) die Wiedergewinnung der ungetreuen Helena, wobei 
man sich erinnert, dass in dem troischen Cyclus selbst, und 
zwar in den Kyprien Nimojo . . ?i' nnQtxßanfi i)iiiytnai . . . 
it't TTfpi Srjafu xin 'Aüiaävriv. 

'-) Die obere Hälfte der Fackel ist abgebrochen. Am Bo- 
den liegen, viel zu gross für Eros, Bogen und Köcher. Links 
ein Helm ohne Bedeutung, wie er öfter auf Sarkophagen vor- 
kommt. An dem Kopf des Eros lässt es die Photographie 
zweifelhaft erscheinen, ob derselbe nach oben gerichtet war, oder 
ob, was jetzt wie Hals und Kinn aussiebt, nicht vielmehr das 
nach unten gerichtete Gesicht darstellt. Indessen steht der 
letzteren Autiassung vielerlei entgegen. Erstens lässt sich un- 
geachtet des auf dieser Partie liegenden Schattens nicht 
einsehen, wie bei der im Allgemeinen guten Erhaltung der 
Oberflächen das stark gesenkte Gesicht, also ein geschützter 
Theil, eine so weitgehende Zerstörung hätte erleiden sollen, 
während dies bei erhobenem Antlitz wohl denkbar ist. Ferucr 
würde die.^e starke Kopfneigung etwas überaus Gezwungenes 
haben gegenüber der sonstigen Richtung der nach obenhin 
leuchtenden und in diesem Sinne zurückgebeugten Figur. End- 
lich würden dabei Gesicht und Kopf viel kleiner als es die 
Proportionen sowohl dieses Körpers wie die der sonstigen Eroten 
an Sarkophagen fordern, deren Köpfe oftmals sogar grösser, 
in der Kegel aber von derjenigen Grösse sind, welche sich bei 
unserer Auft'assung herausstellt. Von dem Wulst auf der r. 
Schulter, in dem ich nichts als Haarlocken zu sehen vermag, 
und der bei der Kopfsenkung eine ganz unnatürliche Lage be- 
kommen würde, darf ich nicht einmal sprechen, da manche Be- 
schauer denselben nicht als Haar anerkennen. 



279 



M. Mayer, Theseus-Sarkophag. 



280 



im Hintergrund stellende weibliche Person, auf die 
der Eros Bezug haben nuiss, fast in jranzer Gestalt 
sichtbar werden zu lassen. Diese Figur, reich ge- 
wandet und mit einem Diadem angethan, hält den 
Blick fest auf Thcseus gerichtet, indem sie die r. 
Hand au das Kinn erhebt und den jetzt (zugleich 
mit der Nasenspitze) abgebrochenen Zeigefinger an 
den Mund legte: eine Arnibaltung, die notliwen 
dig den quer vorgelialteuen andern Arm als Stütze 
voraussetzt, ohne dass sich indess der Arbeiter an 
diese Bedingung gei^ehrt hätte. Vielmehr hält die 
Figur links ein Scepter, dessen Vorhandensein Ro- 
bert constatirt hat, und dessen Windungen man 
auch auf der Photographie zu erkennen glaubt; 
auf die vorgestreckte linke Hand weist auch die 
Lage des schleierartig vom Hinterhaupt herab- 
fallenden Gewandes, welches linkerseits (auf dem 
Reliefgrunde) sehr schräg herunterfällt und von 
der r. Seite her nach demselben Punkte hinaufgeht. 
Diese Frau, deren Züge eine strenge Schönheit zei- 
gen und in der etwas schweren Unterlippe einer 
bestimmten Charakteristik nicht entbehren, kann 
keine andere sein als Aphrodite, diejenige Göttin, 
deren Cult bald Aigeus (Paus. 1 14, G), bald Theseus 
selbst (I 22, o) in Atlien eingeführt haben soll, die 
Beschützerin des Theseus auf dem Zuge nach Kreta, 
der er vor der Abfalirt ein Opfer braciite (Plut. 
Thes. 18), dieselbe, deren Macht ihm in Aiiadne 
rettend ersciiien, deren uraltes Bild auf der 
Rückfahrt seine Rolle spielt, und die endlich auch 
der verlassenen Ariadne beigestanden haben soll '^). 
Die Erscheinung der Aphrodite ist uns in diesem 
Gestaltenkreise allzu neu, um nicht im ersten ÄIo- 
ment etwas zu befremden '^). Aber die Deutung selbst 
zu bezweifeln, ist kein Grund vorhanden. Den Eros 
nicht mit dieser Frau zu verbinden und statt dessen 



'^) Schol. Ilom. A 321 xi<ioXo(i t'nouürii öl irji yluid(Si'tjg 
r\ 'A<n>oiUir] fnii/nifTaic .iKinith' avjfj Tiaynii'fJ. Jiuvvaov 
yiio latallui yvvitixn xik. Ariadne selbst ist nur eine ver- 
dunkelte Aphrodite (Plut. Thes. 20). 

'■*) Beim ersten Anbliclt glaubt man in dem Gestus der 
Gestalt (der sich übrigens bedeutungslos bei der Frau der r. 
Schmalseite wiederholt), wie in ihrem unverwandt auf Theseus 
gerichteten Blick eine lebhaftere Theilnnhrae als die einer 
blossen Schutzgüttin zu lesen. Man wird an die CatuUische 
Ariadne erinnert (04,91) 

Non prius ex ilto ßiujrnntia declinavU 
lumina quam cuiicfo coiH-epit pect07-e ßammam 
JundituR atfjue. imis erarsit tota iiieduliis. 
Heu mt'sere exagitans immiti forde furores 
sancte puer, curis hoviinum fjui gciudiu wisces, 
guuegue regis Golgos etc. 



eine bräutliche Scene zu vermuthen, würde seine 
Schwierigkeiten haben; denn weder Ariadne kann 
mit dieser ganz verschieden charakterisirten, scepter- 
führcnden Idealgestalt gemeint sein noch etwa die 
andre Minostochter Phädra. Treiidelenburg, auch 
hier von dem Mythologischen absehend, glaubt 
dargestellt zu sehen, wie der Verstorbene, vor die 
Wahl zwischen Tugend und Genuss, zwischen Vir- 
tus und Venus gestellt, sich für die erstere ent- 
scheidet; eine Allegorie die dem Gedankenkreise 
dieser Kunstgattung — wenn hier von Gedanken 
die Rede sein kann ■ — so gänzlich fernliegt, dass 
wir sie kaum auf einem Herakiessarkophag jemals 
erwarten dürfen. Wir haben es einfach mit einer 
jener Abscliiedsscenen zu thun, die wie an den 
Hippolytos- und sonstigen Jagd -Sarkophagen auf 
die rechter Hand dargestellten Begebenlieiten vor- 
bereiten. Der König ist hiernach selbstverständ- 
lich Aigeus. — Es erübrigen noch zwei Figuren 
von einer für den Sinn der Scene untergeord- 
neten Bedeutung, deren Köpfe im Hintergrunde 
zwischen Theseus und der Virtus zum Vorschein 
kommen. Der linke, im Profil stehend und nach 
der Aphrodite hinblickend, ist behelmt und weib- 
licli; er lässt Athene erkennen, die Scliützerin 
Athens und seines Helden, die auch auf dem ver- 
glichenen Gemälde gegenwärtig ist. Den andern, 
der die Virtus anblickend einen Kranz im Haar 
trägt und die energisclien Züge eines bartlosen 
Mannes zeigt, nannte Trendelenburg den Ruhm und 
kam damit dem Richtigen ganz nahe. Es ist wie 
Robert gesehen hat, Honos, der Cult- oder viel- 
mehr Tempelgenosse der Virtus, den Purgold mehr- 
fach auf römischen Monumenten an der Seite der 
Virtus nachgewiesen hat'^). 

Die so gut wie vereinzelte Stellung, die der 
vorgestellte Mythus in einer so umfangreichen Mo- 
nunientengattung einnimmt, würde mit Unrecht dahin 
verstanden werden, als ob der ungetreue Theseus 
kein recht geeignetes Beispiel gewesen sei, an 
Sarkophagen die Liebe der durch den Tod getrenn- 
ten Gatten zu illustriren, und als sei es nicht ganz 
zufällig, wenn die zahlreichen Ariadne-Sarkophage 
eben nicht diese Schattenseite des Mythus, sondern 
die Vereinigung der Entschlafenen mit den Himm- 
lischen zeigen. Vielmehr können die Sarkophage 
mit Darstellungen der Stheneboia- oder der Pliae- 

'*) Am Innern des Titusbogen, an der Pantili'schen Basis 
Ihn. d. I. VI 7(i), auch auf Münzen, Purgold Archäol. Bemerk, z. 
Claudian u Sidon. S. 32 und in der Instituts -Festschrift der 
Juvenes Capitolini 1879 p. 22. 



281 



F. Studniczka, Ostgiebel des Zeusterapcls in Olympia. 



282 



di-afabel, wo es an PorträtkGpfeu nicht fehlt, zur 
Genüge lehren, wie gedankenlos man in dieser 
Hinsicht verfuhr; und in einer Klasse von Bildwerken 
wie diese, die wie kaum eine zweite als Dutzend- 
arbeit gekennzeichnet ist, tauclit schwerlich ein Sujet 
auf, wovon nicht Wiederholungen zu erwarten 
wären; das Fragment Castellani in Verbindung mit 
dem Constautiuopeler Relief bestätigt dies. Uebri- 
gens scheinen in römischer Zeit aus dem Leben des 
Theseus wesentlich die in popuhärcn Dichtungen 
fortlebenden Fabeln von Ariadne und Piiädra illu- 
strirt worden zu sein'^), während seine Reise- 
Abenteuer aus der Kunst verschwinden. 

Auch sonst zeigt unser Relief mancherlei Be- 
sonderheiten. Vor Allem fällt — ein wesentlich 
die linke Seite angehender Umstand — die grosse 
Zahl der anwesenden Götter auf. Unter diesen 

'*) Vgl. den Constantinopeler Sarkophag und des Choricius 
fictive Bildbeschreibung (Arch. Ztg. 1883 S. 145 Anm. 131). 



überragt die Gestalt der Aphrodite, für die ersicht- 
lich ein statuarisches etwa in der Art der soge- 
nannten Pudicitia gehaltenes Vorbild maassgebend 
war, in ihrer ganzen Erscheinung, vor Allem in 
den strengen Gesichtsformen, erheblicli den sonsti- 
gen Stil des Reliefs. Die Nachahmung wird be- 
sonders fühlbar in der plumpen Art, wie der Gestus 
der rechten, viel zu gross gerathenen Hand wiederge- 
geben ist, während die Function der linken Hand, 
die hier ein Scepter halten muss, dem Grundtypus 
der Figur geradezu widerspricht. Eine gewisse Un- 
gleichheit des Stils wie der Proportionen beherrscht 
das ganze Relief. Die Köpfe des Honos und des 
Hermes zeichneu sich durch ungewöhnlich grobe 
und vulgäre Züge, die unteren Extremitäten des 
Theseus und der rechten Eckfigur durch seltsame 
Kleinheit aus. Besonders mangelhaft erscheint die 
Arbeit an den nackten Körpertheilen der Ariadne. 
Berlin. Maximilian Mayer. 



MISCELLEN. 



ZUM OSTGIEBEL DES ZEUSTEMPELS IN OLYMPIA. 



Deutung und Anordnung der Mittelgruppe des 
olympischen Ostgiebels gilt seit dem Abschluss der 
Funde allgemein als gesichert. Indessen haben 
sich mir gegen die übliche Benennung der zwei 
weiblichen Figuren im Zusammenhange von Unter- 
suchungen über die altgriechische Tracht, die ich 
demnächst zu verüfi'cutlichen hotte, schon vor Jah- 
ren Bedenken ergeben, die icli hier in kurzer Be- 
gründung den Sachkundigen vorlegen möchte. 

Die bisher Hippodauieia genannte Figur macht 
in ihrer ganzen Erscheinung gewiss nicht den Ein- 
druck der Jugendliclikeit. Auch die schlichte 
Haartracht lässt sich nicht mehr, wie früher ge- 
schehen, als 'mädchenhaft' auifassen, seit ganz über- 
einstimmend gebildete Haarpartien vom Kopfe der 
'öterope' gefunden sind. Ebensowenig ist die Tracht 
ausgesprochen jungfräulich. Dasselbe weite, rings 
geschlossene dorische Gewand, mit scheinbaren 
Ilängeärineln und über den Gürtel herabgezogenem 
Kolpos, tragen wohl ähnlich die attischen Kane- 
phoren, aber auch die mütterliche Eirene und die 
örtlich sowolil als zeitlich den 01yni])iasculpturen 
besonders naiie stehende, von Conze und Miciiaelis 



Dagegen fehlt der 
Zug der bräutlichen 



bekannt gemachte Herastatuette aus Argos. Be- 
stimmend für die Benennung war das kleine Ge- 
wandstück, welches Hals und Schultern unserer 
Statue umgiebt und nach Treu 'in bräutlichein 
Gestus' von der Linken gefasst wurde. Aber dieser 
Gestus ist in der ganzen archaischen Sitte seit 
Homer auch Ehefrauen eigen, 
eigentlich charakteristische 
Tracht, die reichliche Verhüllung, besonders des 
Hauptes, welches hier vollkommen frei bleibt. Auch 
scheint mir die Frage in hohem Grade berechtigt, 
ob eine Darstellung der Hippodauieia als Braut 
überhaupt der Situation entspräche. Oinomaos denkt 
nicht daran, dem Fremdling, den er zu besiegen 
und zu erlegen hofft wie die anderen Freier, sein 
Kind zum Weibe zu geben. F'ür die herkömmliche 
Benennung ist also, so viel ich sehe, kein Grund, 
und die Deutung auf Sterope zunächst wenigstens 
gleichberechtigt. 

Gesichert wird sie für mich durch die noch 
stärkeren Bedenken, welchen die Anwendung dieses 
Namens auf die andere Figur unterliegt. Hierfür 
sind zunächst 'die volleren weicheren inatronalen 



283 



F. Stiuliiiczka, Ostgiebel des Zeustempels in Olympia. 



284 



Formen' (Treu) geltend geniaclit worden, ich flirclite 
gegen den Angenschein der auf allen Abbildungen 
liervortrctendeu Maassverliältnisse. Niclit nur sind 
I5rust und Seliultern der sogenannten Hippodameia 
niclit unbeträcbtlicli breiter, aucb die ausgiebigere 
Entfaltung des Gewandes im ganzen Obertheile 
bewirken eine massivere, anspruchsvollere Erschei- 
nung, während die 'Sterope' auch in Folge ihrer 
Arudialtung schmächtiger und seiilanker aussieht. 
Entsciieidend aber ist hier die Tracht. Der reiche- 
ren Bekleidung der angeblichen Braut steht das 
cinfacliste grieciiisciie Frauengewand gegenüber, 
das wir liiierliaupt kennen: ein 'Hiuiation' mit 
Ueberschlag, das nur auf den beiden Schultern zu- 
sammengcnostelt ist, sonst durchaus offen, sogar 
ungegiirtet bleibt, so dass bei jeder lebhafteren 
Bewegung die an der rechten Seite in parallelem 
Zickzack herabliangenden offenen Säume ausein- 
auderschlagend Hüfte und Schenkel entblössen 
müssten. Wir wissen aus zahlreichen allbekannten 
Schriftstellen, dass dieses die Tracht der pelo- 
ponnesisclien, insbesondere der lakonischen Mäd- 
chen war. Wer die sorgfältige Behandlung dieser 
Ueberlicferung in Böhlaus Quaeslioiies de re vesliaria 
Graecorum p. 79 — S4 lie>t, wird es kaum begreifen, 
wie im Folgenden die Identität der monumental 
und der litterarisch bekannten Tracht geleugnet 
werden kann. Eines von Böhlaus Hauptarguraeuten 
in diesem Sinne ist eben die hier in Frage ge- 
stellte Deutung der beiden Giel)elstatuen. Ich ver- 
spare eine ausriihrliche Bekämpfung dieses weit- 
tragenden Irrthums für die erwähnte Schritt und 
begnüge mich darauf hinzuweisen, wie undenkbar 
eine Tracht, wie die eben beschriebene, für eine 
königliche Jlatrone ist, wenigstens in originaler 
aus dem Leben schöpfender Monumenlalkunst des 
fünften Jahrhunderts, in der wir sie sonst aus- 
schliesslich an ausgesprochen mädchenhaften Ge- 
stalten finden. Es genügt hierfür an die 'Iris' 
des Parthenongiebels, die eine Charis der athe- 
nischen Reliefs, an das Taubenmädclien von Faros 
und die diesem nahe verwandte Grabstele in 
Venedig zu erinnern. Für mich bleibt also die 
angebliche midier senex eine echte fiovöriETtlns 
JioQtg xnqa, die bei jedem Schritt zur rpaivofii^Qts 
werden nüisste. Und wie trefflich passt zu Hippo- 
dameia 'die gleichsam resignirend sinnende Ge- 
berde, mit der sie seitwärts geneigten Hauptes ihre 
Hechte dem Kinn nähert'. Ihr Schicksal soll der 
Wettkampf entscheiden; sie liebt den Jüngling, der 
dem sichern Tode entgegenzugehen scheint; viel- 



leicht sieht sie auch, falls die Lokalsage sie in die 
List, durch welche Pelops den Sieg gewann, einge- 
weiht sein Hess, den Untergang des Vaters kom- 
men. Es ist dasselbe leise aufdämmernde Pathos, 
welches auch aus dem Haupte des sinnenden Greises 
spricht. Der Haltung Hippodameias entspricht die 
des Pelops, welcher 'bescheiden niederbückt'. Ganz 
anders das zweite Paar. Selbstbewusst, die Rechte 
in die Hüfte gestemmt, steht Oinomaos da, stramm 
aufrecht auch seine xovgiölrj alnyng, stärker im 
Körperbau und reicher bekleidet als ihre Tochter, 
in dem alten Gestus der Matrone ihr Schleiertueh 
lüftend, ähnlich wie Hera im Parthenonfriese neben 
Zeus. 

Als letztes aber nicht geringstes Argument dürfen 
die Fundumstände angeführt werden, trotzdem alle 
in Betracht kommenden Stücke weit vom Tempel 
verschleppt waren. Es wäre ein sonderbarer Zu- 
fall, dass beide Theile der von mir Sterope ge- 
nannten Figur ganz in der Nähe des Oinomaos, 
vor der südöstliclien, drei von den vier Bruch- 
stücken der Hippodameia bei dem Rumpfe des Pe- 
lops vor der Nordostecke gefunden wairden, wenn 
diese Gestalten nicht auch an ihrem ursprünglichen 
Stand- und Kallort ebenso gruppirt gewesen wären. 

Die Umnennung bedingt nothwendig auch eine 
Umstellung. Aber wer soll den Platz tauschen, die 
Männer oder die Frauen? Für Letzteies spricht, 
wie Michaelis endgiltig bewiesen zu haben scheint, 
die Beschreibung des Pausanias, dagegen die aus- 
gesprochene Linkswendung des Kopfes unserer 
Sterope, welche die gegenwärtig allgemein ange- 
nommene Ansetzung dieser Figur in der Südhälfte 
des Giebels veranlasst hat. Gelingt es Kekule, 
seine Neuordnung der Composition gegen die vor- 
gebrachten technischen Bedenken zu vertheidigen, 
dann freilich wäre es möglich, diese Wendung auf 
die vor dem nördlichen Viergespann knieende Die- 
nerin zu beziehen. Noch passender aber Hesse 
sich mit dieser Figur Hippodameia gruppiren. Das 
Mädchen könnte der Königstochter, welche nach 
einer Version der Sage den Freier auf der Fahrt 
begleitete, zu diesem Zweck die Schuhe festgebunden 
haben: ebenso wurde — woran mich Benndorf fieund- 
lich erinnert — in Polygnots Iliupersis Helena 
von der vor ihr kuieenden Elektra reisefertig ge- 
macht. Das setzt natürlich die Pausauias wider- 
sprechende Aufstellung des jüngeren Paares in der 
Nordhällte voraus, wofür doch einigermassen auch 
die erwähnte Richtung der Verschleppung zu spre- 
chen scheint. Die .Männer wären dann, wie mau 



285 



H. Blümner, Nachtrag. 



286 



zuerst angenommen hatte, nicht den Frauen, son- 
dern einander zugekehrt gewesen. 

So ist denn die Folge dieses Beitrags zur Einzel- 
deutung zunächst nur erneute Unsicherheit in der 
Erkenntniss des Zusammenhanges. Aber der schein- 
bare Eückschritt darf uns nicht verdriessen. Denn 
nur auf Grund genauester Erkenntniss der ein- 



zelnen Bruchstücke ist die gesicherte Reconstruction 
eines zertrümmerten Ganzen erreichbar. Möge die 
Lösung dieses Problems denjenigen gelingen, welche 
besser als ich alle in Betracht kommenden Mo- 
mente überschauen. 



Wien, Januar 1885. 



Franz Studniczka. 



NACHTRAG ZU S. 179ft\ 



Seitdem ich für meinen Aufsatz über die Speise- 
tische der Griechen die oben m'itgetheilte Zusam- 
menstellung gemacht, habe ich noch auf zahlreichen 
anderen Vasengemälden meine Ansicht, dass diese 
Tische drei Füsse, und zwar in der bezeichneten 
Weise, gehabt haben, durchweg bestätigt gefunden. 
Einen besonders deutlichen Beleg dafür liefert die 
in den Wiener Archaeol. Vorlegebl. Ser. VI. Taf. 10 
abgebildete Schale des Duris. Hier ist auf jeder 
Hälfte der x\usscnseite, deren Darstellungen sich 
genau entsprechen, neben zwei in der Vorderansicht 
gegebenen Klinen mit Speisenden, vor denen Tische 
stehen, ein Speisesopba von der Kopfseite aus, der 
Gelagerte also vom Kücken dargestellt, und dem 
entsprechend auch der vor ihm stehende Speisetisch 
nicht von der vorderen Langseite, sondern von der 
rechten Schmalseite gesehen abgebildet. Hier er- 
scheint denn der dritte Fuss (von der linken 
Schmalseite) genau in der Mitte der beiden an- 
deren; und während an den von vorn gesehenen 
Tischen nur links am Fuss eine nach inwendig ge- 
richtete, die Tischp atte und das Brett darunter 
verbindende Verzierung sichtbar ist (vergl. oben 
S. 190), und zwar im Profil, diese aber beim rechten 
Fuss nicht vorhanden ist, weil durch den Fuss 
selbst verdeckt, sieht man bei der von der Schmal- 
seite genommenen Ansicht des Tisches alle drei 



konsolartigen Stützen, und zwar die der beiden 
vorderen Füsse im Profil, dagegen die des hinteren 
Fusses genau folgerichtig en face. Weiterhin kann 
man auch hier an den Tischen beobachten, dass 
die Tischplatte an der Seite, an der die zwei Füsse 
angebracht sind, etwas vorsteht, während dies an 
der anderen Seite nicht der Fall ist. Dagegen 
giebt auch dies Vasenbild keinen sicheren Auf- 
schluss über die Gestalt der Tischplatte. In meiner 
Annahme, dass das Tischblatt dreieckig oder trapez- 
förmig gewesen sei, bin ich wieder etwas schwan- 
kend geworden durch den Man. d. Inst. III T. 49 auf 
einer Darstellung der Phiueussage abgebildeten 
Speisetisch, der zwar deutlich drei Füsse, aber kein 
trapezförmiges, sondern sicher ein oblonges Tisch- 
blatt zeigt. Ich muss danach es doch als möglich 
bestehen lassen, dass die Speisetische die S. 187 
(unten) angegebene Form hatten; nur bin ich ausser 
Stande anzugeben, was es für einen Zweck gehabt 
habe, dass man an der einen Schmalseite des 
oblongen Tischblattes bloss einen Fuss anbrachte, 
und ferner wie es kommt, dass diese Seite des 
Tisches mit dem einen Fuss immer zu Füssen des 
Speisenden sich befindet. Vielleicht geben weitere 
Funde auch hierüber einmal Aufschluss. 

H. Blümner. 



287 



288 



BEKICHTE. 



CHRONIK DER WINCKELMANNSFESTE. 



Athen. Das arcliäologisclie Institut in Atlicn 
hat am 10. December seine diesjälirigen Sitzungen 
eröffnet. Es tiugen vor die Herren Köhler über 
.\egyptisclie Urkunden und griechische Tradition, 
üörpfeld über das griechische Tlieater, Lolliug 
über die Topographie der Landschaft Doris. 

Rom, 12. December. Herr Ricliter sprach über 
die Befestigungen des antiken Ardea. Er erörterte 
zunäclist die Nothvvendigkeit, die noch existirenden 
altitalischen Befestigungen auch für die römische 
Topographie zu verwerthen und durch ihr Studium 
namentlich Licht über die älteste Periode Roms von 
der Gründung der Stadt auf dem Palatin bis zur 



Errichtung 



gefundenen 



der sogenannten servianischen Mauer 
zu verbreiten. Die wichtigsten Fragen für diese 
Zeit, wie wir uns die stufenweise Entwickelung der 
Stadt zu denken haben, und in welchem Verhält- 
nisse die innerhalb des servianisciien Mauerkreises 
Mauern zu diesem stehen, sind bei 
der fast gänzlichen Unbrauchbarkeit der Ueber- 
lieferung nur auf diesem Wege zu lösen. In Ardea 
sind drei Befestigungslinien vorhanden, die in zeit- 
lich weit auseinanderliegendeu Perioden errichtet 
wurden. Die Befestigung der ursprünglichen, sehr 
unbedeutenden Anlage l)esteiit, wo der natürliche 
Fels nicht Sciiutz gewährt, aus Mauern, die liin- 
sichtlich der Fügung den in Rom vorhandenen 
gleichartig sind. Die beiden anderen Befestigungs- 
linien sind Erd wälle, von denen namentlich der 
zuerst errichtete in manchen Beziehungen Analogien 
mit dem Serviuswall aufzuweisen hat. Die Thore 
der Stadt (im ganzen zehn) sind sämnitlich nach- 
zuweisen. Aus den auf dem Boden der Stadt ge- 
fundenen Resten ergiebt sich, dass die äusserste 
Wallraauer schon aufgegeben und die Stadt auf den 
Raum bis zum ersten Wall beschränkt gewesen 
sein muss, als Ardea unter römischer Herrschaft 
stand, dass also seine Blütheperiode in sehr frühe 
Zeit fällt. Es ergiebt sich ferner, dass auch in der 
Zeit der weitesten Ausdehnung die früher errichte- 
ten Befestigungen erhalten wurden und die Bewoh- 
ner der verschiedenen Theile durch Thore mit ein- 
ander verkehrten. 

Herr Heibig behandelte auf Grund der neue- 
sten Ausgrabungen in Corneto und Vulci die Frage 
nach der Herkunft der Etrusker. Er gab zu- 
nächst eine Uebersicht über die beiden ältesten in 

Archiiolog. Zt^. .Irthrgan{,' XLII. 



Jenen Nckropolen vorkommenden Gräbertypen. Das 
älteste Grab nicht nur dort, sondern in ganz Etru- 
rien ist die sogenannte 'lomba a pozzo' d. i. ein 
vertical in die Erde oder den Felsen eingearbeite- 
tes Loch, welclies ein Ascliengefäss enthält. Hierauf 
folgt die 'lomba a fossa' d. i. ein viereckiger Gra- 
ben mit einem nnverbrannten Leichnam. Da die 
jüngsten lombe a fossa bereits korinthische Vasen 
enthalten und demnach dem 6. Jahrhundert v. Chr. 
angehören, so ist es unzweifelhaft, dass diese Grä- 
ber von Etruskern herrühren. Der Vortragende er- 
wog, ob das Gleiche auch für die ältesten tombe a 
fossa und für die vorhergehenden lombe a pozzo 
anzunehmen sei. Wenn diese, wie mehrere Gelehr- 
ten meinen, von einer vor der etruskischen Ein- 
wanderung in jener Gegend ansässigen italischen 
Bevölkerung herrührten, so würde der Inhalt der 
tombe a fossa einen Abbruch der Entwickelung be- 
weisen. Dies ist aber nicht der Fall; vielmehr 
stellen die Gräber beider Arten eine ununterbrochen 
vorschreitende Entwickelung dar. Die lokale Kera- 
mik wie die Metalltechnik erscheint in den lombe 
a fossa als die organische Weiterentwickelung des 
aus den lombe a pozzo bekannten Stadiums. Eine 
ganze Reihe von Typen ist beiden Arten von Grä- 
bern gemeinsam, und vielfach lassen sich Funde, 
die aus der jüngeren Schicht stammen, von denen 
der älteren nicht unterscheiden. Wenn demnach 
die jüngsten lombe a fossa sicher etruskischen Ur- 
sprungs sind, so gilt das Gleiclie auch für die älte- 
ren Gräber dieser Art und für die vorhergehenden 
tombe a pozzo. Nun kennen wir in der Poebene 
eine Reihe von Nekropolen, welche eine ganz gleiclie 
Cultur zeigen, wie die im eigentlichen Etrurien ent- 
deckten lombe a pozzo. Der Vortragende hatte 
schon früher vermuthet, dass jene in der Pogegend 
vorliegende Schicht niclit nur Reste der Italikcr, 
sondern auch der Etrusker enthalte, dass beide 
Völker, als sie auf der Ostseite des Apennin wolin- 
ten, durch das gleiche Stadium durchgegangen seien 
und in diesem Stadium den Apennin überschritten 
und ihre historischen Sitze eingenommen hätten. 
Diese Vermuthuug wird durch den Kachweis, dass 
die in dem eigentlichen Etrurien entdeckten lombe 
a pozzo von Etruskern herrühren, zu einer histori- 
schen Thatsache. Zugleich ist hiermit auch die 
Frage nach der Herkunft der Etrusker entschieden. 

21 



289 



Clironik der Winckelmaniis-Feste. 



290 



Der Inhalt der etruskischen tombe a pozzo erscheint 
nah verwandt dem der ältesten latiniselien Gräber, 
die wir kennen, und im besonderen dem des älte- 
sten Theiles der Kekropole von Albalouga. Ein 
Unterschied zeigt sich iiöchstens darin, dass die 
latiuisehe Gruppe einen ärmlicheren Eindruck macht 
und eine geringere Varietät von Culturobjecten auf- 
weist als die etruskische. Also sind Italiker wie 
Etrusker mit einer ähnlichen Cultur au dem Ge- 
stade des Mittelnieeres eingetrofi'en, eine That- 
sache, durch welche sich zugleich erklärt, dass die 
beiden Völker in der älteren griechischen Literatur 
nicht scharf von einander unterschieden werden. 
Jene Aehnlichkeit der Cultur wäre aber unerklär- 
lich, wenn die Etrusker aus Kleinasien nach Italien 
eingewandert wären. Vielmehr nüthigt sie zu der 
Annahme, dass Italiker und Etrusker, bevor sie die 
westlichen Theiie der Halbinsel besetzten, in der- 
selben Gegend wohnten und daselbst den gleichen 
Culturbedingungen unterlagen. Kun ist es aber 
gewiss, dass die Italiker aus dem Norden einwan- 
derten und zunächst in der Poebene einen langen 
Halt machten. Das Gleiche gilt demnach auch für 
die Etrusker. Ferner berechtigt die Aehnlichkeit, 
welche zwischen der Cultur der beiden Völker ob- 
waltete, als sie den westlichen Theil Italiens be- 
setzten, zu dem Schluss, dass der Uebergaiig der 
Etrusker und der der Italiker über den Apennin 
ungefähr gleichzeitig erfolgten. Der Vortragende 
machte hierauf den Versuch, die Zeit dieser Wan- 
derung annähernd zu bestimmen. Offenbar wurde 
der Uebergang der Sikuler nach der Insel, der sie 
den Namen gegeben, dadurch veranlasst, dass sich 
die Etrusker und die Italer auf der Westseite des 
Apennins ausbreiteten. Für den Uebergang der 
Sikuler aber ergiebt sich ein Terminus posl quem 
daraus, dass die Dichter der Odyssee als Bew;oli- 
ner der südöstlichen Küste Italiens noch nicht die 
später daselbst ansässigen lapygier oder Messapier, 
sondern noch die Sikeloi namhaft machen. Be- 
kanntlich schildert das homerische Epos die Völker- 
verhältnisse, wie sie vor der dorischen Wanderung 
vorlagen. Also dürfen wir annehmen, dass vor 
dieser Wanderung die Sikuler noch auf dem Cou- 
tinente ansässig waren und gleichzeitig mit der- 
selben oder kurz nachher nach der benachbarten 
Insel übersiedelten. Ein Terminus ante quem ist da- 
durch gegeben, dass die Hellenen, als sie nach der 
Mitte des achten Jahrhunderts die Ostküste der 
Insel zu colouisiren anfingen, daselbst bereits Si- 
kuler vorfanden. Wenn nun die Auswanderung 



der Sikuler eine Folge des Vorrückens der Etrusker 
und Italer war, so haben die letzteren beiden Völ- 
ker ebenfalls entweder gleichzeitig mit der dorischen 
Wanderung oder bald darauf den Apennin über- 
schritten. Endlich weist der Vortragende daraufhin, 
dass zwischen den Völkerbewegungen, welche gleich- 
zeitig auf der Balkan- wie auf der Apenninhalb- 
insel stattfanden, offenbar ein Zusammenhang be- 
steht. Es müssen sich damals im mittleren Europa 
Umwälzungen vollzogen haben, welche ein Vor- 
rücken der Völker nach Süden zur Folge hatten 
und ihre Wirkungen auf beide classischen Länder 
erstreckten. Vielleicht hat man dabei an den Ein- 
bruch der Germanen zu denken. 

Berlin, 2. Decernber 1884. Das diesjährige 
(44.) Winckelmannsprogramni der archäologischen 
Gesellschaft ist von Herrn Weil verfasst; es be- 
handelt: „Die Künstlerinschriften der sicilischen 
Münzen." Die Festsitzung leitete der Vorsitzende 
Herr Curtius mit einem Nachruf an die im Laufe 
des Jahres verstorbenen Mitglieder der Gesellschaft, 
die Herren K. MüUenhoff, R. Lepsius, J. G. 
Droysen, Lord Ampthill, F. G. Kiessling, K. 
F. Meyer ein und gab dann einen Ueberblick über 
die Fortsehritte, die das verflossene Jahr in Er- 
forschung der klassischen Welt gebracht hat. Das 
Hochland von Lykien hat eine österreichische Ex- 
pedition unter Benndorfs Leitung erschlossen; iu 
Pergamon ist die Forschung über die Altarter- 
rasse weit hinausgegangen; in Athen hat die Auf- 
deckung des antiken Bodens der Akropolis begon- 
nen und Denkmäler und Staatsurkunden aus der 
Pisistratidenzeit ans Lieht gefördert; über die Kunst- 
schulen auf den Cykladen gewährt das durch 
französische Forscher gebildete Museum delischer 
Alterthümer auf Mykonos neue Aufschlüsse; in 
Klazomenä sind die ersten Denkmäler altioniseher 
Thonnialerei zum Vorschein gekommen; die Trüm- 
merstätten von Assos sind durch Amerikas Be- 
mühungen neu durchforscht w'orden; eine von grie- 
chischen Gelehrten in Olympia gehaltene Nach- 
lese hat das letzte Viertel der Palästra freigelegt 
und kleinere Fragmente der Giebelgruppen und 
Metopen, Statuenbasen, altcrthümliche Werke iu Er/, 
und Stein u. A. zu Tage gefördert. Das merkwür- 
digste Ergebniss des verflossenen Jahres ist jedoch 
die Aufdeckung der Burg von Tiryns durch 
H. Scliliemaun, durch welche von neuem der histo- 
rische Gehalt griechischer Heldensage glänzend be- 
stätigt worden ist. Die Durchforschung des Askle- 
pieion bei Epidauros ist ausserordentlich frucht- 



291 



Clironik der Winckelinaiiiis- Feste. 



292 



bar an den interessantesten Inschriften, Bauresten 
und Bildwerlien gewesen. Unsere Kenutniss der 
wichtigsten Gattung- monumentaler Plastik , der 
ftiebelsculptur, ist durcli die Auffindung der be- 
malten Porossteinreliefs von der Aliropolis mit He- 
raklesdarstellungen, sowie durch Funde in Epidau- 
ros und Luni bereichert worden. Mit dem Finden 
hält die Verarbeitung des Gefundenen gleichen 
Schrilt: ein Hauptstiick der pergamenischen Giganto- 
machie ist seit kurzem in richtiger Höhe mit seiner 
ganzen arciiitektonisciien Umrahmung aufgestellt 
worden und die 21 Figuren des Ostgicbels von 
Olympia sind in voller Grösse mit Sicherheit ergänzt 
worden, so dass jetzt das Giebelfeld in seinen ur- 
sprünglichen Maassen uns vollständig vor Augen 
steht. 

Her Furtwängler besprach ein Hauptstiick der 
jüngst vom König]. Jlusoum erworbeneu Sabu- 
roff schon Sammlung, die lebensgrosse Bronze- 
statue eines nackten Jünglings, welche, bis 
auf den Kopf völlig erhalten, auf dem Meeresgrunde 
bei Salamis gefunden wurde, die einzige grosse 
Bronze aus der Bliithezeit des Erzgusses, welche 
auf griechischem Boden zum Vorschein gekommen 
ist. Nach einer ausführlichen Erörterung über die 
verschiedenen Typen der ruhig stehenden unbeklei- 
deten Jünglingsfigur in der antiken Plastik kam 
der Vortragende zu dem Resultat, dass die Sabu- 
roff'sche Bronze etwa dem Anfange des 4. Jahrh. 
V. Clir. angehöre und aus der argivischeu Erz- 
giesserschule stamme. Sie stelle, worauf Reste lan- 
ger Locken auf den Schultern führten, wahrschein- 
lich Apollo dar. — Herr Mommsen las über den 
Begrifl" des römischen Limes und über den jetzi- 
gen Stand der Forschungen über den germanisch- 
raetischcn Grcnzwall. Bei dem Kreuzsclniitt, auf 
dem die römische Messkunst beruht, bedeutet cardo 
die Sehlinie des Messenden, limes (später limes deci- 
manus oder decimanus schlechtweg) die diese schnei- 
dende Querlinie. Da diese Linien die Ackerstücke 
begrenzten, so bildeten sie auch die Wege. Wäh- 
rend nun für cardo in dieser Beziehung via (Haupt- 
•weg) eintrat, bezeichnete limes den Querweg oder 
auch den Nebenweg. Dies ist der Gebrauch des 
Wortes in der Sprache der republikanischen Zeit. 
Auf die Grenzen bezogen findet sich das Wort zu- 
erst bei Velleius. Auch in diesem Sinne bedeutet 
es zunächst die Querstrasse, welche die Verbindung 
von einem Grenzposten zum andern herstellt. Eine 
solche befestigte Querstrasse ist z. B. der Hadrians- 
wall in Britannien. Der obergermanische Limes 



ist ein Erdwall mit vorgelegtem Graben, in dem 
Waclitthürme und ca. 50 Kastelle eingefügt sind. 
Der sich aiiscldicssende rätische Limes ist eine ein- 
fache SteinschUttung ohne Kastelle. In ihrer ersten 
Gestalt gehört diese Anlage der flavischen Zeit an; 
sie ist ca. 70 — 80 deutsche Meilen lang, wovon 
zwei Drittel auf den obergermanischen Theil ent- 
fallen. Zweck derselben kann nicht eine fortifika- 
torische Umwalluug gewesen sein, denn die ganze 
Besatzung der Provinz (30,000, im 2. Jahrb. sogar 
nur 20,000 Mann) hätte nicht einmal für eine Be- 
setzung der Kastelle, geschweige denn des dazwi- 
schen liegenden Walles ausgereicht. Sie kann für 
gewöhnliche Zeiten nur zur Sicherung der Grenze 
gegen Räuber und Schmuggler gedient liaben. — 
Zum Schluss legte Herr Gurt ins einen von Herrn 
Kaupert entworfenen Grundriss des attischen 
Kerameikos im Maassstal)e von 1 : 1(X)0 vor und 
zeigte, wie der Kerameikos sich auch von Natur in 
zwei Abtheilungen gliedert, eine südliche, welche 
bis zur Hermenstoa noch dem Terrain des Areopags 
angehört, und eine nördliche, die eigentliche Nie- 
derung, von der Attalosstoa im Osten begrenzt. 
Für die Richtung des Dromos nach dem Dipylou 
konnte die Fundstätte des Eubulides-Denkmals als 
fester Punkt angesetzt werden. Bei Erörterung der 
Amtslokale und Verkehrsplätze konnte der Vortra- 
gende auf den neu aufgedeckten Stadtmarkt von 
Assos Rücksicht nehmen, von welchem eine Skizze 
des Herrn Koldewey vorlag. Die Anlagen von Athen 
sind lur alle ähnlichen Anlagen von vorbildliclier 
Bedeutung gewesen. 

Bonn, 9. December. Der Vorsitzende des Alter- 
thurasvereins, Professor Schaaff hausen, begann 
die Reihe der Vorträge mit einem Hinweis auf die 
Alterthumsforschung der Gegenwart, die nicht nur 
ihr Gebiet erweitert, sondern auch ihre Methode 
vervollkommnet habe. Was unsere Zeit kennzeichne, 
sei das Zusammenwirken der verschiedensten mensch- 
lichen Kenntnisse zur Lösung einer wissenschaft- 
lichen Frage. Bei vielen archäologischen Unter- 
suchungen werde jetzt die Naturwissenschaft, zumal 
die Anthropologie, die Chemie, das Mikroskop zu 
Rathe gezogen. Jedes Jahr bringt uns neue Schätze 
der alten Kunst, aber auch neue Ansichten der For- 
scher, die uns oft überraschen und das wieder in 
Frage stellen, was wir für ausgemacht gehalten 
haben. Wir stimmen gewiss noch Lessing bei, 
wenn er sagt, dass die Schönheit das höchste Ge- 
setz der bildenden Kunst bei den Griechen gewesen 
sei, aber wir fragen: war diese Schönheit eine Er- 
at* 



•293 



Chronik der Winckelmanns-Feste. 



294 



liudung des Künstlers, oder war sie der Natur ab- 
gesehen? Die Forschungen von Quetelet und Kico- 
lecci beweisen das letztere. Auch das griechische 
Profil ist ein nationaler Typus. Nur darin wird die 
Natur von der Kunst übertrotlen, dass diese das 
Schöne vereinigt, das im Leben nur vereinzelt ge- 
trofl'en wird. Das Ideal der bildenden Kunst aber 
bleibt eine Abstractiou von der Wirklichkeit. Die 
.Sculptur befriedigt uusern Sciiönlieitssinn nur durch 
die Form. Mau hat neuerdings auf Grund von 
Farbresten, die man an griechischen Bildwerken 
gefunden, die Behauptung aufgestellt, die Griechen 
hätten ihre Marmorstatuen bemalt und wir sollten 
es wieder thun. Die Kunst kann aber der Farbe 
entbehren, wie es die Werke in Erz und in Elfen- 
bein sowie die geschnittenen Steine zeigen. Selbst 
die Zeichnung und der Kupferstich wirken ohne 
Farbe. Für diese giebt es eine besondere Kunst, 
die Malerei. — Hierauf hielt Professor R. Kekule 
einen Vortrag über die Kunst des Praxiteles. Er 
begann mit dem, was sich aus den Nachrichten der 
alten Schriftsteller und aus Inscliriften über die 
Persönlichkeit, die Familie und über die Werke des 
Künstlers feststellen lässt. Winckelmann Hess mit 
Praxiteles den zweiten und anmuthigeu Stil der 
griechischen Kunst beginnen; er suchte sich den 
Unterschied zwischen Phidias und Praxiteles durch 
den Unterschied von Kaphael, Andrea del Sarto 
und Leonardo auf der einen, von Correggio, Guido 
und Albano, den „Vätern der Grazie", auf der an- 
dern Seite klar zu machen. Der Redner wies darauf 
hin, dass, während gegen 50 Werke des Praxiteles 
erwähnt werden, wir nur von 7 eine mehr oder 
weniger deutliche Vorstellung haben. Die wich- 
tigste Grundlage unserer Kenntniss des Künstlers 
ist das einzige noch vorhandene Original, der in 
Olympia gefundene Hermes; im übrigen sind wir 



auf Copien, Nachbildungen, Umbildungen und Re- 
miuisceuzen angewiesen. Dabei kamen zur Bespre- 
chung: der Apollo Sauroktonos, die knidische Ve- 
nus, der ausruhende und der eingiessende Satyr, 
die gewandknüpfende Artemis und der Eros von Pa- 
rion. ^ Prof Klein lenkte zuletzt die Aufmerk- 
samkeit der Versammlung auf zwei im Laufe des 
vorigen Jahres in der Nähe von Köln aufgefundene 
Thonwaarenfabriken, von deren Inhalt er die 
einzelnen Fundstücke, soweit sie in das Provinzial- 
Museum zu Bonn gelangt sind, vorlegte. Nachdem 
er kurz über die den Fund begleitenden Umstände 
berichtet hatte, ging er näher auf Form, Material, 
Farbe, Gliederung und Verzierung der zu Tage ge- 
förderten Thongegenstände ein, unter denen Masken 
und Figuren einen besonderen Platz einnehmen. 
Redner suchte daun die Bedeutung und Bestimmung 
dieser beiden letzteren Gegenstände aufzuklären, in- 
dem er den ersteren nicht eine theatralische oder 
sepulcrale, sondern eine deeorative Bestimmung bei- 
legte, die Thonfiguren dagegen wegen ihrer ausser- 
ordentlichen Kleinheit für Nippsachen, beziehungs- 
weise Kinderspielzeug erklärte. Ein gesteigertes 
Interesse verleiht diesen Funden der Umstand, dass 
auf ihnen zum Theil die Namen der beiden Fabri- 
kanten nebst Angabe, wo das Geschäftslokal der- 
selben im alten römischen Köln lag, eingebrannt 
sind, wodurch ein nicht unwichtiger Beitrag zur 
Kenntniss der dunkeln Topographie Kölns gewon- 
nen wird. Der Zeit nach gehört der Betrieb der 
beiden Fabriken höchst wahrscheinlich dem Ende 
des 3. Jahrhunderts n. Chr. an. 

Kiel. Zur Feier des Winckelmannsfestes hielt 
Professor Dr. Richard Förster im Philologen- 
Verein einen Vortrag über „die Verläumdung 
des Apelles in der Renaissance." Der Vor- 
trag soll im Druck erscheinen. 



Berichtigung zu S. 213. 
In dei' Abbildung der ^Schlangentopfwerferin' sondern der Natur entsprechend abwärts, vom 

st leider ein kleines Versehen des Zeichners unbe- Kopfe herunter. Wird dieser Umstand nach Mass- 



merkt geblieben: an dem im Original freilich sehr 
verwitterten Halse der Schlange nämlich laufen die 
Schuppen nicht in verkehrter Riciitung aufwärts, 



gäbe des Originals in der Abbildung verbessert, so 
findet keine Unterbrechung der natürlichen Win- 
dungen der einen Schlange statt. 0. Puchstein. 



295 



296 



Naclitrcij 
Zu der von uns angeführten Stelle der Hera- 
kliden des Euripides giebt Musgrave weitere Belege 
flir die Personification von ^liov. Suidas u. Jiayvd- 
fuüv, 'Eniifttving und 'HQataxog. Orpheus ad Mu- 
saeum 28. Nonuus Dionvs. VI, 371. VII, 23ft'. XLI, 
179. Quintus Sinyrn. XII, 194. 

Auf die Beziehung des abstrakten Begriffes zur 
Unterwelt, durcli bezeichnende Attribute kenntlich 
gemacht, liat Clemens Otto in seinen Quaesliones 
Sophocleae p. 19 im Programm des kathol. Gymn. 
an der Apostelkirche zu Köln vom J. 1876 auf- 
merksam gemacht. Er citirt Eur. Phoen. 1487 : 

ntdJfiaTa vexgwv zgiaatuv | xotKJJ i^avarw \ 

axmtav alwra laxnvtiov. Eur. Iph. Aul. 1508: lio 



zu S. 2G6. 

la/.i7Jadnv'/ng afiega Jiög. xe (fiyyog | fxsgnr 
t'ceqov alcüva xai (xolQav olxrjao/i(£v , und emendirt 
bei Sopli. El. 1085: xal av näyxlavzov alüi (so 
Nauck für alcSva) xelaivov (für xlsivov) e'i'lnv. 

Von der mehrfach vorkommenden löwcn-, auf 
Mithrasreliefs auch mensclienköpfigen Gestalt (Zoega 
Bassr. T. 59. Müller-Wieseler Denkm. II Taf. 75,967. 
Visconti Miiseo Pio-Cl. II T. 19. Montfaucon Ant. 
expl. 1,2 Taf. 215,4. Caylus Recueil N\ T. 74,1), 
welche Zoega Aeon benannt hat, konnte abgesehen 
werden, da diese spätrömische Allegorie mit der 
Personitication des Aeon aus guter Zeit, wie sie uns 
jetzt zum ersten Male vorliegt, jedenfalls nichts zu 
thun hat. Hartwig. 



Br. = Bronze. G. ■■ 



Gemme. Mos. = 
5(0.. = Statue. 



Aberdeen Kopf aus Olyniiiia in — 71 
Abschied sscene auf Skphijn. 1 7 
Abu Habba (Babylonien) Ausgrabun- 
gen in — 75 
Abydos, Golddiadem aus — 92 ft'. 
Achilleus-Si'/jÄje. 219 
Achna b. Salamis (Cypern), Tn. und 

Inschr. aus — (Brit. Mus.) 143 f. 
Ackerbau V. d. Nikosthenes (Berlin) 

60,9 
Adler den Ganyniedes entführend T. 

aus Myrina (Berlin) 76 
Aeakos auf Unterwelts- T'. (Karlsruhe) 

265 
Aeetes' Schattenbild 10 
Aegeus auf 'Vhesem-Shphy. (Koni) 77. 

280; stiftet den Cult der Aphrodite in 

Athen 279 
Aeneas Tinryioj iltöi in llion auf In- 
schriften 223,1; sein Auszug von Atfen 

piirüdirt Wgm. 10,15 
Aeon personilicirt I'. (Karlsruhe) 266. 

295. 
Aeschylos Sept. 645:26-1,16; Fragm. 

280:9 
Affe T. (Berlin) 66; Aeneas' Auszug 

von — n parodirt 11'^»«. 10,15 
Ageladas Pheidias Schüler des — 134 
Aglauros Wagenlenkerin der Athena 

(Parthenonmetope) 54 
Alaesiagae german. Gottheiten 74 



REGISTER 

VON 

KONRAD WERNICKE. 
I. 

Mosaik. Mze. = Münze. Rel. = Relief. 
T. = Terracotta. V. = Vase. Wgm. = 

Alba longa Nekropole von — 289 
UkrfUtta personificirt im Pinax des 

Kebes 122 
Alexander d. Gr. Herme Azära 161 
Alexander I. von Epeiros Mzn. des — 

229 
Alkyoneus 31 ff. 
Alphabetische Reihenfolge der Namen 

auf lateinischen Inschriften 73 
A 1 1 a m u r a , Unterwelts- 1'. aus — (Neapel) 

253 ft: 

Altar Form des — s der Athena Nike 
96, S; Modell eines — s aus Cypern 
(Brit. Mus.) 143; Lapithenfrauen zu 
einem — flüchtend Vn. 58,3; Knabe 
neben — T. (Berlin) 66 

Amasis T' des — ans Orvieto (Neapel) 
237 

Amazonen-Kampf 1". aus Athen (Ber- 
lin) 66 f. 

Ampliitrite (Paiihenonmetope) Ö3 

Anakreon l'ortratdarstellungen des — 
149 ft'. 

'Aväyxi] personificirt Rel. 129; Unter- 
welts- f. (Neapel) 265. 

Andreas, Erzgiesser, Inschr. des — 
(Olympia) 146 

A n taios 37,1 I 

Anthologia Palatina V 56. 96. 100. 
155:4,5; 179:19 VII 23— 33 : 150 ; 
424:141; 42S:14_' 1X28.102—104. 



Shphy. = Sarkophag. 
Wandgemälde. 



Sp. = Spiegel. 



387:224,2; 599:152; 792:270 XII 
92. 93:4,5; 132:4 XVI 306 — 
308: 150 

Anthologia Latina 411:224,2 

Antiocheia des Eutychides 140. 162 

Antiochos Athena des — (V. Ludovisi) 
131 

Antiochos I. So ter Porträtdarstellun- 
gen des — 157 ft'. 

Antiochos d. Gr. 230,21. 232 

Antiochos I. v. Commagene, Grabmal 
des — 63 

Antipater Dichter d. Anthologie 141. 
270 

Antonin US Plus Br.-Mze. des — (Ken- 
taurenkampf) 58,3 

Apelles Monoknemos des — 133ft'.; 
die koische Aphrodite des — 135 f. 

Apfel Attribut der Athena Nike 96,8 

«(/ /«dro»' in der Hand der Parthenos 
G. aus Cypern 167 

Aphrodisias Eros u. Psyche Marmor- 
gruppe aus — (Berlin) 20 ff. 

Aphrodite Eros fesselnd 19; sandalen- 
lösend 138 ; sich spiegelnd V. aus Caere 
(Berlin) 83. 86 ; koische — des Apelles 
135; — auf Theseus - Skphg. (Rom) 
78. 279 f. 

Apollodor m 12,2, 2 223,1 

A p o 1 1 o n Br. Saburoff aus Salamis 
^Berlin) 291 ; im Gigantenkampf (Par- 



297 



Register. 



298 



thenonmetopen) 49. 52; — uiul Mar- 
syas Vn. 87 f., von Eroten ijarodiit 
10,15; Orestes schützend T'n. "201 tt'. 

Apotropaea, Glocken als — 145 

Appian Mithr. 53;223,1- 235,32 

Apuleius Psychefabel bei — 3; Metani. 
XI 11:216 

Aquari Skphge. im Besitz von — (Rom) 
77 

Ardea, Befestigungen des antiken — 
287 

Ares im Gigantenkampf (Partlienon- 
metopen) 48 f. 

Hyijaf, peisonificirt im l'inax des 
Kebes 124 

Arg OS, Eros u. Psyche 3larmorgrui>i>e 
aus — 15 

Ariadne und Dionysos, Golddiadem aus 
Abydos 92; — und Theseus, arch. 
Goldschmuck aus Korinth Berlin) und 
V. (Corneto) 107; — von Theseus 
verlassen Skphg. (Rom) 272, Wgm. 
274 f., Vn. 277 f. 

Aristomachos, Erzgiesser, Inschr. des 
— (Olympia) 146 

Aristophanes und Erginos V. von — 
(Berlin) 47 

Aristophanes Fragm.530: 185; Lysistr. 
760:163,5; Ritt. 1092 ff.: 163. 1169: 
164; Vögel 514: 164.525:166,13. 670: 
164. 693ff.:266. 1115:166,13 

Aristophontes' Dysarestia 3 

Armband goldenes — aus Griechenland 
(Berlin) 67 

Armentum Vn. aus — 207. 25411'. 

Artemidor Onirocr. II 37:119,2; 
III 36: 173; p. 147,5:142 

Artemis Br .- Statuette (Berlin) 65; — 
Polymastos Statuette aus Ephesos 
(Brit. Mus) 144; auf Hirsch reitend 
SiUierteller (Berlin) 67; im Giganten- 
kampf (Parthenonmetopen 54; auf 
Neoptolemos - r. (Corneto) 72; auf 
Orestes- Fn. 203. 205; Votive aus 
einem kypr. Tempel der — (Brit. 
Mus.) 143 

Asia, personiticirt ßr. (Brit. Mus.) 1311, 
vgl. 25 ff. 209 ff'. 

Asklepios Sta. zu Epidauro.s 130; 
Dipti/chon (Liverpool) 218 

Aspasios G. des — mit licplik der 
Parthenos 129 

Assos, Tempelreliefs aus — 64 

Assteas, Herakles- T'. des — 202,9 

Assur- nasir-ahal , assyr. König 75. 

Assyrischer Relicfstil75; Sonnengott 75 

Asteria im pergamen. Altarfrics 148. 

Athen, Grundriss des Kerameikos 292; 
Mzn.: att. Tetradrachmen gel. in 
Karystos 76, mit Parthenos 129; 



Eros -Äa/ueHe und Helm Br. aus — 
144. 146; Repliken der Parthenos 
in — 131; Büste des Hermarch in — 
153 ff. ; Rel. mit Schlangentopf in — 
218; T.-Stotuetten 66; Vn. 43. 66f. 
251; arch. Goldschmuck lOlf. 104f.; 
Giebelreliefs aus Porosstein von der 
Akropolis 291 
Athena Ilias in llion 223ff.; Nike 
96,8; Parthenos des Pheidias, Copien 
61 f. 129 ff., Selene auf der Basis 96.8, 
Eule Attribut 161 ff.; im Giganten- 
kampf 48. 51. 225f.; auf Vn. 38.45. 

239. 248; auf Goldschmuck aus Elaea 
91; auf Theseus-.i>7^/j/i(/. (Rom) 78.280 

Athenaeus II 49 A: 179; VI 23SB. 

2420:210 
Attalos I. von Pergamon 232. lAniüi; 

ifvXri in Ilion 233 
Augen von Hörn aus Chiusi (Berlin) 

65; eingesetzt Sta. 149; Skphg. 219 
Augsburg Bleiplatte aus dem Lech 

bei — (Berlin) 68 
Aufseher der Palaestra, F. des Euphro- 

nios (Neapel) 243 f. 
Aulis Opfer in — 72 
Ausonius Mosella 308 ft'.: 166,12 

Bacchantin s. Maenade 

Basilicata Orestes- T'n. aus der — 
199 

Bassae Fries vom Tempel zu — 57 

Beda, german. Gottheit, Inschr. 74 

Befestigungen, altitalische (Rom, 
Ardea) 287; — von Constantinopel 
tmd Carthago 76 

Bemalung an Achilleus - 5/:^jÄ(/. aus 
Kertsch 219; an Metope von Ilion 
228,12; an T. aus Griechenland (Ber- 
lin) 66 ; an Skphgn. 77; am pergamen. 
Altarfries 147 f. 215 

Benihassan Bild eines ägyptischen 
Webstuhls in einem Grabe zu — 176 

Berlin Erwerbungen des kgl. Museums 
lS8:!:63ff. ; Bronzen: Jünglings -5(a. 
(Saburoff) aus Salamis 291, Eros und 
Psyche Bei. 1 ff ; Handzeicbnungen 
nach Antiken 115 ff'. 145; Marmor: 
Hermarchos Kopf 155, Eros u. Psyche 
Gruppen 14. 20 ff'. Mzn.: Doubletten 
der Olympia - J/zn. 148; Tn.: Zeus 
als Adler den Ganymedes entführend 
aus Myrina 76, Athena und Enkelados 
226; Vn. (Marsyas) aus Caere 81 ff., 
(Orestes in Delphi) 203 ff'., des Aristo- 
phanes und Erginos (Gigantomachie) 
47, des Charinos 238, des Epilykos 

240, des Nikosthencä (Ackerbau) 60,9; 
Goldsclimuck 9911'. ir2ff.; Blei|ilatten 
68. 71 f. 



Blacas, Unterwelts- V. der Sammlung 
— 253 

Blei -Barren mit röm. Inschr. (Berlin) 
71 f.; — gewicht (kyziken. Mine) im 
Brit. Mus. 146; — marken mit Bild 
der Parthenos 166 f.; — platte aus dem 
Lech bei Augsburg (Berlin) 68; — ver- 
guss in der heilenist. Architektur 23,4 

Blitz bei Zeus F. 84. 89; etr. Sp. 89,15 

Bock, Eros auf — T. aus Griechenland 
(Berlin) 66 

Böotien /".-Statuetten und ]'n. aus — 
(Berlin) 66 f. 

Bonn, röm. Thonwaaren aus Kölner 
Fabriken in — 294 

Brettspiel von Kriegern T'. des Ilieron 
(Florenz) 248 

Bronzen Erwerbungen des Berl. Mus. 
65, des Brit. Mus. 144 ff.; Büsten: 
Mercur 145, Hermarchos 155; prae- 
nestin. Cista (Eros und Psyche) 6; 
Funde aus einem Grabe bei Chiusi 
(Berlin) 65; Massstab aus Manga- 
necchia (Dresden) 191fi'. ; Militardiplom 
Domitians (Pe-th) 64; Mze. des Anto- 
ninus Pins (Kentauromachie) 58,3; 
Reliefs: Ero.< und Psyche (Berlin) Iff., 
Seegott und Nereiden (Brit. Mus.) 25 ff". 
I37ff. 209ff'., Gorgoneion (Edinburgh, 
Brit. Mus., Verona) 27 ff., Philoktet an 
der Backenklappe eines Helms (Berlin) 
65 , Athena und Enkelados (Museo 
Kircheriano) 226; etr. Sp.: Giganto- 
machie 33,5, Zeus bei bacch. Gelage 
ans Palestrina ;Rouen) 89,15, Zeus 
entführt als Adler den Ganymed, 
Spiegelkapsel 76; Statuetten: Jüngling 
aus Tarent (Brit. Mus.) 21 ff., Artemis 
aus Rom (Berlin) 6o, Jüngling mit 
Diskus aus Etrurien (Berlin) 65, Hera- 
kles aus Constantinopel (Berlin) 65 ; 
Stempel aus Constantinopel (Berlin) 
65; Urne aus Capua (Berlin) 65; 
Löwenmasken aus Syrien (Berlin) 65. 

Bryaxis Porträt des Seleukos von — 
162 

Brygos Vn. des — 249 ff'. 

Bucchero- In. Stil der — 101 

Bundesstädto, italische u. ctruskische 
74 

Caere Inschr aus — 73; Marsyas- F. 
aus — 8 1 ff'. 

Canosa Unterwelts- F. aus — (Mün- 
chen) 253 fr. 

Capua Br. - Urne aus — 65; T' des 
Ilieron in — 249 

Carthago Befestigung von — im Alter- 
thum 76; Okeanos Mos. aus — (Brit. 
Mus.) 211 



299 



Register. 



300 



Caithayü Nova Bleitiarren aus — 

(Berlin) 71 
Castel Giubileo, Tbeseus-Skp/iff. aus 

— (Rom) 7 7 f. 273 ff. 
Castellani'si;he Sammlung in Hom 77 
Cato de r. r. X 5. XIV 2: 175 
Catull 64,91 ff.: 279, 14 

Charinos I'/i. lUs — 66. 238 f. 
Charon r.-Ilet. aus Kleiuasien (Berlin) 

66; auf Theseus-SXyjAj. (Koni) 78. 

276 ff. 
Cheiron, den Achilleu.s unterrichtend, 

Skjjhye. 119 
Chiron 1'. des,— 2:;9 
Chiusi tomba a ziro bei — 65 
Cicadenlarve von Gold aus einem 

sardinischen Grabe 7 Anm. 12 
Cicero, Leg. II 26,66:93 
Cilicien, M:e. mit (/'ojiie der l'arthe- 

nos 61 f. 
Ciris V. 179:172,12 
Cista mystiea auf Dijiti/chon (Liver- 
pool) 218 
Claudian de raptu Troserpinae III 

184f:32,4. Gig. lat. 10Sft'.:33,5 
Coghil'sche Vasensammlung 200 
columellae Grabmäler 93 
Commagene Grabmal Antiochos I. 

von — 63 
Constantin I. M:n. des — (Brit. Mus.) 

144 
Constantinopel Befestigung von — im 

Altertlium 76; llenMes-Sliituette und 

iStempel aus — 65; Delphin Br. aus 

— (Brit. Mus.) 144 

Cornelius Rufus, Landschaftsbilder 

aus dem Hause des — 140 
Corneto, Funde: Brustschmnck aus 

tomba dei guerriere (Berlin) 112; Vh. 

31.1. 141 f. 277, des Duris (?) 246 f., 
des Nikosthenes und Charinos 238, 
des Pamphaios 43,22. 53, des Philtias 
und Deiniades 251 

Cyperu, Alterthiiiner aus — (Brit. Mus.) 
143 f.; Siegelring aus — mit Bild der 
l'aithenos 165 ff'. 

Daimon personificirt Äc/. -Fragm. 117 
Danaide auf Unterwelts- 1'. aus Ruvo 

(Karlsruhe) 256,3. 261 
Deiuneira von Nessos entführt T'. 

aus Korinth (Brit. Mus.) 144 
Deidamia auf Acbilleus-Sip/i^n. 219; 

bei Neoptolemos' Auszug V. 72 
Dei mos am pergamen. Altar 56 
Deiniades und Pliiltias Vn. von — 

32.2. 251 

De los, Goldscbniuck aus — (Berlin) 

1 1 1 f. 
Delphin, Br. aus Constantiiiopel (Brit. 



Mus.) 144; Br.-Rel im Brit. Mus. und 
Edinburgh 26 f. 137 ff. 209 ff'. 

Demeter im Gigantenkampf (Parthenon- 
metopen) 48 f. 

Denietrios von Phaleron, Säulenhalle 
des — am Tempel zu Eleusis 75; 
Vorschriften des — über Grabmäler 93 

Demetrios von Skepsis, Beschrciliung 
von Ilion 231 f. 

Ps. Demosthenes 25.52:270,21 

D en ar s. Münzen 

Di all ein w. (»old 

Dikü auf dem Kvpseloskasten 264; auf 
Unterwelts- r. (Karlsruhe) 263 ff. 

Di mini, prähistorische Scherben aus — 
(Berlin) 67 

Dio Chrysostomos Or IV 114: 118,1; 
Xn 6:161,1; LXIII 7. LXV 12: 
119,2 

Diodor, Gräberperiegese des — 95; 
IV 26:258; XVIII 4:230 

Dionysios von Halikarnass V 61 : 73 

Dionysos bärtig auf Vn. 38,13, 85; 
gelagert K des Nikosthenes (Cor- 
neto) 238 ; in der Gigantomachie 
32, (Parthenonuietope) 48 f. ; — und 
Ariadne, Goldschmuck aus Abydos 
92; — und Semele auf Stierwagen 
r.-Metope aus Paestum 228,12; Hades 
als — 86; Zeus als — 85; Fufluns 
genannt auf elr. Spiet/ein 85 f. 

Dioskuren mit Schlangentopf .Uzn. 
von Sparta 217 

Diptychon, Asklepios und Ilygieia mit 
Schlangentopf (Liverpool) 218 

Dipylon Stil der — Vn. 101; Gold- 
schmuck vom — 101 

Diskus Jüngling mit — Br.. Statuette 
aus Etrurien (Berlin! 65; Diskuswerfer 
auf Vn. 242,2. 243 

Domitian, Militärdiplom des - (Pesth) 
64 

Dorotheos Copie der Anadyomene 
des Apelles vou — 135 

iio'itii personificirt im Pinax des Kebes 
121 

Dresden Eros und Psyche Marmor- 
ijruppe in — 14; Kojif vom kleinen 
pergamen. Fries in — 64 ; antiker 
Br -Maassstab aus Manganecchia in — 
191 ff. 

Duris, Vn. des — 245 ff. 285; l h. aus 
der Schule des — .'42. 247 

Dysarestia des Aristophontes 3 



Edinburgh. Gorgoneion Br-Ret. in 

— 27 ff. 
'Eyx^iaitia personificirt auf dem Pinax 

des Kebes 121 



Eidolon Verstorbener 42,21 Vn., des 

Aeetes 10; Sinnbild der Seele 10 
Elaea Goldschmuck aus dem Golf von 

— 89 ff". 

Elektra in der Iliiipersis des Polygnot 
284 

Eleusis, Ausgrabungen in — 75 

Enkelados Gigant 32; — und Athena, 
Metope von Ilion, ßr.-Äe/. (Mus. Kirch ) 
und T.-Rel. (Berlin) 225 f. 

Ente auf Brustplatte von Gold (Berlin) 
113 

Ephesos Statuette der Artemis Poly- 
UKistos aus — (Brit. Mus.) 144 

Epidauros Sta. des Asklepios zu — 
130 

Epikur Porträtdarstellungen des 154 f. 

Epilykos Vn. des — 240 f. 

Epione auf dem pergamen Altarfries 
146. 213 ff. 

'BniaTrjur] personificirt auf dem Pi- 
nax des Kebes 124 

'Eti i,'>vuiiii personificirt auf dem Pi- 
nax des Kebes 121 

Erdtheile die drei — , ijcrsonificirt 
ßr. (Brit. Mus.) 139 f., vgl. 25 ff 209 ff. 

Erginos und Aristopbanes, ('. von — 
(Berlin) 47 

Erinyeu den Orestes verfolgend Vn. 
199ft'.; auf Unterwelts- In. 256 ff. 

Eros Abdruck einer G. in T. (Brit. 
Mus.) 144; Br. -Statuette aus Athen 
(Brit. Mus.) 144; Diptychon (Liverpool) 
268; Goldschmuck aus Elaea 91 ; Auf- 
kommen in der Vasenmalerei 43,22; 

— auf Bock reitend Rel. aus Griechen- 
land (Berlin) 66 ; bogenspannend T. 
(Berlin) 66 ; gebunden Skphy. des Co- 
dex Pighianus 18. 22, Marmorgruppe 
aus Aphrodisias (Berlin) 20 ft"; Gn 
(Berlin) 19; mit Reh I'. 83; mit 
Schmetterlingsflügeln, pränestin. Cista 
6; spielend etr. V. 83; Eroten paro- 
diren Apollo und Marsyas 10,15; — und 
Psyche Ift'.: auf Theseus-Ä/)/»«/. (Rom) 
78. 278; bei Zeus und Ganymed 
V. 45 

Erzguss Wiederaufleben des — es 146 
Etrurien Jüngling mit Diskus 5c.- 
Statuette aus — (Berlin) 65; Brust- 
schmuck von Gold aus — (Berlin) 
112 ff.; Ringer T. aus — (Berlin) 66 
einheimische Vn. (Brit. Mus.) 144. 
Etrusker Herkunft der — 287ff. 
Euboea Münzfund von — 76 
EiitUtiuorict personificirt auf dem 

Pinax des Kebes 124 
Eugenes, Dichter der Anthologie I.jO 
Eule auf der Backeuklappe der Parthe 
nos 134. 161 ft'. 



301 



Kcr'ister. 



302 



Eumenes II. von Pergamon 235 
Eunuchen auf Rel. aus Kappadokien 

74 
Euphionios Vn. des — 38. 242ff. 
Euripides Heraklid. 900:266 
Europa personificirt Br. (Biit. Mus.) 

139, vgl. 25 ff. 209 tf. 
Eurydike auf Unteiwelts- Tn. 255ff. 

267 
Enthymidcs Vn. des — 252 
Eutychides Tyche des — 140. 162 

Fackel mit Manchette 90 

Farbenspuren s. Bemalung. 

Fanstkämp fer auf I'. des Nikosthenes 
(Corneto) 238 

Fayoum Münzfund in — 144 

Fels 2. 38, 13. 205; — des Sisyphos 
auf Unterwelts- Vn. 259 ; Felsmonument 
in Kleinasien 71 

Festus p. 277. 286— 289: 173f. 

Feuer, dargestellt auf etrusk. Monumen- 
ten 84 

Fibeln von Gold und Bronze aus Vulci 
(Berlin) 65; aus Athen, Olympia, The- 
- ben 105 

Fidena Theseus - .Si/)/(<^. aus — (Rom) 
77f. 273ff. 

Fimbria erobert Ilion 230,21. 232 

Fimmilena, german. Göttin 74 

Flöte auf In. 82. 245 

Florenz Eros und Psyche Marmor- 
gruppe in — 14; Selene reitend V. in — 
97; Duris-F. in — 245; Hieron- F. 
in — 248; Memnon-F. in — 242 

Flügelfigur, auf F. aus Kameiros 
(Berlin) 66; auf F. des Hieron (Flo- 
renz) 248; Wgm. vom Grab der 
Nasonen (Brit. Mus.) 143; — en mit 
Fackel, Goldschmuck aus Kleinasien 90 

Flügelpferd auf dem Helm der Parthe- 
nos 133 

Franfois- F. 54 

Füllhorn Kentaur mit — F. aus Caere 
(Berlin) 83; Silen mit — T. aus Klein- 
asien (Berlin) 66 

Fufluns auf etruskischen üpiei/e/n 85. 

F u 1 g e n t i u 8 3 

Fuss römischer — auf antikem Maassstab 
aus Munganecchia (Dresden) 191 ff. 

Galen Protept. 11 11. : 119,2 

Gallier verwüsten Ilion 231f ; sterben- 
der — IGO 

Gans, Knabe mit — T. aus Kleinasien 
(Berlin) 66 

Ganytuedes 7'. aus Myrina (Berlin) 76; 
F. 45 

Gazellen-Kopf an goldenem Aririb.ind 
aus Griechenland (Berlin) CT 



Ge aus dem Boden aufsteigend 47 

Gebet Rel. aus Pergamon 71 

Gefangene vor dem König Rel. aus 
Kappadokien 74 

Gelage Vn. des Duris 245f. 285; bac- 
chisches — mit Zeus etr. Sp. (Ronen) 
89,15 

Gemmen Erwerbungen des Berliner Mu- 
seums 67 f.; Abdruck einer G. in T. 
(Brit Mus.) 144; Inselsteine in Breslau 
und Kopenhagen 68; mit Eros 19; mit 
Eros und Psyche 17 f.; mit Parthenos 
(Cypern) 165 ff. 

Genetyllis am pergamen. Altarfries 148. 

Gens, Denare der — Vibia mit Eros imd 
Psyche 12 

Geryoncus 37; auf den Metopen des 
Theseion 55 

Gespräch F. des Epilykos (Berlin) 
240 f.; F. des Hieron (Neapel) 247 f. 

G est US des ,Bindens' 42, 19; — der 
Bräute und Frauen 282 

G leb ei -Reliefs aus Porös von der Akro- 
polis zu Athen (Ileraklesthaten) 291 

Giganten Alkyoneus 31ff. ; Enkelados 
32. 225 f.; Mimas33; Porphyrion 32 f. 
51; Gigantomachie: 32, Parthenonme- 
topen 47 ff, Metope von Ilion 225 f., 
pergamen. Altar 72, Br.-Ret. im Mus. 
Kirch, und T.-Rel. in Berlin 226, Vn. 
47. 56 

Gjölbaschi Reliefs von — 63. 192 

Glas Siegel und Köpfe aus — (Berlin) 
68; Fibeln von Glasfluss aus Chiusi 
(Berlin) 65 

Götterbild Lapithenfrauen zu einem 
— flüchtend Fries von Bassae 57 

Gold. Armband und Bommeln von — 
aus Griechenland (Berlin) 67 ; Cicaden- 
larve aus Sardinien 7, 12; Diadem aus 
Abydos 92ff. ; Fibeln und Spiralen aus 
Vulci (Berlin) 65; Medaillon ujit Par- 
thenos aus dem Koul-Oba (Petersburg) 
129. 133; Ohrgellänge mit Schmetter- 
ling 9, 14; Schmuck ans Kleinasien 89 ff'., 
archaischer in Athen, Berlin, Kopen- 
hagen 99 ff'. 

Gorgias mit Uinimelskugel auf dem 
Grabmal des Isokrates 95 

Gorgoneion, Br.-Relie/s in Edinburgh, 
London, Verona 27 ff'. 

Grab, Arten der Gräber bei den Itali- 
kern 288; Grabfunde in Etrurien 65. 
288 f.; Vorschriften iles Demetrios Pha- 
lereus über Grabmäler 93f ; Grabstele 
mit Hahn und Morgenstern 139 ff'.; Frau 
am Grabe sitzend T. aus Kleinasien 
(Berlin) 66 

Granatapfel auf archaischem Gold- 
schmuck aus Mclos und Delos (Berlin) 



111; Granatblüte auf T. aus Cypern 
(Brit. Mus.) 143 ; Granatapfelmuster aus 
der Antike abgeleitet 70 f. 

Greif auf Felsmonument in Kleinasien 
71; auf archaischem Goldschmuck aus 
Athen (Berlin) 104; aus Melos und De- 
los (Berlin) llOff. ; auf Backenklappe 
und Stirnschild der Parthenos 133 f. 

Griechenland Tn. und Goldschmuck 
aus — (Berlin) 66 f. 

Hades auf Unterwelts - Vn. 255ff.; mit 
Attributen des Dionysos 86; s. Pluto 

Hadrianswall in Britannien 72 

Hahn T. aus Kleinasien (Berlin) 66; 
Symbolik des Hahns auf Grabmälern 
139 ff. 

Hakenkreuz auf arch. Goldschmuck aus 
Korinth (Berlin) 100; auf etrusk. Brust- 
platte von Gold (Berlin) 113 

Halter (Sprunggewicht) auf F. 243 

Hamilton'sche Vasensammlung 201 

Handzeichnungen nach Antiken (Ber- 
lin) 145 

Hannover Eros und Psyche ilarnior- 
gruppe in — 15; zwei Brustbilder mit 
Attributen von Land und Wasser, Onyx- 
Carneo aus — (Berlin) 68 

Harpyien Br.-Situla (Brit. Jlus.) 145. 

'Häorici personificirt im Pinax des 
Kebes 121 

Jld' vnfi !> 1 1 (i personificirt im Pina.x des 
Kebes 121 

Hegesianax Quelle des Polybios 231, 
22 

Hekate auf Unterwelts- Fh. 260 

Hektor Heroon des — in Ilion 223,1. 

Helena in der Iliupersis des Polygnot 
284 

Heliopolis, das babylonische — 75. 

Helios Goldschmuck aus Elaea91; Me- 
tope von Ilion 223 ff. ; Rinder des — 37 

Hellas personificirt Gemälde des Panai- 
nos 2 1 2 

Helle auf Widder T.-Rcl. (Brit. Mus.) 
144 

Hera im Gigantenkampf (Parthenonuie- 
topen) 48 f. 52 

Herakles Slatuelte aus Constantinope! 
(Berlin) 65; Koj)/ als Gefäss T. aus 
Kleinasien (Berlin) 66; Karikatur 
T. aus Kleinasien (Berlin) 66; — 
mit Schlangentopf Mzn. von Sparta 217 ; 
bemalte Giebelreliefs aus Porosstein von 
der Akropolis zu Athen 291; F. des 
Assteas 202,9; — und Alkyoneus Vn. 
31,1. 34ff.; — in der Gigantomachie 
(Parthenonmetopen) 49 f. 52, (perga- 
men. Altar) 56; — und Kyknos F. des 
Pamphaiüs 239; — und der Löwe F. des 



303 



Register. 



304 



Nikosthenes (Corneto) 238, /ir.-6V/ii/r( 
(Biit. Mus.) 145; — und Nessos T'. aus 
Korinth (ßrit. Mus.) 144; — in der 
Unterwelt Vn. 254 ff. 
Ilerniarchos Porträts des — 153 fl'. 
Hermes im Gigantenkampf (Parthenon- 
metopc) 49; bei Herakles und Alkyo- 
neus 38. 46; Psychopompos auf T.-Rel. 
aus Kleinasien (Berlin) 6G, auf Theseus- 
Sk/ihg. (Rom) 78. 27Gf., auf Unter- 
weltj- r«. 258; auf Tlieseus- T. (Cor- 
neto) 277 
Hermogenes, V. des — 238 
Hermonax, Vn. des — 252 
Herodot II 35: 175; III 60: 75 
Hesiod,Op. etD.256ff.: 264,16; Scut. 
Herc. 172:9,13; Theog. 902:264,16; 
Fragni. 165: 183 
Hieron, Vn. des — 247 ti.; Vn. aus der 

Schule des — 242 
Ilimeros, auf Unterwelts - T '«. 255f. 
Himmelskugel, Gorgias mit — auf 

dem Grabmal des Isokrates 95 
Hippodameia im Ustgiebel des Zeus- 

terapels zu Olympia 281 fF. 
Hippokanip auf 1'. 259, 9 
Hirsch ilurmorkopf aus Malta (ürit. 
Mus.) 144; auf T. aus Cypern (Brit. 
Mus.) 143; arch. Goldschuiuck 103,4. 
(mit Löwen abwechselnd) 104; Artemis 
auf — reitend, Silberteller aus Rom 
(Berlin) 67 
Hochzeit des l'eleus und der Thetis, 

Fran(;ois-T'. 54. 

Homer, Skphg. des — 219; Ilias II 

305:72; VUI 3671f. :260; XXIII 

760:170; Odyssee II 941. : 178; XI 

623 ff. : 260 

Honos auf Theseus - .SA:/)%. (Korn) 280 

Hope'sche Antikensammlung; Eros und 

Psyche Mai-niorgruppe 14 
Horaz, Od. III 79; IV 27:258 
Hörn, Augen von — aus Chiusi (Berlin) 

65 
Hund, der Genetyllis bailig 148; Br. 
aus Rom (Berlin) 65; auf Theseus- 
Slcjjhff. (Rom) 278; auf T'. des Pam- 
phaios 240, des Duris 245 f. 
Hygieia Diptychon (Liverpool) 218 
Hygin p. 10 Schmidt: 32,3 
Hypermnestra auf Hippokamp l'.259,9 
Hypnos Darstellungen 42ff.: geflügelt 
auf Alkyoneus- Vn. 31. 34. 38. 41 — 45 
Ilypsis Vn. des — 252 

Jagd auf Löwen Ret. aus Saktschegözü 
63 
■ Jason fiOi'6xor]77is 138 
lason, Arzt, auf Grah-Jiel. 64 
Jatta'sche Vasensammlung in Uuvo 203 f. 
.■Vrchiiulog. Ztg. Jahrgang XLII. 



Ibriz, Rel. aus — 71 

Idol, weibl , T. aus Kleinasien (Berlin) 

60 
Iktinos, Erbauer des Tempels in Eleusis 

75 
Ilion, Sculpturen von — 223(1'.; Ge- 
schichte von — 23 IH'. 
Iliupersis Wym. des Polygnot 284 
Insel steine in Bresbiu und Kopenluigen 

68 
.Johannes Malala> \i. 276,5 Bonn.: 

162 
lolaos auf Partliencjiimetoi}C 54; auf 
Alkyoneus - 1'. 46: auf T. des Niko- 
sthenes (Corneto) 238 
Iphigeneia Shphi/c. 228; — Mutter des 

Neoptolemos 71 
Iris im Gigantenkanipf (Parthenonmeto- 

jien) 49. 54 
Isidor. Pelusin. I 3 epist.j 153 : 1 19,2 
Isokrates, Grabmal des — 95 
luba II. von Mauretanien Mzn. des — 

161 
lulian epist. p. 258 f. : 223,1 

Kaiser, römische bilderl61f.; by- 

zantin. — paar Bleiplutte aus dem Lech 
bei Augsburg (Berlin) 68 
Kcixoö Kl uov 1« ])ersonificirt im Pinax 

des Kebes 125 f. 
Kameiros T'. aus — (Berlin) 66; Gold- 
schmuck aus — (Berlin) 104 f. 
Kappadokien Rel. mit Keilinschrift 

aus — 74 
Karikaturen, Tn. in Berlin 66. 
Karlsruhe, Unterwelts- T'n. in — 254. 

263 ff. 
KaQt (Qitt personificirt im Pinax des 

Kebes 122 
Karystos, Miiiizfund in — 76 
Kebes, Pinax des — illustrirt auf Rel. 

llSff. 
Kentauren V. aus Caere (Berlin) 83; 
arch. Goldschmuck aus Korinth (Berlin) 
99ff. ; — als Schildzeichen I'. des Hie- 
ron (Florenz) 248 ; kämpfend ; mit Löwen 
Skphy. (Petersburg) 219, mit Lapithen 
(Parthenonmetopen) 57 ff. (Fries von 
Bassae) 57. Mze. des Antonius Pius 
57,3 Vn. 57,3; Pantherfell Attribut 
der — 58,3 
Keos Mzn. von — 229 
Kephisodot Plutosknabe des — 64; 

der jüngere — 12 
Ker Darstellungen der — 42,21 
Kerameikos Grundriss des attischen — 

292 
Kerberos auf Unterwelts- 1*. 258 
Kertsch Achilleus-.S7.y)/ij. aus — 219 
Keule de^ Alkvoneus 40,15; des He- 



rakles 40, 16; Mann mit — alsSchild- 
zeicben V. des Hieron (Florenz) 248 
Kirke und Telegonos )'. 269; Webstuhl 

der — im vatican. Vergilcodex 173 
Kleinasien Denkmüler aus — 71; Gold- 
schmuck aus — 89 ff. ; Tn. aus — (Ber- 
lin) 65 f. 
Klytaemnestra auf Orestes- Un. 202 ff.; 

Gesicht der — im Spiegel 199 
Knabe neben Altar T. aus Kleinasien 
(Berlin) 66; — mit Gans T. aus Klein- 
asien (Berlin) 66; hockender — vom 
Ostgiebel des Zeustempels zu Olympia 
220 f. 
Köln Thonwaarenfabriken bei — 294 
Kopenhagen arch. Goldschuiuck aus 
Athen in — 101 ff.; Inselsteine in — 
68; Orestes in Delphi T'. in — 201 
Korinth ß/-.-Gewicht aus — (Brit. Mus.) 
146; arch. Goldschmuck aus — (Berlin) 
99ff ; V,i. aus - 67. 144 
Kottabos auf 1'. des Duris (Neapel) 

245 f. 
Koul-Oba Goldniedaillon mit Partbenos 

aus dem — (Petersburg) 129. 133 
Kranz coronae sutiles auf etrusk. Mo- 
numenten 84 
Kreta personificirt 212 
Krieger T'. des Duris 246: beim Brett- 
spiel, im Zweikampf, Zug von — n V. 
des Hieron (Florenz) 248 
Krim T'. aus der — 209 f. 
Krotalen Frau mit — T. aus Grie- 
chenland (Berlin) 66 
Krypta des Tempels zu Eleusis 75; des 

h. Paulinus in Trier 73 
Kurdistan Reliefs aus — 63 
Kureten am pergamen. Altar 56 
Kurion Silberfund bei — 165ff. 
Kybele Rel. (Petersburg) 64; Felsbild in 

Kleinasien 71 
Kyknos T'h. 43,22. 53. 205,20. 239 
Kypselo skasten Dike dargestellt am 
— 264 

labella Grabniäler 93 

Lamia Philoktet Mze. von — 65 

Lampe auf V. aus Orvieto 240 

Lansdownehouse Eros und Psyche 
Marmorgruppe in — 14. 16 

Lanzenspitzen aus Chiusi (Berlin) 65 

Laokoon Verhaltniss zum pergameni- 
schen Friese 72 f. 

Lapithen kämpfend mit Kentauren 57 ft'. 

Lasa von Zeus umarmt etr. Sp. 85 

Lateran s. Rom 

Lech Bleiplatte aus dem — bei Augs- 
burg 68 

Lederpanzer auf T". 205 

Leier Figur mit — T. aus Cypern (Brit. 

90 



305 



Rcsiister. 



306 



Mus) 1-13; Jüugling mit — 1'. des 
Epilykos (Berlin) 241 ; Mädchen mit — 
Goldschmuck aus Abydos 93 ; Marsyas 
mit — V. aus Caere (Berlin) 82: Or- 
pheus mit — 254. 256. 271,22 

Lekythos auf V. 243 

Leochares Ganymedes vom Adler ent- 
führt Gruppe lies — 76 

Leonidas von Tarent, Dichter der An- 
thologie 150 

Lesche in Delphi, Nekyia des Polygnot 
in der — 257 f. 

Leto im Gigantenkampf (Purthenonme- 
tope) 49 

Libye personificirt Br. des Brit. Mus. 
139 

Li ein ins I. Mzii. des — (Brii- Mus.) 
144 

Liebesscene I" aus Urvieto 240 

Limes römischer — 70. 291 f. 

Liverpool Asklepios und Hygieia mit 
Schlangentopf Diptychon in — 218 

Livius XXXVU. 37:232,24 

Löwe G. (Berlin) 68; Felsmonument 
(Kleinasien) 71; Br.-Maske aus Syrien 
(Berlin) 65; — mit Hirsch abwechselnd 
auf arch. Goldschmuck aus Athen (Ber- 
lin) 104; kämpfend mit Stier und Men- 
schen auf arch. Goldschmuck 103; ne- 
meischer — V. des Nikosthenes (Cor- 
neto) 238, Br.-Silula (Brit. Mus.) 145; 
zwei Löwen von einem Mann gebän- 
digt, Goldschmuck aus Korinth (Berlin) 
108 f.; Löwe und Lüwin mit Kentauren 
kämpfend Shphg. (Petersburg) 219; 
Löwenfell Attribut des Herakles 40. 52. 
58,3; Löwenjagd s. Jagd. 

London British Museum, Erwerbungen 
1SS3: 143 ff. Bronzen: Jünglings-Ste- 
tuette aus Tarent 21 ft'.; Gorgoneion 
Ret. 27, Seegott und Nereiden Platte 
25fr. 137 fr. 209fr.; Marmor: röiuischer 
Porträt -A'o;)/, Grab-Äe/. des Arztes 
lason und Todtenmahl-/ie/. 64; Mos. 
Okeanos 211; Vn. 31,1. 207 

Lukian calumn. non tem. cred. 5: 126,6 

Lukios von Patrai 3 f. 

Lykomedes auf Achilleus-<bi/)/ijn. 219; 
Töchter des — V. aus Corneto 72 

Lykurg, Grabmal des — 95 

^-toTirj personificirt im Pinax des Kebes 
125 

Lysimachos baut den Athenatempel in 
Ilion 230 

Lysippos, Apoxyomenos des — 25 



Maassstab, antiker, aus Manganecchia 

(Dresden) 191 ff. 
Madrid, Replik der Parihenos in — 131 



Mädchen, kiiieendes, im Ostgiebel des 
Zeustempels zu Olympia 220 f. 284 

Maenade V. aus Caere (Berlin) 84 

Makedonien, Br -Platte aus — (Brit. 
Mus.) 25 ft". 137 ir. 209 fr. 

Malta, Marmorkopf eines Hirsches aus 

— (Brit. Mus.) 144 
Manganecchia, antiker Maassstab aus 

— (Dresden) 191fr. 
Marius, Bildnisse des — 157 
Marmor Köpfe: römisches Porträt (Brit. 

Mus.) 64; Niobe (Yarborough) 64; vom 
pergamen. Altarfries (Dresden) 64; Her- 
marchos (Athen) 1 53 fr. ; Antiochos Soter 
(München) 157ft'. Reliefs: Löwenjagd 
(Saktschegözü) 63; aus dem Piräus 64; 
Todtenmahl (Brit. Mus.) 64; Kybele 
(Petersburg) 64 ; mit Schlaugentopf 
217 f.; Fries von Phigalia 57. 227 f.: 
Giebel des Megarerschatzhauses in 
Olympia 51. 56; Grabreliefs vom 
Grabmal Antiochos L (Nemruddagh) 
63, von Gjölbaschi 63, aus Thes- 
salien und Athen 64, des Arztes Jason 
(Brit. Mus.) 64 ; Metopen von Ilion 225 f., 
des Parthenon 47 ff. 57 fr. ; Skphge.: älte- 
ster römischer 69, Achilleus 219, Dio- 
nysos und Ariadne (Kopenhagen) 92 f., 
Eros gebunden (Zeichnung des Pighius) 

18, Iijhigeneia 228, Niobe 228, Prome- 
theus (Capitol) 5,8, Theseus 77. 271 f}'.; 
Stuck-Reliefs aus Rom 64; Tempelreliefs 
von Assos 64 ; Farbspuren auf Hkpliffn. 
78. Statuen: Anakreon 149fr.; Askle- 
pios (Epidauros) 130: Parthenos (Re- 
pliken) 129fr.; Plutosknabe des Kephi- 
sodot 64; {.ht-Giebel des Zeustempels 
zu Olympia 2i0tr. ; Gruppe von Eros 
und Psyche 12fr., Repliken 14fr'. Stele: 
bemalte attiche Grab.-tele (Berlin) 63. 
Erwerbungen des Brit. Mus. 1883: 144 

Mars Thingsus german. Gottheit 74 
Marsyas und ApoUon I'h. 8711'.; von 

Eroten parodirt 10,15 
Maske auf etiusk. Bru,>tplatte von Gold 
113; an den Enden einer goldenen 
Spirale aus Vulci (Berlin) 65; Karika- 
tur — T. aus Griechenland (Berlin) 
66; Sklave .mit komischer — T. aus 
Kleinasien (Berlin) 66 ; komische und 
tragische auf Goldplättchen aus Eläa 
91 ; Löwen — Br. aus Syrien (Berlin) 65 
Mauretanien .l/.-ii. des Ptolemaeus und 

luba II. von — 161 
Maussoleum Arm vom Fries des — 

(Brit. Mus.) 114 
Medea auf Unteruelts- 1'. 257 
Medusa im Schlaf geti'xltet 37,12 
Mcleagros, Dichter der Anthologie 4. 

19. 142 



Melos Ohrgehänge ans — (Berlin) 110 f. 

Memnon von Hypuos uud Thanatos ge- 
tragen 43 

mensae, Grabmäler 93 

Mercur Br.-Büste 145 

Messer, eiserne — aus Chiusi (Berlin) 
65 

IXIfTinoici personificirt im Pinax des Kebes 
125 f. 

Metrodor Bildnisse des — 155 

Militärdiplom Domitians (Pesth) 64 

Mimas, Gigant 33 

Minus auf Thesens-Skphg. (Rom) 77 

Minotauros Theseus und — arch. 
Goldschmuck aus Korinth (Berlin) 106; 
Skphge. 77. 271 ft'.; I'. (Corneto) 107 

Monokneraos Gemälde des Apelles 
133 fr. 

Monte Calvo Anakreon Marmor - S<a. 
vom — (V. Borghese) 149 fr. 

Morgenstern Symbolik des — auf 
griech. Grabmälern 139 ff. 

Mosaiken (Okeanos) aus Karthago (Brit. 
Mus) und Toulouse 211 

München Antiochos Soter Marmorkop/ 
in — 157 ff,; Vn. in — 31,1. 245. 
251 f. 

Münzen Alexanders I. von Epeiros 292; 
des Antiochos Soter 159; des Antoni- 
nus Pins (_Br. Kentauromachie) 56,3; 
Tetradrachmen von Athen (aus Kary- 
stos) 76, (mit Parthenos) 129; Mzn. 
des Caesar 161; von Cilicien (mit Par- 
thenos) 6 1 : Münzfund von Fayoum 144 ; 
Mzn. von Ilion 223, 1 ; des luba II. 
von Mauretanien 161; von Keos 229; 
von Lamia (Philoktet) 65; von Niko- 
media (Psyche) 7, 10; aus Olympia 
(Berlin) 148 ; des Ptolemaeus von Mau- 
retanien 161; von Serdike (Eros und 
Psyche) 12 15,25; von Sparta (Schlan- 
gentopf) 217; von Teos (Anakreon) 
152; Denare der gens Vibia (Eros und 
Psyche) 12 

Mykenae, Stil der myken. Vn. 147 

Myrina Tn. aus — (Berlin) 651". 76 

Myrtilos im Ostgiebel des Zeustempels 
zu Olympia 220 f. 

Nah u-pal-iddin, babylon. König 75. 
Narkissos Sta. 2 
Nasonen Grabmal der — 143 
Neapel Vn. in — 199. 202,11. 237. 

239 f. 243. 245 f. 247 f. 252. 253 ff. 
Nekyia Gemälde des Nikias 270; des 

Polygnot 257 f. 
Nemesis den Eros fesselnil 19 
Nemrud-dagh, Grabmal Antiochos I. 

von Commagene auf dem — 63 
Neoptolemos' Auszug I'. 72 



307 



Register. 



308 



Nereiden Br.- Platte aus Makedonien 

(Brit. Mus.) 25 ff. 137 ff. 209 ff. 
Nero Büste (Brit. Mus.) 144 
Nessos Deianeira entführend V. aus 

Korinth (Brit. Mus.) 144 
Nike iui Gigantenkampf (Paithenonnie- 

topen) 40. 54; Athena Nike 9G,.S 
Nikias Nekyia Gemälde des — 270 
Nikomedia Psyche auf Mze. von — 

7,10 
Nikosthenes Vn. des — 00,9. 237f. 
Nil Sla. (Vatican) 140 
N i b e Kopf (Yarborough) 64 ; S/cp/ir/e. 

228 
Nola Alkyoneus-T'. aus — 31,1 
Nonnos Dionys. 7. 10. 40. 431. 2G6 
Nymphe J". aus Myrina (Berlin) 6(j 
Nyx im Gigantenkampf (Parthenoume- 

tope) 49 

'OtSvvi personiticirt im Pinax des Ke- 
bes 125 f. 

'OävQuog personiticirt im Pinax des 
Kebes 125 f. 

Odysseus' Hadesfahrt Gemälde des Ni- 
kias 270f., des Polygnot 257 f.; — 
Freiermord am Heroon von Gjölbaschi 
63. 192, Skjihy. 220 

e n m a s im Ostgiebel des Zeustempels 
zu Olympia 220 f. 284 

(.)ffida Br.-Sitiila aus — (Brit. Mus.) 
144 f. 

t)hrgehänge von Gold aus Elaea91; 
aus Melos (Berlin) 110 f.; mit Schmet- 
terling (Petersburg) 9,14 

Okeanos mit den drei Erdtheilen Br.- 
Jiel. (Brit. Mus) 137ff., vgl. 26ff. 
209 ff. ; die Erde umströmend Mosaiken 
211 

Olympia Ostgiebel des Zeustempels 
220ff. 281 ff; Giebel des Megarer- 
schatzhauses 51. 56; A'oju/aus — (Aber- 
deen) 71; Inschrift des Andreas und 
Aristomachos aus — 146; Münzdou- 
bletten aus — (Berlin) 148 

Olympos, Schüler des Marsyas Vn. 87 

Omphalos auf Orestes- Fn. 200 ff. 

Opfer der Griechen in Aulis V. 72; 
— dienerin V. 203; — zug, arch. Gold- 
schmuck aus Korinth (Berlin) 99 f. 

Orakel der Phaennis 231 

Orestes in Delphi Vn. 199ft'. 

Orpheus auf Vn. 265ff. 271,22 

Orvieto, Vn. aus — 237. 239 f. 247 

Ovid Fast. III 819: 174f. 180; Met. 
IV 275: 174. 178; VI 23: 173; 53ff.: 
172. 175. 177; X 23: 267; 41ff. :255; 
ex Ponto IV 3,31:119,2; Trist. V 
8,7:119,2 



Paeuvius bei Rhot. ad Her. II 22,36: 

119,2 
Paestum, Dionysos und Semele y.-Me- 

topen aus — 228,12 
Ilntö fi ii personificirt im Pinax des 

Kebes 122 
Palaestra auf Vn. 242,2. 243f. 
Palast des Hades auf Unterwelts - Pn. 

255. 263 

Palestrina Zeus in bacch. Gelage etr. 

Sp. aus — (Ronen) 89,15; Silberscheibe 

aus einem Grabe in — 105 
Pamphaios I'h. des— 43. 43,22. 53. 

239 f. 
Pan Kopf (V. Borghese) 64; — und 

Nymphe T. aus Myrina (Berlin) 66 
Panainos Hellas und Salamis Gemälde 

des — 212 
Panaitios Lieblingsname auf Vn. 243 f. 
Pandora Geburt der — an der Basis 

der Parthenos 96,8 
Panther auf T'. des Pamphaios aus 

Orvieto (Neapel) 240; bei Dionysos, 

Golddiadem aus Abydos92: bei Eri- 

nys. Unterwelt— T'. 255 f. ; Pantherfell 

Attribut der Erinyen, Unterwelts - Vn. 

256. 259, der Kentauren Vn. 58,3, der 
Satyrn V. 82 

Papposilen T. aus Kleinasien (Berlin) 
66 

Paris auf V. aus Corneto 141 f. 

Paris Minerve au Collier in — 129; 
Pasiyhae-SIcply. in — 145; Vn. in ^ 
31,1. 39. 56. 206 

Parodie des Streits zwischen Apollo und 
Marsyas durch Eroten 10,15 

Parthenon Metopen des — 47ff. 57 ff. 

Parthenos s. Athena. 

Pasiphae Skphg. (Paris) 145 

Paulinus Krypta des h. — (Trier) 73 

Pausanias I 2,5 : 33,5; 14,6. 22,3: 
279; 1127,2:130; V 18,2: 264; X15, 
2f. :231; 29,8f. :257; 30,5:267,9; 
31,12: 261,11 

Pegasos als Schildzeichen V des Hieron 
(Florenz) 249 

Peirithoos auf Unterwelts- T'h 257ff. 
263 f. 

lIii!Hii personiticirt im Pinax des Ke- 
bes 122 

Peleus, Hochzeit des — auf der Fran- 
9ois-F. 54 

Peloponnes personiticirt 212 

Pelops im Ostgiebel des Zeustempels zu 
Olympia 284 

Pergamon Attalos I. von — 232; Eu- 
menes II. von — 235; Ausgrabungen 
in — 69; pergamen. Kunst: Verwandt- 
schaft mit den Sculpturen von Ilion 
235f., attal Weihgeschenk 160; Altar- 



fries 56. 64. 145 — 147. 213 ff. 293 f.; 

Rel. aus — (Smyrna) 71 
Pergamos, Heros, auf Inschrift 71 
Persephune von Pluto entführt Wgm. 

(Brit. Mus.) 143; auf Unterwelts- Vn. 

255 
Perseus tudtet die schlafende Medusa 

37; V. aus Kameiros (Berlin) 66 
Personificat ionen im Pinax des Ke- 
bes 115ff. ; — der drei Erdtheile Br. 

(Brit. Mus.) 139t". 209ff. 
Pesth Militärdiplom Domitians in 64 
Petersburg Goldmedaillon mit Parthe- 
nos aus dem Koul-Oba in — 129; Vn. 

in — 31,1. 201. 206f. 238. 253; Rd. 

(Kybele) in — 64 
Petron. c. 83 : 134 
Pferd T.-Slatuette (Brit. Mus.) 144; im 

Parthenonfries 229; auf Theseus-SiyViy. 

278; auf V. aus Korinth (Berlin) 67 
Phaennis Orakel der — 231 
Pheidiaa Schüler des Ageladas 134; 

Parthenos des — 129 ff. 
Phigalia E"ries von — 227 f. 
Philoktet Br.-Rel. (Berhn) und Mze. 

von Lamia 65 
Philostratos Her. p. 669: 33,5; p.GTl: 

32,4 
Philtias und Deiniades, Vn. von — 32,2. 

40. 251 f. 
Phineus V. 2SG 
P h 1 e g r a e i s c h e Felder 32 
Pliobos auf dem pergam. Altarflies 56 
Phorbas auf T^hessas-Skphg. (Rom) 276 
Pindar Pyth. IV 75:138; 1X18:173; 

Nem. IV 25ff. :34; Isthm. VI (V) 

32ff. :33; Fr. 84:33,6 
Piraeus Rel. im — 64 
Platane von Aulis V. 72 
Plato Axioch. p. 372 : 259, 8. Gast- 
mahl: 6. Kratylos p. 399D: 9,13 
Plautus capt. V. 4,1 : 270,21 
Plinius N. H. VIII 196 : 170; XVII 

153: 9,13; XXXI 3: 9,13; XXXIV 

8:146; 73:162; XXXV 91 f. : 135 ; 

131 :270 
Plutarch de fort. Rom. 4: 119,2. Kleoui. 

19: 180. Theseus 18: 279; 20: 279, 

13; 35: 25S 
Pluto Proserpina entführend Wym. vom 

Grabmal der Nasonen (Brit. Mus.) 143; 

s. Hades 
Plutos des Kephisodot (Athen) 64 
PolluxVI 83: 180; X69und80: 179 
Polybios V 78: 232; 111: 231 
Polygnot Wgm. des — 2571. 284 
Polykrates, Erbauer der Wasserleitung 

in Samos 75 
Pompeji Wgm. in — 5,7. 140; Eros 

und Psyche T. aus - 13,20 



309 



Retfister. 



310 



Porphyrion, Gigant 3"3f. 

Poseidon im Gigantenkanipf (Paithe- 

nonmetopen) 4S f. 52 f. 
Praeneste s. Palestrina. 
Praxiteles 2: Kunstrichtung iles — 293; 

Hermes des — 2ö 
Priester auf Rel. aus Ibriz 71 
Prometheus-SiyA^. (Capitol) 5,8 
Properz I 1,4:42,19 
'!■ (vöonuiöfCct personificirt im Pinax 

des Kebes 125 
Psyche P'. 7, 10: Mze. von Nikomedia 

7,10: mit Vogelflügeln Tn. Saburoft' 

(Berlin) 11,18. 13, aus Pompeji 13,20; 

zwei Psychen 19. s. Eros. 
Ptolemaeus von Mauretanien Mzn. des 

— 161 
Pylades auf Orestes-Fn. 202ft". 
Pythia auf Orestes- Fn. 201 ff. 

Quintilian XTll 6,71:33,G 

Regulini-Galassi Brustphitte aus dem 
Grabe — 114 

Reh am Stirnschild des Helms der Par- 
thenos 134: auf T'. aus Caere (Berlin) 
83 

Reisesack Sklave mit — T. (Berlin) 66 

Reiter arch. Goldschmuck (Berlin, Ko- 
penhagen) 99ff. : F. des Pamphaios aus 
Orvieto (Neapel) 240 

Remus imd Romulus mit der Wölfin 
Mzn. von Ilion 224, 1 

Khadamanthys auf Untei\velts-F. (Nea- 
pel) 265 

Rinder des Helios 37 

Ring von Gold mit Athenakopf 91, mit 
Parthenos 165 ff. 

Ringkampf F. (Berlin) 66 

Rom in Bildern des 14. Jahrhunderts 68; 
Serviusmauer 287; Bron:i:n: antiker 
Maassstab (Vatican) 196ff., Athena und 
Knkeladüs Rel. (Mus. Kirch.) 226, Hünd- 
chen und Artemis-5/a(uette (Berlin) 67 ; 
Gold: Plättchen (JIus. Greg.) 113, Kreiri 
(C'astellani) 114; Marmor: Büste des 
Anakreon (Capitol) 151 H'., Gruppe von 
Eros und Psyche (Capitol. Torlonia) 
12 — 14, Sta. des Anakreon (V. Bor- 
ghese) 149 ff., des Nil (Vatican) 140, 
S/cphge. 5,8. 77. 145; Vn. 31,1. 205. 
205,20. 238 f. 247. 249. 251; Silber- 
tetler (Berlin) 67; Wgm. (Brit. Mus.) 
143 

Romulus und Remus mit der Wölfin, 
Mzn. von Ilion 224,1 

Reuen Zeus bei bacch. Gelage etr. Sp. 
aus Palestrina in — 89,15 

Ruvo \'n. aus — 202 ff. 253 ff. 



S ab ur off 'sehe Sammlung: Jüngling 

Br.-Sta. aus Salamis 291; Eros und 

Psyche T. 11,18. 13; Zeus als Adler 

den Ganymed entführend Spiegelkapsel 

76 
Saktschegözü Löwenjagd Rel. aus — 

63 
Salamis Jüngling, Rr. - Sta. aus — 

(Berlin) 291; — ])ersonificirt Gemälde 

des Panainos 212 
Samos Wasserleitung in — 75 
Sardes iJr. -Waage aus — (Brit. Mus.) 

145 
Sardinien, Cieadcnlarve von Gold aus 

einem Grabe in — 7,12 
Sarpedon von Hypnus und Than.itos 

getragen 43 
Sarteano Alkyoneus- Vn. in — 31,1 
Saty r-Äop/' auf ß/-. - Helm aus Athen 

(Brit. Mus.) 146; Satyrn auf Fn. 82ff. 

242,2 
Scepter Zeus und Hades mit Narthex 

— 82—86 
Schauspieler T. aus Klein.asien (Ber- 
lin) 66 
Scheere F. 207 

Schildzeichen auf ]'ii. 246. 248 f. 
Schlange in Aulis versteinert F. 72; 

Attribut der Erinyen 199fl'. ; Schlan- 
gentopf im pergamen. Altarfries 145 f. 

213ft",; als Schildzeichen T'. 66 f.; 

Schlangensäule auf byzantin. Bleiplatte 

(Berlin) 68 
Schmetterling Sinnbild der Seele 

4ft". ; an einer Säule kriechend 19; 

als Ohrgehänge 9,14; Sardonyx 9,14. 
Sc hol. ApoUon. Rhod. I 1289:336 

Aristoph. Av. 514ft'.: 163,6 ; Nub. 712: 
9,13 

Eurip. Or. 268:199,1 

Homer Od. XI 321:279,13 

Oppian II 164:9,13 

Pind. Pyth. VIII 17:37,9; Nem. IV 
25ff.:35f.; Isthm. VI (V) 32ff.:36f. 
L. Scipio lagert bei Ilion 232,24 
Seegottheit Br. - Rel. (Brit. Mus.) 

25 ff. 137 ff. 209 ff'. 
Seekälber Br.-Rel. (Edinburgh) 27. 
S eelen Wanderun g Handzeichnung 

eines Jlel. mit Darstellung der — 

(Berlin) 115 ff. 
Selene reitend auf der Basis der l'ar- 

tlienon und Vn. 96,8 
Seleukos mit Antiochos die Tyche be- 
kränzend Marmorgruppe in Antiochia 
162 
Semele und Dionysos auf Stierwagen 

/"■-Metope au» Paestum 228,12 
Seneca epist. 52,3: 155f.; 58:9,3; 
90,20:177.180. Herc. für. 588:256,4 



Serdike, Eros und Psyche .1/::«. von 

— 12. 15,25 
Servius zu Vergil Aen. II 166:223,1; 

Georg. I 122:277 
Serviusmauer in Rom 287 
Sidonius ApoUinaris IX 92; XIII 

11; XV 141:33,6 
Sesklo, prähistor. Scherben aus — 

(Berlin) 67 
Siegel, gläserne (Berlin) 68; — ring 

(Cypern) 165 ft'.; — stein vom Nemrud- 

dagh (Berlin) GS 
Sikelos F. des — 239 
Sikuler, Zeit der Einwanderung der — 

289 
Silber-Fund bei Kuriun 165 ff'.; —schale 

aus Praeneste 105; — teller mit Arte- 
mis aus Rom (Berlin) 67 
Silen Goldplättchen aus Elaea 91: — 

mit Füllhorn T. (Berlin) 66; Herme 

ornamental auf Skphg. 219 
Silius Italiens Pun. XIV 658:173. 
Sipar-Sepharvai m, die babylonische 

Sonnenstadt 7."i 
Sirene auf Grabmal des Isokrates 95 
Sisyphos auf Unterwelts- Fn. 259 
Situla von Br. aus Offida (Brit. Mus.) 

144 f. 
Sklave mit Reisesack T. (Berlin) 66 
Smyrna Rel. aus Pergamon in — 71; 

T. aus — (Brit. Mus.) 144; ßr.-Waage 

aus — (Brit. Mus.) 14 5 
Sonne auf Orestes- F. 202 
Sparta Mzn. von — mit Schlangen- 
topf 217 
Sphinx Felsmonument (Kleinasien) 71 > 

Br.-Rel. eines Thronsessels aus Chiusi 

(Berlin) 65; auf arch. Goldschmuck 

aus Athen (Berlin) 104: auf dem Helm 

der Parthenos 133 
Spiegel in der Hand von Aphrodite 

F. 83 
Spindel in der Hand des Achilleus 

Skphg. 219 
Stempel in Form einer Fusssohle aus 

Constantinopel (Berlin) 65 
Stephanus Byz. v. '.^ö(uf:33,5 
Sterope im Ostgiebel des Zeustempels 

zu Olympia 221. 281 ff. 
Stesichoros Fragm. 40: 199,1 
Stier Br.-Rel. eines Thronsessels aus 

Chiusi (Berlin) 65 ; — mit Löwen 

kämpfend, arch. Goldschmuck 103; — 

gespann des Dionysos T. -Metope aus 

Paestum 228,12 
Stirnziegel T. aus Tarent (Berlin) 66 
Strabo VII fr. 32 p. 330:33,5; fr. 58: 

33,6. XIII p. 593:230 
Sueton Claud. 25:232,26 
Syrien, Funde vom Nemrud-dagh (Ber- 



311 



Register. 



312 



lin) 63. G8 ; Löwenmaske Br. aus — 
Berlin) 65 

Taren t Jüngling Br.-Stutuetle aus — 
(Brit. Mus.) 2 1 ff. ; Tn. aus — (Berlin) 
\iG; V. aus — 239 

Tartaros Vn. 265 

Telamon, Gefährte des Herakles 35. 40 

Telegonos und Kirke T'. 269 

Telephos, Stadtgründer von Pergamon 
Ö6 

Teos Anakreon auf Mzn. von — 152 

Terracotten: Erwerbungen des Brit. 
Mus. 1883: U3f.; des Berl. Mus. 65f ; 
Athena und Enkelados Rel. 226; 
Dionysos und Semele, Metope aus 
Paestum 228,12; Eros und Psyche 
11,13. 13,20; Zeus und Ganymedes 76 

Th anatos DErstellungen des — 42 ff. 

Therais Wagenlenkerin der Athena auf 
der Fran^ois-T". 54 

Theodektes Grabmal des — 95,7 

Theokrit Anth. Pal. IX 599:152 

Theseion Metopen des — 55 

Theseus stiftet den Aphroilitecult in 
Athen 279; auf dem Friese von Bassae 
58,3; mi Shphgn. 77 f 271 ff'; — und 
Ariadne Vn. 277 f; — und Minotauros 
arch. Goldschm. aus Korinth (Berlin) 
106 f, r. (Corneto) 107, ir«/»/. 274f; 
in der Unterwelt Vii. 257 ff. 

Thessalien Grabstelen aus — (Athen) 
64; praehistor. Scherben aus — (Ber- 
lin) 67 

Thetis und Peleus' Hochzeit auf der 
Fran9ois-T'. 54 

Thonwaaren- Fabriken bei Köln 294. 

Thronsessel Br. aus Chiusi (Berlin) 
65; T. (Berlin) 66 

Timagoras 1'. des — 237 

Timasarchos Siegeslied des Pindar 
für — 36 

Tifiio^Cn personificirt im Pinax des 
Kebes 125 

Tisch Br. aus Chiusi (Berlin) 65; 
Form des Tisches auf Vn. 96; Speise- 
tische der Griechen 179 ff. 285 f. 

Tlempolemos auf V. des Euthymidea 
252 



TIeson Vn. des — 238 
Todtenmahl Rel. (Brit. Mus.) 64 
Todtenrichter auf Unterwelts- Fh. 265 
Toulouse, Okeanos Mos. aus — 211 
iQan (i^ai Grabmäler 93 
Traube Knabe mit — T. (Berlin) 66 
Trier Krypta des h. Paulinus in — 73 
Trigonon Frau mit — T. (Berlin) 66 ; 

Mädchen mit — , Golddiadem aus Aby- 

dos 93 
Trinkhorn des Dionysos V. 238 
Triptolemos Darstellungen des — 59. 

265 
Trompete auf V. des Hieron (Florenz) 

248 
Tyche des Eutychides 162; Zeichnung 

eines Rel. (Berlin) 66 
Tympanon 84 

Unterwelt Darstellungen der — auf 
Vn. 253 ff. 

Vasen Erwerbungen des Brit. Mus. 
1883:144, des Berl. Mus. 66f.; von 
Bronze 65; Bucchero- Fn. 101; Di- 
pylon-T'n. 101; V, aus der Krim 
209 f.; mit Meistersignaturen 237 ff.; 
Mykenische — 147. Darstellungen 
auf — : Ackerbau 60,9; Flügelfiguren 
42,21 ; Gigantomachie 47. 56; Herakles 
und Alkyoneus 31 ff., und Kyknos 43. 
53; Hypnos und Thanatos 43 f; Ken- 
tauromachie 57. 57,3; Marsyas 81 fl'. 
87 ff.; Orestes in Delphi 199 ff.; Paris 
141 f; Peleus' Hochzeit (Fran9ois- F.) 
54; Psyche 7,10; Theseus und Ariadne 
277 f, und Minotauros 107; Unter- 
welt 253 ff. 

Venedig, Eros und Psyche Marmor- 
gruppe in — 15 

Vergil Georg. IV 485ff :255 

Verona Gorgoneion Br.-Rel. in — 27; 
Votiv-iie/. mit Schlangentopf in — 
217f. 

Vesta Tempel (Rom) 67 f 

Via Flamin ia Grab der Nasonen an 
der — 143 

Vibia Eros und Psyche auf Denaren 
der gens — 12 



Victoria Skphg. (Rom) 78 
Viergespann V. 38,13; Wgm. 143 
Virtus Skphg. (Rom) 78. 278. 280 
Vogel auf arch. Goldschrauck (Berlin) 

100. 105; Frau mit — (Brit. Mus.) 143; 

— als Schildzeichen T''. 246; — mit 

Menschenkopf als Sinnbild der Seele 

10,16 
Vulci Grabfund in — 65; Vn. des 

Charinos aus — 238 f 

Waagen aus Br. (Brit. Mus.) 145 

Wagen anf arch. Goldschmuck (Ber- 
lin) 108; in den Parthenonmetopen 
53 f; auf V. 53 

Wandgemälde vom Colosseum (Brit. 
Mus.) 143; vom Grab der Nasontn 
(Brit. Mus.) 143; Aeneas' Auszug pa- 
rodirt 10,15; die drei Erdtheile 140; 
Eros und Psyche 5,7; Landschafts- 
bilder 140; Theseus 274 f 277 

Wasserleitung in Samos 75 

Webstühle der Alten 169ff. 

Widder Helle auf dem — T.-Ret. 
(Brit. Mus.) 144 

Wight Marmorko]if und Skphg. aus — 
(Brit. Mus.) 144 

Wölfin. Romulus und Remus säugend 
Mzn. von Ilion 224,1 

Xenophon Anab. VII 3,21:183; Cy- 
neget. 13,14:9,13 

Yarborough'schc Sammlung: Niobe- 
Koji/ 64 

Zeus Ostgiebel vom Tempel des — in 
Olympia 220ff. 281 ff.; — und Aigaion 
32; und Dionysos 85 f; im bacch. Ge- 
lage T'. 88f., etr. Sp. 89,15; und Ga- 
nymed V. 45, T. 76; im Giganten- 
kampf (Parthenonmetopen) 48 ft". (Me- 
garergiebel) 51; und Typhoeus 32 

Z iegelstempel 67 

Zweigespann von Pferden 108, von 
Stieren 228,12 

Zweikampf 101. 248 

Zwerg Tn. 66. 144 



ArchÜDlo^. Ztg. J;ilu'^aii^ XLII. 



23 



313 



Resister. 



314 



II. EPIGRAPHISCHES REGISTER. 



Indosassanidische Inschrift C (Berl. 

Mus.) 68 
Keilinschrift aus Kappadokien 74 



Griechische Inschriften 

im British Museum 143 f.; in Cypern 168; 

von Ilion 224; byzantin. Inschr. auf 

einer Bleiplatte (Berlin) 68 
AQE att. Tetradrachme 76 
{Aitt)x6g V. 265 
Aimv V. 266 
A[x('tftai] V. 250 
'Alxvovio r. 32,2 
ZiuttOii fi ino(t]afV V. 237 
'Aväyxrj V. 265 
Andreas und Aristomachos, argivi- 

sche Künstler auf Inschrift auf Olympia 

146 
At'dQouä/ti T'. 250 
—th»tis V. 249 f. 
AviiÖTittt V. 252 
'An[a]tti Bei. 117 f. 
o ätivtt H7ioXk~]u>v(ov vtmxogog 'Athi[v(ig 

\ixr]q6Q]ov iigioi //fyj'K^ww Ret. 71 
AoTvuvayg V. 250 
Bioi Rel. 115. 119. 123 
Buvyoi (nuCriOtv V. 249 
ü Afjixog att. Tetradrachmon 7fi 
Jixri V. 263 
ito? rrjvät V. 252 
(ygai^atv Vn. 239. 241. 252 
'EUäriixoi V. 252 
'Enl\Xv\xos fyQctjifatv V. 241 



IrtoCtiatv Vn. 23811'. 

^' inoCrjOtv 237. 239 

Inoisav 240 

(notifotv 240 
Ev!)vfiiätg Vn. 252 
EviJvdtxT} V. 267 
Zfi)f llohfvg 231 
Zr/vuivog Itgiiag Stempel aus Constanti- 

nopel 65 
iuifioi V. 209 f. 
'llij^axktjg V. 239 

'Eyctxleo r. 32,2 
0o()itxCov V. 252 
fi)[on]ai'|U^[<yijc] I'. 250 
'Uqiov Inoirintv F;i. 247 f. 
'D.itig Inschr. von Ilion 223, 1 
KO*VS V. 96 
XQtöiv V. 209 f. 
Kvl^i (xr)vijüv) /HPK Bleigewicht (Brit. Mus.) 

146 
Att . . . V. 267 
]\lttnSo}(luv £?-.-VVaage 145 
Aliuviov xciXig Vn. 242 
AVdiof F. 252 
Nf07i[-i6]i.[lfiOg'] V. 250 
Nixoalfevrjg Inotrjnn' V. 238 
'OQfftv V. 271,22 
Ilavaitiog xaXög Vn. 243 
Ilävifctiog fj.'inoirjOtv V. 239 

Ifdv(f<aiog (nonnv V. 240 

'hadfiiiog fno^rjaiv V. 239 
lItt(>i!toog V. 263 
rioXv/aivr) V. 250 
Ilnlaiiog Vn. 250. 252 
If()(OTi(f>vog V. 209 f. 



niiaKVfg V. 209 f. 
l'PnJftJ^UKySüf T". 265 
.S'ixeilöf fygcKfatv V. 239 
r^;ii)C F. 252 
TQtnroXi/xog Vn. 265 
T()(u3'fa/(ui' F. 209 f. 
lon' 'AHi]V>]!ttv {iltXiov V. 239 
yoz^f T". 209 
'PiXiiug V. 251 

•t>iviCug Inoirjair V. 251 
Xtd-pf 'Oc>(/'fO F. 271,22 
Xnprvoi Inoirjatv V. 239 
Xi'niur fnoii]atv V. 239 

Lateinische Inschriften. 

Alaesiagae, german. Gottheiten, Inschr. 
vom Hadrianswall 74 

Alphabetische Anordnung von Na- 
men 73 

Beda ) germ. Gottheiten, 

Fimmilena ) Inschr. vom Ha- 

Mars Thingsus ) drianswall 74 

Mili tärdiplora Domitians (Pesth) 64. 

M. Rai. Ruf Fer., Bleibarren aus Car- 
tagena (Berlin) 7 1 f. 

Sempronius Servandus, Weihinschr. 
des — auf Skphg. aus Wight (Brit. 
Mus.) 144 

Tarquinii, etrusk. Bundesstadt auf 
Inschr. (Rom, Lateran) 73 

Tuihanti cives Germani ex cuneo 
Frisiorum Severiani Alexan- 
driani, Inschr. vom Hadrianswall 74 

Vetulonia 1 etrusk. Bundesstädte auf 

Volci I Inschr. 73 



ARCHÄOLOGISCHE ZEITUNG I8S4. 



TAFEL 1. 




^es. ». M. Lübke 



Iltlwor d. XeicfisdrutJx'y.i 



EROS UND PSYCHE 

BRONZERELIEF IM BERLINER MUSEUM. 





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RCHAOLOGISCHE ZEITUNG 1S84 



TAFEL 





HERAKLES UND ALKYONEYS 

SCHALE IN CORN ETO 



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TAFEL 10. 



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ARCHAISCHER GOLDSCHMUCK Ul 

1. AUS ATHEN 2 AUS ETRURIEN. 



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ARCHÄOLOGISCHE ZEITUNG 1884 
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TAFEL 15. 





AMPHORA DES AMASIS. 



ARCHÄOLOGISCHE ZEITUNG 1884 




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SCHALEN DES Pfi 



TAFEL 16. 






^DEUPHRONIOS. 



ARCHÄOLOGISCHE ZEITUNG 1884. 



TAFEL 17. 



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1 VASE DES EPILYKOS 2.FRAGMENTE AUS VULCI 
3. SCHALE DES HIERON. 



ARCHÄOLOCPSCHE ZEITUNG 188* 




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UNTERWELTS-VASE SANTANGELO 



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5LOGISCHE ZEITUNG 1884 



TAFEL 19 




FRAGMENTE EINER UNTERWELTS - VASE 



IN KARLSRU H E 



LiüibalvWAOr- 



3 3125 00098 5362